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Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 9)

8. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

In einem anderen Fall hatte ich eine Notfallkonsultation mit dem Patienten eines Kollegen, der sich einer LSD-Psychotherapie unterzogen hatte. Er war in großer Bedrängnis wegen der spontanen und unerwünschten Erinnerungen von Verdrängtem (zuvor durch LSD wiederbelebt), die ihn zu ungewöhnliche Zeiten unerwartet überfielen. Dies wurde begleitet von Mikropsienm und suizidalen Impulsen. Ich kann mich nicht erinnern, ein stärker geschädigtes Kopfsegment als bei diesem Patienten gesehen zu haben. Das Hinterhaupt war wie ein Schraubstock. Die Augen und die Stirn waren starr. Die geringste Mobilisierung des Kopfsegments führte zu quälendem Schrecken. Es war große Vorsicht geboten, damit der Patient nicht zusammenbricht. Die Photostimulation verlieh etwas Erleichterung.

Ein andere Patientin (eine von meinen), die noch nie Marihuana konsumiert hatte, kam eines Tages zu einer Sitzung, auf seltsame Weise ohne Kontakt. Sie schien nicht sie selbst zu sein, aber es war eine sehr subtile Veränderung. Es gab nichts Absonderliches. Die Abtastung des Hinterkopfes zeigte ein intensives Festhalten, das für diese Frau ungewöhnlich ist. Ich kommentierte diesen Zustand. Die Patientin erzählte dann, wie sie vor zweieinhalb Tagen mit einer Freundin experimentiert hatte und zum ersten Mal in ihrem Leben „einen halben Joint mit Hasch“ geraucht hatte. Seitdem hatte sie sich außer Kontakt gefühlt. Während dieser Sitzung war es unmöglich, bei dieser gewöhnlich labilen Patientin eine Energiebewegung zu erzeugen. Sie war erstarrt.

Obwohl dies nur vorläufige Beobachtungen sind, hoffe ich, dass sie dazu beitragen werden, einige mögliche biophysikalische Konsequenzen der Verwendung von Marihuana und dessen Unvereinbarkeit mit der orgonomischen Therapie aufzuzeigen. Zögernd würde ich postulieren, dass der chronische Konsument seine Kopfpanzerung vorzeitig aufbricht, in einem verzweifelten Versuch, seine Kontaktlosigkeit durchzubrechen. Gleichzeitig gibt es eine unerträgliche energetische Expansion und eine chaotische Rückkehr des Verdrängten. Der Organismus antwortet mit einer Sympathikotonie – einer Kontraktion gegen die Expansion. Es besteht also die Gefahr, dass im Okularsegment ein „Haken“ entsteht, der bei manchen Personen durchaus irreversibel sein kann. In der psychedelischen Episode gibt es eine Abspaltung des direkten Kontakts, einen scharfen energetischen Rückzug und eine Ausdünnung und Streuung des Feldes als Folge der zentripetalen Energiebewegung. Wahrnehmungsveränderungen und regressive Phänomene sind die Regel. Im intensiven Erleben gibt es eine Verwechslung von Sinnesmodalitäten – ein „Sehen“ von Klängen und ein „Hören“ von Farben, die an archaische Wahrnehmungsfunktionen erinnern, die Spitz als Merkmale der „konästhetischen Organisation“ (4)n beschrieben hat. Die Distanzrezeptoren scheinen die primären Zielorgane zu sein. Eine steinharte Kontraktion des Kopfsegments ist ein ständiger Befund bei den chronischen Konsumenten, die ich gesehen habe. Intensive Kontaktlosigkeit gepaart mit Pseudo-Geselligkeit runden das Bild ab. Unter diesen Umständen kann sehr wohl eine tiefe Anorgonie des Gehirns folgen.

Im vorgestellten Fall hatte die Patientin eine Vorgeschichte mit Langzeitkonsum, war aber während der Behandlung ohne Drogen. Dennoch war es äußerst schwierig, die biophysikalischen Wirkungen der Therapie von den Stigmen des chronischen Konsums zu separieren. Wo der Patient fortfährt bewusstseinserweiternde Drogen zu verwenden, halte ich es für unmöglich, eine sinnvolle orgonomische Behandlung durchzuführen. Nach meiner Erfahrung sind Therapie und bewusstseinserweiternde Drogen aufgrund der durch Drogen induzierten Kontaktlosigkeit und der besonderen Beharrlichkeit der Kopfpanzerung energetisch inkompatibel.

Die obigen Ausführungen sind vorläufige Feststellungen. Die Verifizierung muss noch weitere Studien und Erkenntnisse der bioenergetischen Vorgänge abwarten. In der Zwischenzeit gibt es genügend Beweise, um bei der Verwendung aller Psychedelika, obwohl sie für unbedenklich erklärt werden, große Vorsicht walten zu lassen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

m Subjektives Phänomen, bei dem Sehobjekte kleiner wahrgenommen werden, als es der Objektgröße entspricht.

n Deutsche Ausgabe: Vom Säugling zum Kleinkind. Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr.

 

Literatur

4. Spitz, R.: The First Year of Life. New York: International Universities Press, Inc., 1965

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 8)

6. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

Die Wahrnehmungsveränderungen sind dem Eingeweihten gut bekannt. Die Beschreibung von Allentuck deutet auf eine umfassende Beteiligung des Augensegments hin:

Mentale Phänomene treten zwei bis drei Stunden nach der Einnahme bzw. fast unmittelbar nach dem Einatmen der Droge auf. Das Subjekt gesteht ein, „high“ zu sein. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch ein Gefühl von „in der Luft schweben“, „auf Wellen gleiten“, Leichtigkeit oder Schwindel im Kopf, Klingeln in den Ohren und Schwere in den Gliedmaßen. Euphorie manifestiert sich zunächst objektiv in Redseligkeit und erhöhter psychomotorischer Aktivität, später subjektiv in einer köstlich benebelten Mattigkeit. Entfernungen und Zeitintervalle erscheinen subjektiv elastisch. In drei bis sechs Stunden nach der Einnahme von Marihuana manifestiert sich Hunger, vor allem in einem Verlangen nach Süßigkeiten, und ein Gefühl von Müdigkeit und Schläfrigkeit tritt in den Vordergrund. Das Individuum kann ein bis sechs Stunden schlafen und ist beim Erwachen „down“, d.h. es fühlt sich nicht länger „high“. Die klinischen Phänomene können noch einige Stunden anhalten.

Der mentale Status offenbart in der Regel ein hyperaktives, ängstliches, redseliges, etwas misstrauisches Individuum. Sein Redefluss kann umständlich sein, seine Stimmung kann gehoben sein, aber er beinhaltet keine offenen anormalen mentalen Inhalte wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Phobien oder autistisches Denken. Aufmerksamkeit, Konzentration und Verständnis werden nur geringfügig gestört, was sich daran zeigt, dass die Ergebnisse seiner Bildungsabschlussprüfungen nur geringfügig gesunken sind.

Marihuana kann eine Psychose in einer instabilen, unorganisierten Persönlichkeit auslösen, wenn sie in größeren Mengen eingenommen wird, als sie tolerieren kann (2, S. 363).

Wie funktionieren die Psychedelika? Einige Hinweise des Eingeweihten regen zum Nachdenken an, erklären jedoch den Prozess nicht. Cholst (2), ein Arzt und Konsument, vergleicht die Erfahrung von Marihuana mit hypnotischer Altersregression.k Er berichtet, dass ein Babinskil sowohl während hypnotischer als auch während psychedelischer Erfahrungen hervorgerufen wurde. Die Analogie zur Hypnose ist interessant; wie bei den Psychedelika ist ihr Wirkmechanismus noch unerklärt. Meine eigenen Beobachtungen zur Hypnose lassen mich glauben, dass der hypnotische Prozess (wie der psychedelische) unter anderem eine Verkrampfung des Kopfsegments in Form einer akuten Panzerung beinhaltet. Leary (2) sieht den Einsatz von Psychedelika als Disziplin zur Erlangung kosmischen Kontakts und beschreibt dabei sechs Stufen des „Bewusstseins“. (Mein Eindruck ist, dass dieser Ansatz sehr mystisch ist und auch eine gewisse Art von Hypnose beinhaltet.)

Aus orgonomischer Sicht kann man postulieren, dass das eigentliche Zielorgan der Psychedelika das gepanzerte Gehirn selbst ist und dass der ständige Konsument verzweifelt versucht, sein kontrahiertes Kopfsegment zu öffnen. Frau M., die eine intelligente Beobachterin ist, hatte das Gefühl, dass dies bei ihr der Fall war. Sie beschrieb detailliert zwei Phasen, die sie während der Droge durchlaufen hatte. In der ersten lag der Schwerpunkt auf der sensorischen Erfahrung, insbesondere visuell und auditiv, als sie in ihren empfindungshungrigen Rezeptororganen schwelgte. Später folgte eine Phase der Erinnerung an das Verdrängte, ein fürchterliches Schlachtfeld für sie. Sie sieht den Einsatz der Drogen als verzweifelten Versuch, etwas zu fühlen und ihre lebenslange Kontaktlosigkeit zu durchbrechen. Leary (2, S. 87) und Halpern (2, S. 335) haben auch beobachtet, dass chronische Konsumenten meistens introvertierte, emotional unterdrückte Typen sind.5

Ein anderer Patient von mir, der als Studienabbrecher mit einem Alkoholproblem begann, machte Fortschritte in der Therapie, beendete seine Berufsausbildung und wurde in seinem Fachgebiet sehr erfolgreich. In etwa dem vierten Jahr der Therapie begann er mit Marihuana und LSD zu experimentieren und wurde bald psychologisch abhängig vom Ersteren. Therapeutisch habe ich beim Patienten versagt, weil ich das nicht früh genug erkannt habe. Er begann, „high“ zu den Sitzungen zu kommen und oft beobachtete ich ihn biophysikalisch in diesem Zustand. Der energetische Rückzug, die Kontaktlosigkeit und die Pseudo-Geselligkeit waren sehr auffällig. Es wurde unmöglich, ihn zu behandeln: Jede im Verlauf der Therapie entstandene Angst war bald in der Droge ertränkt. Wir kamen in eine Sackgasse und vereinbarten, die Behandlung abzubrechen. Ich habe ihn ein Jahr später gesehen. Er hatte weiterhin eine zufriedenstellende Arbeitsleistung trotz Marihuana erbracht, war jedoch unglücklich über seine Abhängigkeit davon. Er hatte eine gewisse beschränkte Reizschwelle der Erregung erreicht und die Droge hielt ihn an dieser fest. Er hatte sich in Bezug auf seine Kontaktfähigkeit mit weniger zufrieden gegeben und war nicht bereit oder nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Das Kopfsegment blieb geschlossen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

k Hypnotische Rückführung in die Kindheit (PN).

l Babinski-Reflex, beim festen Bestreichen des seitlichen Fußsohlenrandes erfolgt eine Rückwärtsbewegung der Großzehe. Bei Kindern im ersten Lebensjahr ist dieser Reflex normal, später hingegen als Zeichen einer Pyramidenbahnschädigung zu werten.

 

Anmerkungen

5 „Individuen mit einer begrenzten Fähigkeit zu affektiver Erfahrung und Schwierigkeiten bei der Herstellung sozialer Kontakte greifen eher auf Marihuana zurück als diejenigen, die eher aufgeschlossen reagieren können.“

 

Literatur

2. Solomon, D., ed.: The Marihuana Papers. Indianapolis: Bobbs Merril Co., Inc., 1966

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 1)

25. März 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman*

 

Da der Einsatz von bewusstseinserweiternden Drogen, insbesondere bei jungen Menschen, weiter an Dynamik gewinnt, können wir uns fragen, was die biophysikalischen Auswirkungen des chronischen Konsums sind. Ich stelle diese Frage vor allem in Bezug auf Marihuana, der Schwächsten der Psychedelika, die von ihren Apologeten am meisten verteidigt wird und am weitesten verbreitet ist.

Was LSD betrifft, haben Forscher den Verdacht, es könne für chromosomale Schäden verantwortlich sein und sie wissen, dass es bei dafür Empfänglichen eine Psychose auslösen kann. Marihuana kann letzteres ebenfalls tun und wurde kürzlich gleichfalls Gegenstand einer genetischen Untersuchung. Aber niemand kennt wirklich die langfristigen Auswirkungen des Rauchens von „Haschisch“. Der Trend in den Nachrichtenmedien geht dahin, die Bedenken der Menschen zu zerstreuen und eine moderate Nutzung als harmlosen Genuss hinzustellen, auf dem gleichen Level wie der Cocktail vor der Mahlzeit. Auch drängen sie auf Legalisierung.

Ich habe mit vielen Eltern von Teenagern gesprochen, in allen Bereichen des Lebens. Sie trösten sich mit dieser Sichtweise und führen zur Beruhigung an, dass es keine physiologische Abhängigkeit oder damit verbundene Entzugserscheinungen gibt. Dennoch erkennen sowohl Arzt als auch Laie an, dass der fortgesetzte Gebrauch die Passivität fördert, insbesondere bei jungen Menschen, die Motivation erstickt und eine „Null-Bock“-Einstellung gegenüber dem Leben hervorruft. Es gibt eine anonyme Broschüre, die im Rockland County (New York) zur Förderung der schwarzen revolutionären Sache zirkuliert. Ihre Stellung zu Marihuana („Gras“) ist sehr aufschlussreich:

Auch die Drogenfrage muss gelöst werden. Ich habe das Gefühl, dass wir unser Hasch für eine Weile opfern müssen, um erfolgreich zu sein. Nicht nur, dass es uns paranoid macht, es macht uns auch kaputt. Was nützt ein Revolutionär im Gefängnis?

Neben dem rechtlichen Aspekt, warum lässt der Manna die offene Nutzung von Drogen in Harlem, on the Hillb oder durch die Hippies zu? Weil er damit die Unterdrückten kontrollieren kann. Es macht uns selbstgefällig, apathisch und inaktiv . . . {Kursiv von mir – B.G.K.}

Es überrascht, dass allein schon dieser Aspekt, ohne weitere Hinweise auf negative Wirkungen, nicht ausreicht, um die Menschen innehalten zu lassen.

Klinisch fallen mir immer mehr Anwender von Psychedelika, insbesondere Marihuana, auf. Ein Muster zeichnet sich ab, das ich das „Haschisch-Syndrom“ nenne. Ein chronischer Konsument oder eine Person, die Marihuana innerhalb der letzten 48 Stunden geraucht hat, bietet bei der Betrachtung ein charakteristisches biophysikalisches Bild, das für den geübten Beobachter schnell ersichtlich ist. (Dies wird unter „Diskussion“ beschrieben.)

 

Anmerkungen

* Medizinische Orgonomin. Psychiatrie-Diplom der Amerikanische Gesellschaft für Psychiatrie und Neurologie. Mitglied des American College of Orgonomy.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Umgangssprachlich für das weiße Establishment oder die Polizei.

b The Hill = The Capitol Hill = der US-Kongress. Abwertende Anspielung auf den behaupteten Drogenkonsum unter Parlamentariern. (PN)

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).