Posts Tagged ‘Männlichkeit’

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen

3. Juli 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 10)

16. Mai 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Die „Widerlegung“ Wilhelm Reichs ist funktionell identisch mit der Zerstörung der Gesellschaft durch die Roten Faschisten

10. April 2012

Was heutzutage indoktrinierte Psycho-, Sozio- und Kultur-„Wissenschaftler“ gegen Reich verzapfen, fokussiert die krypto-kommunistische Zerstörung unserer Gesellschaft. Dabei geht es um Demoralisierung durch Relativierung. Wenn es keine Kategorien gibt, nach denen sich die Massen orientieren können, nicht mal mehr die Einteilung in Geschlechter, wenn jedwede „Kategorisierung“ gar kriminalisiert wird, muß die Arbeitsdemokratie kollabieren und die Zeit ist reif für die roten Kommissare: das Gesindel, das sich bereits heute als „Beauftragte“ in „Räten“ und staatlich geförderten „Stiftungen“ breitmacht.

Sie erklären uns beispielsweise, daß Männlichkeit und Weiblichkeit bloße gesellschaftliche Konstrukte sind, während hingegen Homosexualität keine Sache der Wahl sei. Sie halten Reich, in der für sie charakteristischen Umwertung aller Werte, die „Fetischisierung der Genitalität“ vor, – so als sei der „Fetischismus“ nicht untrennbar mit Prägenitalität verknüpft (selbst wenn man das ganze „marxistisch“ auffaßt, d.h. auf den „Warenfetisch“ verweisen will). Ihre Begrifflichkeit ist vollständiger Unsinn, klingt aber „intellektuell“ und vor allem überraschend, was eine besondere Bedeutungstiefe suggerieren soll. Auf derartigen zersetzenden Quatsch kommt nämlich kein geistig gesunder Mensch!

Durch seinen Bezug auf die Biologie, seinen „Biologismus“, normiere Reich die Sexualität, damit die Subjektivität der Menschen und spiegele mit seinem „normativen Menschenbild“ die Entwicklung des Kapitalismus nur wider. (Was im übrigen auch die Grundaussage der Kritik Christopher Turners an Reich in Adventures in the Orgasmatron ist.) Wie vollkommen absurd diese „Argumentation“ ist, wenn man sie denn so überhaupt bezeichnen könnte, zeigt sich daran, daß es nur allzu offensichtlich ist, was diese Sozialingenieure Reich tatsächlich übelnehmen: daß er ihnen den Zugriff auf die Subjektivität der Menschen entziehen will. Zu behaupten, daß das Geschlecht und alles was mit ihm zusammenhängt, kein „gesellschaftliches Konstrukt“ ist und das jeder gesellschaftliche Eingriff in diesen Bereich die Menschen nur krank machen kann, ist eine Ketzerei, für die sie Reich einen Scheiterhaufen nach dem anderen aufschichten.

Reich habe die „Geschichtlichkeit des Menschen“ nicht gesehen, das „Psychische entpsychologisiert“, den Menschen „enthistorisiert“ und „entpsychologisiert“ – kurz, er sei hinter Marx und Freud zurückgefallen. In seinem Bezug auf die „Natürlichkeit“ stehe Reich dem Faschismus nahe und in seiner „Sexualökonomie“ reduziere er den Menschen auf bloße Quantität, was dem Grundwesen des Kapitalismus entspräche. Reichs Bestrebungen („Charakteranalyse“, „sexuelle Revolution“) reihten sich lückenlos in die „Tradition der modernen Naturbeherrschung“ ein und stellten eine direkte Parallele zu den „erbhygienischen“ Maßnahmen des zeitgleichen nationalsozialistischen Regimes dar, in der ebenfalls alle Differenz „gleichgeschaltet“ wurde. Demnach gäbe es kaum einen Unterschied zwischen der Orgasmustheorie, die die Prägenitalität pathologisiert, und – Auschwitz.

Der patriarchalische Drang zur Naturbeherrschung werde von Reich hinter der Maske einer idealisierten „Natur“ verborgen, genauso wie die „natürliche Arbeitsdemokratie“ nichts anderes sei als die Verherrlichung des kapitalistischen Zwangs zur spezialisierten, rationalistischen, entfremdeten Arbeit.

Derartige pseudo-marxistische Ergüsse der Reich-Kritiker wirken wie eine ungewollte Illustration von Elsworth F. Bakers soziopolitischer Charakterologie: die Verteidigung der menschlichen „Freiheit“ (die vom Kern abgetrennte Fassade!) gegen die Biologie und die Naturwissenschaft; der kopflastige Duktus, die intellektuelle Hybris – ausgerechnet sie, die kontaktlosen modern liberal verstehen, welche Mechanismen die Gesellschaft regieren.

Jeder, wirklich jeder von ihnen, greift das Konzept der Genitalität an. Wenn sie Reich hier und da etwas zugestehen, dann aus dem gleichen Grund wie Anfang der 1930er Jahre die KPD: sie gebrauchen ihn für ihre Absichten, die den seinen diametral entgegengesetzt sind. Was sind ihre Absichten? Die restlose Devitalisierung und „Entbiologisierung“ der Gesellschaft. Sie sind die T-Bazillen der Gesellschaft. Auf höherem Niveau sagen sie imgrunde exakt dasselbe, was bereits Mildred Brady über den „Psycho-Faschisten“ Reich gesagt hat: die Reichschen Theorien (Genitalität, Charaktereinteilung, Arbeitsdemokratie, Orgonenergie) seien, genauso wie der zeitgleiche Faschismus, eine getreuliche Widerspiegelung der sozioökonomischen Entwicklung vom marktwirtschaftlichen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts zum imperialistischen Monopolkapitalismus des 20. Jahrhunderts. Reichs Theorien seien einfach ein Reflex der Akkumulation des Kapitals. Entsprechend ist der Kampf der linken Zersetzer gegen den „Spätkapitalismus“ und ihr Kampf gegen Wilhelm Reich ein und derselbe Kampf.

Sexpol 2012 (Teil 1)

17. Januar 2012

Reich unterscheidet zwischen biopathischen und sozialen Störungen der erwachsenen Genitalität. Die erstere zu beseitigen, ist Aufgabe der psychiatrischen Orgontherapie, während die zweite Art der Störung der sozialen Beratung zugänglich ist. Neben dem psychoanalytischen Ambulatorium in Wien, das sich mit der Behandlung von neurotischen Erkrankungen „der Massen“ beschäftigte, verfolgte Reich den zweiten Ansatz in seinen Sexualberatungsstellen und in seiner politischen Arbeit, wie er sie in seinem Buch Menschen im Staat beschrieben hat.

Heute stehen Themen wie die folgenden im Vordergrund:

  • Ehehygiene: Beispielsweise in getrennten Betten schlafen, um länger die sexuelle Spannung aufrechtzuerhalten. Der Mann hat bei der Geburt seines Kindes nichts zu suchen! In keiner Kultur war der Mann jemals bei diesem Ereignis anwesend. Die immer weiter um sich greifende kontaktlose, „linksliberale“ Mode zerstört flächendeckend die sexuelle Beziehung zwischen Ehepartnern und damit die Familien!
  • Pornographie: Dem gigantischen Tsunami an Fehlinformationen über die Sexualität entgegenarbeiten. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die moderne Sexualwissenschaft ist derartig vom linksliberalen Zeitgeist durchdrungen, daß sie das verzerrte Bild der Sexualität (pseudo-) wissenschaftlich absichert. Dabei kann sie sich auf die humanbiologische Forschung berufen, derzufolge „Sex nur im Kopf“ stattfindet. (Etwas, was von anderen Körperfunktionen im übrigen so nie behauptet wird!)
  • „sexuelles Experimentieren“: Die meisten Sexualratgeber führen geradezu systematisch von der Genitalität (Kontakt) weg und propagieren Ersatzkontakt, der zu einer geringeren Befriedigung führt, was wieder zu „Neuem“ animiert. Sexualität wird zu einer Art Droge.

Angesichts all des Unsinns über „Gender“ (der im übrigen sämtlichen Erkenntnissen der modernen Biologie widerspricht), bedeutet Aufklärung heute auch die denkbar basale Klärung der geschlechtlichen Identität. Was bedeutet es ein Mann bzw. eine Frau zu sein? Dazu schreibt Reich:

(…) in der offiziellen gesellschaftlichen Anschauung ist Hingabe mit Weibsein und unnachgiebige Härte mit Männlichkeit gefühlsmäßig verknüpft. In der gesellschaftlichen Ideologie ist es unvorstellbar, daß ein selbständiger Mensch sich hingeben und ein hingebender Mensch selbständig sein könne. So wie Frauen aus dieser Gleichsetzung heraus gegen ihre Weiblichkeit protestieren und männlich sein wollen, so wehren sich die Männer gegen ihren natürlichen geschlechtlichen Rhythmus aus Angst, weiblich zu erscheinen; – und daraus schöpft wieder die verschiedene Anschauung des Sexuellen bei Mann und Frau ihre scheinbare Berechtigung. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 247)

Wie stark die Verwirrung mittlerweile, d.h. in der antiautoritären Gesellschaft, geworden ist, zeigen die medialen Produkte unserer „Kultur“. Eine einzige Freakshow.

Trotz (oder vielmehr gerade wegen) aller Freiheit herrscht heute auf sexuellem Gebiet mehr Konfusion als jemals zuvor. Aufklärung tut heute genauso Not wie 1930. Während damals jedoch Reichs Öffentlichkeitsarbeit und Broschüren von Katholiken und Neoheiden (Nazis) bekämpft wurden, steht heute die Political Correctness der Verbreitung sexualökonomischer Erkenntnisse entgegen.

Der gepanzerte Mensch ist unfähig, sich selbst zu regulieren, will aber ständig neue Freiheiten. Die freigelegte Energie, die nicht genital entladen werden kann, führt zu allen Arten von Ersatzkontakt. Ausgerechnet jene, die Reich eine Überbewertung der Sexualität vorwerfen, fordern eine hohe sexuelle und Liebeskultur, die „Kunst der Liebe“ (Thomas Kornbichler: Wilhelm Reich – Enfant terrible der Psychoanalyse, Berlin 1989, S. 74), während der angebliche Erotomane Reich das Bewußtsein von der Sexualität und die Sexualität vom Bewußtsein freihalten wollte. Bei Reich waren „Liebe, Arbeit und Wissen“ gleichberechtigt.

Man hat Reich vorgeworfen den Orgasmus als Allheilmittel zu vertreten, dies weist Elsworth F. Baker zurück und nennt die Orgonomie eine „rather puritanical discipline“ („Sexual Theories of Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, 20(2), November 1986, S. 175).

Was diese Gesellschaft braucht, ist wahrhaftig nicht „mehr Sex“, sondern mehr Wissen und ein neues Verhältnis zur Arbeit. Am schockierendsten ist wohl der Hype um die Alterssexualität. Viagra, Feuchtigkeitscremes, Schönheitschirurgie, Pornographie, etc. Nicht, daß irgendetwas verdammenswert oder „ungesund“ an „Alterssexualität“ wäre! Es geht einfach darum, den natürlichen Rhythmen des Körpers zu folgen. Wie inhaltsleer muß das Leben eines Menschen sein, daß er ohne artifiziell angestachelten Sex als eine Art „Unterhaltungsprogramm“ nicht leben kann?!