Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY

Wiederholt wurde ich aufgefordert einen ausführlichen Artikel über die Entwicklung der Orgonomie im allgemeinen und des American College of Orgonomy (ACO) im besonderen zu schreiben. Das kann ich aus zwei Gründen nicht machen: zu wenig und zu viel Information. Wie sich die American Association of Medical Orgonomy (AAMO) genau aufgelöst hat, wie das mit dem Cloudbusting Anfang der 1960er Jahre genau war, warum Levy das ACO genau verlassen hat, warum die Abspaltung des Institute for Orgonomic Science (IOS) nun genau erfolgte und was Baker damals genau vorgeworfen wurde… Die, die darüber (noch!) reden könnten, hüllen sich in Schweigen oder verbreiten einseitige Gerüchte, in denen es keine Zwischentöne mehr gibt – und heutige Orgonomen zucken glaubhaft mit den Schultern: „Keine Ahnung!“ Und wenn ich die Histörchen, die ich per Zufall aus erster, zweiter und dritter Hand habe, ausmale, kann nur ein schiefes Bild entstehen – und außerdem möchte ich niemanden in die Pfanne hauen, u.a. weil mir dann berechtigterweise niemand mehr was erzählen würde.

Weitaus wichtiger ist sowieso das Grundsätzliche. Wofür steht eigentlich das Wort „College“ in „ACO“? Es ist ein „Kollegium“, ein Verbund von „Kollegen“, die primär Ausbildung (das zunächst von Baker und dann von Konia geleitete Seminar für Orgontherapie) und Forschung (Orgon-Biophysik im Elsworth F. Baker Oranur Research Laboratory) betreiben. Zunächst erfolgte das in den Praxen und „ausgebauten Scheunen“ von Orgontherapeuten. Seit Ende der 1980er Jahre in einem größeren ehemaligen Farmhaus und einem kleinen Nebengebäude auf einem großen Grundstück in einem mehr oder weniger ländlichen Vorort von Princeton, New Jersey. Der Name „College“ zeigt bereits, daß das keine „Organisation“ oder gar ein „Verein“ im üblichen Sinne ist. Mit wenigen Ausnahmen am Anfang des ACO können sowieso nur Promovierte Mitglied werden und das auch nur bleiben, solange sie aktiv mitarbeiten.

Die Struktur des ACO richtete sich stets nach dem Modell der USA aus: souveräne Staaten (nicht bloße „Bundesländer“ wie in Deutschland!) und doch eine starke Zentralregierung. Jeder Orgonom ist vollkommen frei auf seine eigene Weise die Orgonomie zur Entfaltung zu bringen (beispielsweise kann er eine „Organisation“ gründen), solange er einige wenige Kompetenzen (im Grunde aber nur eine) vollständig der Zentralregierung überläßt: in den USA ist das die Landesverteidigung, beim ACO die Ausbildung und „Lizensierung“ von Orgontherapeuten. Vielfalt in Einheit! Schaut man genauer hin, war das nicht nur zu Reichs Zeiten genauso (das Orgone Institute und drum herum die Wilhelm Reich Foundation, das AAMO, etc.), sondern es ist so durchweg bei allen akademischen und handwerklichen Verbänden weltweit.

Und woher nimmt das ACO seine Legitimation? Es ist unumstritten, daß Elsworth F. Baker, der Gründer des ACO, Ende der 1940er Jahre vom Orgone Institute (= Wilhelm Reich) den Auftrag erhalten hatte, zukünftige Orgonomen auszubilden, was er denn auch bis zu seinem Tode 1985 getan hat. Er war zu Reichs Lebzeiten der unumstrittene Führer der amerikanischen Orgontherapeuten im Großraum von New York City und wie selbstverständlich Herausgeber der Zeitschrift Medical Orgonomy, die zu Reichs Lebzeiten erschien und die der unmittelbare Vorläufer des Journal of Orgonomy war. Hätte Baker direkt nach Reichs Tod die Zügel in die Hand genommen, hätte es niemals irgendeinen Zweifel hinsichtlich „Legitimation“ gegeben!

Baker hat sich aber anders entschieden. Die Orgonomie war krachend gescheitert bzw. den Orgonomen war es nicht gelungen Reich zu schützen. Es wäre der helle Wahnsinn gewesen, einfach so weiterzumachen, als wäre nichts gewesen! Reich habe Baker persönlich bei ihrem letzten Treffen unmittelbar vor seinem Haftantritt erklärt, daß alle Organisationen eingestellt werden sollten, Baker sich von den restlichen Orgonomen distanzieren sollte, da diese ihn sonst „umbringen“, er solle stattdessen eine neue Generation von Orgonomen ausbilden und mit denen zusammen ein „College of Orgonomy“ gründen. 11 Jahre später hat Baker genau das getan.

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8 Antworten to “Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Sehr schöner Artikel und meinen Dank dafür, weil es mich schon immer sehr interessiert hat.

  2. Peter Nasselstein Says:

  3. O. Says:

    Der Artikel ist prima, lässt er doch wichtige Überlegungen zu:

    1. Reich konnte vor seinen externen Feinden – der organisierten Pest in den USA – nicht geschützt und gerettet werden. Er wurde ins Gefängnis gesteckt und umgebracht.

    2. Baker konnte nach Reich auch nicht ausreichend geschützt werden insbesondere vor den internen „Freunden“ der Orgonomy – der emotionellen Pestreaktion. Erst nach 11 Jahren konnte er ohne die Behauptung einer direkten Nachfolge/ Legimitation von Reich eine neue Organisation gründen und seine Sache der Orgonomy weiter verfolgen.

    Fazit: Ohne den inneren und externen Feind genau zu kennen, ist das Wagnis, orgonomisches Wissen organisiert fortzusetzen, glatter Selbstmord.

    Was ist die Konsequenz?
    Jemand gründet eine eigene unabhängige Organisation (ohne andere Orgonomen und ohne externe Feinde) unter eigenem Namen und verfolgt seine eigenen Ziele.

    Oder dieser Jemand lässt es. Letzteres erscheint mir die gesündere Entscheidung.

  4. Peter Nasselstein Says:

    Ich kann mich nicht erinnern, diese ausführliche Version des Reich-Films schon ,al gesehen zu haben. Gestern habe ich mit jemanden gesprochen, der den fertigen Film gesehen hat: Reich als linker Antifaschist etc. – kein Wort über seine spätere Einstellung zu gesellschaftspolitischen Fragen. Wer aus dem Fil kommt, muß unsereins für vollkommen Gaga halten!

    • Robert (Berlin) Says:

      War ja meine Rede; nur linke Grandparents. Und das über die ganze Länge des Films. Als ich den Film sah, war es Hochsommer, die Fenster waren auf und die Hauptstraße nebenan machte einen Höllenlarm, so dass ich auch deswegen wenig Verstand. Eine Filmszene ist mir noch in Erinnerung: wie Reich mit der Hand mal näher und ferner an den Orgonmotor geht und das Ding sich schneller dreht bei Nähe.
      Irgendwann wird es den Film auch zu kaufen geben, hoffe ich.

  5. Peter Nasselstein Says:

    Der Präsident des ACO:

  6. Frank Says:

    Nicht zum Thema:
    „Ein dritter Faktor seien aber auch sicherheitspolitische Erwägungen. Die chinesische Regierung, so Frankopan, blicke mit Sorge auf die Instabilität in der Region, von Afghanistan bis Syrien. Im eigenen Land verleitete das die Regierung zu drakonischen Maßnahmen gegen die muslimische Minderheit, einschließlich der Internierung in sogenannten „Umerziehungslagern“.“
    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/frankopan-die-zukunft-der-weltwirtschaft-ist-asiatisch-16098735-p3.html

  7. Eine Nachbemerkung zu „Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY“ | Nachrichtenbrief Says:

    […] Die Geschichte des AMERICAN COLLEGE OF ORGONOMY […]

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