Posts Tagged ‘Lenin’

Orgonomie und Metaphysik (Teil 51)

7. April 2022

Reich definierte Mystik als Glaube, daß der „Geist“, bzw. die „Seele“, unabhängig vom Körper existieren könne. Er führte diese „Weltanschauung“ auf die Panzerung des Organismus zurück. Der Panzer trennt den Menschen von der organismischen Orgonenergie, die dergestalt in ein „Jenseits“ versetzt (Mystizismus) oder ganz negiert wird (Mechanismus). Genauer betrachtet, stellt der Panzer eine unüberbrückbare Barriere dar zwischen der „körperlichen Welt“ (bioenergetische Erregung) und der „geistigen Welt“ (Wahrnehmung), die dergestalt, so das Empfinden des Mystikers, ein Eigenleben führt.

Normalerweise kommt dieses Weltgefühl in Religionen und Philosophien zum Ausdruck, die sich in einer ausgeklügelten Märchenwelt aus Engeln und Dämonen erschöpfen, die praktisch nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat; eine Parallelwelt, wie etwa im Volkskatholizismus, wo bioenergetische Erregungen auf verzerrte und „irreale“ Weise wahrgenommen werden, dabei jedoch die alltägliche Welt verhältnismäßig adäquat und realitätsgerecht gemeistert wird. In extremen Fällen kann es zu einer Art „Umkehr“ oder „Perspektivwechsel“ kommen: die „geistige Welt“ wird zur eigentlich realen Welt und die materielle Welt irreal. Es ist das kindische Weltempfinden, das von Hollywood mit seinen Superhelden a la „X-Men“ oder „Bruce allmächtig“ verbreitet wird. Offensichtlich hängt dies mit einer stärkeren Augenpanzerung zusammen, wie sie für die diversen religiösen Bewegungen des „New Age“ und für „östliche Weisheitsschulen“ typisch ist. „Gott“ (die verzerrte Wahrnehmung der kosmischen Orgonenergie) tritt zunehmend in den Hintergrund und der eigene „Geist“ (die von der Erregung abgespaltene Wahrnehmung) in den Vordergrund. Verzerrter Kontakt macht vollständiger Kontaktlosigkeit platz.

Nunmehr ist es die materielle Welt, die sich „dem Geist“ zu unterwerfen hat, der sich aus seiner „Gefangenschaft in der von ihm doch erschaffenen Materie“ wieder befreien soll. Das ist natürlich eine Travestie der von Reich in Die kosmische Überlagerung beschriebenen bioenergetischen Realität, daß die Materie durch Überlagerung aus der kosmischen Orgonenergie hervorgegangen ist und in Lebewesen diese Energie in einer materiellen Membran „gefangen“ ist. Entsprechend wirken diese extrem mystischen Doktrinen nicht nur teilweise geradezu rational (sie appellieren an unsere tiefsten bioenergetischen Empfindungen), sondern sie sind in einem gewissen Maße auch wirksam, d.h. mit ihrer Hilfe läßt sich teilweise die Orgonenergie tatsächlich „geistig“ beeinflussen. Auf diese Weise „fixen“ die diversen Kulte ihre Anhänger an, auch wenn sich später diese anfänglichen positiven Resultate nicht weiter vertiefen lassen und die Adepten selbst zunehmend „verflachen“. (Es ist wie beim Heroin, wo am Anfang der Rausch steht und am Ende Abhängigkeit, obwohl die „Highs“ immer flacher werden.) Man denke an Scientology, Geistheilung, Transzendentale Meditation, Neo-Satanismus und ähnlichen Unsinn, der anfangs manchmal recht überzeugend wirkt, aber nirgends hinführt.

Obwohl Linke wegen ihres mangelnden Kernkontakts gemeinhin einer eher „materialistischen“ Weltanschauung anhängen, ähnelt ihre Herangehensweise an gesellschaftliche Probleme auf verblüffende Weise dem Grundkonzept der extremen Mystiker: die Welt hat sich den „Postulaten“ der „Intellektuellen“ – den Postulaten des „Geistes“ zu unterwerfen (sozusagen: „Es werde Licht!“). Diese Leute glauben allen ernstes man könne die Wirtschaft mit einem „Plan“ regulieren. Das ist so, weil sie genauso wie die extremen Mystiker unter einer sehr starken Augenpanzerung leiden. (Beispielsweise wollen diese Spinner die Einwanderung von Fachkräften fördern, verlangen aber gleichzeitig die höhere Besteuerung „der Reichen“.)

Während die gemäßigte Linke, die traditionellen Sozialdemokraten, von einer „gerechten Gesellschaft“ träumen (Reich sprach von „sozialistischer Sehnsucht“), versucht die extreme Linke diesen Traum tatsächlich umzusetzen („demokratischer Sozialismus“, Kommunismus). Bei Licht betrachtet ist dieser Traum natürlich vollständiger Unsinn: je sozial durchlässiger eine Gesellschaft wird, desto schneller setzen sich die Fähigen gegen die Unfähigen durch – will man diese „Ungerechtigkeit“ korrigieren, ist das extrem ungerecht gegenüber den Fähigen. Am Anfang hat die extreme Linke beim Durchsetzen des dergestalt vollständig absurden sozialistischen Projekts teilweise tatsächlich Erfolge, weil „endlich mal etwas getan wird“, sie die Massen begeistern und mitreißen können (nicht zuletzt Reich selbst hat das Ende der 1920er Jahre beeindruckt), – doch sehr schnell wird es zu einem Alptraum, eben weil „Gerechtigkeit“ ein natur- und wirklichkeitswidriges Unterfangen ist und nur mit extremer Brutalität künstlich durchgesetzt werden kann. (Ein echter Linker kriegt spätestens jetzt entweder einen Ohnmachtsanfall oder er entwickelt einen mörderischen Haß auf mich!)

Auch in dieser Hinsicht ähneln sich die extreme Mystik und die extreme Linke: am Ende sind sowohl mystische Kulte als auch kommunistische Staaten kaum mehr als Konzentrationslager voller halbtoter Zombies. Man denke etwa an Falun Gong und den Maoismus in China.

Hitler und Mao waren mit ihrem absurden Voluntarismus, der Haltung, daß der „Wille“ bzw. das „richtige Bewußtsein“ alle materiellen Widerstände hinwegfegen würden, zwei Hauptbeispiele einer mystischen Geisteshaltung, die mit bloßen Postulaten die „materielle Welt“ beeinflussen, ja beherrschen will. Der gemäßigten Rechten und gemäßigten Linken ist derartiger Triumphalismus fremd. Sie sitzen passiv da und träumen von einer „besseren Welt“ im Jenseits bzw. in der Zukunft. Gott oder „der Gang der Dinge“ werde sie bringen.

Der verborgene Mystizismus der Linken ist letztendlich darauf zurückzuführen, daß das mechanistische Weltbild seine Lücken und Ungereimtheiten nur mit mystischen Konzepten flicken kann. Beispielsweise dürfte es nach materialistischer Geschichtsauffassung gar kein „proletarisches Klassenbewußtsein“ geben. Lenin hat das offen eingestanden: das Klassenbewußtsein müsse von außen in das Proletariat hineingetragen werden – durch Hegelianer!

Dieser Planet ist ein Irrenhaus.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Die autoritäre Gesellschaft und ihr Ende und die antiautoritäre Gesellschaft und ihr Ende

15. März 2022

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist dieemotionellepest.jpg

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 1. Die Apokalypse / Die autoritäre Gesellschaft und ihr Ende und die antiautoritäre Gesellschaft und ihr Ende

Paul Mathews: Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz

7. März 2022

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist mathews6.jpg.

Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz

Der linke Reich: Reich und die Technik

15. November 2021

Was den technologischen Fortschritt angeht, war Reich zeitlebens gespalten. Beispielsweise finden sich Anfang der 1930er Jahre Aussagen, die Lenins Diktum entsprechen, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung: der technologische Fortschritt, etwa das Arbeiten in Fabriken, sei mit einer sexuellen Befreiung einhergegangen. Entsprechend hat also die Technologie dazu beigetragen, den Menschen biophysische zu befreien.

Zehn Jahre später hat Reich dann in der umgeschriebenen und erweiterten Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus natürlich gegenteilige Töne angeschlagen: der Mensch sei durch seinen Kontakt zur Maschine selbst zur Maschine geworden, d.h. biophysisch entartet. Dabei blieb er, wie praktisch jeder seiner Generation, ein Technikfreak: immer das neuste Auto, die modernste Laboreinrichtung. Und dann ist er natürlich auch „Katastrophist“: der Zusammenbruch der technischen Zivilisation im/nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Menschen wachrütteln und verändern. Ohnehin wäre es besser, wenn wir zum einfachen Leben, wie es etwa die Trobriander führen, zurückkehrten.

Man kann schön von einem „indigenen“ Leben träumen, bis man unerträgliche Zahnschmerzen hat, sich das Becken gebrochen hat und die Freundin elendig und mit unvorstellbaren Schmerzen bei der Geburt des gemeinsamen Kindes verreckt, weil kein Kaiserschnitt durchgeführt werden kann und wenn, es einer Schlachtung bei lebendigem Leibe gleichkäme. Ich für meinen Teil bin heilfroh im 21. Jahrhundert leben zu dürfen! (Jedenfalls war ich das bis vor zwei Jahren.)

Und selbst was die Umweltverschmutzung betrifft: früher stanken die Städte unerträglich nach Menschen- und Pferdefäkalien, waren vom ewigen Pferdegetrampel und holprigen Pferdewagen unfaßbar laut, aus den Schornsteinen stiegen Giftschwaden aus nichtraffinierter Kohle und anderen Brennstoffen, die Lebensmittel waren voller Gift (beispielsweise wurde der Wein routinemäßig mit Blei versüßt) und fiese Krankheiten grassierten, die wir vor allem durch die Verbesserung der Hygiene ausgerottet haben. Nicht zuletzt wegen der mangelnden Fluktuation grassierten Erbkrankheiten durch Inzucht. Noch heute stößt man auf Indiostämme mit sechs Fingern an der Hand, etc. Mangelernährung, Klein- und Fehlwuchs waren die Norm.

Mit Reich und Hans Hass sehe ich Technologie einfach nur als ein Werkzeug des Lebendigen mit deren Hilfe der schmale Grat, auf dem das Lebendige wandelt, ausgeweitet werden kann. „Wir waren sogar schon auf dem lebensfeindlichen Mond!“ Auch könnten wir Gefahren abwenden, die die gesamte Biosphäre zerstören, etwa gigantische Meteoriten. Es ist wie mit einem Skalpell: in der Hand eines sadistischen Triebtäters ist es das lebensfeindliche Instrument, während es in der Hand eines guten Chirurgen die Verkörperung der Lebensbejahung schlechthin ist. Übrigens hat schon einmal der technische Fortschritt die Menschheit und den Großteil der anderen Lebewesen gerettet: ohne fossile Brennstoffe (erst Kohle, dann Öl) stände auf dem Planeten buchstäblich kein Baum und kein Strauch mehr! Es wäre alles verfeuert. Keine Übertreibung, ich erinnere nur daran, daß Spanien und England vor den großen Armadas dicht bewaldet waren. Und was das vermeintliche „Treibhausgas“ CO2 betrifft: erdgeschichtlich leidet dieser Planet, also vor allem das Pflanzenreich, unter einem verzweifelten Kohlenstoffmangel. Die Erde benutzt den Menschen, der integraler Bestandteil der Natur ist, um die Erdatmosphäre wieder mit Kohlenstoff anzureichern, damit es auf diesem Planeten weiter Leben geben kann.

Fußnote zu: Nachwort zu „Zweite Ergänzung zu ‚Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 3)‘“

16. August 2021

Ich erwähnte eine Eselsbrücke zur englischen Vokabel „elevator“: –> see you later alligator –> rock’n roll –> Elvis Presley –> Las Vegas –> merkwürdigerweise spielen in allen Filmen über Las Vegas Fahrstühle eine zentrale Rolle –> Fahrstuhl.

Jedes einzelne Wort der Eselsbrücke, bspw. „Elvis“, wird selbst wieder über eine entsprechende Eselsbrücke ins Bewußtsein gerufen. Das zeigt uns, daß Sprachen untrennbar von der Kultur sind, in der wir aufgewachsen sind und leben. Eine zweite entscheidende Rolle wird der Aufbau und das Funktionieren (sozusagen „Assoziieren“) unseres Organismus spielen. Alles hier ausgeführte in der Tradition: Kant (Organismus), Marx (Gesellschaft), Freud (die Vergesellschaftung der Psyche), Reich (die Vergesellschaftung des Körpers)!

Plansprachen sind von daher eine Todgeburt wie alles Künstliche. Die einzige Möglichkeit, den Beschränkungen unserer gepanzerten Sprache zu entkommen, ist die Orgonometrie. Sie steht in der gleichen Traditionsreihe, wenn wir noch Hegel, Engels und Lenin einfügen.

Alter, naive Medizin! (Teil 5)

20. Juni 2021

Die orgonomische Vorstellung von „Gesundheit“ ist offensichtlich absurd! Nehmen wir etwa das, was Federico Navarro in seinem zweibändigen, ähhh, Werk Die sieben Stufen der Gesundheit (Frankfurt 1986) über Haarausfall bei Männern gesagt hat: es sei (logisch!) Folge von okularer Panzerung… 🙂

Aber im Ernst: hier zeichnet sich ein wahrhafter Terror ab, der die gesamte Orgonomie ad absurdum führt. Will sagen, wenn man derartige Maßstäbe an den Menschen legt, wie der verpeilte „Vegetotherapeut“ Dr. Navarro, dann können wir das Konzept „Gesundheit“ gleich ganz vergessen, denn es ist offensichtlich nichts anderes als eine ideologische Chimäre, die letztendlich der Ausübung faschistischer Macht dient, indem jeder und jede „entlarvt“ wird. „Schütteres Haar?“ „Wußte ich’s doch!!!

Im funktionellen Denken, das frei ist von den krankhaften Absolutheiten des mechanistischen und mystischen (d.h. gepanzerten) Denkens, treten derartige Probleme nicht auf.

So, was soll das sein, „funktionelles Denken“?!

Erst einmal denken wir nicht in Absolutheiten wie „krank“ und „gesund“! Niemand und nichts ist „absolut krank“ bzw. „absolut gesund“!

Das wird deutlich, wenn man konkrete Beispiele nimmt.

Gesundheit hat offensichtlich etwas, mit einem „ungepanzerten“, d.h. beweglichen Körper zu tun. Trotzdem kann ein Ballettänzer, an dessen Bewegungsabläufen nichts auszusetzen ist, hochneurotisch sein. Aber, und das ist entscheidend, ein verfettetes Couchpotato kann unter wie auch immer gearteten Umständen kein genitaler Charakter sein.

Jemand, der Sex bis zum Abwinken hat und dabei, nach eigener Einschätzung, vollkommen befriedigt ist, kann hochneurotisch sein. Ein zölibatär lebender Mensch kann jedoch unter keinen Umständen ein genitaler Charakter sein.

Ein „großer Denker“, etwa ein bekannter Philosoph, kann ein neurotisches Wrack sein. Aber jemand der, unabhängig vom IQ, Dinge nie zuende denkt und ständig an den Fragen vorbeiargumentiert, kann unmöglich ein genitaler Charakter sein.

Diese Beispiele mögen genügen. Was ist also „Gesundheit“, d.h. „orgastische Potenz“?! Schauen wir uns dazu folgendes Diagramm an:

Je weiter sich die Schenkel nach rechts hin spreizen, desto mehr Raum ist für „die bunte Welt der Neurose“. Hier ist wirklich Raum für alles.

Beispielsweise kann ein schizophrener Mensch zeitweise vollkommen freie Augen haben, während sie zu anderen Zeiten vollständig gepanzert sind.

Ein Mensch wie Richard Wagner kann großartige Kunst schaffen und gleichzeitig an einem Traktat arbeiten, das den Holocaust mit vorbereitet hat.

Jemand wie Lenin kann in vieler Hinsicht die Orgonometrie wie kein anderer vorweggenommen haben und gleichzeitig den GULAG begründet haben.

Jemand kann der netteste Arbeitskollege sein, den man sich überhaupt vorstellen kann, und sich abends sadistische Kinderpornos anschauen.

Je weiter wir aber nach links zurückgehen, d.h. in Richtung des Gemeinsamen Funktionsprinzips alles Lebendigen, desto eingeschränkter wird die Variation.

„Nach links“ verweist in Richtung der Gesundheit, die viele Dinge ausschließt, während „nach rechts“ in Richtung Krankheit verweist, die so gut wie alles einschließt.

Dazu muß man wissen, daß es buchstäblich keine einzige neurotische Äußerung gibt, wie bizarr sie auch immer sei (etwa die Untaten kannibalistischer Sexualmörder), die nicht als eine bloße Übertreibung eines primären, vollkommen natürlichen und gesunden Antriebes entlarvt werden könnte. „Ich habe dich zum Fressen gern!“

Wenn man die Orgonomie wirklich verstanden hat, dann sind faschistische Fehldeutungen von Gesundheit und Krankheit ausgeschlossen.

David Holbrook, M.D.: SOLSCHENIZYN, DOSTOJEWSKI, GOTT UND DER KOMMUNISMUS / ÜBERLEGUNGEN ZU POLITIK, POLARISIERUNG UND DER FRAGE NACH DEM „GEIST“

20. April 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Solschenizyn, Dostojewski, Gott und der Kommunismus

Überlegungen zu Politik, Polarisierung und der Frage nach dem „Geist“

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 34)

16. März 2021

2019 haben sich bei einer Untersuchung von 60 Kulturen aus der ganzen Welt sieben universelle moralische Regeln herauskristallisiert. Den Anthropologen der Universität Oxford zufolge lautet dieser menschheitsübergreifende Moralkodex: hilf deiner Familie, hilf deiner Gruppe, erwidere Gefälligkeiten (Empfinden von Schuldgefühlen und Dankbarkeit, Leisten von Wiedergutmachung und Verzeihen), sei mutig, respektiere die, die über dir stehen, teile die Ressourcen mit anderen auf eine gerechte Weise und respektiere das Eigentum der anderen. Es gab nie eine Gesellschaft, in der eines dieser Verhaltensweisen als moralisch verwerflich angesehen wurde.

Die Arbeitsdemokratie und ihr diametrales Gegenteil, die Emotionelle Pest, kann man mit Hilfe dieser sieben Maximen beschreiben, auf die sich alle natürlich gewachsenen Gesellschaften vollkommen unabhängig voneinander geeinigt haben, die also unserer „menschlichen Natur“ entsprechen. Die „natürliche Arbeitsdemokratie“, von der Reich sprach, steht dabei in einem diametralen Gegensatz zur widernatürlichen und lebensfeindlichen Ideologie der Linken:

  1. Familienwerte (von den Linken heute mehr angegriffen denn je)
  2. Gruppentreue („Nationalismus“, „Patriotismus“, von den Linken abgrundtief verabscheut)
  3. Gegenseitigkeit (Linksliberalismus/Sozialismus basiert auf Ressentiment und „sozialer Gerechtigkeit“, d.h. Affirmative Action und sozialem Parasitentum)
  4. Tapferkeit („toxische Maskulinität“)
  5. Respekt (widerspricht der Grundlage des liberalen Charakters, d.h. Rebellion gegen den Vater)
  6. Fairness (historisch gesehen war dies das erste, was Lenin, Trotzki, Stalin, Mao, Pol Pot etc. als „bürgerlich“ brandmarkten und den Roten Garden auszutreiben trachteten)
  7. Eigentumsrechte (was das mit der linken Pest zu tun hat, ist offensichtich)

Buchbesprechung: THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM (Teil 4)

23. Oktober 2020

von Paul N. Mathews

 

Entgegen den jüngsten Rezensionen dieses Buches in der New York Times (3, 4) ist Reich weder gegen die Familie noch impliziert er, dass sich alle patriarchalischen Gesellschaften zu einem organisierten faschistischen Staat entwickeln müssen. Ihm geht es um die patriarchalische Zwangsfamilie, nicht um die natürliche Familie, und um jene Aspekte der menschlichen Charakterstruktur, die in einem faschistischen Staat kulminieren können. Eine weitere Implikation in diesen Rezensionen betraf Frauen in Nazi-Deutschland, die angeblich „ihren Sex genauso genossen haben wie die heutigen Mitglieder der Frauenbefreiungsligen“. Ein elementares Verständnis von Reichs Orgasmus-Theorie hätte ein solches Beispiel ausschließen können, denn Tatsache ist, dass sexuelle Aktivität und orgastische Potenz nicht identisch sind und dass „klitorale Orgasmen“ vaginale Orgasmen nicht ersetzen können (5).

Mit unfehlbarer Logik zeichnet Reich den Niedergang der Sozialdemokratie in der Weimarer Republik und ihren Verfall zum Nationalsozialismus nach. Und den vergleichbaren Prozess in der Sowjetunion nach den ersten Jahren, der zum Stalinismus und Roten Faschismus führte. In beiden Fällen weist Reich auf die charakterologischen Unfähigkeiten der Massen zu echter Sozialdemokratie hin und ihre starken Reaktionen auf ideologische Appelle, die auf Patriarchat, sexuellen Ängsten, Mystizismus und Chauvinismus beruhen.

Ich muss jedoch Reichs Einschätzung von Lenin widersprechen, dem er meines Erachtens mehr als verdiente Anerkennung sowohl für seine humanen Beweggründe als auch für sein funktionelles Verständnis der charakterologischen Unfähigkeit zu Freiheit seitens der Massen zollt.

Jüngste Dokumentationen, wie Robert Paynes The Life and Death of Lenin (6)g weisen darauf hin, dass Lenins Motivationen erheblich weniger human und funktionell waren, als Reich ihm zuschreibt:

Nachdem Lenin entschieden hatte, dass alle Mittel zulässig seien, um die Diktatur des Proletariats zu errichten, wobei er selbst im Namen des Proletariats regierte, hatte er Russland in unerträglicher Weise der menschlichen Freiheit beraubt. Seine Macht war nackte Macht; seine Waffe war die Vernichtung; sein Ziel war die Verlängerung seiner eigenen Diktatur. Er konnte schreiben: „Europa in Flammen setzen“ und sich nichts dabei denken. Er konnte den Tod von Tausenden und Abertausenden von Menschen anordnen und ihr Tod war unerheblich, weil sie nur Statistiken waren, die den Fortschritt seiner Theorie behinderten. Das Gemetzel in den Kellern der Lubjanka interessierte ihn nicht. Er kaperte die russische Revolution und verriet sie dann und in diesem Moment machte er Stalin unausweichlich (6, S.631).

Obwohl man Payne widersprechen muss, es sei Lenin und nicht die russischen Massen gewesen, die „Stalin unvermeidlich machten“, ist klar, dass Lenin kein humanitärer Mensch war.

 

Anmerkungen des Übersetzers

g Deutsch: Lenin und sein Tod. Rütten & Loening, München 1965.

 

Literatur

3. Lacqueur, W.: „The Mass Psychology of Fascism,“ New York Times Sunday Book Review, Dec. 20, 1970.
4. Lehman-Haupt, C. : „Again Into the Orgone Box,“ New York Times, Jan. 4, 1971.
5. Herskowitz, M.: „Orgasm in the Human Female,“ Journal of Orgonomy, 3:92-101, 1969.
6. Payne, R. : The Life and Death of Lenin. New York: Simon and Schuster, 1964.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 1, S. 107-112.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Buchbesprechung: REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz (Teil 1)

11. September 2020

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist mathews6.jpg.

Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz