Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 4)

von Paul Mathews, M.A.

9. Die emotionale Pest vermittelt ein besonderes „Gefühl“ oder hat einen besonderen „Geruch“. So wie der einfache Neurotiker seine Symptome als ich-fremd erlebt, so erlebt auch der gesündere und anständigere Mensch die Anwesenheit und Aktivität der Pest als Störung in der Atmosphäre. Hier kommen die orgonotischen Sinne ins Spiel und die Stimmung und der Geruch einer Situation werden deutlich. Shakespeare sagte es prägnant in Hamlet: „Es ist etwas faul im Staate Dänemark.“ Man kann ein gut funktionierendes und kooperatives Verhältnis zu einer Arbeitsgruppe haben und doch plötzlich das Gefühl haben, dass etwas schief gelaufen ist. Modju hat die Szene betreten. Es gibt Uneinigkeit und Zwietracht, Chaos, Verwirrung und sogar Lähmung. Die Atmosphäre ist schwer und DOR-artig. Es herrscht tatsächlich eine übelriechende Atmosphäre und ein Gefühl der Hilflosigkeit. Sobald die Quelle ans Licht gebracht und entfernt wurde, klärt sich die Atmosphäre und das harmonische Funktionieren kehrt zurück. Dies ist ein energetisches Phänomen, ganz abgesehen von normalen Meinungsverschiedenheiten in Beziehungen, die sich durch gegenseitigen Respekt und Höflichkeit und durch die Unterordnung unter einer Aufgabe, was auch immer sie sein mag, auszeichnen. Als Hochschullehrer eines Kurses über Leben und Werk von Wilhelm Reich bin ich oft auf Unterschiede zwischen rationalen, ernsthaften Meinungsverschiedenheiten (mit der Absicht des Verstehens) und der Aktivität der emotionalen Pest, die verwirrend und hemmend wirkt, gestoßen. Häufig wird die letztere Art von Aktivität durch das Vortäuschen von Interesse an einem Aspekt (normalerweise politisch) von Reichs Arbeit charakterisiert, der nicht ausreichend ausgebreitet wurde oder der in einer Weise präsentiert wurde, die nicht mit der Ideologie der protestierenden Studenten übereinstimmte.8

10. Die emotionale Pest provoziert bewusst die unkontrollierte Freisetzung von sekundären Trieben. Dies ist teilweise motiviert als Instrument allgemeiner sozialer Destruktivität, teils als Instrument der direkten oder stellvertretenden Freisetzung um ihrer selbst willen. Da emotionale Pest-Individuen ein hohes Energieniveau, ebenso aber eine geringe Kapazität für die natürliche Freisetzung dieser Energie haben, suchen sie ständig nach Ersatz- und pathologischen Wegen, um sie freizusetzen. Das Schüren der sozialen Destruktivität unter irgendeinem Vorwand (in der Regel etwas, was im Interesse der Menschheit zu sein scheint) verschafft der Pest eine bequeme Tarnung für ihre wahren Motive. Die emotionale Pest wird sich mit verschiedenen anderen Pesterscheinungen, wie z.B. einer „Volksfront“ gegen Freiheit und Leben – oft im Namen von Freiheit und Leben – koordinieren. Dies kann entweder durch direkte, aktive Teilnahme oder durch passive Duldung geschehen. Der liberale Charakter ist besonders schuldig an den letztgenannten Erscheinungen.9 Reich erklärt:

Und der pestinfizierte Schädling erhält Rückendeckung durch die Prinzipien eines falsch verstandenen Liberalismus, der auf unbewusster Sympathie [kursiv von mir – P.M.] mit der Pest oder auf der Angst vor ihr basiert. . . . Wieder einmal zeigt der Kleine Mann Bewunderung für die Gerissenheit und Schlagkraft der Pest, die mit starker Hand die Bedeutung des wahren Liberalismus zu der unsinnigen Forderung verkehrt hat, wir müssten Mörder und Diebe und Gestalten, die uns nach dem Leben trachten, des nachts um unser Haus schleichen lassen, ohne ihnen mit der Waffe entgegenzutreten (3, S. 186)p.

11. In seinem Artikel „Truth Versus Modju“ (4) beschreibt Reich die Methode, mit der die emotionale Pest bzw. der „pestilente“ Charakter als Zünder fungiert, um ähnliche Potentiale und Reaktionen bei anderen zur Explosion zu bringen. Zu diesen anderen gehören die breite Öffentlichkeit, der Staatsdiener und sogar das vorgesehene Opfer selbst, die auf bestimmte Weise auf den Pestangriff reagieren und ihn eigentlich unterstützen. Wesentlicher Bestandteil ist hier eine Form der Unbeweglichkeit bzw. Duldung, die rationalisiert wird, um sich nicht mit dem Schmutz der Pest zu verunreinigen. Eine solche Haltung kann für die Mächte des Bösen sehr hilfreich sein, denn es gibt nichts, was sie mehr fürchten, als dem Tageslicht ausgesetzt zu sein. So harsch es klingen mag, diese Haltung des Pestopfers ist des Opfers eigene Pest bei der Arbeit. Dr. Reich hat es so erklärt:

Der Feind ist mitten unter uns. . . . Der Feind ist eure heimliche Sympathie für den Mörder des Lebens; eine Sympathie, die auf eurer Angst vor tiefer Trauer und ausgelassener Freude basiert. . . . Aus diesem Grunde schützt ihr die Pest und faselt von der Liebe zu eurem Nächsten (3, S. 187-188)q.

 

Fußnoten

8 Vgl. „Attack by the Radical Left“ von John Bell, Journal of Orgonomy, Jg. 8, Nr. 1, Mai 1974.

9 Vgl. Artikel von Paul Mathews in Jahrgang 1, Jahrgang 4, Nr. 1 und Jahrgang 8, Nr. 2 des Journal of Orgonomy, die sich mit liberaler Charakterologie befassen und Kapitel 13 von Man in the Trap von Elsworth F. Baker (7).

 

Anmerkungen des Übersetzers

p Christusmord, Zweitausendeins, S. 312f.

q Christusmord, Zweitausendeins, S. 314f.

 

Literatur

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

4. Reich, W.: „Truth Versus Modju“, Orgone Energy Bulletin, 4:162-170, 1952

7. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

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4 Antworten to “Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 4)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    „Das Schüren der sozialen Destruktivität unter irgendeinem Vorwand (in der Regel etwas, was im Interesse der Menschheit zu sein scheint) verschafft der Pest eine bequeme Tarnung für ihre wahren Motive.“

    Man denke nur an die Zerstörung unserer sozialen Sicherheit durch Masseneinwanderung unter dem Vorwand des Humanismus oder die Zerstörung unserer Industrie unter dem Vorwand des Umweltschutzes.

    „Wieder einmal zeigt der Kleine Mann Bewunderung für die Gerissenheit und Schlagkraft der Pest, die mit starker Hand die Bedeutung des wahren Liberalismus zu der unsinnigen Forderung verkehrt hat, wir müssten Mörder und Diebe und Gestalten, die uns nach dem Leben trachten, des nachts um unser Haus schleichen lassen, ohne ihnen mit der Waffe entgegenzutreten.“

    „Zu diesen anderen gehören die breite Öffentlichkeit, der Staatsdiener und sogar das vorgesehene Opfer selbst, die auf bestimmte Weise auf den Pestangriff reagieren und ihn eigentlich unterstützen.“

    Besonders sichtbar in der Masseneinwanderung, wo Mörder und Vergewaltiger durch die Behörden und die Öffentlichkeit geschützt werden. Die Mörder, Diebe und Gestalten werden durch die Lügenpresse, das Fernsehen und der Regierung geschützt. Große Teile der deutschen Bevölkerung reagieren typisch „pestartig“, indem sie den offenen Rechtsbruch verteidigen und die Opfer verleugnen.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Die Emotionelle Pest in Deutschland:

    https://www.journalistenwatch.com/2019/01/12/das-blut-tochter/

  3. claus Says:

    Gehört vielleicht auch hierher: https://www.youtube.com/watch?v=0l2ZWRqDtZc
    „Nicht ich hatte mich geändert, sondern die öffentliche Meinung“

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