Buchrezension: The Case Against Pornography (Teil 2)

von Paul Mathews, M.A., Brooklyn, N.Y.

 

Eine weitere Schwäche liegt in der Definition von Pornographie als „obszöne Schriften oder Bilder, die dazu bestimmt sind, sexuelle Erregung hervorzurufen“ (Masud R. Khan), was impliziert, dass Sexualität selbst obszön ist. Diese Definition macht keinen Unterschied zwischen prägenitalen Fixierungen oder Perversionen und natürlicher sexueller Erregung. Tatsächlich könnte man noch weitergehen und sagen, dass das, was durch Pornographie erregt wird, nur die prägenitalen oder perversen Neigungen sind, nicht aber die Genitalität. Pornographie dämpft entweder die genitale Empfindung oder setzt umgekehrt sekundäre Impulse frei, die für den Einzelnen und die Gesellschaft gefährlich und zerstörerisch sind. Es ist dieser Prozess, der für die in diesem Buch so beklagten „entmenschlichenden“ Tendenzen verantwortlich ist.

Ich muss gestehen, dass mich die Anti-Pornographie-Erklärung von Dr. Benjamin Spock, angesichts seiner engen Verbindung zu jenen Elementen des militanten Aktivismus und Dissenses, die die Gegenseite vertreten, etwas verwundert hat. Wie der Herausgeber Holbrook in seiner Einleitung fragt: „Wie [wurde] Pornographie jemals Teil von ‚Protest‘ und ‚progressiver‘ Politik?“ Die Antwort ist natürlich, dass sie niemals Teil eines echten Protests und einer echten Fortschrittlichkeit werden kann, genauso wenig wie sie Teil dessen sein kann, was Reich als „echte Revolution“ bezeichnete. Sie kann sowohl von denen benutzt werden, die ihre zerstörerischen Fähigkeiten spüren, als auch von denen, die sich wie Marcuse nur deshalb dagegen aussprechen, weil sie fast alle sexuellen Reize als hemmend für den „revolutionären“ Eifer empfinden. Der von ihnen verwendete Begriff ist, wie von Boadella erwähnt, „repressive Entsublimierung“ c.

Die Tatsache, dass einige Personen aus den falschen Gründen gegen Pornographie sind, sollte jedoch niemanden davon abhalten, sich aus den richtigen Gründen gegen sie zu stellen. Ebenso wenig darf man sich davon abhalten lassen, sich gegen den Kommunismus zu stellen, auch wenn einige Personen, die sich ihm widersetzen, versteckte persönliche Motive haben. Die Pornographie als Ausdruck der sekundären Schicht knüpft leicht an die emotionellen politischen Pestreaktionen sowohl der nazistischen Rechten als auch der kommunistischen Linken an. Hier besteht eine echte symbiotische Beziehung, in der das gemeinsame Funktionsprinzip der Hass auf die Genitalität und das Leben ist. Einen sehr guten Artikel über den gesellschaftspolitischen Aspekt der Pornographie präsentiert Ronald Butt mit dem Titel „The Mistakes Liberals Make“. Er zeigt deutlich die soziopolitische Schizophrenie der Liberalen auf und wie sie zur Verwirrung beitragen.*

Alles in allem kann der Leser viel über die destruktive Dynamik und den Überbau der Pornographie lernen, wenn man sich diesem Buch mit einem Verständnis seiner funktionellen Mängel und seiner Grundlage im moralischen und philosophischen Idealismus anfreunden kann. Es ist ein wertvoller Beitrag im Kampf gegen die lebensfeindlichen Kräfte.

 

Anmerkungen

* Herausgeber Holbrook weist (Seite 2) auf die irreführenden Aussagen über die angebliche Reduzierung von Sexualverbrechen in Dänemark hin, wo Pornographie seit vielen Jahren grassiert. Er stellt fest, dass es „keinen Rückgang bei schweren Sexualstraftaten gegeben hat – nur bei kleineren wie Exhibitionismus, die jetzt legal in Studios und Clubs begangen werden“ – und dass „Gewaltdelikte mit zunehmender Toleranz gegenüber Pornographie zugenommen haben“. Zum Beispiel führt er New York mit einer Zunahme der Morde, Schweden mit einer Zunahme von 12% der Gewaltverbrechen an, usw.

 

Anmerkungen des Übersetzers

c https://en.wikipedia.org/wiki/Repressive_desublimation
https://de.wikipedia.org/wiki/Repressive_Entsublimierung

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, 8. Jahrgang (1974), Nr. 1, S. 105-107.
Übersetzt von Robert (Berlin)

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Eine Antwort to “Buchrezension: The Case Against Pornography (Teil 2)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Jahrelang habe ich mir über den gedrechselten Kokolores der „repressiven Entsublimierung“ den Kopf zerbrochen. Kaum zu glauben, dass solch abstruser Wahnwitz jahrelang die sexualpolitischen Debatten bestimmt hat.
    Hier eine Kritik von Rudolf Augstein zu Reimut Reiches Buch:
    https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45922104.html

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