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EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Reich, Rambo und Eden

17. September 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Reich, Rambo und Eden

Buchbesprechung: REICH – FOR BEGINNERS von David Zane Mairowitz (Teil 1)

11. September 2020

Reich – for Beginners. Von David Zane Mairowitz. Writers and Readers Publishing, Inc., New York, 1986, 174 Seiten, 6,95 $
[Wilhelm Reich kurz und knapp, Zweitausendeins, Frankfurt/M, 1995, 167 Seiten]

von Paul N. Mathews, M.A., Brooklyn, NY

 

Ich nehme an, es war unvermeidlich, dass jemand ein Buch über Reich mit dem Titel Reich – for Beginners1 schreiben würde. Ehrgeizig durchläuft der Autor das gesamte Spektrum von Reichs Leben und Werk von der Kindheit bis zum Tod, von der Psychoanalyse bis zum Cloudbusting. Wie erfolgreich er ist, ist eine andere Sache. Nicht unpassend für den Titel ist das Comic-Format. David Mairowitz, der Autor, zeigt dennoch mehr als Anfängerwissen über Reich und manchmal sogar ein Verstehen. Es ist offensichtlich, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat und einen ironischen und satirischen Sinn für Humor hat. Es ist auch offensichtlich, dass dieser 174-seitige Band viele Unklarheiten und Zweideutigkeiten sowie einige Fehler und Verzerrungen enthält.

Letztere manifestieren sich in mehreren „Kritiken“ und „Zwischenbemerkungen“, in denen der Autor seine eigenen Vorstellungen und Interpretationen von Reich zu mehreren entscheidenden Fragen darlegt. Die erste dieser „Kritiken“ wirft Reich vor, „genital besessen“ zu sein, und in der der Autor seine eigene These darlegt, dass es eine Unterscheidung zwischen männlicher und weiblicher Sexualität gibt, „die oft erbringt, daß sexuelle Lust nicht unbedingt vollständig auf der genitalen Hingabe beruhen muss“. Er stellt fest, dass die Stimulation der Klitoris auch eine Funktion der sexuellen Befriedigung bei Frauen ist … „wobei ein männlicher Partner nicht einmal nötig ist“. Offensichtlich hat der Autor bei all seinen Lektüren und Studien über Reich den häufig gemachten Standpunkt von Reich und seinen Mitarbeitern übersehen, dass prägenitale Funktionen sehr wohl eine Rolle für die sexuelle Lust spielen und nur dann pathologisch werden, wenn sie das Endziel der genitalen orgastischen Befriedigung ersetzen.

Der Autor geißelt Reich auch wegen seiner angeblich „lebenslangen Haltung zur männlichen Homosexualität“ als „Neandertaler“. Er stellt fest, dass Reich Homosexualität als „Abweichung, die geheilt werden sollte“, betrachtete, dass er nie einen homosexuellen Patienten aufgenommen habe und dass er, einmal darum gebeten, geantwortet habe: „Ich will mit solchen Schweinereien nichts zu tun haben.“a Wiederum irrt er sich, was die Behandlung homosexueller Patienten durch Reich betrifft. Es nicht getan zu haben, wäre eine Unwahrscheinlichkeit für jemanden, der die Struktur des passiv-femininen Charakters klar verstanden und der den Artikel Das Problem der Homosexualität (J. of Orgonomy, 20(1), 1986) geschrieben hat, in dem er unmissverständlich seine Missbilligung der moralistischen, nichtklinischen Geringschätzung und Verfolgung von Homosexuellen zum Ausdruck bringt. Reich ist sich über die Pathologie der Homosexualität im Klaren und hier unmissverständlich, warnt aber vor einer moralischen und rechtlichen Verurteilung eines opferlosen, pathologischen Musters des sexuellen Ausdrucks. Der Autor hat seine Informationen offensichtlich aus dem Buch von Reichs ehemaliger Frau Ilse Ollendorff. Es ist weithin anerkannt, dass ehemalige Ehepartner häufig keine glaubwürdigen Quellen für genaue Informationen übereinander sind.

 

Anmerkungen

1 Vielleich sollte man darauf hinweisen, dass dieser Band zu einer Reihe von Büchern „für Anfänger“ gehört, die sich hauptsächlich mit linken Figuren wie Marx, Lenin und Engels beschäftigt haben – obwohl auch Einstein und Freud enthalten sind.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Zitat im Original in Deutsch.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 20 (1986), Nr. 2, S. 293-296.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Wahrheit und Wirklichkeit (Teil 2: die fundamentale Ebene)

7. Juli 2020

Willkürlich greife ich ein entsprechendes Erlebnis aus ziemlich vielen heraus. Aus dem Zusammenhang gerissen erwähnte jemand im Büro mir gegenüber einen „Problemkunden“, Herrn xyzabz. Alles andere als ein gewöhnlicher Name! Wir unterhielten uns humorvoll über ihn, und dabei ging ich zum Fenster auf der anderen Seite des Büros und schaute auf die Straße hinunter. Ich sah (zum ersten Mal in meinem Leben) dort unten auf dem großen städtischen Platz ein Auto eines Beerdigungsunternehmens mit der großen Aufschrift „xyzabc“ auf dem Rückfenster. Wir alle waren völlig verblüfft. Es war ganz so, als ob „das Universum“ einen (wirklich passenden!) „Kommentar“ zu unserem Gespräch über Herrn xyzabc abgeben würde! Von dem astronomischen Zufall ganz zu schweigen!

Irgendetwas „stimmt“ nicht mit der Realität selbst. Das ist auch der Grund, warum Verschwörungstheorien bei mir nicht so gut funktionieren. „Ist es nicht bemerkenswert, daß zur Zeit und am Ort des JFK-Attentats, bei 9/11 usw. dieses und jenes geschah?!“ „Nun ja…“ Es gibt einen Bereich jenseits von oder, besser gesagt, neben Ursache und Wirkung. Etwas, das eng mit dem Bewußtsein selbst verbunden ist. Und auch das Bewußtsein ist etwas, das von Ursache und Wirkung getrennt ist. Wie Dr. Robert A. Harman aufgezeigt hat, hat dieser Bereich etwas mit kosmischer Überlagerung, Schwerkraft usw. zu tun, mit KOORDINIERUNG jenseits von Raum und Zeit.

Reich wurde beeinflußt von Kant (über F.A. Lange), Hegel (über Marx/Engels) und Platon (gewissermaßen über Freud: Eros, Thanatos, die Triebe, Ödipus usw. sind platonische Ideen, wie in Jungs Archetypen deutlich wird; siehe auch, was Freud über sein Konzept der „Libido“ und Platon schrieb). Alle drei verbinden Bewußtsein und Realität auf einer fundamentalen Ebene. Wie Kant betonte, muß es etwas „Transzendentales“ geben, damit wir überhaupt etwas über die Realität verstehen können (siehe auch Leibniz‘ „prästabilierte Harmonie“), nach Hegel bewegen sich Realität und Bewußtsein nach ein und denselben Regeln und nach Platon ist die Wirklichkeit bloßer flacher Schatten „überwirklicher“ mehrdimensionaler Ideen.

All dies wird verdaulicher mit Nietzsches Vision der ewigen Wiederkehr des Gleichen, die impliziert, daß dein Ich/Selbst/Bewußtsein eine Illusion ist: wir sind das Universum, was bedeutet, daß dieser Moment unseres Bewußtseins mit diesem Moment des gesamten Universums identisch ist. Wir sind keine „freischwebenden Geister“, sondern gehören in einem grundlegenderen Sinne hierher, als wir uns das jemals ausmalen könnten. Und in Momenten der „Synchronizität“ erkennen oder vielmehr ahnen wir schwach etwas von einer Überrealität, die tiefer ist, als jede ach so tiefgründige Religion je erfassen könnte. „Tiefer“ im Sinne des berühmten Nietzsche-Gedichts!

Synchronizität ist letztendlich mit der Kosmologie verbunden, die man auf den Kampf mit Paradoxa, etwa das Olbers’sche Paradoxon, reduzieren kann… Gegenwärtig habe ich das Gefühl, daß dieser Kampf darauf hinausläuft, das ich die Beziehung zwischen relativer Bewegung und koexistierender Wirkung nicht verstehe. Ich kann Geschichte, Entwicklung usw. verstehen (Heraklit) und ich kann „Existenz“ (Parmenides) verstehen, aber es ist nicht einfach, sie miteinander zu verbinden.

Historisch wurde dies durch strömende Atome gelöst (Demokrit), die der Vorläufer der Orgonenergie sind (siehe Äther, Gott und Teufel). Aber dies war offensichtlich nichts weiter als ein billiger Kompromiß, der nichts wirklich löste. Reich versuchte voranzukommen, indem er alle mechanischen Konzepte hinter sich ließ und sich ausschließlich auf die Bioenergetik konzentrierte, mit dem Psychiater als dem ultimativen Naturwissenschaftler. Womit wir wieder am Anfang dieses Beitrags wären… Wir haben bisher nicht mal annähernd verstanden, was die Wirklichkeit „wirklich“ ist!

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 65

15. Mai 2020

orgonometrieteil12

65. Sexualökonomie

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 59

17. März 2020

orgonometrieteil12

59. Energie: Metapher und Konstrukt

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 58

7. März 2020

orgonometrieteil12

 

58. Von Freuds „Libido“ zu Reichs „Orgon“

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 57

5. März 2020

orgonometrieteil12

57. Freud und Reich

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 47

4. Januar 2020

orgonometrieteil12

47. Die bioenergetischen Grundlagen dieses Buches

Buchbesprechung: THE FREUDIAN LEFT von Paul A. Robinson (Teil 2)

22. Dezember 2019

von Paul Mathews, M.A.

 

Für diese Phase seiner Bewertung von Reich greift Robinson auf die verleumderischen Verzerrungen von Mildred Edie Bradys New Republic-Artikel vom 26. Mai 1947 zurück: „[Reich] etablierte bald eine lukrative Privatpraxis.“ „Orgonenergie konnte verwendet werden, um eine beliebige Anzahl von psychischen und physischen Krankheiten zu heilen, von Hysterie bis Krebs.“ „[Er] beobachtete die blaue Färbung von sexuell erregten Fröschen.“ Etc., etc. (Alles Kursive von mir – P.M.) Darüber hinaus wird Reich zu einem „religiösen Denker“, der „zu dem Schluss kam, dass die Religion, auch wenn sie reaktionär ist, der legitime Vorläufer seiner eigenen Wissenschaft ist“. Dies leitet er aus seiner offensichtlichen Fehlinterpretation von Christusmord und Die kosmische Überlagerung ab. Reich wird erneut eine „anti-intellektuelle Voreingenommenheit“ vorgeworfen, da Robinson, wie Rieff, nicht in der Lage ist, zwischen dem Intellekt als Abwehr und dem Intellekt des Kerns zu unterscheiden. Auf besonders raffinierte Weise missbraucht er Reichs Spekulation, Selbstwahrnehmungsprozesse könnten für den Ursprung der menschlichen Panzerung verantwortlich gewesen sein und behandelt sie wie ein Dogma: „Gleichzeitig erreichte die anti-intellektuelle Voreingenommenheit, die implizit in allen von [Reichs] Gedanken enthalten ist, schließlich eine explizite Formulierung: Der Mensch wusste zu viel für sein eigenes Wohl“ (S. 70).

Robinson ist besonders nachtragend gegenüber Reichs Konzept der emotionellen Pest und sagt: „Er hypostasiert alle Kritiker seiner Theorien zu ‚die emotionelle Pest‘ und erweist sich damit Freud mehr als ebenbürtig, was die Kunst des ad hominem-Arguments betrifft.“ Hier zeigt er nicht nur seine Unkenntnis der Definition der Pest durch Reich sowie von dessen wahren Motiven, sondern versucht auch, sich selbst gegen eine möglicherweise berechtigte Anschuldigung zu immunisieren.

Nachdem er eingeräumt hat, dass Reichs Gefühl der Verfolgung durchaus gerechtfertigt ist, kommt er zu dem Schluss: „Das war das traurige, aber (man kommt um das Gefühl nicht herum) angemessene Ende einer Karriere, die so zutiefst ernst und hoffnungslos grandios war, dass sie unmerklich in eine Farce verblasste“ (S. 73). Man kann sich nur fragen, warum Robinson überhaupt behauptet, Reich zu bewundern. Die Antwort liegt zweifellos nicht nur darin, dass er die Größe Reichs schemenhaft erahnt, sondern auch darin, im Namen der Sexualbejahung und unter dem Vorwand eines bewundernden Freundes, der ausgesprochen fair ist (vgl. S. 69, 70), die Bedrohung durch Reichs Theorie der Genitalität zu beseitigen; und natürlich auch in seinem Wunsch, durch „Neuinterpretation“ sich jener Aspekte von Reichs Werk zu bemächtigen, von denen er glaubt, dass sie seine politische Voreingenommenheit bestärken und bestätigen – was er in seiner Einleitung einräumt. So ist sein expliziter Vorsatz in diesem Buch, Freud selbst zu radikalisieren (in der Marcusianischen Wortbedeutung bzw. der der Neuen Linken) und jene Vertreter des „Freudschen“ Denkens, deren Theorien – speziell im sexuellen Bereich – revolutionäre Auswirkungen im politischen Sinne haben. Tatsächlich ist dies ein modernes Gegenstück (mit sehr unterschiedlichen Motivationen) zu Reichs seit langem aufgegebenem Versuch, Freud und Marx zu verschmelzen.

Robinson abstrahiert bei Roheim jene Aspekte seiner anthropologischen Erkenntnisse, die die Idee der Unvereinbarkeit von Kultur und Gesundheit unterstützen, insbesondere dessen Studien über die australischen Ureinwohner, deren Kindererziehung in jeder Hinsicht sexuell frei war, außer dem Inzesttabu (was Freuds Konzept des Urverbrechens unterstützte). Er führt Roheims Konservatismus bei der Lösung des Dilemmas der westlichen Gesellschaft auf dessen Loyalität zu Freud und die Fixierung auf den Pessimismus von Das Unbehagen in der Kulturc zurück. Robinson ist besonders beeindruckt von Roheims Erkenntnis, dass „der Schlüssel zum Wohlbefinden der Primitiven in der allgemeinen Permissivität ihrer Kultur [liegt]“. Dies ist ein wichtiger Punkt, da es mit der Identifikation des Autors mit Marcuse zusammenhängt. Freuds „Radikalismus“ läge in seinem Konzept eines Antagonismus zwischen Trieb und Kultur sowie in seinem Konzept des Todestriebs, den Norman Brown und Marcuse interessanterweise auf unterschiedliche Weise in ihre Philosophien aufgenommen haben.

 

Anmerkungen des Übersetzers

c Das Unbehagen in der Kultur ist der Titel einer 1930 erschienenen Schrift Sigmund Freuds.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 136-140.
Übersetzt von Robert (Berlin)

nachrichtenbrief139

8. November 2019