Posts Tagged ‘Männlichkeit’

Peter auf dem Weg zur Orgonomie (Teil 3)

31. Mai 2021

Im Übergang von der Kindheit in die Pubertät hatte ich ein Problem mit Männlichkeit, denn die war (ohne daß ich damals Zugang zu dieser Begrifflichkeit hatte) stets identisch mit Panzerung. Man schaue sich Superman oder irgendeinen anderen „Superhelden“ an: alle bestehen fast nur aus „Muskelpanzer“, sind wandelnde Maschinen. Das waren die Idealbilder von Männlichkeit, das Ideal von Männlichkeit. Am extremsten Ironman. Es gab eine große Ausnahme, die für Weichheit und Geschmeidigkeit stand: Spiderman. Er war der einzige, der keine Monstrosität (wieder: ohne daß ich damals Zugang zu dieser Begrifflichkeit hatte) sekundärer Triebe (bzw. deren rigide Abwehr, wie etwa Batman) war, sondern die Verkörperung von Genitalität. Spiderman hat gewisserweise mein Selbstbild als Mann gerettet. Ich habe die Comichefte verschlungen.

Und übrigens war das alles andere als Trivialliteratur, sondern jedes Heft war geprägt von unlösbaren Konflikten, die nicht von ungefähr an die griechische Tragödie erinnerten, denn bei genauerem Hinsehen waren Stan Lees Superhelden nichts anderes als die griechische und germanisch Götterwelt, deren Geschichten ins moderne New York City versetzt worden waren:

Das heutige Bild von 1973 heißt „In sich selbst verschwelgend“: https://nasselstein.blogspot.com/2021/05/in-sich-selbst-verschwelgend-1973.html

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 15)

17. Mai 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Eng verbunden mit dieser Untergrabung des genitalen Primats ist der Trend zum „Unisex“ in der Männer- und Frauenmode. Die Verwischung der sexuellen Grenzen und die psychosexuelle Verwirrung, die mit der Prägenitalität einhergeht, zeigt sich deutlich im Aufstieg der vielen androgynen Gesangsidole, die heute en vogue sind – mit ihren engen Hosen, hohen Absätzen, glitzernden Westen und wallenden Locken. Teenager finden sie leicht anbetungswürdig, weil eine Unisex-Fassade für sie viel weniger sexuell bedrohlich ist als ein Symbol offener Männlichkeit.

Ein weiterer Aspekt ist der Umsturz des vaginalen Orgasmus durch Masters und Johnson (6) zugunsten der Theorie, dass „ein Orgasmus ein Orgasmus ist“, egal was ihn auslöst. Dieser Ansatz negiert vollständig den sexualökonomischen Wert des genitalen Primats und die klinische Beobachtung, dass nur der umfassende genitale Orgasmus die Energieökonomie regulieren und die Freiheit von Panzerung und Neurose aufrechterhalten kann. Anstelle des „genitalen Orgasmus“ ist der „multiple Orgasmus“ zu einem begehrten Aushängeschild sexueller Leistungsfähigkeit geworden. Sexualökonomen hingegen wissen sehr wohl, dass multiple Orgasmen lediglich das Unvermögen widerspiegeln, die vollständige orgastische Konvulsion zu erreichen, die mit der orgastischen Potenz einhergeht.

Ein weiterer damit zusammenhängender Trend ist die sich ändernde Einstellung von Klinikern zur Homosexualität. Es gibt heute viele Psychiater, die den Standpunkt vertreten, dass ein Homosexueller „völlig normal“ ist – was wiederum eine abgrundtiefe Unfähigkeit zeigt, prägenitale von genitaler Sexualität zu unterscheiden. Eine so schwerwiegende Abweichung nicht als pathologisch zu betrachten, ist eine reine Ausflucht und erweist dem Homosexuellen selbst einen großen Bärendienst. Er braucht professionelle Hilfe und Verständnis, keine Apologeten.

Vielleicht am kontaktlosesten von allem ist der massive Zusammenbruch der Privatsphäre in persönlichen Angelegenheiten, die alle gesunden Menschen zu bewahren trachten. Ich beziehe mich nicht auf falsche Sittsamkeit, sondern auf den Sinn für Zartheit beim Liebesspiel, die bei denen zu finden ist, die wirklich zur Liebe fähig sind. Sie zeigt sich vielleicht beispielhaft in der Einstellung der Trobriander zum Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und seiner Frau. Die größte Beleidigung, die man dem trobriandischen Mann machen kann, ist, ihm zu sagen, er solle mit seiner Gattin „zusammensein“, was schließlich eine ausgemachte Sache zwischen den Ehepartnern ist. Dies liegt daran, dass der Trobriander das Eindringen von außen in etwas für ihn sehr Kostbares und Liebes ablehnt und es als Verletzung der Privatsphäre betrachtet. Dies steht in scharfem Kontrast zu der Grobheit, dem Exhibitionismus und dem Voyeurismus von Gruppensex und Frauentauschpraktiken, bei denen die sexuelle Umarmung zu einer beiläufigen Geste geworden ist, ohne jedes tiefe Gefühl oder Sensibilität. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung Reichs, dass orgastisch potente Individuen während des Sexualaktes keine Scherze machen oder gegenüber dem anderen vulgäre Ausdrücke benutzen.

Literatur

6. Masters, W. H. and Johnson, V. E.: Human Sexual Response. Boston: Little Brown, 1966

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

Paul Mathews: Ideologie und das Nichtglaubenwollen

3. Juli 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Ideologie und das Nichtglaubenwollen (Teil 10)

16. Mai 2020

 

Paul Mathews:
Ideologie und das Nichtglaubenwollen

 

Die „Widerlegung“ Wilhelm Reichs ist funktionell identisch mit der Zerstörung der Gesellschaft durch die Roten Faschisten

10. April 2012

Was heutzutage indoktrinierte Psycho-, Sozio- und Kultur-„Wissenschaftler“ gegen Reich verzapfen, fokussiert die krypto-kommunistische Zerstörung unserer Gesellschaft. Dabei geht es um Demoralisierung durch Relativierung. Wenn es keine Kategorien gibt, nach denen sich die Massen orientieren können, nicht mal mehr die Einteilung in Geschlechter, wenn jedwede „Kategorisierung“ gar kriminalisiert wird, muß die Arbeitsdemokratie kollabieren und die Zeit ist reif für die roten Kommissare: das Gesindel, das sich bereits heute als „Beauftragte“ in „Räten“ und staatlich geförderten „Stiftungen“ breitmacht.

Sie erklären uns beispielsweise, daß Männlichkeit und Weiblichkeit bloße gesellschaftliche Konstrukte sind, während hingegen Homosexualität keine Sache der Wahl sei. Sie halten Reich, in der für sie charakteristischen Umwertung aller Werte, die „Fetischisierung der Genitalität“ vor, – so als sei der „Fetischismus“ nicht untrennbar mit Prägenitalität verknüpft (selbst wenn man das ganze „marxistisch“ auffaßt, d.h. auf den „Warenfetisch“ verweisen will). Ihre Begrifflichkeit ist vollständiger Unsinn, klingt aber „intellektuell“ und vor allem überraschend, was eine besondere Bedeutungstiefe suggerieren soll. Auf derartigen zersetzenden Quatsch kommt nämlich kein geistig gesunder Mensch!

Durch seinen Bezug auf die Biologie, seinen „Biologismus“, normiere Reich die Sexualität, damit die Subjektivität der Menschen und spiegele mit seinem „normativen Menschenbild“ die Entwicklung des Kapitalismus nur wider. (Was im übrigen auch die Grundaussage der Kritik Christopher Turners an Reich in Adventures in the Orgasmatron ist.) Wie vollkommen absurd diese „Argumentation“ ist, wenn man sie denn so überhaupt bezeichnen könnte, zeigt sich daran, daß es nur allzu offensichtlich ist, was diese Sozialingenieure Reich tatsächlich übelnehmen: daß er ihnen den Zugriff auf die Subjektivität der Menschen entziehen will. Zu behaupten, daß das Geschlecht und alles was mit ihm zusammenhängt, kein „gesellschaftliches Konstrukt“ ist und das jeder gesellschaftliche Eingriff in diesen Bereich die Menschen nur krank machen kann, ist eine Ketzerei, für die sie Reich einen Scheiterhaufen nach dem anderen aufschichten.

Reich habe die „Geschichtlichkeit des Menschen“ nicht gesehen, das „Psychische entpsychologisiert“, den Menschen „enthistorisiert“ und „entpsychologisiert“ – kurz, er sei hinter Marx und Freud zurückgefallen. In seinem Bezug auf die „Natürlichkeit“ stehe Reich dem Faschismus nahe und in seiner „Sexualökonomie“ reduziere er den Menschen auf bloße Quantität, was dem Grundwesen des Kapitalismus entspräche. Reichs Bestrebungen („Charakteranalyse“, „sexuelle Revolution“) reihten sich lückenlos in die „Tradition der modernen Naturbeherrschung“ ein und stellten eine direkte Parallele zu den „erbhygienischen“ Maßnahmen des zeitgleichen nationalsozialistischen Regimes dar, in der ebenfalls alle Differenz „gleichgeschaltet“ wurde. Demnach gäbe es kaum einen Unterschied zwischen der Orgasmustheorie, die die Prägenitalität pathologisiert, und – Auschwitz.

Der patriarchalische Drang zur Naturbeherrschung werde von Reich hinter der Maske einer idealisierten „Natur“ verborgen, genauso wie die „natürliche Arbeitsdemokratie“ nichts anderes sei als die Verherrlichung des kapitalistischen Zwangs zur spezialisierten, rationalistischen, entfremdeten Arbeit.

Derartige pseudo-marxistische Ergüsse der Reich-Kritiker wirken wie eine ungewollte Illustration von Elsworth F. Bakers soziopolitischer Charakterologie: die Verteidigung der menschlichen „Freiheit“ (die vom Kern abgetrennte Fassade!) gegen die Biologie und die Naturwissenschaft; der kopflastige Duktus, die intellektuelle Hybris – ausgerechnet sie, die kontaktlosen modern liberal verstehen, welche Mechanismen die Gesellschaft regieren.

Jeder, wirklich jeder von ihnen, greift das Konzept der Genitalität an. Wenn sie Reich hier und da etwas zugestehen, dann aus dem gleichen Grund wie Anfang der 1930er Jahre die KPD: sie gebrauchen ihn für ihre Absichten, die den seinen diametral entgegengesetzt sind. Was sind ihre Absichten? Die restlose Devitalisierung und „Entbiologisierung“ der Gesellschaft. Sie sind die T-Bazillen der Gesellschaft. Auf höherem Niveau sagen sie imgrunde exakt dasselbe, was bereits Mildred Brady über den „Psycho-Faschisten“ Reich gesagt hat: die Reichschen Theorien (Genitalität, Charaktereinteilung, Arbeitsdemokratie, Orgonenergie) seien, genauso wie der zeitgleiche Faschismus, eine getreuliche Widerspiegelung der sozioökonomischen Entwicklung vom marktwirtschaftlichen Kapitalismus des 19. Jahrhunderts zum imperialistischen Monopolkapitalismus des 20. Jahrhunderts. Reichs Theorien seien einfach ein Reflex der Akkumulation des Kapitals. Entsprechend ist der Kampf der linken Zersetzer gegen den „Spätkapitalismus“ und ihr Kampf gegen Wilhelm Reich ein und derselbe Kampf.

Sexpol 2012 (Teil 1)

17. Januar 2012

Reich unterscheidet zwischen biopathischen und sozialen Störungen der erwachsenen Genitalität. Die erstere zu beseitigen, ist Aufgabe der psychiatrischen Orgontherapie, während die zweite Art der Störung der sozialen Beratung zugänglich ist. Neben dem psychoanalytischen Ambulatorium in Wien, das sich mit der Behandlung von neurotischen Erkrankungen „der Massen“ beschäftigte, verfolgte Reich den zweiten Ansatz in seinen Sexualberatungsstellen und in seiner politischen Arbeit, wie er sie in seinem Buch Menschen im Staat beschrieben hat.

Heute stehen Themen wie die folgenden im Vordergrund:

  • Ehehygiene: Beispielsweise in getrennten Betten schlafen, um länger die sexuelle Spannung aufrechtzuerhalten. Der Mann hat bei der Geburt seines Kindes nichts zu suchen! In keiner Kultur war der Mann jemals bei diesem Ereignis anwesend. Die immer weiter um sich greifende kontaktlose, „linksliberale“ Mode zerstört flächendeckend die sexuelle Beziehung zwischen Ehepartnern und damit die Familien!
  • Pornographie: Dem gigantischen Tsunami an Fehlinformationen über die Sexualität entgegenarbeiten. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die moderne Sexualwissenschaft ist derartig vom linksliberalen Zeitgeist durchdrungen, daß sie das verzerrte Bild der Sexualität (pseudo-) wissenschaftlich absichert. Dabei kann sie sich auf die humanbiologische Forschung berufen, derzufolge „Sex nur im Kopf“ stattfindet. (Etwas, was von anderen Körperfunktionen im übrigen so nie behauptet wird!)
  • „sexuelles Experimentieren“: Die meisten Sexualratgeber führen geradezu systematisch von der Genitalität (Kontakt) weg und propagieren Ersatzkontakt, der zu einer geringeren Befriedigung führt, was wieder zu „Neuem“ animiert. Sexualität wird zu einer Art Droge.

Angesichts all des Unsinns über „Gender“ (der im übrigen sämtlichen Erkenntnissen der modernen Biologie widerspricht), bedeutet Aufklärung heute auch die denkbar basale Klärung der geschlechtlichen Identität. Was bedeutet es ein Mann bzw. eine Frau zu sein? Dazu schreibt Reich:

(…) in der offiziellen gesellschaftlichen Anschauung ist Hingabe mit Weibsein und unnachgiebige Härte mit Männlichkeit gefühlsmäßig verknüpft. In der gesellschaftlichen Ideologie ist es unvorstellbar, daß ein selbständiger Mensch sich hingeben und ein hingebender Mensch selbständig sein könne. So wie Frauen aus dieser Gleichsetzung heraus gegen ihre Weiblichkeit protestieren und männlich sein wollen, so wehren sich die Männer gegen ihren natürlichen geschlechtlichen Rhythmus aus Angst, weiblich zu erscheinen; – und daraus schöpft wieder die verschiedene Anschauung des Sexuellen bei Mann und Frau ihre scheinbare Berechtigung. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 247)

Wie stark die Verwirrung mittlerweile, d.h. in der antiautoritären Gesellschaft, geworden ist, zeigen die medialen Produkte unserer „Kultur“. Eine einzige Freakshow.

Trotz (oder vielmehr gerade wegen) aller Freiheit herrscht heute auf sexuellem Gebiet mehr Konfusion als jemals zuvor. Aufklärung tut heute genauso Not wie 1930. Während damals jedoch Reichs Öffentlichkeitsarbeit und Broschüren von Katholiken und Neoheiden (Nazis) bekämpft wurden, steht heute die Political Correctness der Verbreitung sexualökonomischer Erkenntnisse entgegen.

Der gepanzerte Mensch ist unfähig, sich selbst zu regulieren, will aber ständig neue Freiheiten. Die freigelegte Energie, die nicht genital entladen werden kann, führt zu allen Arten von Ersatzkontakt. Ausgerechnet jene, die Reich eine Überbewertung der Sexualität vorwerfen, fordern eine hohe sexuelle und Liebeskultur, die „Kunst der Liebe“ (Thomas Kornbichler: Wilhelm Reich – Enfant terrible der Psychoanalyse, Berlin 1989, S. 74), während der angebliche Erotomane Reich das Bewußtsein von der Sexualität und die Sexualität vom Bewußtsein freihalten wollte. Bei Reich waren „Liebe, Arbeit und Wissen“ gleichberechtigt.

Man hat Reich vorgeworfen den Orgasmus als Allheilmittel zu vertreten, dies weist Elsworth F. Baker zurück und nennt die Orgonomie eine „rather puritanical discipline“ („Sexual Theories of Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, 20(2), November 1986, S. 175).

Was diese Gesellschaft braucht, ist wahrhaftig nicht „mehr Sex“, sondern mehr Wissen und ein neues Verhältnis zur Arbeit. Am schockierendsten ist wohl der Hype um die Alterssexualität. Viagra, Feuchtigkeitscremes, Schönheitschirurgie, Pornographie, etc. Nicht, daß irgendetwas verdammenswert oder „ungesund“ an „Alterssexualität“ wäre! Es geht einfach darum, den natürlichen Rhythmen des Körpers zu folgen. Wie inhaltsleer muß das Leben eines Menschen sein, daß er ohne artifiziell angestachelten Sex als eine Art „Unterhaltungsprogramm“ nicht leben kann?!