Der linke Reich: Reich und die Technik

Was den technologischen Fortschritt angeht, war Reich zeitlebens gespalten. Beispielsweise finden sich Anfang der 1930er Jahre Aussagen, die Lenins Diktum entsprechen, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung: der technologische Fortschritt, etwa das Arbeiten in Fabriken, sei mit einer sexuellen Befreiung einhergegangen. Entsprechend hat also die Technologie dazu beigetragen, den Menschen biophysische zu befreien.

Zehn Jahre später hat Reich dann in der umgeschriebenen und erweiterten Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus natürlich gegenteilige Töne angeschlagen: der Mensch sei durch seinen Kontakt zur Maschine selbst zur Maschine geworden, d.h. biophysisch entartet. Dabei blieb er, wie praktisch jeder seiner Generation, ein Technikfreak: immer das neuste Auto, die modernste Laboreinrichtung. Und dann ist er natürlich auch „Katastrophist“: der Zusammenbruch der technischen Zivilisation im/nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Menschen wachrütteln und verändern. Ohnehin wäre es besser, wenn wir zum einfachen Leben, wie es etwa die Trobriander führen, zurückkehrten.

Man kann schön von einem „indigenen“ Leben träumen, bis man unerträgliche Zahnschmerzen hat, sich das Becken gebrochen hat und die Freundin elendig und mit unvorstellbaren Schmerzen bei der Geburt des gemeinsamen Kindes verreckt, weil kein Kaiserschnitt durchgeführt werden kann und wenn, es einer Schlachtung bei lebendigem Leibe gleichkäme. Ich für meinen Teil bin heilfroh im 21. Jahrhundert leben zu dürfen! (Jedenfalls war ich das bis vor zwei Jahren.)

Und selbst was die Umweltverschmutzung betrifft: früher stanken die Städte unerträglich nach Menschen- und Pferdefäkalien, waren vom ewigen Pferdegetrampel und holprigen Pferdewagen unfaßbar laut, aus den Schornsteinen stiegen Giftschwaden aus nichtraffinierter Kohle und anderen Brennstoffen, die Lebensmittel waren voller Gift (beispielsweise wurde der Wein routinemäßig mit Blei versüßt) und fiese Krankheiten grassierten, die wir vor allem durch die Verbesserung der Hygiene ausgerottet haben. Nicht zuletzt wegen der mangelnden Fluktuation grassierten Erbkrankheiten durch Inzucht. Noch heute stößt man auf Indiostämme mit sechs Fingern an der Hand, etc. Mangelernährung, Klein- und Fehlwuchs waren die Norm.

Mit Reich und Hans Hass sehe ich Technologie einfach nur als ein Werkzeug des Lebendigen mit deren Hilfe der schmale Grat, auf dem das Lebendige wandelt, ausgeweitet werden kann. „Wir waren sogar schon auf dem lebensfeindlichen Mond!“ Auch könnten wir Gefahren abwenden, die die gesamte Biosphäre zerstören, etwa gigantische Meteoriten. Es ist wie mit einem Skalpell: in der Hand eines sadistischen Triebtäters ist es das lebensfeindliche Instrument, während es in der Hand eines guten Chirurgen die Verkörperung der Lebensbejahung schlechthin ist. Übrigens hat schon einmal der technische Fortschritt die Menschheit und den Großteil der anderen Lebewesen gerettet: ohne fossile Brennstoffe (erst Kohle, dann Öl) stände auf dem Planeten buchstäblich kein Baum und kein Strauch mehr! Es wäre alles verfeuert. Keine Übertreibung, ich erinnere nur daran, daß Spanien und England vor den großen Armadas dicht bewaldet waren. Und was das vermeintliche „Treibhausgas“ CO2 betrifft: erdgeschichtlich leidet dieser Planet, also vor allem das Pflanzenreich, unter einem verzweifelten Kohlenstoffmangel. Die Erde benutzt den Menschen, der integraler Bestandteil der Natur ist, um die Erdatmosphäre wieder mit Kohlenstoff anzureichern, damit es auf diesem Planeten weiter Leben geben kann.

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10 Antworten to “Der linke Reich: Reich und die Technik”

  1. Kim Says:

    In welchem Jahrhundert würden sie heute gerne leben?

  2. David Mörike Says:

    … grassierten Erbkrankheiten durch Inzucht

    In Grönland fanden die dänischen Kolonialherren, dass die Inuit (Eskimo) regelmäßig das „Lampenlöschspiel“ machten wo absichtlich außerehelicher Geschlechtsverkehr stattfand bzw. eben Geschlechtsverkehr außerhalb der Familie / Großfamilie.

    Die christlichen Europäer waren da entsetzt, aber das Spiel diente unter anderem der Vermeidung von Inzucht.

    Habe das mal gelesen, kann im Moment keine Quelle angeben …

  3. Robert (Berlin) Says:

    Ohne CO2 oder Wasserdampf würde unser Planet auf minus 18° C abkühlen. Na dann viel Spaß, Fridays for future.

  4. Zeitgenosse Says:

    Grüße!

    Ich kann die zwiegespaltene Ansicht von Dr. Reich nachvollziehen. Technologie KANN nutzbringend und befreiend sein ABER es gehört in verantwortungsvolle Hände. Es ist wie Hr Nasselstein richtig ausführt eine Sache des Umgangs und sonst nichts.

    Davon abgesehen stünden bereits eine Reihe von gut erprobten Technologien zur Verfügung um eine Energiewende ordentlich durchzuführen. Ob man jetzt an einem Klimawandel (der im übrigen auch von der AfD nicht abgestritten wird) glaubt oder nicht ist unerheblich – man muss trotzdem von den fossilen Brennstoffen weg alleine aus strategischen Gründen. Es kann nicht sein das man von diversen Gasprinzen aus Russland und/oder Ölscheichs aus den Golfstaaten dermassen abhängig ist. Jeder Dollar in die Taschen der Saudis bedeutet auch mehr Geld für den wahabitischen Terror der von dieser Familie gut finanziert wird! Sollte einmal erwähnt sein.

    Ich empfehle jedem die Arbeiten von Karl-Heinz Tetzlaff und Arno Evers die entsprechend über eine ECHTE (!) Wasserstoffwirtschaft referieren. Spätestens seit dem 1985ern ist die Land- und Forstwirtschaft leistungsfähig genug um mit deren Erzeugnissen im Bereich der Energiepflanzen eine entsprechende Infrastruktur des steam-reforming zu unterhalten ohne in Konkurrenz zur Nahrungserzeugung zu gelangen. Das steam-reforming ist seit 100 jahren erprobt und keine Utopie. Andere Verfahren wie Fischer-Tropsch noch länger. Aus Biomasse wird durch Vergasung Wasserstoff; der Wasserstoff ist die Grundlage für eine wärmegeführte Energieversorgung wo Strom als Abfallprodukt in enormen Mengen anfällt – da braucht man keine sinnbefreiten Dämmungen oder Energiesparlampen oder diverse Ökosteuern mehr. Das CO2 was ebenfalls anfällt bei der Produktion ist ein Wertstoff der gut verabeitet werden kann. Ausgangspunkt für Naphta und Synthesegas und damit die Grundlage für die gesamte chemische Industrie inkl. Petrochemie.

    Nur muss man das auch mal angehen und sich nicht in Windräder oder sonstiges erschöpfen.

    Mit besten Grüßen

    • Peter Nasselstein Says:

      Wir brauchen vor allem einen wirklich freien Markt. JEDER Ansatz muß eine Chance haben. Man betrachte doch nur mal die „Energiewende“, die einseitig und vollkommen widersinnig auf „Elektromobilität“ setzt. – als EINZIGE staatliche anerkannte Alternative. Ich könnte jetzt den tollsten abgrasfreien Sprit mit einer phantastischen Energiedichte anbieten: keinerlei Chance. Das ganze ist ein einziger Alptraum. Das alles ist vollkommen irre.

      • David Mörike Says:

        Als EINZIGE.

        Selbst die Brennstoffzelle, die eigentlich auch eine elektrische Maschine ist, wird irgendwie propagandistisch in den Hintergrund gedrängt …

      • Zeitgenosse Says:

        Exakt. Leider existiert ein freier Markt im Energiesektor im Grunde nicht. Der deutsche Energiemarkt ist zu 80% in den Händen der „grossen 4“ also EON, Vattenfall, RWE und ENBW. Sie bilden ein Quasi-Kartell und teilen sich den Markt untereinander auf. Echte Innovationen kommen von dieser Seite nicht – im Gegenteil: die derzeit angedachte Energiewende mit ihren Wahnsinnsprojekten diverser Stromtrassen durch Deutschland und riesigen off/on-shore Projekten wie Nordsee und grosser Teile wertvollem Landes welche mit Windmühlen zugekleistert werden, spielen diesen Konzernen nur in die Hände.

        Grosse Projekte können ja nur von grossen Konzernen bedient werden. So die These.

        Geht man in der Geschichte zurück findet man tlw auch die Ursprünge dieser Konzentration: viele Strukturen stammen noch aus der Ära des 3. Reiches mit ihren 4 Jahresplan, der Organisation Todt und andere. Und damals war derartiges auch sinnvoll weil man sämtliche Ressourcen konzentrieren musste wegen des Krieges gegen eigentlich die ganze Welt.

        Ich bin selber ein absoluter Gegner von Konzernen. Sie sind Machtmaschinen und führen das Ideal einer freien Marktwirtschaft ad absurdum. In einer echten und freien Marktwirtschaft wären Konzerne wie Amazon, Google oder auch ihre asiatischen Pendants wie Alibaba, Tencent usw eigentlich nicht möglich. Im Grunde müssten sie wie seinerzeit Standard oil oder IG Farben zerschalgen werden und in kleinere, untereinander konkurrierende Einheiten aufgespalte werden.

        zH Hrn Nasselstein: mir haben Ihre Ausführungen bzgl. Arbeitsdemokratie vom 26.01.2015 gut gefallen. Schlagworte mit denen man sehr gut arbeiten kann.

  5. Peter Nasselstein Says:

    Das Wilhelm Reich Museum

    https://mailchi.mp/wilhelmreichmuseum.org/november-2021-update?e=d3a2e6d6ff

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