von Robert Hase
Es gab zwei Bernds in der Reich-Szene. Der eine, Bernd Laska, verlor nach einer Zeit das dezidierte Interesse an Reich und erkor zwei Philosophen zu seinem Interesse, die er als Vorläufer des frühen Reich hielt. Der andere, Bernd Senf, hielt jahrzehntelang Vorträge über Reichs Forschungen und sorgte dafür, dass Reichs Spätwerke ins Deutsche übersetzt wurden.
Als ich mit meiner damaligen Freundin am Spandauer Havelufer in Berlin spazieren ging, traf ich zufällig Bernd Senf am 22.08.2022. Es war ein schöner Spätsommertag. Zufällig hatten wir vorher noch einen Bekannten meiner Freundin getroffen, so dass diese sich mit diesem unterhalten konnte.
Ich erkannte Bernd Senf sofort. Ich sprach ihn auch direkt an und sagte, ich kenne ihn schon seit 1980. Ich lobte ihn, dass er sehr viel für das Interesse an und die Bekanntmachung von Wilhelm Reich getan hat.
Ich bedankte mich bei ihm dafür, und er fragte mich, ob ich damals dabei gewesen bin, als der Therapeut Navarro ihn vor allen Augen bei einen seiner Vortrags-Abende angegangen war. Bernd Senf schien noch immer sehr betroffen über diese therapeutische Intervention gewesen zu sein.
Leider hatten wir nicht allzu viel Zeit, miteinander zu reden, da ich auf meine Freundin Rücksicht nehmen musste. Ich verabschiedete mich deswegen bald wieder von ihm, und damit war die letzte Begegnung mit Bernd Senf geschehen. Immerhin konnte ich noch dieses Abschiedsfoto machen.
Schlagwörter: Berlin, Bernd Laska, Bernd Senf, La Mettrie, LaMettrie, Max Stirner, Philosophen, Reichianer, Wilhelm Reich

10. Oktober 2026 um 12:29 |
Wie abstrus, kontaktlos, „okular“ Linke denken:
10. Oktober 2026 um 17:07 |
Das beste an ihm war sein Spruch „lösen kommt von loslassen“ o.s.ä., ich guck mal schnell nach…: „Die Lösung der Blockierung ist die Lösung –
behutsam, nicht gewaltsam.“ Navarro scheint wohl gewaltsam gegen ihn losgegangen zu sein…
11. Oktober 2026 um 08:28 |
Also, wenn ich mich richtig erinnere, was er mir so erzählt hat, hat er mich gefragt, ob ich bei der Veranstaltung dabei gewesen bin, als Federico Navarro ihn vor allen Leuten auseinandergenommen hat. Vermutlich charakteranalytisch und ihn sinnbildlich bis auf die Hosen ausgezogen hat. Das war wohl in einer der Veranstaltungen, die Bernd Senf gegeben hat, vermutlich in der Fachhochschule für Wirtschaft. Und da hat er immer verschiedene Leute eingeladen. James DeMeo war mal da und andere. Und bei einer dieser Veranstaltungen war wohl auch Navarro dabei und der hat ihn dann vor allen Augen so charakteranalytisch irgendwie attackiert. Wie er das gemacht hat, weiß ich auch nicht, vielleicht hat er nach persönlichen Dingen gefragt oder Senfs Fassade angegriffen, und das scheint ihn doch ziemlich irritiert zu haben, sagen wir mal so. Mehr weiß ich auch nicht. Die Begegnung ist auch schon vier Jahre jetzt her und dass ihm das in diesem Augenblick einfiel, als wir uns da kurz getroffen haben – für was weiß ich, zwei Minuten oder noch weniger – war schon erstaunlich.
12. Oktober 2026 um 09:11 |
„als Federico Navarro ihn vor allen Leuten auseinandergenommen hat. Vermutlich charakteranalytisch und ihn sinnbildlich bis auf die Hosen ausgezogen hat“ – ich wundere mich über sowas. Man kann ja allerlei denken, aber allen Ernstes jemanden öffentlich ‚charakteranalytisch‘ auseinandernehmen? ‚Charakteranalye‘ als öffentliche Beschimpfung? Man muss es erlebt haben, ich weiß nicht, was da passiert ist. Deutlich wird dabei allerdings, dass manches nicht in die Öffentlichkeit gehört, schon gar nicht als Kampfmittel. Wenn ich mich hier darüber ausließe, was ich über den-und-den Reichianer denke, …
12. Oktober 2026 um 10:44 |
Merkwürdige Geschichte! Da ich Bernd Senf gut kannte und in jener Zeit auch öfters mal auf seinen Wilhelm-Reich-Veranstaltungen in der Fachhochschule für Wirtschaft in den Badenschen Straße (übrigens residierte früher Hermann Göring da…) war, würde mich Näheres zu dem Vorfall mit Navarro interessieren. Man wird aber wohl keine Augenzeugen mehr auftreiben können.
Was ich immer schon sehr merkwürdig fand, war, dass Bernd Senf Fachhochschulprofessor (ohne Habilitation) für WIRTSCHAFT war, aber offenbar nebenbei als reichianischer KörperTHERAPEUT (Bioenergetik nach Lowen) tätig war. In einer der Veranstaltungen mussten wir Teilnehmer sogar alle diese Bioenergetik-Position („Grownding“) einnehmen, also mit leicht gebeugten Knien so lange stehen bleiben, bis die Beine schließlich anfingen zu zittern – was Bernd als ORGONENERGETISCHES Phänomen deutete…
Ich meine, wenn ich an Reichs „Arbeitsdemokratie“ denke, sollten diejenigen Menschen in einem Fachgebiet das Sagen haben, die hier professionell über die größte Expertise und Berufserfahrung verfügen.
Ein gut ausgebildeter Psychologischer oder Ärztlicher Psychotherapeut würde doch auch nie auf die Idee kommen, in volkswirtschaftlichen Makro-Analysen über Ursachen und Folgen der Inflationsspirale für die metallverarbeitende Industrie herum zu dilettieren. Bzw., er kann es natürlich machen, richtet damit aber zumindest keinen Schaden an.
Aber ein VOLKSWIRT, der sich berufen fühlt, psychische KRANKHEITEN „körpertherapeutisch“ zu BEHANDELN, da kriege ich doch ein großes Fragezeichen auf der Stirn. Also OHNE Kenntis der psychiatrischen Krankheitslehre, ohne elementare Kenntnisse zumindest der Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers, und ohne jemals in einer Klinik gearbeitet zu haben??? Was macht der Volkswirt, wenn seine „Patientin“ beim intensiven Atmen durch bioenergetische Übungen plötzlich einen Asthma-Anfall kriegt???
Auch charakterlich erschien mir Bernd nun so überhaupt nicht geeignet für den Therapeutenberuf, zumal er, ähnlich wie das ebenfalls verstorbene Berliner Idol Heiko Lassek, m.W. niemals eine eigene Orgon- oder sonstige Therapie bzw. „Lehranalyse“ oder Therapieausbildung usw. durchlaufen hat. Ich finde es nicht richtig, wenn sich Volkswirte, vermutlich aus narzisstischen Gründen, selber als „Körpertherapeuten“ an „Patienten“ erproben. Aber so war das halt in der guten oder eben nicht so guten Berliner Reich-Szene der 1980er und 1990er Jahre. Selbst ein John Trettin, der m.W. in Deutschland weder einen Studien- noch einen Berufsabschluss erworben hat, fühlte sich berufen, als „Orgontherapeut“ nicht nur zu arbeiten, sondern sogar ein AUSBILDUNGSINSTITUT für angehende Orgontheraputen zu gründen. O tempora, o mores…
12. Oktober 2026 um 11:51 |
Gott ja, die vielen Therapeuten! Als ich etwa zeitgleich mit jemandem von Gö. nach Berlin zog, um in Berlin Therapie zu machen, war der dann plötzlich Therapeut.
Was Senf betrifft, erinnere ich mich, wie ich in einem seiner Vorträge große Unterschiede zu Tantra, Yoga u.dgl. betonte, Unterschiede, die er für belanglos hielt, denn es gehe – mit meinen Worten wiedergegeben – überall um Befreiung (mit meinen Worten, aber das war der Tenor, denke ich).
12. Oktober 2026 um 16:31 |
Ich glaube übrigens, dass es das nur in der Orgontherapie gibt.
Selbst Reichs Klavierlehrer (!) fühlte sich berufen, eine eigene „körperpsychotherapeutische“ Schule zu begründen. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, dass ein Nicht-Psychologe bzw. Nicht-Arzt plötzlich anfängt, als Verhaltenstherapeut oder als Psychoanalytiker zu arbeiten.
Wobei bei den Letztgenannten die sogenannte „Laienanalyse“ ja zu Reichs Wiener Zeit eine gewisse Rolle spielte (z.B. der Germanist und Philologe Otto Rank) – Peter hat hierüber ja viel diskutiert.
Das klingt so, als ob ausgerechnet die Orgontherapie (die, obwohl sie vordergründig so „leicht“ aussieht, in Wirklichkeit höchste fachliche Kompetenz erfordert) mal eben so von Laien mit einem guten „Bauchgefühl“ praktiziert werden könnte. Wie z.B. eben von Volkswirten.
12. Oktober 2026 um 17:23 |
Die Gegenwahrheit ist, daß die Orgonomie generell nur durch das „Laien-Publikum“ vorankommt. Die überwiegende Mehrheit der heutigen Orgonomen wurden als Jugendliche angefixt und haben nur deshalb das langwierige Medizin- und anschließende Psychiatrie-Stidum auf sich genommen, um Orgontherapie praktizieren zu können. „Wissenschaftler“ sind meist einfach zu dumm (sic!), um von der Wahrheit faszniert zu sein. Sie haben ja bereits alle Antworten: Sex findet nur im Gehirn statt, Physik ist ein Spiel mit Scheinbildern, Leben ist nur Kohelnstoffchemie., Soziologie nur, je nachdem, Rassenkampf (Genetik) oder Klassenkampf. Nur „Laien“ glauben nicht an diesen Schwachsinn!
12. Oktober 2026 um 16:38 |
Claus, „Charakteranalyse als öffentliche Beschimpfung“ wurde durchaus regelmäßig eingesetzt! Und zwar in den sehr radikalen AAO-Kommunen des Aktionskünstlers Otto Mühl, der sich explizit auf Wilhelm Reich berief
12. Oktober 2026 um 16:41 |
…und in etwas abgewandelter Form auch in der Nürnberger Indianerkommune, die übrigens schon 1980 Bernd Laskas Wilhelm-Reich-Blätter abonniert hatte. Also von „Psychosekten“.
13. Oktober 2026 um 12:08 |
Beide Organisationen hatten einen Hang zur Pädosexualität. Die Indianerkommune setzte sich offiziell für die Legalisierung von gewaltfreien Erwachsener-Kinder-Sexkontakten ein und Otto Mühl kam wegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in seiner Kommune ins Gefängnis.
12. Oktober 2026 um 16:45 |
NOCH bizarrer war wohl nur der (ernstgemeinte) Vorschlag eines „berühmten“ linken Berliner Reichianers, dessen Namen ich hier nicht nennen will, bei militanten politischen Demonstrationen den Reichschen Cloudbuster gezielt auf die Polizei-Mannschaften zu richten, um „den Bullen die Lebensenergie aus ihren Körpern zu saugen, bis sie vor Schwäche kollabieren“. Im Ernst, kein Scheiß jetzt!
12. Oktober 2026 um 18:53 |
Peter, es ging mir hier nicht darum, wie „Laien“ von der Orgonomie angezogen werden und sie befruchten (damit hast Du sicher recht), sondern es ging bei meinem Argument nur um die BEHANDLUNG psychischer Krankheiten!
Und die möchte ich eben nicht in den Händen von Laien wissen…
12. Oktober 2026 um 19:23 |
Prinz Reuß, der Staatsfeind Nummer 1, hat Pyramiden im Garten, wegen einer Energie, deren Physik noch nicht verstanden wird.
Minute 20:46
12. Oktober 2026 um 21:17 |
Ja, bloß: Ist das nicht Standard unter irgendwie Rechten? Haben eine gesunde Ahnung davon, dass da etwas … ist, was man nicht versteht, daher auch oft etwas religiös. Und dieselben wollen uns häufig noch tiefer in Kerntechnik involvieren, das Land damit übersäen. Ich suche nach denen, die jene Ahnungen teilen, Letzteres aber gerade nicht wollen. Und wenn es mal so jemanden zu geben scheint, dann will er sich verstecken.
14. Oktober 2026 um 01:04 |
Er, jener im September 2026 verstorbene, hinterlässt troz seiner repitativen Vortragsreihe einen zweigeteilten Eindruck: Begeisterung und erste Orientierung für Neulinge, aber auch zu gleich einen Haufen an oberflächlichen und vergleichenden Erkenntnissen bis hin zu einer Verwässerung von W.R.; es entstand der trügerische Eindruck, dass doch jeder hier willkommen sei, wo doch nur die eigene Gruppe hofiert wurde und jeder andere, wollte er etwas beitragen aufs Schärfste hintrum ausgegrenzt wurde. Kritik schien hier nicht erlaubt, schon gar nicht an ihm selbst oder gegen diese Gruppe. Der „Totalschaden“, der hingegen durch allzu lässige Interpretationen von Reichs Themen – z.B. rund um die Orgonenergie – entstand, weil es nicht mehr einzuschätzen sein wird, wann die OR sicher und richtig angewendet werden kann, ist sein Erbe. Himmelsakkupunktur und deadly OR-Strahler wurden zu Orgonit und anderen Fake Instrumenten, die angeblich auf Reich, jedoch mehr auf Senf zurückgehen. Doch viel tödlicher war der Sumpf an „Reichianern“, die sich seiner Rückendeckung immer sicher sein konnten. In diesen Sumpf führte er nicht nur mich, sondern viele andere. Zu spät kam die Erkenntnis, wenn überhaupt, dass diese Sekte nicht der Idee von Reich dienen wollte, sondern eigennützig nur das Feld der Orgonomie besetzte, damit bloß kein anderer hier Fuss fassen sollte.
Ich hätte vor zwei Jahren ihn zufällig sehen können, doch ich flüchtete noch rechtzeitig, um mir diese letzte Begegnung zu ersparen.
Für mich war Bernd A. Laska der wahre Vertreter der Sache Reichs und so erscheint es mir nur fair, auch mit ihm zu antworten und an die hier schon früh sich anbahnenden Konflikte zur erinnern.
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