Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 35)

Reich zufolge kann man alle politischen Orientierungen in einer Gesellschaft den verschiedenen Charakterschichten zuordnen. Eine solche Einteilung kann sich aber natürlich ausschließlich auf charakterologische Grundtendenzen („roter Faden“) beziehen. Wenn ich z.B. sage, der liberale Charakter sei mechanistisch, da er aus der äußeren Schicht heraus operiert und vom Kern abgeschlossen ist, wäre es natürlich ein Leichtes mir eine unbegrenzte Anzahl von mystischen Liberalen vorzuführen. So könnte man jede Einteilung ad absurdum führen. Man darf aber dabei nicht vergessen, daß diese Ablehnung der Charaktereinteilung selber eine charakterologische Grundlage, d.h. ihre charakterologische Abwehrfunktion hat! Oberflächlich gesehen, wird hier doch offensichtlich die Eindeutigkeit abgewehrt. Man dürfe nicht Vereinfachen. In Wirklichkeit ist dies letztlich die Abwehr der Tiefe, die eben orgonometrisch gesehen immer „einfach“ ist.

Man behauptet, die Begriffe „links“ und „rechts“ wären für die Orgonomie „wirklich überholt“. Was soll das heißen? Entsprechen diesen Begriffen etwa keine charakterologischen Realitäten? Oder ist das ein versteckter Vorwurf, man würde die Orgonomie politisieren? Reich hat darauf hingewiesen, daß, weil er die Mystik analysiert und bei ihr rationale (Kernkontakt) von irrationalen (Kernverzerrung) Anteilen trennt, er noch lange kein Mystiker sei. Das läßt sich direkt auf die sozio-politische Analyse der Orgonomie übertragen. Ich folge nur einer orgonomischen Analyse und nicht irgendwelchen irrationalen politischen Entscheidungen, wenn ich den Konservativen in bestimmten Zusammenhängen vorziehe. Ich denke nur daran, wie z.B. die liberale Linke den Invasoren aus dem All entgegentreten wird. Natürlich werden sich diese „guten Menschen“ wieder gegen die Fremdenfeidlichkeit wenden und wieder die Rolle des Judas übernehmen. Das Problem ist, daß sich der Liberale immer nur mit dem DOR identifiziert: ist das nun der Underdog oder alles Fremde und Eklige.

Es geht nicht an, daß man der Rebellion einen positiven Wert beimißt. Also etwa einfach einen unglaublich miesen, pestilenten Vater nimmt und als positives Gegenbild dazu einen rebellischen Sohn. Wer sagt dir denn, daß diese Rebellion nicht etwa das Gegenteil des Vaters ist, sondern das ebenso pestilente Produkt? Ist es nicht auffallend, daß jene, die am heftigsten gegen ihre nationalsozialistischen Elternhäuser rebellierten, das Privileg hatten, als erste nach den Nazis wieder Gewalt als politisches Mittel zu nutzen und den Nationalsozialisten Arafat hochleben ließen? (Man google bitte „Wilfried Böse“!) Ist es nicht merkwürdig, daß die heftigsten „Antifaschisten“ als „schwarzer Block“ auftreten? Ist es nicht merkwürdig, daß ausgerechnet immer die größten Gerechtigkeitsfanatiker am unmenschlichsten handeln?

Es geht eben nicht um die Identifizierung mit versus die Rebellion gegen miese Eltern (beides ist nämlich letztlich doch identisch), sondern um die konkurrierende konstruktive Bewältigung der Eltern: d.h. um einen Wettstreit mit dem Vater.

Was das Problem Rebellion betrifft, verlohnt ein Blick auf Reichs orgonometrische Gleichung:

charakterchaosstaat

So ist jeder Chaot, der sich ach so „revolutionär“ wähnt, in Wirklichkeit doch nur das wogegen er angeblich kämpft. Und deshalb ist es mir auch immer etwas suspekt, wenn man sagt, wir müßten alles Lebenspositive unterstützen: allzuleicht stellt man sich dabei auf die Seite der Rebellion und verhindert gerade so eine wirkliche radikale revolutionäre Veränderung! Wohin hat die Rebellion des „Roten Oktober“ geführt? 70 Jahre lang Blut und Scheiße und man ist wieder da, wo man angefangen hat. Wie unendlich weit hätte man doch kommen können, wenn man, statt wild Revolution zu spielen, wirklich eine Revolution gemacht hätte, d.h. den arbeitenden Massen alle Verantwortung übertragen und die autoritäre Gesellschaft am Kern (bei den Kindern) verändert hätte! Entsprechend kann man den Kommunismus nicht reformieren, sondern nur abschaffen: eben weil er sich auf Verantwortungslosigkeit und Tyrannei gründet. Nicht die verschiedenen Variationen sind das Problem dieser Gesellschaft, sondern das CFP selber, wie oben in der Gleichung.

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6 Antworten to “Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 35)”

  1. David Mörike Says:

    Die autoritäre Gesellschaft von den Kindern her verändern.

    Zurzeit wird ja eher das Gegenteil gemacht.

    Unter dem Vorwand, es gäbe zurzeit eine Pandemie, wird im Schulunterricht konsequent Abstandsregelung und Maskenpflicht durchgesetzt.

    Was das mit den Kindern macht, darüber wurde schon gesprochen.

    Da wäre vielleicht gegen die von Bundes- und Landesregierungen durchgesetzten Maßnahmen Rebellion angezeigt.

    Dieser Widerstand wäre dann auch nicht neurotisch oder infantil, sondern rational.

    Wenn dafür das Wort Rebellion in das Begriffssystem der Orgonomie nicht passt, sollte eben ein anderes Wort verwendet werden.

    Jetzt komme ich zum Thema Konkurrenz.

    Wenn in der ödipalen Phase – und auch danach – der Elternteil – gemeint ist beim Jungen der Vater und beim Mädchen die Mutter – das Konkurrieren nicht zulässt sondern hart unterdrückt, dann kann das Kind in diesem Elternhaus auch nicht das Konkurrieren erlernen und üben.

    In einigen Fällen wird das Kind das vielleicht außerhalb der Familie noch rechtzeitig erlernen. Ist das Land weniger gut durchorganisiert als das derzeit noch relativ reiche Westeuropa, wird es vielleicht Schule und Elternhaus verlassen und sich einer Straßengang anschließen.

    Dort gibt es sowohl Konkurrenzkämpfe gegen andere Gangs wie auch „innerbetriebliche“ Konkurrenz.

    Diese Art „Lebensschule“ ist aber wohl nicht das was man wünscht, aber ich glaube dass es zunehmend kommt …

    • David Mörike Says:

      Maskenpflicht.

      Es wurde schon viel darüber gesprochen, dass die Maske zu erhöhter Kohlendioxid Einatmung und verminderter Aufnahme von SSauerstoff führt.

      In der Öffentlichkeit wird weit weniger diskutiert, wozu die Maske führt, falls sie tut was sie eigentlich soll, nämlich die Aerosole zurückhalten, indenen die Krankheitserreger sind.

      Das führt dazu, dass das Immunsystem nicht mehr trainiert wird.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Die „nützlichen Idioten“ des Roten Faschismus

    1968 Berlin West Anti-Vietnam War Demonstration with Rudi Dutschke

    • Peter Nasselstein Says:

      Der rote Faschismus beherrscht jetzt Orgonon!

      Das Wilhelm Reich Museum ist soeben voll auf den roten Faschismus umgeschwenkt: https://www.escritores.org/recursos-para-escritores/16556-premio-libertador-al-pensamiento-critico-venezuela

      Hier geht es um den „Premio Libertador Simón Bolívar al Pensamiento Crítico“ = imon Bolivar Liberator Award for Critical Thought = Simon-Bolivar-der-Befreier-Preis für kritisches Denken

      Verliehen an diesen marxistischen Burschen von der rotfaschistischen Regierung Venezuelas:

      https://wilhelmreichmuseum.org/live-event-on-zoom-march-27-2021/

      Sie haben ALLE den gleichen Gesichtsausdruck!

    • Robert (Berlin) Says:

      „Die „Kapital“-Lektüre, die seinerseits Bolívar Echeverría leistet, sowie seine Theorie des vierfachen „Ethos“ der kapitalistischen Modernität, …, die marxschen Ideen zurückzugewinnen, andererseits ein konsequentes Modell der Weiterentwicklung der marxschen Theorie nach Marx. Auf der Grundlage dieser unschätzbaren Lehren bestimmte Jorge Veraza methodisch und thematisch ein Programm, das Werk von Marx zu pflegen, zu verstehen und es in dem oben erwähnten Sinn weiterzuentwickeln. Andrés Barreda, María de la Concepción Tonda und David Moreno – zwischen 1972 und 1978 zusammen mit Jorge Veraza Student*innen Bolívar Echeverrías im Seminar „Das Kapital“ an der Wirtschaftsfakultät der UNAM – arbeiteten zusammen mit Veraza an einem solchem Programm, Marx weiterzuführen. Sie haben dies bis heute in verschiedenen theoretischen Bereichen fortgeführt. Vor allem auf der Ebene der Kritik der politischen Ökonomie, der Ökologie, der Kritik der Politik, der Kultur, der Soziologie, der Anthropologie, der Sozialpsychologie, der Philosophie, der Geografie, der Geopolitik, der kritischen Geschichtswissenschaft, der Technologiekritik und der Kritik des Alltagslebens. Zu erwähnen ist, das Jorge Veraza im Sinne der Weiterentwicklung der marxschen Konzepte von formeller und reeller Subsumtion des Arbeitsprozesses unter das Kapital, die Konzepte der formellen und reellen Subsumtion des Konsums unter das Kapital formulierte (1978), um das Spezifische des zeitgenössischen Kapitalismus zu charakterisieren….

      Um an das marxsche Werk in diesem Sinne heranzugehen, um es zu verstehen und weiterzuentwickeln, rief Jorge Veraza jüngst (2019) knapp zwei Dutzend Freunde und Freundinnen zusammen. Alle zusammen haben wir eine kulturpolitische Alternative geschaffen, die das Ziel verfolgt, die wissenschaftliche philosophische Ausbildung und Forschung aus marxistischer Perspektive bzw. bezogen auf das marxsche Werk und Leben zu fördern. Ebenso wollen wir die Vorstellung und Diskussion von Werken anstoßen, die das marxsche Denken in seiner Spezifität im Dienste der kritischen Analyse der aktuellen Gesellschaft, der Geschichte bis heute und bis zu einer möglichen Zukunft weiterentwickeln. Das heißt, wir wollen eine solche kulturpolitische Alternative sein, die es ermöglicht, mit den unterschiedlichsten Denker*innen zu polemisieren.“

      http://karlmarxhoy.org/de/sobrenosotros

      Ich warnte schon bei Herausgabe der 33er Ausgabe der Mps., dass damit der reife Reich sabotiert wird.

    • Peter Nasselstein Says:

      SIMÓN BOLÍVAR AWARD FÜR KRITISCHES DENKEN
      September 2012
      Jorge Veraza
      Herr Präsident der Bolivarischen Republik Venezuela, Hugo Chávez
      Herr Minister der Volksmacht für Kultur Pedro Calzadilla,
      Sehr geehrte Damen und Herren!
      Die Bourgeoisie ist durch die große Tür in die Geschichte eingetreten und hat sich als die historische Klasse schlechthin gezeigt, die die traditionellen Lebensweisen mit all ihren atavistischen und unterdrückerischen Aspekten revolutioniert hat. So wurde sie von Marx und Friedrich Engels im Manifest der Kommunistischen Partei im Jahre 1848 dargestellt, in dem Moment, als ihr Niedergang begann und dem Anbruch der universalgeschichtlichen Mission des Proletariats, ohne daß die der Bourgeoisie schon beendet war.
      Es ist etwas mehr als vierzig Jahre her, daß die oligarchischen Klassen unseres Kontinents als Lumpenbourgeoisie charakterisiert wurden, und seither ist es nicht besser, sondern schlechter geworden. Denn die Bourgeoisie überall auf der Welt – aber exemplarisch die in Lateinamerika – ist im Laufe der dreißig Jahre neoliberaler Politik zu offen antihistorischen Subjekten geworden. Denn ihre Lebensbedingung ist der Mehrwert, den sie zuungunsten der Arbeiterklasse ausbeuten, und bis vor kurzem war die Produktion von Gebrauchswerten die Bedingung desselben, aber heute produziert die kapitalistische Industrie nicht nur zunehmend nicht nur schädliche Gebrauchswerte neben den positiven, sondern die schädlichen sind in der Produktion von Gebrauchswerten vorherrschend geworden.

      https://www.researchgate.net/publication/341359796_Dialectica_historica_de_la_superacion_de_la_crisis_del_marxismo

      Kommentar PN: Nur gut, daß dieses Problem mittlerweile in Venezuela gelöst wurde :-))

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