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Eine Notiz über James DeMeos Saharasia-Theorie (1999) (Teil 2)

28. Juni 2022

Bei der Lektüre von Saharasia flippe ich immer hin und her, man nehme etwa die Makkabäer: der Makkabäer-Aufstand siegte 161 v.Chr. gegen die hellenistische seleukidisch-syrische Herrschaft; er hatte nichts mit irgendwelchen Römern zu tun. Und nun steht in Saharasia auf S. 275 etwas über die „Maccabees rebellion of 167 BCE (sic!) wherein Judea became independent from Rome (sic!)“. Ganz im Gegenteil waren die Juden damals verbündete der Römer gegen die Seleukiden. Das macht DeMeos Anmerkung geradezu komisch. Ein gefundenes Fressen für die Feinde DeMeos. – Übrigens verwundert mich, daß DeMeo praktisch ganz den hellenistischen Einfluß auf den Nahen Osten unterschlägt.

Überhaupt hat DeMeos Lektor, also seine Frau, schlecht gearbeitet.

Hier noch vier Überlegungen zur Saharasia-Theorie:

1. In Ländern wie China und Indien ist Nacktheit und Sexualität in Filmen Tabu, Gewalt jedoch nicht: deshalb kommt Nacktheit und Sexualität nur in Gewaltszenen vor, die die Zensur anstandslos durchgehen läßt. Selbst in Amerika lassen sich „Sex-Szenen“ á la Basic Instinct nur via Gewalt in Filme einbauen, die auch Jugendliche sehen dürfen. Das ist symptomatisch für eine gesellschaftliche Vergewaltigungsmentalität: Angst der Männer vor der autonomen Sexualität der Frauen und Angst der Frauen vor der Autonomie („Ich bin ja nicht verantwortlich!“).

2. Interessant wäre auch eine geographische Aufschlüsselung des Kindesmißbrauchs. Ich glaube, man wird feststellen, daß die Päderastie genau dort häufig sein wird, wo auch die Homosexualität groß ist: in Saharasia. Interessanterweise waren im Sprachgebrauch des 19. Jahrhunderts „Päderastie“ und „Homosexualität“ vollkommen synonyme Begriffe. Was ziemlich interessant hinsichtlich der jetzigen Diskussion über sexuellen Kindesmißbrauch ist. Wer behauptet, daß Homosexualität keine Krankheit ist, muß folgerichtig auch die Päderastie akzeptieren – und vernünftigerweise seinen eigenen Sohn zur Verfügung stellen! Sicherlich wird mir die Psychiatrie nicht zustimmen, aber ich bin trotzdem davon überzeugt, daß ausnahmslos jeder Homosexuelle ein Päderast ist. Wenn nicht im Leben, dann doch in der Phantasie. Historisch war das jedenfalls stets so, etwa bei den Griechen: ein älterer Mann und ein Jüngling bzw. Knabe.

Übrigens kann man so Liberale fertigmachen: wenn sie A (Homosexuelle) sagen, sollen sie gefälligst auch B (Kinderficker) sagen! Das haben Konservative auf der einen Seite und Kommunisten (etwa Lenin) auf der anderen Seite an den Liberalen immer so verachtet: das sie eine Sache nie zuende denken, nie die Konsequenzen ziehen.

Aber zurück zu Saharasia: nicht ohne Grund hat Nietzsche in Italien gelebt, denn da gab es wie selbstverständlich die kleinen Jungs – wie im übrigen Mittelmeerraum. Heute ist Marokko der Geheimtip. Dort wird nur die genitale heterosexuelle Sexualität der Jugendlichen erbarmungslos verfolgt.

3. Was meine Sache mit den Linksalternativen und Saharasia betrifft: mir wurde von einem Uni-Seminar berichtet, wo der Dozent ganz Herbert Marcuseisch für Cannabis & Co. warb und als glühendes Beispiel die saharasiatischen Länder ausmalte, wo die Menschen dank dieser Drogen friedlich und entspannt seien und nicht so alkoholisch-aggressiv wie im nördlichen Europa. DeMeo hat Haschisch eindeutig mit den patristischen Mörder-Nomaden Zentralasiens in Zusammenhang gebracht (z.B. S. 252).

4. Eine Soziologie-Professorin aus Münster argumentiert vollkommen sexualökonomisch: „Laut neueren ethnologischen und historischen Untersuchungen setzt das Patriarchat mit der männlichen Kontrolle über die Gebärfähigkeit und Sexualität der Frauen ein. Abwertung der weiblichen Sexualität, Aneignung der Kinder durch die Väter und Vergewaltigungen erscheinen als Symptome bei der Diagnose von Männerherrschaft“ (Ilse Lenz/Ute Luig (Hg.): Frauenmacht ohne Herrschaft. Geschlechtsverhältnisse in nichtpatriarchalischen Gesellschaften, Berlin: Orlanda Frauenverlag, 1990, S. 66).

Uns wurden etwa die Buschmänner der Kalahari stets als eher patriarchalisch vorgestellt, was auch mich hinsichtlich der Saharasia-Theorie etwas durcheinandergebracht hat. Aber eine genauere ethnologische Analyse zeigt das Gegenteil oder allein schon, wenn man die obigen Kriterien von Ilse Lenz heranzieht.

Die Saharasia-Theorie ist durch und durch stimmig – und gerade die neueren und neusten Forschungsergebnisse unterstützen dies immer mehr. Man vergleiche etwa, den Stand der Forschung zu Freuds und selbst noch zu Reichs Zeiten mit der heutigen Lehrmeinung.

Was mir beim Studium ethnologischer Literatur, etwa Malinowskis immer wieder aufgefallen ist, ist, wie modern und westlich und vollständig anti-Erich-Fromm-isch doch die Lebenseinstellung der matriarchalen Völker ist, etwa bei den Büschmännern: „Dem aktiven, erfolgreichen und fürsorglichen Jäger entspricht die begehrenswerte und selbstbewußte Frau“ (Lenz/Luig: S. 101).

Es stimmt auch nicht, daß diese Völker keinen „Stirnerschen“ Individualismus kennen. Etwa die Hadza, ein kleines Jägervolk im nördlichen Tansania, sind extreme Individualisten, bei denen es kaum einen Gruppendruck gibt. „Die Hadza haben viele Ähnlichkeiten mit den San [den Buschmännern], obwohl bei ihnen eine stärkere Tendenz zur Anarchie besteht. Ihr schon fast extremer Individualismus basiert auf einer territorialen und sozialen Organisation, die durch größtmögliche Offenheit und Freizügigkeit gekennzeichnet ist“ (Lenz/Luig: S. 112).

Überhaupt sind diese Völker erstaunlich „westlich“: „Wegen [der] Freiheit von ökonomischen Zwängen haben die Hadza-Ehen durchaus Gemeinsamkeiten mit der bürgerlichen Vorstellung einer Liebesheirat. Diese Unabhängigkeit von materiellen Bindungen ist jedoch auch ein Grund für die Instabilität dieser Ehen, deren Scheidungsrate noch höher als bei den San zu sein scheint“ (Lenz/Luig: S. 118).

Übrigens kennen die Buschmänner auch die Orgonenergie. Sie nennen sie „Num“, das dem polynesischen Mana entspricht.

DeMeo behauptet wenn nicht explizit, so doch ganz eindeutig implizit, daß das ACO mit seiner Unterstützung der konservativen Weltanschauung in jeder Hinsicht rückschrittlich wäre und hinter Reich zurückfalle. DeMeo selbst aber vertritt abgestandene Uralt-Theorien. Als man Reich einmal über den Anarchisten Kropotkin ausfragte, der doch ganz „arbeitsdemokratische“ Lehren vertreten hätte, antwortete Reich: „Sie vergessen, daß die Zeiten sich ändern und daß die Wahrheit von gestern, die Lüge von heute ist“ (Ollendorff: Reich, S. 104). Reich hat sich weiterentwickelt, das ACO (dessen erste Generation sich fast durchweg aus ehemaligen Linken und gar Trotzkisten, etwa Prof. Bell, zusammensetzte) hat sich weiterentwickelt – nur DeMeo hängt nachwievor uralten linken Gedanken an. Zum Beispiel finde ich es schier unerträglich, wie von DeMeo hinsichtlich einer selbstregulatorischen Erziehung noch immer so argumentiert wird, wie Reich es in den 40er Jahren tat. Nicht, daß daran prinzipiell irgendetwas falsch wäre, aber die Verhältnisse haben sich wahrhaftig geändert und damit das, was wirklich wichtig ist. Heute ist weniger nackte Autorität das Problem, sondern Permissivität, emotionale Erpressung und ideologische („emanzipatorische“) Indoktrination von Kindern, die leer, zerrissen, desorganisiert sind und sich verzweifelt nach Autorität sehnen. Deshalb rebellieren sie, was mit noch mehr „emanzipatorischer“ Permissivität beantwortet wird, was die Kinder noch wütender macht, etc. Das wäre heute wichtig, aktuell, und würde den Lesern wehtun, sie treffen. Aber nein, DeMeo präsentiert die uralten Theorien, als hätte sich die Orgonomie in den letzten 40 Jahren nicht weiterentwickelt oder als würde er zu den konservativen Bewohnern eines anatolischen Bergdorfes reden.

Zum Beispiel klagt er an, daß die Orgonomen Anfang der 70er Jahre nicht Nixon, sondern „die Linken“ bekämpft hätten. Liest man die zeitgenössischen Berichte z.B. von Patricia Green über ihre praktischen Erfahrungen als Schulleiterin oder Koopmans Erfahrungen in der praktischen psychiatrischen Sozialarbeit sieht man, daß diese hochpolitische Nixon-Affäre in ihrer funktionellen Bedeutung zu nichts gerinnt angesichts einer Gesellschaft, die in einen „linken“ zerstörerischen Taumel geraten ist. DeMeo zeigt stets nur die eine Hälfte des Bildes – das in seiner Gesamtheit DeMeo widerlegen würde. Diese „verschleierte und verschleiernde“ Argumentationsweise ist typisch für DeMeo. Es kennzeichnet praktisch alles, was er von sich gibt. Zum Beispiel behauptet er auf S. 52 von Nach Reich Reich habe „sein Interesse an den Problemen der breiten Öffentlichkeit nie aufgegeben“ und rechtfertigt damit seine Argumentation, daß Reich bis zum Schluß imgrunde ein marxistischer Sozialist war. Gut, die eine Seite des Bildes stimmt, Reich war bis zum Schluß ein soziales Tier: aber praktisch alles (außer Jugendsexualität, Umweltschutz und Religion), wofür bzw. wogegen Reich am Ende kämpfte, entsprach einem strammen amerikanischen „Republikanismus“.

S. 42: Imgrunde behauptet DeMeo, die Orgonomen hätten Reichs gesellschaftspolitische Ideen verraten, indem sie z.B. sozialistische Ideen schlechtweg als „krank“ abqualifizierten. Man lese dazu jedoch Reichs Briefe an Neill oder nehme etwa folgende Erinnerung von Charles Kelley: „I met Reich in 1950. (…) I told Reich I was a socialist, and Reich looked at me with a kind of pity. He shook his head and said: ‚You don’t know how sick it is. You’ll find out“.

Wirklich lachen mußte ich aber, als DeMeo darauf hinwies, daß für die soziopolitische Haltung der Orgonomen keine „systematischen und wissenschaftlichen Grundlagen“ vorhanden sind. Offenbar haben grundsätzlich nur liberale und sozialistische Ideen eine „systematische und wissenschaftliche Grundlage“. Das haben ja auch immer die „Dialektischen Materialisten“ behauptet.

Übrigens kann man diese spezifische Charakterdeformation entgegen DeMeos arroganter Behauptung im Kulturvergleich durchaus „systematisch und wissenschaftlich“ feststellen (z.B. haben dies Humanethologen wie Hans Hass und Eibl-Eibesfeld getan), aber dies ist wegen der Natur der Sache nicht so einfach zu bewerkstelligen, wie die Saharasia-Untersuchung. Ich habe Hass‘ entsprechende Untersuchung kurz referiert. (Übrigens erwähne mal die Humanethologie und insbesondere Eibl-Eibesfeld in der Gruppe, die für Nach Reich verantwortlich ist. Ich garantiere, daß sie sofort abblocken, daß das alles Stockkonservative, wenn nicht sogar Nazis seien, etc.)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 50)

3. April 2022

Die medizinischen Orgonomin Barbara G. Koopman verließ Ende der 1980er Jahre die organisierte Orgonomie wegen Unstimmigkeiten über die Natur des Bewußtseins. Später landete sie, wie bereits erwähnt, bei dem russischen „Geistheiler“ Nicolai Levashov, dem sie kurz vor ihrem und dann seinem Tod ein Vermögen hinterließ.

Ihre orgonomischen Kollegen beharrten auf der Reichschen Auffassung, daß Bewußtsein eine Funktion der Wahrnehmung ist, wie jeder beim Einschlafen und Aufwachen unmittelbar erfahren kann, während Koopman die Auffassung vertrat, daß Wahrnehmung eine Funktion des Bewußtseins ist. Materialismus stand gegen Idealismus.

Die letztere Auffassung entbehrt nicht einer gewissen Logik, denn es muß doch etwas da sein, was wahrnimmt, bevor überhaupt von Wahrnehmung gesprochen werden kann!

Nun, es ist die Logik des Mechano-Mystizismus. Um diese Scheinlogik zu durchschauen, betrachte man etwa die Phylo- und Ontogenese des menschlichen Organismus. Ich verweise auf die Ausführungen von Hans Hass in seinem Buch Wie der Fisch zum Menschen wurde, wo es darum geht, daß fast alles im menschlichen Organismus vorher ganz anderen Aufgaben diente und es teilweise zu mehreren Funktionsumwandlungen kam, bevor ein Organ seine heutige Funktion ausführte. Allein schon dieses eine Buch beweist, daß es „Gott“, d.h. eine alles planende und überwachende Instanz nicht gibt.

Aber trotzdem sich der Organismus aus Einzelfunktionen zusammensetzt und die biologische Entwicklung auf eine ständige chaotische Improvisation hindeutet, ist das Endprodukt doch ein Gebilde wie aus einem Guß: ein perfektes energetisches Orgonom, in dem die Bewegung der kosmischen Orgonenergie nicht nur im Gesamtorganismus, sondern auch in fast allen Organen und Organgruppen eingezeichnet ist. Eine wunderbare Symphonie! Nur wer hat sie komponiert? Von daher ist es kein Wunder, daß man immer wieder einen „göttlichen Plan“ in dem wahrhaftig gottgleichen Wesen „Mensch“ wiedererkennen wollte: Wir sind das Ebenbild Gottes!

Was wie ein immanenter Widerspruch aussieht, ist ganz und gar keiner, wenn man funktionell denkt. Hans Hass hat gezeigt, daß das Ziel („Mensch“) nicht die Funktionen bestimmt, sondern umgekehrt die Funktionen sich erst durch viele Umwege und Sackgassen hindurch entwickelt haben mußten, bevor man schließlich den Menschen am Horizont erahnen konnte. Man organisiere den Körperbau eines Schimpansen nach dem Goldenen Schnitt und man kommt dem Menschen schon recht nahe! Siehe dazu meine Ausführungen in Biologische Entwicklung aus orgonomischer Sicht.

Es ist wie mit der Arbeitsdemokratie, etwa beim Hausbau. Myriaden Funktionen müssen zusammengreifen, die fast alle jeweils eine lange und verwickelte Geschichte haben und ursprünglich meist nichts mit dem Hausbau zu tun hatten. Der Architekt muß sich nach den vorgegebenen Materialien mit all ihren Beschränkungen und den Umweltbedingungen ausrichten, – so daß fast jedes Haus gleich aussieht. Trotzdem ist es Unsinn, ist es eine grandiose Fehleinschätzung, eine Art „Platonische Idee“ namens „Haus“ zu vermuten.

Der Witz ist, daß auf dieser kindischen Idee unsere Sprache und damit unser ganzes Denken beruht. Solange wir nicht Opfer „dekonstruktivistischer Architekten“ werden, erkennen wir Häuser, indem wir das jeweilige Objekt unbewußt mit einer Art „Urhaus“ abgleichen, das dem Wort „Haus“ entspricht.

Ganz ähnlich ist es mit dem „Bewußtsein“ bestellt. Myriaden von Teilwahrnehmungen finden zueinander, bis schließlich „jemand“ hinzutritt, der bewußt wahrnimmt. Unvermittelt haben wir einen „Geist“ vor uns, der, ähnlich dem „Platonischen Haus“, „an sich“ da ist, den Körper verläßt und sogar dessen Tod überlebt. Ein überweltliches kleines „Männlein“, das „wahrnimmt“ und ohne das es keine „Wahrnehmung“ gäbe.

Dieses „Bewußtsein“ ist nichts anderes als das einheitliche Funktionieren des energetischen Orgonoms, wie oben angedeutet. Das einheitliche Funktionieren ist der Kern unserer Existenz als Wesen mit einer Identität und Würde. Von daher ist der Idealismus uns wesenseigen, genauso wie er unserer Sprache wesenseigen ist, d.h. aber noch lange nicht, daß er der objektiven Wahrheit entspricht.

Ich werde oft gefragt, was die ganze „Orgonometrie“ eigentlich soll. Sie hilft uns, ähnlich der Mathematik, uns von den Platonischen Fesseln der Sprache zu befreien und trotzdem logisch zu denken. (Der Unterschied zur Mathematik ist die Berücksichtigung qualitativer Faktoren.) Insbesondere rettet sie uns vor den Fallstricken des Mystizismus, ohne daß wir mechanistischen Platitüden verfallen, die zu Recht niemanden wirklich überzeugen können.

Um zum Anfang zurückzukehren: Auf einer oberflächlichen, pragmatischen Ebene ist es so, daß Wahrnehmung eine Funktion des Bewußtseins ist. Nietzsche würde sagen, daß uns das Leben selbst diese Sichtweise aufzwingt. Doch aus einer tieferen, bioenergetischen Sichtweise, d.h. wenn wir die Dinge als Wissenschaftler betrachten, d.h. sozusagen „neben das Leben“ treten, dann erkennen wir, daß Bewußtsein eine Funktion der Wahrnehmung ist.

ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: 10. Der Stellung des Menschen im Universum. b. Die Wirklichkeit

14. Januar 2022

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ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: 10. Der Stellung des Menschen im Universum. b. Die Wirklichkeit

ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: 9. Antischwerkraft. d. Der funktionelle Raum

2. Januar 2022
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ÜBERLAGERUNG UND TEILUNG IN GALAKTISCHEN SYSTEMEN: 9. Antischwerkraft. d. Der funktionelle Raum

Der linke Reich: Reich und die Technik

15. November 2021

Was den technologischen Fortschritt angeht, war Reich zeitlebens gespalten. Beispielsweise finden sich Anfang der 1930er Jahre Aussagen, die Lenins Diktum entsprechen, Kommunismus sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung: der technologische Fortschritt, etwa das Arbeiten in Fabriken, sei mit einer sexuellen Befreiung einhergegangen. Entsprechend hat also die Technologie dazu beigetragen, den Menschen biophysische zu befreien.

Zehn Jahre später hat Reich dann in der umgeschriebenen und erweiterten Neuauflage der Massenpsychologie des Faschismus natürlich gegenteilige Töne angeschlagen: der Mensch sei durch seinen Kontakt zur Maschine selbst zur Maschine geworden, d.h. biophysisch entartet. Dabei blieb er, wie praktisch jeder seiner Generation, ein Technikfreak: immer das neuste Auto, die modernste Laboreinrichtung. Und dann ist er natürlich auch „Katastrophist“: der Zusammenbruch der technischen Zivilisation im/nach dem Zweiten Weltkrieg sollte die Menschen wachrütteln und verändern. Ohnehin wäre es besser, wenn wir zum einfachen Leben, wie es etwa die Trobriander führen, zurückkehrten.

Man kann schön von einem „indigenen“ Leben träumen, bis man unerträgliche Zahnschmerzen hat, sich das Becken gebrochen hat und die Freundin elendig und mit unvorstellbaren Schmerzen bei der Geburt des gemeinsamen Kindes verreckt, weil kein Kaiserschnitt durchgeführt werden kann und wenn, es einer Schlachtung bei lebendigem Leibe gleichkäme. Ich für meinen Teil bin heilfroh im 21. Jahrhundert leben zu dürfen! (Jedenfalls war ich das bis vor zwei Jahren.)

Und selbst was die Umweltverschmutzung betrifft: früher stanken die Städte unerträglich nach Menschen- und Pferdefäkalien, waren vom ewigen Pferdegetrampel und holprigen Pferdewagen unfaßbar laut, aus den Schornsteinen stiegen Giftschwaden aus nichtraffinierter Kohle und anderen Brennstoffen, die Lebensmittel waren voller Gift (beispielsweise wurde der Wein routinemäßig mit Blei versüßt) und fiese Krankheiten grassierten, die wir vor allem durch die Verbesserung der Hygiene ausgerottet haben. Nicht zuletzt wegen der mangelnden Fluktuation grassierten Erbkrankheiten durch Inzucht. Noch heute stößt man auf Indiostämme mit sechs Fingern an der Hand, etc. Mangelernährung, Klein- und Fehlwuchs waren die Norm.

Mit Reich und Hans Hass sehe ich Technologie einfach nur als ein Werkzeug des Lebendigen mit deren Hilfe der schmale Grat, auf dem das Lebendige wandelt, ausgeweitet werden kann. „Wir waren sogar schon auf dem lebensfeindlichen Mond!“ Auch könnten wir Gefahren abwenden, die die gesamte Biosphäre zerstören, etwa gigantische Meteoriten. Es ist wie mit einem Skalpell: in der Hand eines sadistischen Triebtäters ist es das lebensfeindliche Instrument, während es in der Hand eines guten Chirurgen die Verkörperung der Lebensbejahung schlechthin ist. Übrigens hat schon einmal der technische Fortschritt die Menschheit und den Großteil der anderen Lebewesen gerettet: ohne fossile Brennstoffe (erst Kohle, dann Öl) stände auf dem Planeten buchstäblich kein Baum und kein Strauch mehr! Es wäre alles verfeuert. Keine Übertreibung, ich erinnere nur daran, daß Spanien und England vor den großen Armadas dicht bewaldet waren. Und was das vermeintliche „Treibhausgas“ CO2 betrifft: erdgeschichtlich leidet dieser Planet, also vor allem das Pflanzenreich, unter einem verzweifelten Kohlenstoffmangel. Die Erde benutzt den Menschen, der integraler Bestandteil der Natur ist, um die Erdatmosphäre wieder mit Kohlenstoff anzureichern, damit es auf diesem Planeten weiter Leben geben kann.

Nachwort zu „Zweite Ergänzung zu ‚Besprechung von ORGONOMIC FUNCTIONALISM No. 8, Spring 2021 (Teil 3)‘“

15. August 2021

Gibt es ein „primordiales Bewußtsein“, das Erinnerungen etwa so speichert wie ein Magnetband? Reich hat in Charakteranalyse lang und breit ausgeführt, daß das Ich die Summe aller vergangenen Erlebnisse ist. Da wird nichts mechanisch „abgespeichert“, sondern in der Vergangenheit wurden bestimmte Weichen für die Strukturierung des sich entwickelnden Organismus gestellt, weshalb „Erinnerungen“ nichts anderes sind als die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Wie sollte es auch anders sein? Imgrunde sagen die Mystiker natürlich auch nichts anderes, nur daß sie die Welt vollkommen überflüssigerweise verdoppeln. Diese Spaltung hat Reich im letzten Kapitel der Charakteranalyse analysiert…

Nehmen wir hier die Erinnerung an das intrauterine Leben – und in letzter Konsequenz an Vorleben: der Hauptfehler der Proponenten von „Rückführung“, wie Freud, Jung, Rank, etc., liegt einfach darin, daß es das „Ich“, das sich angeblich erinnert, gar nicht gibt. Es ist genau umgekehrt: erst der Akt der Erinnerung konstituiert das Ich. Natürlich existierte die Vergangenheit, denn mein Selbst, d.h. mein Körper, war dabei als ich geboren wurde, aber es ist naiv zu glauben, damals wäre etwas abgespeichert worden, was man später wieder abrufen kann. Erinnerungen sind, streng orgonomisch betrachtet, nur eine aktuelle Folgeerscheinung der Art, wie in der Vergangenheit sich die bioenergetische und physische Grundlage des Ich formierte („Zeit –> Raum“). Beim Erinnern geht es also nicht um „das Abspielen einer Kassette“ („Raum/Zeit“), sondern darum, wie der „Kassettenrekorder“ gebaut und immer wieder repariert wurde.

Selbst Vokabellernen würde ich hier hinzurechnen. Niemand kann mir einreden, daß eine Vokabel wie „elevator“ in irgendwelchen Schaltkreisen oder biochemischen Verbindungen im Gehirn gespeichert wird, um dann jederzeit wieder abgerufen werden zu können. Als ich die Vokabel „elevator“ lernte, konstituierte sich mein „Selbst“ neu, wie bei jedem neuen Input. Dieser Vorgang wird evident, wenn man sich den konkreten Mechanismus des Erinnerns vergegenwärtigt. Es wird nichts von einem Speicher „abgerufen“, sondern Assoziationsketten, Eselsbrücken, rein physiologische Automatismen und der Abschluß offener „Gestalten“ sind die Grundlagen der Erinnerung. Erinnerungen sind in das Funktionieren des Körpers eingebettet: es handelt sich um zusätzliche Organe (Hans Hass).

Bei mir wäre die Eselsbrücke etwa: „elevator –> see you later alligator –> rock’n roll –> Elvis Presley –> Las Vegas –> merkwürdigerweise spielen in allen Filmen über Las Vegas Fahrstühle eine zentrale Rolle –> Fahrstuhl“.

Warum wird dann doch das Ich so betrachtet, als wäre es ein kleines Männchen, das im Gehirn sitzt? Diese Illusion beruht auf der orgonotischen Pulsation, die die primäre Grundlage des „sekundären“ Ich ist. Erinnert sich etwa ein Patient an die Einzelheiten seiner Geburt, bedeutet das nicht, daß er damals ein Bewußtsein, ein „Ich“ hatte, das dies abspeicherte, vielmehr durchlief damals das pulsierende orgonotische System eine entscheidende Entwicklungsphase, die seine zukünftige Entwicklung bestimmte. „Erinnerungen“ sind gar keine „Erinnerungen“, sondern nur die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Erinnerungen sind also letztendlich eine Illusion, aber eine notwendige Illusion, denn nur so gewinnt das „Ich“ seine Identität.

„Erinnerungen an frühere Leben“ entsprechen in etwa dem, was mir passiert, wenn ich in der Abenddämmerung nach Hause gehen: irgendwelche Stoffetzen an Bäumen werden aus der Entfernung zu Personen, weil mein Gehirn im Chaos meiner Umwelt, immer Sinn ausmachen will, damit ich mich überhaupt orientieren kann. All die „Kleopatras“ und „Napoleons“, die heute rumlaufen, sind Menschen, die Halt im Ansturm ihrer wirren Gefühle suchen.

Genauso wie es mittels der soziopolitischen Charakterologie möglich ist, die politischen Weltläufe zu verstehen, ohne in Verschwörungstheorien Zuflucht nehmen zu müssen, kann die „personale“ Charakterologie auch jene „unerklärlichen“ seelischen Vorgänge erklären, von denen all die Spökenkieker unter den Therapeuten berichten.

Man kann sagen, daß nach der modernen Neuro-Psychiatrie das Gehirn eine „konstruktivistische Sinnfindungsmaschine“ ist, die von Eindrücken bedrängt wird, denen das Gehirn irgendeinen Sinnzusammenhang geben muß. Das Gehirn darf unter keinen Umständen eine Sinnleere zulassen, da sich sonst der Mensch nicht mehr orientieren kann. Zum Beispiel könnte man in lauten Kneipen keine Gespräche führen, würde man nicht ständig die Lücken in den Sätzen, die man nicht vom Hintergrundgeräusch trennen konnte, mehr oder weniger sinnvoll selbst auffüllen. So schließen wir auch sonst ständig Sinnlücken, um uns in einer von uns nur fragmentarisch registrierten Welt überhaupt zurechtfinden zu können. Hier könnte beispielsweise das Geheimnis des UFO-Phänomens liegen: früher „sah“ man Gnome, Engel und Dämonen, heute sieht man „UFOnauten“.

Orgonomisches Potential und Bewußtsein

20. Mai 2021

Aus funktionalistischer Sicht entwickelte sich das Bewußtsein wie folgt:

  1. der kosmische Orgonenergie-Ozean ist „erregbar“ (Wahrnehmung)
  2. mit der Bildung von Bionen und Einzellern die Pulsation im orgonotischen System (Emotion)
  3. im Verlauf der Evolution die Koordinierung unterschiedlicher Wahrnehmungen und Gefühlsregungen im Zentralen Nervensystem, dem Zentrum des Orgonoms (Bewußtsein)

Entsprechend gibt es drei mechano-mystische Theorien über das Bewußtsein:

  1. Das Gehirn wird als eine Art „Radioempfänger“ betrachten, der ein „Bewußtseinsfeld“ empfängt.
  2. Bewußtsein ist schlicht eine Art „geistiges Wesen“, das den menschlichen Organismus okkupiert.
  3. Es wird als eine Art „innerer Projektionsschirm“ betrachtet. Frei nach Konrad Lorenz und Hans Hass kann man sich das etwa wie folgt vorstellen: Um sicher von Baum zu Baum springen zu können, mußten die Affen den Sprung vorher innerlich simulieren, sozusagen als inneren Film vor dem geistigen Auge abspielen. Daraus hat sich dann nach und nach das Bewußtsein entwickelt.

K. Lorenz führt das menschliche Vorstellungsvermögen auf die bei höheren Tieren entwickelte „Raum-Repräsentanz“ zurück. Wenn etwa Affen von einem Ast zum anderen springen, müssen sie vorher gleichsam „theoretisch“ ermitteln, ob dieser Sprung praktisch möglich ist. Aus dieser Fähigkeit könnte sich der innere Projektionsschirm unserer „Phantasie“ weiterentwickelt haben. (Hans Hass: Der Hai im Management, München 1988, S. 310)

Alle drei Theorien haben etwas für sich:

  1. Die Vorstellung von „Radioempfänger“ macht in mystischer Verkleidung deutlich, daß man das Bewußtsein nicht auf das Gehirn beschränken kann.
  2. Der „Geist in einer fleischlichen Hülle“ macht deutlich, daß wir tatsächlich primär keine „materiellen Wesen“ sind, sondern freie Orgonenergie, die in einer Membran gefangen ist. Die dergestalt hervorgerufene Trennung zwischen Außen und Innen ist der letztendliche Urgrund des Phänomens Bewußtsein.
  3. Entsprechend macht die Theorie von Konrad Lorenz und Hans Hass deutlich, daß es sich beim Bewußtsein um eine Widerspiegelung der Außenwelt handelt. Wären wir wirklich im Kern „überweltliche“ Wesen, könnten wir kaum überleben.

Das ist das Bewußtsein objektiv betrachtet, aber Kennzeichen von Bewußtsein ist ja gerade seine Subjektivität. Wie kann man diese Seite konzeptionell erfassen?

Die Antwort für diese „unlösbare Frage“ ist denkbar einfach, wenn wir uns überlegen, was denn das Gegenteil von Bewußtsein ist. Chaos! Maximale Entropie.

Hier kommt der Gegensatz von mechanischem Potential (wachsende Entropie) und orgonomischem Potential (abnehmende Entropie) ins Spiel.

Ein mechanisches Uhrwerk, das zu Boden fällt, zerspringt in seine Einzelteile. Die zeitliche Umkehr dieses mechanischen Vorgangs, daß nämlich Schrauben, Federn und Zahnräder sich spontan zu einer laufenden Uhr zusammensetzen, wurde bisher nicht beobachtet. (…) Eine Kanne mit warmem Kaffee kühlt spontan auf die sie umgebende Zimmertemperatur ab. Der umgekehrte Vorgang einer spontanen Mehrerwärmung gegenüber der Zimmertemperatur wurde bisher noch nicht beobachtet. (Klaus Mainzer: Zeit, München 1995, S. 73f)

Wurde doch! Und zwar beim sich spontan erwärmenden Orgonenergie-Akkumulator, wie James DeMeo vor einigen Jahren erneut und zwar wissenschaftlich endgültig nachgewiesen hat. Und was die spontan sich zusammensetzende Uhr betrifft: nichts anderes ist die Entwicklung der Lebewesen, die schließlich im Menschen kulminierte und sich auf höherer Ebene fortsetzte. Um das nachzuweisen habe ich lang und breit Hans Hass Energontheorie präsentiert. (Siehe Die Orgonomie und die Energetik (Teil 3).) Entsprechend kann man auch einfach sagen: daß es Uhren überhaupt gibt, ist der Beweis dafür, daß in der Natur ein Prozeß existiert, der der Entropie entgegenarbeitet.

Entropie ist Information, welche nicht zur Verfügung steht. Es war eine wichtige Entdeckung von Ludwig Boltzmann, daß die Entropie, die zuerst als eine rein thermische Größe definiert worden war, etwas mit Information zu tun hat. In der statistischen Deutung der Thermodynamik wurden die untersuchten Systeme als aus lauter kleinen Teilchen bestehend aufgefaßt. Wenn man nun Kenntnis über den globalen Systemzustand hatte, zum Beispiel über sein Volumen, seine Temperatur und den Druck, dann reicht diese Kenntnis nicht aus, um auch noch Genaues über die unzähligen einzelnen Bestandteile zu wissen. Die Information, die ein allwissender Dämon zu unserer bloß makroskopischen Kenntnis noch hinzugewinnen könnte, ist gerade gleich der Entropie. In diesem Sinne soll der obige Satz verstanden werden. (Thomas Görnitz: Quanten sind anders, Heidelberg 1999, S. 249)

Was die „Maxwellschen Dämonen“ betrifft siehe meine Ausfährungen hier.

Entropie ist Information, welche nicht zur Verfügung steht. Im Umkehrschluß bedeutet das, daß jeder Faktor, der der Zunahme von Entropie, sozusagen der „Zunahme von Nichtwissen“, entgegenarbeitet mit Informationsgewinn verbunden sein muß. Man denke nur an die Lebewesen, die aus einer Planetenoberfläche, die nicht mehr war als ein Haufen Geröll, eine wunderbar geordnete „Landschaft“ gemacht haben, in der „alles seinen Platz“ hat.

Je mehr sich ein System der Tendenz zur zunehmenden Entropie widersetzt, nimmt es desto eindeutiger eine orgonomische Gestalt an. Das reicht von der Orgonomform bestimmter Einzeller bis zur Spiralform der Galaxien. Es ist geradezu zwangsläufig, daß am Ende dieses Prozesses innerhalb von Galaxien auf Planeten schließlich Lebewesen auftreten, die ein Bewußtsein entwickeln. Bewußtsein ist schlichtweg der höchste Ausdruck von Ordnung.

Ich höre dich an, ich lese deine Sachen, ich schaue mir deine Wohnung an – und weiß alles über deinen „Grad an Bewußtsein“ und sogar über die groben Umrisse deiner „Subjektivität“!

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 6)

6. Oktober 2020

Man kann der Marxschen Wertlehre nur gerecht werden, wenn man das berücksichtigt, was ich als „funktionellen Raum“ bezeichnet habe. Wichtiger als der Raum, den man mit mechanischen Instrumenten mißt, ist der „Raum“ deiner Beziehungen: deine Familie, deine Kollegen, deine Freunde, die allgemeine Arbeitsdemokratie usw. Einiges davon ist nicht einmal physischer, sondern immaterieller Natur wie Bräuche, Meme, Regeln, mathematische Fähigkeiten, was auch immer. Auch die meisten deiner „Organe“ befinden sich tatsächlich außerhalb des „Raumes deines Körpers“: dein Ofen (Eingeweide), dein Auto (Beine), deine Seife (Immunsystem), dein Büro (Energie- [Geld-] Produktion) usw. All dies bildet den Funktionsraum, in dem du lebst. Selbst die rechteckigen „kartesischen“ Räume in denen du lebst: primär ist, daß sie „Funktionsräume“ sind, d.h. deine externe Haut, die dich vor Sonne, Kälte, Wind und Regen schützt. (Siehe dazu meine Ausführungen in Hans Hass und der energetische Funktionalismus.)

Wir sehen unsere Umwelt als die Bühne, auf der all dies geschieht, und betrachten diese Bühne als das Wesentliche. Das kartesische Koordinatensystem ist unser Bezugssystem. Es ist so, als würden wir die Bühne für wichtiger nehmen als das eigentliche Drama von, sagen wir, Shakespeare, das auf dieser Bühne gespielt wird. Orgonometrisch gesehen ist aber der funktionelle Raum der primäre Bezugsrahmen, nicht der materielle Raum aus Beton und Holz! Man schaue sich die Landschaft Deutschlands an: Es stimmt, daß irgendwann zu Urzeiten unsere Urväter einen bestimmten geographischen Raum besiedelten, aber inzwischen, im Jahr 2020, ist alles, jeder Baum und jeder Stein, wegen der menschlichen „Terraformung“ dort, wo er ist. Deutschland ist zuallererst ein funktioneller Raum und nicht einfach nur ein Siedlungsraum („Landstrich“). „Deutschland“ macht nur Sinn im Hinblick auf Geschichte, Wirtschaft, Soziologie und sogar Psychologie! Die tatsächlichen („mechanischen“) Raumkoordinaten sind nicht mehr so wichtig. Oder wie Reich betonte: die Biologie ist fundamentaler als die Physik!

Nun, die Marx’sche Werttheorie kann nur im Sinne dieses funktionellen Raumes verstanden werden, weil Arbeit eine soziale Funktion ist, die nicht richtig verstanden werden kann, wenn man sie auf eine einfache mechanische Tätigkeit reduziert. Arbeit ist immer Teil eines grenzenlos komplizierten Gefüges gesellschaftlicher Zusammenhänge (Arbeitsdemokratie!), so daß die Zeit nicht die „individuelle Arbeit“ (ein Begriff, der überhaupt keinen Sinn macht), sondern den Querschnitt des funktionellen Raumes mißt. Wie mißt man den Funktionsraum eines beliebigen Arbeiters, etwa eines psychotherapeutisch tätigen Psychiaters? Oder besser gesagt: wie kann man einen Querschnitt durch den Funktionsraum, den wir „Orgontherapeut“ nennen, erstellen? Die einzige Möglichkeit, die wir haben, ist, sagen wir, „45 Minuten Orgontherapeut Dr. xyz“, also ein Zeitmaß zu nehmen, genau wie es seine Patienten ja ohnehin tun! Aber wie ich bereits gezeigt habe, ist selbst dieser Ansatz fehlerhaft, wenn man seine Arbeit isoliert betrachtet und von der Gesellschaft trennt (Infrastruktur, all die Menschen, die für ihn direkt und vor allem indirekt arbeiten, usw.).

Die Arbeitswertlehre hantiert also nicht einfach mit „Arbeitszeiten“, sondern mit sozusagen „Querschnitten“ durch einen kollektiven Funktionsraum. Dazu ein Bild – das man nicht überstrapazieren sollte: Wenn ich (beispielsweise) von Hamburg nach Bremen fahre und dazu eine Stunde benötige, spiegelt dieser Wert den Straßenverkehr wider, ist also Ausdruck des kollektiven Verhaltens aller Verkehrsteilnehmer. Was im Einzelnen auf meinem Tacho passiert ist, d.h. wie schnell ich jeweils in kleineren Zeitabschnitten gefahren bin, wie ich gebremst und beschleunigt habe, etc. ist dabei vollkommen gleichgültig. Oberflächlich betrachtet wäre es zwar eine „qualitativere“ Betrachtungsweise, aber tatsächlich gibt der scheinbar rein quantitative Wert „1 Stunde“ die Qualität dieses letztendlich kollektiven Ereignisses weitaus besser wider: dieser Wert hängt nicht so sehr von mir, als von der „Verkehrslage“ ab. Die „Verkehrslage“ wird aber am besten wiedergegeben, wenn man die durchschnittliche Reisezeit aller Verkehrsteilnehmer betrachtet.

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Die Lebensenergie am Rande der Wissenschaft

3. Oktober 2020

 

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Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 70

4. Juni 2020

orgonometrieteil12

70. Die Orgonomie weiterentwickeln, gar überwinden?

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