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Der Hauptunterschied zwischen den „Reichianischen“ „Therapien“ und der Orgontherapie

18. März 2019

Die Techniken der Orgontherapie sind einfach. Sie sind einfach zu „erlesen“ und, als Patient, abzuschauen. Und schon macht man sich daran „Patienten“ zu „behandeln“. Es gibt weltweit zigtausende solcher „Therapeuten“. Sie verabreichen diese „Techniken“ auf eine mechanische Weise, haben keine Ahnung von den Grundlagen der Orgontherapie, wissen nichts von Charakteranalyse und Orgonometrie, können keine biopsychiatrische Diagnose stellen, etc. Aber das sind nur die Werkzeuge und die Kenntnis ihres korrekten Gebrauchs, der alles entscheidende Unterschied ist ein ganz anderer: (bioenergetischer) Kontakt mit dem Patienten aufnehmen und vor allem den Patienten dazu bringen, mit ihm, den Therapeuten, Kontakt aufzunehmen. Ohne diesen Kontakt zwischen Therapeuten und Patienten machen all die „Techniken“, egal wie oberflächlich korrekt sie angewendet werden, überhaupt keinen Sinn.

Intuitiv spürt der „Reichianische“ „Therapeut“ den Mangel an Kontakt und versucht das mit extremem „therapeutischen“ Aktivismus wettmachen (ähnlich wie kontaktlose Paare zu einem ganzen Arsenal von „Sextoys“ greifen, um ihre vermeintliche „Liebe“ zu retten). Mit schier unendlich langen Listen von „Methoden“ versucht er zu zeigen, wie kompetent er doch sei, offenbart aber tatsächlich nur seine Kontaktlosigkeit. Das entscheidende am Kontakt zwischen Therapeut und Patienten ist nicht nur, daß erst so die Techniken richtig angewendet werden können und wirksam sind, sondern auch daß erst dadurch, daß der Patient lernt Kontakt mit dem Therapeuten aufzunehmen, er lernt mit seinem EIGENEN KERN Kontakt aufzunehmen.

Dieses letztere Element ist der Wesenskern der Reichschen Therapie seit den Tagen der Charakteranalyse in den 1920er Jahren. Es geht um Übertragung und damit um die Dramen der frühen Kindheit, die die gegenwärtige Neurose erst erzeugt haben. Es geht um den bioenergetischen Kontakt mit den Eltern, der funktionell identisch ist mit dem Kontakt mit dem eigenen Kern. Wir sind BIOSOZIALE Wesen, keine bloßen Objekte, an denen Pseudotherapeuten ihren kontaktlosen Narzißmus ausleben können.

Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“ (Teil 2)

13. März 2019

von Paul Mathews

Bei der Behandlung der anderen Fallgeschichten ergibt sich das gleiche Muster, d.h. die Neigung Boadellas, fehlerhafte und unschmeichelhafte Schlüsse aus der unzureichenden Menge an Material zu ziehen, die eine Fallgeschichte insbesondere für den unqualifizierten Leser bietet, wenn sie nicht korrekt interpoliert und interpretiert wird. Ich werde nicht bei seiner „Analyse“ der Fälle der Drs. Sobey, Oller und Gold verweilen, die allesamt sehr klar im Widerspruch zu seinen Unterstellungen stehen. Stattdessen wende ich mich dem zu, was Boadella als „Kern der Kritik“ bezeichnet, dem Artikel von Dr. Elsworth Baker über „Ein schwerwiegendes therapeutisches Problem“. Hier spürt Boadella offenbar das Kaliber des Mannes, den er „kritisiert“ – den Mann, der von Reich ernannt wurde, ihn von der Ausbildung von Ausbildungskandidaten für die Praxis der Orgontherapie zu entlasten –, damit er seine gesamte Zeit der physikalischen Orgonforschung widmen konnte. Ihm bietet er diesen eher herablassenden Balsam (ausgesprochen wie „Bombe“) an: „Hoffentlich werden die unten gegebenen Kommentare in einem konstruktiven und nicht destruktiven Geist aufgegriffen werden.“ Dies leitet über in eine eingehende „Enthüllungsschrift“ über Bakers „Irrtümer“, „Fehler“, „Verzweiflung“ und „betrübliche Lagen“, nicht zu vergessen „düstere Feststellungen“. Darüber hinaus werden wir ermahnt (kein kleiner Trost für Dr. Baker), daß „die Fehler, die Baker gemacht hat, auch als ‚typisch‘ betrachtet werden und nicht in irgendeiner Weise als bezeichnend für diesen Therapeuten“.

Es sei darauf hingewiesen, daß sich Dr. Baker routinemäßig zur Gewohnheit machte, jeden zu veröffentlichenden Fall gründlich mit Dr. Reich zu diskutieren – natürlich vor der Veröffentlichung. „Ein schwerwiegendes therapeutisches Problem“ wurde ausführlich mit Dr. Reich diskutiert und analysiert, und Reich selbst sagte, er (Reich) hätte es nicht besser machen können, – daß diese Patientin ein unbehandelbarer Fall war.

Boadella versucht zu zeigen und in seinen Kommentaren zu diesem Fall zu implizieren, daß Dr. Baker solche elementaren Faktoren der Therapie wie die falsche positive Übertragung (die Boadella als „latente negative Übertragung“ bezeichnet) nicht kennt oder für sie nicht aufmerksam genug ist, die „chaotische“ Situation, die funktionelle Notwendigkeit mit Ich-Situationen entsprechend dem spezifischen Fall umzugehen usw. usw. Was jedoch in Wirklichkeit durch Boadellas Kommentare offenbar wird, sind sowohl Unkenntnis des orgontherapeutischen Prozesses als auch die Absicht, alle wichtigen Tatsachen, die in diesem Fall dargestellt werden, zu übersehen und wegzulassen. Tatsachen, die zeigen, daß Baker nicht nur die Dynamik des Prozesses genau versteht, sondern auch, daß der Fall – wie Reich sagte – ein unheilbarer Fall war. Hier einige wichtige Auslassungen:

Eine der Aufgaben des Orgonomen besteht darin, den Patienten daran zu gewöhnen, ein Funktionieren auf einem höheren Energieniveau zu ertragen. Das kann bei einem Patienten mit hoher Energieladung und wenig oder gar keiner Fähigkeit, sich anzupassen, eine sehr mühsame und sogar katastrophale Unternehmung sein. (Einleitender Absatz)

An einer Stelle meint Boadella, daß einem bestimmten Erfolg, den Baker bei dieser Patientin hatte, mißtraut hätte werden müssen – wie folgt: „Dieser Zustand des Wohlbefindens, der durch die Freisetzung von Muskelverspannungen hervorgerufen wurde, muß mit höchstem Mißtrauen betrachtet werden … denn Reich wies darauf hin, daß das Gefühl der Erleichterung oft dazu dient, ‚die wahre Situation in der Tiefe der biophysikalischen Struktur zu verschleiern‘.“ Schauen wir, wie Baker „getäuscht“ wurde (was Boadella impliziert). Dr. Baker kommentiert kurz nach dem Vorfall wie folgt:

Sie war in nichts freiwillig hineingegangen, obwohl sie darauf bestanden hatte, weiterzumachen, und sie schien mit dem, was geschah, nie wirklich in Fühlung zu sein. Ihre Angst kam wieder, zusammen mit ihrem Mißtrauen, der mörderische Gesichtsausdruck, die widerborstige, herabsetzende Haltung und der steife Hals. Genitale Empfindungen waren weiterhin vorhanden. (Anmerkung: Dieser Teil des Zitats wurde von Boadella absichtlich weggelassen, da er darauf hinweist, wie erfolgreich Baker bei diesem unheilbaren Fall gewesen war – ob Boadella dessen gewahr war oder nicht).

An einer Stelle behandelt Boadella ein Zitat so, daß es [insbesondere im Englischen, PN] den Anschein erweckt, daß Baker Dinge sagt, die die Patientin sagt: Boadellas Zitat:

Die Patientin beschuldigt den Therapeuten der Inkompetenz: „Sie begann, gegen mich aufzubegehren … ich gehe mit ihrer Übertragung auf mich nicht angemessen um, sondern übergehe sie zu rasch, weil ich sie nicht richtig verstanden hätte und sie nicht genug darüber reden lassen wolle. Das Thema ihrer Übertragung kam häufig zur Sprache, und ich hatte das Gefühl, sie müsse wohl recht haben, ich sei nicht richtig mit ihr umgegangen; aber ich konnte keine weiteren Hinweise auf das finden, was ich falsch gemacht hatte.“

Der vollständige Kontext:

Sie begann, gegen mich aufzubegehren; ich versuche, ihre Ehe zu zerstören, ich sei einfach nur eine Sexualbestie, ich gehe mit ihrer Übertragung auf mich nicht angemessen um, sondern übergehe sie zu rasch, weil ich sie nicht richtig verstanden hätte und sie nicht genug darüber reden lassen wolle. Tatsächlich sei ich nur daran interessiert, ein Tier aus ihr zu machen. Das Thema ihrer Übertragung kam häufig zur Sprache, und ich hatte das Gefühl, sie müsse wohl recht haben, ich sei nicht richtig mit ihr umgegangen; aber ich konnte keine weiteren Hinweise auf das finden, was ich falsch gemacht hatte. (Ich vermute, daß es nicht so sehr darauf ankam, wie ich mit der Übertragung umgegangen war, sondern sie es nicht verwinden konnte, mich nicht gewonnen zu haben.)

Wie unterschiedlich wir diesen Abschnitt doch lesen, wenn die Auslassungen aufgefüllt werden.

Der abschließende Absatz von Dr. Baker lautet:

Mein erster Eindruck von dieser Patientin war der, sie sei eine Vertreterin des üblichen phallischen Charakters, deren Abwehr zu bröckeln begann, aber das Problem war nicht so einfach. Die meisten Zeichen, die Reich als Gründe aufgezählt hat, eine Therapie abzubrechen, waren vorhanden, besonders die zähe Beharrlichkeit von Blockierungen.

Ich wußte im Verlauf ihrer Therapie, daß ich sie beachten sollte, aber ihre Not und ihre Entschlossenheit und ihr Flehen bewogen mich, weiterzumachen. Außerdem fiel es mir schwer, eine Niederlage zuzugeben. Es hat wenige Patienten gegeben, denen ich mehr hätte helfen wollen, und ich möchte hinzufügen, daß ich sie persönlich gern hatte und achtete, obwohl sie so schwierig war. (Hervorhebungen von mir hinzugefügt, P.M.)4

Ich habe diese weggelassenen und fragmentierten Auszüge vorgelegt, damit diejenigen, die keinen Zugang zu dieser Zeitschrift haben [d.h. dem Orgone Energy Bulletin], ein umfassenderes Bild von dem Fall bekommen und wie er verzerrt wurde.

Um einen Teil der Motive von Boadella zu verstehen, der versucht, Dr. Baker und die anderen Orgontherapeuten der ursprünglichen Gruppe um Reich zum „Affen“ zu machen, müssen wir zu folgender Zusammenfassung gehen. Laut Boadella ist Dr. Alexander Lowen – vom „Institut für Bioenergetische Analyse“ der einzige, der das tut, was Reich intendiert hatte (auch wenn er nie ein Orgontherapeut war und eine Zusammenarbeit mit Reich ablehnte, nachdem er seinen medizinischen Grad erhalten hatte). Lowen habe nun den Mantel von Reich geerbt, wie es Reich von Freud vor ihm getan hatte. Seltsamerweise erinnere ich mich nirgendwo in meiner Lektüre von Lowens Buch an irgendeinen Hinweis auf jene „präzisen“ therapeutischen Ziele, um die Bodella im Fall Raknes angeblich so besorgt ist, nämlich die orgastische Potenz und ihre Begleiterscheinungen; noch einer Erwähnung der Orgonenergie. Ich bin des weiteren amüsiert über die Anklage gegen Reich durch Lowen und Boadella, daß die somatisch und psychisch miteinander zusammenhängenden Probleme nicht systematisch dargestellt worden wären. Auf der einen Seite beschuldigen Schriftsteller wie Theodore Reik, Reich habe versucht, übermäßig zu systematisieren, und auf der anderen Seite haben wir die Aussage von Paul Ritter5: „Ich finde das Kapitel Reichs über die segmentäre Anordnung des Panzers weitaus systematischer und nützlicher als den Versuch Lowens bestimmte körperliche Symptome mit bestimmten Charakterstrukturen auf seine Weise gleichsetzen.“ Ritter sagt weiter: „Wenn man jeden Teil des Buches, der irgendwo im Werk von Reich zu finden ist, gewöhnlich besser ausgedrückt, penibel streicht, bleibt so wenig von Originalität und Bedeutung, daß für diejenigen, die nur eine begrenzte Zeit haben, meiner Meinung nach das sorgfältige Lesen der Charakteranalyse eine wertvollere Tätigkeit ist als das Lesen von [Lowens] Physical Dynamics of Character Structure.“ Aber ich vermute, daß auch Ritter beschuldigt wird, Lowen dessen „Unabhängigkeit“ zu verübeln.

Schließlich glaube ich, daß ein tiefer Einblick in die wirklichen Motive von denjenigen entsteht, die versuchen Verleumdungen auf eine derartig durchsichtige Art und Weise zu verbreiten. Um Reichs eigene Definition einer Autorität zu zitieren:

Eine Autorität ist jemand, der weiß, womit er es zu tun hat und nicht jemand, der niemals das gelernt hat, was er glaubt schon zu wissen. 6

 

Literatur

4. Baker, Elsworth F., M.D.: „A Grave Therapeutic Problem“ OEB, 1953

5. Ritter, Paul: Buchbesprechung, „Physical Dynamics of Character Structure“ von A. Lowen, M.D., Orgonomic Functionalism, September 1959

6. Reich, Wilhelm, M.D.: „The Orgone Energy Accumulator“, Orgone Institute Press, 1951

 

Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 7 (1961), No. 2, S. 155-160.

Emotionen sind für den Therapieerfolg wichtiger als Einsicht und Deutung

22. Februar 2017

So der Titel eines Tagungsberichts von dem Psychiater und Psychotherapeuten Andreas Meißner im NeuroTransmitter (Feb. 2017), dem offizielles Organ der Nervenärzte, Neurologen und Psychiater. Im Gegensatz zur ursprünglichen Psychoanalyse sei heute die Therapie dieses Traditionsstranges intersubjektiv statt hierarchisch, partnerschaftlich statt autoritär. Die therapeutische Beziehung ist der entscheidende Wirkfaktor, nicht mehr Deutung und Einsicht. Früheste nonverbale Beziehungserfahrungen werden jenseits der Sprache im prozeduralen Gedächtnis („Beziehungsgedächtnis“) abgelegt und können deshalb nicht „gedeutet“ werden, sondern es kann in der therapeutischen Beziehung allenfalls zur Nachreifung kommen. Die Gesprächsatmosphäre wird wichtiger als die kognitive Verarbeitung, denn sie schafft einen „Entwicklungsraum“. Entsprechend kommt es ganz entscheidend auf die Wahrnehmungsfähigkeit, die Lebendigkeit und das Verständnis des Therapeuten an.

Liest man die entsprechenden Ausführungen, muß man spontan an Reichs Konzept von gegenseitiger orgonotischer Erstrahlung und Anziehung denken. Etwa wenn es bei Meißner heißt:

Es handelt sich [bei Therapeut und Patient] um ein analytisches Paar, das etwas neues Drittes erschafft, eine neue Wirklichkeit, eine neue gemeinsame Erfahrung, aus der nun beide Beteiligten verändert hervorgehen, verändert in verschiedener Weise und in unterschiedlichem Ausmaß.

In dieser Art von Therapie hört der Patient auf, sich als bloßes Opfer längst vergangener Interaktionen zu betrachten, sondern (ganz wie in Reichs Charakteranalyse) tritt das Hier und Jetzt in den Vordergrund.

Soweit referiert Meißner Ausführungen des emeritierten Professors für Psychosomatik und Psychotherapie, Michael Erdmann. Im Anschluß daran beschreibt Meißner ergänzende Ausführungen des Professors für Verhaltensphysiologie und Neurobiologie, Gerhard Roth:

Pränataler und früh postnataler milderer Streß der Mutter führt beim Kind zu einem erhöhten Kortisolspiegel, der einhergeht mit Überängstlichkeit, Melancholie oder Angststörungen. Bei stärkerem, chronischem und nicht bewältigbarem Streß führt der entsprechende Hyperkortisolismus zu atypischer Depression, Empfänglichkeit für posttraumatische Belastungsstörungen und zu emotionaler Unempfindlichkeit bis hin zur Psychopathie (wie man sie etwa beim „gefühllosen Berufskiller“ findet). Der Hyperkortisolismus geht fast immer mit einer verminderten Serotoninproduktion einher, was zu Störungen der Regulation von Nahrungsaufnahme, Schlaf, Temperaturregulation, der Fähigkeit der Verhaltensregulation, Beruhigung und Wohlbefinden, etc. führt. Reich sprach hier von „Sympathikotonie“, der chronischen energetischen Kontraktion des Organismus, die bereits im Uterus anfange, spätestens aber während und unmittelbar nach der Geburt.

Dem könne, so Roth, ein Oxytocinanstieg im Rahmen einer liebevollen Interaktion entgegenwirken. Die Kortisolproduktion werde verhindert, der Serotoninspiegel steige. Damit sei die Möglichkeit einer Kompensation früher psychischer (gemeint ist wohl eher emotionaler) Defizite gegeben.

Aus diesem Grund seien auch rein kognitive Therapiestrategien kaum erfolgreich. Die neurobiologische Forschung zeige, daß die Wirkung etwa der kognitiven Verhaltenstherapie auf emotional wirkenden Faktoren beruhen müsse, wie die Bindung zum Therapeuten und das konkrete verhaltenstherapeutische Training und Einüben im Hier und Jetzt. Ähnliches ließe sich über die „einsichtsvermittelnde und bewußtmachende“ Psychoanalyse sagen. „Eine rein sprachlich aufklärende Mitteilung wirke nicht auf die subkortikalen limbischen Zentren, erläuterte Roth. Wirksam wird die Behandlung, wenn emotionale Dinge eine Rolle spielen.“ Ähnliches sagte Reich in der damaligen Begrifflichkeit seit Anfang der 1930er Jahre. Die psychoanalytischen Sektierer haben ihn dafür mit einem gnadenlosen Haß und abgrundtiefer Verachtung gestraft.

Auf die Orgontherapie verweist folgende Stelle in Meißners Aufsatz: Durch die therapeutische Allianz komme es zu den erläuterten neurobiologischen Veränderungen hinsichtlich Kortisol, Serotonin, Oxytocin, etc. Doch „Roth wies darauf hin, daß die eigentlichen strukturellfunktionellen Defizite dabei aber offenbar nicht behoben werden, was die hohe Rückfallquote von 80% erklären könnte“. Deshalb spiele „das Aufspüren von Ressourcen und das Einüben alternativer Schemata im Fühlen, Denken und Handeln“ in einer zweiten Therapiephase eine große Rolle. Die neurobiologische Umstrukturierung brauche halt Zeit. Schön und gut, aber tatsächlich scheitern diese Therapien letztendlich, weil die PANZERUNG nicht angegangen wird!

„Reichianische Körperpsychotherapie“ und Psychiatrische Orgontherapie

17. August 2016

Therapeuten, die nicht wissen, was sie tun, nehmen aus Unsicherheit zu dramatischen Interventionen Zuflucht. In der „Körperpsychotherapie“ sind das etwa „Streßpositionen“ nach Alexander Lowen oder direkte körperliche Interventionen, um die Panzerung „aufzubrechen“. Es wird strengen Vorgaben gefolgt, wie der Patient zu liegen hat, wie er Arme und Beine zu halten hat, wie er zu atmen hat, etc. All das soll überspielen, daß der Therapeut nicht weiß, was er tut, und nicht mal eine Diagnose hat stellen können. Seine Unsicherheit überspielt er mit Show und Action.

Die Orgontherapie beruht darauf, daß der Therapeut eine biopsychiatrische (= auf der Struktur der Panzerung beruhende) Diagnose gestellt hat und sich der jeweiligen Blockaden seines Patienten bewußt ist, die dem vollständigen Orgasmusreflex (= der Fähigkeit des Organismus als Einheit zu funktionieren, ganz, d.h. gesund zu sein) entgegenstehen. Daraufhin versucht er die Blockaden auf geordnete Art und Weise aufzulösen. „Geordnet“ meint hier, daß jede Blockade eine Funktion hat, die erkannt werden muß, bevor man sich daran macht sie zu beseitigen. Ansonsten kann es nämlich zu einem Desaster kommen. Man muß wissen, was man tut, bevor man einem Krüppel seine Krücke wegschlägt!

Ein neutraler Beobachter wird sich wahrscheinlich darüber wundern, daß die Interventionen des Orgonomen selten sind und zu einem Gutteil konventionell wirken, jedenfalls im Vergleich zum theatralischen Aktionismus des „Reichianischen Therapeuten“. Der eine bleibt gelassen, weil er weiß was er tut, d.h. wie er den weitgehend autonom verlaufenden Heilungsprozeß („Ganzwerdungsprozeß“) anregen und aufrechterhalten kann, der andere kompensiert seinen Amateurstatus mit hektischem, „zersplitterndem“ Engagement und – zerstört die Selbstregulation des Patienten endgültig.

Ich verweise auf die denkbar eingehende Beschreibung der Orgontherapie auf www.w-reich.de.

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 7)

9. April 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 7)

acologo

Münchhausen, Lenin und die Orgontherapie

3. Dezember 2013

Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!

Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.

patientEin richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.

Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.