Posts Tagged ‘Marihuana’

Blogeinträge Juni-August 2017

25. Februar 2022

Blogeinträge Juni-August 2017

David Holbrook, M.D.: „LIEBESANGST“: AUSZÜGE AUS EINIGEN TEXTEN AN EINEN 20-JÄHRIGEN MÄNNLICHEN PATIENTEN VON MIR, DER VIEL PSYCHEDELISCHE DROGEN NIMMT

2. Dezember 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

„Liebesangst“: Auszüge aus einigen Texten an einen 20-jährigen männlichen Patienten von mir, der viel psychedelische Drogen nimmt

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 16)

19. Mai 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Alle oben diskutierten Missstände stellen keine sexuelle Freiheit mit Verantwortung dar, sondern Zügellosigkeit. Die Unterdrückung wird aufgehoben – nicht was den Ausdruck von Genitalität betrifft –, sondern hinsichtlich der Explosion aller möglichen prägenitalen Manifestationen, den Sadismus, die sekundären Triebe, die Perversion, die Inversiong usw. Die gelockerte und defekte Ich-Struktur, die ein solches soziales Umfeld fördert, erweist unseren beeinflussbaren, heranwachsenden Generationen einen großen Bärendienst. Sie zerstört ihre Fähigkeit zu wahrem sexuellen Glück und erzeugt einen Zustand unerträglicher Spannung.

Der weit verbreitete Drogenmissbrauch ist ein weiterer alarmierender Auswuchs der kontaktlosen Permissivität, die einen Freibrief darstellt. Der freimütig Süchtige entspricht gemeinhin einer voll ausgeprägten Charakterstörung mit vielen der Merkmale, die Reich in seiner Studie über den Triebhaften präsentiert hat. Er zeigt eine „außerordentliche Regression“, wie Fenichel (7) es ausdrückt, und die Libido bleibt eine „sehr diffuse Mischung aus prägenitalen Spannungen“. Genitaler Sex ist für ihn uninteressant, aber die Droge erfüllt ein tiefes und primitives Verlangen, das bei den meisten dieser Menschen dringender empfunden wird als sexuelles Verlangen. Er ist hauptsächlich oral und hauterotisch. Daher wird die Droge als Nahrung und Wärme empfunden und bietet auch eine außergewöhnliche Erhöhung des Selbstwertgefühls, die eng mit dem Hochgefühl des Manisch-Depressiven verbunden ist. Die Objektbeziehungen sind dürftig und die Objekte werden als Versorgungslieferanten gesehen. Es besteht eine außergewöhnliche Intoleranz gegenüber Spannungen.

Neben dem von harten Drogen Abhängigen gibt es viele, die die sogenannten „weichen Drogen“ konsumieren. Unter den jungen Menschen in den Städten zeigen die Zahlen eine erschütternde Zunahme von Konsumenten in einem relativ kurzen Zeitraum. Die gesellschaftliche Einstellung ist besonders freizügig, was den Konsum von Marihuana angeht und es gibt eine „Hasch-Lobby“, die sich für seine Legalisierung einsetzt. Selbst wenn es keine anderen Einwände dagegen gäbe, sollte die psychologische Wirkung auf den jungen Teenager nachdenklich machen. Damit der Reifungsprozess stattfinden kann, müssen diese Jugendlichen Bewältigungsmechanismen und Problemlösungstechniken für den Umgang mit den harten Realitäten des Lebens entwickeln. Marihuana, indem es die Angst auflöst, verhindert die Ausarbeitung solcher Lebenskompetenzen zu einem äußerst kritischen Zeitpunkt ihrer Entwicklung, wenn sie diese Fähigkeiten am notwendigsten entwickeln müssen. „Aussteigen“ statt etwas Meistern und ein Ziel verfolgen wird zum Lebenswandel, und sie bleiben infantil, ausgerichtet auf die angenehme Befriedigung des Augenblicks, unberührt von jeglichem Verantwortungsbewusstsein für ihr Schicksal. Diejenigen mit einer ungeordneten und defekten Ich-Struktur sind natürlich am meisten geneigt, diesen Ausweg zu wählen, da sie von einer inneren Spannung bestürmt werden, die sie nicht bewältigen können. Die Verdrängungsmechanismen sind defekt und die Struktur zu unreif für die befriedigende Auflösung der Spannung.

Auch in energetischer Hinsicht sind die Wirkungen aller Psychedelika – einschließlich Hasch – sehr schädlich. Ich habe dies an anderer Stelle ausführlich besprochen (8), möchte hier aber nur darauf hinweisen, dass die Einnahme jeglicher Psychedelika eine diffuse Weitung des Orgon-Energiefeldes verursacht, die an die des Schizophrenen erinnert. Der Begriff „abgedriftet“ ist hier tatsächlich zutreffend. Das Endresultat ist ein geselliger „Pseudokontakt“, für den energetisch sensiblen Beobachter ist die Person jedoch einfach nicht im Raum. Der Süchtige wird zu einer Art losgelöstem Beobachter, abgeschnitten von jeglicher Resonanz mit dem Feld der anderen Person. (Damit irgendeine Art von Kontakt zwischen zwei oder mehreren Personen stattfinden kann, müssen ihre Energiefelder interagieren und in Resonanz treten.) Da Psychedelika eine kumulative Wirkung haben (die aktive Komponente in Marihuana bleibt etwa acht Tage im System), hält das Individuum den Zustand der Kontaktlosigkeit viel länger aufrecht als bei natürlich induzierten veränderten Bewusstseinszuständen1 und wahrscheinlich außerdem mit chemischer Beeinträchtigung des Gehirns und anderer Gewebe. (Dies wird noch untersucht.)

Anmerkungen

1 Während die meisten Menschen veränderte Bewusstseinszustände tolerieren und sogar davon profitieren können, z.B. bei der Parasympathikotonieh, die mit der Biofeedback-Kontrolle der Alpha-Gehirnwellen einhergeht, ist bei Borderline-Psychotikern selbst hier Vorsicht geboten, da sie die Auflösung ihrer Ich-Grenzen durch solche Techniken nicht aushalten. Um wie viel anfälliger sind sie dann für Psychedelika!

Anmerkungen des Übersetzers

g Sexuelle Inversion ist ein Begriff, der von Sexualwissenschaftlern verwendet wird, vor allem im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, um sich auf Homosexualität zu beziehen. (Wiki)

h Parasympathikotonie, Verschiebung des Gleichgewichts im vegetativen Nervensystem zugunsten des Parasympathicus (erhöhter Parasympathikotonus). Da der Vagus den wichtigsten Anteil des Parasympathicus darstellt, wird sie auch als Vagotonie bezeichnet. Kennzeichen sind langsamer Puls, niedriger Blutdruck, gesteigerte Sekretion der Drüsen und erhöhter Tonus der glatten Muskulatur im Magen-Darm-Trakt und in den Bronchien. [spektrum.de]

Literatur

7. Fenichel, 0.: The Psychoanalytic Theory of Neurosis. New York: W. W. Norton, 1945

8. Koopman, B. G.: „Mind-Expanders – Peril or Pastime?“ Journal of Orgonomy, 3:213-25, 1969

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

David Holbrook, M.D.: DIE DREI SCHICHTEN DER BIOPSYCHISCHEN STRUKTUR (Teil 2)

6. Januar 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Die drei Schichten der biopsychischen Struktur

 

David Holbrook, M.D.: „WORTSPRACHE“: CHARAKTERANALYSE IN DER FRÜHPHASE EINER MEDIZINISCHEN ORGONTHERAPIE (Behandlungsverlauf)

12. September 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

„Wortsprache“: Charakteranalyse in der Frühphase einer medizinischen Orgontherapie (Behandlungsverlauf)

 

Die Emotionelle Pest der äußersten Linken und die Massen junger Menschen

17. Juni 2019

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia beschreibt den Mißbrauch der Jugend in Zeiten einer Greta Thunberg:

Die Emotionelle Pest der äußersten Linken und die Massen junger Menschen

Nachbemerkungen zu Dr. Koopmans Artikel (Teil 1)

9. April 2019

Barbara Koopmans in den vergangenen fast drei Wochen in neun Teilen hier erschienener Artikel ist nicht nur von historischem Interesse, sondern ist angesichts des neuerlichen Marihuana-Hypes, der alle Grenzen sprengt, aktueller denn je. Ich für meinen Teil kann in einem durch und durch gutbürgerlichen und geradezu „provinziellen“ Stadtteil am Rande Hamburgs buchstäblich nicht mehr die Wohnung verlassen, ohne Marihuana zu riechen. Praktisch in jedem Treppenhaus, das ich betrete. Beim Durchqueren des Kleingartenvereins. Auf dem Weg zum Supermarkt. Ich wette schon mit mir selbst, etwa wenn ich zur Post gehe, – und verliere fast immer. Ich denke, ich habe es geschafft, schon schlonst ein Jugendlicher an mir vorbei und mit ihm das Aroma von Shit. Man kann geradezu paranoid werden: alle scheinen bekifft zu sein. In Münster, d.h. in der Nähe der Niederlande, sind alle bekifft! Jedenfalls alle Jugendlichen.

Es macht nicht nur eine Orgontherapie unmöglich, wie Koopman als erste feststellte, sondern es verunmöglicht überhaupt jedweden tieferen menschlichen Kontakt. Ich jedenfalls stelle mit Erschrecken fest, daß ich Jugendliche nur noch als Gegenstände wahrnehme. SIE HABEN DIE EMOTIONALE PRÄSENZ EINES STRASSENBEGRENZUNGSPFOSTENS ODER EINER PARKBANK. Gleichzeitig tun diese Nichtentitäten so, als hätten sie den Durchblick. Man denke nur an die verpeilten und einfach nur peinlichen „Freitagsdemonstrationen“.

Nach neuerer orgonomischer Theorie verändert Marihuana die Wahrnehmung, indem Emotionen in Sensationen (Empfindungen) und Gedanken transformiert werden. „Unter dem Einfluß von Marihuana entwickelt man ‚bemerkenswerte‘ Sensationen und ‚erstaunliche‘ Gedanken – alles auf Kosten des emotionalen Kontakts“ (Crist: An Adolescent Comes Out of the Fog of Marijuana. The Journal of Orgonomy 50(1)).

Als Kind hatte ich die Neigung, wenn die Emotion, d.h. der zwischenmenschliche Kontakt zu stark wurde, aus der Situation sozusagen herauszutreten, indem ich ganz gefühlsneutral etwa Tapetenmuster bewunderte und die Situation im Kopf „analysierte“ – und fühlte mich ob meiner Beobachtungsgabe, „Mustererkennung“ und weltbewegenden Einsichten plötzlich überlegen. Nur gut, daß ich mein Leben lang „krankhaft“ straight war, denn Drogen, insbesondere aber Marihuana, verunmöglichen die Selbsteinsicht. Das ist auch einer der Gründe, warum es die Therapie verunmöglicht. Oder mit anderen Worten: es verdammt den Kleinen Mann in alle Ewigkeit ein Kleiner Mann zu bleiben!

Wenn man sich „Emotion → Sensation“ plastisch vergegenwärtigen will: es ist der gesamte Inhalt der modernen „Kunst“. „Texturen“ auf der Leinwand, „Konzeptkunst“, Joseph Beuys, etc. Cannabis verstärkt diese für die Zeitepoche typische Flucht ins Zerebrale auf „pharmazeutische“ Weise.

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 9)

8. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

In einem anderen Fall hatte ich eine Notfallkonsultation mit dem Patienten eines Kollegen, der sich einer LSD-Psychotherapie unterzogen hatte. Er war in großer Bedrängnis wegen der spontanen und unerwünschten Erinnerungen von Verdrängtem (zuvor durch LSD wiederbelebt), die ihn zu ungewöhnliche Zeiten unerwartet überfielen. Dies wurde begleitet von Mikropsienm und suizidalen Impulsen. Ich kann mich nicht erinnern, ein stärker geschädigtes Kopfsegment als bei diesem Patienten gesehen zu haben. Das Hinterhaupt war wie ein Schraubstock. Die Augen und die Stirn waren starr. Die geringste Mobilisierung des Kopfsegments führte zu quälendem Schrecken. Es war große Vorsicht geboten, damit der Patient nicht zusammenbricht. Die Photostimulation verlieh etwas Erleichterung.

Ein andere Patientin (eine von meinen), die noch nie Marihuana konsumiert hatte, kam eines Tages zu einer Sitzung, auf seltsame Weise ohne Kontakt. Sie schien nicht sie selbst zu sein, aber es war eine sehr subtile Veränderung. Es gab nichts Absonderliches. Die Abtastung des Hinterkopfes zeigte ein intensives Festhalten, das für diese Frau ungewöhnlich ist. Ich kommentierte diesen Zustand. Die Patientin erzählte dann, wie sie vor zweieinhalb Tagen mit einer Freundin experimentiert hatte und zum ersten Mal in ihrem Leben „einen halben Joint mit Hasch“ geraucht hatte. Seitdem hatte sie sich außer Kontakt gefühlt. Während dieser Sitzung war es unmöglich, bei dieser gewöhnlich labilen Patientin eine Energiebewegung zu erzeugen. Sie war erstarrt.

Obwohl dies nur vorläufige Beobachtungen sind, hoffe ich, dass sie dazu beitragen werden, einige mögliche biophysikalische Konsequenzen der Verwendung von Marihuana und dessen Unvereinbarkeit mit der orgonomischen Therapie aufzuzeigen. Zögernd würde ich postulieren, dass der chronische Konsument seine Kopfpanzerung vorzeitig aufbricht, in einem verzweifelten Versuch, seine Kontaktlosigkeit durchzubrechen. Gleichzeitig gibt es eine unerträgliche energetische Expansion und eine chaotische Rückkehr des Verdrängten. Der Organismus antwortet mit einer Sympathikotonie – einer Kontraktion gegen die Expansion. Es besteht also die Gefahr, dass im Okularsegment ein „Haken“ entsteht, der bei manchen Personen durchaus irreversibel sein kann. In der psychedelischen Episode gibt es eine Abspaltung des direkten Kontakts, einen scharfen energetischen Rückzug und eine Ausdünnung und Streuung des Feldes als Folge der zentripetalen Energiebewegung. Wahrnehmungsveränderungen und regressive Phänomene sind die Regel. Im intensiven Erleben gibt es eine Verwechslung von Sinnesmodalitäten – ein „Sehen“ von Klängen und ein „Hören“ von Farben, die an archaische Wahrnehmungsfunktionen erinnern, die Spitz als Merkmale der „konästhetischen Organisation“ (4)n beschrieben hat. Die Distanzrezeptoren scheinen die primären Zielorgane zu sein. Eine steinharte Kontraktion des Kopfsegments ist ein ständiger Befund bei den chronischen Konsumenten, die ich gesehen habe. Intensive Kontaktlosigkeit gepaart mit Pseudo-Geselligkeit runden das Bild ab. Unter diesen Umständen kann sehr wohl eine tiefe Anorgonie des Gehirns folgen.

Im vorgestellten Fall hatte die Patientin eine Vorgeschichte mit Langzeitkonsum, war aber während der Behandlung ohne Drogen. Dennoch war es äußerst schwierig, die biophysikalischen Wirkungen der Therapie von den Stigmen des chronischen Konsums zu separieren. Wo der Patient fortfährt bewusstseinserweiternde Drogen zu verwenden, halte ich es für unmöglich, eine sinnvolle orgonomische Behandlung durchzuführen. Nach meiner Erfahrung sind Therapie und bewusstseinserweiternde Drogen aufgrund der durch Drogen induzierten Kontaktlosigkeit und der besonderen Beharrlichkeit der Kopfpanzerung energetisch inkompatibel.

Die obigen Ausführungen sind vorläufige Feststellungen. Die Verifizierung muss noch weitere Studien und Erkenntnisse der bioenergetischen Vorgänge abwarten. In der Zwischenzeit gibt es genügend Beweise, um bei der Verwendung aller Psychedelika, obwohl sie für unbedenklich erklärt werden, große Vorsicht walten zu lassen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

m Subjektives Phänomen, bei dem Sehobjekte kleiner wahrgenommen werden, als es der Objektgröße entspricht.

n Deutsche Ausgabe: Vom Säugling zum Kleinkind. Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr.

 

Literatur

4. Spitz, R.: The First Year of Life. New York: International Universities Press, Inc., 1965

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 8)

6. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

Die Wahrnehmungsveränderungen sind dem Eingeweihten gut bekannt. Die Beschreibung von Allentuck deutet auf eine umfassende Beteiligung des Augensegments hin:

Mentale Phänomene treten zwei bis drei Stunden nach der Einnahme bzw. fast unmittelbar nach dem Einatmen der Droge auf. Das Subjekt gesteht ein, „high“ zu sein. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch ein Gefühl von „in der Luft schweben“, „auf Wellen gleiten“, Leichtigkeit oder Schwindel im Kopf, Klingeln in den Ohren und Schwere in den Gliedmaßen. Euphorie manifestiert sich zunächst objektiv in Redseligkeit und erhöhter psychomotorischer Aktivität, später subjektiv in einer köstlich benebelten Mattigkeit. Entfernungen und Zeitintervalle erscheinen subjektiv elastisch. In drei bis sechs Stunden nach der Einnahme von Marihuana manifestiert sich Hunger, vor allem in einem Verlangen nach Süßigkeiten, und ein Gefühl von Müdigkeit und Schläfrigkeit tritt in den Vordergrund. Das Individuum kann ein bis sechs Stunden schlafen und ist beim Erwachen „down“, d.h. es fühlt sich nicht länger „high“. Die klinischen Phänomene können noch einige Stunden anhalten.

Der mentale Status offenbart in der Regel ein hyperaktives, ängstliches, redseliges, etwas misstrauisches Individuum. Sein Redefluss kann umständlich sein, seine Stimmung kann gehoben sein, aber er beinhaltet keine offenen anormalen mentalen Inhalte wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Phobien oder autistisches Denken. Aufmerksamkeit, Konzentration und Verständnis werden nur geringfügig gestört, was sich daran zeigt, dass die Ergebnisse seiner Bildungsabschlussprüfungen nur geringfügig gesunken sind.

Marihuana kann eine Psychose in einer instabilen, unorganisierten Persönlichkeit auslösen, wenn sie in größeren Mengen eingenommen wird, als sie tolerieren kann (2, S. 363).

Wie funktionieren die Psychedelika? Einige Hinweise des Eingeweihten regen zum Nachdenken an, erklären jedoch den Prozess nicht. Cholst (2), ein Arzt und Konsument, vergleicht die Erfahrung von Marihuana mit hypnotischer Altersregression.k Er berichtet, dass ein Babinskil sowohl während hypnotischer als auch während psychedelischer Erfahrungen hervorgerufen wurde. Die Analogie zur Hypnose ist interessant; wie bei den Psychedelika ist ihr Wirkmechanismus noch unerklärt. Meine eigenen Beobachtungen zur Hypnose lassen mich glauben, dass der hypnotische Prozess (wie der psychedelische) unter anderem eine Verkrampfung des Kopfsegments in Form einer akuten Panzerung beinhaltet. Leary (2) sieht den Einsatz von Psychedelika als Disziplin zur Erlangung kosmischen Kontakts und beschreibt dabei sechs Stufen des „Bewusstseins“. (Mein Eindruck ist, dass dieser Ansatz sehr mystisch ist und auch eine gewisse Art von Hypnose beinhaltet.)

Aus orgonomischer Sicht kann man postulieren, dass das eigentliche Zielorgan der Psychedelika das gepanzerte Gehirn selbst ist und dass der ständige Konsument verzweifelt versucht, sein kontrahiertes Kopfsegment zu öffnen. Frau M., die eine intelligente Beobachterin ist, hatte das Gefühl, dass dies bei ihr der Fall war. Sie beschrieb detailliert zwei Phasen, die sie während der Droge durchlaufen hatte. In der ersten lag der Schwerpunkt auf der sensorischen Erfahrung, insbesondere visuell und auditiv, als sie in ihren empfindungshungrigen Rezeptororganen schwelgte. Später folgte eine Phase der Erinnerung an das Verdrängte, ein fürchterliches Schlachtfeld für sie. Sie sieht den Einsatz der Drogen als verzweifelten Versuch, etwas zu fühlen und ihre lebenslange Kontaktlosigkeit zu durchbrechen. Leary (2, S. 87) und Halpern (2, S. 335) haben auch beobachtet, dass chronische Konsumenten meistens introvertierte, emotional unterdrückte Typen sind.5

Ein anderer Patient von mir, der als Studienabbrecher mit einem Alkoholproblem begann, machte Fortschritte in der Therapie, beendete seine Berufsausbildung und wurde in seinem Fachgebiet sehr erfolgreich. In etwa dem vierten Jahr der Therapie begann er mit Marihuana und LSD zu experimentieren und wurde bald psychologisch abhängig vom Ersteren. Therapeutisch habe ich beim Patienten versagt, weil ich das nicht früh genug erkannt habe. Er begann, „high“ zu den Sitzungen zu kommen und oft beobachtete ich ihn biophysikalisch in diesem Zustand. Der energetische Rückzug, die Kontaktlosigkeit und die Pseudo-Geselligkeit waren sehr auffällig. Es wurde unmöglich, ihn zu behandeln: Jede im Verlauf der Therapie entstandene Angst war bald in der Droge ertränkt. Wir kamen in eine Sackgasse und vereinbarten, die Behandlung abzubrechen. Ich habe ihn ein Jahr später gesehen. Er hatte weiterhin eine zufriedenstellende Arbeitsleistung trotz Marihuana erbracht, war jedoch unglücklich über seine Abhängigkeit davon. Er hatte eine gewisse beschränkte Reizschwelle der Erregung erreicht und die Droge hielt ihn an dieser fest. Er hatte sich in Bezug auf seine Kontaktfähigkeit mit weniger zufrieden gegeben und war nicht bereit oder nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Das Kopfsegment blieb geschlossen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

k Hypnotische Rückführung in die Kindheit (PN).

l Babinski-Reflex, beim festen Bestreichen des seitlichen Fußsohlenrandes erfolgt eine Rückwärtsbewegung der Großzehe. Bei Kindern im ersten Lebensjahr ist dieser Reflex normal, später hingegen als Zeichen einer Pyramidenbahnschädigung zu werten.

 

Anmerkungen

5 „Individuen mit einer begrenzten Fähigkeit zu affektiver Erfahrung und Schwierigkeiten bei der Herstellung sozialer Kontakte greifen eher auf Marihuana zurück als diejenigen, die eher aufgeschlossen reagieren können.“

 

Literatur

2. Solomon, D., ed.: The Marihuana Papers. Indianapolis: Bobbs Merril Co., Inc., 1966

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 7)

4. April 2019

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 7)

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom

Nach meiner Erfahrung zeigen Patienten unter dem Einfluss von „Haschisch“ ein Bild, das energetisch dem der erheblich okular gepanzerten Menschen sehr ähnlich ist. Dies, obwohl der Patient „auf Droge“ ein ausgeprägtes Maß an scheinbarer Verbundenheit, Heiterkeit und verminderter Gehemmtheit aufweist – ein typisches Bild dessen, was Reich Pseudokontakt nannte. Was fehlt, ist die energetische Ladung, das Ausstrecken hin zur Außenwelt (vgl. die „Objektbesetzung“ der Psychoanalyse). Die Energie wird in das Selbst zurückgezogen. Subjektiv erlebt der Benutzer eine „Spaltung“, ein Gefühl der Entpersönlichung oder Abtrennung. Es ist, als ob er sich die Illusion von Kontakt oder Nähe nur aus der sicheren Entfernung der drogenbedingten Isolation erlauben könnte. Ein Beispiel aus der psychedelischen Literatur3 veranschaulicht sehr gut die Abspaltung von Kontakt:

Inmitten meiner komplizierten Halluzinationen konnte ich wahrnehmen, dass ich eine doppelte Existenz hatte. Ein Teil von mir wurde widerstandslos auf der Bahn dieser gewaltigen Erfahrung mitgewirbelt, der andere saß auf einer Höhe, schaute auf sein Double herab, beobachtend, überlegend und gelassen alle Phänomene abwägend (2, S. 151-2).

Darüber hinaus zeigte jeder meiner Probanden eine intensive Panzerung von Stirn, Augen, Lidern und Hinterhaupt. „Eingefroren“, „steinern“ oder „tot“ waren die Adjektive, die am ehesten bei der Beobachtung oder Abtastung des Kopfsegments in den Sinn kamen. Gelegentlich konnte eine tiefe Anorgonie das unnachgiebige Festhalten überflüssig machen, aber der Eindruck der Leblosigkeit war ausgeprägt. Bei jedem von ihnen spürte man eine mangelnde Präsenz im Raum.

Die physiologischen Auswirkungen von Marihuana sind wohl definiert. Die pharmakologische Wirkung der Droge wurde in ihren Ausprägungen als atropin-artigf beschrieben, wie der folgende Bericht zeigen wird:

Innerhalb einer halben bis einer Stunde nach der Einnahme von Marihuana wird die Bindehaut rot, die Pupillen erweitern sich und reagieren träge auf Licht. Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss, Zittern der Augenlider und Augenzittern beim seitlichen Blick werden augenfällig. Die augenärztliche Untersuchung ergibt nichts Ungewöhnliches im Blinden Fleck, in den Gefäßen oder im Hintergrund der Netzhaut. Die Sicht auf Entfernung, Nähe und Farbe ändert sich nur geringfügig. Die Zunge wird zittrig und trocken; Mund und Rachen trocknen aus, was auf eine Verminderung des Speichelflusses hindeutet. Die Herz-Kreislauf-Veränderungen bestehen aus einer Erhöhung der radialeng Pulsfrequenz und einem Anstieg des Blutdrucks, der unmittelbar dem Pulsanstieg folgt. Die Extremitäten fangen an zu zittern und unwillkürliches Zucken tritt auf, Hyperreflexieh, erhöhte Empfindlichkeit bei Berührung, Druck und Schmerzreizen. Pyramidale Nervenbahnsignalei werden nicht hervorgerufen. Es gibt eine ausgleichende und nicht ausgleichende Ataxiej, die sich durch starkes Schwanken und abnorme Finger-zu-Finger-Bewegungskoordination zeigt. Nicht alle diese Phänomene treten bei jedem Subjekt auf, aber wenn eines von ihnen auftritt, dauert es ungefähr zwölf Stunden an (2, S. 362-3).

Wir sehen also autonome Wirkungen sympathisch-tonischer Natur zusammen mit ausgedehnten neurologischen Manifestationen, was auf eine diffuse Beteiligung des gesamten Großhirnkortexes, des Mittelhirns, des Kleinhirns und der vegetativen Zentren schließen lässt. Nach Allentuck (2) begleiten Gefühle von Euphorie und Besorgnis die überwiegend sympathische Innervation. Bioenergetisch würde man erwarten, dass ein Rückzug der Ladung von der Peripherie zum Zentrum die Sympathikotonie begleitet.4 Dies ist verbunden mit dem orgonomischen klinischen Eindruck, dass das Energiefeld eingezogen wird, die Erregung minimal ist und der Patient wie „nicht da“ wirkt.

 

Anmerkungen des Übersetzers

f Es handelt sich bei um ein Alkaloid, das das Herz-Kreislauf-System, vor allem aber das vegetative und zentrale Nervensystem beeinflusst. In seiner Wirkung als Rauschmittel erzeugt Atropin u.a. Erregung, stark beschleunigte Herztätigkeit, Rededrang, Euphorie und (erwünschte oder unerwünschte) Halluzinationen, es kann aber auch zu Unruhe, Krämpfen und Herzrhythmusstörungen führen.

g Handgelenkpuls (daumenseitig).

h Gesteigerte Erregbarkeit der Reflexe.

i Pyramidenbahn: wichtigste der motorischen Nervenbahnen, die von der Hirnrinde ins Rückenmark zieht.

j Störung im Bereich der Bewegungskoordination.

 

Anmerkungen

3 Haschisch ist die Droge, die hier verwendet wird. Wie Marihuana wird es aus Hanf (Cannabis) hergestellt, ist aber stärker.

4 Reich (3, S. 152) stellte einen deutlichen Rückgang des bioelektrischen Hautpotenzials von Probanden im Zustand der sympathikotonen Kontraktion fest.

 

Literatur

2. Solomon, D., ed.: The Marihuana Papers. Indianapolis: Bobbs Merril Co., Inc., 1966

3. Reich, W.: „Experimental Investigation of the Electrical Function of Sexuality and Anxiety“, Part II, Journal of Orgonomy, 3:132-55, 1969

4. Spitz, R.: The First Year of Life. New York: International Universities Press, Inc., 1965.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).