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DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Wilhelm Reich kontra die Situationisten (Teil 1)

19. September 2021

von Jim Martin [entnommen aus der Zeitschrift für Orgonomie, Peter Nasselstein, Bd. 7, Heft 1, Jan. 1992]

Vorbemerkung des Herausgebers: Die „Situationistische Internationale“ (SI) war eine westeuropäische Künstlervereinigung, deren deutscher. Ableger die im Herbst 1957 in München gegründete „Gruppe SPUR“ war, aus der z.B. Dieter Kunzelmann hervorgegangen ist. Im SPUR-Manifest vom Januar 1961 heißt es: „So wie Marx aus der Wissenschaft eine Revolution abgeleitet hat, leiten wir aus der Gaudi eine Revolution ab. Die sozialistische Revolution mißbrauchte die Künstler. Die Einseitigkeit dieser Umstürze beruhte auf der Trennung von Arbeit und Gaudi. Eine Revolution ohne Gaudi ist keine Revolution.“ Man denke an die revolutionären Witzbolde der „Kommune 1“ Rainer Langhans, Fritz Teufel und eben Kunzelmann. Das Manifest der SI von Mai 1960 beantwortet die Frage, was die „Situation“ sei, wie folgt: „Sie ist die Verwirklichung eines höheren Spiels, genauergesagt, die Provokation zu dem Spiel, das die menschliche Gegenwart ist. Die revolutionären Spieler aller Länder können sich in der Situationistischen Internationale vereinigen, um dann zu beginnen, aus der Nichtgeschichtlichkeit des alltäglichen Lebens hervorzutreten. … Welches müssen die grundlegenden Eigenschaften einer neuen Kultur, sein, und zwar im Vergleich zur jetzigen Kunst? Entgegen dem Schauspiel führt die realisierte situationistische Kultur die umfassende Teilnahme ein. Entgegen der konservierten Kunst ist sie eine Gemeinschaft des direkt erlebten Augenblicks. … Ihre Versuche beabsichtigen wenigstens eine Revolution des Verhaltens und einen dynamischen unitären Urbanismus, fähig, sich über den ganzen Planeten auszubreiten und darauf über alle bewohnbaren Planeten ausgebreitet zu werden“ (CheSchahShit. Die Sechziger Jahre zwischen Cocktail und Molotow, Berlin 1984, S. 188).

Vor fast zehn Jahren stand ich eines Montagsmorgens auf, um mir eine Tasse Kaffee zu machen. Ich ging in die Küche und nahm einen Becher vom Trockengestell, wodurch ich glücklicherweise ein chinesisches Hackbeil auf meinen großen Zeh fallenließ. Ich wurde von meinem Job in der Gemeinwesenarbeit freigestellt und verbrachte eine Woche im Liegen und Sitzen, wobei ich die Situationist International Anthology las. Großartig. Hier fand ich endlich eine Stimme für meine eigenen Frustrationen über den scheiß Reformismus und ein neues Vokabular, mit dem ich meine Mitmenschen beleidigen konnte. Die Kritik aus einem Guß, die die Situationisten präsentierten, sagte mir zu, ihr Angriff auf die Spezialisierung und ihre rücksichtslose Rhetorik gegen die traditionelle linke Politik. Doch als ich versuchte, diese Grundsätze in meiner Lebenspraxis anzuwenden, wurde ich in eine Sackgasse geführt.

Ich erfuhr bald, daß die Situationisten zu der Zeit sehr en vogue waren, besonders in San Francisco. Es gab viele Leute, die ihre Ideen in detournierte* progressive Politik integrierten. Hier ist nicht der Raum (und ich habe nicht die Geduld), um eine vollständige Geschichte der Situationisten zu bieten, aber ich empfehle sehr die Anthology, sowie Vague #16-17 mit seinem einführenden Leitfaden zur Situationistischen Internationale. Ich werde auch andere Linkslibertäre behandeln, die über Reich schrieben, da sie zu einer allgemeinen Erörterung von Reichs Gedanken gehören.

Kurz gesagt war Wilhelm Reich (1897-1957) einer der strahlenden jungen Sterne aus Freuds innerem Kreis, bis er die Toleranz der älteren Psychoanalytiker durch sein Beharren überstrapazierte, daß die orgastische Potenz für die Gesundheit wesentlich sei. Weiter belastete er die Beziehung, indem er auf die Fruchtlosigkeit der individuellen Therapie hinwies, während die Gesellschaft im ganzen eine wahrhaftige Neurosenfabrik bliebe. Als Mitglied der sozialistischen und kommunistischen Bewegungen in Deutschland verfocht er eine kompromißlose politische Plattform, die auf umfassenden sexuellen Fragen beruhte, einschließlich den sexuellen Rechten von Jugendlichen, der Legalisierung von Geburtenkontrolle und der Beseitigung der Zwangsgesetzgebung für Sexualität und Ehe. Dies brachte wiederum Parteifunktionäre auf, was Reich dazu zwang, seine Haltung zur Marxistischen Politik neu zu bestimmen.

Ich schreibe weder als genitaler Charakter noch als Revolutionär. Ich hinke durchs Leben und ertaste blind meinen mit Verlusten übersäten Weg. Aus zwei Gründen werde ich an dieser Stelle nicht Reichs Schriften wiederkäuen. Erstens drückt er sich in seinen Büchern selbst treffend aus und jeder Versuch, seine Arbeit zu paraphrasieren, entartet ausnahmslos zur Parodie (siehe Vaneigem). Zweitens ist die gegenwärtige Treuhänderin seines Erbes, Mary Boyd Higgins, bei der Erteilung der notwendigen Erlaubnis sehr zurückhaltend. Obwohl dies für Forscher frustrierend ist, wirkt es sich in vielfacher Hinsicht positiv für Reich aus, da er ein ausgezeichneter Schriftsteller ist. Seine Prosa hat einen ganz persönlichen Rhythmus. Er stieß sich oft daran, daß sein Übersetzer, Theodore Wolfe, versuchte, seine, wie Reich sie nannte, krachenden Höhepunkte zu glätten. Reichs Arbeit auszugsweise wiederzugeben, bedeutet, sie ganz aus dem Zusammenhang zu reißen.

Auf der anderen Seite beachteten die Situationisten in Übereinstimmung mit ihrer „Eigentum ist Diebstahl“-Haltung nie das Urheberrecht. Dies hat sich zu ihren Gunsten als famoser Werbegag erwiesen. Zitate, Auszüge und Übersetzungen tauchen überall auf. Im Gegensatz zu Reich kann man aus dem situationistischen Oeuvre problemlos etwas herausreißen. Einzelne Sätze und Redewendungen können fast überall entnommen werden und doch bleibt die Atmosphäre stupiden Einhämmerns erhalten. Von allen Situationisten hatte nur Vaneigem das Gespür eines Prosaisten.

* Aus dem Französischen, mit der buchstäblichen Bedeutung „Entführen“. Bezieht sich auf die Praxis, Elemente der populären Kultur einen subversiven Inhalt zu verleihen.

Reichs Gründe der Abkehr von der Tagespolitik (Teil 6)

13. Juli 2021

von Robert Hase

Reich beschreibt dann seinen Weg zur Arbeitsdemokratie.

„In Deutschland brachen nach der Lockerung der zwanghaften moralistischen Fesseln die sekundären, sadistischen und perversen Impulse durch die Panzerung.“ In der Sowjetunion kam es zu einem schnellen Rückfall in ein autoritäres Regime in Wirtschaft und Sexualpolitik. Im Gegensatz zu den Russen wusste die sexualökonomische Gruppe, „warum diese Regression ‚notwendig‘“, also unvermeidlich war. (Der Leser wird fragen, warum denn genau diese Regression unausweichlich war. Ich interpretiere hier Reich wie folgt: Weil die Sowjets, kenntnislos wie sie waren, mit der charakterstrukturellen Hilflosigkeit der Massen nicht anders umgehen konnten, sie das Scheitern der Revolution aber nicht eingestehen konnten. [PN]) Reich schreibt weiter: „Wir halten an dem ursprünglichen Ziel der gesellschaftlichen und individuellen Selbstregulierung fest, während sie es nicht tun; wir suchen weiterhin den Weg zur gesellschaftlichen Selbstregulierung,“ während man sich in der Sowjetunion Illusionen hingab. Die Gruppe verfolgte gewissenhaft den sexualökonomischen Prozess im Individuum und in der Gesellschaft, während man dort das ganze Problem der Massenpsychologie als „unproletarisch“ verwarf.

Reich gelangte zu dem Schluss, dass, wenn man also Katastrophen vermeiden und gleichzeitig am ursprünglichen Ziel festhalten wollte, eine Sexualpolitik im Rahmen der parteipolitischen Organisation nicht in Frage kam. Jedoch gab es absolut nichts, was an die Stelle der alten, parteiorientierten Sexualpolitik hätte treten können. Man kann, so Reich, nicht Millionen von Menschen vegetotherapeutisch behandeln, um die sekundären, perversen Triebe durch natürliche Genitalität zu ersetzen. Es wäre zwar möglich, durch eindringliche Erklärungen (Reich meint hier wahrscheinlich eine Massenpropaganda) Panzerungen en masse zu zertrümmern; aber was dann an die Oberfläche dränge, wäre brutaler Irrationalismus und nicht das, was die Sexualökonomen anstrebten: rationale Selbstbestimmung des Lebens.

Die Veränderung der menschlichen Struktur, ihre Entpanzerung und die Ausschaltung der sekundären, pornographischen und sadistischen Impulse, erfordere nicht nur die Kenntnis der tiefen biologischen Prozesse schon beim Neugeborenen, sondern auch ein soziales Umfeld, in dem diese Prozesse auf natürliche Weise funktionieren könnten. Jede Art von autoritärer oder mystischer Lebensform mache dies jedoch unmöglich. Die formal-demokratischen Organisationen waren, wie auch zur Zeit der Niederschrift (1944), in einem solchen Maße von autoritären Konzepten und Praktiken durchdrungen, dass auch sie keinen Rahmen bieten könnten. Da politische Parteien eine autoritäre Struktur hätten und von der menschlichen Hilflosigkeit lebten, wäre von ihnen nichts zu erwarten. So stände man vor einer großen Leere, wenn man sich frug, welche gesellschaftliche Organisation den Erkenntnissen der Sexualökonomie und ihren klaren gesellschaftlichen Konsequenzen zum Durchbruch verhelfen hätte können. Diese Leere lähmte einige Jahre lang jeden praktischen Schritt.

„Doch in diesen Jahren formulierte sich allmählich und spontan eine Antwort: natürliche Arbeitsdemokratie.“

Reich erklärt sie an einigen Beispielen. Seine Organisation hatte keine politische Gruppe gebildet oder ein Aktionsprogramm ausgearbeitet. Es waren die Anforderungen der vielseitigen Arbeit und die Notwendigkeit, gesellschaftliche, berufliche und persönliche Probleme zu lösen, die sie dann im Januar 1936 dazu brachten, das Institut für sexualökonomische Lebensforschung zu gründen. Sie hatten ausschließlich fachbezogene Zusammenkünfte professioneller Art. Jeder leistete seinen Beitrag entsprechend seinem Interesse an der Arbeit. Ein Arzt sammelte Geld, weil er Reichs Labor wachsen sehen wollte und selbst darin arbeiten wollte. Andere übersetzten sexualökonomische Schriften und veröffentlichten eine Zeitschrift in ihrer Sprache, ohne dass Reich es vorgeschlagen hätte, einfach, weil die Arbeit es erforderte. Roger du Teil organisierte die Bionforschung in Frankreich, weil er es als seine Pflicht als Naturwissenschaftler empfand, nicht, weil Reich ihn dazu überredet hatte. Neill kam, weil er die Vegetotherapie in der Arbeit mit seinen Schülern brauchte. Reich hingegen brauchte dessen Schule, weil sie durch ihr großartiges Funktionieren seine Vorstellungen von Selbstregulierung bestätigte.

„Meine Abhängigkeit vom Mikroskop und vom Thermometer oder die Abhängigkeit der Orgonforschung von der Erforschung der Elektrizität und des Lichtes durch andere wissenschaftliche Arbeiter ist eine historische Arbeitsabhängigkeit“. In diesen Abhängigkeitszusammenhängen gäbe es keinen Platz für politische Ideologien. Es seien die Arbeiter aller Berufe und nicht die Machiavellis, die in den vergangenen Jahrhunderten den historischen Boden für seine Arbeit geschaffen haben. So wie die politische Ideologie keine Arbeit leisten könne, könne sie auch nicht das arbeitsdemokratische Funktionieren im gesellschaftlichen Leben erfassen. Arbeiter hinterfragen Ergebnisse und Methoden, um zu lernen und zu helfen und „die Dinge besser zu machen“. Sie würden sich nicht gegenseitig „Verräter“, „Spion“, „Abtrünniger“ usw. nennen oder sie erschießen sich nicht gegenseitig, wie es die politischen Gangster tun. Sie zwingen niemanden, ihre Arbeit zu tun, so wie die Politiker andere mit vorgehaltenem Messer oder dem Maschinengewehr zwingen, für ihre Ideen zu sterben.

nachrichtenbrief203

2. Mai 2021

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Kosmischer Kampf – Planetare Angriffs- und Zermürbungsstrategien. Ein Überblick (Teil 8)

15. März 2021

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Kosmischer Kampf – Planetare Angriffs- und Zermürbungsstrategien. Ein Überblick (Teil 8)

Buchrezension: The Case Against Pornography (Teil 2)

21. Januar 2021

von Paul Mathews, M.A., Brooklyn, N.Y.

 

Eine weitere Schwäche liegt in der Definition von Pornographie als „obszöne Schriften oder Bilder, die dazu bestimmt sind, sexuelle Erregung hervorzurufen“ (Masud R. Khan), was impliziert, dass Sexualität selbst obszön ist. Diese Definition macht keinen Unterschied zwischen prägenitalen Fixierungen oder Perversionen und natürlicher sexueller Erregung. Tatsächlich könnte man noch weitergehen und sagen, dass das, was durch Pornographie erregt wird, nur die prägenitalen oder perversen Neigungen sind, nicht aber die Genitalität. Pornographie dämpft entweder die genitale Empfindung oder setzt umgekehrt sekundäre Impulse frei, die für den Einzelnen und die Gesellschaft gefährlich und zerstörerisch sind. Es ist dieser Prozess, der für die in diesem Buch so beklagten „entmenschlichenden“ Tendenzen verantwortlich ist.

Ich muss gestehen, dass mich die Anti-Pornographie-Erklärung von Dr. Benjamin Spock, angesichts seiner engen Verbindung zu jenen Elementen des militanten Aktivismus und Dissenses, die die Gegenseite vertreten, etwas verwundert hat. Wie der Herausgeber Holbrook in seiner Einleitung fragt: „Wie [wurde] Pornographie jemals Teil von ‚Protest‘ und ‚progressiver‘ Politik?“ Die Antwort ist natürlich, dass sie niemals Teil eines echten Protests und einer echten Fortschrittlichkeit werden kann, genauso wenig wie sie Teil dessen sein kann, was Reich als „echte Revolution“ bezeichnete. Sie kann sowohl von denen benutzt werden, die ihre zerstörerischen Fähigkeiten spüren, als auch von denen, die sich wie Marcuse nur deshalb dagegen aussprechen, weil sie fast alle sexuellen Reize als hemmend für den „revolutionären“ Eifer empfinden. Der von ihnen verwendete Begriff ist, wie von Boadella erwähnt, „repressive Entsublimierung“ c.

Die Tatsache, dass einige Personen aus den falschen Gründen gegen Pornographie sind, sollte jedoch niemanden davon abhalten, sich aus den richtigen Gründen gegen sie zu stellen. Ebenso wenig darf man sich davon abhalten lassen, sich gegen den Kommunismus zu stellen, auch wenn einige Personen, die sich ihm widersetzen, versteckte persönliche Motive haben. Die Pornographie als Ausdruck der sekundären Schicht knüpft leicht an die emotionellen politischen Pestreaktionen sowohl der nazistischen Rechten als auch der kommunistischen Linken an. Hier besteht eine echte symbiotische Beziehung, in der das gemeinsame Funktionsprinzip der Hass auf die Genitalität und das Leben ist. Einen sehr guten Artikel über den gesellschaftspolitischen Aspekt der Pornographie präsentiert Ronald Butt mit dem Titel „The Mistakes Liberals Make“. Er zeigt deutlich die soziopolitische Schizophrenie der Liberalen auf und wie sie zur Verwirrung beitragen.*

Alles in allem kann der Leser viel über die destruktive Dynamik und den Überbau der Pornographie lernen, wenn man sich diesem Buch mit einem Verständnis seiner funktionellen Mängel und seiner Grundlage im moralischen und philosophischen Idealismus anfreunden kann. Es ist ein wertvoller Beitrag im Kampf gegen die lebensfeindlichen Kräfte.

 

Anmerkungen

* Herausgeber Holbrook weist (Seite 2) auf die irreführenden Aussagen über die angebliche Reduzierung von Sexualverbrechen in Dänemark hin, wo Pornographie seit vielen Jahren grassiert. Er stellt fest, dass es „keinen Rückgang bei schweren Sexualstraftaten gegeben hat – nur bei kleineren wie Exhibitionismus, die jetzt legal in Studios und Clubs begangen werden“ – und dass „Gewaltdelikte mit zunehmender Toleranz gegenüber Pornographie zugenommen haben“. Zum Beispiel führt er New York mit einer Zunahme der Morde, Schweden mit einer Zunahme von 12% der Gewaltverbrechen an, usw.

 

Anmerkungen des Übersetzers

c https://en.wikipedia.org/wiki/Repressive_desublimation
https://de.wikipedia.org/wiki/Repressive_Entsublimierung

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, 8. Jahrgang (1974), Nr. 1, S. 105-107.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 8)

24. Oktober 2020

Was ist also Arbeitsdemokratie konkret? Nicht für irgendwelche orgonomischen Kleinorganisationen, sondern für ganze Nationen oder den ganzen europäischen Kontinent? Was ist konkret zu tun, um die Arbeitsdemokratie zu etablieren?

LIEBE: Arbeitsdemokratie kann nur funktionieren, wenn die Menschen nicht von Gier, Machtstreben und Rachegedanken getrieben werden. Dies ist nur möglich, wenn die Massen sexuell befriedigt sind. Entscheidend ist ein gesellschaftliches Klima, das sexual- und lebensbejahend ist. Keine soziale „Revolution“ (= Ausbalancierung der quantitativen und qualitativen Aspekte der Arbeit – siehe unten!) ohne eine sexuelle Revolution (= Ausbalancierung von Sex [„Quantität“] und Liebe [„Qualität“]). Erst dann kommen die bereits erwähnten „kosmischen“ Funktionen zum Tragen. Es muß ein krimineller Akt gegen die Gesellschaft werden, sexualablehnend und pornographisch zu sein!

ARBEIT: Nach Marx (oder besser gesagt Weitling) sollte jeder Arbeiter nach der Zeit bezahlt werden, die er gearbeitet hat. Jeder bekommt also für eine Stunde Arbeit genau das Gleiche. Und warum? Weil dies eine Arbeitsdemokratie ist und wir voneinander abhängig sind. Ein Psychotherapeut kann keinen einzigen Patienten behandeln ohne die Menschen, die die gesamte Infrastruktur aufgebaut haben und unterhalten, und ohne all die Menschen, die direkt oder indirekt für ihn arbeiten. Aber das ist nur der quantitative Aspekt, es gibt natürlich auch einen qualitativen. Ohne Edison und Ford und all die anderen Erfinder, Ingenieure, Wissenschaftler und Hochqualifizierten, die jahrzehntelang an Fach- und Hochschulen ihr Handwerk studiert haben, und nicht zuletzt all die Unternehmer – all die Arbeit wäre sinnlos bzw. würde erst gar nicht erst existieren. Diese Art von „Mehrwert“ sollte ebenfalls angemessen vergütet werden. Dies wird automatisch vom Markt für Güter und Dienstleistungen geleistet. Dennoch sollte jeder Arbeiter seinen gerechten Anteil bekommen („Sozialismus“) und jeder, der altersschwach oder behindert ist, sollte alles umsonst erhalten („Kommunismus“). Die Sozialisten neigen dazu, nur die quantitative Seite zu sehen, während die Liberalen und Konservativen die Tendenz haben, nur die qualitative Seite zu erkennen – eine Blindheit, die von linken Populisten ausgenutzt wird. Beide Seiten können nicht funktionell denken!

WISSEN: Wir sind Menschen. Alles beginnt im Gehirn und ist daher in gewisser Weise „ideologisch“. Arbeit beginnt immer mit einer inneren Vorstellung, einer Blaupause des fertigen Produkts oder es ist keine Arbeit (Marx). Liebe ist nicht blind, sie beginnt immer mit einem „Ich sehe Dich“! Ebenso kann ein gesellschaftlicher Wandel in Richtung einer wahren Arbeitsdemokratie nur mit einer Aufklärung des Volkes, einer Vermittlung funktionellen Wissens beginnen. Es ist wie bei der Charakteranalyse/Orgontherapie: Man beginnt immer mit der Oberfläche und dem Kopf, tauscht Blicke aus und führt Gespräche. Die Menschen müssen lernen, funktionell zu denken, insbesondere im Hinblick auf die Abwägung der quantitativen und qualitativen Aspekte. Wenn sie das tun würden, sähen sie, daß der Kapitalismus ohne Sozialismus nicht funktionieren kann und umgekehrt und daß die ganze politische Rechts/Links-Spaltung unsinnig ist. Sie würden sehen, daß all das christliche Geschwätz über die „Liebe“ eine Lüge in einer sexualverneinenden und das heißt lebensnegierenden Gesellschaft ist, die ständig Sadismus und Perversion hervorbringt. Aber sie würden auch sehen, daß „Sex“ ohne Liebe, d.h. die gesamte zeitgenössische Jugendkultur, ebenfalls destruktiv ist und – sexualverneinend.

Die Tragödie ist, daß man dies nicht einfach auf politischem Wege umsetzen kann. Warum? Weil Politik ihrem Wesen nach Teilung, Täuschung und Spaltung ist, während es bei der Arbeitsdemokratie, wie oben gezeigt, um Ausgleich geht.

Das sozialistische Patientenkollektiv (Teil 3)

16. April 2019

Man kann das, was in der Praxis der Orgontherapeuten geschieht auf die Gesellschaft übertragen. Zwar hat diese kein Über-Ich, kein Unbewußtes und keine „Komplexe“, doch jenseits von diesen psychologischen Vorstellungen: alle Systeme folgen den, wenn auch auf ihre jeweils spezifische Art und Weise, identischen energetischen Gesetzmäßigkeiten, etwa was die Abwehr („Reaktion“) von bioenergetischen bzw. „bio-sozialen“ Impulsen („Revolution“) betrifft. Aufkleber wie folgender sagen alles, doch nur die Orgonomie versteht wirklich, was sie eigentlich im Grunde aussagen:

Dem werden natürlich Aufkleber wie der folgende entgegengehalten:

Was soll man DAGEGEN einwenden können! Klingt gut, aber „Selbstorganisation statt Lohnarbeit“ kann nur jemand fordern, der wohlbehütet aufgewachsen, danach ohne jedwede Lebenserfahrung an die Uni gegangen ist und die Welt nur durch die rosarote Brille betrachtet. Jemand, der in der Jauchegrube dieser Gesellschaft aufgewachsen ist, die Unterschicht und ihre Kinder auf viszeraler Ebene kennt, weiß, daß ein Gutteil nicht arm ist, weil „der Kapitalismus“ so unerbittlich ist, sondern sie sind arm, weil sie schlichtweg einen „Dachschaden“ haben. Sie leben nicht in der Hölle, die Hölle ist vielmehr in ihnen. (Wann und wie in der Generationenfolge diese Hölle in sie gelangt ist, d.h. wie sich die äußere Hölle im Inneren verankert hat, ist eine ganz andere Frage!) „Befreit“ man sie von der Lohnarbeit, wie es „Hartz IV“ in gewisser Hinsicht getan hat, dann verlieren sie auch noch den letzten Halt. Der Zwang fünf Tage die Woche ganztägig zu malochen, ist ein absoluter Segen für sie – und nicht zuletzt für die Gesellschaft. Was passiert, wenn man diese Massen „befreit“, hat nicht zuletzt die Sowjetunion gezeigt. Schließlich mußten die Leiter der „volkseigenen Betriebe“ zu weitaus härteren Maßnahmen greifen, gar mit Konzentrationslagern und physischer Vernichtung drohen, um sinnlosen Vandalismus, ständige Arbeitsverweigerung und den „Diebstahl an Volkseigentum“ einzudämmen und die Gesellschaft in Gang zu halten. Wegen der gepanzerten Menschen muß jedweder Sozialismus, egal wie human sein Antlitz ist, letztendlich in der Hölle auf Erden münden.

Wenn man den sozialistischen und anarchistischen Wichsern sagt, daß der Kapitalismus mit seiner Mischung aus Zwang und Freiheit wahrscheinlich das ideale Gesellschaftssystem bzw. das Gesellschaftssystem ist, das einen Grad an Gesundheit verkörpert, den der gepanzerte Mensch gerade so noch eben ertragen kann, ticken sie auf die eine oder andere Weise aus. Sozialisten und Anarchisten sind schlichtweg Irre, die in die Psychiatrie gehören. Das sozialistische Patientenkollektiv:

Das sozialistische Patientenkollektiv (Teil 2)

15. April 2019

Das, was wir heute an Laternenpfählen finden, setzt in seinem ganzen Irrsinn ungebrochen das fort, was einst in Heidelberg seinen Anfang nahm. Der 1935 geborene Psychiater Wolfgang Huber begann in den 1960er Jahren die damalige unmenschliche Psychiatrie zu kritisieren und wurde dafür gemaßregelt. Wikipedia:

Am 12. Februar 1970 demonstrierte eine Patientenvollversammlung in der Psychiatrischen Poliklinik Heidelberg gegen die wegen „Aufhetzung der Patienten“ verfügte Entlassung Hubers. Huber gründete im Februar 1970 mit Kollegen, Studenten und 52 Patienten das Sozialistische Patientenkollektiv („SPK“) als Selbstorganisation von Psychiatrie-Patienten, in der es keine Trennung mehr von Patienten und Ärzten gab. Er sah Erkrankungen als Folge der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, demzufolge sei Krankheit eine Form von Protest. Psychisch Kranke hätten revolutionäres Potential, sie seien daher als politische Gefangene anzusehen. Das Kollektiv hatte bis zu 500 Mitglieder und gab insgesamt 51 Flugblätter heraus.

Lutz Hachmeister führt in seinem Buch über den RAF-Terror, in den Huber schon bald verwickelt war, aus, daß dessen „Grundaxiom“ gewesen sei, „daß es in der kranken kapitalistischen Gesellschaft keine ‚Gesunden‘ im eigentlichen Sinne geben könne“ (Schleyer. Eine deutsche Geschichte, München: C.H. Beck, 2004, S. 349). Hachmeister weiter:

Wer sich gesund fühlte, war krank, wer krank war und das als Resultat gesellschaftlicher Prozesse begriff, hatte zumindest schon mal eine höhere Stufe des Bewußtseins erreicht (….). In einer zusammenfassenden Agitationsschrift des SPK aus dem Jahre 1973 hieß es: „Auf eine einfache Formel gebracht, war das SPK die größte in den Jahren 70/71 mögliche Konkretisierung der Widersprüche des Begriffs Krankheit bei dessen höchst möglicher Verallgemeinerung… Die Gesundheit ist ein biologisch-faschistisches Hirngespinst, dessen Funktion in den Köpfen der Verdummer und Verdummten dieser Erde die Verschleierung der gesellschaftlichen Bedingtheit und gesellschaftlichen Funktion von Krankheit ist.“ (ebd.)

Was für ein verschwurbelter Mist! Was wirklich dahinter stand, wird aus den Erinnerungen von Margit Schiller deutlich, die aus dem SPK hervorging und zum ersten RAF-Kader gehörte:

Den Stein meiner Einsamkeit und Verzweiflung am Leben aufzuheben und ihn gegen seine Ursache zu werden. Die Ursache war die kapitalistische Gesellschaftsordnung… (…) Die Revolution mußte heute gemacht werden, und wer das nicht verstand, war ein Dummkopf und ein Ausbeuter. (ebd., S. 350)

Man kann wirklich argumentieren, daß der RAF-Terror unmittelbar aus der allgemeinen Neurose entsprungen ist. Das verschwurbelte Flugblatt (sic!), das man erst annähernd versteht, wenn man es mehrmals gelesen hat, spricht überdeutlich von der Abtrennung von den eigenen Emotionen. Und der Aufruf jenseits dieses leeren Geschwafels endlich aktiv zu werden, bringt das neurotische Ausleben des verkorksten Innenlebens offen zum Ausdruck. Diese Kontaktlosigkeit, Neurose und offene Emotionelle Pest wird dann auch noch als Ausdruck eines „höheren Bewußtseins“ hingestellt. Und schließlich ist die Aussage „Gesundheit ist ein biologisch-faschistisches Hirngespinst“ eine zumindest implizite Kampfansage an Wilhelm Reich, eine Kampfansage im Geiste Marcuses und Adornos.

Die RAF hat keine einzige, nicht eine, politische Forderung gestellt! Diese Psychopathen haben bei ihren Anschlägen neben ihre Bomben Eimer voll Schrauben und Nägel gestellt und ausschließlich mit Dummdummmunition geschossen. Beides ist an blutrünstigem Sadismus nicht zu toppen! Und diese Irren, die einem schlechten Horrorfilm entsprungen schienen, konnten sich auf eine landesweite Sympathisantenschar stützen, die bis heute ungebrochen fortwirkt, unsere Medien, die „Wissenschaft“ und mittlerweile sogar die Behörden kontrolliert. Heute ergötzen sich diese Psychopathen am „Volkstod“. Und das alles nur aus einem einzigen Grund: weil ähnlich wie in den 1930er Jahren Politik zur ausschließlichen Neurosenbewältigung mutiert ist: die Verzweiflung am Leben wird gegen ihre vermeintliche Ursache gekehrt, „die kapitalistische Gesellschaftsordnung“, die unverzüglich beseitigt werden muß – weil diese Arschlöcher keinen Zugang zu ihren eigenen Emotionen finden. Würden sie mit ihren Emotionen in Kontakt kommen, würden sie sich nicht mehr lächerlicherweise als „Opfer“ hinstellen.

Wilhelm Reich, Revolutionär

20. Oktober 2018

Reich war ein Revolutionär. Er unterschied sich aber grundlegend von anderen Revolutionären wie Lenin, Hitler oder Castro. Diese stellten sich an die Spitze von „Bewegungen“, die nur durch absurde Zufälle und blanken Terror Einfluß über die Massen gewinnen konnten. Das alles war nichts organisch Gewachsenes und als ihre Macht (bzw. die ihrer Nachfolger) zusammenbrach, blieben die Gräber Millionen unschuldiger Opfer zurück, die für nichts und wieder nichts elendig verreckt waren. Währenddessen schritt unbeirrt der wahre Geschichtsprozeß voran, der nichts anderes ist als die Entfaltung der vegetativen Energie. Dieser Bereich war die Domäne Reichs:

Es ist eine echte, tief umwälzende Revolution der kulturellen Seinsverhältnisse, die wir durchleben. Es gibt keine Paraden, Uniformen, Medaillen keine Trommelwirbel und keinen Kanonensalut in diesem Kampf. Aber er kostet nicht weniger Opfer als eine Bürgerkriegsschlacht von 1848 oder 1917. Die Sinne des Menschentiers für seine natürlichen Lebensfunktionen erwachen aus jahrtausendealtem Schlaf. Die Umwälzung in unserem Leben greift an die Wurzel unserer emotionellen, sozialen und wirtschaftlichen Existenz. (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 14)

Die Strategie der linken Verschwörer

3. November 2016

In der Marxistischen Ideologie geht es darum, daß sozio-ökonomische Veränderungen früher oder später eine Neuorganisation der Gesellschaft erzwingen. Dieser Determinismus kontrastiert bereits bei Marx selbst mit einem Voluntarismus: die Revolution müsse forciert werden, denn der politische Umsturz ermöglicht sozio-ökonomische Veränderungen. Die Linke mußte schließlich einsehen, daß sowohl der deterministische Ansatz von Kautsky, als auch der voluntaristische Ansatz von Lenin hoffnungslos sind. Die Produktivkräfte können sich entwickeln, wie sie wollen, es kommt einfach nicht zu einer grundlegenden Veränderung der Produktionsverhältnisse. Und die Erlangung von politischer Macht ist ausweglos, zumal „der Weg durch die Institutionen“ die Revolutionäre korrumpiert und die von ihnen eingeleiteten Reformen die bestehenden Produktionsverhältnisse nur festigen.

Was tun? Der bürgerlichen Politik die Grundlagen entziehen, indem erstens das Bildungssystem und die Kultur (d.h. der Bezug auf die Vergangenheit) zerstört wird, so daß nichts mehr organisch nachwachsen kann, was die „alten Verhältnisse“ stützt, und indem zweitens die bereits bestehenden organisch gewachsenen (sozusagen „räumlichen“) Verhältnisse zerstört werden, insbesondere durch einen Bevölkerungsaustausch. Konkret bedeutet das, daß sich die Menschen nicht mehr als Deutsche fühlen und das Deutschtum in ihrer Umgebung zunehmend „ausdünnt“.

Bioenergetisch betrachtet geht es darum, die Menschen so weit wie möglich von ihrem bioenergetischen Kern zu trennen. Praktisch sieht das so aus, daß Emotionen in Sensationen überführt werden. Beispielsweise geht verbindliche Religiosität in unverbindliche „Spiritualität“ auf, Vaterlandsliebe in „Verfassungspatriotismus“, Nachdenken (d.h. das Durchdringen der oberflächlichen Realität) in „kritisches Denken“ (d.h. das Abgleichen der Realität mit ideologischen Denkschablonen), eine absolute Moral, die Sicherheit und Gewißheit vermittelt, in die relative Moral der Political Correctness, die für ständige Verunsicherung sorgt, etc.