Obwohl Reich gemeinhin als „Sexualfetischist“ und „Orgasmuskönig“ verschrieen ist, gilt er bei „Kennern“ des Sujets als prüde. Von Anfang an betrachtete er die „schöne bunte Welt der Sexualität“ als Ausdruck der Neurose. Prägenitale Betätigungen hatten nur zur genitalen Endlust zu führen. Wurden sie zum Selbstzweck, galten sie als pervers. Ersetzt man „genitale Endlust“ mit „Fortpflanzung“, hat man die katholische Sexualmoral vor sich.
Die Reduktion der Sexualität auf den koitalen Orgasmus bei Reich spiegelt die Prüderie einer antisexuellen Moral wider. (Gunter Schmidt und Eberhard Schorsch, z.n. B. A. Laska: Wilhelm Reich, rororo Bildmonographie, S. 140)
Die Frage nach Reichs Prüderie läßt sich denkbar einfach beantworten: In Gourmet-Restaurants werden leckere Vorspeisen gereicht, die den Appetit anregen und die Wartezeit im wahrsten Sinne des Wortes versüßen sollen. Nur ein Idiot haut sich mit den Appetithäppchen solange die Wampe voll, bis beispielsweise für den Hummer kein Platz mehr bleibt. – Genauso ist es mit dem Verhältnis von Prägenitalität und Genitalität. Es ist keine Frage der Moral, sondern der „Lustökonomie“.
Bleibt die Frage nach Perversionen, denen das Individuum ausgeliefert ist, etwa Päderastie, Sadomasochismus oder Homosexualität.
Fatalerweise ist die menschliche Sexualität prägbar. Lächerliche Zufälle in der frühen Pubertät und schon hat man einen lebenslangen Fußfetischisten vor sich oder jemanden, der ein Leben lang auf Kinder geprägt ist. Die Frage, ob solche Prägungen rückgängig gemacht werden können, „heilbar“ sind, ist eine akademische, denn gäbe es eine solche Therapie wäre sie aufwendig, ein Erfolg nicht sicher und auf Massenbasis ohnehin schlichtweg nicht realisierbar. Päderasten müssen isoliert werden, da die Gesundheit künftiger Generationen vorgeht. Es geht hier nicht um eine Schuld, die gesühnt werden müßte, sondern es ist eine rein praktische Frage.
Und was harmlosere Perversionen betrifft: ausnahmslos jeder hat seine sexuellen Vorlieben! Es gilt nur zu verhindern, daß sie der Endlust im Wege stehen. Ein regelmäßiger Orgasmus wird dann ohnehin diesen prägenitalen Bestrebungen die Energie so entziehen, daß sie kein Hindernis mehr darstellen. In gewissen Grenzen gilt das sogar für päderastische Tendenzen. Schließlich sind wir alle „Päderasten“, denn ein Gutteil der sexuellen Attraktivität von Frauen beruht zweifellos auf dem Kindchenschema.
Der Sadomasochismus ist unmittelbarer Ausdruck der Panzerung des Menschentiers. Da der Organismus nicht mehr frei und spontan funktionieren kann, wird er von Zwang und sogar Gewalt abhängig. Impulse müssen buchstäblich „durchgepreßt“ werden. Dieser Zustand ist weniger eine Sache der Sexualität (es gibt keine „sadomasochistischen“ Triebe!), sondern der Panzerung an sich.
Das eigentliche Public Relations-Problem der Orgonomie ist die Frage nach der Homosexualität Wie kann sie es wagen, eine ganze „Community“ als „krank“ zu brandmarken? Bei der Homosexualität ist schlichtweg die Frage, was Homosexuelle eigentlich machen! Es ist einfach keine Sexualbetätigung zwischen Gleichgeschlechtlichen denkbar, die zur Befriedigung im eigentlichen Sinne führen könnte. Ganz abgesehen davon ist unsere Physiologie so eingerichtet, daß wir die „Sexualstoffe“ des anderen Geschlechts für unser Wohlbefinden schlichtweg brauchen. Wieder: es geht nicht um Moral, sondern um Medizin!
Und was schließlich den „Ekel“ betrifft: dem orgastisch Potenten sind die Perversionen seiner Mitmenschen vollständig gleichgültig. Das Thema ist energetisch einfach nicht besetzt. Ein homophober Student der Orgonomie – ist kein Student der Orgonomie. Er outet sich sozusagen selbst als – pestilenter Wicht!
In einem Punkt wird die Orgonomie immer zur „sexuellen Avantgarde“ gehören: bei der sexuellen Freiheit von Jugendlichen. Elsworth F. Baker, ein durch und durch konservativer Mensch, schrieb 1969 einem verunsicherten jungen Mädchen:
Die katholische Inquisition quälte Menschen, um ihre Seelen zu retten. (Wir foltern noch heute Jugendliche, um ihre Seele zu retten.) Die Pilgerväter erlaubten niemandem Weihnachten zu feiern, weil das gegen ihre Religion war, und um ihrem Glauben zu frönen, hängten sie viele unschuldige Menschen als Hexen. Vor nicht allzu langer Zeit wurden Frauen festgenommen, weil sie Kleider trugen, die ihre Knöchel zeigten. Eines Tages werden wir zurückblicken und uns fragen, warum wir lehrten, daß Jugendliche kein Sexualleben führen sollen. („Adolescent Misery“, Journal of Orgonomy, 3(2), Nov. 1969)
Freud war sehr liberal, was sexuelle Abweichung betraf (insbesondere Homosexualität). Als Reich in den 1940er Jahren schrieb, daß die Gesellschaft der perversen Sexualität liberal gegenübertritt, während die Emotionelle Pest spezifisch die gesunde Sexualität verfolgt, war das nicht sonderlich einsichtig. Heute wird es immer offensichtlicher.
Schlagwörter: Fetischismus, Freud, Homosexualität, Orgasmus, Päderastie, Perversionen, Prüderie, Psychoanalyse, Sadomasochismus, Sex, Sexualaufklärung, Sexualität, Sexualmoral
6. Januar 2012 um 09:59 |
Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, was Ihr von der Beschreibung der „Neosexuellen Revolution“ hält.
Ist da etwas dran und welche Erklärung würde die Orgonomie dafür geben?
http://de.wikipedia.org/wiki/Neosexuelle_Revolution
6. Januar 2012 um 11:34 |
Ich habe mich bereits zu allem auf und jenseits dieses Planeten geäußert!
https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2009/05/07/die-emanzipation-der-perversen/
6. Januar 2012 um 17:13 |
Die „Neosex… Revolution“ klingt wie eine Kontra-Revolution.und könnte auch vom Papst ausgerufen sein. Die „Sexuelle Revolution“ in den 68-ern bis heute im ZEGG (Belzig) ist ein Swingerclub für Singels. Je mehr drüber geredet wird, desto weniger wird Sexualität gelebt – und keiner redet von Beziehung oder Liebe.
Welchen Jugendlichen interessiert, was Hr. Sigusch denkt? Die interessiert, ob „Du“ ein Kondom hast oder nicht.
Bei Reich geht es nicht um Sexualität, sondern um Liebe!
7. Januar 2012 um 00:14 |
Freud musste froh sein, dass man überhaupt im prüden Wien 🙂 über Sexualität sprechen konnte. Seine vermutliche eigene Vorliebe zur Homosexualität und seine grundätlich asexuelle persönliche Haltung – nicht im Theoretischen oder in der Analyse, da war er sexuell fixiert – wenn auch quasi „psychoanalytisch pervers“, hat diese liberale Haltung unterstützt. Die Ablehnung von Reich zeigt klar seine Grenzen zur normalen Sexualität, über die inzestiöse und sexualverneindende Haltung zu seiner frigide Tochter, will ich nicht reden.
Reich wird Sexualität als „Steckenpferd“ unterstellt, das mag im Theoretischen richtig sein, praktisch und privat war er genauso zurückhaltend, wie es angemessen war. Das kann man als „prüde“ interpretieren.
Seine Darstellung in dem Tagebuch Leidenschaft der Jugend war hingegen prahlend mit eigener narzisstischer Selbstüberschätzung ohne selbst ins (pornographische) Detail zu gehen.
Will man seine privaten Affären erklären, schneidet Reich zwar sexuell aktiv ab, aber doch eher schüchtern. Jedoch redet er offen über seine Beziehungen und verheimlicht sie nicht, was auch die Konsequenz hat, dass ein Partner bei einem Seitensprung verletzt ist.
Die Orgonomy hat wohl nicht die Aufgabe „prüde“ oder „sexy“ zu sein. Im Gegenteil aufdringliche Selbstbekenntnisse a la Fischer, die obendrein absolut verlogen erscheinen, sind ekelhafte Sektenerotik, die mit orgastischer Potenz nichts zu tun haben.
Die Frage ist, welche „Orgonomie“ ist gemeint? Die Member der Orgonomie sind oft schrecklich asxuell und im Selbstbewußtsein sowie Selbstwertgefühl verstört. Sie kompensieren es mit der Nähe zu Reich und mit einer Zurschaustellung eigener (vorgetäuschter) Potenz. Sind die amerikanischen Orgonomen prüde? Amerikaner sind allegemein prüde, I am sorry to say this.
Nun da aber niemand mit der „Orgonomie“ schlafen möchte, stellt sich die Frage wohl eher nicht. Dennoch packt die Orgonomy das Thema noch auf den Tisch und provoziert zum Nachdenken. Ich bin froh, dass Jugendliche kein Reich lesen, dass Nachdenken über die Sexualität würde sie noch mehr behindern ihre Sexualität zu leben. Die Orgonomy kann nur individuelle Therapie anbieten und hoffen, dass die Kinder dieser Leute ein Stück weit kontaktvoller zu ihren Kindern sind. Den großen Wurf wird die Orgonomy nicht machen. (Prophylaxe)
Nun sollte man sich selbst die Frage stellen: Bin ich prüde? – Ja absolut!
10. Januar 2012 um 17:18 |
In Griechenland sollen Kinderficker als „Behinderte“ eingestuft werden!
http://www.bbc.co.uk/news/world-europe-16486416
13. Januar 2012 um 15:12 |
In Griechenland werden Kinderficker staatlich subventioniert:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/athen-subventioniert-exhibitionisten-und-paedophile/6055636.html