Posts Tagged ‘Liberalismus’

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 20)

18. Januar 2021

Manchmal überkommt mich eine Melange aus tiefer Traurigkeit und unbändiger Wut. Der Zorn und die Trauer Pierre Paolo Pasolinis und des Orgonomen David Holbrook (Full Metal Jacket und die 1980er Jahre in http://www.orgonomie.net/holbrook36.htm) . Ich habe sie noch erlebt, die letzten Ausläufer wirklichen authentischen Lebens. Der gestrandete Seemann, Untermieter meiner Großtante, der ganz stolz auf seinen Weltempfänger war. Die Parterrewohnung der anderen Großtante neben der Butter- und Käsehandlung, mit den abenteuerlich hohen Wänden, der übergroßen altertümlichen Küche mit dem Küchengarten zum Hinterhof raus. Eine magische Welt, in der alles stimmig war. Vom Treppenhaus bis zur Stadtgestaltung, von der Form der Kinderwagen bis zur großen Architektur, alles paßte zueinander. Die Erinnerungen an das Kellnern, als das noch ein wirklicher Beruf war, an der Reeperbahn und im Sommer auf Helgoland und die Arbeit als Hausdame in Blankeneser Villen. Geerdet und identitär, irgendwo zwischen abartigen süßsauren Speisen (man muß ja nicht alles mitmachen!) und dem Flair der Außenalster. Die imgrunde tieftraurigen Geschichten um Klein Erna und der unbändige Stolz der Werftarbeiter, ob dem, was sie tagtäglich erschaffen. Menschen, die nur hierhin passen und zu keinem anderen Ort der Welt. Niemand hat jemals „Moin“ gesagt (sind wir etwa Friesen!) oder all dem anderen Plastik-Norddeutschland aus dem Fernsehkasten gefrönt, sondern es schlicht gelebt.

Es zerreißt mich, alte Filme über das Hamburg bis etwa Mitte der 1960er Jahre zu sehen. Das Gehabe und die Kleider der Frauen, das Spielen der Kinder, die Gesichter. Die Nazis, die uns fremder waren, als später die einmarschierenden Briten (mit denen meine Oma hervorragende Schwarzmarkgeschäfte gemacht hat, mit deren Ertrag das Haus gebaut wurde, in dem ich aufgewachsen bin), der Krieg und all sein Horror, die Flut an Misplaced Persons in ihren Wellblech-Verschlägen und an Ostvertriebenen, – nichts konnte Hamburg wirklich zerstören. Nur eins hat es unwiederbringlich kaputtgemacht. Etwas, was mit „Popkultur“ nur schlecht umschrieben ist, auch „Globalismus“ und „Liberalismus“ treffen es nicht ganz.

Was geschehen ist, möchte ich an zwei Schlaglichtern verdeutlichen:

Entsprechend der dreischichtigen Charakterstruktur des Menschen (Kern, Mittlere Schicht, Fassade) gibt es grundsätzlich drei Arten von Menschen:

  • den Menschen, der merkwürdig ungreifbar ist, weil er keine Manierismen hat, kein „Wolf“, „Fuchs“, „Reh“, „Bär“ oder sonstwas ist, sondern einfach er selbst. Man kann solche Menschen nicht in Karikaturen zusammenfassen, weil sie halt einfach nur Menschen sind. Reich war so ein Mensch.
  • den gepanzerten Menschen, der das ist, was man gemeinhin als einen „Charakter“ bezeichnet. Das alte Hamburg (oder, selbstredend jeder andere Ort auf dieser Welt!) war von solchen „Charakteren“ bevölkert.
  • doch dann trat etwas in Erscheinung, was eine absolute Katastrophe darstellte: der eigenschaftslose, vollkommen austauschbare fassadäre Mensch, ohne Charakter und ohne jedwede Verbindung zum Kern!
  • In einer unheilvollen Schleife, haben Menschen des dritten Typs die Umwelt geschaffen, die solche „Non-Playable Characters“ wie sie hervorbringt – bzw. umgekehrt. Diese Schleife war das unausweichliche Resultat der „Emanzipation“ der Menschen aus ihrer alten Unterdrückung; im tiefsten Grunde war es die mißglückte sexuelle (biologische) Revolution, die seit Mitte der 60er Jahre alles in einen Haufen Scheiße verwandelt hat.

    Das zweite Schlaglicht ist das Geschehen von 1982, als das alte Hamburg ENDGÜLTIG in die Jauche getreten wurde. Karate-Tommy beschreibt sehr gut, was damals vorgefallen ist, was damals unwiederbringlich zerrissen ist:

    Selbst am Bodensatz der Gesellschaft (es soll mir niemand diese widerlichen Arschlöcher über Gebühr romantisieren!) gab es noch so etwas wie Ehre und Spielregeln – und Hamburg war für jeden Menschen eine „vollkommen“ sichere Stadt. Und dann kommt so ein weltfremder Richter, wie ein Alien aus dem Weltraum, und zerstört eine Sozialstruktur, die bis auf die Eroberung Hamburgs durch Napoleon zurückging. Kontaktlosigkeit hat Hamburg zerstört – sie zerstört den gesamten Planeten. Und niemand sieht, was geschehen ist.

    Buchbesprechung: THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM (Teil 2)

    19. Oktober 2020

    von Paul N. Mathews

     

    In der Originalübersetzung von Dr. Theodore P. Wolfe wird das Buch mit dem Kapitel X, „Arbeitsdemokratie“, abgeschlossen. Die neue Übersetzung von Victor R. Carfagno erweitert die Anzahl der Kapitel, indem sie sie aus dem letzten Unterthema von Kapitel IX („Die biosozialen Funktionen der Arbeit . . .“) und zwei Unterthemen von Kapitel X zusammensetzt, so dass aus den ursprünglich zehn Kapiteln insgesamt dreizehn Kapitel entstehen.b Der Effekt dieser willkürlichen Änderung gegenüber der von Reich zugelassenen Wolfe-Version ist, dass sie Kategorien trennt, die meiner Meinung nach – und offensichtlich auch Reich zufolge – zusammen gehören. So ist beispielsweise in der Carfagno-Fassung das Kapitel mit dem Titel „Biosoziale Funktion der Arbeit“ in seiner ursprünglichen subthematischen Form eine Weiterführung und ein logischer Abschluss des Kapitels „Masse und Staat“. Da sich das Unterthema mit den destruktiven Auswirkungen der „moralistische[n], autoritäre[n] Regulierung der Arbeit“c durch die sowjetischen Behörden befasst, gehört es gut in die Analyse des Prozesses des sowjetischen Zerfalls zum Roten Faschismus, die in „Masse und Staat“ behandelt wird. Darüber hinaus sind die Unterthemen, auf die im letzten Kapitel der Wolfe-Fassung („Arbeitsdemokratie“) Bezug genommen wird, so logisch mit diesem Thema verflochten, dass es ein Bärendienst ist, das Gefühl der Kontinuität durch willkürliche Kapiteltrennung zu unterbrechen.

    Wie Ilse Ollendorff feststellte, widmete Reich Dr. Wolfe sehr viel persönliche Aufmerksamkeit, um ihm zu vermitteln, was er wirklich intendierte und beabsichtigte*. Die Wolfe-Übersetzung ist daher die einzige von Reich selbst autorisierte Version. Dass die Carfagno-Übersetzung möglicherweise Material enthält, das in Wolfes Version nicht enthalten ist, verzerrt wahrscheinlich die Absichten Reichs. Endgültige Bedeutungen und Absichten können durch Streichungen ebenso ausgedrückt werden wie durch Einbeziehungen. Die folgenden Beispiele sollen diesen Punkt veranschaulichen:

    Auf Seite 217, Absatz 4 der Übersetzung von Carfagno stellt Reich feste:

    . . . die sozialdemokratischen und liberalen Parteien in den noch nicht faschistischen Ländern lebten gerade von der Illusion, daß die Massen an sich, so wie sie sind, freiheitlich und freiheitsfähig wären [were capable of freedom and liberalism] und daß das Paradies auf der Erde gesichert wäre, wenn es nur die bösen Hitlers nicht gäbe.

    In Wolfes Version wird das Wort „Liberalismus“ weggelassen. Im Lichte von Reichs eigener Beschreibung des Liberalismus als Manifestation der oberflächlichen Schicht des Menschen ist dies eine verständliche Auslassung, denn im Gegensatz zur Freiheit sind die Massen nur allzu fähig zum Liberalismus. Natürlich hätte Reich den Ausdruck „wahrer Liberalismus“ verwenden können, aber anscheinend war es sein Wunsch, Verwirrung zu vermeiden. Nur der Übersetzung von Wolfe sollte hier vertraut werden.

     

    Anmerkungen

    * Ilse Ollendorff schreibt: „Ein Soziologe, der unter Reich studierte, gab den Anstoß zu einer englischen Ausgabe der Massenpsychologie, und Wolfe begann, auch an dieser Übersetzung zu arbeiten. In meiner Erinnerung sehe ich ihn immer mit seiner Aktentasche zu endlosen Abenddiskussionen kommen, um mit Reich die genaue Übersetzung eines Satzes oder eines Spezialausdrucks zu besprechen. Ich habe immer die Gewissenhaftigkeit bewundert, mit der es Wolfe gelang, die genaue Bedeutung von Reichs Ideen wiederzugeben (2, S.75d).

     

    Anmerkungen des Übersetzers

    b Das letzte Unterthema von Kapitel IX wird zum Kapitel X der Carfagno-Version gemacht. Die drei Unterthemen von Kapitel X der Wolfe-Version werden zu eigenständigen Kapiteln mit eigenen Unterthemen.

    c Massenpsychologie, ebenda, S. 270.

    d Ilse Ollendorff Reich, Wilhelm Reich, Kindler Verlag, München 1975, S. 106.

    e Massenpsychologie, ebenda, S. 200.

     

    Literatur

    2. Reich, I.O.: Wilhelm Reich: A Personal Biography. New York: St. Martin’s Press, 1969.

     

    Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
    Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 1, S. 107-112.
    Übersetzt von Robert (Berlin)

    David Holbrook, M.D.: POLITISCHE DISKUSSION UND EMOTIONEN / LIBERAL ODER KONSERVATIV? / DAS HERVORRUFEN VON SCHULDGEFÜHLEN / SOZIALPSYCHOLOGIE ODER INFORMATION?

    19. September 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Politische Diskussion und Emotionen

     

    Liberal oder konservativ?

     

    Das Hervorrufen von Schuldgefühlen und Masochismus als eine Form der Gehirnwäsche durch die sadistische Linke: Pseudoliberalismus als sadomasochistische Religion

     

    Sozialpsychologie oder Information? (Konsumieren Liberale vorwiegend zensierte Nachrichten?)

     

    David Holbrook, M.D.: GOTT, DER KERN, DER MECHANISMUS, DER LIBERALISMUS UND DIE ORGASMUSANGST / LINKE UND ORGONOMETRIE

    1. September 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Gott, der Kern, der Mechanismus, der Liberalismus und die Orgasmusangst

     

    Linke und Orgonometrie

     

    EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Die Linke, die Rechte und die Mitte

    10. August 2020

     

    EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Die Linke, die Rechte und die Mitte

    David Holbrook, M.D.: DIE VIELEN GESICHTER DES FASCHISMUS / DIE FREIE REDE

    24. Juli 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Die vielen Gesichter des Faschismus

     

    Die freie Rede

     

    Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen

    3. Juli 2020

     

    Paul Mathews:
    Ideologie und das Nichtglaubenwollen

     

    Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 12)

    22. Mai 2020

     

    Paul Mathews:
    Ideologie und das Nichtglaubenwollen

     

    nachrichtenbrief147

    17. Februar 2020

    David Holbrook, M.D.: DIE DREI SCHICHTEN DER BIOPSYCHISCHEN STRUKTUR (Teil 1)

    2. Januar 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Die drei Schichten der biopsychischen Struktur