Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 10)

von Paul Mathews, M.A.

 

Ein rationaler, aus dem Kern heraus Denkender, wäre einer, der aufgrund des notwendigen Grades an Kontakt mit seinem Leben und damit mit der Wahrheit, wie Reich sie definierte, die sekundäre Abwehr durchschauen und spüren kann. Für die meisten Menschen ist es schwierig und schmerzhaft, rational zu denken, denn es bedeutet die Auseinandersetzung mit und das Herablassen der Abwehr, was ernsthafte emotionale und biologische Reaktionen auslöst. Zum Beispiel können Eltern, die wissen, dass die natürliche Sexualität ihrer Kinder geschützt und ihr rationaler Ausdruck erlaubt werden muss, aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten haben, diese zu tolerieren: Angst vor den sozialen Konsequenzen, neurotische oder mystische Schuldgefühle, der Qual, sich der eigenen Sehnsucht und sexuellen Unzufriedenheit zu stellen, usw. Doch wenn sie diese Qualen und Schwierigkeiten ertrügen, ohne Martyrium oder Exzesse an Nachgiebigkeit und Zügellosigkeit, würden sie im Interesse ihrer Kinder und langfristig auch im Interesse ihrer selbst rational handeln. In ähnlicher Weise kann das Sehen der Rationalität einer sozialen oder politischen Aktion in unserer Welt, wie z.B. das gewaltsame Zurückschlagen von Terroristen oder das entschlossene Eintreten gegen kommunistische Aggression und Expansion – in welcher Form auch immer – schmerzhafte Reaktionen bei denjenigen hervorrufen, die nicht darauf vorbereitet und nicht an solche Stufen rationaler Aggression gewöhnt sind. Doch wenn sie eine solche Aktion zumindest moralisch unterstützen könnten, wenn nicht durch direktes Handeln selbst, wäre das ein struktureller und biologischer Segen für sie. Damit würde nicht nur die Freiheit gestärkt, sondern sie hätten, wie das schikanierte Kind, das sich endlich gegen seinen Verfolger widersetzt, ihre Männlichkeit und Integrität wiedererlangt. Leider ist es unwahrscheinlich, dass mehr als einige wenige Menschen ohne Therapie zu solchen Veränderungen fähig wären.

Die Ideologie zieht sich also auf unausweichliche Weise durch alle Pfade unserer Existenz und ist als Manifestation der Charakterstruktur nicht nur für das verantwortlich, was wir glauben, sondern auch für das, was wir nicht glauben wollen. Es wurden zahlreiche Werke darüber geschrieben, wie man verstehen kann, warum bestimmte Dinge getan wurden, warum Menschen sich nicht nur gegen augenfällige und objektive Tatsachen handeln – sondern auch gegen ihre eigenen Interessen. Diejenigen, die sich am meisten für die „Bürgerrechte“ engagieren, sind häufig am prominentesten bei der Verteidigung der Kräfte, die diese Rechte am destruktivsten zerstören. Diejenigen, denen der „Frieden“ am meisten am Herzen liegt, unterstützen oder dulden häufig die Aggressionen der unfriedlichsten Kräfte. Diejenigen, die über die Gefahr des nuklearen Holocaust am schrillsten Schreien, scheinen ihre schrille Stimme zu verlieren, wenn sie der größten Bedrohung für das nukleare Gleichgewicht gegenüberstehen. Es wäre witzlos, die zahlreichen Beispiele von Doppelmoral der Ideologiegläubigen der Vergangenheit aufzulisten hinsichtlich der Freien Welt und der kommunistischen Welt.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 21 (1987), Nr. 1, S. 68-83.
Übersetzt von Robert (Berlin)

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3 Antworten to “Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 10)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Genialität oder Extremismus?
    Dieser Vergleich der Schwierigkeiten von Eltern, die natürliche Sexualität ihrer Kinder zuzulassen mit dem schmerzhaften Zulassen von rationaler Aggression gegen Terroristen und kommunistischer Expansion ist nur in der Orgonomie möglich. Sie sieht aufgrund ihrer Grundlagen Zusammenhänge, die sonst nirgendwo gesehen werden.

  2. Robert (Berlin) Says:

    Passt das Folgende nicht wunderbar auf die Einführung der Scharia, der Ausbreitung des Clan-Unwesens, der importierten Kriminalität?

    „Doch wenn sie eine solche Aktion [des gewaltsamen Zurückschlagens] zumindest moralisch unterstützen könnten, wenn nicht durch direktes Handeln selbst, wäre das ein struktureller und biologischer Segen für sie. Damit würde nicht nur die Freiheit gestärkt, sondern sie hätten, wie das schikanierte Kind, das sich endlich gegen seinen Verfolger widersetzt, ihre Männlichkeit und Integrität wiedererlangt.“

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