Archive for the ‘Straight Edge’ Category

Mona Lisa und die Pestratten

28. April 2019

Im leeren IC habe ich stundenlang eine junge Frau, vielleicht 18, angestarrt, die ihrerseits versonnen aus dem Fenster blickte. Es war nichts Sexuelles, nicht mal „Erotisches“. Ich war kein „schmutziger alter Mann“. Es ging auch nicht um sehnsuchtsvolle Reminiszenzen an meine eigene Jugend. Nein, ich war schlichtweg von der Schönheit und wehmütigen Tiefe des Lebens ergriffen – vom Mysterium des Frauseins. Derweil mußte ich an die junge Frau denken, der ich vor meiner Abfahrt begegnet war. Sie hatte früher ähnliche Regungen bei mir hervorgerufen, doch heute war sie vor mir gesessen und jedweder Zauber war verflogen. Vor mir saß ein androgynes Etwas mit militärischem Kurzhaarschnitt und grotesker „modischer“ Aufmachung, die jedwede Weiblichkeit leugnete, wenn nicht kontrakarierte. Das ORgon war gewichen und an seine Stelle aufgepeitschtes ORANUR und drückendes DOR getreten. In ihrer Gegenwart verlor der Raum an Tiefe und zurrte zu einem „zweidimensionalen Schirm“ zusammen. Die Emotionelle Pest (hier in Form von „Feminismus“) hatte ein neues Opfer gefunden und ich saß einem Zombie gegenüber, der sie weitertragen wird.

Die Pest hat so viele Formen. Meine „Mona Lisa“ aus dem Zug wird vielleicht bald ihre eigene Tiefe nicht mehr ertragen können und zu Psychopharmaka oder „Gras“ greifen, um „flach zu werden“ wie all die anderen. Sie wächst ohnehin in eine Welt hinein, in der ihre Weiblichkeit „enteignet“ wird und „Transgender-Männer“ eine Farce aus ihrem Wesen machen. Die Pest wird alles tun, um das auszulöschen, was ich gesehen habe. Sie wird alles tun, um die allerletzten Reste von Genitalität auszumerzen. Die „antifaschistischen“ Sturmtruppen der Pest werden in die allerentlegensten Ecken unserer Existenz vordringen, um auch noch die verborgensten Glutnester des Lebensfeuers auszutreten.

Nachbemerkungen zu Dr. Koopmans Artikel (Teil 4)

12. April 2019

Okulare Panzerung bedeutet, daß man nicht nur nicht sehen kann, sondern auch, daß man nicht gesehen wird. Drogenkonsumenten gehen sozusagen auf Tauchstation, ziehen eine Tarnkappe über den Kopf. Entsprechend wird das Drogenproblem nicht nur von den Drogenkonsumenten nicht gesehen, sondern fatalerweise auch von denen, die „straight“ sind. Dazu möchte ich einen Absatz aus einer Fallstudie des Orgonomen Welford Hamilton zitieren:

(…) zur Augenblockade gehört nicht nur die Fähigkeit des Patienten zu sehen, sondern auch die Fähigkeit gesehen zu werden. Wir wissen, daß die Augenblockade des Patienten den Therapeuten verwirren kann und sie es ihm daher schwierig macht, den Patienten zu sehen. [Der hier von Hamilton diskutierte Fall von „J“] zeigt das gleiche Phänomen in einer greifbaren physischen Form. Js Erscheinung entwickelte sich von flach zu dreidimensional, als sie in der Therapie Fortschritte machte. Ich glaube, daß sich das auf das Energiefeld des Betreffenden bezieht und daß ein Gutteil der Tiefenwahrnehmung von der direkten Interaktion von Energiefeldern herrührt. Der Leser kann beobachten, daß ein lebender Baum mehr Tiefe zu haben scheint als ein toter Baum, daß die Landschaft an einem klaren, funkelnden Tag mehr Tiefe zeigt und daß lebendige Menschen „da“ sind visuell. Einige bemerkenswerte Personen haben so viel „Präsenz“ und „stechen so sehr hervor“, daß sich alle Blicke auf sie richten, wenn sie einen Raum betreten. Andere sind so „flach“, daß sie sich in die Wände einfügen. (The Journal of Orgonomy 50(2), S. 56f)

Dieser Aspekt verbindet die Drogenkultur mit der linken Pathologie und Weltanschauung (die ebenfalls zu einem Gutteil auf okularer Panzerung beruht): Subversion, die Attacke aus dem Hinterhalt, die Mimikry. Man schaue sich nur Linke an: es sind Kollektivisten ohne Persönlichkeit („Aufgehen in der Masse“), ohne Charisma, hinterhältige Maulwürfe, Todfeinde der Selbstregulierung.

Um gesund zu werden, halte dich unter allen Umständen von jedweden Drogen (ob diese nun legal oder illegal sind) und jedweder Art von sozialistischer Ideologie fern. Das gleiche gilt übrigens auch für den Mystizismus. Wenn man sich aber den „Reichianismus“ anschaut, sind dort alle diese Elemente traut vereint. Antiorgonomie!

Nachbemerkungen zu Dr. Koopmans Artikel (Teil 3)

11. April 2019

Was vor allem bei Drogenkonsum draufgeht ist die ohnehin sehr labile Funktion „Urteilsvermögen“. Bei der Urteilkraft geht es um die Befähigung eine Situation bzw. einen Sachverhalt korrekt einzuordnen und entsprechend rational zu entscheiden und entsprechend zu handeln.

Jeder Psychiater weiß, daß die Urteilsfähigkeit in der Kindheit sich als letztes entwickelt. Kinder, die ansonsten vollkommen selbständig sind, sind bis weit in die Schulpflicht hinein noch vom magischen Denken geprägt – und „glauben an den Weihnachtsmann“. Im Alter ist es das erste Geistesvermögen, das flötengeht. Entweder verhärten sich die Meinungen („Altersstarrsinn“) oder alle Prinzipien, die sie vorher hochgehalten haben, werden über Bord geworfen („die wilden Alten“). Man nehme eine Familienkonferenz, wo es um den Hausverkauf geht: Die Jungen und die Alten sind vollkommen benebelt von der Aussicht eine Million Euro in der Hand zu halten und bedenken gar nicht, daß man einen Sachwert gegen buntes bedrucktes Papier eintauscht. Was soll man damit machen? Eine Immobilie kaufen? Oder umgekehrt: Sie wollen partout nicht verkaufen, weil sie so am schönen alten Haus hängen und begreifen einfach nicht, daß alles getan werden muß, um die Insolvenz der Familie abzuwenden. Mit anderen Worten geht es beim Urteilsvermögen darum funktionelle Zusammenhänge zu erkennen – funktionell zu denken.

Insbesondere Drogen sind für diese Funktion absolut verheerend. Dieses Vermögen ist sozusagen der Schlußstein der orgonotischen Integration des menschlichen Organismus. Aber leider ist er sehr wackelig. Alkohol, Tabletten, Streß, eine manische Phase – schon fällt er herunter. Bei angeborener Minderbegabung ist er nie richtig da. Solche Leute brauchen zeitweise oder ständig einen Betreuer.

Das Erschreckende dabei ist, daß sich heute die gesamte Gesellschaft in einem solchen Zustand befindet. Die Massen schreien nach dem Staat und die Politiker schreien nach „Europa“. So als hätten sie alle zusammen nicht mehr alle Tassen im Schrank. Die Politiker verschleudern unser Volksvermögen an kriminelle Abenteurer („Flüchtlinge“), als gäbe es kein Morgen, und die Massen klatschen dazu wie geisteskrank – was sie auch tatsächlich sind. Das hatten wir schon mal, als die Gosse, das „Männerwohnheim“ und die infantile Massenhysterie Deutschland regierten und uns schnurrstraks nach Stalingrad und darüber hinaus führten. Schon damals spielten Drogen eine zentrale Rolle. Wie dem auch sei: wer ein Auge dafür hat, sieht, daß praktisch alle, dein Nachbar, dein Arbeitskollege, der Politiker im Fernsehen auf Droge ist (meistens natürlich legal, verschrieben von Hausarzt oder Psychiater).

Die Überschuldung des Staates, die Überschuldung der Individuen, auf allen Ebenen Verantwortungslosigkeit, Zerfall, Wahnsinn, Dekadenz, Sinnlosigkeit und der schiere Wahnsinn. Was wir um uns herum sehen, ist der Zerfall der orgonotischen Integration, der „bionöse Zerfall“ der antiautoritären Gesellschaft. Als erstes verschwindet das Urteilsvermögen – und dann ist der Untergang unausweichlich. Es wird keinen „Betreuer“, keinen Gott geben, der uns an die Hand nimmt.

Das ist übrigens auch der tiefere Grund, warum der Orgonomie das Menschenmaterial abhanden kommt: die Menschen können schlichtweg nicht mehr in Zusammenhängen denken, nicht funktionell denken. Die Zombieapokalypse ist da!

Nachbemerkungen zu Dr. Koopmans Artikel (Teil 2)

10. April 2019

Der zentrale Slogan der gesamten Drogenkultur im allgemeinen und der Potheads im besonderen ist das „Was soll’s!“ „Take it easy!“ Es gibt kaum eine gesündere und gleichzeitig kaum eine kränkere Haltung als diese.

Beispielsweise haben diese Haltung Kinder, die unerklärlicherweise auch unter schlimmsten Familienverhältnissen aufgewachsen sind (etwa beide Eltern gewalttätige Alkoholiker) und dabei gesund blieben. „Was soll’s!“ Die neurotische (neurotisierende!) Scheiße ging bei ihnen ins eine Ohr hinein und aus dem anderen wieder raus. Allgemein ist das die einzige Haltung, um in einer vollkommen verrückt gewordenen Welt zu überleben. WAS SOLL’S!

Andererseits ist es die kränkeste überhaupt denkbare Haltung. Man nehme nur „die“ heutige Jugend. Sie weiß alles über das Silikon in den Titten irgendeines synthetischen Popsternchens, aber (abseits billiger Sentimentalität) nichts von den Tiefen des Lebens. Die Demographie in diesem Land? Der Verfall von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit? „Was soll’s!“ Und das mit einer herablassenden Blasiertheit…

Das erste „Was soll’s!“ ist eine kontaktvolle Äußerung des Kerns: „Was geht mich der fassadäre Firlefanz an!“ Das zweite „Was soll’s!“ ist eine kontaktlose Äußerung der Fassade, die gegen den Kern gerichtet ist: „Fack ju Göhte!“ Das erstere hat Menschen gerettet, das letztere wird diese Gesellschaft unausweichlich zerstören.

Da das „Was soll’s“ imgrund so gesund ist, ist die Wahrheits- und Freiheitskrämerei der Drogenkultur so überaus effektiv.

Nachbemerkungen zu Dr. Koopmans Artikel (Teil 1)

9. April 2019

Barbara Koopmans in den vergangenen fast drei Wochen in neun Teilen hier erschienener Artikel ist nicht nur von historischem Interesse, sondern ist angesichts des neuerlichen Marihuana-Hypes, der alle Grenzen sprengt, aktueller denn je. Ich für meinen Teil kann in einem durch und durch gutbürgerlichen und geradezu „provinziellen“ Stadtteil am Rande Hamburgs buchstäblich nicht mehr die Wohnung verlassen, ohne Marihuana zu riechen. Praktisch in jedem Treppenhaus, das ich betrete. Beim Durchqueren des Kleingartenvereins. Auf dem Weg zum Supermarkt. Ich wette schon mit mir selbst, etwa wenn ich zur Post gehe, – und verliere fast immer. Ich denke, ich habe es geschafft, schon schlonst ein Jugendlicher an mir vorbei und mit ihm das Aroma von Shit. Man kann geradezu paranoid werden: alle scheinen bekifft zu sein. In Münster, d.h. in der Nähe der Niederlande, sind alle bekifft! Jedenfalls alle Jugendlichen.

Es macht nicht nur eine Orgontherapie unmöglich, wie Koopman als erste feststellte, sondern es verunmöglicht überhaupt jedweden tieferen menschlichen Kontakt. Ich jedenfalls stelle mit Erschrecken fest, daß ich Jugendliche nur noch als Gegenstände wahrnehme. SIE HABEN DIE EMOTIONALE PRÄSENZ EINES STRASSENBEGRENZUNGSPFOSTENS ODER EINER PARKBANK. Gleichzeitig tun diese Nichtentitäten so, als hätten sie den Durchblick. Man denke nur an die verpeilten und einfach nur peinlichen „Freitagsdemonstrationen“.

Nach neuerer orgonomischer Theorie verändert Marihuana die Wahrnehmung, indem Emotionen in Sensationen (Empfindungen) und Gedanken transformiert werden. „Unter dem Einfluß von Marihuana entwickelt man ‚bemerkenswerte‘ Sensationen und ‚erstaunliche‘ Gedanken – alles auf Kosten des emotionalen Kontakts“ (Crist: An Adolescent Comes Out of the Fog of Marijuana. The Journal of Orgonomy 50(1)).

Als Kind hatte ich die Neigung, wenn die Emotion, d.h. der zwischenmenschliche Kontakt zu stark wurde, aus der Situation sozusagen herauszutreten, indem ich ganz gefühlsneutral etwa Tapetenmuster bewunderte und die Situation im Kopf „analysierte“ – und fühlte mich ob meiner Beobachtungsgabe, „Mustererkennung“ und weltbewegenden Einsichten plötzlich überlegen. Nur gut, daß ich mein Leben lang „krankhaft“ straight war, denn Drogen, insbesondere aber Marihuana, verunmöglichen die Selbsteinsicht. Das ist auch einer der Gründe, warum es die Therapie verunmöglicht. Oder mit anderen Worten: es verdammt den Kleinen Mann in alle Ewigkeit ein Kleiner Mann zu bleiben!

Wenn man sich „Emotion → Sensation“ plastisch vergegenwärtigen will: es ist der gesamte Inhalt der modernen „Kunst“. „Texturen“ auf der Leinwand, „Konzeptkunst“, Joseph Beuys, etc. Cannabis verstärkt diese für die Zeitepoche typische Flucht ins Zerebrale auf „pharmazeutische“ Weise.

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 9)

8. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

In einem anderen Fall hatte ich eine Notfallkonsultation mit dem Patienten eines Kollegen, der sich einer LSD-Psychotherapie unterzogen hatte. Er war in großer Bedrängnis wegen der spontanen und unerwünschten Erinnerungen von Verdrängtem (zuvor durch LSD wiederbelebt), die ihn zu ungewöhnliche Zeiten unerwartet überfielen. Dies wurde begleitet von Mikropsienm und suizidalen Impulsen. Ich kann mich nicht erinnern, ein stärker geschädigtes Kopfsegment als bei diesem Patienten gesehen zu haben. Das Hinterhaupt war wie ein Schraubstock. Die Augen und die Stirn waren starr. Die geringste Mobilisierung des Kopfsegments führte zu quälendem Schrecken. Es war große Vorsicht geboten, damit der Patient nicht zusammenbricht. Die Photostimulation verlieh etwas Erleichterung.

Ein andere Patientin (eine von meinen), die noch nie Marihuana konsumiert hatte, kam eines Tages zu einer Sitzung, auf seltsame Weise ohne Kontakt. Sie schien nicht sie selbst zu sein, aber es war eine sehr subtile Veränderung. Es gab nichts Absonderliches. Die Abtastung des Hinterkopfes zeigte ein intensives Festhalten, das für diese Frau ungewöhnlich ist. Ich kommentierte diesen Zustand. Die Patientin erzählte dann, wie sie vor zweieinhalb Tagen mit einer Freundin experimentiert hatte und zum ersten Mal in ihrem Leben „einen halben Joint mit Hasch“ geraucht hatte. Seitdem hatte sie sich außer Kontakt gefühlt. Während dieser Sitzung war es unmöglich, bei dieser gewöhnlich labilen Patientin eine Energiebewegung zu erzeugen. Sie war erstarrt.

Obwohl dies nur vorläufige Beobachtungen sind, hoffe ich, dass sie dazu beitragen werden, einige mögliche biophysikalische Konsequenzen der Verwendung von Marihuana und dessen Unvereinbarkeit mit der orgonomischen Therapie aufzuzeigen. Zögernd würde ich postulieren, dass der chronische Konsument seine Kopfpanzerung vorzeitig aufbricht, in einem verzweifelten Versuch, seine Kontaktlosigkeit durchzubrechen. Gleichzeitig gibt es eine unerträgliche energetische Expansion und eine chaotische Rückkehr des Verdrängten. Der Organismus antwortet mit einer Sympathikotonie – einer Kontraktion gegen die Expansion. Es besteht also die Gefahr, dass im Okularsegment ein „Haken“ entsteht, der bei manchen Personen durchaus irreversibel sein kann. In der psychedelischen Episode gibt es eine Abspaltung des direkten Kontakts, einen scharfen energetischen Rückzug und eine Ausdünnung und Streuung des Feldes als Folge der zentripetalen Energiebewegung. Wahrnehmungsveränderungen und regressive Phänomene sind die Regel. Im intensiven Erleben gibt es eine Verwechslung von Sinnesmodalitäten – ein „Sehen“ von Klängen und ein „Hören“ von Farben, die an archaische Wahrnehmungsfunktionen erinnern, die Spitz als Merkmale der „konästhetischen Organisation“ (4)n beschrieben hat. Die Distanzrezeptoren scheinen die primären Zielorgane zu sein. Eine steinharte Kontraktion des Kopfsegments ist ein ständiger Befund bei den chronischen Konsumenten, die ich gesehen habe. Intensive Kontaktlosigkeit gepaart mit Pseudo-Geselligkeit runden das Bild ab. Unter diesen Umständen kann sehr wohl eine tiefe Anorgonie des Gehirns folgen.

Im vorgestellten Fall hatte die Patientin eine Vorgeschichte mit Langzeitkonsum, war aber während der Behandlung ohne Drogen. Dennoch war es äußerst schwierig, die biophysikalischen Wirkungen der Therapie von den Stigmen des chronischen Konsums zu separieren. Wo der Patient fortfährt bewusstseinserweiternde Drogen zu verwenden, halte ich es für unmöglich, eine sinnvolle orgonomische Behandlung durchzuführen. Nach meiner Erfahrung sind Therapie und bewusstseinserweiternde Drogen aufgrund der durch Drogen induzierten Kontaktlosigkeit und der besonderen Beharrlichkeit der Kopfpanzerung energetisch inkompatibel.

Die obigen Ausführungen sind vorläufige Feststellungen. Die Verifizierung muss noch weitere Studien und Erkenntnisse der bioenergetischen Vorgänge abwarten. In der Zwischenzeit gibt es genügend Beweise, um bei der Verwendung aller Psychedelika, obwohl sie für unbedenklich erklärt werden, große Vorsicht walten zu lassen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

m Subjektives Phänomen, bei dem Sehobjekte kleiner wahrgenommen werden, als es der Objektgröße entspricht.

n Deutsche Ausgabe: Vom Säugling zum Kleinkind. Naturgeschichte der Mutter-Kind-Beziehungen im ersten Lebensjahr.

 

Literatur

4. Spitz, R.: The First Year of Life. New York: International Universities Press, Inc., 1965

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 8)

6. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom (Fortsetzung)

Die Wahrnehmungsveränderungen sind dem Eingeweihten gut bekannt. Die Beschreibung von Allentuck deutet auf eine umfassende Beteiligung des Augensegments hin:

Mentale Phänomene treten zwei bis drei Stunden nach der Einnahme bzw. fast unmittelbar nach dem Einatmen der Droge auf. Das Subjekt gesteht ein, „high“ zu sein. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch ein Gefühl von „in der Luft schweben“, „auf Wellen gleiten“, Leichtigkeit oder Schwindel im Kopf, Klingeln in den Ohren und Schwere in den Gliedmaßen. Euphorie manifestiert sich zunächst objektiv in Redseligkeit und erhöhter psychomotorischer Aktivität, später subjektiv in einer köstlich benebelten Mattigkeit. Entfernungen und Zeitintervalle erscheinen subjektiv elastisch. In drei bis sechs Stunden nach der Einnahme von Marihuana manifestiert sich Hunger, vor allem in einem Verlangen nach Süßigkeiten, und ein Gefühl von Müdigkeit und Schläfrigkeit tritt in den Vordergrund. Das Individuum kann ein bis sechs Stunden schlafen und ist beim Erwachen „down“, d.h. es fühlt sich nicht länger „high“. Die klinischen Phänomene können noch einige Stunden anhalten.

Der mentale Status offenbart in der Regel ein hyperaktives, ängstliches, redseliges, etwas misstrauisches Individuum. Sein Redefluss kann umständlich sein, seine Stimmung kann gehoben sein, aber er beinhaltet keine offenen anormalen mentalen Inhalte wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Phobien oder autistisches Denken. Aufmerksamkeit, Konzentration und Verständnis werden nur geringfügig gestört, was sich daran zeigt, dass die Ergebnisse seiner Bildungsabschlussprüfungen nur geringfügig gesunken sind.

Marihuana kann eine Psychose in einer instabilen, unorganisierten Persönlichkeit auslösen, wenn sie in größeren Mengen eingenommen wird, als sie tolerieren kann (2, S. 363).

Wie funktionieren die Psychedelika? Einige Hinweise des Eingeweihten regen zum Nachdenken an, erklären jedoch den Prozess nicht. Cholst (2), ein Arzt und Konsument, vergleicht die Erfahrung von Marihuana mit hypnotischer Altersregression.k Er berichtet, dass ein Babinskil sowohl während hypnotischer als auch während psychedelischer Erfahrungen hervorgerufen wurde. Die Analogie zur Hypnose ist interessant; wie bei den Psychedelika ist ihr Wirkmechanismus noch unerklärt. Meine eigenen Beobachtungen zur Hypnose lassen mich glauben, dass der hypnotische Prozess (wie der psychedelische) unter anderem eine Verkrampfung des Kopfsegments in Form einer akuten Panzerung beinhaltet. Leary (2) sieht den Einsatz von Psychedelika als Disziplin zur Erlangung kosmischen Kontakts und beschreibt dabei sechs Stufen des „Bewusstseins“. (Mein Eindruck ist, dass dieser Ansatz sehr mystisch ist und auch eine gewisse Art von Hypnose beinhaltet.)

Aus orgonomischer Sicht kann man postulieren, dass das eigentliche Zielorgan der Psychedelika das gepanzerte Gehirn selbst ist und dass der ständige Konsument verzweifelt versucht, sein kontrahiertes Kopfsegment zu öffnen. Frau M., die eine intelligente Beobachterin ist, hatte das Gefühl, dass dies bei ihr der Fall war. Sie beschrieb detailliert zwei Phasen, die sie während der Droge durchlaufen hatte. In der ersten lag der Schwerpunkt auf der sensorischen Erfahrung, insbesondere visuell und auditiv, als sie in ihren empfindungshungrigen Rezeptororganen schwelgte. Später folgte eine Phase der Erinnerung an das Verdrängte, ein fürchterliches Schlachtfeld für sie. Sie sieht den Einsatz der Drogen als verzweifelten Versuch, etwas zu fühlen und ihre lebenslange Kontaktlosigkeit zu durchbrechen. Leary (2, S. 87) und Halpern (2, S. 335) haben auch beobachtet, dass chronische Konsumenten meistens introvertierte, emotional unterdrückte Typen sind.5

Ein anderer Patient von mir, der als Studienabbrecher mit einem Alkoholproblem begann, machte Fortschritte in der Therapie, beendete seine Berufsausbildung und wurde in seinem Fachgebiet sehr erfolgreich. In etwa dem vierten Jahr der Therapie begann er mit Marihuana und LSD zu experimentieren und wurde bald psychologisch abhängig vom Ersteren. Therapeutisch habe ich beim Patienten versagt, weil ich das nicht früh genug erkannt habe. Er begann, „high“ zu den Sitzungen zu kommen und oft beobachtete ich ihn biophysikalisch in diesem Zustand. Der energetische Rückzug, die Kontaktlosigkeit und die Pseudo-Geselligkeit waren sehr auffällig. Es wurde unmöglich, ihn zu behandeln: Jede im Verlauf der Therapie entstandene Angst war bald in der Droge ertränkt. Wir kamen in eine Sackgasse und vereinbarten, die Behandlung abzubrechen. Ich habe ihn ein Jahr später gesehen. Er hatte weiterhin eine zufriedenstellende Arbeitsleistung trotz Marihuana erbracht, war jedoch unglücklich über seine Abhängigkeit davon. Er hatte eine gewisse beschränkte Reizschwelle der Erregung erreicht und die Droge hielt ihn an dieser fest. Er hatte sich in Bezug auf seine Kontaktfähigkeit mit weniger zufrieden gegeben und war nicht bereit oder nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Das Kopfsegment blieb geschlossen.

 

Anmerkungen des Übersetzers

k Hypnotische Rückführung in die Kindheit (PN).

l Babinski-Reflex, beim festen Bestreichen des seitlichen Fußsohlenrandes erfolgt eine Rückwärtsbewegung der Großzehe. Bei Kindern im ersten Lebensjahr ist dieser Reflex normal, später hingegen als Zeichen einer Pyramidenbahnschädigung zu werten.

 

Anmerkungen

5 „Individuen mit einer begrenzten Fähigkeit zu affektiver Erfahrung und Schwierigkeiten bei der Herstellung sozialer Kontakte greifen eher auf Marihuana zurück als diejenigen, die eher aufgeschlossen reagieren können.“

 

Literatur

2. Solomon, D., ed.: The Marihuana Papers. Indianapolis: Bobbs Merril Co., Inc., 1966

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 7)

4. April 2019

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 7)

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Das „Haschisch“-Syndrom

Nach meiner Erfahrung zeigen Patienten unter dem Einfluss von „Haschisch“ ein Bild, das energetisch dem der erheblich okular gepanzerten Menschen sehr ähnlich ist. Dies, obwohl der Patient „auf Droge“ ein ausgeprägtes Maß an scheinbarer Verbundenheit, Heiterkeit und verminderter Gehemmtheit aufweist – ein typisches Bild dessen, was Reich Pseudokontakt nannte. Was fehlt, ist die energetische Ladung, das Ausstrecken hin zur Außenwelt (vgl. die „Objektbesetzung“ der Psychoanalyse). Die Energie wird in das Selbst zurückgezogen. Subjektiv erlebt der Benutzer eine „Spaltung“, ein Gefühl der Entpersönlichung oder Abtrennung. Es ist, als ob er sich die Illusion von Kontakt oder Nähe nur aus der sicheren Entfernung der drogenbedingten Isolation erlauben könnte. Ein Beispiel aus der psychedelischen Literatur3 veranschaulicht sehr gut die Abspaltung von Kontakt:

Inmitten meiner komplizierten Halluzinationen konnte ich wahrnehmen, dass ich eine doppelte Existenz hatte. Ein Teil von mir wurde widerstandslos auf der Bahn dieser gewaltigen Erfahrung mitgewirbelt, der andere saß auf einer Höhe, schaute auf sein Double herab, beobachtend, überlegend und gelassen alle Phänomene abwägend (2, S. 151-2).

Darüber hinaus zeigte jeder meiner Probanden eine intensive Panzerung von Stirn, Augen, Lidern und Hinterhaupt. „Eingefroren“, „steinern“ oder „tot“ waren die Adjektive, die am ehesten bei der Beobachtung oder Abtastung des Kopfsegments in den Sinn kamen. Gelegentlich konnte eine tiefe Anorgonie das unnachgiebige Festhalten überflüssig machen, aber der Eindruck der Leblosigkeit war ausgeprägt. Bei jedem von ihnen spürte man eine mangelnde Präsenz im Raum.

Die physiologischen Auswirkungen von Marihuana sind wohl definiert. Die pharmakologische Wirkung der Droge wurde in ihren Ausprägungen als atropin-artigf beschrieben, wie der folgende Bericht zeigen wird:

Innerhalb einer halben bis einer Stunde nach der Einnahme von Marihuana wird die Bindehaut rot, die Pupillen erweitern sich und reagieren träge auf Licht. Lichtempfindlichkeit, Tränenfluss, Zittern der Augenlider und Augenzittern beim seitlichen Blick werden augenfällig. Die augenärztliche Untersuchung ergibt nichts Ungewöhnliches im Blinden Fleck, in den Gefäßen oder im Hintergrund der Netzhaut. Die Sicht auf Entfernung, Nähe und Farbe ändert sich nur geringfügig. Die Zunge wird zittrig und trocken; Mund und Rachen trocknen aus, was auf eine Verminderung des Speichelflusses hindeutet. Die Herz-Kreislauf-Veränderungen bestehen aus einer Erhöhung der radialeng Pulsfrequenz und einem Anstieg des Blutdrucks, der unmittelbar dem Pulsanstieg folgt. Die Extremitäten fangen an zu zittern und unwillkürliches Zucken tritt auf, Hyperreflexieh, erhöhte Empfindlichkeit bei Berührung, Druck und Schmerzreizen. Pyramidale Nervenbahnsignalei werden nicht hervorgerufen. Es gibt eine ausgleichende und nicht ausgleichende Ataxiej, die sich durch starkes Schwanken und abnorme Finger-zu-Finger-Bewegungskoordination zeigt. Nicht alle diese Phänomene treten bei jedem Subjekt auf, aber wenn eines von ihnen auftritt, dauert es ungefähr zwölf Stunden an (2, S. 362-3).

Wir sehen also autonome Wirkungen sympathisch-tonischer Natur zusammen mit ausgedehnten neurologischen Manifestationen, was auf eine diffuse Beteiligung des gesamten Großhirnkortexes, des Mittelhirns, des Kleinhirns und der vegetativen Zentren schließen lässt. Nach Allentuck (2) begleiten Gefühle von Euphorie und Besorgnis die überwiegend sympathische Innervation. Bioenergetisch würde man erwarten, dass ein Rückzug der Ladung von der Peripherie zum Zentrum die Sympathikotonie begleitet.4 Dies ist verbunden mit dem orgonomischen klinischen Eindruck, dass das Energiefeld eingezogen wird, die Erregung minimal ist und der Patient wie „nicht da“ wirkt.

 

Anmerkungen des Übersetzers

f Es handelt sich bei um ein Alkaloid, das das Herz-Kreislauf-System, vor allem aber das vegetative und zentrale Nervensystem beeinflusst. In seiner Wirkung als Rauschmittel erzeugt Atropin u.a. Erregung, stark beschleunigte Herztätigkeit, Rededrang, Euphorie und (erwünschte oder unerwünschte) Halluzinationen, es kann aber auch zu Unruhe, Krämpfen und Herzrhythmusstörungen führen.

g Handgelenkpuls (daumenseitig).

h Gesteigerte Erregbarkeit der Reflexe.

i Pyramidenbahn: wichtigste der motorischen Nervenbahnen, die von der Hirnrinde ins Rückenmark zieht.

j Störung im Bereich der Bewegungskoordination.

 

Anmerkungen

3 Haschisch ist die Droge, die hier verwendet wird. Wie Marihuana wird es aus Hanf (Cannabis) hergestellt, ist aber stärker.

4 Reich (3, S. 152) stellte einen deutlichen Rückgang des bioelektrischen Hautpotenzials von Probanden im Zustand der sympathikotonen Kontraktion fest.

 

Literatur

2. Solomon, D., ed.: The Marihuana Papers. Indianapolis: Bobbs Merril Co., Inc., 1966

3. Reich, W.: „Experimental Investigation of the Electrical Function of Sexuality and Anxiety“, Part II, Journal of Orgonomy, 3:132-55, 1969

4. Spitz, R.: The First Year of Life. New York: International Universities Press, Inc., 1965.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 6)

2. April 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Diskussion

Im vorliegenden Fall gab es zwei schwerwiegende Probleme, die beständige Arbeit erforderten: die Kontaktlosigkeit und die ausgeprägte Intoleranz für Expansion. Letzteres ging einher mit einer geringen Befähigung, Angst zu binden. Die Patientin war ein wandelndes Schlachtfeld, in dem verdrängtes Material aus allen libidinösen Ebenen chaotisch durchbrechen und sie mit einer verheerenden Überlastung überschwemmen. Eine tiefe Panzerung im Kopf mit daraus folgender Flucht vor dem Kontakt wurde zur hauptsächlichen Abwehrlinie.

Die frühe maligne Geschichte von Frau M. sowie konstitutionelle Faktoren können das vorliegende Krankheitsbild weitgehend geprägt haben. Einige Patienten, die nie auf Droge waren, präsentieren sich auf diese Weise. Auf der anderen Seite deuten ihre solide Arbeitsgeschichte und die konstant hohe intellektuelle Leistung darauf hin, dass die eigentümliche biophysikalische Brüchigkeit zum Teil ein Drogenartefakt gewesen sein könnte. Patienten mit grundsätzlich „mangelhaftem Protoplasma“ und schlechtem „Ich-Zement“ schneiden in der Regel nicht so gut ab wie Frau M., auch wenn sie hoch begabt sind.

Die okulare Panzerung selbst war schwer abzuschätzen. Offenbar ist sie bei Frau M., so scheint es, eine frühe Entwicklung, die vor der Drogenzeit lag und die darauf abzielte, die schreiende, sadistische Mutter, die dazu neigte, der Patientin auf den Kopf zu schlagen, auszublenden. Die „Abstumpfung“ im Kopf wurde zu einer Herausforderung für Frau M., die ganz bewusst versuchte, mit Hilfe der Drogen „durchzubrechen“ und mittels der Drogen „etwas zu fühlen“.

Auf tieferer Ebene können wir postulieren, dass Drogen im Dienste der Verstärkung der Kopfpanzerung bei denjenigen Menschen stehen, die ihre extrem negativen Gefühle nicht binden oder anderweitig bewältigen können. Für einen solchen Drogensüchtigen wäre dieses Motiv im Unbewussten verborgen und würde als Wunsch, sich „anzutörnen“, rationalisiert. Die daraus resultierende Apathie würde dann als willkommene Befreiung von unerträglichen Aggressionsgefühlen erlebt werden. Es scheint wahrscheinlich, dass Frau M. Drogen nahm, um ihre Kopfpanzerung zu verstärken, den Hass zu dämpfen und den Sadomasochismus in Schach zu halten. Ein solcher Benutzer befindet sich damit in einem Teufelskreis folgender Art: Verkrampfung des Kopfsegments (Abwehr von sekundären Trieben); der Versuch mittels Drogen die „Leblosigkeit“ im Kopf zu bekämpfen und die Feindseligkeit zuzuschütten; mit der daraus resultierenden Verstärkung der Kopfpanzerung und der Notwendigkeit vermehrter Drogen (Toleranz). Aber was sind die biophysikalischen Auswirkungen einer solchen Kette von Ereignissen? Was passiert mit dem chronischen Drogennutzer, der versucht, sich einer orgonomischen Behandlung zu unterziehen?

Kontaktstörungen – seien es die neurotischen Charakterzüge des Pseudokontaktes oder der vollständige energetische Rückzug des Katatonen – sind ein zentrales Thema der Orgontherapie. Die Therapie kann nur dann stattfinden, wenn der Kontakt zwischen Arzt und Patient hergestellt wird. Alle Hindernisse, die der Fähigkeit des Patienten zum vollständigen orgonotischen Kontakt entgegenstehen, müssen während der Behandlung so weit wie möglich systematisch beseitigt werden. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Intaktheit der Fernrezeptorfunktionen (Hören, Sehen und Riechen),2 die über das Kopfsegment vermittelt werden. Die physischen und expressiven Aspekte der Augenpanzerung wurden in Bakers Buch ausführlich diskutiert und müssen hier nicht wiederholt werden (1, S. 48-9 und 138-152). Neben dem Krankheitsbild der schweren Kopfpanzerung entsteht der Eindruck, dass sich der Patient gar nicht im Behandlungszimmer befindet. Denn bei einem solchen Patienten ist die Energieladung minimal; die Erregung wird auf einem Tiefstand gehalten, das Feld ist weit zurückgezogen, die emotionale Resonanz zwischen Arzt und Patient fehlt. Man fühlt sich allein im Raum.

 

Anmerkungen

2 Streng genommen gilt der Geruchssinn als Zwischenrezeptor.

 

Literatur

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Bewusstseinserweiternde Drogen – Gefahr oder Zeitvertreib? (Teil 5)

31. März 2019

von Dr. med. Dr. phil. Barbara Goldenberg Koopman

 

Fallgeschichte (Fortsetzung)

Die nächsten paar Sitzungen waren weiterhin durch ihre direkt gegen mich gerichteten aggressiven Wünsche geprägt. Die Abwehr des „gutes kleines Mädchen“ wurde intensiviert. Ich wies darauf hin, dass dies eine Abwehr gegen Kontakt und ihren Wunsch sei, dass ich mich um sie kümmern soll. Ihre Wut nahm zu, aber mit ihr kam die Angst vor Vergeltung. Ich brachte sie dazu, ihre Wut in den Augen zum Ausdruck zu bringen. Sie wollte nicht glauben, dass es sicher war, Wut zu entladen und hatte das Gefühl, sie würde eine gewischt kriegen (trotz ihrer Entladung feindseliger Gefühle in früheren Sitzungen). Hier war wieder eine Vertiefung ihrer Mutterübertragung: sie erwartete von mir die gleiche Vergeltung, die ihre Mutter ihr in der Vergangenheit zu Teil hat kommen lassen.

Auf Wunsch der Patientin folgte ein Monat Urlaub von der Therapie. Sie wechselte den Beruf, hatte einen neuen Zeitplan und brauchte Zeit, um ihr Leben neu zu organisieren. Ich hatte den Eindruck, dass sie vor ihren wütenden Gefühlen auf der Flucht war, es ihr zu viel wurde und sie eine Verschnaufpause brauchte.

Nach einem Monat kam sie zurück. Sie hatte einen viel besseren und befriedigenderen Job gefunden und war sehr gut darin. Die Augen waren jedoch blockiert und sie konnte sie nur schwer drehen. Auf der Couch konnte sie viel Boshaftigkeit ausdrücken. Die Trennung für einen Monat schien die Mutterübertragung auf mich und die Verwechslung mit der Mutter, die sie verlassen hatte, mit mir zu vertiefen. Ich benutzte die Stiftlampe an ihren Augen und weckte zunächst tiefe Wut, danach Schrecken und schließlich intensive Sehnsucht. Sie streckte ihre Arme aus und rief: „Mami, Mami!“

Die nächsten beiden Sitzungen brachten durch die Intensivierung der Übertragung einen erhöhten Widerstand. Dieser lag nahe an der Oberfläche und konnte leicht interpretiert werden. So konnte sie nun ihre bisher unausgesprochene Sicht auf mich als „hysterisch“ und „ungepflegt“ auf die Art in Bezug setzen, wie sie ihre Mutter sah. Sie drückte auch ein Schuldgefühl darüber aus, dass sie mich umbringen würde. Ich benutzte die Lampe und sie konnte mich mit großer Überzeugung und Engagement symbolisch auf der Couch schlagen. Es folgte entweder das Auftreten einer spontanen frühen Erinnerung (wie es bei einer starken affektiven Entladung auftreten kann) oder das Wiedererleben eines psychedelischen Erlebnisses: Sie fühlte sich plötzlich sechs Monate alt und konnte ihre Angst vor der Verlassenheit, die sie als Angst, dem Tod überlassen zu werden erkannte, deutlich erleben. Sie konnte regredieren und trotzdem gleichzeitig das beobachtende Ich ausreichend intakt halten, um über die Erfahrung zu berichten. Die laufenden Sitzungen waren hauptsächlich mit einer Intensivierung der Trauerreaktion über die Mutter angefüllt.

Die Patientin berichtet, dass sie nach ihren Sitzungen manchmal tagelang weint und dies als unerträglich und überwältigend empfindet. Es gibt jedoch keinen Funktionsverlust bei der Arbeit oder im Studium. Sie bemerkt auch, dass das zwanghafte Grübeln verschwunden ist und sie beginnt zu verstehen, wie es sich anfühlt, in Kontakt zu sein. In letzter Zeit hat sie Episoden, manchmal Stunden lang, von echtem binokularem Sehen erlebt.1 Doch sie fühlt sich unsicher und ist voller Angst, gefühlsmäßig „zu viel Staub aufzuwirbeln“. Ich habe ihr gesagt, dass ich auch sehr besorgt bin, sie nicht überwältigt werden solle, ich die Situation sorgfältig überwache und dass sie mir sagen muss, wenn sie das Gefühl hat, dass wir zu weit gehen. Das Problem scheint eine intensive Intoleranz für Expansion und eine zu leichte Freisetzung des Verdrängten zu sein – insbesondere dessen, was sie in ihren früheren Drogenerfahrungen wachgerufen hat. Die Fähigkeit ihres Biosystems, Angstzustände zu binden, ist ziemlich gering. Wie sehr der Drogenkonsum dies beeinflusst hat, ist schwer zu sagen. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass diese Patientin aus gutem „Material“ besteht und in der Lage sein wird, dem letztendlichen Schrecken der Auflösung zu widerstehen. In der Zwischenzeit ist Vorsicht angesagt.

 

Anmerkungen

1 Beschrieben bei Baker (1, S. 18).

 

Literatur

1. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 3 (1969), Nr. 2, S. 213-225.
Übersetzt von Robert (Berlin).