Posts Tagged ‘Liberalismus’

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 32)

11. März 2021

Es gibt einen profunden Unterschied zwischen der Sexualität einer Hysterikerin, die sich „sexuell befreit“ gibt, und einer richtigen, d.h. „tiefen“ Frau, die sich kühl und sachlich gibt. Ähnlich ist auch die „Progressivität“ der Linken und die „Rigidität“ der Rechten zu bewerten. Hinter dem ersten verbirgt sich doch nur Angst vor wirklichem Fortschritt, vor Bewegung, vor wirklicher Lebensfreude, während im zweiten Fall wenigstens noch ein genuines Potential für Bewegung vorhanden ist.

Dies hat sehr viel mit dem Problem der Kontaktlosigkeit zu tun. Wer war denn für die Freigabe der Pornographie in den 1970er Jahren? Und wer hatte mehr Kontakt zum gesunden Wesenskern, jene die „progressiv“ für die Freigabe waren oder jene die „rigide“ dagegen waren?

Rebellion führt zu nichts! Das ist wie in der „Primärtherapie“: du schreist und strampelst – und die Panzerung verschlimmert sich! Kontakt ist das Zauberwort sowohl in der Orgontherapie als auch in der Befreiung der Gesellschaft. Und hier halte ich von den linken „Emanzipationsbewegungen“ genausowenig wie von wilden „Reichianischen“ Therapeuten.

Dabei hebt niemand den Konservativen in den Himmel. Sicherlich nicht Elsworth F. Baker und Charles Konia, wäre ja auch schlecht möglich, da Reich so viel über und gegen den Konservativen geschrieben hat – und ich sehe nicht, wo dies in der neueren Orgonomie zurückgenommen wurde. Nur ist die Kritik an den Konservativen mittlerweile Allgemeingut. Und da dies so ist, ist es wohl nötig, daß auch endlich mal den „guten Menschen“ die Maske vom Gesicht gerissen wird. Es ist wirklich nicht sehr originell heutzutage auf den Konservativen einzudreschen!

Was die Begriffe „Liberaler“ und „Konservativer“ betrifft: was soll man denn sonst für Begriffe nehmen? Mit diesen allgemeinen Termini kann man sich wenigstens noch der Umwelt verständlich machen, während orgonomische Begriffe (z.B. „Fassaden-Charakter“ und „verzerrter Kernkontakt-Charakter“) uns halt auf orgonomische Zirkel beschränken würde. Und so schlecht ist der Begriff „Liberaler“ gar nicht. Max Stirner benutzt ihn z.B. orgonomisch ziemlich korrekt:

  1. den politischen Liberalismus [heute würde man wohl von „Nationalliberalismus“ sprechen]: der „die Völker“ durch Knechtung des Einzelnen unter die Staatsidee erzeugt;
  2. den sozialen Liberalismus: der die „Gerechtigkeit“ dadurch erzwingt, daß allen das Eigentum genommen wird und alle „gleiche Lumpe“ werden; und
  3. den humanen Liberalismus: der die „Menschlichkeit“ dadurch erzwingt, daß er alles Individuelle negiert.

Kurz: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.

Und wofür steht die Rechte?

  1. für die Unfreiheit, die dem Einzelnen ermöglicht frei zu sein, da er nicht für die Sache der „Freiheit“ einstehen muß, sondern für sich – also frei sein kann;
  2. für die Ungleichheit, d.h. es gibt nicht das Eigentum, das niemandem gehört, sondern viele Eigentümer;
  3. für die Inhumanität, d.h. es gibt nicht den Menschen, sondern die Menschen dürfen sie selber sein.
  4. Was ist denn so schrecklich Schlimmes am Kommunismus?

    Was ist denn so arbeitsdemokratisch am konservativen Lebensentwurf?

    Für uns Deutsche ist es trotz der Erfahrung mit der Mauer sehr schwer antikommunistisch zu sein. Erst mal wegen der Nazis („zuerst holten sie die Kommunisten und dann die Juden… und ich schwieg“) und dann auch, weil wir wegen unserer geographischen und geschichtlichen Lage mit den Regierungen des Ostens zusammenarbeiten mußten. So verdrängten wir den satanischen Charakter des Kommunismus aus unserem Blickfeld. Dieser läßt sich zwiefach festmachen:

    1. Von Hegel über Marx zu Stalin ging es immer zentral um einen Mythos (der nicht nur marginal rassistisch ist – besonders bei Marx): die Judenherrschaft muß gebrochen werden, um einerseits die „Anarchie“ (es wird ohne Plan produziert und konsumiert) zu brechen und andererseits die geknechtete Arbeit zu befreien. Dieses mythologische Grundmuster ist der Ausgangspunkt für alle möglichen pestilenten Projektionen. Jerome Eden hat dies sehr schön in Die kosmische Revolution dargelegt: man projiziert das eigene DOR (die Panzerung) nach draußen und versucht es auf dem sozialen Schauplatz zu bekämpfen. Bei manchen „Reichianern“ wird dies sogar explizit: Kapitalismus = Panzerung.
    2. Die KP ist im engsten Sinne des Wortes eine kriminelle Vereinigung. Da gibt es verblüffende Parallelen zur Mafia, die ja auch als eine Art von „Befreiungsorganisation“ angefangen hat. Und genauso wie in Filmen wie Der Pate geradezu Propaganda für das „romantische Verbrechen“ gemacht wird, leistet die Linke der KP Schützenhilfe. In Rußland hat sich die kommunistische Herrschaft in eine der mafiösen Oligarchen verwandelt und in China ist die KP selbst nichts anderes als die Mafia. Das erinnert einen an die geschniegelten Mafia-Manager in den USA, die ins normale Wirtschaftsleben ein Standbein hineinbekommen wollen (Der Pate, Teil 2 und 3).

    Beides, der „psychomagische“ und „quasireligiöse“ Hintergrund hier und das Parasitentum dort, kennzeichnet den Kommunismus: beides kann man letztlich nur als „Projektionsmechanismus in DORifizierten Organismen“ und als „Umsichgreifen des DORs“ verstehen (Subversion).

    Und grade hier klinkt sich der liberale Charakter ein, der gegen das Bestehende (seine Eltern) rebelliert. Der konservative Charakter tut dies nicht, er identifiziert sich mit seinem Hintergrund.

    Das erklärt auch, warum ich für eine „konservative Wende“ bin:

    Wir haben nichts mehr zu fürchten, als das Chaos, d.h. die Zerstörung der Lebensenergie durch das DOR: Pornographie im weitesten Sinne (die Linke war immer dafür), Drogen, Rebellion und das Verkünden von Wahrheiten ohne die Gegenwahrheiten zu erwägen. Wird dies nicht eingedämmt und sprießen Die Grünen weiter, haben wir bald entweder eine Gegenreaktion a la LePen oder eine „grüne“ Diktatur über Europa, die dann zur Errichtung der „sozialen Demokratie“ als Übergang zum Sozialismus führen würde. Und das wäre das Ende der Arbeitsdemokratie, die im Grunde nur eins ist: Verantwortung für sich selbst, damit Verantwortung für die die man liebt, damit Verantwortung für alle Menschen und damit Verantwortung für die Natur. Dies sind alles spezifisch konservierende bzw. „konservative“ Werte.

    Und wofür steht der Sozialismus? Für Verantwortungslosigkeit auf jeder Ebene: ich erinnere an Tschernobyl. Dem wird entgegengehalten, man könnte mit dieser einseitigen Parteinahme „innerhalb der Falle“ nicht einverstanden sein, weil man gegen JEDE Lebensverneinung sei. Gut, heißt das, daß du in Polen nicht für die Solidarnosc eingetreten wärst, weil die Katholische Kirche zutiefst lebensfeindlich ist? Das Fatale an einer solchen kompromißlos „lebenspositiven“ Haltung ist doch, daß sie letztlich nur der Lebensfeindlichkeit gute Dienste leistet, also hier der KP.

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 30)

4. März 2021

Traditionell verteidigten Liberale ihre Mitbürger gegen Übergriffe von Seiten der Regierung. Im Liberalismus ging es um die Begrenzung der Macht der Regierung. Dann kamen „Liberale“ wie Mildred Brady und stellten diesen Ansatz auf den Kopf, indem sie die Regierung benutzten, um ihre Mitbürger zu unterdrücken: „Die Regierung muß uns vor medizinischem Betrug schützen“ – also den mißliebigen Mitbürger unterdrücken. Letztendlich geht es um: „Die Regierung muß den Kapitalismus beseitigen“ – und die Tyrannei errichten.

Die Kernbotschaft der angelsächsischen Welt lautete: „Die Doktrin von den Menschenrechten ist dazu da, der Regierung Grenzen zu setzen, und kann nicht dazu benutzt werden, irgendeine Ausweitung der Regierungsmacht zu autorisieren, die nicht durch deren grundlegende Aufgabe, d.h. Schutz der individuellen Freiheit, gerechtfertigt ist.“ (Roger Sutton: How to be a Conservative, London, Paperback, 2015, S. 70)

Genau das war Reichs Thema in den 1950er Jahren: Der Staat hat keine Handhabe, in Reichs Recht auf Erforschung der Natur und in das Recht seiner Patienten, die Früchte dieser Forschung zu genießen, einzugreifen.

Unabhängig von der Bekämpfung des Machtmißbrauchs, die immer auf einen Kompromiß hinausläuft, stand für Reich die „kompromißlose“ Frage nach der Wahrheit im Raum. Das entsprach der Kernbotschaft Deutschlands an die Welt: Es gibt eine fundamentale faktische, objektive Wahrheit, unabhängig und jenseits nicht nur formaler Autoritäten, sondern auch unabhängig und jenseits individueller Meinungen und gesellschaftlicher Kompromisse. Oder mit anderen Worten: Die Existenz des Orgons ist nichts, was es vor einem Gericht „zu verhandeln“ gilt!

Ohne diese beiden Elemente, das „angelsächsische“ und das „deutsche“, kann es keine wirkliche Freiheit geben, denn beide schränken die Macht der Regierung ein: das erstere öffnet den Raum für Diskussion, wenn das angemessen ist, und das letztere beendet jedwede Diskussion, wenn wiederum das angemessen ist.

Für die Großkapitalisten und Monopolisten, in diesem Fall die Pharmaindustrie, ist der pseudoliberale Verrat an Freiheit und Wahrheit gleichbedeutend mit der Beseitigung der aufstrebenden Konkurrenz. Heute will die Pharmaindustrie, nachdem mit Medikamenten kein Geschäft mehr gemacht werden kann und die regelmäßige zwangsweise Durchimpfung der gesamten Bevölkerung horrende Gewinne verspricht, vor allem die schädlichen „Querdenker“ vom Tisch gewischt sehen. Ihre SA, die „Antifa“, hilft ihr dabei.

Zu diesen Ausführungen siehe auch Die zwei grundlegenden Mißverständnisse bei Reichs Auseinandersetzung mit der FDA und der US-Justiz.

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 28)

24. Februar 2021

Ursprünglich, d.h. im 19. Jahrhundert und auch noch weitgehend zu Reichs Zeiten, stand der Liberalismus dafür, daß jeder Herr seiner selbst sein sollte und der Staat einzig dafür da war, diese Souveränitätsrechte des Einzelnen gegen insbesondere religiöse Zumutungen zu schützen. Das kann man heute noch beispielsweise am „liberalen Abtreibungsrecht“ festmachen.

Tatsächlich hat sich der Liberalismus mittlerweile aber in sein diametrales Gegenteil verkehrt: den Pseudoliberalismus. Erste Anzeichen fanden sich bereits bei Reichs Auseinandersetzungen mit der „liberalen“ Presse in den USA und mit der „liberalen“, „Verbraucherrechte“ durchsetzenden Food and Drug Administration. – Plötzlich ist der Staat dazu da, die Religion der Political Correctness durchzusetzen und der souveräne Bürger wird zum Feindbild des vermeintlichen „Liberalen“. Ich verweise auf die staatlich unterstützte viehische Hetze gegen „Reichsbürger“, Libertäre, „Querdenker“, irgendwelche „Leugner“ (!) und wirklich jeden, der genuin liberale Ansichten vertritt.

Spiegelverkehrt bzw. auf den Kopf gestellt ist es bei der Rechten: wo zunächst die Konservativen die Autoritären waren und entsprechend Leute wie Reich kein gutes Haar an ihnen ließen. Insbesondere mißbrauchten sie den Staat, um die traditionelle Religion durchzusetzen. Noch vor wenigen Jahrzehnten konnte es dir passieren, daß dich am Sonntag die Polizei anhielt, weil du für den „Tag des Herrn“ zu leger gekleidet rumliefst! Heute hingegen treten die Konservativen gegenüber dem autoritären Staat praktisch für die gleichen Rechte ein, wie die klassischen Liberalen im 19. Jahrhundert.

Trotzdem ist die Parallele nicht durchgehend, denn während die Charakterstruktur der Konservativen gleich geblieben ist und sich nur die Umstände geändert haben, hat sich die Charakterstruktur der Liberalen tatsächlich geändert. Aufgrund seines mangelnden Kernkontakts ist der Liberale extrem labil und kann deshalb auf breiter Front zu einem Wesen werden, das nach außen hin zwar immer noch vorgibt „liberal“ zu sein, aber das nur tut, um desto effektiver sein sozialistisches und kommunistisches Gedankengut durchzusetzen, dessen Endziel die endgültige Vernichtung der Arbeitsdemokratie ist, weil er Kernfunktionen charakterstrukturell nicht ertragen kann.

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 20)

18. Januar 2021

Manchmal überkommt mich eine Melange aus tiefer Traurigkeit und unbändiger Wut. Der Zorn und die Trauer Pierre Paolo Pasolinis und des Orgonomen David Holbrook (Full Metal Jacket und die 1980er Jahre in http://www.orgonomie.net/holbrook36.htm) . Ich habe sie noch erlebt, die letzten Ausläufer wirklichen authentischen Lebens. Der gestrandete Seemann, Untermieter meiner Großtante, der ganz stolz auf seinen Weltempfänger war. Die Parterrewohnung der anderen Großtante neben der Butter- und Käsehandlung, mit den abenteuerlich hohen Wänden, der übergroßen altertümlichen Küche mit dem Küchengarten zum Hinterhof raus. Eine magische Welt, in der alles stimmig war. Vom Treppenhaus bis zur Stadtgestaltung, von der Form der Kinderwagen bis zur großen Architektur, alles paßte zueinander. Die Erinnerungen an das Kellnern, als das noch ein wirklicher Beruf war, an der Reeperbahn und im Sommer auf Helgoland und die Arbeit als Hausdame in Blankeneser Villen. Geerdet und identitär, irgendwo zwischen abartigen süßsauren Speisen (man muß ja nicht alles mitmachen!) und dem Flair der Außenalster. Die imgrunde tieftraurigen Geschichten um Klein Erna und der unbändige Stolz der Werftarbeiter, ob dem, was sie tagtäglich erschaffen. Menschen, die nur hierhin passen und zu keinem anderen Ort der Welt. Niemand hat jemals „Moin“ gesagt (sind wir etwa Friesen!) oder all dem anderen Plastik-Norddeutschland aus dem Fernsehkasten gefrönt, sondern es schlicht gelebt.

Es zerreißt mich, alte Filme über das Hamburg bis etwa Mitte der 1960er Jahre zu sehen. Das Gehabe und die Kleider der Frauen, das Spielen der Kinder, die Gesichter. Die Nazis, die uns fremder waren, als später die einmarschierenden Briten (mit denen meine Oma hervorragende Schwarzmarkgeschäfte gemacht hat, mit deren Ertrag das Haus gebaut wurde, in dem ich aufgewachsen bin), der Krieg und all sein Horror, die Flut an Misplaced Persons in ihren Wellblech-Verschlägen und an Ostvertriebenen, – nichts konnte Hamburg wirklich zerstören. Nur eins hat es unwiederbringlich kaputtgemacht. Etwas, was mit „Popkultur“ nur schlecht umschrieben ist, auch „Globalismus“ und „Liberalismus“ treffen es nicht ganz.

Was geschehen ist, möchte ich an zwei Schlaglichtern verdeutlichen:

Entsprechend der dreischichtigen Charakterstruktur des Menschen (Kern, Mittlere Schicht, Fassade) gibt es grundsätzlich drei Arten von Menschen:

  • den Menschen, der merkwürdig ungreifbar ist, weil er keine Manierismen hat, kein „Wolf“, „Fuchs“, „Reh“, „Bär“ oder sonstwas ist, sondern einfach er selbst. Man kann solche Menschen nicht in Karikaturen zusammenfassen, weil sie halt einfach nur Menschen sind. Reich war so ein Mensch.
  • den gepanzerten Menschen, der das ist, was man gemeinhin als einen „Charakter“ bezeichnet. Das alte Hamburg (oder, selbstredend jeder andere Ort auf dieser Welt!) war von solchen „Charakteren“ bevölkert.
  • doch dann trat etwas in Erscheinung, was eine absolute Katastrophe darstellte: der eigenschaftslose, vollkommen austauschbare fassadäre Mensch, ohne Charakter und ohne jedwede Verbindung zum Kern!
  • In einer unheilvollen Schleife, haben Menschen des dritten Typs die Umwelt geschaffen, die solche „Non-Playable Characters“ wie sie hervorbringt – bzw. umgekehrt. Diese Schleife war das unausweichliche Resultat der „Emanzipation“ der Menschen aus ihrer alten Unterdrückung; im tiefsten Grunde war es die mißglückte sexuelle (biologische) Revolution, die seit Mitte der 60er Jahre alles in einen Haufen Scheiße verwandelt hat.

    Das zweite Schlaglicht ist das Geschehen von 1982, als das alte Hamburg ENDGÜLTIG in die Jauche getreten wurde. Karate-Tommy beschreibt sehr gut, was damals vorgefallen ist, was damals unwiederbringlich zerrissen ist:

    Selbst am Bodensatz der Gesellschaft (es soll mir niemand diese widerlichen Arschlöcher über Gebühr romantisieren!) gab es noch so etwas wie Ehre und Spielregeln – und Hamburg war für jeden Menschen eine „vollkommen“ sichere Stadt. Und dann kommt so ein weltfremder Richter, wie ein Alien aus dem Weltraum, und zerstört eine Sozialstruktur, die bis auf die Eroberung Hamburgs durch Napoleon zurückging. Kontaktlosigkeit hat Hamburg zerstört – sie zerstört den gesamten Planeten. Und niemand sieht, was geschehen ist.

    Buchbesprechung: THE MASS PSYCHOLOGY OF FASCISM (Teil 2)

    19. Oktober 2020

    von Paul N. Mathews

     

    In der Originalübersetzung von Dr. Theodore P. Wolfe wird das Buch mit dem Kapitel X, „Arbeitsdemokratie“, abgeschlossen. Die neue Übersetzung von Victor R. Carfagno erweitert die Anzahl der Kapitel, indem sie sie aus dem letzten Unterthema von Kapitel IX („Die biosozialen Funktionen der Arbeit . . .“) und zwei Unterthemen von Kapitel X zusammensetzt, so dass aus den ursprünglich zehn Kapiteln insgesamt dreizehn Kapitel entstehen.b Der Effekt dieser willkürlichen Änderung gegenüber der von Reich zugelassenen Wolfe-Version ist, dass sie Kategorien trennt, die meiner Meinung nach – und offensichtlich auch Reich zufolge – zusammen gehören. So ist beispielsweise in der Carfagno-Fassung das Kapitel mit dem Titel „Biosoziale Funktion der Arbeit“ in seiner ursprünglichen subthematischen Form eine Weiterführung und ein logischer Abschluss des Kapitels „Masse und Staat“. Da sich das Unterthema mit den destruktiven Auswirkungen der „moralistische[n], autoritäre[n] Regulierung der Arbeit“c durch die sowjetischen Behörden befasst, gehört es gut in die Analyse des Prozesses des sowjetischen Zerfalls zum Roten Faschismus, die in „Masse und Staat“ behandelt wird. Darüber hinaus sind die Unterthemen, auf die im letzten Kapitel der Wolfe-Fassung („Arbeitsdemokratie“) Bezug genommen wird, so logisch mit diesem Thema verflochten, dass es ein Bärendienst ist, das Gefühl der Kontinuität durch willkürliche Kapiteltrennung zu unterbrechen.

    Wie Ilse Ollendorff feststellte, widmete Reich Dr. Wolfe sehr viel persönliche Aufmerksamkeit, um ihm zu vermitteln, was er wirklich intendierte und beabsichtigte*. Die Wolfe-Übersetzung ist daher die einzige von Reich selbst autorisierte Version. Dass die Carfagno-Übersetzung möglicherweise Material enthält, das in Wolfes Version nicht enthalten ist, verzerrt wahrscheinlich die Absichten Reichs. Endgültige Bedeutungen und Absichten können durch Streichungen ebenso ausgedrückt werden wie durch Einbeziehungen. Die folgenden Beispiele sollen diesen Punkt veranschaulichen:

    Auf Seite 217, Absatz 4 der Übersetzung von Carfagno stellt Reich feste:

    . . . die sozialdemokratischen und liberalen Parteien in den noch nicht faschistischen Ländern lebten gerade von der Illusion, daß die Massen an sich, so wie sie sind, freiheitlich und freiheitsfähig wären [were capable of freedom and liberalism] und daß das Paradies auf der Erde gesichert wäre, wenn es nur die bösen Hitlers nicht gäbe.

    In Wolfes Version wird das Wort „Liberalismus“ weggelassen. Im Lichte von Reichs eigener Beschreibung des Liberalismus als Manifestation der oberflächlichen Schicht des Menschen ist dies eine verständliche Auslassung, denn im Gegensatz zur Freiheit sind die Massen nur allzu fähig zum Liberalismus. Natürlich hätte Reich den Ausdruck „wahrer Liberalismus“ verwenden können, aber anscheinend war es sein Wunsch, Verwirrung zu vermeiden. Nur der Übersetzung von Wolfe sollte hier vertraut werden.

     

    Anmerkungen

    * Ilse Ollendorff schreibt: „Ein Soziologe, der unter Reich studierte, gab den Anstoß zu einer englischen Ausgabe der Massenpsychologie, und Wolfe begann, auch an dieser Übersetzung zu arbeiten. In meiner Erinnerung sehe ich ihn immer mit seiner Aktentasche zu endlosen Abenddiskussionen kommen, um mit Reich die genaue Übersetzung eines Satzes oder eines Spezialausdrucks zu besprechen. Ich habe immer die Gewissenhaftigkeit bewundert, mit der es Wolfe gelang, die genaue Bedeutung von Reichs Ideen wiederzugeben (2, S.75d).

     

    Anmerkungen des Übersetzers

    b Das letzte Unterthema von Kapitel IX wird zum Kapitel X der Carfagno-Version gemacht. Die drei Unterthemen von Kapitel X der Wolfe-Version werden zu eigenständigen Kapiteln mit eigenen Unterthemen.

    c Massenpsychologie, ebenda, S. 270.

    d Ilse Ollendorff Reich, Wilhelm Reich, Kindler Verlag, München 1975, S. 106.

    e Massenpsychologie, ebenda, S. 200.

     

    Literatur

    2. Reich, I.O.: Wilhelm Reich: A Personal Biography. New York: St. Martin’s Press, 1969.

     

    Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
    Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 1, S. 107-112.
    Übersetzt von Robert (Berlin)

    David Holbrook, M.D.: POLITISCHE DISKUSSION UND EMOTIONEN / LIBERAL ODER KONSERVATIV? / DAS HERVORRUFEN VON SCHULDGEFÜHLEN / SOZIALPSYCHOLOGIE ODER INFORMATION?

    19. September 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Politische Diskussion und Emotionen

     

    Liberal oder konservativ?

     

    Das Hervorrufen von Schuldgefühlen und Masochismus als eine Form der Gehirnwäsche durch die sadistische Linke: Pseudoliberalismus als sadomasochistische Religion

     

    Sozialpsychologie oder Information? (Konsumieren Liberale vorwiegend zensierte Nachrichten?)

     

    David Holbrook, M.D.: GOTT, DER KERN, DER MECHANISMUS, DER LIBERALISMUS UND DIE ORGASMUSANGST / LINKE UND ORGONOMETRIE

    1. September 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Gott, der Kern, der Mechanismus, der Liberalismus und die Orgasmusangst

     

    Linke und Orgonometrie

     

    EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Die Linke, die Rechte und die Mitte

    10. August 2020

     

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    David Holbrook, M.D.: DIE VIELEN GESICHTER DES FASCHISMUS / DIE FREIE REDE

    24. Juli 2020

     

    DAVID HOLBROOK, M.D.:

     

    Die vielen Gesichter des Faschismus

     

    Die freie Rede

     

    Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen

    3. Juli 2020

     

    Paul Mathews:
    Ideologie und das Nichtglaubenwollen