Orgontherapie 2026 (Teil 9)

Ich habe mit mehreren Orgontherapeuten und „Orgonpatienten“ darüber gesprochen: Orgontherapie über eine Videokamera ist möglich. Damit fällt (mal abgesehen von den Finanzen!) jedwede Ausrede weg, sich keiner Orgontherapie lege artis zu unterziehen.

Therapeuten, die nicht wissen, was sie tun, nehmen aus Unsicherheit zu dramatischen Interventionen Zuflucht. In der „Körperpsychotherapie“ sind das etwa „Streßpositionen“ nach Alexander Lowen oder direkte körperliche Interventionen, um die Panzerung „aufzubrechen“. Es wird strengen Vorgaben gefolgt, wie der Patient zu liegen hat, wie er Arme und Beine zu halten hat, wie er zu atmen hat, etc. All das soll überspielen, daß der Therapeut nicht weiß, was er tut, und nicht mal eine Diagnose hat stellen können. Seine Unsicherheit überspielt er mit Show und Action.

Die Orgontherapie beruht darauf, daß der Therapeut eine biopsychiatrische (= auf der Struktur der Panzerung beruhende) Diagnose gestellt hat und sich der jeweiligen Blockaden seines Patienten bewußt ist, die dem vollständigen Orgasmusreflex (= der Fähigkeit des Organismus als Einheit zu funktionieren, ganz, d.h. gesund zu sein) entgegenstehen. Daraufhin versucht er die Blockaden auf geordnete Art und Weise aufzulösen. „Geordnet“ meint hier, daß jede Blockade eine Funktion hat, die erkannt werden muß, bevor man sich daran macht sie zu beseitigen. Ansonsten kann es nämlich zu einem Desaster kommen. Man muß wissen, was man tut, bevor man einem Krüppel seine Krücke wegschlägt!

Ein neutraler Beobachter wird sich wahrscheinlich darüber wundern, daß die Interventionen des Orgonomen selten sind und zu einem Gutteil konventionell wirken, jedenfalls im Vergleich zum theatralischen Aktionismus des „Reichianischen Therapeuten“. Der erstere bleibt gelassen, weil er weiß was er tut, d.h. wie er den weitgehend autonom verlaufenden Heilungsprozeß („Ganzwerdungsprozeß“) anregen und aufrechterhalten kann, der letztere kompensiert seinen Amateurstatus mit hektischem, „zersplitterndem“ Engagement und – zerstört die Selbstregulation des Patienten endgültig.

Augendrehen, das Gesicht und den Kiefer bewegen, Muskeldrücken, etc. mag oberflächlich wie „Orgontherapie“ wirken, ist aber vollkommen sinnlos, wenn nicht zwei Elemente hinzutreten:

  1. es muß geatmet werden und dabei versucht werden spontan zu atmen – eine Unmöglichkeit, aber es kommt auf den Versuch an; und
  2. es muß eine Beziehung zu einem Therapeuten hergestellt werden – auch schwierig, aber im Laufe der Zeit kann man sich nicht gegen die „Übertragung“ wehren.

Das Atmen erhöht das Energieniveau und der Versuch spontan zu atmen das „Frustrationsniveau“, infolge beginnt das neurotische Gleichgewicht zu wanken. Die Kunst des Therapeuten liegt darin, die Intervention genau in jenem Augenblick anzubringen, wenn dieses Gleichgewicht sich als Ergebnis ein Stückweit in Richtung Genitalität verschieben wird. Zu jedem anderen Zeitpunkt wird nur das energetische Chaos vergrößert und eine Heilung unmöglich.

Die Panzerung ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ist in einer Beziehung entstanden, d.h. im Familienleben. Entsprechend kann sie auch ausschließlich in einer Beziehung wieder aufgelöst werden. Man kann exakt das gleiche allein auf einer Matratze tun, was man im Beisein des medizinischen Orgonomen macht, doch es wird keinerlei Wirkung zeitigen. Seine bloße Anwesenheit aktiviert genau jene Emotionen und Gefühle, die am Anfang der Panzerung standen und die auch wieder an ihrem Ende stehen müssen.

Zum Abschluß dieser Reihe von Blogeinträgen verweise auf die denkbar eingehende Beschreibung der Orgontherapie auf https://roomforhappiness.de/.

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12 Antworten to “Orgontherapie 2026 (Teil 9)”

  1. Avatar von Frank Frank Says:

    Bei allem Respekt und aller Offenheit für Peter und andere Persönlichkeiten und im Wissen um meine großen Defizite. Man kann eine Person nicht über ein Video „erfassen“. Das ist unmöglich. Zu „zweidimensional“, es gibt „Schwingungen“, Facetten. Vielleicht ist es auch nur ein Mißverständnis: Nach initialem realen Kennenlernen sind vielleicht auch Videositzungen möglich. Trotzdem erinnert mich auch das an Videosex, Telefonsex (beides noch nie gehabt), Musikvideos anstatt real im Raum mit dem Künstler (ein Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=X_XNUMfQyMY&list=RDX_XNUMfQyMY&start_radio=1).

  2. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Guter Punkt, Frank – da muss ich Dir absolut zustimmen.

    Früher haben die Orgontherapeuten ihre auf der Couch liegenden und intensiv atmenden Patienten viel mehr mit den Händen berührt als heute. Ein prominenter und mittlerweile leider verstorbener Medical Orgonomist des American College of Orgonomy hatte sogar einen eigens konstruierten Holzdorn (!) zur Hand, den er immer wieder z.B. in meine Zwischenrippenmuskeln bohrte, um Panzerungen zu lösen – und setzte sich dazu sogar immer einen Bauarbeiter-Ohrschutz auf, damit das Schreien seiner Patienten nicht sein Gehör ruinierte.

    Später ist man – auch die Orgontherapie ist Modeströmungen unterworfen – immer mehr von den manuellen Interventionen weggekommen und hat versucht, die muskulären Panzerungen nur mit intensivem Atmen und charakteranalytischen Interventionen anzugehen. Und dies sollte zuletzt sogar – das ist ja hier Dein Thema – über Online-Sitzungen möglich sein.

    Diese Entwicklung hatte v.a. zwei Gründe:

    ERSTENS:

    Da es nur wenige qualifizierte Orgontherapeuten auf der Welt gibt, die weit verstreut wohnen und deren Patienten oftmals weit weg wohnen (manchmal sogar in einem anderen Kontinent), haben sich einige Orgontherapeuten dem in der Corona-Krise bei „orthodoxen“ Psychotherapeuten entstandenen Trend angeschlossen, Therapiesitzungen auch online anzubieten.

    Positiv formuliert, könnte man sagen, dass dadurch auch solchen Patienten ein Zugang zur Orgontherapie ermöglicht wird, die es sich nicht leisten können, für ein paar Orgontherapie-Sitzungen Tausende von Kilometern anzureisen.

    Negativ formuliert, sichert die Online-Orgontherapie einigen Therapeuten, die im Gegensatz zu den „high times“ der Orgonomie in den 1980er bis 1990er Jahren ihre „analoge“ Praxis mittlerweile gar nicht mehr mit genügend Orgontherapie-Patienten gefüllt kriegen, eine zusätzliche Einnahmequelle.

    ZWEITENS:

    Dass die Orgontherapeuten in den letzten 10-20 Jahren immer mehr von manuellen Interventionen abgekommen sind, hat nicht zuletzt auch juristische Gründe, zumal amerikanische Ärzte ohnehin schon ständig von mega-teuren Schadensersatzklagen wegen vermeintlicher Kunstfehler bedroht sind.

    Gerade seit der „Me Too“-Bewegung ist es für männliche Orgontherapeuten heutzutage schon sehr heikel, wenn eine (wie es früher gang und gäbe war) nur mit Slip und BH bekleidete Patientin laut atmend, seufzend und stöhnend vor ihnen auf einer Matratze liegt und der Therapeut mit seinen Händen an ihrem Brustkorb oder Bauch herumdrückt, um z.B. eine Zwerchfellpanzerung zu lockern.

    Wenn eine solche Patientin den ärztlichen Orgontherapeuten wegen eines vermeintlichen „sexuellen Missbrauchs von weiblichen Schutzbefohlenen“ verklagt, muss sich der Therapeut schon verdammt warm anziehen, um seine manuellen Interventionen an der nur leicht bekleideten Patientin vor Gericht erfolgreich zu rechtfertigen – zumal es sich bei der Orgontherapie ja um keine anerkannte Behandlungsform handelt.

    Da so etwas leicht die Karriere des Therapeuten zerstören kann, verzichten viele heutige männliche Orgontherapeuten speziell bei weiblichen Patienten aus Vorsicht lieber ganz auf manuelle Berührungen.

    Aber auch an Deinem Argument, lieber Frank, dass man einen Menschen nicht per Video „erfassen“ kann und die Interaktion „zweidimensional“ bleibt, ist viel Wahres dran!

    Das geht schon bei der Diagnostik des „Panzerungsstatus“ eines menschlichen Körpers los. Alle meine „analogen“ Orgontherapeuten des letzten Jahrhunderts haben mich zu Beginn der Therapie gründlich untersucht, indem ihre Hände über meinen Körper gehuscht sind, um genau festzustellen, welche der sieben Panzerungssegmente frei beweglich sind und welche nicht, wo genau die Muskulatur fast schon spastisch verkrampft und wo sie relativ geschmeidig ist.

    Diagnostisch wichtig war z.B. auch, wie der Patient auf einen manuellen „Angriff“ auf bestimmte Muskelpanzerungen reagiert: also, ob der Patient in den „masochistischen“ Modus geht und es fast schon zu genießen scheint, wenn der Finger des Orgontherapeuten schmerzhaft in seine Zwischenrippenmuskulatur piekt. Oder, ob der Patient in den „trotzigen“ Modus geht oder aber in den „phallischen“, wo er dann nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ sofort tritt, um sich schlägt, den Therapeuten wegzustoßen versucht usw.

    Wenn er sich mit dem Patienten im selben Raum befindet, kann der Orgontherapeut natürlich auch spüren, wie stark oder schwach, wie eng oder „entgrenzt“ das Orgonenergiefeld des Körpers des Patienten ist. Und ob die Orgonenergiefelder von Therapeut und Patient einander überlagern bzw. „make contact“ (Peter spricht da von „Erstrahlung“), oder ob der Patient in sich abgekapselt ist und sein Orgonenergiefeld nicht in Kontakt tritt mit dem des Therapeuten. Also m.a.W., was für eine (angenehme oder unangenehme) „Ausstrahlung“ der Patient hat.

    Das alles kann man rein per Video natürlich nicht bewerkstelligen – oder höchstens annährend.

    Neben den von Dir zurecht aufgeführten Argumenten kommen auch noch große notfallmedizinische und damit juristische Probleme auf den Online-Orgontherapeuten zu, die man nicht unterschätzen darf.

    Wie Peter hier ja nicht müde wird zu betonen, legten sowohl Reich als auch das ACO nicht von Ungefähr großen Wert darauf, dass Orgontherapeuten gut ausgebildete ÄRZTE sein müssen.

    Und zwar u.a. auch deshalb, weil sich im Verlauf einer korrekt durchgeführten Orgontherapie durchaus auch schwere körperliche Symptome einstellen können, die mitunter eine sofortige ärztliche Intervention des Therapeuten erforderlich machen können.

    Und zwar nicht nur „einstellen KÖNNEN“, sondern vielleicht sogar „einstellen MÜSSEN“, soll die Therapie erfolgreich sein. Vor ca. 20-30 Jahren (Peter kennt sicher das genaue Jahr und auch den Text) hat das ACO irgendwo veröffentlicht, dass gerade bei einer lege artis durchgeführten Orgontherapie latente alte Krankheiten wieder exazerbieren können bzw. müssen!

    Um anhand von 1-2 Beispielen zu illustrieren, was damit gemeint war:

    Sagen wir mal, eine Patientin trägt ein latentes Asthma bronchiale in sich, das sie durch ihre Panzerung im Schach hält. Da kann es dann in fortgeschrittenen Stadien der Orgontherapie beim intensiven Atmen durchaus passieren, dass aus dem latenten Asthma plötzlich wieder ein hochakutes wird, die Patientin voller Panik verkrampft und zu ersticken droht.

    Oder ein Patient hatte früher jahrelang eine schwere Autoimmunkrankheit, die mit regelmäßiger Cortison-Gabe unterdrückt wurde, aber mittlerweile überwunden zu sein schien. Da kann es dann z.B. in der 50. Orgontherapie-Sitzung passieren, dass die Autoimmunkrankheit plötzlich wieder hoch akut an die Oberfläche kommt.

    In dem o.g. Artikel des ACO wurden solche somatischen Dekompensationen bzw. das dramatische „Hochkochen“ einer bereits überwunden geglaubten Krankheit nicht etwa als störende „Nebenwirkungen“ der Orgontherapie bewertet, sondern ganz im Gegenteil als Beleg dafür, dass der Therapeut mit dem Patienten „auf dem richtigen Weg“ sei. Diese Logik erinnert stark an die Klassische Homöopathie, die ja ebenfalls davon ausgeht, dass ihm Rahmen einer erfolgreichen Behandlung alte bzw. latente Krankheiten plötzlich wieder akut werden müssen („Erstverschlimmerung“…), damit der Organismus sie wirklich und endgültig überwinden kann.

    Auch weiß ich von Patienten, die während des intensiven Atmens bei einer Orgontherapie-Sitzung plötzlich an der Schwelle zu einem epileptischen Grand-mal-Anfall standen, der schnell lebenbedrohlich werden kann.

    Ein neben der Behandlungs-Couch sitzender ärztlicher Orgontherapeut kann dann sofort intervenieren, da er einen Notfallkoffer und entsprechende Notfallmedikamente in der Praxis hat.

    Jedenfalls möchte ich nicht der Online-Orgontherapeut sein, der sowas nur am Bildschirm mitkriegt, aber nicht notfallmedizinisch eingreifen kann!

    Man stelle sich nur vor, ich sehe sowas am Bildschirm, und plötzlich bricht die Internetverbindung zusammen.

    Oder aber: den Patienten wühlt eine charakteranalytische Deutung des Therapeuten emotional dermaßen auf, dass er plötzlich laut schreit, er halte das nicht mehr aus und werde sich jetzt sofort das Leben nehmen – und loggt sich dann aus der ZOOM-Konferenz aus! Was dann?

    Aus all diesen Gründen würde ich – ähnlich wie Du, Frank – nach Möglichkeit immer eine „analoge“ Orgontherapie bevorzugen, denn eine physische Begegnung zweier Menschen im selben Zimmer ist doch etwas anderes als ein reiner Online-Dialog.

    Allerdings habe ich früher für meine „analogen“ Orgontherapie-Sitzungen in den USA zusammengerechnet Zigtausend Dollar ausgegeben: Therapeutenhonorare, Flüge, Hotel, Restaurantbesuche, oft sogar Leihwagen, da manch ein Medical Orgonomist des ACO „am Arsch der Welt“ wohnte, wo man mit öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht hinkam. Insofern verstehe ich durchaus das Argument „Online-Orgontherapie ist besser als gar keine“ – allerdings nur unter Berücksichtigung der o.g. Einschränkungen und Gefahren.

    Auch Deinem anderen Argument, Frank, stimme ich zu. Als ich vor etlichen Jahren Single und auf Partnerbörsen im Internet unterwegs war, habe ich mehr als einmal die ziemlich frustrierende Erfahrung gemacht, dass ich mit einer Frau wunderbar online reden, chatten und in einem Maße flirten konnte, dass man dachte, wir werden als Paar hervorragend zueinander passen.

    Doch beim ersten realen bzw. „analogen“ Date stellte sich dann schnell und in ernüchternder Weise heraus, dass bei physischer Präsenz „die Chemie nicht stimmte“ und die beiden Körper gar nicht zueinander passten. Eigentlich ist diese Redewendung sogar falsch, und man müsste sagen, dass „die PHYSIK nicht stimmte“, weil die beiden Energiefelder nicht miteinander harmonierten.

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      Danke Fantomas für deine ausführliche und erhellend Klarstellung. Aus diesen Gründen würde ich nie eine Video-Remote-Therapie machen

    • Avatar von Frank Frank Says:

      Vielen Dank, lieber Fantomas!
      Aus meinen Assoziationen des kleinen Mannes hast Du ein „wissendes Werk“ geschaffen 🙂
      Die Fantomas-Filme mit Louis de Funès mochte ich immer, warum auch immer 🙂
      „Die PHYSIK nicht stimmte“: Ich denke, die CHEMIE (Geruch, Hormone) darf man aber auch nicht ganz aus den Augen verlieren.
      „… ihre „analoge“ Praxis mittlerweile gar nicht mehr mit genügend Orgontherapie-Patienten gefüllt kriegen, eine zusätzliche Einnahmequelle.“ Diesen Gedanken hatte ich auch, aber als „kleiner Wicht“ wollte ich mich nicht „so weit aus dem Fenster lehnen“/“Böses“ unterstellen.
      Das wäre ein echter „Verrat“, wenn dem so wäre (und der Therapeut auch dieser Meinung wäre). Wissend eine unzulängliche Therapie zu verkaufen.
      Am 26.07.2019 schrieb mir Alberto Foglia, daß er leider keine neuen Patienten nähme. Ob Peter auch mit ihm gesprochen hat? Und die Praxisauslastung sich seitdem geändert hat?

      Die „Harmonieformel“ (von Fantomas) könnte lauten: „Online-Orgontherapie ist besser als gar keine“

  3. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Lieber Robert, lieber Frank!

    Herzlichen Dank für Euer positives Feedback.

    Robert, Deine Entscheidung, nie eine Online-Therapie machen zu wollen, kann ich gut nachvollziehen.

    Natürlich ist es jetzt nicht so, dass in Orgontherapien die Patienten regelmäßig halbtot vom Stuhl fallen bzw. von der Matratze rutschen würden 🙂

    Aber als Patient war es mir immer wichtig zu wissen, dass ich mich vertrauensvoll „fallen lassen“ kann und einen Therapeuten neben mir (und nicht nur am Bildschirm) sitzen habe, der mit seiner ärztlichen Kompetenz kompetent eingreifen kann, FALLS die Situation entgleist.

    Und noch ein Wort zu den „Modeströmungen“ in der Geschichte der Orgontherapie, was das „Anfassen“ des Körpers des Patienten betrifft: Peter betont ja immer wieder, dass eine Online-Orgontherapie ohne Reibungsverluste möglich sei, weil die modernen Medical Orgonomists inzwischen ohnehin fast ohne manuelle Interventionen auskommt.

    Natürlich stimme ich ihm zu, dass ständiges „Herumkneten“ am Körper des Patienten eher ein Zeichen mangelnder Kompetenz des Therapeuten ist, und dass die begleitende Charakteranalyse sehr wichtig ist. Trotzdem empfinde ich es als Manko, wenn die Orgontherapeuten (u.a. aus Furcht vor Missbrauchsvorwürfen) ihre Patienten heutzutage GAR nicht mehr anfassen – was in einer Online-Therapie ja auch gar nicht möglich ist -, denn das Wort „Behandlung“ ist ja schließlich von „Hand“ abgeleitet.

    Z.B. erinnere ich mich an eine lange zurückliegende eigene Therapiesitzung, wo ich mich seltsam angespannt fühlte, als ich über ein belastendes Thema sprach. Da genügte dann mitten im „charakteranalytischen“ Gespräch ein plötzlicher kurzer, intuitiver Griff des Therapeuten an meine Kehle, und urplötzlich kam ich in Kontakt mit meiner Traurigkeit und musste heftig weinen und schluchzen. Mag sein, dass man denselben Gefühlsausbruch auch durch rein verbale Interventionen hätte erreichen können, aber dies hätte sicher sehr viel länger gedauert als das, was der Therapeut mit einer vielleicht nur 5 Sekunden lang andauernden Berührung meiner Kehle ausgelöst hat.

    Aber wie ich bereits dargelegt habe, darf man in dieser verrückten heutigen, „politisch korrekten“ Welt (besonders in den USA) die möglichen juristischen Gefahren nicht außer Acht lassen. Selbst in orthodoxen Psychotherapien muss jeder männliche Therapeut, der z.B. Freitag spätnachmittags mit einer Borderlinerin alleine in seiner Praxis sitzt, große Angst haben, dass die Patientin – vielleicht aus einer „negativen Übertragung“ oder Projektion heraus, oder weil er auf ihre Flirtversuche NICHT eingegangen ist – hinterher den Therapeuten anschwärzen kann, er habe sie sexuell belästigt.

    Die absurde Rechtslage zumindest in Deutschland ist nämlich so, dass nicht etwa die Patientin ihren Missbrauchsvorwurf beweisen muss, sondern der Therapeut muss umgekehrt nachweisen, dass KEIN Missbrauch stattgefunden hat – was natürlich bizarr ist, da beide ja alleine zusammen in der Praxis saßen.

    Allein schon das unbewiesene Gerücht kann die berufliche Existenz des Therapeuten nachhaltig zerstören, weil noch Jahre später alle weiblichen Patienten in der Stadt darüber tuscheln können: „Dr. XY? War da nicht mal was? Hat der nicht eine Patientin sexuell missbraucht?“.

    Und die Bewertungsportale im Internet – die ja ursprünglich mal das durchaus rationale Ziel des „Verbraucherschutzes“ verkörpert haben – tun heutzutage ein Übriges. Eine Borderlinerin kann dort auf übelste Weise über den Therapeuten und seine Praxis schimpfen und unbewiesene Behauptungen aufstellen. Die „Crux“ dabei ist jedoch, dass der Therapeut sich nicht dagegen wehren kann. Denn wenn er das Vorgefallene – oder besser: NICHT Vorgefallene – auf dem Bewertungsportal aus SEINER Sicht schildern und die Vorwürfe zu widerlegen versuchen würde, könnte die Patientin ihn erst recht verklagen, weil er damit ja seine ärztliche Schweigepflicht gebrochen habe.

    Das ist im Übrigen wieder mal ein Beispiel für etwas, was einmal aus einem rationalen Motiv („Verbraucherschutz“) heraus historisch entstanden ist, sich später aber zur Spielwiese der emotionalen Pest entwickelt hat. Mal angenommen, ich leite eine renommierte Gaststätte, die ich von den Eltern übernommen habe. Und jetzt eröffnet 100 Meter weiter ein schickes neues Restaurant, also ein potentieller Konkurrent. Da bitte ich dann alle meine Freunde und engagiere zur Sicherheit noch einige Studenten für 5 Euro pro negative Rezension – und kann auf diese Weise ruckzuck die Bewertungsportale des Internets vollkleistern mit überaus negativen Bewertungen meines geschäftlichen Rivalen: das Essen dort war „total versalzen“, die „Kellner unfreundlich“, die Toiletten „hygienisch fragwürdig“ usw.

    Und wenn er „schlau“ (bzw. ebenso emotional pestig wie ich) ist, macht der neue Konkurrent aus Rache dann genau dasselbe mit MEINEM Restaurant. Man hört ja auch oft, dass etwa 50% aller Rezensionen auf AMAZON „gekauft“ bzw. ein Fake sind. SO machen Bewertungsportale natürlich gar keinen Sinn mehr.

    Aber jetzt zu Frank:
    “ Aus meinen Assoziationen des kleinen Mannes hast Du“

    „aber als „kleiner Wicht“ wollte ich mich nicht„…

    Mach Dich doch bitte nicht immer so klein, Frank! Ich glaube nicht, dass Reichs „Listen, Little Man“ speziell an DICH gerichtet war – bzw. es ist gleichermaßen auf ALLE von uns gemünzt, also auch auf Robert, Peter und mich.

    >>> Die Fantomas-Filme mit Louis de Funès mochte ich immer, warum auch immer 

    Ich auch! Die waren echt lustig. Unsere „wandelnde Enzyklopädie auf zwei Beinen“, wie ein Alt-Reichianer mal unseren Peter Nasselstein genannt hat (denn seine universale Gelehrsamkeit geht ja weit über die bestenfalls rudimentären Kenntnisse von ChatGPT usw. hinaus…), hat mir mal erzählt, dass Louis de Funès seine Schauspielkarriere einst als „tragischer Held“ begonnen hat, der mit großem Ehrgeiz im Theater todtraurige Stücke von Molière spielte. Doch immer wenn er in solchen Tragödien auf der Bühne den Mund aufmachte, schlugen sich die Zuschauer sofort vor Lachen auf die Schenkel, platzten aus und hörten gar nicht mehr auf zu kichern – was den armen Louis überaus kränkte.

    Schließlich hat er aus diesem Grund seinen Karriereplan geändert und ist ins komödiantische Fach gewechselt. Obwohl er damit ja einen riesigen Erfolg hatte, sehr reich und prominent wurde, war er bis an sein Lebensende tieftraurig darüber, da er doch eigentlich als Held von Tragödien ERNST genommen werden wollte…

    Man hört ja auch oft, dass die meisten Clown bzw. Comedians privat stark zur Melancholie neigen.

    >>> „Die PHYSIK nicht stimmte“: Ich denke, die CHEMIE (Geruch, Hormone) darf man aber auch nicht ganz aus den Augen verlieren.

    Das stimmt natürlich. Pheromone usw. Man kann jemanden „nicht riechen“. Und gerade auch die sexuelle Anziehung hat wohl viel mit unserem Geruchssinn zu tun.

    Weil aber ALLE Leute immer nur sagen „die Chemie zwischen den beiden hat nicht gestimmt“, wollte ich als Schüler der Orgonenergie-Forschung halt mal einen Kontrapunkt setzen, weil die Anziehung zwischen zwei Menschen ja stark mit ihren Orgonenergie-Feldern zu tun hat. „Energie“ und „Attraktion“ sind ja physikalische Begriffe. Aber Du hast völlig recht: ob Du eine Frau anziehend findest und sie Dein Herz höher schlagen lässt, hat mit physikalischen UND chemischen Vorgängen zu tun!


    „… ihre „analoge“ Praxis mittlerweile gar nicht mehr mit genügend Orgontherapie-Patienten gefüllt kriegen, eine zusätzliche Einnahmequelle.“ Diesen Gedanken hatte ich auch, aber als „kleiner Wicht“ wollte ich mich nicht „so weit aus dem Fenster lehnen“/“Böses“ unterstellen.
    Das wäre ein echter „Verrat“, wenn dem so wäre (und der Therapeut auch dieser Meinung wäre). Wissend eine unzulängliche Therapie zu verkaufen.

    Naja. Ich weiß, was Du meinst, finde Dich aber da zu streng. Historisch war es so, dass in den Hochzeiten der Orgonomie ca. zwischen 1975 und 2000 die meisten Medical Orgonomists tatsächlich ausschließlich orgontherapeutisch tätig waren. Aufgrund des leider weltweit nachlassenden Interesses an Reich lebt aber heutzutage kaum noch ein Arzt ausschließlich von Orgontherapie-Patienten. Die meisten behandeln mit 75% ihrer Kapazität psychiatrische Patienten ganz orthodox und verschreiben z.B. auch Medikamente, und nur ein Viertel ihrer Patienten kommt wegen Orgontherapie. Und diesen Anteil können sie vielleicht wieder auf 50% hochschrauben, seit sie auch Online-Orgontherapie mit weit entfernt wohnenden Patienten aus dem Ausland anbieten.

    Das ist für sich genommen ja nicht verwerflich und auch kein „Verrat“, und es ist ja auch nicht so, dass sie wissentlich „eine unzulängliche Therapie verkaufen“ würden. Mit den Online-Therapien offerieren sie ein zusätzliches Angebot, das man „kaufen“ kann oder nicht.

    Ich habe auch nicht geschrieben, dass Online-Orgontherapie Murks wäre, sondern habe nur meine persönlichen Vorbehalte bzw. die Risiken, die ich sehe, beschrieben. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass ich keinerlei persönliche Erfahrungen mit Online-Orgontherapie habe. Wenn einzelne Blogger hier Online-Orgontherapie machen, werden sie selber am besten beurteilen können, ob ihnen das hilft oder nicht. Wer bin ich, dass ich das in Abrede stellen würde?

    Ich kann nur – ähnlich wie Robert – sagen, für mich wäre das nix. Aber wenn es anderen hilft, why not?

    >>> Die „Harmonieformel“ (von Fantomas) könnte lauten: „Online-Orgontherapie ist besser als gar keine“

    Ich sehe schon: das politisch korrekte Denken ist mittlerweile auch bei Dir angekommen… 🙂

    • Avatar von Frank Frank Says:

      Vielen Dank, lieber Fantomas, für Deine langen, interessanten Darlegungen – und das Eingehen auf meine „Wenigkeit“ 😉
      Seit gut 20 Jahren bin ich sehr angesprochen von Peters Ausführungen. Weitergehend habe ich mich allerdings (bislang leider) nicht in die Lehre und Szene vertiefen können.
      Das war mir nicht bekannt: „…  behandeln mit 75% ihrer Kapazität psychiatrische Patienten ganz orthodox …“. Wenn man darüber etwas nachdenkt, ist das gut nachzuvollziehen – und mein „Verratsvorwurf“ löst sich gänzlich auf. Vielen Dank für die Information zu meiner Läuterung.

  4. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Lieber Frank,

    >>> Seit gut 20 Jahren bin ich sehr angesprochen von Peters Ausführungen.

    Peter ist ja auch der intellektuelle „Marktführer“ (dabei hat er gar keinen „Führerschein“…) der Orgonomie schlechthin! Für einen so schüchternen und wortkargen Zeitgenossen wie mich, der kaum zwei zusammenhängende Sätze zur Orgonomie stammeln kann, ist es ein „never ending miracle“, dass unserer Peter mit seinen bislang ca. 4.000 (!) Leitartikeln im „Nachrichtenbrief“ vermutlich mehr zur Orgonomie publiziert hat als Reich und alle anderen „Orgonomists“ zusammengerechnet. Wahnsinn! Chapeau, Peter!

    Abgesehen von Wissensgebieten wie vielleicht Maschinenbau-Ingenieurswesen, Informatik, Sinologie und Papyrologie gibt es in dieser Welt kaum irgendein Thema, zu dem sich Peter NICHT schon öffentlich seine orgonomischen Gedanken gemacht hat. 🙂

    Trotzdem empfinde ich Peters Rolle als DER führende Publizist der Orgonomie weltweit als etwas Tragisches. Er schreibt sich hier zwar seit vielen Jahren die Finger wund, bleibt aber stets ein „Rufer in der Wüste“ bzw. – wenn man von sporadischen Blog-Einträgen hier im Nachrichtenbrief absieht – „a voice without an echo“.

    Interessieren würde mich daher mal, von WELCHEN Ausführungen Peters Du Dich seit 20 Jahren so angesprochen fühlst, Frank? Speziell, wo Du doch, wenn ich Deine Andeutungen richtig verstehe, ansonsten keine näheren Bezüge zur Orgonomie zu haben scheinst.

    Was nun die Orgontherapie betrifft, so wünscht man sich als Reichianer natürlich seit Jahrzehnten eine größere wissenschaftliche Anerkennung. Dass der Reich-Schüler Dr. Elsworth Baker für das „Headquarter“ des American College of Orgonomy einst ein sehr teures Anwesen ausgerechnet im für seine hohen Immobilienpreise berüchtigten Princeton, New Jersey, gekauft hat (in z.B. West Virginia, Maine oder Wyoming hätte es vermutlich nur 30% gekostet), lag an der erklärten Absicht, die Orgonomie näher an die etablierten Wissenschaften heranzuführen – genauer gesagt, an die Princeton University, wo ja einst Albert Einstein gelehrt hat.

    Allerdings hat die akademische Welt nie ihre Berührungsängste gegenüber der Orgonomie verloren. Dass dies so ist, lag und liegt sicher v.a. auch an den zu unterschiedlichen wissenschaftstheoretischen Paradigmata. Z.B. sind die Wirkungen der psychiatrischen Orgontherapie mit den modernen (neo)positivistischen Kriterien der sogenannten „Evidence Based Medicine“ nur schwer messbar.

    Nehmen wir als Beispiel mal ein Studien-Design, wo von 300 Patienten mit einer „mittelgradigen depressiven Episode“ nach ICD-10: F 32.1 nach dem Zufallsprinzip jeweils ein Drittel mit 30 Sitzungen tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, ein Drittel mit 30 Sitzungen Verhaltenstherapie und das letzte Drittel mit 30 Sitzungen psychiatrischer Orgontherapie behandelt wird, und am Ende werden die Ergebnisse der drei Behandlungen gemessen und miteinander verglichen.

    Wenn man Anzahl und Ausmaß der noch verbliebenen depressiven Symptome bewertet, bin ich mir gar nicht mal so sicher, ob die Orgontherapie wirklich zu signifikant besseren Resultaten führt als die beiden anderen Therapieformen. Nach dem, was ich hier neulich über „Erstverschlimmerung“ und Reaktualisierung alter Krankheiten schrieb, kann es durchaus sein, dass es einzelnen Patienten rein auf der Symptomebene nach 30 Sitzungen Orgontherapie schlechter geht als z.B. nach 30 Sitzungen Verhaltenstherapie. Wenn man solche „mechanistischen“ Kriterien anlegt, ist die vermeintliche Überlegenheit der Behandlungsform Orgontherapie also schwer nachweisbar.

    Ähnlich schwierig gestaltet sich der empirische wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweis auch bei orgonbiophysikalischen Versuchsdesigns, also z.B. Orgonbestrahlung von Verbrennungen oder die Auswirkungen regelmäßiger Orgonakkumulator-Sitzungen auf rheumatische Schmerzen.

    Vor vielen Jahren hatte ich auf einer feuchtfröhlichen Feier einmal die Gelegenheit zu einem Gespräch über die Orgonomie mit einem der führenden Psychiater Deutschlands, einem Professor und Chefarzt einer prominenten Universitätsklinik. Dieser Mann erzählte mir mit spöttischem Gesicht, dass während seiner Studienzeit in seiner Studenten-WG ein Orgonakkumulator (!) stand, den alle Bewohner regelmäßig benutzten. Kommentar des allerdings schon alkoholisch angeheiterten späteren Professors: „Ich kann mich noch gut an diese Kiste erinnern. Es wurde einem total warm da drinnen, und wenn man raus kam, musste man ficken, ficken, ficken!“…

    Abgesehen von der Fragwürdigkeit solch einer Äußerung eines typischen gepanzerten „kleinen Mannes“ behauptete der Chefarzt, er stehe der Orgonomie gar nicht so ablehnend gegenüber, wie es Reichianer bei „Schulmedizinern“ immerzu unterstellen.

    Wir lebten nun aber, so fuhr der Professor fort, in der Welt der „Evidence Based Medicine“! Die Orgonomie solle also doch „einfach“ eine Reihe von kontrollierten empirischen Studien zu den Wirkungen der psychiatrischen Orgontherapie oder der Orgonakkumulator-Bestrahlung auf verschiedene Krankheiten durchführen und in anerkannten Fachzeitschriften publizieren, und wenn diese überzeugend positiv ausfielen, stünde der wissenschaftlichen Anerkennung der von der Orgonomie postulierten Phänomene „doch nichts mehr im Wege“.

    Das klingt ebenso logisch wie auch gleichzeitig etwas naiv. Argumentativ lässt sich gegen die Forderung des Professors aber nur schwer etwas einwenden.

    Die Frage ist „nur“, ob sich die Wirkungen der psychiatrischen und physikalischen Orgontherapie mit solch einem positivistischen wissenschaftstheoretischen Paradigma überhaupt messen lassen.

    Und selbst WENN sie sich messen lassen, so mangelt es der Orgonomie seit Jahrzehnten sowohl an „Man Power“ als auch an erheblichen finanziellen Mitteln, um solche anspruchsvollen empirischen Studien überhaupt in nennenswerter Zahl durchführen und publizieren zu können. Wir müssen uns halt immer vor Augen führen, dass die wenigen wissenschaftlichen Experimente, die in den letzten Jahrzehnten in orgonomischen Fachzeitschriften veröffentlich worden sind, fast ausnahmslos von ärztlichen Orgontherapeuten unentgeltlich in ihrer Freizeit durchgeführt wurden – also, ohne eine mächtige und finanzstarke Universitätsklinik mit all ihren technischen Geräten und all ihrem Personal (wie z.B. MTAs) udgl. im Rücken zu haben.

    Der leider verstorbene Orgonforscher Prof. Dr. James DeMeo war m.W. der einzige Reichianer weltweit, der in seinen Orgone Biophysical Research Laboratories vollzeitig forschen und publizieren konnte. Und selbst das ging nur deshalb, weil er zwei Mäzene bzw. Sponsoren hatte, die seinem Institut ganz erhebliche Geldmittel zufließen ließen.

    Trotz der o.g. Einschränkungen wundere ich mich, dass z.B. das American College (!) of Orgonomy in all den Jahrzehnten seines Bestehens m.W. nicht eine einzige, wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Studie (ja, noch nicht mal Statistiken über Behandlungsergebnisse) z.B. zu den Wirkungen psychiatrischer Orgontherapie auf bestimmte Krankheitsbilder publiziert hat! Und das macht es Kritikern natürlich leicht, die Orgonomie als „esoterische Spökenkiekerei“ abzutun – gleich dem o.g. Professor, der da sagen würde: „Wenn die Orgonomie es nicht auf die Reihe kriegt, für die von ihr postulierten Behandlungsverfahren einen empirischen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis zu erbringen, dann handelt es sich eben um KEINE Wissenschaft!“.

    Alles, was die Medical Orgonomists diesbezüglich in Jahrzehnten ihres Organs „Journal of Orgonomy“ publiziert haben, sind Einzelfallbeschreibungen wie z.B., dass und inwiefern der an einer schweren Panikstörung leidende 39jährige Chemiker XY stark von 50 Sitzungen Orgontherapie profitiert hat.

    Solche Berichte klingen oft eindrucksvoll und instruktiv und sind in didaktischer Hinsicht auch wertvoll. Einen wissenschaftlichen Nährwert hingegen besitzen solche „Einzelfall-Kasuistiken“ (wo obendrein auch noch der Behandler identisch ist mit dem Bewerter des „Outcomes“, was für Positivisten eh schon fragwürdig wirkt) allerdings leider kaum. Nach den heutigen wissenschaftlichen Standards wird ihnen höchstens die Beweiskraft einer „anekdotischen Evidenz“ zugebilligt, also praktisch fast gar keine.

    Damit komme ich zum Ende meiner Ausführungen.

    Es würde mich einmal sehr interessieren, wie die anderen Blogger hier (darunter m.W. auch Psychologen und andere Fachwissenschaftler) über die eminent wichtige Frage der empirisch-wissenschaftlichen Nachweisbarkeit z.B. der psychiatrischen und der physikalischen Orgontherapie denken?

    Ist solch ein Nachweis nach den Kriterien der heute vorherrschenden „Evidence Based Medicine“ überhauot möglich? Und wenn ja, wie?

    Oder ist er gar nicht erstrebenswert bzw. möglich, da Orgonomie und „Schulwissenschaft“ auf dem Boden schlichtweg inkompatibler wissenschaftlicher Paradigmata agieren?

    Eure Meinung dazu würde mich sehr interessieren.

    Ich persönlich glaube schon, dass die Orgonomie eine ganze Reihe von ebenso überzeugenden wie wissenschaftlich anerkannten Studien durchführen KÖNNTE. Allerdings bräuchte es dazu eben die nötigen Geldmittel, die technische Infrastruktur eines Forschungsinstituts sowie eine Reihe von gut qualifizierten Ärzten und Wissenschaftlern anderer Disziplinen, die sich dieser Forschungstätigkeit vollzeitig widmen könnten.

    Dazu jedoch wird es leider wohl nie kommen – und somit wird die Orgonomie (so lange es sie überhaupt noch gibt) auf ewig den Status einer mehr oder weniger „esoterischen Parawissenschaft“ bzw. einer speziellen „Wissenschaft NEBEN den anerkannten Wissenschaften“ behalten.

    Ich bedaure das sehr, sehe aber ehrlich gesagt keine Alternative dazu. Aber vielleicht hat ja von Euch jemand Ideen, wie man den wissenschaftlichen Status der Orgonomie (von deren „Wahrheit“ und Relevanz ich heute mehr denn je überzeugt bin…) anheben könnte?

    • Avatar von claus claus Says:

      „Dazu jedoch wird es leider wohl nie kommen – und somit wird die Orgonomie (so lange es sie überhaupt noch gibt) auf ewig den Status einer mehr oder weniger ‚esoterischen Parawissenschaft‘ bzw. einer speziellen ‚Wissenschaft NEBEN den anerkannten Wissenschaften‘ behalten.“

      Ich habe immer Schwierigkeiten mit der Rede von ‚der Orgonomie‘, anstatt von der Behandlung der betreffenden Phänomene  in DER Wissenschaft zu sprechen. Denn eine Entdeckung liefert einen Gegenstandsbereich, nicht aber eine neue Wissenschaft – auch dann nicht, wenn sich mit dieser Entdeckung neue Perspektiven auf andere Bereiche eröffnen. Das Problem habe ich also schon mit WR. Aber das ist nicht sehr wichtig. Tja, Beweisführung hängt von den elenden wissenschaftstheoretischen Grundlagenfragen ab, und dabei wird es in der Tat auch an den Popper’schen Ansprüchen scheitern: Formuliere eine Theorie mit Testimplikation „A nur dann, wenn B“, widerlege B und somit A. Dafür sind die Orgonphänomene zu breit gestreut. Aber zentrale Experimente wie SAPA mit Dokumentation: Wurde das jemals mit den bekannten dramatischen Resultaten wiederholt, oder scheiterte das schon daran, dass der Sand jeweils nicht genau der von WR verwendete war? Ich selbst staune bloß immer, wie sehr der ORAC je nach Wetterlage wirkt. Und eben die Lust am Ausprobieren vor dem Hintergrund der Schilderungen Reichs aus den 30ern bis 50ern kann man Desinteressierten nicht vermitteln.

    • Avatar von claus claus Says:

      Würde eine aufwendige Studie etwas bringen? Was hat Gebauer/Müschenich gebracht? Man muss sich jenseits von Wissenschaft(lichkeit)sgetue jeweils selbst überzeugen und das wollen.

    • Avatar von Frank Frank Says:

      „Interessieren würde mich daher mal, von WELCHEN Ausführungen Peters Du Dich seit 20 Jahren so angesprochen fühlst, Frank? Speziell, wo Du doch, wenn ich Deine Andeutungen richtig verstehe, ansonsten keine näheren Bezüge zur Orgonomie zu haben scheinst.“

      Ich hatte die letzten Kommentare zu diesem Eintrag ganz übersehen, deshalb schreibe ich erst jetzt.

      Ich bin durch seine Analyse des „Blauen Faschismus“ auf Peter gekommen. In mir wohnten zuvor lange Zeit zwei (unvereinbare) Seelen, besser Sehnsüchte (sicherlich biographisch bedingt stand ich leider „nie richtig im Leben“): Der „Yoga-Geistige-Mensch“ und der „Tänzer-Freudige-Mensch“. Peter hat mich sozusagen aus dem Irrweg der „Askese“ gerettet. Vorher laß ich nie vergleichbar Erklärendes, Aufklärendes.

      Doch, ich bin an allen Orgonomie-Themen sehr interessiert (die „speziellen“ Themen konnte ich bislang leider nie vertiefen – und lasse sie deshalb fast immer links liegen), vor allem aber an den „eingängigen, populären“. Peter erklärt mir die Welt. Es kommt mir fast so vor, als würde Peter denken, formulieren und aussprechen, was in mir „eh schon (im Keim) vorhanden“ ist.

      Ich bin sozusagen „verkümmert“, habe aber, glaube ich, ein gutes Gespür für das „Schöne, Wahre, Gute“.
      Und das „Richtige“. Und deshalb für die Orgonomie und Peter.

      Die „medizinischen“ Bereiche Blockaden und Sexualität waren mir schon lange vor der „Begegnung“ mit Peter gegenwärtig, aus der Konfrontation mit meinen Problemen.

      „… ca. 4.000 (!) Leitartikeln im „Nachrichtenbrief …“.
      Seine Bücher kommen noch dazu.
      Und auch seine vornachrichtenbrieflichen Werke.

  5. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hab vielen Dank für Deine offenen und interessanten Anmerkungen, Frank!

    Wenn man Deine Gedanken liest, möchte man natürlich gerne mehr darüber wissen, wie Du zu Peters Ausführungen zum „Blauen Faschismus“ gekommen bist, was Du beruflich machst usw. Allerdings stößt man da hier im Nachrichtenbrief-Blog irgendwann an eine natürliche Grenze, da ja die meisten Blogger hier unter Pseudonym schreiben und ihre Identität nicht im Internet outen möchten. Mich selbst eingeschlossen, denn es könnte mir beruflich enorm schaden, wenn manche meiner wertenden Kommentare hier unter meinem Klarnamen erscheinen würden.

    FALLS Du (oder jemand anderes hier) mir jedoch auf einer etwas persönlicheren Ebene und im geschützten Rahmen etwas mitteilen möchtest, so besteht die Möglichkeit, eine Email an Peter zu schicken, die er dann an mich weiterleiten würde. So viel dazu.

    Mit Deinem Diktum „Peter erklärt die Welt“ hast Du sehr gut den Nagel auf den Kopf getroffen – siehe dazu meinen parallelen Beitrag im Thread über Peters Vergesslichkeit.

    Peter und ich machen manchmal Scherze darüber, dass er als brennender Kritiker der gegenwärtigen Politik und gesellschaftlichen Kultur doch endlich „vom Wort zur TAT“, also zur „Machtergreifung“ schreiten müsse… 🙂

    Ganz nach dem berühmten Motto (angelehnt an Marx´s 11. These über Feuerbach“): „Die bisherigen Orgonomen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern„.

    Und ich habe mich in „vorauseilendem Gehorsam“ schon angeboten, dann nach dem Vorbild der berühmten „Mao-Bibel“ die „Worte des großen Vorsitzenden Peter N.“ in Taschenbuchform zu fassen, so dass unter dem Sonnenkönig Peter dem Ersten dann seine wichtigsten Erkenntnisse und Parolen täglich im Schulunterricht und im Staatsfernsehen verlesen werden können – zur Belehrung des unwissenden bzw. rot-grün verblendeten Volks 🙂

    Wobei allerdings allein schon das Quellenstudium eine veritable Sisyphus-Arbeit darstellt – extrahiere mal aus über 4.000 Leitartikeln im Nachrichtenbrief nur die aller wichtigsten Sentenzen!

    Die älteren von uns werden sich vielleicht noch erinnern, dass zu Zeiten der Sowjetunion das sprichwörtliche „Radio Eriwan“ ein geflügeltes Wort bzw. ein „running gag“ war. Jeder Bürger konnte jede beliebige Anfrage an die Regierung stellen, und die regierungsamtliche Antwort erfolgte dann in der täglichen Sendung bei „Radio Eriwan“. Wobei jede Antwort immer mit einem „Im Prinzip ja, ABER…“ begann… 🙂

    Aber mal Scherz beiseite. Wie ich in meinem o.g. anderen heutigen Kommentar schon dargelegt habe, irritiert und befremdet es mich gleichermaßen, dass Peter einen solch exzessiven Mitteilungsdrang und ein solches Selbstbewusstsein – und natürlich ein solch enormes Wissen – hat, dass er seit Jahrzehnten tagtäglich das Bedürfnis verspürt, „dem Volk die Welt erklären“ zu wollen.

    Und es gibt kaum irgendein Thema, zu dem Peter NICHT etwas Fundiertes zu sagen hat.

    Bei Dir z.B. klingt es ja fast so, als ob die Lektüre von Peters Beiträgen Dein Weltbild verändert hat, richtig?

    Das geht wohl vielen Lesern so. Oder Peter fasst etwas in Worte, was der Leser selbst schon gedacht oder gespürt hat.

    Und dennoch – oder gerade deswegen – empfinde ich es als traurig (siehe mein Bild vom „einsamen Rufer in der Wüste“), dass Peters zum Teil wirklich geniale Gedanken wohl, abgesehen von der „Nischenexistenz in der Bubble Nachrichtenbrief“, nirgendwo jene inhaltliche Würdigung zuteil werden wird, die ihnen eigentlich gebühren würde. Zumal – auch nach MEINER festen Überzeugung – die Orgonomie potentiell vielleicht die einzige verbliebene Rettung dieser ökologisch, wissenschaftlich und gesellschaftlich kaputten Welt darstellen könnte.

  6. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Tippfehler!

    Es sollte heißen „FASZINIERT und befremdet“, nicht „irritiert und befremdet“…

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