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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 10. Der Christusmord nach Lukas / Lukasevangelium (8,19-23,12) (Teil 1)

5. September 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 10. Der Christusmord nach Lukas / Lukasevangelium (8,19-23,12) (Teil 1)

Hamilton gegen Jefferson

18. August 2022

Bei der Amerikanischen Revolution, die schließlich allen europäischen Revolutionen vorangegangen ist, welche unser heutiges politisches Umfeld prägen, stoßen wir auf den zentralen Gegensatz zwischen dem pseudoliberalen „modern liberal“ Thomas Jefferson (1743 bis 1826) und dem konservativen Alexander Hamilton (1755 bis 1804). Der erstere hat damals genau jene Forderungen vertreten, die heute sowohl linke als auch rechte Blogger im Internet verbreiten: Einschränkung der Zentralregierung, Bürgerrechte, die permanente Rebellion, „Zivilgesellschaft“. Tatsächlich war sein Einfluß direkt für die Abspaltung der Südstaaten und den Bürgerkrieg verantwortlich. (Davis war die Wiedergeburt Jeffersons, Lincoln die Hamiltons.) Hamilton war für eine starke Zentralregierung und einen geordneten Staat nach englischem Muster, eine Zentralbank, eine vernünftige Armee und Marine, etc. Er verkörperte all das, was Linke und Rechte heute dermaßen an den USA hassen.

Mit seiner charakterstrukturellen Subversion hat Jefferson von Anfang an die Saat der Uneinigkeit und des Zerfalls gestreut. Zugegeben klingt alles gut, was er geschrieben hat über Unabhängigkeit, Freiheit, das Streben nach Glück, etc., befaßt man sich aber mit seinem Leben, sieht man, daß er ausschließlich in seinem Kopf gelebt hat, ein lebensfremder „Idealist“ und im Herzen ein pestilenter Charakter war.

Das ganze erinnert etwas an die Ursprünge des jetzigen Ukrainekonflikts. Dazu folgender Bericht von 2016, bei dem man Lenin mit Jefferson und Stalin, ja, mit Hamilton „gleichsetzen“ könnte. Es geht hier nicht um Moral, „Gut“ und „Böse“, sondern um gesellschaftliche Funktionen:

Der russische Präsident Wladimir Putin hat das Regime des Sowjetgründers Wladimir Lenin kritisiert und die brutalen Repressionen der bolschewistischen Regierung scharf verurteilt. (…) Putin prangerte an, daß Lenin und seine Regierung den letzten Zaren Russlands mitsamt seiner Familie und seinen Bediensteten brutal hingerichtet und Tausende von Priestern und Mitgliedern der Bourgeoisie umgebracht hatte. (…) Putin meinte, Lenins Ideologie sei wie eine „Atombombe“, die schließlich zum Untergang der Sowjetunion geführt habe. Er sagte, Lenin habe sich in seinem Streit mit Josef Stalin geirrt, der für ein Einheitsstaatsmodell eintrat, während Lenin den Republiken das Recht gab, die UdSSR zu verlassen. „Dieses Recht [auf Sezession] war die Mine mit Zeitzünder, die unter unserer Staatlichkeit plaziert wurde. Das war die Ursache für den endgültigen Zusammenbruch des Landes“, sagte Putin.

Hamilton ging es um den Erhalt und die Sicherung des einmal erkämpften. Der Utopist Jefferson wollte eine agrarisch organisierte, praktisch „basisdemokratische“ Nation, war geradezu ein „Grüner“. Hamilton wollte einen starken Staat, der einen freien Handel auf dem Kontinent ermöglicht und (nicht zuletzt durch angemessenen Protektionismus) auf eine entwickelte Industrienation zusteuert. Er war für eine bestimmende Elite, eine Art neue Aristokratie aufgrund von Leistung. Tatsächlich war er selbst ein illegitimes Kind und früh Waise. Er war auf einer fernen Insel in der Karibik geboren und aufgewachsen und mußte bereits mit 14 als kaufmännischer Angestellter für seinen Lebensunterhalt arbeiten. Nach wenigen Wochen leitete er die Firma für seinen erkrankten und sechs Monate ans Bett gefesselten Boß. Jefferson hingegen war in die herrschende Klasse der Kolonien hineingeboren. Der Unterschied zeigte sich auch darin, daß Hamilton für seine Zeit auf fast einmalige Art und Weise frei von Rassismus war, was Neger, Indianer und Juden betraf. Er selbst wurde wegen seiner Herkunft immer wieder als „Mulatte“ denunziert. (Heute dichten „Antizionisten“ ihm gerne jüdische Vorfahren an.)

Als Hamilton unter Washington der erste Finanzminister der USA wurde, war das Land bankrott und es wäre nur natürlich gewesen, wenn eine „revolutionäre Regierung“ diese, ihre Schulden (a la Griechenland heute) schlichtweg negiert hätte. Nicht so Hamilton: er sah in den horrenden Schulden einen Glücksfall, eine Möglichkeit Vertrauen in die neue Regierung zu schaffen, so daß diese in Zukunft kreditwürdig werden würde. Am Ende seiner Amtszeit war das bankrotte Land, dem niemand bei klarem Verstand Geld geliehen hätte, zum kreditwürdigsten Land der Welt geworden. Dabei war Hamilton sogar so weit gegangen, daß er freiwillig die angehäuften Schulden der 13 Teilstaaten übernommen hatte. Sein Kalkül war u.a., daß die reichen Gläubiger alles dafür tun würden, die Zentralregierung prosperieren zu lassen. Schulden würden sich, so Hamilton, dergestalt von einer Bürde in eine Stärke verwandeln; von etwas, was die Einheit der Nation gefährdet, in etwas, was die Einheit der Nation zementiert. Schulden sind das, was eine Nation zusammenhält, weil sie eine wechselseitige Abhängigkeit, eine bioenergetische Spannung, erzeugen. Der Orgonom Robert Harman hat das in seiner Artikelserie über „Functional Economics“ (The Journal of Orgonomy) im Detail ausgeführt.

In Hamiltons Augen war Jefferson ein Politiker im schlimmsten Sinne des Wortes, ein Populist: jemand, der den Massen nach dem Munde redet, um an die Macht zu kommen und an der Macht zu bleiben – zur Hölle mit der Wahrheit. Hamilton selbst war ein lausiger Politiker, weil er es nicht übers Herz brachte, anderes zu sagen als die Wahrheit, egal wie unbequem sie auch sei. Er sprach nicht von „Freiheit“ und „Volksherrschaft“, sondern er schuf die Institutionen (die Zentralregierung, die Armee und den „Finanzkapitalismus“), die Amerika groß gemacht haben.

Während Jefferson die blutige Französische Revolution feierte, war Hamilton schockiert und angewidert. „Andererseits“ besaß der Großgrundbesitzer Jefferson 200 Sklaven, während der stets für seinen vergleichsweise mageren Lebensunterhalt hart arbeitende Hamilton einer der ersten und der prominenteste Gegner der Sklaverei war. Schließlich wurde Hamilton von Jefferson und seinen Leuten zu Fall gebracht, indem sie eine außereheliche Eskapade ausschlachteten, mit der Hamilton von seiner Geliebten und deren Ehemann erpreßt wurde. Der gutherzige und naive Hamilton tat für die damalige Zeit etwas, was aus jedem Rahmen des puritanischen Amerika fiel: um Vorwürfe der Korruption zu entkräften, veröffentlichte er eine Broschüre, in der er alle Einzelheiten seiner außerehelichen Affäre beschrieb und sogar die Briefe seiner kriminellen Geliebten veröffentlichte. Während Washington ihn weiter unterstützte und seiner Loyalität versicherte, konnte der pestilente Charakter Jefferson sein Glück kaum fassen: nun konnte Hamilton unter keinen Umständen mehr Präsident werden.

Später war es Hamilton, der durch seinen Einfluß Jefferson zum Präsidenten machte, um einen skrupellosen Glücksritter, Aaron Burr, davon abzuhalten als Präsident das moralische Rückgrat des Landes zu brechen. Burr sollte schließlich Hamilton in einem Duell erschießen.

Der linksliberale Charakter Jefferson setzte alles auf den „kleinen Mann“ von der Straße, von dem er, der Großbürger, nicht den geringsten Schimmer hatte. Für den konservativen Charakter Hamilton hatte er bis über dessen Tod hinaus nur Verachtung und Haß, denn der sei „Monarchist“ gewesen, also genau das, wogegen man in der Revolution aufgestanden war. Hamilton hingegen betrachtete sie nie als „Revolution“, sondern als bloßen Kampf für die Unabhängigkeit. Die Demokratie war ihm ein Greuel, die Krankheit des neuen Landes, weil er im Gegensatz zu Jefferson eine realistische Sicht der menschlichen Natur hatte. Es war sein Einfluß, der für das spezifische amerikanische Regierungssystem aus „checks and ballances“ sorgte, so daß Leute wie Jefferson keinen allzu großen Schaden anrichten konnten.

Hamilton betrachtete die Demokratie als große Gefahr. Wohin sie führt, zeigt sich heute, wo die Parasiten des Staates ihre Agenda auf Kosten der Zukunft durchsetzen. Hamiltons Vision für die Massen, aus denen er schließlich stammte, war nicht die illusionäre „Partizipation“ an der Politik, sondern: durch die praktische Teilnahme am Arbeitsprozeß sollten sie – teilhaben und sich ihren Einfluß erarbeiten. Wählen sollten nur jene dürfen, die sich eine entsprechende wirtschaftliche Position erarbeitet haben.

All diese Gegensätze sind vom charakterologischen Gegensatz zwischen Linken und Konservativen geprägt: die Identifikation mit den Massen, die Rebellion gegen den Vater, der kontaktlose „Idealismus“ auf der einen Seite, der Wettstreit mit dem Vater und Realismus, insbesondere was die menschliche Natur und die praktischen Notwendigkeiten des Lebens betrifft, auf der anderen Seite.

Was für ein Mann Hamilton war, zeigt sich an zwei Episoden: Als Student, gerade mal 20, stellte er sich todesmutig dem „revolutionären Mob“ entgegen und rettete so dem royalistischen Direktor seiner Universität das Leben. Dabei war er, Hamilton, es gewesen, der in Pamphleten, die weite Verbreitung und große Aufmerksamkeit erlangten, für die Unabhängigkeit der Kolonisten von England geworben hatte. Es war Hamilton, der bei Yorktown maßgeblich die letzte und entscheidende Schlacht gegen die Engländer anführte – buchstäblich: todesmutig Schritt er voran in den Kugelhagel hinein. Nichts dergleichen läßt sich auch nur annähernd über Jefferson berichten. Er gab sich lieber sadistischen Phantasien hin und schwafelte davon, daß der Baum der Freiheit immer wieder durch das Blut der Tyrannen und Patrioten bewässert werden müsse.

Hamilton hatte sich alles selbst erarbeitet. Ein „Bastard“ und mittelloser „Migrant“, der zur rechten Hand General Washingtons wurde (tatsächlich war er „Washingtons Gehirn“), ein Kriegsheld, der eine Einheit zusammenstellte, die heute die älteste Einheit der US-Armee ist; der nach dem Krieg innerhalb weniger Monate autodidaktisch zum Anwalt wurde, den ersten Verein zur Abschaffung der Sklaverei ins Leben rief, eine Bank gründete und der schließlich als Präsident Washingtons Finanzminister de facto zu dessen „Ministerpräsidenten“ wurde und damit zum eigentlichen Herrscher Amerikas, dem er bis heute seinen Charakter aufgedrückt hat. Ohne ihn würde Nordamerika heute vielleicht aussehen wie Südamerika! Jefferson hingegen war als einer der reichsten Männer der Kolonien geboren worden, nur um mit horrenden Schulden zu sterben. Ein Nichtsnutz, dem bis heute universell Bewunderung gezeugt wird…

Hamiltons Vermächtnis ist Amerika selbst, eine prosperierende, dynamische Gesellschaft, die zum „Weltpolizisten“ aufgestiegen ist, der auf allen Kontinenten die Emotionelle Pest in Schach hält. Über Friedrich List steht Hamilton am Urgrund der erfolgreichen Wirtschaftsmodelle in Asien, angefangen bei Japan und kulminierend im modernen China. Ohne seinen indirekten Einfluß hätten möglicherweise Hunderte von Millionen Menschen verhungern müssen. Nicht zuletzt ist naürlich an Deutschlands wirtschaftlichen Aufstieg bis 1914 zu denken! Jeffersons Vermächtnis sind „Visionäre“, „Idealisten“, Schwätzer, Verschwörungstheoretiker, gemeingefährliche Demagogen, „Piraten“, Truther, Weltverbesserer. Nichtsnutze, die keinen blassen Schimmer von den wirtschaftlichen und arbeitsdemokratischen Zusammenhängen haben. Etwa Bert Brecht: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ Leeres Gewäsch von Leuten, die in ihrem Leben nie etwas Praktisches geleistet haben!

Zum folgenden Video lese man auch die Kommentare: der abgrundtiefe Haß gegen Hamilton…

https://www.youtube.com/watch?v=notJuFGXQ9w

Und hier der Grund für diesen Haß auf Hamilton. Hamilton im Gespräch mit Washingtons Nachfolger, Präsident John Adams:

https://www.youtube.com/watch?v=KaWBs46USqE

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 10. Der Christusmord nach Lukas / Thyl Ulenspiegel

16. August 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 10. Der Christusmord nach Lukas / Thyl Ulenspiegel

Eine Notiz über James DeMeos Saharasia-Theorie (1999) (Teil 2)

28. Juni 2022

Bei der Lektüre von Saharasia flippe ich immer hin und her, man nehme etwa die Makkabäer: der Makkabäer-Aufstand siegte 161 v.Chr. gegen die hellenistische seleukidisch-syrische Herrschaft; er hatte nichts mit irgendwelchen Römern zu tun. Und nun steht in Saharasia auf S. 275 etwas über die „Maccabees rebellion of 167 BCE (sic!) wherein Judea became independent from Rome (sic!)“. Ganz im Gegenteil waren die Juden damals verbündete der Römer gegen die Seleukiden. Das macht DeMeos Anmerkung geradezu komisch. Ein gefundenes Fressen für die Feinde DeMeos. – Übrigens verwundert mich, daß DeMeo praktisch ganz den hellenistischen Einfluß auf den Nahen Osten unterschlägt.

Überhaupt hat DeMeos Lektor, also seine Frau, schlecht gearbeitet.

Hier noch vier Überlegungen zur Saharasia-Theorie:

1. In Ländern wie China und Indien ist Nacktheit und Sexualität in Filmen Tabu, Gewalt jedoch nicht: deshalb kommt Nacktheit und Sexualität nur in Gewaltszenen vor, die die Zensur anstandslos durchgehen läßt. Selbst in Amerika lassen sich „Sex-Szenen“ á la Basic Instinct nur via Gewalt in Filme einbauen, die auch Jugendliche sehen dürfen. Das ist symptomatisch für eine gesellschaftliche Vergewaltigungsmentalität: Angst der Männer vor der autonomen Sexualität der Frauen und Angst der Frauen vor der Autonomie („Ich bin ja nicht verantwortlich!“).

2. Interessant wäre auch eine geographische Aufschlüsselung des Kindesmißbrauchs. Ich glaube, man wird feststellen, daß die Päderastie genau dort häufig sein wird, wo auch die Homosexualität groß ist: in Saharasia. Interessanterweise waren im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts „Päderastie“ und „Homosexualität“ vollkommen synonyme Begriffe. Was ziemlich interessant hinsichtlich der jetzigen Diskussion über sexuellen Kindesmißbrauch ist. Wer behauptet, daß Homosexualität keine Krankheit ist, muß folgerichtig auch die Päderastie akzeptieren – und vernünftigerweise seinen eigenen Sohn zur Verfügung stellen! Sicherlich wird mir die Psychiatrie nicht zustimmen, aber ich bin trotzdem davon überzeugt, daß ausnahmslos jeder Homosexuelle ein Päderast ist. Wenn nicht im Leben, dann doch in der Phantasie. Historisch war das jedenfalls stets so, etwa bei den Griechen: ein älterer Mann und ein Jüngling bzw. Knabe.

Übrigens kann man so Liberale fertigmachen: wenn sie A (Homosexuelle) sagen, sollen sie gefälligst auch B (Kinderficker) sagen! Das haben Konservative auf der einen Seite und Kommunisten (etwa Lenin) auf der anderen Seite an den Liberalen immer so verachtet: das sie eine Sache nie zuende denken, nie die Konsequenzen ziehen.

Aber zurück zu Saharasia: nicht ohne Grund hat Nietzsche in Italien gelebt, denn da gab es wie selbstverständlich die kleinen Jungs – wie im übrigen Mittelmeerraum. Heute ist Marokko der Geheimtip. Dort wird nur die genitale heterosexuelle Sexualität der Jugendlichen erbarmungslos verfolgt.

3. Was meine Sache mit den Linksalternativen und Saharasia betrifft: mir wurde von einem Uni-Seminar berichtet, wo der Dozent ganz Herbert Marcuseisch für Cannabis & Co. warb und als glühendes Beispiel die saharasiatischen Länder ausmalte, wo die Menschen dank dieser Drogen friedlich und entspannt seien und nicht so alkoholisch-aggressiv wie im nördlichen Europa. DeMeo hat Haschisch eindeutig mit den patristischen Mörder-Nomaden Zentralasiens in Zusammenhang gebracht (z.B. S. 252).

4. Eine Soziologie-Professorin aus Münster argumentiert vollkommen sexualökonomisch: „Laut neueren ethnologischen und historischen Untersuchungen setzt das Patriarchat mit der männlichen Kontrolle über die Gebärfähigkeit und Sexualität der Frauen ein. Abwertung der weiblichen Sexualität, Aneignung der Kinder durch die Väter und Vergewaltigungen erscheinen als Symptome bei der Diagnose von Männerherrschaft“ (Ilse Lenz/Ute Luig (Hg.): Frauenmacht ohne Herrschaft. Geschlechtsverhältnisse in nichtpatriarchalischen Gesellschaften, Berlin: Orlanda Frauenverlag, 1990, S. 66).

Uns wurden etwa die Buschmänner der Kalahari stets als eher patriarchalisch vorgestellt, was auch mich hinsichtlich der Saharasia-Theorie etwas durcheinandergebracht hat. Aber eine genauere ethnologische Analyse zeigt das Gegenteil oder allein schon, wenn man die obigen Kriterien von Ilse Lenz heranzieht.

Die Saharasia-Theorie ist durch und durch stimmig – und gerade die neueren und neusten Forschungsergebnisse unterstützen dies immer mehr. Man vergleiche etwa, den Stand der Forschung zu Freuds und selbst noch zu Reichs Zeiten mit der heutigen Lehrmeinung.

Was mir beim Studium ethnologischer Literatur, etwa Malinowskis immer wieder aufgefallen ist, ist, wie modern und westlich und vollständig anti-Erich-Fromm-isch doch die Lebenseinstellung der matriarchalen Völker ist, etwa bei den Büschmännern: „Dem aktiven, erfolgreichen und fürsorglichen Jäger entspricht die begehrenswerte und selbstbewußte Frau“ (Lenz/Luig: S. 101).

Es stimmt auch nicht, daß diese Völker keinen „Stirnerschen“ Individualismus kennen. Etwa die Hadza, ein kleines Jägervolk im nördlichen Tansania, sind extreme Individualisten, bei denen es kaum einen Gruppendruck gibt. „Die Hadza haben viele Ähnlichkeiten mit den San [den Buschmännern], obwohl bei ihnen eine stärkere Tendenz zur Anarchie besteht. Ihr schon fast extremer Individualismus basiert auf einer territorialen und sozialen Organisation, die durch größtmögliche Offenheit und Freizügigkeit gekennzeichnet ist“ (Lenz/Luig: S. 112).

Überhaupt sind diese Völker erstaunlich „westlich“: „Wegen [der] Freiheit von ökonomischen Zwängen haben die Hadza-Ehen durchaus Gemeinsamkeiten mit der bürgerlichen Vorstellung einer Liebesheirat. Diese Unabhängigkeit von materiellen Bindungen ist jedoch auch ein Grund für die Instabilität dieser Ehen, deren Scheidungsrate noch höher als bei den San zu sein scheint“ (Lenz/Luig: S. 118).

Übrigens kennen die Buschmänner auch die Orgonenergie. Sie nennen sie „Num“, das dem polynesischen Mana entspricht.

DeMeo behauptet wenn nicht explizit, so doch ganz eindeutig implizit, daß das ACO mit seiner Unterstützung der konservativen Weltanschauung in jeder Hinsicht rückschrittlich wäre und hinter Reich zurückfalle. DeMeo selbst aber vertritt abgestandene Uralt-Theorien. Als man Reich einmal über den Anarchisten Kropotkin ausfragte, der doch ganz „arbeitsdemokratische“ Lehren vertreten hätte, antwortete Reich: „Sie vergessen, daß die Zeiten sich ändern und daß die Wahrheit von gestern, die Lüge von heute ist“ (Ollendorff: Reich, S. 104). Reich hat sich weiterentwickelt, das ACO (dessen erste Generation sich fast durchweg aus ehemaligen Linken und gar Trotzkisten, etwa Prof. Bell, zusammensetzte) hat sich weiterentwickelt – nur DeMeo hängt nachwievor uralten linken Gedanken an. Zum Beispiel finde ich es schier unerträglich, wie von DeMeo hinsichtlich einer selbstregulatorischen Erziehung noch immer so argumentiert wird, wie Reich es in den 40er Jahren tat. Nicht, daß daran prinzipiell irgendetwas falsch wäre, aber die Verhältnisse haben sich wahrhaftig geändert und damit das, was wirklich wichtig ist. Heute ist weniger nackte Autorität das Problem, sondern Permissivität, emotionale Erpressung und ideologische („emanzipatorische“) Indoktrination von Kindern, die leer, zerrissen, desorganisiert sind und sich verzweifelt nach Autorität sehnen. Deshalb rebellieren sie, was mit noch mehr „emanzipatorischer“ Permissivität beantwortet wird, was die Kinder noch wütender macht, etc. Das wäre heute wichtig, aktuell, und würde den Lesern wehtun, sie treffen. Aber nein, DeMeo präsentiert die uralten Theorien, als hätte sich die Orgonomie in den letzten 40 Jahren nicht weiterentwickelt oder als würde er zu den konservativen Bewohnern eines anatolischen Bergdorfes reden.

Zum Beispiel klagt er an, daß die Orgonomen Anfang der 70er Jahre nicht Nixon, sondern „die Linken“ bekämpft hätten. Liest man die zeitgenössischen Berichte z.B. von Patricia Green über ihre praktischen Erfahrungen als Schulleiterin oder Koopmans Erfahrungen in der praktischen psychiatrischen Sozialarbeit sieht man, daß diese hochpolitische Nixon-Affäre in ihrer funktionellen Bedeutung zu nichts gerinnt angesichts einer Gesellschaft, die in einen „linken“ zerstörerischen Taumel geraten ist. DeMeo zeigt stets nur die eine Hälfte des Bildes – das in seiner Gesamtheit DeMeo widerlegen würde. Diese „verschleierte und verschleiernde“ Argumentationsweise ist typisch für DeMeo. Es kennzeichnet praktisch alles, was er von sich gibt. Zum Beispiel behauptet er auf S. 52 von Nach Reich Reich habe „sein Interesse an den Problemen der breiten Öffentlichkeit nie aufgegeben“ und rechtfertigt damit seine Argumentation, daß Reich bis zum Schluß imgrunde ein marxistischer Sozialist war. Gut, die eine Seite des Bildes stimmt, Reich war bis zum Schluß ein soziales Tier: aber praktisch alles (außer Jugendsexualität, Umweltschutz und Religion), wofür bzw. wogegen Reich am Ende kämpfte, entsprach einem strammen amerikanischen „Republikanismus“.

S. 42: Imgrunde behauptet DeMeo, die Orgonomen hätten Reichs gesellschaftspolitische Ideen verraten, indem sie z.B. sozialistische Ideen schlechtweg als „krank“ abqualifizierten. Man lese dazu jedoch Reichs Briefe an Neill oder nehme etwa folgende Erinnerung von Charles Kelley: „I met Reich in 1950. (…) I told Reich I was a socialist, and Reich looked at me with a kind of pity. He shook his head and said: ‚You don’t know how sick it is. You’ll find out“.

Wirklich lachen mußte ich aber, als DeMeo darauf hinwies, daß für die soziopolitische Haltung der Orgonomen keine „systematischen und wissenschaftlichen Grundlagen“ vorhanden sind. Offenbar haben grundsätzlich nur liberale und sozialistische Ideen eine „systematische und wissenschaftliche Grundlage“. Das haben ja auch immer die „Dialektischen Materialisten“ behauptet.

Übrigens kann man diese spezifische Charakterdeformation entgegen DeMeos arroganter Behauptung im Kulturvergleich durchaus „systematisch und wissenschaftlich“ feststellen (z.B. haben dies Humanethologen wie Hans Hass und Eibl-Eibesfeld getan), aber dies ist wegen der Natur der Sache nicht so einfach zu bewerkstelligen, wie die Saharasia-Untersuchung. Ich habe Hass‘ entsprechende Untersuchung kurz referiert. (Übrigens erwähne mal die Humanethologie und insbesondere Eibl-Eibesfeld in der Gruppe, die für Nach Reich verantwortlich ist. Ich garantiere, daß sie sofort abblocken, daß das alles Stockkonservative, wenn nicht sogar Nazis seien, etc.)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 51)

7. April 2022

Reich definierte Mystik als Glaube, daß der „Geist“, bzw. die „Seele“, unabhängig vom Körper existieren könne. Er führte diese „Weltanschauung“ auf die Panzerung des Organismus zurück. Der Panzer trennt den Menschen von der organismischen Orgonenergie, die dergestalt in ein „Jenseits“ versetzt (Mystizismus) oder ganz negiert wird (Mechanismus). Genauer betrachtet, stellt der Panzer eine unüberbrückbare Barriere dar zwischen der „körperlichen Welt“ (bioenergetische Erregung) und der „geistigen Welt“ (Wahrnehmung), die dergestalt, so das Empfinden des Mystikers, ein Eigenleben führt.

Normalerweise kommt dieses Weltgefühl in Religionen und Philosophien zum Ausdruck, die sich in einer ausgeklügelten Märchenwelt aus Engeln und Dämonen erschöpfen, die praktisch nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun hat; eine Parallelwelt, wie etwa im Volkskatholizismus, wo bioenergetische Erregungen auf verzerrte und „irreale“ Weise wahrgenommen werden, dabei jedoch die alltägliche Welt verhältnismäßig adäquat und realitätsgerecht gemeistert wird. In extremen Fällen kann es zu einer Art „Umkehr“ oder „Perspektivwechsel“ kommen: die „geistige Welt“ wird zur eigentlich realen Welt und die materielle Welt irreal. Es ist das kindische Weltempfinden, das von Hollywood mit seinen Superhelden a la „X-Men“ oder „Bruce allmächtig“ verbreitet wird. Offensichtlich hängt dies mit einer stärkeren Augenpanzerung zusammen, wie sie für die diversen religiösen Bewegungen des „New Age“ und für „östliche Weisheitsschulen“ typisch ist. „Gott“ (die verzerrte Wahrnehmung der kosmischen Orgonenergie) tritt zunehmend in den Hintergrund und der eigene „Geist“ (die von der Erregung abgespaltene Wahrnehmung) in den Vordergrund. Verzerrter Kontakt macht vollständiger Kontaktlosigkeit platz.

Nunmehr ist es die materielle Welt, die sich „dem Geist“ zu unterwerfen hat, der sich aus seiner „Gefangenschaft in der von ihm doch erschaffenen Materie“ wieder befreien soll. Das ist natürlich eine Travestie der von Reich in Die kosmische Überlagerung beschriebenen bioenergetischen Realität, daß die Materie durch Überlagerung aus der kosmischen Orgonenergie hervorgegangen ist und in Lebewesen diese Energie in einer materiellen Membran „gefangen“ ist. Entsprechend wirken diese extrem mystischen Doktrinen nicht nur teilweise geradezu rational (sie appellieren an unsere tiefsten bioenergetischen Empfindungen), sondern sie sind in einem gewissen Maße auch wirksam, d.h. mit ihrer Hilfe läßt sich teilweise die Orgonenergie tatsächlich „geistig“ beeinflussen. Auf diese Weise „fixen“ die diversen Kulte ihre Anhänger an, auch wenn sich später diese anfänglichen positiven Resultate nicht weiter vertiefen lassen und die Adepten selbst zunehmend „verflachen“. (Es ist wie beim Heroin, wo am Anfang der Rausch steht und am Ende Abhängigkeit, obwohl die „Highs“ immer flacher werden.) Man denke an Scientology, Geistheilung, Transzendentale Meditation, Neo-Satanismus und ähnlichen Unsinn, der anfangs manchmal recht überzeugend wirkt, aber nirgends hinführt.

Obwohl Linke wegen ihres mangelnden Kernkontakts gemeinhin einer eher „materialistischen“ Weltanschauung anhängen, ähnelt ihre Herangehensweise an gesellschaftliche Probleme auf verblüffende Weise dem Grundkonzept der extremen Mystiker: die Welt hat sich den „Postulaten“ der „Intellektuellen“ – den Postulaten des „Geistes“ zu unterwerfen (sozusagen: „Es werde Licht!“). Diese Leute glauben allen ernstes man könne die Wirtschaft mit einem „Plan“ regulieren. Das ist so, weil sie genauso wie die extremen Mystiker unter einer sehr starken Augenpanzerung leiden. (Beispielsweise wollen diese Spinner die Einwanderung von Fachkräften fördern, verlangen aber gleichzeitig die höhere Besteuerung „der Reichen“.)

Während die gemäßigte Linke, die traditionellen Sozialdemokraten, von einer „gerechten Gesellschaft“ träumen (Reich sprach von „sozialistischer Sehnsucht“), versucht die extreme Linke diesen Traum tatsächlich umzusetzen („demokratischer Sozialismus“, Kommunismus). Bei Licht betrachtet ist dieser Traum natürlich vollständiger Unsinn: je sozial durchlässiger eine Gesellschaft wird, desto schneller setzen sich die Fähigen gegen die Unfähigen durch – will man diese „Ungerechtigkeit“ korrigieren, ist das extrem ungerecht gegenüber den Fähigen. Am Anfang hat die extreme Linke beim Durchsetzen des dergestalt vollständig absurden sozialistischen Projekts teilweise tatsächlich Erfolge, weil „endlich mal etwas getan wird“, sie die Massen begeistern und mitreißen können (nicht zuletzt Reich selbst hat das Ende der 1920er Jahre beeindruckt), – doch sehr schnell wird es zu einem Alptraum, eben weil „Gerechtigkeit“ ein natur- und wirklichkeitswidriges Unterfangen ist und nur mit extremer Brutalität künstlich durchgesetzt werden kann. (Ein echter Linker kriegt spätestens jetzt entweder einen Ohnmachtsanfall oder er entwickelt einen mörderischen Haß auf mich!)

Auch in dieser Hinsicht ähneln sich die extreme Mystik und die extreme Linke: am Ende sind sowohl mystische Kulte als auch kommunistische Staaten kaum mehr als Konzentrationslager voller halbtoter Zombies. Man denke etwa an Falun Gong und den Maoismus in China.

Hitler und Mao waren mit ihrem absurden Voluntarismus, der Haltung, daß der „Wille“ bzw. das „richtige Bewußtsein“ alle materiellen Widerstände hinwegfegen würden, zwei Hauptbeispiele einer mystischen Geisteshaltung, die mit bloßen Postulaten die „materielle Welt“ beeinflussen, ja beherrschen will. Der gemäßigten Rechten und gemäßigten Linken ist derartiger Triumphalismus fremd. Sie sitzen passiv da und träumen von einer „besseren Welt“ im Jenseits bzw. in der Zukunft. Gott oder „der Gang der Dinge“ werde sie bringen.

Der verborgene Mystizismus der Linken ist letztendlich darauf zurückzuführen, daß das mechanistische Weltbild seine Lücken und Ungereimtheiten nur mit mystischen Konzepten flicken kann. Beispielsweise dürfte es nach materialistischer Geschichtsauffassung gar kein „proletarisches Klassenbewußtsein“ geben. Lenin hat das offen eingestanden: das Klassenbewußtsein müsse von außen in das Proletariat hineingetragen werden – durch Hegelianer!

Dieser Planet ist ein Irrenhaus.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Die autoritäre Gesellschaft und ihr Ende und die antiautoritäre Gesellschaft und ihr Ende

15. März 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 1. Die Apokalypse / Die autoritäre Gesellschaft und ihr Ende und die antiautoritäre Gesellschaft und ihr Ende

Paul Mathews: Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz

7. März 2022

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Besprechung REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz

Der linke Reich: Reich und die Technik

15. November 2021

Was den technologischen Fortschritt angeht, war Reich zeitlebens gespalten. Beispielsweise finden sich Anfang der 1930er Jahre Aussagen, die Lenins Diktum entsprechen, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung: der technologische Fortschritt, etwa das Arbeiten in Fabriken, sei mit einer sexuellen Befreiung einhergegangen. Entsprechend hat also die Technologie dazu beigetragen, den Menschen biophysische zu befreien.

Zehn Jahre später hat Reich dann in der umgeschriebenen und erweiterten Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus natürlich gegenteilige Töne angeschlagen: der Mensch sei durch seinen Kontakt zur Maschine selbst zur Maschine geworden, d.h. biophysisch entartet. Dabei blieb er, wie praktisch jeder seiner Generation, ein Technikfreak: immer das neuste Auto, die modernste Laboreinrichtung. Und dann ist er natürlich auch „Katastrophist“: der Zusammenbruch der technischen Zivilisation im/nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Menschen wachrütteln und verändern. Ohnehin wäre es besser, wenn wir zum einfachen Leben, wie es etwa die Trobriander führen, zurückkehrten.

Man kann schön von einem „indigenen“ Leben träumen, bis man unerträgliche Zahnschmerzen hat, sich das Becken gebrochen hat und die Freundin elendig und mit unvorstellbaren Schmerzen bei der Geburt des gemeinsamen Kindes verreckt, weil kein Kaiserschnitt durchgeführt werden kann und wenn, es einer Schlachtung bei lebendigem Leibe gleichkäme. Ich für meinen Teil bin heilfroh im 21. Jahrhundert leben zu dürfen! (Jedenfalls war ich das bis vor zwei Jahren.)

Und selbst was die Umweltverschmutzung betrifft: früher stanken die Städte unerträglich nach Menschen- und Pferdefäkalien, waren vom ewigen Pferdegetrampel und holprigen Pferdewagen unfaßbar laut, aus den Schornsteinen stiegen Giftschwaden aus nichtraffinierter Kohle und anderen Brennstoffen, die Lebensmittel waren voller Gift (beispielsweise wurde der Wein routinemäßig mit Blei versüßt) und fiese Krankheiten grassierten, die wir vor allem durch die Verbesserung der Hygiene ausgerottet haben. Nicht zuletzt wegen der mangelnden Fluktuation grassierten Erbkrankheiten durch Inzucht. Noch heute stößt man auf Indiostämme mit sechs Fingern an der Hand, etc. Mangelernährung, Klein- und Fehlwuchs waren die Norm.

Mit Reich und Hans Hass sehe ich Technologie einfach nur als ein Werkzeug des Lebendigen mit deren Hilfe der schmale Grat, auf dem das Lebendige wandelt, ausgeweitet werden kann. „Wir waren sogar schon auf dem lebensfeindlichen Mond!“ Auch könnten wir Gefahren abwenden, die die gesamte Biosphäre zerstören, etwa gigantische Meteoriten. Es ist wie mit einem Skalpell: in der Hand eines sadistischen Triebtäters ist es das lebensfeindliche Instrument, während es in der Hand eines guten Chirurgen die Verkörperung der Lebensbejahung schlechthin ist. Übrigens hat schon einmal der technische Fortschritt die Menschheit und den Großteil der anderen Lebewesen gerettet: ohne fossile Brennstoffe (erst Kohle, dann Öl) stände auf dem Planeten buchstäblich kein Baum und kein Strauch mehr! Es wäre alles verfeuert. Keine Übertreibung, ich erinnere nur daran, daß Spanien und England vor den großen Armadas dicht bewaldet waren. Und was das vermeintliche „Treibhausgas“ CO2 betrifft: erdgeschichtlich leidet dieser Planet, also vor allem das Pflanzenreich, unter einem verzweifelten Kohlenstoffmangel. Die Erde benutzt den Menschen, der integraler Bestandteil der Natur ist, um die Erdatmosphäre wieder mit Kohlenstoff anzureichern, damit es auf diesem Planeten weiter Leben geben kann.

Fußnote zu: Nachwort zu „Zweite Ergänzung zu ‚Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 3)‘“

16. August 2021

Ich erwähnte eine Eselsbrücke zur englischen Vokabel „elevator“: –> see you later alligator –> rock’n roll –> Elvis Presley –> Las Vegas –> merkwürdigerweise spielen in allen Filmen über Las Vegas Fahrstühle eine zentrale Rolle –> Fahrstuhl.

Jedes einzelne Wort der Eselsbrücke, bspw. „Elvis“, wird selbst wieder über eine entsprechende Eselsbrücke ins Bewußtsein gerufen. Das zeigt uns, daß Sprachen untrennbar von der Kultur sind, in der wir aufgewachsen sind und leben. Eine zweite entscheidende Rolle wird der Aufbau und das Funktionieren (sozusagen „Assoziieren“) unseres Organismus spielen. Alles hier ausgeführte in der Tradition: Kant (Organismus), Marx (Gesellschaft), Freud (die Vergesellschaftung der Psyche), Reich (die Vergesellschaftung des Körpers)!

Plansprachen sind von daher eine Todgeburt wie alles Künstliche. Die einzige Möglichkeit, den Beschränkungen unserer gepanzerten Sprache zu entkommen, ist die Orgonometrie. Sie steht in der gleichen Traditionsreihe, wenn wir noch Hegel, Engels und Lenin einfügen.

Alter, naive Medizin! (Teil 5)

20. Juni 2021

Die orgonomische Vorstellung von „Gesundheit“ ist offensichtlich absurd! Nehmen wir etwa das, was Federico Navarro in seinem zweibändigen, ähhh, Werk Die sieben Stufen der Gesundheit (Frankfurt 1986) über Haarausfall bei Männern gesagt hat: es sei (logisch!) Folge von okularer Panzerung… 🙂

Aber im Ernst: hier zeichnet sich ein wahrhafter Terror ab, der die gesamte Orgonomie ad absurdum führt. Will sagen, wenn man derartige Maßstäbe an den Menschen legt, wie der verpeilte „Vegetotherapeut“ Dr. Navarro, dann können wir das Konzept „Gesundheit“ gleich ganz vergessen, denn es ist offensichtlich nichts anderes als eine ideologische Chimäre, die letztendlich der Ausübung faschistischer Macht dient, indem jeder und jede „entlarvt“ wird. „Schütteres Haar?“ „Wußte ich’s doch!!!

Im funktionellen Denken, das frei ist von den krankhaften Absolutheiten des mechanistischen und mystischen (d.h. gepanzerten) Denkens, treten derartige Probleme nicht auf.

So, was soll das sein, „funktionelles Denken“?!

Erst einmal denken wir nicht in Absolutheiten wie „krank“ und „gesund“! Niemand und nichts ist „absolut krank“ bzw. „absolut gesund“!

Das wird deutlich, wenn man konkrete Beispiele nimmt.

Gesundheit hat offensichtlich etwas, mit einem „ungepanzerten“, d.h. beweglichen Körper zu tun. Trotzdem kann ein Ballettänzer, an dessen Bewegungsabläufen nichts auszusetzen ist, hochneurotisch sein. Aber, und das ist entscheidend, ein verfettetes Couchpotato kann unter wie auch immer gearteten Umständen kein genitaler Charakter sein.

Jemand, der Sex bis zum Abwinken hat und dabei, nach eigener Einschätzung, vollkommen befriedigt ist, kann hochneurotisch sein. Ein zölibatär lebender Mensch kann jedoch unter keinen Umständen ein genitaler Charakter sein.

Ein „großer Denker“, etwa ein bekannter Philosoph, kann ein neurotisches Wrack sein. Aber jemand der, unabhängig vom IQ, Dinge nie zuende denkt und ständig an den Fragen vorbeiargumentiert, kann unmöglich ein genitaler Charakter sein.

Diese Beispiele mögen genügen. Was ist also „Gesundheit“, d.h. „orgastische Potenz“?! Schauen wir uns dazu folgendes Diagramm an:

Je weiter sich die Schenkel nach rechts hin spreizen, desto mehr Raum ist für „die bunte Welt der Neurose“. Hier ist wirklich Raum für alles.

Beispielsweise kann ein schizophrener Mensch zeitweise vollkommen freie Augen haben, während sie zu anderen Zeiten vollständig gepanzert sind.

Ein Mensch wie Richard Wagner kann großartige Kunst schaffen und gleichzeitig an einem Traktat arbeiten, das den Holocaust mit vorbereitet hat.

Jemand wie Lenin kann in vieler Hinsicht die Orgonometrie wie kein anderer vorweggenommen haben und gleichzeitig den GULAG begründet haben.

Jemand kann der netteste Arbeitskollege sein, den man sich überhaupt vorstellen kann, und sich abends sadistische Kinderpornos anschauen.

Je weiter wir aber nach links zurückgehen, d.h. in Richtung des Gemeinsamen Funktionsprinzips alles Lebendigen, desto eingeschränkter wird die Variation.

„Nach links“ verweist in Richtung der Gesundheit, die viele Dinge ausschließt, während „nach rechts“ in Richtung Krankheit verweist, die so gut wie alles einschließt.

Dazu muß man wissen, daß es buchstäblich keine einzige neurotische Äußerung gibt, wie bizarr sie auch immer sei (etwa die Untaten kannibalistischer Sexualmörder), die nicht als eine bloße Übertreibung eines primären, vollkommen natürlichen und gesunden Antriebes entlarvt werden könnte. „Ich habe dich zum Fressen gern!“

Wenn man die Orgonomie wirklich verstanden hat, dann sind faschistische Fehldeutungen von Gesundheit und Krankheit ausgeschlossen.