Rationalität und Irrationalität des Politischen

Menschen können sich in dreifacher Hinsicht politisch falsch verorten:

1. Charles Konia unterscheidet zwischen Gesellschafts- und Staatspolitik. Er definiert “rationale Politik“ als „politisches Handeln, das vom biologischen Kern ausgeht und dem Schutz des menschlichen Lebens dient” (The Emotional Plague, S. 457). Sie sei von der „Gesellschaftspolitik“ zu unterscheiden: „Irrationales politisches Handeln, das sich aus der Verlagerung innerer, psychischer Konflikte auf die soziale und politische Bühne ergibt“ (ebd.). Wer also glaubt, darunter praktisch alle sogenannten „Reichianer“, daß ein „gesellschaftpolitisches Engagement“ bzw. dessen Unterstützung etwa durch die Wahl von Soziademoratten rational sei, das was traditionelle, konservative Politiker machen aber irrational – der verortet sich auf eine denkbar fundamentale Art und Weise falsch. Konia erläutert:

Reich betonte, daß es nicht richtig ist, emotionelle Pestaktivität einfach mit politischer Reaktion oder Politik im Allgemeinen gleichzusetzen. Denn er unterschied zwischen rationalem und angemessenem sozialem oder politischem Handeln und emotionellem Pestverhalten. Rationales politisches Verhalten hat unter anderem mit der Verwaltung des Staates zu tun. Es dient auch dazu, das zu bewahren und zu schützen, was an gesundem Leben in einer ansonsten gepanzerten Gesellschaft existiert, und nicht die neurotisch begründeten Sonderinteressen von Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen, die darauf abzielen, es zu zerstören. Emotionales Aggressionsverhalten in der Politik ist das Gegenteil von rationalem politischem Verhalten: Es ist der Versuch eines Individuums, einer Gruppe oder einer Institution, aus welchen Gründen auch immer, rationales Arbeiten und Regieren zu zerstören und das Leben anderer durch destruktive soziale Aktivitäten zu unterdrücken. (ebd., S. 25)

Glücklicherweise verfügen wir jetzt über das Wissen, um der Menschheit dabei zu helfen, aus ihrer Existenz in der Falle herauszufinden und sich von der Destruktivität der Gesellschaftspolitik zu lösen. Wir beginnen mit der Unterscheidung zwischen rationaler Politik, die sich auf den legitimen Bereich staatlicher Verantwortung stützt (z.B. zivile Regierungsführung, die Schutzfunktion von Polizei und Militär), und gesellschaftspolitischem Irrationalismus. (…) Dieser andere und funktionelle Ansatz zum Verständnis des menschlichen Verhaltens erfordert eine strikte Begrenzung des eigentlichen Aufgabenbereichs des Staates, damit das, was nicht in seinen legitimen Zuständigkeitsbereich fällt – d.h. alles Pathologische – in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt wird. Diejenigen, die versuchen, die Reichweite des Staates auf diese Weise einzuschränken, werden selbst auf rationale, bewußte politische Aktivitäten zurückgreifen müssen, wenn die Politik den gepanzerten Politikern entrissen werden soll. (ebd., S. 415)

Genau das unternehmen gerade Trump und Musk!

2. In Deutschland kommen Figuren wie Frauke Petry und Markus Krall dem ziemlich nahe. Trotzdem haben diese beiden und gleichgeartete Politiker aus dem Dunstkreis der AfD in der Politik nichts verloren. Einfach, weil sie die Politik zu ernst nehmen. Ich trete doch nicht aus der AfD aus, weil sie meine libertaristische Position nur zum Teil vertritt oder es da nationale Sozialisten, Nationalsoziale, Nationalsozialpatrioten, Ständestaatler, Monarchisten, etc. gibt! Die AfD ist keine Glaubensgemeinschaft mit einem Katechismus, sondern einfach nur eine Sammlungsbewegung von rechten Menschen. Einerseits darf man als Mitglied die AfD nicht zu ernst nehmen (wenn mir beispielsweise Höcke auf den Sack geht, dann hör ich einfach weg!), andererseits muß man die AfD als Mitglied sehr ernst nehmen (sie ist die only show in town, period!).

Ich bin immer wieder erstaunt, wie politisch dumm höchstintelligente Leute wie Petry und Krall sein können. Ideologisch überbewerten sie das Politische und praktisch unterbewerten sie es. Die Personen und Programme der AfD sind mir letztendlich vollkommen gleichgültig! Das einzige, was zählt, ist, daß sie die einzige Alternative zum verhängnisvollen Weg in die Vernichtung meines Vaterlandes ist. Punkt! Wir müssen diesen Krieg gewinnen, danach können wir uns dann über Einzelheiten die Köpfe einschlagen, aber das jetzt zu tun, ist jenseits von dumm.

Zu diesem Komplex gehören auch Phantasien über eine „Querfront“, die man vor allem auf rechter Seite findet, in viel geringerem Maße auch auf der linken. Das kurze Leben und schließliche Scheitern des BSW haben gezeigt, daß sich nach politischen Verwerfungen letztendlich doch stets die charakterologische Determinante des Politischen durchsetzt. Es „ist nun mal so“, daß die Menschen die Welt entweder konservativ oder liberal („links“) empfinden (muskuläre vs. intellektuelle Abwehr, Pulsation vs. Kreiselwelle)!

3. Überhaupt was politisches Lavieren oder gar die persönliche politische Neuverordnung betrifft: Anläßlich von Trump in den USA und der AfD in Deutschland ist zu beobachten, wie Konservative sich mit einigem Grausen den liberals (in europäischer Nomenklatur den Linken) zuwenden. Beispielsweise als Trump seinen Richter angriff, weil dieser mexikanischer Herkunft und deshalb voreingenommen sei. Diese Aussage Trumps sei, so damals einige Republikaner, zutiefst „unamerikanisch“ und sie könnten nicht länger in einer Partei bleiben, die einen derartigen Rassisten unterstützt. Das Problem ist nur, daß umgekehrt so etwas in Amerika Gang und Gäbe ist, will heißen: Schwarze und Hispanics stellen wie selbstverständlich (und ohne konkreten Anlaß, wie bei Trump!) die Objektivität ihrer Richter infrage, wenn diese weißer Hautfarbe sind. Weiße liberals pflichten dem dann zu und unterstützen den Kampf der „Farbigen“ gegen den vermeintlichen Rassismus – der Weißen… Angesichts dieser Doppelmoral, dieses verlogenen Irrsinns wechseln manche liberals angewidert zur anderen Seite und werden Republikaner.

Hinter diesem teilweise überraschenden Wechseln der Fronten steht die Bioenergetik: Menschen sind konservativ, weil bei ihnen die muskuläre Abwehr überwiegt. Entsprechend ist Aggression (Energie fließt in die Muskulatur) ein zentrales Thema (Egoismus, Grenzschutz, Militär und Polizei, Waffen, „Kapitalismus“, „freie Fahrt für freie Bürger“, Nationalismus, etc.). Die Angst vor bioenergetischer Erregung kann dazu führen, daß vormalige Konservative zum rettenden Ufer des Liberalismus schwimmen. Dieses Ufer, um im Bild zu bleiben, ist die okulare Panzerung, d.h. es geht um die Verlagerung von Energie von der Muskulatur ins Gehirn. Statt Aggression haben wir intellektuelle Beschwichtigung vor uns, Altruismus, den Sozialstaat, Drangsalierung durch Umweltschutz, soziale Kontrolle, Political Correctness, etc. Da dieses liberale Denken unsere Kultur beherrscht, folgen ihm auch viele Menschen, die imgrunde eine konservative Struktur haben – bis sie schließlich aufwachen.

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6 Antworten to “Rationalität und Irrationalität des Politischen”

  1. Avatar von davidmoerike David Says:

    Menschen sind konservativ, weil bei ihnen die muskuläre Abwehr überwiegt. Entsprechend ist Aggression (Energie fließt in die Muskulatur) ein zentrales Thema (Egoismus, Militär und Polizei, Waffen, „Kapitalismus“, „freie Fahrt für freie Bürger“, Nationalismus, etc.).

    Man kann sagen: zum Glück leben wir in einer Welt, in welcher für solche Menschen immer noch Platz ist.

    Für Menschen, die schwer arbeitsgestört sind, die zwar nicht gut arbeiten, aber gut kämpfen können, gibt es ebenfalls die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen – etwa im Kampf gegen Verbrecher als Polizist.

    OffTopic: Eigenverantwortung durch unternehmerische Tätigkeit

    In einem mir bekannten Fall bekommt eine Person, deren Geschäftstätigkeit noch defizitär ist, keinerlei „Stütze“.

    Das Amt stellt fest – vor dem Hintergrund dass keine Mietkosten da seien weil die Person bei der Mutter umsonst schlafe und esse – dass die Einnahmen den Sozialhilfesatz von EUR 404,- übersteigen würden und daher kein Anspruch auf Förderung bzw. „Stütze“ (bzw. Grundsicherung) bestehe.

    Die Ausgaben bzw. Kosten, welche die Einnahmen übersteigen und in den Kontoauszügen ebenfalls leicht zu sehen sind, werden überhaupt nicht berücksichtigt.

    Somit wird die Person für den seit einiger Zeit andauernden Versuch, durch Selbständige Arbeit Eigenverantwortung zu übernehmen, bestraft.

    Anmerkung: zum Teil gehen die Defizite auf säumige Kunden zurück. Ich habe zwei Mahnbescheid-Formulare besorgt und der Person erklärt, wie die Eintreibung von Forderungen in Deutschland funktioniert.

    Einen Anwalt einschalten braucht man zunächst nicht. Kann man immer noch, wenn Kunde widerspricht und es zum Prozess kommt …

  2. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    „Somit wird die Person für den seit einiger Zeit andauernden Versuch, durch Selbständige Arbeit Eigenverantwortung zu übernehmen, bestraft.“

    Fängt auch schon damit an, dass der Hartzer, so bald er selbstständigen Zuverdienst hat, nur noch Nachteile spürt. Ab 100€ Zuverdienst muss er 80% abgeben – und dann alle Kontoauszüge regelmäßig checken lassen, seine Anträge werden zu spät bearbeitet, das heißt, er hat Versorgungslücken etc. Wer von diesen nicht gerade mit Kampfgeist gesegneten gibt dann nicht besser auf?

    • Avatar von davidmoerike David Says:

      Jetzt wird’s richtig interessant:

      Wer von diesen nicht gerade mit Kampfgeist gesegneten gibt dann nicht besser auf?

      Selbstverständlich ist es attraktiver und auch bequemer, das Risiko unternehmerischer Tätigkeit gar nicht auf sich zu nehmen sondern das ganze Leben lang abhängig zu arbeiten.

      Oder „Stütze“ zu kassieren.

      Und sonst nichts zu machen.

      Weil einem ja bei Überschreitung der Hinzuverdienst – Grenze 80% abgezogen wird.

      Oder gar 100%.

      Deswegen bin ich auch froh, dass das schweizerische Modell per Volksabstimmung abgelehnt wurde.

      … weil es, wie ich gelesen habe, dem Sozialhilfe-Modell noch viel zu ähnlich ist, d.h. was man verdiene, werde zu 100% wieder abgezogen.

      Bis 2500,- Franken hat man nicht mehr egal wie viel man arbeitet.

      Man muss also wenigstens 4000 bis 6000 Franken netto monatlich auf dem Gehaltszettel stehen haben damit Arbeiten sich lohnt, so sehe ich das.

      Außer die Arbeit macht Spass und es lohnt sich deshalb.

      Es muss so sein, dass einem wenn man zuverdient nur die Hälfte abgezogen wird oder noch weniger.

      Finanziert durch angemessene Einkommensteuer, welche nicht Arbeit höher besteuert als Einkommen aus Zinsen.

      Finanziert auch durch eine moderate Vermögensteuer und eine sehr moderate Tobin (Finanztransaktions-) Steuer.

      (Wurde in Deutschland unter linkem Einfluss abgeschafft, war früher vorhanden und hieß Börsen-Umsatzsteuer.)

      Finanziert durch herkömmliche Sozialleistungen, die dann nicht mehr notwendig sind.

      Weiterhin notwendig sind spezielle Leistungen bei besonders hohem Bedarf.

      Wenn jemand obdachlos ist.

      Wenn jemand Deutschkurse braucht.

      Oder Psychotherapie.

      Das alles sprengt den normalen Rahmen, ist aber aus Sicht der Öffentlichen Hand eine sehr sinnvolle Ausgabe.

      Oder wenn jemand behindert ist und Assistenz braucht.

      Das kostet mtl. um die 3000 bis 5000 Euro also zwei bis drei Durchschnittslöhne und kann daher selbstverständlich nicht durch bGE abgedeckt werden.

  3. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    Linke, die angesichts von sowas nicht aufwachen, sind verloren:

    http://der-kleine-akif.de/2016/07/06/eine-steuergeldsaeuferin-der-extraklasse/

  4. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    Die organisierte und schwerbewaffnete Emotionelle Pest:

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