Filmkritik: Der neue Reich-Film

von Robert (Berlin)

In den Räumen der Sigmund-Freud Privatuniversität des riesigen Tempelhofer Flughafengebäudes gab es am 26. Juli 2018 die deutsche Erstaufführung des Films „Love, Work and Knowledge. The life and trials of Wilhelm Reich“.

Am Empfang gab es gleich einen netten Stoffbeutel mit Infomaterial. Für Essen (Knabbereien) und Getränke war obendrein gesorgt. Der Film wurde wegen hoher Anmeldezahlen in zwei Räumen gezeigt.

Augenblicklich erkannte ich die Koryphäen Bernd Senf und Heike Buhl. Nach einer kurzen Einführung durch einen Studenten ging es los.

Der Film selbst hat die Lauflänge von 110 min, was ziemlich mühevoll war. Da der Film in Englisch ist, war hier die Sprecherin von besonderer Bedeutung. Aber sie sprach leider ziemlich verwaschen, wie mir meine Nachbarin bestätigte, was das Verstehen noch schwieriger machte.

Einige Schwerpunkte im Film waren der Konflikt mit Freud und der Verfolgung durch das FBI. Es wurden viele unbekannte Fotos und Filmclips gezeigt, häufig war die Stimme von Reich selbst zu hören. Reich filmte selbst Aufmärsche der KPD. Seiner Zeit als Psychoanalytiker wurde viel Platz geschenkt, aber ob Aussagen von heutigen linken Psychoanalytikern oder eines abgehalfterten Soziologen wirklich so wichtig sind, bezweifle ich.

Der Zeit mit Elsa Lindenberg wurde viel Platz gegeben. Besonders manche Fotos von Reich zeigen ihn von einer mir bisher unbekannten, ausdrucksvollen Art. Weiterhin wurden unbekannte Fotos seiner Familie und Mitarbeiter gezeigt. Teile der Funktion des Orgasmus und People in Trouble scheinen von Reich vor der Publikation auf Magnetband gesprochen zu sein, wie im Film zu hören war.

Sehr interessant ebenfalls spätere Aufnahmen und Filmclips vom Orgonmotor, den Mäuseexperimenten und dem ersten Bau des ORAC, häufig in Farbe. Jedoch ist die amerikanische Periode sehr stark der Verfolgung und dem Prozess gewidmet. Hier fehlte mir einiges, so z.B. die therapeutische Entwicklung.

Leider ist der gesamte Film mit einem traurig klingenden Streichinstrument unterlegt, was eine bedrückende Atmosphäre hinterlässt. Da doch einige Punkte von Reichs Leben wegfielen, ist zu fragen, ob der Film nicht besser in zwei oder drei Teilen hätte gedreht werden sollen. Desgleichen der Schnitt erschien seltsam unausgegoren, manchmal erschienen Szenen aus späteren Zeiten, die Kohärenz war mir nicht ersichtlich. Im Abspann merkte man, dass eine starke Linksdrift vorhanden war, das ACO tauchte nicht auf. Morton Herskowitz wurde mehrmals mit seinen Aussagen wiedergegeben.

Bei der anschließenden Diskussion war ich nicht mehr dabei.

Fazit: Der Film überzeugt mit viel neuem Material. Insgesamt ist er etwas lückenhaft und manchmal wieder weitschweifig. Allerdings bin ich nicht in Lage, alles korrekt zu beurteilen, weil meine Englischkenntnisse verbesserungswürdig sind. Eine Teilnehmerin meinte, Untertitel (in Englisch) wären gut gewesen.

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12 Antworten to “Filmkritik: Der neue Reich-Film”

  1. Peter Nasselstein Says:

    Meine Frage ist, ob da irgendwas über die kommunistische Verschwörung und UFOs gesagt wurde.

    • Robert (Berlin) Says:

      Auf Brady wird jedenfalls eingegangen, die kommunistische Verschwörung konnte ich wie UFOs nicht feststellen. Dies bitte alles unter Vorbehalt, da es in einem Satz hätte vorkommen können, den ich nicht mitbekam. Meine Fähigkeit der Aufnahme wurde mit der Zeit auch immer schwächer. Da der Film von Linken wie Hinchey und Strick dominiert wird, eher unwahrscheinlich.
      Auf Cloudbusting wird jedoch ausreichend eingegangen. Zu Wort kommen noch die Personen auf den Filmframes:
      https://www.sfu.ac.at/de/event/psy-wilhelm-reich-veranstaltung-mit-filmvorfuehrung/
      Da fehlt noch Håvard Friis Nilsen, der mehrmals zu Wort kommt.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Die orgnomischen Film-Projekte, dieses und das vom ACO (ROOM FOR HAPPINESS), sind Zeit- und Geldverschwendung! Die werden eh kaum je in normalen Kinos oder im Fernsehen gezeigt! Was soll der Scheiß? Gezeigt werden sie in kleinen Zusammenkünften wie etwa die der SFPU. Und das wars dann.

    Es ist so einfach und billig heute Spielfilme ohne großen Aufwand herzustellen, auf DVD zu pressen und bei YouTube einzustellen – und schon hat man ein weitaus größeres Publikum als diese größenwahnsinnigen Filmprojekte, in denen man Hollywood nachäfft.

    Mein Hobby sind religiöse Sekten. Ich gucke gerade das unten. Schnell produziert, schnell verbreitet – und kaum schlechter, wenn nicht sogar BESSER (da spontan, „hemmungslos“ und ohne Rücksichten abgefilmt und geschnitten) als die beiden erwähnten Großprojekte!

    • stephan Says:

      Falls jemand hier die DVD „Room for Happiness“ besitzt sollte er/sie vielleicht vielleicht mal komplett auf Youtube hochladen 😉

  3. Sebastian Buhr Says:

    Wann bekommt man eigentlich die DVD, wenn man das Projekt unterstützt hat?

  4. Peter Nasselstein Says:

    Um Reich zu verstehen, muß man ihn auf heutige Verhältnisse übertragen. Etwa wenn multinationale Konzerne im Verein mit Sozialisten Konkurrenz zerstören. Damals war es die Pharmaindustrie im Verein mit „Verbraucherschützern“ a la der Linken Mildred Brady. Heute ist es (beispielsweise) Volvo im Verein mit „Umweltschützern“, die das amerikanische Nutzfahrzeuggeschäft zerstören:

    Regulatory capture, secret emails, EPA bureaucrats colluding with multinational corporations to shut down competitors:

    Reichianer, wie die Macher dieses Films, sind natürlich auf der Seite der „Umwelt“ und verachten Reich wegen seiner „Verschwörungstheorien“.

  5. Robert (Berlin) Says:

    https://congress.eabp.org/2018/site/de/reich-film-english/

    Nach dem Film findet eine Diskussion statt: Moderation: Manfred Thielen, TeilnehmerInnen: Andreas Peglau, Marc Rackelmann und vor allem das Publikum “
    Termin: 5.9.18 19:00 Uhr
    Ort: Hörsaal 1a, “Silberlaube”, Habelschwerdter Allee 45,
    14195 Berlin
    Für KongressteilnehmerInnen ist der Eintritt frei, ansonsten kostet er 10.- Eintritt.

    • O. Says:

      Jo, es wäre auch zu schön gewesen, wenn sie mal den Mund gehalten hätten.

      Zur Erinnerung: aus Frust über die WRG-Hollywood-Produktionen zu Reich sollte eine Gegendarstellung am Original orientiert über Reich sachlich berichten, auf dass man die Orgonomy wieder verstehen könnte.

      Statt dessen wird es zur Werbeplattform der WRG-ler genutzt.

      „Diskutieren“ werden hier Personen, die einer Meinung sind und Reich seit über 20 Jahre für sich beanspruchen. Wer will das schon hören? Ich nicht.

      Nun wer meint ich hätte das EABP Publikum (meist „Körperpsychotherapeuten“ vermutlich auch aus der DGK) vergessen, nein – deren Meinung würde mich auch nicht interessieren. Also wen hat es interessiert?

  6. Peter Nasselstein Says:

    Prominente Interviewte in dem Film ist Alice Kahn Ladas (97), die durch das Buch Der G-Punkt: das stärkste erotische Zentrum der Frauen (Heyne, München 1983) bekannt wurde. Sie war Teil von Reichs Orgonomic Infant Research Centre und hat dann zusammen mit Alexander Lowen das Institute of Bio-energetics gegründet. Außerdem wurde sie von Ola Raknes ausgebildet.

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