Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 65

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65. Sexualökonomie

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5 Antworten to “Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 65”

  1. O. Says:

    „Eür Reich hingegen ist es ein Pendeln: ein befriedigendes Genitalleben ist Voraussetzung produktiver Arbeit und umgekehrt.“ (Zitat s.o.)
    Der erste Teil ist richtig und widerspricht Freuds Sublimationsgedanken; der Trieb müsse in Arbeit sublimiert werden, d. h. man übe sich in Triebverzicht. Der Umkehrschluss, das produktive Arbeit zu einem befriedigenden Genitalleben führe ist quasi die Fortführung des Freudschen Unsinns. Es kommt einzig und allein auf ein (weitestgehend) befriedigendes Sexualleben an, alles andere ist nachrangig. Jedoch ist noch ungeklärt, was die Bedingung zu einem befriedigenden Sexualleben schaffen wird. Die Behauptung Reichs „Orgontherapie“ könne dies leisten, ist nicht real, sondern nur theoretisch möglich.
    An der Therapie muss noch viel gearbeitet werden, bevor man Hoffnungen in diese Richtung setzen kann.
    Die „Orgonomie“ ist zu einem Kult oder einer Sekte verkommen, erst wenn dessen Vertreter schweigen, wird es eine neue Hoffnung geben.
    Bis dahin ist alles ein theoretisches Konstrukt, das ausgearbeitet werden muss.

  2. David Says:

    Entscheidend ist, daß Reichs therapeutischer Ansatz in vollständiger Übereinstimmung mit der allerneusten neuropsychiatrischen Forschung steht …

    Hierzu ist zu ergänzen, dass moderne Hirnforscher, wie etwa Hüther sagen, körperorientierte Psychotherapie sei – etwa nach sexuellem Missbrauch oder Trauma – besser als Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse.

  3. Manuel Says:

    „Heutzutage wird das Gehirn als eine Art konstruktivistische Sinnfindungsmaschine betrachtet, was ganz im Sinne Reichs ist…“
    Aber Vorsicht! Bitte nicht mit dem postmodernen „De/Konstruktivismus“ verwechseln, der ganz sicher nicht im Sinne Reichs ist!

    • Peter Nasselstein Says:

      Nach der neueren Gehirnforschung bildet das Gehirn die Umwelt nicht einfach ab, sondern konstruiert sie gemäß seiner Struktur so, daß sie Sinn macht.

      Diese funktionelle Betrachtungsweise, d.h. die Überwindung der vollkommen absurden (da redundanten) mechano-mystischen Vorstellung, im Gehirn befinde sich eine Art „innerer Projektionsschirm“, der von einer Art „Geist“ betrachtet wird, kann man leider auch so interpretieren, daß daraus ein psychedelischer Alptraum wird, in dem das Gehirn ein vollkommenes Eigenleben gewinnt. Ein kurzer Verweis auf die Evolution zeigt, daß das Gegenteil der Fall ist: das Gehirn und die Funktion „Bewußtsein“ konnten sich nur entwickeln, wenn sie in Übereinstimmung mit der Umwelt blieben – also doch wie „Projektionsschirme“ funktionierten (ohne tatsächlich welche zu sein).

      Der Kerngehalt dieser Betrachtungsweise zielt ganz im Sinne Reichs sowieso auf die Emotionen, beziehungsweise die „innere Haltung“. Das hat ein Hirnforscher mal sehr schön an einem Beispiel verdeutlicht: Er stand an der kalifornischen Steilküste und betrachtete ganz alleine den grandiosen Sonnenuntergang. Urplötzlich war die herrliche Stimmung kaputt, weil hinter ihm irgendwelche rotzfrechen Kinder Blechdosen herumkickten. Erzürnt schaute er sich um – und sah einen süßen kleinen Hund, der mit seiner Schnauze eine leere Konservendose anstupste. Die Szenerie war wieder in sich stimmig und der Sonnenuntergang war so schön wie zuvor.

      Kurz: wir sind keine Roboter und unsere Gehirne sind keine Computer (oder gar kleine Lichtspieltheater!).

  4. O. Says:

    „In der späteren Entwicklung von der charakteranalytischen Vegetotherapie hin zur Orgontherapie wurden (angebliche) Erinnerungen zunehmend nebensächlich und uninteressant.“

    Doch was bedeutet dies?

    Wenn man sich zeitlebens von seinem (geistigen) „Vater“ (Freud) distanzieren muss, wie es Reich tat, entsteht der Eindruck, dass dies nicht gelungen ist. Auch im Theoretischen wird diese Zeremonie wiederholt. Die Psychoanalyse sei „nebensächlich und unintersessant“ geworden.

    Wenn dies so sei, warum eine charakteranalytische Vegetotherapie, die zur Orgontherapie wird und letztere ist nach Baker (s.o.) in erster Linie Charakteranalyse (also Reichs Psychoanalyse basierend auf Freud) und erst wenn diese versagt, werde die Körpertherapie als Hilfsmittel angewandt.

    Reich betont hier lediglich und bescheiden, dass anderen körperlichen Prozessen der Fokus gilt, um diese zu entdecken. Die Schlussfolgerung, alles Psychische sei „überflüssig“, ist absurd und konnte nur von (orgonomischen) Medizinern (Psychiatern) vertreten werden, die von ihrer Ausbildung her blind fürs psychische Erleben sind.

    ____________

    Die Inhalte, und dies sind Erinnerungen an Erlebtes, sind auch wenn sie „psychologisch“ erscheinen, wesentlich für die Psychotherapie, sie auszuschließen, bedeutet sinnlose Muskelquetscherei …
    Eine Positionsbestimmung für die Orgontherapie ist hier noch nicht gelungen, so wie es Reich auch nicht gelungen ist. Und hiermit steht und fällt Reichs therapeutische Ansatz gänzlich!

    Dies bedeutet nicht, dass Reich nicht gelesen und (weiter) entwicklelt werden sollte. Doch ein Vergleich mit der Psychoanalyse (und der VT) ist nicht nur hinderlich, sondern verneint die Psychologie bei Reich, ohne die es keine Therapie geben kann, so meine provozierende These.

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