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Eine weitere Notiz von 1999

21. Juni 2022

Neulich war ein Bericht im Radio über schreiende Kleinkinder, wo auch Paula Diederichs „Schreiambulanz“ in Berlin behandelt wurde. Das kam in einer Medizinsendung zwischen lauter Berichten aus Universitätskliniken. „Körpertherapie“ und „Babymassage“ wurden erwähnt. Offenbar macht die Diederichs gute Arbeit. Und auch der Bericht war in keinster Weise kritisch. Vorher war ein Bericht über die neuste Asthmaforschung. Warum haben in den luftverschmutzten Höllen Albanien und Indien nur 2% Asthma, während im sauberen Amerika und Australien 30% (sic!) aller Kinder an Asthma leiden? In Deutschland sind es 14%, wobei der Anteil in der luftverschmutzten DDR signifikant niedriger liegt! Warum? Offenbar hat Asthma nichts mit der klassischen Luftverschmutzung zu tun, sondern mit der Hygiene. Kinder die kollektiv zwischen vielen Geschwistern und im Dreck aufwachsen, und entsprechend vielen Infektionsquellen ausgesetzt sind, trainieren offenbar ihr Immunsystem, – während verpäppelte Einzelkinder auf jeden sympathischen Reiz sofort parasympathisch überreagieren. Wahrscheinlich sind vereinzelte Kinder ohnehin im Brustsegment kontrahiert, sodaß jeder allergische Reiz zu einer expansiven Überreaktion führt, während indische und albanische Kinder von vornherein „offenherziger“ und expansiv sind und deshalb auf negative Reize nicht „positiv“ überreagieren brauchen. Das nach dem Bindestrich stammt natürlich nicht aus dem Radio, sondern ist auf meinem Laienmist gewachsen.

Was ist die wirkliche Bedeutung des Kosovo für uns? Vor einigen Generationen war das ur-serbische Kosovo noch größtenteils von Serben bevölkert (1945 war es etwa ausgeglichen 50% zu 50%), die langsam aber sicher durch den Geburtenüberschuß von den Albanern verdrängt wurden: friedliche ethnische Säuberung, die immer wieder in Gewalt umschlug, wenn die letzten isolierten Serben aus den Dörfern vertrieben wurden. Tito unterstützte dies, um den serbischen Nationalismus zu schwächen. Schauen wir jetzt nach Deutschland, werden im Jahre 2015 in den Großstätten in der Altersgruppe zwischen 0 und 40 Ausländer (also überwiegend Türken) mehr als 50% der Wohnbevölkerung ausmachen. Das muß man nur logisch weiterdenken. Und alles Doppelstaatler!

Neulich in einer Fernsehdiskussion. Frage an den EU-Vertreter für Mostar, Herrn Koschwitz: „Ist in Jugoslawien die multikulturelle Gesellschaft nicht gescheitert?“ Koschwitz: „Nein, denn in Jugoslawien gab es keine multikulturelle sondern eine interkulturelle Gesellschaft!“ Etwa 20 min später sagt die Vertreterin der Türken in Berlin: „Wir müssen in den Schulen die multikulturelle Ausrichtung überwinden und zu einer interkulturellen weiterentwickeln!“ – So reden die Linken immer. „Links“ ist keine politische Orientierung, sondern eine Geisteskrankheit!

Etwas wird nie beim Jugoslawien-Krieg erwähnt: daß Jugoslawien das einzige Land der Welt ist, in dessen Verfassung (im Sinne des „Proletarischen Internationalismus“) steht, daß man verpflichtet ist, in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten einzugreifen, um die Unterdrückung zu beseitigen. Alle Linksintellektuellen waren aus dem Häuschen vor Begeisterung ob dieser fortschrittlichen Verfassung. Aber jetzt, wo Jugoslawien selbst angegriffen wird, pochen sie plötzlich auf das Völkerrecht!

Hier ein Referat aus Otto Fenichels Rundbriefen (S. 1171), das mich sehr nachdenklich gemacht hat. Es handelt sich um einen Aufsatz von einem gewissen Saul Rosenzweig: „A Dynamic Interpretation of Psychotherapy Oriented Towards Research“ (1938). Fenichel referiert es als abschreckendes Beispiel: „(…) eine Arbeit (…) die entdeckt, daß alle Psychotherapien sich im Grunde von einander gar nicht so sehr unterscheiden und auch die Psychoanalyse im wesentlichen als eine Erziehung zur höheren Spannungstoleranz wirke, indem das Aussprechen von unangenehmen Dingen, zu dem der Analytiker den Patienten zwingt, diesem allmählich beibringt, daß man auch unangenehme Situationen ertragen kann!“ Fenichels Ausrufungszeichen ist ironisch gemeint, doch ich bin überzeugt, daß Rosenzweig hier die „orgonomische“ Erklärung dafür bietet, daß alle möglichen Therapien (Freud, Adler, Jung, Frankl, Rogers und wie sie alle heißen) tatsächlich wirken: wenn sie gut sind, helfen sie dem Patienten energetische Erregung besser zu ertragen = Entpanzerung! Problem ist nur, daß schlechte Therapeuten dem Patienten all den Unsinn aufoktroyieren, den Freud, Adler, Jung, Frankl, Rogers und andere Sektengründer verzapft haben. Ich würde sogar „Reich“ nennen.

Neulich habe ich im Radio eine Sendung gehört, wo Psychopatienten ihre Erfahrungen mit Psychotherapeuten beschrieben: absolut gruselig. Die eine Therapeutin hat zu wirklich jedem Satz des Patienten einen Kommentar abgesondert („Das ist eine Verdrängung!“, „Ein Kindheitstrauma!“, „Eine anal-sadistische Fixierung!“); die andere Therapeutin war ein Häufchen depressives Elend; und eine weitere Therapeutin bekam einen hysterischen Wutanfall als die Patientin sie schüchtern nach ihrer Qualifikation fragte („Arghhg! Ich mache diese Machtspielchen nicht mit! Hjhiziulkjlk!“). Ein Psychiater einer Landesklinik erzählte seiner Patientin in den Einzelsitzungen regelmäßig seine Bettgeschichten (sic) und Hans-Joachim Maaz leidet nach eigenem Bekunden unter einer narzißtischen Störung: er ist der große Guru, um den sich alles dreht, während die Patienten auf das Niveau von Kleinkindern gedrückt werden.

In der Psyche (Januar 1999) geht der Streit weiter, ob Reich 1934 nun aus politischen oder wissenschaftlichen Gründen aus der Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen wurde: Fallend/Nitzschke vs. Schröter. Von beiden Seiten mit ziemlich überzeugenden Argumenten. Ziemlich traurig, daß diese angeblichen „Fachleute“ nicht sehen, daß hier die „politische“ und die wissenschaftliche Sicht untrennbar miteinander verwoben waren: es ging schlicht und ergreifend darum, wer die Realität besser wahrnahm. Geradezu gespenstisch mal wieder sehen zu müssen, wie vollkommen kontaktlos und „neurotisch“ sowohl die linken Ideologen und angeblichen „Reich-Freunde“ Fallend und Nitzschke als auch der „abgeklärte Konservative“ und Reich-Hasser Schröter argumentieren. Brett vorm Kopf – aber seelische Krankheiten behandeln wollen. Diese vollkommene Unfähigkeit funktionell zu denken!

Es waren die Nazis, die den „Diplompsychologen“ eingeführt haben. Am 1.4.41, weil mehr Psychologen für die Kriegsführung benötigt wurden. Also ist nicht nur die Psychiatrie eine Nazi-Sache, sondern auch die psychologische Therapie.

Ich höre gerade von einem neuen Buch von Viktor und Viktoria Trimondi: Der Schatten des Dalai Lama. Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus (Padmos Verlag, 800 Seiten), daß voll und ganz meine Analyse des Buddhismus bestätigt. Der Lamaismus sei ein kriegerischer und aggressiver Kult. Der Tantrismus sei nichts anderes als kruder Sexismus und sexuelle Ausbeutung der Frauen. Ziel sei die Transformation sexueller und weiblicher Energie in spirituelle Macht und politische Macht zugusten einer patriarchalischen Mönchselite. Mit einem ultimativen Anspruch auf Weltherrschaft durch den Dalai Lama als kosmischen Herrscher über Zeit und Raum. Die unlösbare Einheit von Politik und Religion. Saharasia pur. Alles genau so, wie ich es unabhängig in meinem Buddhismus-Aufsatz erläutert habe!

Neulich höre ich mir eine CD von L. Subramaniam mit dem Ragam Sarasvati Priya an und bin vollkommen erschlagen von dem guten Klang: fruchtig, voll, substanzhaft, gefühlsecht. Des Rätsels Lösung: die haben alles, vom Mikrophon bis zum Aufnahmegerät „done exclusively with custom-built vacuum-tube electronics“ und das dann ohne jede digitale Bearbeitung auf die CD gepreßt. Mechanistisch kann man das gar nicht erklären, daß diese Vakuumtechnik, die indirekt mit der Orgonenergie arbeitet, so gut klingt. Deshalb ist auch eine Schallplatte mit S. Balachander von 1962 eine meiner Kostbarkeiten. Verglichen mit den DDD-CDs, auf denen wirklich alles digital aufgenommen und wiedergegeben ist, habe ich z.B. nie gehört, wie jetzt auf der besagten CD, daß, wenn man ganz genau hinhört, die Tambura (ein Begleitinstrument das monoton immer die gleichen vier Töne von sich gibt) anfängt zu „singen“, als wäre sie ein Melodieinstrument. Es ist ganz analog zum dreidimensionalen Tiefensehen, das einen fühlen läßt, als wäre man ein Fisch in einem Ozean aus Orgonenergie. Durch die Vakuumtechnologie wird auch die Audio-Welt „füllig“. Während die digitale Technologie die Welt trockenlegt. Was mich überrascht, ist, daß man das auch über CDs wiedergeben kann, denn Schallplatten sind nun wahrhaftig kein ideales Medium. Ich könnte mir gut vorstellen, daß eine erneuerte Vakuumröhren-Technologie (die ja schließlich nicht ohne Grund durch Transistoren und digitale Verfahren ersetzt wurde) eine wirkliche technologische Revolution bedeuten könnte.

Truman war ein Kleinstadtganove. Eisenhower ein bettlägriges Wrack. Kennedy ein sexsüchtiger Playboy mit Mafiakontakten. Lyndon B. Johnson war organisierte Kriminalität. Nixon – kein Kommentar! Und sein Nachfolger, war ein geistig minderbemittelter Footballspieler mit dem IQ von Gerd Müller. Reich hat dieses Phänomen in der Massenpsychologie am Beispiel Hitlers analysiert: es kommt zu einer Resonanz zwischen der „kleinen“ Struktur des Führers und der Struktur des Kleinen Mannes in der Masse. Deshalb war Kohl auch so beliebt: je mehr er verspottet wurde, desto besser konnte sich der „dumme“ Kleine Mann auf der Straße mit ihm identifizieren. Und je staatsmännischer und überlegener er am Ende wurde, desto weniger funktionierte das, bis er abgewählt wurde.

Siehe Reichs Buch Kleiner Mann, wo Reich den Anbruch des Zeitalters des Kleinen Mannes konstatiert. Es wird also immer schlimmer werden. Bald werden wir nur noch von Volltrotteln regiert werden. Das sieht man auch an der Unterhaltungsindustrie. Am Anfang des Jahrhunderts identifizierte man sich noch mit aristokratischen Gestalten wie Charlie Chaplin. Heute kann niemand mehr über ihn lachen, weil wir uns nicht mehr mit ihm identifizieren können. Stattdessen ist der infantile Mr. Bean populär. Das ist ein massenpsychologisches Phänomen, dessen Bedeutung kaum erkannt wird: je demokratischer die Gesellschaft wird, desto mehr steigen die Menschen ab, unter das Niveau des Irrenhäuslers. Deshalb sah Nietzsche mit der aufkommenden Demokratie den Untergang der Menschheit voraus („der letzte Mensch eine Art Chinese“), während Reich für die Überwindung der formalen Demokratie durch die Arbeitsdemokratie plädierte: den Menschen nicht weniger, sondern mehr Verantwortung aufbürden – auf daß sie zu ernsthaften „Aristokraten“ werden. Das ist auch der tiefere Grund, warum das ACO „rechtsradikal“ und „elitär“ ist. Das Problem geht sehr tief, aber die Verblödung ist wohl soweit fortgeschritten, daß niemand mehr begreift, worum es geht. Und jeder, der die Wahrheit sagt, wird mit „PC“ totgeschlagen.

Im Radio habe ich ein Interview mit dem führenden deutschen Gehirnforscher über den neusten Stand der Gehirnforschung gehört: das mit Eccles’ Theorien, „Geist“ und „mind“, etc. ist wissenschaftlich so tot, toter geht es gar nicht. Interessanterweise benutzte der Prof dazu praktisch genau die gleichen Argumente, die bereits LaMettrie vor über 200 Jahren vorbrachte. Und dann kommt Blasband und macht sich über die angeblich „antiquierten“ Vorstellungen von ACO-Harman lustig und die SaHarrer-Typen meinen, die „moderne Bewußtseinsforschung“ hätte Reichs krude unspirituelle Orgontheorie ins Abseits gestellt…. Interessant war auch, wie der Prof die Psychoanalyse kritisierte: es wäre nach den neusten Ergebnissen kaum vorstellbar, daß das Bewußtmachen unbewußter Komplexe irgendeinen Einfluß auf die subkortikalen limbischen Zentren (also dort wo die Neurose schlummert) ausüben könne: hier wäre (wörtlich) der Charakter des Menschen festgelegt und der ließe sich nicht mehr mit dem kortikalen Bewußtsein verändern. Die Hirnforschung ist also jetzt dort angelangt, wo Reich schon 1934 war.

David Holbrook, M.D.: AUF DER ANDEREN SEITE DES FLUSSES / SIND STAATSAUSGABEN „INVESTITIONEN“? / WIE MAN DEN MENSCHEN HILFT, UM DIE MAN SICH SORGT, AUCH WENN MAN KEIN THERAPEUT IST

30. November 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Auf der anderen Seite des Flusses

Sind Staatsausgaben „Investitionen“?

Wie man den Menschen hilft, um die man sich sorgt, auch wenn man kein Therapeut ist

Paul Mathews: Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“

22. Mai 2021
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Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“

Das Eindringen der Emotionellen Pest in die Psychiatrie

13. Oktober 2020


Der Ansturm der Psychofatzkes.

Das Eindringen der Emotionellen Pest in die Psychiatrie

Der Hauptunterschied zwischen den „Reichianischen“ „Therapien“ und der Orgontherapie

18. März 2019

Die Techniken der Orgontherapie sind einfach. Sie sind einfach zu „erlesen“ und, als Patient, abzuschauen. Und schon macht man sich daran „Patienten“ zu „behandeln“. Es gibt weltweit zigtausende solcher „Therapeuten“. Sie verabreichen diese „Techniken“ auf eine mechanische Weise, haben keine Ahnung von den Grundlagen der Orgontherapie, wissen nichts von Charakteranalyse und Orgonometrie, können keine biopsychiatrische Diagnose stellen, etc. Aber das sind nur die Werkzeuge und die Kenntnis ihres korrekten Gebrauchs, der alles entscheidende Unterschied ist ein ganz anderer: (bioenergetischer) Kontakt mit dem Patienten aufnehmen und vor allem den Patienten dazu bringen, mit ihm, den Therapeuten, Kontakt aufzunehmen. Ohne diesen Kontakt zwischen Therapeuten und Patienten machen all die „Techniken“, egal wie oberflächlich korrekt sie angewendet werden, überhaupt keinen Sinn.

Intuitiv spürt der „Reichianische“ „Therapeut“ den Mangel an Kontakt und versucht das mit extremem „therapeutischen“ Aktivismus wettmachen (ähnlich wie kontaktlose Paare zu einem ganzen Arsenal von „Sextoys“ greifen, um ihre vermeintliche „Liebe“ zu retten). Mit schier unendlich langen Listen von „Methoden“ versucht er zu zeigen, wie kompetent er doch sei, offenbart aber tatsächlich nur seine Kontaktlosigkeit. Das entscheidende am Kontakt zwischen Therapeut und Patienten ist nicht nur, daß erst so die Techniken richtig angewendet werden können und wirksam sind, sondern auch daß erst dadurch, daß der Patient lernt Kontakt mit dem Therapeuten aufzunehmen, er lernt mit seinem EIGENEN KERN Kontakt aufzunehmen.

Dieses letztere Element ist der Wesenskern der Reichschen Therapie seit den Tagen der Charakteranalyse in den 1920er Jahren. Es geht um Übertragung und damit um die Dramen der frühen Kindheit, die die gegenwärtige Neurose erst erzeugt haben. Es geht um den bioenergetischen Kontakt mit den Eltern, der funktionell identisch ist mit dem Kontakt mit dem eigenen Kern. Wir sind BIOSOZIALE Wesen, keine bloßen Objekte, an denen Pseudotherapeuten ihren kontaktlosen Narzißmus ausleben können.

Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“ (Teil 2)

13. März 2019

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Antwort auf David Boadellas „The Breakthrough into the Vegetative Realm“

Emotionen sind für den Therapieerfolg wichtiger als Einsicht und Deutung

22. Februar 2017

So der Titel eines Tagungsberichts von dem Psychiater und Psychotherapeuten Andreas Meißner im NeuroTransmitter (Feb. 2017), dem offizielles Organ der Nervenärzte, Neurologen und Psychiater. Im Gegensatz zur ursprünglichen Psychoanalyse sei heute die Therapie dieses Traditionsstranges intersubjektiv statt hierarchisch, partnerschaftlich statt autoritär. Die therapeutische Beziehung ist der entscheidende Wirkfaktor, nicht mehr Deutung und Einsicht. Früheste nonverbale Beziehungserfahrungen werden jenseits der Sprache im prozeduralen Gedächtnis („Beziehungsgedächtnis“) abgelegt und können deshalb nicht „gedeutet“ werden, sondern es kann in der therapeutischen Beziehung allenfalls zur Nachreifung kommen. Die Gesprächsatmosphäre wird wichtiger als die kognitive Verarbeitung, denn sie schafft einen „Entwicklungsraum“. Entsprechend kommt es ganz entscheidend auf die Wahrnehmungsfähigkeit, die Lebendigkeit und das Verständnis des Therapeuten an.

Liest man die entsprechenden Ausführungen, muß man spontan an Reichs Konzept von gegenseitiger orgonotischer Erstrahlung und Anziehung denken. Etwa wenn es bei Meißner heißt:

Es handelt sich [bei Therapeut und Patient] um ein analytisches Paar, das etwas neues Drittes erschafft, eine neue Wirklichkeit, eine neue gemeinsame Erfahrung, aus der nun beide Beteiligten verändert hervorgehen, verändert in verschiedener Weise und in unterschiedlichem Ausmaß.

In dieser Art von Therapie hört der Patient auf, sich als bloßes Opfer längst vergangener Interaktionen zu betrachten, sondern (ganz wie in Reichs Charakteranalyse) tritt das Hier und Jetzt in den Vordergrund.

Soweit referiert Meißner Ausführungen des emeritierten Professors für Psychosomatik und Psychotherapie, Michael Erdmann. Im Anschluß daran beschreibt Meißner ergänzende Ausführungen des Professors für Verhaltensphysiologie und Neurobiologie, Gerhard Roth:

Pränataler und früh postnataler milderer Streß der Mutter führt beim Kind zu einem erhöhten Kortisolspiegel, der einhergeht mit Überängstlichkeit, Melancholie oder Angststörungen. Bei stärkerem, chronischem und nicht bewältigbarem Streß führt der entsprechende Hyperkortisolismus zu atypischer Depression, Empfänglichkeit für posttraumatische Belastungsstörungen und zu emotionaler Unempfindlichkeit bis hin zur Psychopathie (wie man sie etwa beim „gefühllosen Berufskiller“ findet). Der Hyperkortisolismus geht fast immer mit einer verminderten Serotoninproduktion einher, was zu Störungen der Regulation von Nahrungsaufnahme, Schlaf, Temperaturregulation, der Fähigkeit der Verhaltensregulation, Beruhigung und Wohlbefinden, etc. führt. Reich sprach hier von „Sympathikotonie“, der chronischen energetischen Kontraktion des Organismus, die bereits im Uterus anfange, spätestens aber während und unmittelbar nach der Geburt.

Dem könne, so Roth, ein Oxytocinanstieg im Rahmen einer liebevollen Interaktion entgegenwirken. Die Kortisolproduktion werde verhindert, der Serotoninspiegel steige. Damit sei die Möglichkeit einer Kompensation früher psychischer (gemeint ist wohl eher emotionaler) Defizite gegeben.

Aus diesem Grund seien auch rein kognitive Therapiestrategien kaum erfolgreich. Die neurobiologische Forschung zeige, daß die Wirkung etwa der kognitiven Verhaltenstherapie auf emotional wirkenden Faktoren beruhen müsse, wie die Bindung zum Therapeuten und das konkrete verhaltenstherapeutische Training und Einüben im Hier und Jetzt. Ähnliches ließe sich über die „einsichtsvermittelnde und bewußtmachende“ Psychoanalyse sagen. „Eine rein sprachlich aufklärende Mitteilung wirke nicht auf die subkortikalen limbischen Zentren, erläuterte Roth. Wirksam wird die Behandlung, wenn emotionale Dinge eine Rolle spielen.“ Ähnliches sagte Reich in der damaligen Begrifflichkeit seit Anfang der 1930er Jahre. Die psychoanalytischen Sektierer haben ihn dafür mit einem gnadenlosen Haß und abgrundtiefer Verachtung gestraft.

Auf die Orgontherapie verweist folgende Stelle in Meißners Aufsatz: Durch die therapeutische Allianz komme es zu den erläuterten neurobiologischen Veränderungen hinsichtlich Kortisol, Serotonin, Oxytocin, etc. Doch „Roth wies darauf hin, daß die eigentlichen strukturellfunktionellen Defizite dabei aber offenbar nicht behoben werden, was die hohe Rückfallquote von 80% erklären könnte“. Deshalb spiele „das Aufspüren von Ressourcen und das Einüben alternativer Schemata im Fühlen, Denken und Handeln“ in einer zweiten Therapiephase eine große Rolle. Die neurobiologische Umstrukturierung brauche halt Zeit. Schön und gut, aber tatsächlich scheitern diese Therapien letztendlich, weil die PANZERUNG nicht angegangen wird!

„Reichianische Körperpsychotherapie“ und Psychiatrische Orgontherapie

17. August 2016

Therapeuten, die nicht wissen, was sie tun, nehmen aus Unsicherheit zu dramatischen Interventionen Zuflucht. In der „Körperpsychotherapie“ sind das etwa „Streßpositionen“ nach Alexander Lowen oder direkte körperliche Interventionen, um die Panzerung „aufzubrechen“. Es wird strengen Vorgaben gefolgt, wie der Patient zu liegen hat, wie er Arme und Beine zu halten hat, wie er zu atmen hat, etc. All das soll überspielen, daß der Therapeut nicht weiß, was er tut, und nicht mal eine Diagnose hat stellen können. Seine Unsicherheit überspielt er mit Show und Action.

Die Orgontherapie beruht darauf, daß der Therapeut eine biopsychiatrische (= auf der Struktur der Panzerung beruhende) Diagnose gestellt hat und sich der jeweiligen Blockaden seines Patienten bewußt ist, die dem vollständigen Orgasmusreflex (= der Fähigkeit des Organismus als Einheit zu funktionieren, ganz, d.h. gesund zu sein) entgegenstehen. Daraufhin versucht er die Blockaden auf geordnete Art und Weise aufzulösen. „Geordnet“ meint hier, daß jede Blockade eine Funktion hat, die erkannt werden muß, bevor man sich daran macht sie zu beseitigen. Ansonsten kann es nämlich zu einem Desaster kommen. Man muß wissen, was man tut, bevor man einem Krüppel seine Krücke wegschlägt!

Ein neutraler Beobachter wird sich wahrscheinlich darüber wundern, daß die Interventionen des Orgonomen selten sind und zu einem Gutteil konventionell wirken, jedenfalls im Vergleich zum theatralischen Aktionismus des „Reichianischen Therapeuten“. Der eine bleibt gelassen, weil er weiß was er tut, d.h. wie er den weitgehend autonom verlaufenden Heilungsprozeß („Ganzwerdungsprozeß“) anregen und aufrechterhalten kann, der andere kompensiert seinen Amateurstatus mit hektischem, „zersplitterndem“ Engagement und – zerstört die Selbstregulation des Patienten endgültig.

Ich verweise auf die denkbar eingehende Beschreibung der Orgontherapie auf www.w-reich.de.

Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 7)

9. April 2015

DIE ZEITSCHRIFT FÜR ORGONOMIE

Charles Konia: Die Gefahren von Körpertherapien: Drei Fallstudien (Teil 7)

acologo

Münchhausen, Lenin und die Orgontherapie

3. Dezember 2013

Man begegnet immer wieder Leuten, die sich der „Selbstbefreiung“ verschrieben haben und sich deshalb niemals einem (Orgon-) Therapeuten aussetzen würden. Wie Münchhausen wollen sie sich selbst am Schopf packen und aus dem Sumpf ziehen. Ihr Denkfehler liegt darin, daß, wenn sie sich selbst aus ihrer Neurose befreien könnten, sie gar nicht neurotisch wären!

Immerhin kommen sie der Wahrheit ziemlich nahe, denn es gäbe für ihre langfristige seelische Gesundheit kaum etwas verheerenderes als aktionistische Therapeuten, die sie mit allen möglichen Techniken, insbesondere „körpertherapeutischen“ Interventionen, von außen befreien wollen. Derartige „Erziehungsdiktaturen“ mögen oberflächlich betrachtet zu einer Verbesserung führen, doch tatsächlich wird so die Unfähigkeit zur Selbstregulation nur noch tiefer verankert. Deshalb sind „Orgontherapeuten“, die an ihren Patienten eine „körpertherapeutische“ Intervention nach der anderen ausführen, ihnen eine Vorgabe nach der anderen machen, in Wirklichkeit das Gegenteil von Orgontherapeuten: es sind pestilente Charaktere, die auf sadistische Weise das Lebendige drangsalieren und narzißtisch ihre angemaßte „Autorität“ genießen.

patientEin richtiger Orgontherapeut macht dem Patienten klar, daß er ihn nicht „gesund machen“ kann. Oder wie mir mein erster Orgontherapeut sagte: „Die Patienten wollen immer, daß ich sie von ihrer Neurose befreie. Wie soll ich das machen? Ich bin doch kein Magier!“ Der Orgontherapeut ist kein „Führer“, der schon alle Antworten kennt und dem man nur zu folgen braucht, sondern ein, wie Reich ihn in Christusmord nannte, „Neuer Führer“, der jede Verführung „ein Führer“ zu sein, zurückweist, vielmehr nimmt er die Menschen ernst und läßt sie sich selbst retten, indem er ihnen die Verantwortung für ihr eigenes Leben auferlegt. Das macht er, indem er verhindert, daß sie ständig dem Wesentlichen ausweichen.

Ein Orgontherapie-Patient übernimmt selbst die Verantwortung für seine Gesundung – oder er ist gar kein Orgontherapie-Patient.