Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 9)

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

In einem anderen Fall hatte ich eine Notfallkonsultation mit dem Patienten eines Kollegen, der sich einer LSD-Psychotherapie unterzogen hatte. Er war in großer Bedrängnis wegen der spontanen und unerwünschten Erinnerungen von Verdrängtem (zuvor durch LSD wiederbelebt), die ihn zu ungewöhnliche Zeiten unerwartet überfielen. Dies wurde begleitet von Mikropsienm und suizidalen Impulsen. Ich kann mich nicht erinnern, ein stärker geschädigtes Kopfsegment als bei diesem Patienten gesehen zu haben. Das Hinterhaupt war wie ein Schraubstock. Die Augen und die Stirn waren starr. Die geringste Mobilisierung des Kopfsegments führte zu quälendem Schrecken. Es war große Vorsicht geboten, damit der Patient nicht zusammenbricht. Die Photostimulation verlieh etwas Erleichterung.

Ein andere Patientin (eine von meinen), die noch nie Marihuana konsumiert hatte, kam eines Tages zu einer Sitzung, auf seltsame Weise ohne Kontakt. Sie schien nicht sie selbst zu sein, aber es war eine sehr subtile Veränderung. Es gab nichts Absonderliches. Die Abtastung des Hinterkopfes zeigte ein intensives Festhalten, das für diese Frau ungewöhnlich ist. Ich kommentierte diesen Zustand. Die Patientin erzählte dann, wie sie vor zweieinhalb Tagen mit einer Freundin experimentiert hatte und zum ersten Mal in ihrem Leben „einen halben Joint mit Hasch“ geraucht hatte. Seitdem hatte sie sich außer Kontakt gefühlt. Während dieser Sitzung war es unmöglich, bei dieser gewöhnlich labilen Patientin eine Energiebewegung zu erzeugen. Sie war erstarrt.

Obwohl dies nur vorläufige Beobachtungen sind, hoffe ich, dass sie dazu beitragen werden, einige mögliche biophysikalische Konsequenzen der Verwendung von Marihuana und dessen Unvereinbarkeit mit der orgonomischen Therapie aufzuzeigen. Zögernd würde ich postulieren, dass der chronische Konsument seine Kopfpanzerung vorzeitig aufbricht, in einem verzweifelten Versuch, seine Kontaktlosigkeit durchzubrechen. Gleichzeitig gibt es eine unerträgliche energetische Expansion und eine chaotische Rückkehr des Verdrängten. Der Organismus antwortet mit einer Sympathikotonie – einer Kontraktion gegen die Expansion. Es besteht also die Gefahr, dass im Okularsegment ein „Haken“ entsteht, der bei manchen Personen durchaus irreversibel sein kann. In der psychedelischen Episode gibt es eine Abspaltung des direkten Kontakts, einen scharfen energetischen Rückzug und eine Ausdünnung und Streuung des Feldes als Folge der zentripetalen Energiebewegung. Wahrnehmungsveränderungen und regressive Phänomene sind die Regel. Im intensiven Erleben gibt es eine Verwechslung von Sinnesmodalitäten – ein „Sehen“ von Klängen und ein „Hören“ von Farben, die an archaische Wahrnehmungsfunktionen erinnern, die Spitz als Merkmale der „konästhetischen Organisation“ (4)n beschrieben hat. Die Distanzrezeptoren scheinen die primären Zielorgane zu sein. Eine steinharte Kontraktion des Kopfsegments ist ein ständiger Befund bei den chronischen Konsumenten, die ich gesehen habe. Intensive Kontaktlosigkeit gepaart mit Pseudo-Geselligkeit runden das Bild ab. Unter diesen Umständen kann sehr wohl eine tiefe Anorgonie des Gehirns folgen.

Im vorgestellten Fall hatte die Patientin eine Vorgeschichte mit Langzeitkonsum, war aber während der Behandlung ohne Drogen. Dennoch war es äußerst schwierig, die biophysikalischen Wirkungen der Therapie von den Stigmen des chronischen Konsums zu separieren. Wo der Patient fortfährt bewusstseinserweiternde Drogen zu verwenden, halte ich es für unmöglich, eine sinnvolle orgonomische Behandlung durchzuführen. Nach meiner Erfahrung sind Therapie und bewusstseinserweiternde Drogen aufgrund der durch Drogen induzierten Kontaktlosigkeit und der besonderen Beharrlichkeit der Kopfpanzerung energetisch inkompatibel.

Die obigen Ausführungen sind vorläufige Feststellungen. Die Verifizierung muss noch weitere Studien und Erkenntnisse der bioenergetischen Vorgänge abwarten. In der Zwischenzeit gibt es genügend Beweise, um bei der Verwendung aller Psychedelika, obwohl sie für unbedenklich erklärt werden, große Vorsicht walten zu lassen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

m Subjektives Phänomen, bei dem Sehobjekte kleiner wahrgenommen werden, als es der Objektgröße entspricht.

n Deutsche Ausgabe: Vom Säugling zum Kleinkind. Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr.

 

Literatur

4. Spitz, R.: The First Year of Life. New York: International Universities Press, Inc., 1965

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

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2 Antworten to “Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 9)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Problems with Marijuana: An ACO Sponsored Forum – In-depth Video

  2. Robert (Berlin) Says:

    Eine Frage der Panzerung?

    Cannabis-Konsumenten brauchen bei OPs mehr Narkosemittel

    Wer regelmäßig kifft, braucht bei Operationen deutlich mehr Narkosemittel, zeigt eine Studie. Die benötigte Dosis ist oft erstaunlich hoch.

    https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/cannabis-kiffer-brauchen-mehr-narkosemittel-bis-zu-dreifache-dosis-a-1262990.html

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