Posts Tagged ‘Diagnose’

Charles Konia, Analytiker des Zeitgeschehens

8. Oktober 2018

Es ist wie in der Psychiatrie: man kann ein und denselben Patienten mit vier, fünf, sechs alternativen oder ergänzenden Diagnosen zu fassen versuchen, doch letztendlich sind sie vollkommen irrelevant. Sie sind kaum mehr als eine Umschreibung der Symptome, die dem jeweiligen Behandler gerade auffallen. Der eigentliche Patient, sein CHARAKTER, der behandelt werden müßte, kommt dabei nie in den Fokus. Genauso mit derartigen küchenpsychologischen „Analysen“, was Politiker und Nationen antreibt. Der eine gibt das zum besten, etwa das Amerika immer mehr von fundamentalistischen Christen bestimmt wird, der andere jenes, etwa das Amerika seine christliche Seele verliert. Einfach nur ein haltloses Blablabla a la Erich Fromm und all den anderen. Während das eigentliche Geschehen von niemanden gesehen wird.

Beispielsweise wird gerne der „McCarthyismus“ angepangert. Tatsächlich sind nur eine handvoll Kommunisten ins Gefängnis gewandert, während die kommunistische Unterwanderung Amerikas ungehindert voranschritt. Siehe dazu beispielsweise Dr. Konias Ausführungen morgen, wo er sich auch mit dem schwarzen Faschismus in unserer Zeit beschäftigt.

Donald Trump und die Libidotheorie

7. Dezember 2016

Die Schulpsychiatrie stellt Trump als perfektes Beispiel der „narzißtischen Persönlichkeitsstörung“ hin (die u.a. zu Depressionen neigen kann), für die Orgonomie ist Trump ein „oral unbefriedigter phallisch-narzißtischer Charakter“, d.h. ein Phallischer Narzißt mit einer oralen Blockierung aufgrund von Nichtbefriedigung. Er ist ein Mensch mit einer schwerwiegenden Blockierung der oralen Libido. Zwar konnte er trotzdem eine frühe Ausprägung der Genitalität erreichen, den phallischen Narzißmus, doch wird diese von unbefriedigten oralen Strebungen überlagert. Beide Diagnosen, die gängige und die orgonomische, gehen auf Reichs Arbeit zurück, die erstere modifiziert in den 1960er Jahren durch Otto F. Kernberg und Heinz Kohut, die letztere zur gleichen Zeit durch Elsworth F. Baker.

Der Unterschied ist, daß die gängige Diagnostik rein deskriptiv ist, sowie zu allgemein und gleichzeitig zu spezifisch. Was verlorenging war eine Betrachtung von der Libido her, in diesem Fall die phallische und die orale Libido. Das führt dazu, daß willkürlich alles „selbstbewußte Verhalten“ als „narzißtisch“ pathologisiert werden kann und gleichzeitig nur sehr starke Ausprägungen von Narzißmus überhaupt diagnostiziert werden. Man muß schon schrille Symptome zeigen, um die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zu erhalten. Die Diagnose wird von den Symptomen abhängig und verliert dadurch jeden therapeutischen Wert, da derjenige, der nicht auffällig ist, als „gesund“ eingeschätzt wird – und Gesunde als pathologisch. Eine bio-psychiatrische Diagnostik im Sinne Reichs hingegen sagt zukünftiges Verhalten voraus, da sie die Psychodynamik erfaßt, während die gängige Diagnostik nur eine statische und denkbar oberflächliche Klassifikation darstellt und kein Kriterium für Gesundheit hat.

Man betrachte eine beliebige „Tunte“ mit ihrem affektierten Manierismen, identifiziere sich mit ihr und verhalte sich genau wie sie. Unmittelbar wird man die „klebrige“ anale Abwehr gegen das bedrohliche („kastrierende“) Phallische spüren. Sodann übertreibe man das gängige männliche Verhalten, „zackig“, dominant und aggressiv. Man wird unmittelbar spüren, was „Abwehr der analen Unterwerfung“ bedeutet. Bei Menschen wie Trump wird diese phallische Position, die ständig mit entsprechendem großspurigem Auftreten aufrechterhalten werden muß, von oralen Strebungen überlagert. Wurden diese in der libidinösen Entwicklung unterdrückt, entwickelt sich ein chronisch depressiver Zug mit einer entsprechenden asketischen und buchstäblich „maulfaulen“ Grundhaltung. Kam es zu einer nur teilweisen Unterdrückung, entwickelt sich eine „manisch-depressive“ Symptomatik mit einer Tendenz zu Suchtverhalten und einem „haltlosen Mundwerk“. Das Suchtverhalten hat Trump zeitlebens mit strenger Disziplin und einem schier unmenschlichen Arbeitspensum stets unter Kontrolle gehalten. Aber unbedachte Äußerungen und ein Hang zu unüberlegten Handlungen hätten ihm beinahe seine Präsidentschaft gekostet. Die ungenügende orale Panzerung kann, wenn sie plötzlich nachgibt, zur sporadischen Überflutung des okularen Segments mit Energie und entsprechend irrationalem Verhalten führen („Manie“).

Die gängige Diagnostik („narzißtische Persönlichkeitsstörung“) ist abstrakt und kaum mehr als eine Denunziation. Die auf der Libidotheorie gründende Diagnostik ist unmittelbar nachvollziehbar und praktikabel: man weiß unmittelbar, wo es bei Trump problematisch wird. Es dreht sich alles um die brüchige Männlichkeit des Phallischen Narzißten und um Sprunghaftigkeit aufgrund einer oralen Panzerung, in der die Nichtbefriedigung des Säuglings bis heute fortwirkt.

Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

1. November 2016

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Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

Der Hintergrund der deutschen Orgonomie

Diagnose

18. Oktober 2016

Rainer Tölle in seinem klassischen Psychiatrie-Lehrbuch: „Wie jede Behandlung setzt auch die Verhaltenstherapie eine exakte Diagnostik voraus.“

Dazu muß man Möchtegern-„Orgontherapeuten“ erlebt haben, die mir ins Gesicht gesagt haben, daß in der Orgontherapie „eine Diagnose nicht so wichtig ist“. In jedem anderen medizinischen Fach wäre eine derartige Aussage lachhaft bis zum Gehtnichtmehr. Aber wenn es um die Orgonomie geht, maßen sich Nicht-Psychiater an derartige Aussagen zu treffen.

Was bedeutet Diagnostik im Bereich der orgonomischen Psychiatrie? Schlicht die Panzerstruktur, d.h. die Rolle der chronischen Muskelverspannungen im Gesamtorganismus. Es geht bei der „bio-psychiatrischen“ Diagnose also auch um die psychische Entwicklung und das aktuelle Verhalten. Die Diagnose bestimmt dann die Therapie.

Siehe dazu Vittorio Nicola und die Zeitschrift für Orgonomie.

„Reichianische Körperpsychotherapie“ und Psychiatrische Orgontherapie

17. August 2016

Therapeuten, die nicht wissen, was sie tun, nehmen aus Unsicherheit zu dramatischen Interventionen Zuflucht. In der „Körperpsychotherapie“ sind das etwa „Streßpositionen“ nach Alexander Lowen oder direkte körperliche Interventionen, um die Panzerung „aufzubrechen“. Es wird strengen Vorgaben gefolgt, wie der Patient zu liegen hat, wie er Arme und Beine zu halten hat, wie er zu atmen hat, etc. All das soll überspielen, daß der Therapeut nicht weiß, was er tut, und nicht mal eine Diagnose hat stellen können. Seine Unsicherheit überspielt er mit Show und Action.

Die Orgontherapie beruht darauf, daß der Therapeut eine biopsychiatrische (= auf der Struktur der Panzerung beruhende) Diagnose gestellt hat und sich der jeweiligen Blockaden seines Patienten bewußt ist, die dem vollständigen Orgasmusreflex (= der Fähigkeit des Organismus als Einheit zu funktionieren, ganz, d.h. gesund zu sein) entgegenstehen. Daraufhin versucht er die Blockaden auf geordnete Art und Weise aufzulösen. „Geordnet“ meint hier, daß jede Blockade eine Funktion hat, die erkannt werden muß, bevor man sich daran macht sie zu beseitigen. Ansonsten kann es nämlich zu einem Desaster kommen. Man muß wissen, was man tut, bevor man einem Krüppel seine Krücke wegschlägt!

Ein neutraler Beobachter wird sich wahrscheinlich darüber wundern, daß die Interventionen des Orgonomen selten sind und zu einem Gutteil konventionell wirken, jedenfalls im Vergleich zum theatralischen Aktionismus des „Reichianischen Therapeuten“. Der eine bleibt gelassen, weil er weiß was er tut, d.h. wie er den weitgehend autonom verlaufenden Heilungsprozeß („Ganzwerdungsprozeß“) anregen und aufrechterhalten kann, der andere kompensiert seinen Amateurstatus mit hektischem, „zersplitterndem“ Engagement und – zerstört die Selbstregulation des Patienten endgültig.

Ich verweise auf die denkbar eingehende Beschreibung der Orgontherapie auf www.w-reich.de.

Das Elend der gegenwärtigen Psychiatrie

26. Januar 2016

Michaela Filiou et al. vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie (München) konnten vor kurzem zeigen, daß ein verbesserter Schutz der Mitochondrien, „die Kraftwerke der Zellen“, eine angstlösende Wirkung zeitigt.

Zunächst ist bemerkenswert, wie das Max-Planck-Institut seinen Bericht einleitet:

Über die biologischen Mechanismen, die Angststörungen zugrunde liegen, ist wenig bekannt. Demzufolge setzen gegenwärtige therapeutische Ansätze eher bei den Symptomen als bei den zugrundeliegenden Mechanismen an.

Nun, für Reich war Angst funktionell identisch mit bioenergetischer Kontraktion. Man denke an das sprichwörtliche zusammengekauerte „ängstliche Häschen“. Chronische Ängstlichkeit mit einer chronischen bioenergetischen Kontraktion, bei der es zu einer ständigen Erregung des Sympathikus kommt. Entsprechend sprach er von „Sypathikotonie“. Ihr zentraler Mechanismus ist die „Atemsperre“, d.h. die verminderte Versorgung des Organismus mit Sauerstoff, da der Neurotiker nicht frei atmen kann. Diese „Atemsperre“ bestimmt den Organismus als Ganzem, d.h. in den Geweben bis hinunter zur zellulären und subzellulären Ebene. Ich verweise auf Reichs „Bione“ und seine Krebsforschung (Die Entdeckung des Orgons: Der Krebs). In der Orgontherapie soll dieser umfassenden Kontraktion des Organismus durch körperpsychotherapeutische Auflösung der Atemsperre (Bewußtmachen von Haltung und Verhalten sowie direktes Angehen der chronisch kontrahierten Muskulatur, die ein freies Atmen unmöglich macht) und durch die vagotone Wirkung des Orgonenergie-Akkumulators, der das Körpergewebe auflädt, entgegengewirkt werden.

Filiou erklärt die Forschung am Max-Planck-Institut wie folgt:

Wir haben bereits früher herausgefunden, daß hochängstliche Mäuse molekulare Veränderungen in ihren Mitochondrien aufweisen. Jetzt haben wir gezeigt, daß die Behandlung mit einem Präparat, das diese mitochondrialen Veränderungen umkehrt, ihre Angst reduziert.

Dieses Präparat zum Schutz der Mitochondrien nennt sich „MitoQ“, ein Antioxidans. Möglicherweise wird es eines Tages zur Behandlung von Angsterkrankungen eingesetzt werden.

Das Problem ist natürlich, daß diese Forscher wegen ihres mechanistischen Ansatzes kein Gesamtkonzept der organismischen Zusammenhänge entwickeln können und deshalb praktisch blind an irgendwelchen Stellschrauben herumhantieren, deren Neujustierung unerwartete, vielleicht verheerende Folgen haben kann. Das eine Symptom, hier die Angststörung, mag verschwinden, doch tatsächlich verlagert sich vielleicht die gesamtorganismische Schädigung nur in andere Bereiche.

Medizin beruht auf einer Diagnose und einer entsprechenden Behandlung. Magengeschwüre werden mit Antibiotika behandelt, Grauer Star mit einer Augenoperation, etc. Die Ursachen für die Beschwerden werden beseitigt und der Organismus funktioniert wieder wie zuvor. So einfach ist das.

Genauso ist es mit emotionalen Störungen, etwa wiederkehrenden Panikattacken. Sie beruhen auf unterdrückten, im Brustsegment festgehaltenen Emotionen. Die Brustatmung wird mobilisiert, die zurückgehaltenen Emotionen ausgedrückt – und die Panikattacken kehren nicht zurück. So einfach ist das.

Die mechanistische Psychiatrie hat jedoch keinen Zugang zu den Emotionen. Das sieht man allein schon daran, daß nichtssagend von „psychischen Störungen“, statt „emotionalen Problemen“, gesprochen wird. Man versucht die „Kognitionen“ zu verändern, die „Hirnchemie“ wird mit Drogen („Psychopharmaka“) beeinflußt oder es werden die angeblichen Ursachen in der Kindheit aufgedeckt – was ungefähr so sinnvoll ist, als versuchte man bei somatischen Erkrankungen, etwa bei Gallensteinen, „die Einstellung“ der Patienten zu ändern. Die aktuelle Ursache für die auftretenden emotionalen Symptome, nämlich die Panzerung, wird nicht berührt und vielleicht sogar weiter verstärkt!

Zweifellos: vielen Menschen wird trotzdem mit Psychotherapie und Psychopharmaka bei ihren „psychischen“ Problemen geholfen, doch bleibt es ein elendes „Herumdoktern an den Symptomen“, ohne daß die eigentliche Ursache, die blockierten Emotionen, jemals berührt wird. Beispielsweise scheinen die Antipsychotika der letzten Generation wirklich bei fest umrissenen Problemen zu helfen, insbesondere bei Schizophrenie, aber die Psychiater stochern dermaßen im Dunkeln, daß sie sie, trotz teilweise schwerwiegender möglicher Nebenwirkungen (Gewichtszunahme, Diabetes, Herzerkrankungen), für alle möglichen „psychischen“ Probleme verschreiben. „Irgendwie“ wird es schon helfen!

Forscher von der Stanford University School of Medicine und der University of Chicago stellen fest, daß für viele Verschreibungen von atypischen Neuroleptika kaum ein Wirkungsnachweis vorliegt. Trotzdem werden sie in steigendem Maße für andere Psychosen als Schizophrenie, Autismus, bipolare Störungen, Delirium, Demenz, Depression und Persönlichkeitsstörungen angewendet. Während sie für einige Krankheitsbilder vielleicht tatsächlich indiziert sind, sind sie es für andere eindeutig nicht.

Nach den systematischen Erhebungen der US-Forscher wurden 2008 mehr als die Hälfte aller atypischen Neuroleptika für Beschwerden verschrieben, für die gar kein Wirkungsnachweis vorliegt.

Das ist keine Medizin mehr, auch keine „mechanistische Medizin“, sondern schlichtweg Quacksalberei.

Noch weiter geht der dänische Facharzt für Innere Medizin Peter Gøtzsche, dem zufolge sämtliche Psychopharmaka mehr Schaden als Nutzen bringen und von der Pharmaindustrie auf der Grundlage manipulierter Daten auf den Markt geworfen wurden. Reich sprach im Zusammenhang mit der Pharmaindustrie über den „chemischen Modju“. Gøtzsches Buch trägt den Titel: Tödliche Psychopharmaka und organisiertes Leugnen. Wie Ärzte und Pharmaindustrie die Gesundheit der Patienten vorsätzlich aufs Spiel setzen.

Die Bedeutung einer korrekten Diagnose

27. April 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Adam Stewart: Die Bedeutung einer korrekten Diagnose

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Die biologische, psychologische und soziologische Struktur des Menschen (Teil 2)

9. Januar 2015

In einer Orgontherapie wird der Charakter behandelt. Folglich muß am Anfang der Behandlung eine Diagnose stehen, eine „Charakterdiagnose“. Zur Klassifikation bieten sich die Zustände der Orgonenergie an (OR, ORANUR, DOR) oder ihre pulsatorische Bewegung (die E-Motionen: Lust, Angst, Wut, Sehnsucht, Trauer). Da wir es aber mit der Charakter-Struktur zu tun haben, sind die sieben Panzersegmente naheliegender (Augen, Mund, Hals, Brust, Zwerchfell, Bauch, Becken).

Tatsächlich beruht Reichs provisorische Aufteilung der Charaktere in seinem Buch Charakteranalyse auf den Vorarbeiten Freuds und anderer Psychoanalytiker (Jones, Abraham, etc.). Diese gingen von den erogenen Zonen bzw. erogenen Stufen aus. In der Entwicklung werden nacheinander die oralen, analen und genitalen „Zonen“ libidinös besetzt. Hemmungen in der Entwicklung führen zum „analen“ Zwangscharakter. Es ist nur folgerichtig diese Vorstellung mit Panzerung im Kopf- und Beckenbereich zu verbinden.

Reich stellte sich die Situation zur Zeit von Charakteranalyse wie folgt dar, wobei es jeweils um die Bewältigung des ödipalen Konflikts geht:

  • Rückkehr zum infantilen Sexualobjekt mit Verbleib auf der genitalen Stufe. Flucht vor dem Sexualobjekt: Hysterie
  • Rückkehr zur infantilen Sexualität (anale Stufe): Zwangsneurose
  • Abwehr der Rückkehr zur Analität mit Verbleib auf der phallischen Stufe: phallischer Narzißmus

Die letztere Charakterstruktur wurde 1926 von Reich selbst in die Psychoanalyse eingebracht. Von diesem Gerüst ausgehend und mit Rückgriff auf den von Reich zusätzlich beschriebenen passiv-femininen Charakter, den masochistischen Charakter und (später) den schizophrenen Charakter hat Elsworth F. Baker die orgonomische Charakterologie entworfen. Dazu hat er eine weitere libidinöse Stufe postuliert: die okulare. Die dreizehn wichtigsten Charaktere werden im folgenden frei nach Bakers Der Mensch in der Falle schematisch präsentiert:

charakter13

Wir haben:

  1. reiner hysterischer Charakter
  2. hysterischer Charakter mit einem verdrängten oralen Block
  3. hysterischer Charakter mit einem unbefriedigten oralen Block
  4. reiner phallischer Charakter
  5. phallischer Charakter mit einem verdrängten oralen Block
  6. phallischer Charakter mit einem unbefriedigten oralen Block
  7. chronisch-depressiver Charakter
  8. manisch-depressiver Charakter
  9. Zwangscharakter
  10. masochistischer Charakter
  11. passiv-femininer Charakter
  12. paranoid-schizophrener Charakter
  13. kataton-schizophrener Charakter

Es gibt weitere Charaktere, aber die sind „mangels Patientenmasse“ nur von akademischem Interesse. (Selbst der masochistische Charakter kommt wohl eher selten vor und wird hier nur wegen seiner Bedeutung für die Geschichte der Orgonomie aufgelistet!)

Die im obigen Schema skizierte Charakterologie ist nicht am Schreibtisch, sondern seit Ende des vorletzten Jahrhunderts sukzessive in der Klinik entstanden. Beispielsweise könnte man fragen, warum es keine „oralen Charaktere“ gibt dafür aber „anale Charaktere“. (Tatsächlich gibt es einen „oralen Charakter“, aber der ist nur bedingt überlebensfähig und wird kaum zur Psychotherapie gehen!) Oralität spielt in der obigen Aufstellung offensichtlich eine zentrale Rolle, insbesondere in der Depression, aber anders, als man das sich aus abstrakter Warte vorstellen würde. Nochmals: das hat sich niemand so ausgedacht, sondern es ist historisch gewachsen und hat sich immer wieder bewährt. Hier sei nur angeführt, daß die fünf libidinösen Stufen (okular, oral, anal, phallisch und genital) qualitativ nicht gleichwertig sind und allein schon von daher eine „logischere“ Aufstellung Unsinn wäre! Leitfaden ist dabei die Orgasmustheorie.

Nehmen wir dazu die obige Liste: Die Charaktere 2 und 3 müssen von ihren prägenitalen Anteilen befreit und dann der Charakter 1 zu einem erwachsenen Sexualobjekt hingeführt werden. Ähnlich sieht es bei den Charakteren 5, 6, 7, 8, 9, 10 und 11 aus: der phallische Narzißt (Charakter 4) muß seinen Ödipuskomplex überwinden, nachdem er sich von seiner Oralität bzw. Analität befreit hat, wobei die analen Charaktere die phallische Stufe in ihrer Entwicklung kaum ganz besetzt hatten. Bei Charakter 12 läuft nach der Beseitigung des okularen Blocks alles wie bei Charakter 4 ab, bei Charakter 13 ist es entsprechend Charakter 9. Es geht jeweils darum, zunächst die prägenitalen (präödipalen!) Konflikte zu bearbeiten, bis man zum ödipalen Kern der psychischen Biopathien und damit zur orgastischen Impotenz vordringen und diese beseitigen kann.

Was nun die soziopolitische Charakterologie betrifft: bei ihr geht es um zwei Arten der Abwehr, die jeweils sozial weitreichende Folgen haben. Der Neurotiker (und Psychotiker) leidet gewöhnlich still vor sich hin. Schlimmstenfalls kommt es zu Familiendramen oder entsprechenden Vorkommnissen am Arbeitsplatz. Der soziopolitische Charakter hingegen stellt sein neurotisches Gleichgewicht her, indem er praktisch die gesamte Gesellschaft instrumentalisiert.

Es gibt prinzipiell zwei Arten von Menschen: die einen bewältigen das menschliche Zusammenleben durch ständiges „Intellektualisieren“, die anderen mit körperlicher Gewalt. Die einen zerreden alles, lenken von den gegebenen Problemen ab, indem sie „grundsätzliche“ Gesichtspunkte anbringen, sie relativieren und setzen alles „in Perspektive“. Man denke nur, wie die Gewalt und das teilweise unmögliche Verhalten von sogenannten „Migranten“ solange „wegdiskutiert“ wird, bis sich die Opfer dieser Gewalt und dieses Verhaltens schuldig fühlen. Die andere Seite, die Rechte, scheint hingegen wie blind für die Umstände der Migranten zu sein: für sie sind es nur „Kanaken“ und man möchte seine Ruhe haben. Auch wenn keine körperliche Gewalt ausgeübt wird, man spürt doch die Atmosphäre „geballter Fäuste“, die zum Kampf kontrahierte Körpermuskulatur.

Man vergleiche etwa die verkopfte, wirre Reaktion der linksliberalen Liberation auf den Terroranschlag in Paris mit der offen bellizistischen des konservativen Figaro:

KOPFABWEHR: Die Fanatiker verteidigen keine Religion, weil Religion tolerant sein kann (sic!), und sie verteidigen nicht die Muslime, die in ihrer überwältigenden Mehrheit mit Entsetzen auf diese niederträchtigen Morde reagiert haben. Die Fanatiker greifen die Freiheit an. Der Gegner ist der Terrorismus, nicht der Islam, der Gegner ist der Fanatismus, keine Religion, und der Gegner ist der Extremismus. Der hat nichts zu tun mit unseren muslimischen Mitbürgern.

MUSKELABWEHR: …einem Krieg des islamischen Fanatismus gegen den Westen, gegen Europa und gegen die Werte der Demokratie. Dieser Kampf wird nicht aus dem Verborgenen geführt, sondern von organisierten Killern, deren gelassene Brutalität uns das Blut in den Adern gerinnen läßt. Zu lange sind wir im Namen eines irregeleiteten Humanismus unseren schlimmsten Feinden entgegengekommen. Gegen diese Fanatiker, die sich offen gegen unser Land und unsere Sicherheit verschwören, müssen wir hart durchgreifen. Wenn es Krieg gibt, muß man ihn gewinnen.

Alle ach so intellektuellen Auseinandersetzungen lassen sich auf das alltägliche „Abwehrverhalten“ zweier Typen von Neurotikern reduzieren: die einen zerreden bei alltäglichen Konflikten alles, die anderen werden sofort gewalttätig oder drohen zumindest damit. Man denke nur an zwei denkbar unterschiedliche Milieus im heutigen Deutschland: das grün-rote Milieu („das müssen wir ausdiskutieren“) auf der einen und das türkische Milieu („was guckst du?“) auf der anderen Seite. Politik kann nur ein Psychiater wirklich verstehen.

Was hier in das gesellschaftliche Leben überschwappt sind direkte Ausläufer des ödipalen Konflikts. Die linke Seite, mit ihrer intellektuellen Abwehr, rebelliert gegen den Vater, will ihn beseitigen und nimmt aus der Todesangst des im Vergleich unendlich Schwachen Zuflucht zum Intellekt („David gegen Goliath“). Die rechte Seite, mit ihrer muskulären Abwehr, wetteifert nur mit dem Vater. Das führt dazu, daß die Linke (in unserem obigen Vergleich) alles tut, um die Nation zu untergraben, während die Rechte ganz im Patriotismus (!) aufgeht. Im Extrem mündet beides im Faschismus (rot bzw. schwarz). Entscheidend ist, daß dies alles nichts mit realen und aktuellen Problemen zu tun hat, sondern mit zwei unterschiedlichen Abwehrmöglichkeiten des weit zurückliegenden ödipalen Konflikts.

Diese soziopolitische Aufstellung, die man weiter aufteilen kann, wie Baker es getan hat, hat sich ebenfalls niemand ausgedacht, sondern sie ist gewachsen. In jeder demokratisch verfaßten Gesellschaft bildet sich ein politisches Spektrum aus, das in seinen Grundzügen diese beiden Arten der neurotischen Abwehr widerspiegelt. Reale Interessenkonflikte sind nur vorgeschoben und spielen, wie Reich bereits 1933 in seiner Massenpsychologie des Faschismus ausgeführt hat, nicht die entscheidende Rolle.

Zusammenfassend kann man sagen, daß psychische Biopathien auf der Panzerung im Kopf- und Beckenbereich beruhen und soziale Biopathien darauf, wie der Organismus in seiner Gesamtheit die Orgasmusangst abwehrt (intellektuell oder muskulär). Die somatischen Biopathien beruhen sowohl auf der Panzerung beliebiger Segmente (insbesondere ist das Zwerchfellsegment zu nennen) sowie auf der Längsbewegung der Orgonenergie (energetisches Orgonom) und ihrer Erstrahlung. Sie haben keine unmittelbare Beziehung zum ödipalen Konflikt, weshalb hier der Begriff „Charakter“ keinen Platz hat.

Emotionale Gesundheit: Die medizinische Orgontherapie im Vergleich zu anderen Verfahren (Teil 5)

4. Januar 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Richard Schwartzman: Emotionale Gesundheit: Die medizinische Orgontherapie im Vergleich zu anderen Verfahren (Teil 5)

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Der affektblockierte Wellensittich auf der Orgoncouch

18. Dezember 2014

Der heutige Mensch ist gepanzert. Die Panzerung setzt sich aus sieben Segmenten zusammen: Augen-, Mund-, Hals-, Brust-, Zwerchfell-, Bauch- und Beckensegment. Die obersten beiden Segmente und das Beckensegment enthalten die Sinnesorgane, d.h. die Organe mit der wir mit der Umwelt in Kontakt treten. Das Genital ist gewisserweise ebenfalls ein „Sinnesorgan“. Im Anschluß an Freud spricht man von den erogenen Zonen: okular, oral, anal, phallisch und genital. Die Frustration der natürlichen oralen und genitalen Strebungen führt möglicherweise zur Aktivierung unnatürlicher (okularer, analer und phallischer) Strebungen und zur Fixierung auf einer dieser fünf Entwicklungsstufen, was mit einer entsprechenden Panzerung im Augen-, Mund- und Beckensegment einhergeht. Diese komplizierte Dynamik bestimmt die Charakterstruktur. Beispielsweise wird bei einem Zwangscharakter die natürliche Genitalität so unterdrückt, daß es zu, wenn auch nur schwachen, phallischen Strebungen kommt (die stets unnatürlich sind!), die sofort durch Analität (die erst recht stets unnatürlich ist!) aufgrund von Kastrationsangst abgewehrt werden. Das schlägt sich in der ausgesprochen rigiden Panzerstruktur des Zwangscharakters nieder. Kam es am Anfang des Lebens zu einer sehr starken okularen Panzerung, entwickelt sich kein Zwangs-, sondern ein kataton-schizophrener Charakter

Zwar sind wohl so gut wie alle Menschen in den Augen, im Mundbereich und im Becken gepanzert, aber darauf kommt es weniger an als vielmehr darauf, welche Funktion diese Panzerung jeweils einnimmt. Geht der Patient bei Energieanstieg in den Augen weg (schizophrener Charakter) oder senkt er das Energieniveau durch Abpanzerung jenes Segments, daß für die Energieaufnahme primär verantwortlich ist (der chronisch-depressive Charakter) oder schwankt er zwischen diesen beiden Alternativen (der manisch-depressive Charakter). Die Frage ist also, wie das bioenergetische Feld des Menschen in seiner individuellen Entwicklung konditioniert wurde – und wie man es wieder systematisch dekonditionieren kann.

Das muß nicht heißen, daß die Konditionierungen in einer Gesellschaft regelmäßig verteilt sind und so die Charakterstrukturen schön ausgeglichen sind. Beispielsweise ließe sich eine Gesellschaft denken, in der nicht wie heute die bei weitem meisten Männer phallische Charaktere sind, sondern Zwangscharaktere. Früher war es sicherlich so, daß die meisten Menschen mehr anal konditioniert waren, während sie heute mehr okular konditioniert sind. In Skandinavien sind die Menschen im Mittel mehr oral-depressiv konditioniert, in Deutschland mehr anal-zwanghaft, in den USA mehr phallisch-aggressiv. Je rationaler die Behandlung der Kleinkinder wird, desto weniger ausgeprägt sind spezifische Konditionierungen (z.B. wird heute nicht mehr rigide nach Plan gestillt, die Pampers haben die Stuhlentleerung der Babys leichter handhabbar gemacht, etc.) – wodurch in Zukunft aber auch die Diagnosestellung immer schwerer werden wird, einfach weil die Pathologie ausgewogener ist. Aber das bestätigt eher die innere Logik der von Reich und im Anschluß daran von Baker entworfenen Nosologie, als daß sie untergraben wird. Außerdem hatte Reich diese Schwierigkeiten bereits in den 1920er Jahren mit den Menschen aus den Unterschichten, die nicht so rigide erzogen wurden, dann aber später um so heftigeren Versagungen ausgesetzt waren. So entstand der triebhafte Charakter, den man nosologisch kaum sinnvoll einordnen kann und der, wie die Orgonomin Barbara Koopman bereits Anfang der 1970er Jahre konstatierte, heute immer mehr Menschen umfaßt.

Ich gehe in meiner Charakterdiagnose nicht auf, der Leser geht in der seinen nicht auf, der pallisch-narzißtische Reich nicht und auch nicht der chronisch-depressive Baker – niemand ist auch nur annähernd erschöpfend durch die Charakterdiagnose beschrieben. Es ist ja auch gar nicht die Aufgabe der Charakterdiagnose, ein photographisches Abbild eines Menschen zu liefern, sondern sie soll nur den funktionellen Schwerpunkt seiner Pathologie erfassen und dem intersubjektiven Austausch zugänglich machen – um so zusätzliche Informationen über den Patienten zu erschließen, denn so gesehen ist er plötzlich kein Unikum mehr, sondern gehört zu einer ganzen Gattung, die an tausenden Exemplaren bereits seit Jahrzehnten eingehend erforscht wurde.

Es ist so wie bei einem Wellensittich: jeder Wellensittich ist wirklich ganz anders, es sind echte Persönlichkeiten – aber trotzdem macht es Sinn, wenn ich mich mit anderen Wellensittichhaltern austausche. Und genauso ist es mit Zwangscharakteren: alle sind unvergleichbare Individuen, die sich ganz unterschiedlich verhalten – aber das schließt doch nicht aus, daß ein Therapeut sich an einen anderen Therapeuten wendet und ihm sagt: „Weißt Du, ich habe jetzt seit Monaten einen Zwangscharakter in Behandlung und ich finde einfach keinen Ansatzpunkt, um in seine Panzerung einzubrechen, irgendwie bleibt er stets unberührt, egal wie tief ich charakteranalytisch oder biophysisch ansetze.“ Worauf der andere Therapeut antworten kann: „Tja, wenn ich auf meine bisherigen Fälle zurückschaue, bringt es nichts, einen Zwangscharakter zum Atmen zu bringen, das Zwerchfell zu befreien und seine Kindheitsgeschichte durchzukauen oder seine gegenwärtigen Schwierigkeiten. Das einzige, was wirklich weiterhilft, ist das hochtreiben des Sadismus. Ansonsten kannst Du ihn entpanzern, wie Du willst, er wird sich nie ändern und im Grunde ein nüchterner Beobachter bleiben und so am Ende die Therapie als vermeintlicher Sieger verlassen. Es ist alles vergebens, solange nicht die maßlose Wut hochkocht. Ohne diesen zentralen Punkt ist alles Reden und Weinen und Bekennen und alles bioenergetische Mobilisieren ohne Bedeutung. Laß dich nicht zum Komplizen machen, der dem Patienten hilft seinen wunden Punkt zu umgehen.“

Wenn ich das richtig verstanden habe, ist die Diagnose in der Orgontherapie in viererlei Hinsicht einfach unverzichtbar und hat vier Funktionen: 1. verhindert sie, daß man den Patienten nur als Unikum sieht, das keinerlei Gesetzmäßigkeiten unterliegt; 2. verhindert die Diagnose von vornherein, daß man den Patienten als bloßen geschichtslosen „bioenergetischen Sack“ sieht, an dem der „Orgoningenieur“ herum manipuliert; 3. wird durch die korrekte Diagnose verhindert, daß der Patient den Therapeuten in die Irre führt, also alles gibt und scheinbar „gesundet“, nur damit ja nicht der schmerzhafteste Punkt angegangen wird; und 4. zwingt die Diagnosestellung den Therapeuten sich mit der Struktur des Patienten wirklich auseinanderzusetzen, d.h. sich selbst Rechenschaft darüber abzulegen, inwieweit er die Struktur des Patienten verstanden hat, so daß er darüber mit Kollegen sprechen kann.

Man könnte einwenden, daß man mit der Diagnose, der Etikette („die und die Krankheit“), die man dem Patienten auf die Stirn klebt, den Weg für das gesunde Potential des Patienten und seine Entwicklungsmöglichkeiten verbaut. Reich sah das anders, als er über seine Patienten sagte: „Nach außen hin erscheinen sie in einer bestimmten verschrobenen Art, doch durch das Krankhafte hindurch können wir deutlich das Gesunde spüren“ (Die sexuelle Revolution, Fischer TB, S. 29). Ohne eine Diagnose kann man das Gesunde nicht deutlich sehen, sondern nur eine undeutliche Qualität, zu der wir nie vordringen können, weil wir den Weg, die Straßenkarte, d.h. die Charakterdiagnose und die dazugehörige orgonometrische Gleichung nicht kennen.

Es geht auch darum, zu erkennen, daß die Charakterstruktur eine überlebensnotwendige Einrichtung für den Patienten ist, um mit seiner Energie umgehen zu können. Es wäre eine Katastrophe, die er kaum überleben würde, wenn man etwa einem Zwangscharakter von heute auf morgen seine ganz spezifische Panzerung nehmen würde. Vielmehr muß die Panzerung logisch und schlüssig sozusagen „rückabgewickelt“ werden. Auch ist die Panzerung nicht vom Himmel gefallen und geht nicht einfach auf die Willkür der Eltern zurück, sondern ist integraler Bestandteil einer gepanzerten Gesellschaftsstruktur. Der wirkliche Kampf beginnt deshalb erst nach erfolgreicher Beendigung der Therapie oder wie Reich schrieb: „Derart sind unter den Bedingungen der sexualverneinenden Gesellschaftsordnung gerade die gesündesten Menschen schwersten subjektiven Leiden ausgesetzt“ (ebd., S. 31).

Es geht um nicht weniger als eine grundlegende Veränderung – von allem. Ich erinnere an Reichs Marxistische Phase, die er später wie folgt umdeutete: „Es gibt in der Gesellschaft eine bestimmte Menschenschicht, die verstreut ohne Zusammenhang lebt und wirkt: die Schicht der mit natürlicher Sexualität ausgestatteten genitalen Charaktere. Man findet sie außerordentlich häufig im Industrieproletariat.“ (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 151)

sozioaffblock