Posts Tagged ‘revolutionär’

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 46)

2. Juni 2021

Jahwe, Hitler, Stalin, Mao, Castro etc. haben etwas gemeinsam: mit Max Stirner kann man sagen, daß Jahwe unnennbar ist, undefinierbar und ganz und gar seine Eigenheit lebt. „Ich bin der, der ich bin!“ Genauso gaben sich die Führer, die im 20. Jahrhundert an die Stelle der alten Götter traten. Was ist der Nationalsozialismus? Der Wille des Führers und nichts außerdem. Genauso steht es mit jeder anderen Variation des Sozialismus. Wie ein Außerirdischer kommt ein vollkommen geschichtsloses und nicht greifbares Wesen auf die Erde und bestimmt alles Geschehen. Wenn Stalin und Pol Pot sich in den Kopf gesetzt haben, daß die Konstruktion großer Wasserstraßen, den Sozialismus herbeibringen, dann wurde das als unhinterfragbare Offenbarung hingenommen.

Warum akzeptieren die Menschen diesen Unsinn? Weil das ganze Faschismus ist, in dem sich der Kleine Mann mit seinem Führer identifiziert. Der Kern der Angelegenheit ist wieder Max Stirner: daß tatsächlich das Individuum, jedes Individuum, unnennbar, undefinierbar, der Eigner seiner Selbst ist. Das wurde ihm dann ausgetrieben und seine Selbstherrlichkeit im Verlauf seiner Erziehung (Dressur) durch „innere Hierarchien“ ersetzt, denen er sich unterwirft. Im Faschismus, dieser mißglückten biologischen Revolution (Reich), trat schließlich der Führer, typischerweise ein „Mann aus dem Volk“, auf und stellte etwas dar, mit dem sich der Geknechtete endlich identifizieren und dabei sich auch noch als „Revolutionär“ fühlen konnte: der Führer war eine Karikatur des „Eigners seiner Selbst“ – selbstherrlich wie einst Gott. Nur daß sich nun jeder mit dem „Führer“ identifizieren konnte, wodurch er selbst, jedenfalls auf seiner Ebene (etwa als Familienoberhaupt oder Vorgesetzter) zum herrenmenschelnden Führer wurde.

Dieser Sozialismus/Faschismus muß natürlich in den Untergang führen, weil die Massen dem Wahnsinn, einem Wahnsinnigen, folgen. Doch gleichzeitig macht der Sozialismus/Faschismus die Lösung der gesellschaftlichen Frage unausweichlich: die Arbeitsdemokratie wird dann herrschen, wenn wirklich jedes Individuum Eigner seiner Selbst sein wird, d.h. frei aus seinem Wesenskern „selbstherrlich“ leben und agieren wird. Die Arbeitsdemokratie wird sich dann von selbst etablieren. Wie? Wie Reich schrieb:

Das ungepanzerte Lebendige empfindet und begreift die Ausdrucksbewegungen anderer urgepanzerter Organismen klar und einfach mittels der eigenen unwillkürlichen Mitbewegungen und Organempfindungen. Das gepanzerte Lebendige dagegen kann keine Organempfindungen wahrnehmen, oder es vermag sie nur verzerrt wahrzunehmen und verliert derart den Kontakt mit dem Lebendigen und das Verständnis für seine Funktionen. (Äther, Gott und Teufel, S. 61)

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 35)

20. März 2021

Reich zufolge kann man alle politischen Orientierungen in einer Gesellschaft den verschiedenen Charakterschichten zuordnen. Eine solche Einteilung kann sich aber natürlich ausschließlich auf charakterologische Grundtendenzen („roter Faden“) beziehen. Wenn ich z.B. sage, der liberale Charakter sei mechanistisch, da er aus der äußeren Schicht heraus operiert und vom Kern abgeschlossen ist, wäre es natürlich ein Leichtes mir eine unbegrenzte Anzahl von mystischen Liberalen vorzuführen. So könnte man jede Einteilung ad absurdum führen. Man darf aber dabei nicht vergessen, daß diese Ablehnung der Charaktereinteilung selber eine charakterologische Grundlage, d.h. ihre charakterologische Abwehrfunktion hat! Oberflächlich gesehen, wird hier doch offensichtlich die Eindeutigkeit abgewehrt. Man dürfe nicht Vereinfachen. In Wirklichkeit ist dies letztlich die Abwehr der Tiefe, die eben orgonometrisch gesehen immer „einfach“ ist.

Man behauptet, die Begriffe „links“ und „rechts“ wären für die Orgonomie „wirklich überholt“. Was soll das heißen? Entsprechen diesen Begriffen etwa keine charakterologischen Realitäten? Oder ist das ein versteckter Vorwurf, man würde die Orgonomie politisieren? Reich hat darauf hingewiesen, daß, weil er die Mystik analysiert und bei ihr rationale (Kernkontakt) von irrationalen (Kernverzerrung) Anteilen trennt, er noch lange kein Mystiker sei. Das läßt sich direkt auf die sozio-politische Analyse der Orgonomie übertragen. Ich folge nur einer orgonomischen Analyse und nicht irgendwelchen irrationalen politischen Entscheidungen, wenn ich den Konservativen in bestimmten Zusammenhängen vorziehe. Ich denke nur daran, wie z.B. die liberale Linke den Invasoren aus dem All entgegentreten wird. Natürlich werden sich diese „guten Menschen“ wieder gegen die Fremdenfeidlichkeit wenden und wieder die Rolle des Judas übernehmen. Das Problem ist, daß sich der Liberale immer nur mit dem DOR identifiziert: ist das nun der Underdog oder alles Fremde und Eklige.

Es geht nicht an, daß man der Rebellion einen positiven Wert beimißt. Also etwa einfach einen unglaublich miesen, pestilenten Vater nimmt und als positives Gegenbild dazu einen rebellischen Sohn. Wer sagt dir denn, daß diese Rebellion nicht etwa das Gegenteil des Vaters ist, sondern das ebenso pestilente Produkt? Ist es nicht auffallend, daß jene, die am heftigsten gegen ihre nationalsozialistischen Elternhäuser rebellierten, das Privileg hatten, als erste nach den Nazis wieder Gewalt als politisches Mittel zu nutzen und den Nationalsozialisten Arafat hochleben ließen? (Man google bitte „Wilfried Böse“!) Ist es nicht merkwürdig, daß die heftigsten „Antifaschisten“ als „schwarzer Block“ auftreten? Ist es nicht merkwürdig, daß ausgerechnet immer die größten Gerechtigkeitsfanatiker am unmenschlichsten handeln?

Es geht eben nicht um die Identifizierung mit versus die Rebellion gegen miese Eltern (beides ist nämlich letztlich doch identisch), sondern um die konkurrierende konstruktive Bewältigung der Eltern: d.h. um einen Wettstreit mit dem Vater.

Was das Problem Rebellion betrifft, verlohnt ein Blick auf Reichs orgonometrische Gleichung:

charakterchaosstaat

So ist jeder Chaot, der sich ach so „revolutionär“ wähnt, in Wirklichkeit doch nur das wogegen er angeblich kämpft. Und deshalb ist es mir auch immer etwas suspekt, wenn man sagt, wir müßten alles Lebenspositive unterstützen: allzuleicht stellt man sich dabei auf die Seite der Rebellion und verhindert gerade so eine wirkliche radikale revolutionäre Veränderung! Wohin hat die Rebellion des „Roten Oktober“ geführt? 70 Jahre lang Blut und Scheiße und man ist wieder da, wo man angefangen hat. Wie unendlich weit hätte man doch kommen können, wenn man, statt wild Revolution zu spielen, wirklich eine Revolution gemacht hätte, d.h. den arbeitenden Massen alle Verantwortung übertragen und die autoritäre Gesellschaft am Kern (bei den Kindern) verändert hätte! Entsprechend kann man den Kommunismus nicht reformieren, sondern nur abschaffen: eben weil er sich auf Verantwortungslosigkeit und Tyrannei gründet. Nicht die verschiedenen Variationen sind das Problem dieser Gesellschaft, sondern das CFP selber, wie oben in der Gleichung.