Posts Tagged ‘Orgasmus’

Sieben Fehlinterpretationen der Orgonomie

27. April 2026

1. Sowohl bei Freud als auch bei Reich sei die Störung der natürlichen Libido-Ökonomie die Ursache der Neurose. Tatsächlich betrachtete Freud jedoch das Ich als intrinsisch zu schwach, um mit den Trieben fertigzuwerden, so daß eine neurotische Entwicklung, d.h. das Auffahren diverser Abwehrmechanismen, unausweichlich sei, solle der Mensch nicht in haltloser Perversion a la de Sade versinken. Freud und Reich waren Gegensätze, auch wenn zumindest Reich das nicht recht wahrhaben wollte.

2. Gesunde Kinder sind nicht „polymorph pervers“! Beim gesunden Kind kommen spontan nur die orale und die genitale Libido zum Ausdruck. Insbesondere die anale Libido ist ein reines Kulturprodukt.

3. Reichs Lösung für die negative therapeutische Reaktion, also schlichtweg die Selbstsabotage der Patienten, wären befriedigende sexuelle Beziehungen gewesen. Nun, dagegen besteht ja gerade die Abwehr! Die Abwehrmechanismen müssen angegangen werden, bevor die Funktion des Orgasmus überhaupt greifen kann!

4. In der Orgontherapie gibt es keine „Atemtechnik“! Es geht darum, daß spontane naturgegebene Atmen zu befreien. Patienten das „richtige Atmen“ beibringen zu wollen oder es „einzutrainieren“, ist an Absurdität kaum zu überbieten. Orgontherapie ist kein „Yoga“, sondern das diametrale Gegenteil!

5. Reich habe nur im Stalinismus einen Roten Faschismus gesehen. Lenin, Stalin und Mao hätten die ursprünglich emanzipatorischen Ansätze von Marx autoritär entstellt. Nun, Reich betrachtete auch die Labour-Regierung Englands nach dem Zweiten Weltkrieg als Roten Faschismus. Roter Faschismus ist nicht nur brutale Unmenschlichkeit unter linken Vorzeichen, sondern vor allem die politische Ausbeutung und zynische Perpetuierung der Hilflosigkeit der Massen. In dieser Hinsicht war Lenin für den in dieser Hinsicht arg naiven Reich die große Ausnahme, die Reich bis zum Ende gepriesen hat, wollte Lenin doch, daß der Staat unter Beteiligung aller Arbeitenden geleitet wird und in diesem Prozeß schließlich als überflüssig „arbeitsdemokratisch“ abstirbt. Im Vergleich dazu ist der Einfluß von Marx auf Reich eher marginal!

6. Soziopathen, Psychopathen und Faschisten hätten keine „dritte Schicht“, keine soziale Fassade, die die sekundären Triebe in Schach hält. Das mache sie so gefährlich. Vollständiger Unsinn! Ganz im Gegenteil haben sie eine sehr ausgeprägte soziale Fassade, nur daß diese ganz im Dienste der sekundären Schicht steht. Der Rote Faschist gibt vor, gegen die sekundäre Schicht zu sein, – um diese dann um so besser ausdrücken zu können.

7. Im Zentrum des politischen Elends steht, daß man immer den jeweils anderen die Schuld am menschlichen Elend gibt, während man das eigentliche Problem, nämlich die Emotionelle Pest, außer acht läßt. Oder anders formuliert: Moral („der Kampf gegen das Böse“) bringt immer das Gegenteil des Beabsichtigten hervor, nämlich Unmoral, das Böse. Versucht man nun in „orgonomischen“ Kreisen Beispiele aus der aktuellen Politik für diesen Mechanismus anzuführen, wird man sofort in eine pseudo-orgonomische politische Diskussion verwickelt, bei der es darum geht, der Gegenseite die Schuld zuzuschreiben. Das eigentliche Problem, das man doch nur exemplifiziere wollte, nämlich die zugrundeliegende Emotionelle Pest, fällt so wieder unter den Tisch.

By the way: Du lebst in einem rotfaschistischen Land!

Die Ordnung der Panzersegmente

21. April 2026

Elsworth F. Baker zufolge ist das Brustkorbsegment das wichtigste Segment, weil es Lunge und Herz umfaßt: Aufnahme und Verteilung des Sauerstoffs. Außerdem ist es das erste Segment, das sich in der individuellen Entwicklung abpanzert: Drosselung der Energie. Außerdem erwähnt er, daß man das Brustsegment in einen oberen und unteren Bereich unterteilen kann (Der Mensch in der Falle, S. 102). Aus Sicht des energetischen Orgonoms ist es das bioenergetische Zentrum des Organismus:

Aus Sicht des orgonotischen Systems, d.h. der Struktur gewordenen Pulsationsfunktion, liegt der bioenergetische Kern hingegen im Oberbauch, d.h. dem Solar plexus: das zentrale Nervengeflecht, das Parasympathikus (Expansion) und Sympathikus (Kontraktion) miteinander verbindet.

Aber zurück zum energetischen Orgonom: Es ist, als würde das Brustsegment nach oben und nach unten verweisen als bioenergetisches Zentrum des Organismus. Oberhalb des Brustsegments gibt es drei Segmente (Hals-, Mund- und Augensegment) und unterhalb drei (Zwerchfell-, Bauch- und Beckensegment). Entsprechend gibt es eine bioenergetische Logik, die das Hals- mit dem Zwerchfellsegment verbindet, das Mund- mit dem Bauchsegment und schließlich das Augen- mit dem Beckensegment.

Zunächst einmal versuchen im Orgasmusreflex sich das Becken und der nach hinten geworfene Kopf einander zuckungsartig zu nähern, wobei die Brust kollabiert (Ausatmung), so als wolle sie sich in der Mitte zusammenfalten, was aus anatomische Gründen natürlich nicht geht. Daß Mund- und Bauchsegment zusammengehören, sollte offensichtlich sein, beginnt doch die Verdauung bereits im Mund. Bioenergetisch ist die „Magenverstimmung“ funktionell identisch mit der „depressiven Verstimmung“, die mit dem oralen Segment verbunden ist. Die Melancholie (chronische Depression) schlägt auf den Magen, während die Manie (manische Depression) mit Freßanfällen einhergeht. Hals und Zwerchfell sind die beiden Strukturen, die einerseits den Kopf vom Körper trennen (die meisten Menschen „leben“ nur in ihrem Kopf, „Sex findet im Kopf statt!“) andererseits den Unterkörper förmlich abriegeln. Mit Auflösung der Halspanzerung wird der Kopf frei bzw. verbindet sich der Kopf („der Geist“) mit dem Körper. Mit der entsprechenden Auflösung der Zwerchfellpanzerung wird der Körper erst als wirklich dreidimensional empfunden: ein Körper, durch den Ströme fließen. Am interessantesten ist aber die Verbindung von Augen- und Beckensegment: hier haben wir jeweils die innigste Verbindung zur Umwelt. An beiden Enden des Orgonoms drängt die Energie nach außen, wie an der obigen Abbildung zu sehen ist. Gehirn und Genital sind unmittelbar voneinander abhängig. Wie der Volksmund so schön kundtut, fickt der Gepanzerte mit dem Gehirn und „denkt mit dem Schwanz“. Nur der Ungepanzerte kann wirklich denken (d.h. funktionell denken) und wirklich lieben (d.h. wirklich Liebe empfinden – nicht nur „Platonisch“ bzw. pornographisch). Das zeigt sich in den Träumen und im Denken. Beides ist nicht mehr verwickelt, sondern eindeutig und einfach. Gleichfalls ist das Liebes- und Sexualleben nicht mehr „verwickelt“, d.h. voller Ambivalenz, sondern eindeutig und instinktsicher. Die „okulare Vision“ und die genitale Aktivität sind eins. Der Mensch ist mit sich und seiner Umwelt einig. ER LEBT! Für den Gepanzerten hingegen ist alles Wirrnis und Drama. Die Hysterie (Freuds „das Rätsel Weib“) ist das schlagende Beispiel, genauso aber auch der stets imgrunde saublöde Phallische Narzißt. Der verpeilte „Krieg der Geschlechter“…

Verkürzte Orgonomie führt zu einem Hang zum Mystizismus

10. April 2026

Man kann ganze Bücher über die psychiatrische und physikalische Orgontherapie lesen, ohne je auf einen Hinweis auf die Kreiselwelle bzw. das Orgonom zu stoßen; alles wird auf Pulsation reduziert. Desgleichen kein Hinweis auf Erstrahlung und Anziehung, sondern immer nur Aufladung und Abziehen von Orgonenergie, was ebenfalls zum Funktionsbereich der Pulsation gehört. Die bleibende Lücke wird meist heimlich, manchmal aber auch offen durch Mystik und Spökenkiekerei gefüllt. Wer nur das Pulsieren kennt, dem fehlen die kosmische Funktionsgesetze. Wer nur Ladung und Entladung kennt, aber nicht Erstrahlung und Anziehung, der muß anfangen rumzuspinnen, um die vermeintliche Lücke in der Orgonomie aufzufüllen.

Betrachten wir dazu die folgende grundlegende orgonometrische Gleichung:

Die Pulsation rechts unten spaltet sich weiter in Expansion und Kontraktion auf. Expansion dann weiter in Spannung und Ladung, Kontraktion in Entspannung und Entladung. Reduzieren wir beispielsweise bei der Beschreibung der physikalischen Orgontherapie mit dem Orgonenergie-Akkumulator und dem Medical DOR-Buster alles auf den Ladungszustand des Organismus (Ladung und Entladung –> Expansion und Kontraktion –> Pulsation –> relative Bewegung) bleibt kein Raum für koexistierende Erregung und damit für Erstrahlung und Anziehung. Das ist aber der eigentliche Mechanismus, mit dem der Orgonenergie-Akkumulator funktioniert. Reich schreibt dazu in Der Krebs:

Geraten (…) zwei orgonotische Systeme in entsprechende Nähe zueinander, so bilden die beiden Orgonenergiefelder einen energetischen Kontakt. Die nächste Folge dieses orgonotischen Kontakts ist gegenseitige Erregung und Attraktion. Sie äußert sich darin, daß die beiden orgonotischen Systeme einander näherrücken. Die roten Blutkörperchen gruppieren sich um das schwerere und daher weniger bewegliche Erdbion. Sind die Blutkörperchen nahe genug gerückt, so bildet sich eine Orgonenergiebrücke mit starker Lichtbrechung aus. Jetzt beginnen die beiden biologischen Kerne der orgonotischen Systeme stärker zu strahlen. Wir nennen die Erscheinung die „orgonotische Erstrahlung“. (…) Sämtliche fundamentalen bioenergetischen Vorgänge wie Sexualerregung, Orgasmus, Zellverschmelzung und Zellteilung gehen mit (…) orgonotischer Erstrahlung einher. Es handelt sich um starke Energieentbindung in der lebenden Materie. Der „sexuelle Kontakt“ zwischen zwei Lebewesen, die zum Geschlechtsakt streben, ist, orgonphysikalisch gesehen, nichts anderes als Orgonbrückenbildung und orgonotische Erstrahlung in beiden Körpern („orgonotischen Systemen“). (…) Wir haben es (…) mit einem und demselben Phänomen bei zwei soweit auseinanderliegenden Beziehungen zu tun, wie der zwischen einem Blutkörperchen und einem Erdbion hier, und der zwischen dem Orgonakkumulator und dem Organismus dort. Während aber im ersten Falle sich eine Orgonerstrahlungsbrücke nur an den Kontaktflächen bildet, umhüllt im Falle des Akkumulators das Orgonenergiefeld des nichtlebenden orgonotischen Systems das Energiefeld des lebenden orgonotischen Systems vollkommen (…). (Der Krebs, Fischer TB, S. 318-320)

Nichts davon in den erwähnten Darstellungen jener, die Reichs Arbeit verbreiten wollen! Bei ihnen wird alles auf letztendlich mechanische „Bestrahlung“ im Orgonakkumulator reduziert. Die eigentlichen lebensenergetischen Vorgänge bleiben ausgespart und die Fehlstelle wird dann durch „energetische Medizin“ und anderer mystischer Unsinn gefüllt.

Das ständige verstrahlte Rumspinntisieren mit irgendwelchen überweltlichen Wirkstrukturen, die sich in der Materie niederschlügen und das Geschwafel um das „Geistige“ bzw. „Geisterhafte“, das in der Orgonomie angeblich vernachlässigt wird: all das ist nur möglich, weil das gemeinsame Funktionsprinzip von Erstrahlung und Anziehung ausgeblendet bleibt und deshalb alles auf Bewegung reduziert werden muß. Kurioserweise lassen diese vermeintlichen „orgonomischen Funktionalisten“ dergestalt das einheitliche Funktionieren, eben die „koexistierende Wirkung“, draußen vor. Diese und die Bewegungs- und Formgesetze, die Reich in Die kosmische Überlagerung beschrieben hat, erklären schlichtweg alles.

Körper und Seele (Teil 1)

9. März 2026

Die innige Beziehung zwischen „Äußerlichkeiten“ und dem Innersten des Menschen zeigt sich an so etwas simplen wie der Körperlänge oder etwa der Breite des Gesichts.

Jane Green, University of Oxford, et al. haben die Daten von mehr als 1,3 Millionen Frauen mittleren Alters ausgewertet, die über ein Jahrzehnt hinweg beobachtet wurden. In dieser Zeit traten 97 000 Krebsfälle auf. Nachdem man alle anderen Risikofaktoren heraus rechnete, ergab sich, daß das Krebsrisiko pro 10 Zentimeter mehr Körpergröße um 16 Prozent steigt.

Bemerkenswerterweise gilt dies für die unterschiedlichsten Arten von Krebs, sagt also etwas über „den Krebs an sich aus“, – den es für die moderne Medizin zunehmend gar nicht mehr gibt. Der mechanistische Erklärungsversuch:

Entweder gibt es bestimmte Umweltfaktoren oder genetische Besonderheiten, die sowohl das Wachstum als auch das Krebsrisiko beeinflussen. Oder die größere Anzahl von Zellen, die in einem großen Körper vorhanden sind, erhöht per se die Wahrscheinlichkeit, daß es zu Entartungen kommt. In jedem Fall könnte der Größeneffekt laut den Forschern zumindest zum Teil erklären, warum es in unterschiedlichen Ländern verschiedene Krebsraten gibt – und warum die Anzahl von Krebserkrankungen seit Jahren stetig zunimmt, denn auch die Durchschnittsgröße steigt kontinuierlich an.

Zunächst einmal hat Reich in Der Krebs ebenfalls die Behauptung aufgestellt, daß die Anzahl der Biopathien, insbesondere aber die der Krebserkrankungen steigt. Reich:

Es wird in der Literatur der Krebsstatistik behautet, daß das Anwachsen der Zahl der Todesfälle infolge Krebses in den letzten Jahrzenten der besseren Diagnostik am Lebenden und an Leichen zuzuschreiben ist; daß also das Anwachsen der Todesziffern ein Artefakt ist. (Der Krebs, Fischer TB, S. 407f)

Die mechanistische Wissenschaft müsse das sagen, „um an der rein erblichen Natur des Krebses (festhalten zu können)“ (ebd., S. 408).

Wir sehen anhand der obigen Meldung, daß aus heutiger Sicht das Anwachsen des Krebsrisikos kein Artefakt ist. Die mechanistische Wissenschaft kann das heute einräumen, weil sie gleich eine naheliegende genetische Erklärung zur Hand hat: mehr Zellen bedeutet, daß mehr Zellen genetisch entarten, d.h. sich zu Kondensationskernen von Krebstumoren entwickeln können. Und da in den industrialisierten Ländern die Menschen von Generation zu Generation immer größer werden, wachse dort das Krebsrisiko, während es in den unterentwickelten Ländern, wo dieses Längenwachstum nicht in diesem Ausmaß auftritt, in etwa gleich bleibt.

Für Reich ist Krebs eine Art „Enttäuschungsreaktion auf Zellebene“. Große Erwartungen, d.h. ein entsprechend mobilisiertes Energiesystem, führen zu entsprechend verheerenden Enttäuschungsreaktionen; eine bioenergetische Reaktion, die bis auf die Zellebene zurückwirkt. Wir alle wissen aus eigener Anschauung, wie es „bis ins Mark geht“, wenn große Erwartungen brutal enttäuscht werden. „Bremsen bei voller Fahrt!“

Und warum breitet sich dann die Krebserkrankung immer weiter aus? Reich:

Menschen, die durch die Veränderung der Sitten zur Bewußtheit ihrer sexuellen Bedürftigkeit kommen, denen aber die Mittel und Wege fehlen, der sexuellen Energie den natürlichen Ablauf durch volle natürliche Befriedigung zu geben, müssen notwendigerweise zerrissen werden, müssen biopathisch erkranken (…). (ebd., S. 412)

Die Lebendigkeit der Menschen bliebe, so Reich weiter, immer mehr hinter ihren Ansprüchen zurück, was zu immer weiter steigender sexueller Frustration führt.

Parallel zu der von Reich beschriebenen sexualökonomischen Entwicklung wurden die Menschen auch immer größer. Anthropologen fanden anhand von Knochensammlungen heraus, daß es immer wieder Zeiten mit regelrechten Wachstumsschüben gegeben hat. Sie sprechen von „säkularer Akzeleration“. Seit Ende des 19. Jahrhunderts, als die Industrialisierung begann, sind wir größer geworden als jemals zuvor. Die Ursachen dafür sehen sie in den optimalen Umweltbedingungen. Wir haben ausreichend Nährstoffe und Nahrung zur Verfügung. Aber auch die sonstigen Bedingungen, wie ein hoher Standard an Hygiene, sind sehr gut.

Was die Körpergröße betrifft, war es im Laufe der Jahrhunderte entscheidend, in welcher Familie man geboren wurde. So haben soziale Unterschiede im vergangenen Jahrhundert eine sehr große Rolle gespielt. Gleichaltrige Schüler, die auf Schulen für Arme gingen, waren oft 20 cm kürzer als diejenigen, die Schulen für Adlige besuchten. Auch heute sind solche Unterschiede, je nach sozialer Schicht, erkennbar. Allerdings beträgt der Unterschied nur noch zwei bis drei Zentimeter.

Und was hat eine Zunahme der Körpergröße direkt mit einer Zunahme des Krebsrisikos zu tun? Aus bioenergetischer Sicht ist Krebs gleichbedeutend mit einem Hang zur Anorgonie.

In der Anorgononie ist weniger biologische Energie frei und tätig; die träge Masse des Organismus wird im Verhältnis zur tätigen Energie, die den Körper zu bewegen hat, größer, also schwerer. (ebd., S. 400)

Offenbar, so können wir angesichts der heutigen Daten spekulieren, „hinkt die organismische Orgonenergie der hypertrophierenden Masse hinterher“.

Interessanterweise haben große Menschen ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Herz-Kreislauferkrankungen sind in vieler Hinsicht das Gegenteil der Krebs-Schrumpfungsbiopathie, nämlich eine „Stauungsbiopathie“. „Zu viel Energie für die zu kleine Masse.“

Weitere Ausführungen würden vollends in Spekulation abgleiten, weshalb ich es mit folgender Aufstellung bewenden lassen will:

Michael Haselhuhn und Elaine Wong (University of Wisconsin in Milwaukee), haben in zwei Studien gezeigt, daß je breiter ein Männergesicht im Verhältnis zur Höhe ist, es desto wahrscheinlicher ist, daß Männer lügen und betrügen. Das gilt nur für Männer, bei Frauen ist die Gesichtsform in keinster Weise mit dem Hang zum Betrug verbunden.

Ein breites Gesicht ist [bei Männern] ein klares Indiz dafür, daß sein Besitzer zum Mogeln und zum Betrügen neigt. Damit sei zum allerersten Mal eine Verbindung zwischen unethischem Verhalten und einem genetisch festgelegten körperlichen Merkmal nachgewiesen worden, jubeln Haselhuhn und Wong. Vermittelt werde diese Verbindung ganz offensichtlich durch das persönliche Machtgefühl. Das mache auch aus Sicht der Evolution Sinn: Wäre das breite Gesicht lediglich ein Indikator für einen Hang zum Lügen, dürfte es seinen Trägern in der Vergangenheit ausschließlich Nachteile gebracht haben und müßte mittlerweile völlig verschwunden sein. Ist es jedoch gleichzeitig ein Anzeichen für positiv gewertete Qualitäten, könnte das den negativen Effekt aufgehoben haben. Genau das sei hier der Fall: Macht beziehungsweise das Gefühl von Macht bringe auch Optimismus, zielgerichtetes Verhalten und Führungsqualitäten mit sich.

1980 hat mich meine damalige Freundin zu einer „charakterkundlichen“ Vorlesungsreihe mitgeschleppt. Im Anschluß an Johann Caspar Lavater (der heute vor allem durch seine Beziehung zu Goethe bekannt ist) ging es darum, aus der Schädelform und den Gesichtszügen den Charakter zu lesen. Entsetzt saß ich da im altertümlichen Vorlesungssaal, den der Veranstalter von der Hamburger Universität angemietet hatte, und fühlte mich um 40 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Ich ärgerte meine Freundin, indem ich sie als „Ernährungstyp“ charakterisierte und sie mich: ich sei vom Typus des „genialen Verbrechers“ (hohe Stirn mit unausgewogenen Gesichtszügen).

Merkwürdigerweise sahen fast durchweg alle Schachgroßmeister, Teilchenphysiker, Mathematikprofessoren, etc., denen ich im Leben begegnet bin, ausgesprochen „unintelligent“ aus.

Weniger witzig war, daß dieses System auch auf „Rassen“ angewendet wurde, wobei die „weiße Rasse“ als „vergeistigt“ galt, die „schwarze Rasse“ als „animalisch“.

Bereits Reich mußte sich bei seiner Formulierung der Charakteranalyse mit derartigen Vorstellungen herumschlagen, insbesondere mit der Charakterkunde von Ludwig Klages (Charakteranalyse, KiWi, S. 198).

Das ganze läuft darauf hinaus, daß der Mensch aus drei Schichten aufgebaut ist: bioenergetischer Kern, Mittlere Schicht und soziale Fassade.

Diese drei Schichten entsprechen der angeborenen Natur des Menschen (ich habe beispielsweise das aufbrausende Temperament meiner Mutter geerbt), sein Charakter, d.h. die Art und Weise, wie er sich im Leben durchsetzt und schließlich seine Persönlichkeit, mit der er sich mehr oder weniger willentlich der Umwelt präsentiert (beispielsweise: „Immer nur lächeln, auch wenn einem zum Weinen zumute ist!“). „Charakterologen“, wie Klages, werfen diese drei Bereiche wild durcheinander. Dergestalt ist „Charakterkunde“ ein Beispiel für die Emotionelle Pest.

Der Charakter zeigt, wie man mit dem „angeborenen Material“ umgeht. Meist ist dies kontraproduktiv, läßt sich aber in einer Orgontherapie weitgehend verändern.

Reichs phänomenologische Naturwissenschaft (Teil 2)

16. Februar 2026

Friedrich Kraus‘ „Tiefenperson“ ist das, was das Leben an sich im jeweiligen Menschen ausmacht, wenn man alle Strukturen von den Organen des Körpers bis hinab zu den Zellorganellen wegdenkt. Es ist das in sich Dranghafte, das, was für den Turgor sorgt, und bei dessen Wegfall sofort die Strukturen des Körpers zerfallen. Für den Internisten Kraus war das einfach der Druck der Kochsalzlösung, die uns ausmacht und die durch Osmose, Ionenfluß etc. in Wallung kommt. Dieser Kern, der das Lebendige ausmacht, ist genau das, was Reich in den 1930er Jahren bei seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ mittel der erwähnten „Orgasmusformel“ ergründen wollte.

Die von Kraus aus der internistischen Praxis an der Berliner Charité heraus postulierte „vegetative Strömung“ wollte Reich zunächst „bio-elektrisch“ beschreiben, scheiterte daran jedoch und landete dabei beim Orgon. Zu dieser Zeit, d.h. ab etwa 1933 entwickelte Reich das, was er zunächst als „charakteranalytische Vegetotherapie“ bezeichnete. Sie sollte die Kraus‘sche vegetative Strömung freilegen, indem die Panzerung systematisch Schritt für Schritt aufgelöst wird. Systematisch bedeutet: von oben nach unten, von außen nach innen und von der Gegenwart in die Vergangenheit. Es ist nicht abwegig zu behaupten, daß das der Weg jeder authentischen Aufklärung ist. Man folgt nicht vorgefaßten Meinungen, sondern dringt Schicht für Schicht wie ein lege artis vorgehender Archäologe ins Unbekannte vor. Bei diesem Prozeß sät man im Patienten Zweifel und regt zum Selberdenken an. Man führt zum Kern der Sache hin. Für Reich bedeutete das hin zum Genital, hin zum „pneumatischen Zentrum“ und hin zur Sexualhemmung, d.h. dem Ursprung des Über-Ichs bzw. der Panzerung. Ein Hinführen zur Einsicht und zum „Einleben“!

Reich verkündete nicht deduktiv was verdrängt wurde, sondern zeigte induktiv erstens auf, daß überhaupt verdrängt wurde und wie sich diese Verdrängung im einzelnen und systematisch vollzog. Aufklärung, d.h. Wissen-Schaffen, ist in diesem Sinne buchstäblich das Beseitigen von zunächst oberflächlichen und danach schrittweise immer tieferen Panzerschichten bis schließlich die vegetative Strömung wieder freiliegt: die Kunst Wollust zu empfinden, das authentische Ich, die Jahrtausendentdeckung. Die „Jahrtausendentdeckung“ ist, daß die Beschneidung dieser Selbstregulation, künstliche Regulation notwendig macht, deren Produkte selbst wieder künstlich reguliert werden müssen, statt daß man von Anfang an schlichtweg der vegetativen Strömung vertraut, die sich ihre besten Daseinsbedingungen selbst schaffen wird (Reich: Die sexuelle Revolution). Secundum naturam! Die mechanistische Naturauffassung ist unmittelbarer Ausdruck der besagten „künstlichen Regulation“ (ich verweise zurück auf die „Legosteine“)!

Dem von Bernd A. Laska beeinflußten Philosophen Ronald Hinner zufolge geht es dem Hegel-Schüler Stirner um die Verflüssigung und Auflösung der „fixen Ideen“. Ähnliches konstatiert Hinner beim Positivismus Ernst Machs. Stirner endet beim endlichen Subjekt, dem leiblichen Ding an sich, Mach beim endlichen Objekt, dem sinnlich greifbaren Element, nachdem sie jeweils alle fixen Ideen und bloßen Begriffe negiert haben (Hinner 2016: Max Stirner und Ernst Mach. Elemente des modernen Gnostizismus).

Reich schreibt an einer quasi „positivistischen“ Stelle in Äther, Gott und Teufel gegen das „bloße Denken“ an, deren Ergebnisse „als sekundär gegenüber den beobachtbaren Naturfunktionen angesehen werden (müssen)“. Er hebt die Bedeutung des voraussetzungslosen Beobachtens hervor und fordert „die Funktion des Denkens selbst (…) logisch und konsistent aus den beobachtbaren Naturfunktionen im Beobachter selbst (abzuleiten)“ (S. 150f), wobei er insbesondere auf die Rolle der Panzerung abzielt, die den Zugang zum „Ding an sich“ verhindert.

Mit „bloßem“, von den tatsächlichen Naturvorgängen abweichendem Denken meint Reich offensichtlich zweierlei: erstens ein Denken, das indirekt und eines das direkt fremdbestimmt ist. Bei ersterem handelt es sich um eben „gepanzertes Denken“, d.h. ein Denken, das auf das durch die Erziehung gehemmte Funktionieren des Organismus zurückgeht. Beim direkt fremdbestimmten Denken geht es um die unhinterfragte Übernahme der Meinungen von Autoritäten. Man folgt dem „Über-Ich“, weil man die gesellschaftlichen Vorgaben verinnerlicht hat und durch diese charakterstrukturell umgeformt wurde. Das trifft nicht nur auf mystische Ideen in der Religion, sondern auch auf mechanistische Theorien in der Naturwissenschaft zu.

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 3)

4. Februar 2026

Bernd A. Laska liest den Roman IDEALISTEN von Hans Scherfig (Teil 3)

W. Reichs fotografische Darstellung des Orgasmusreflexes

19. Dezember 2025

Robert Hase

Bislang war mir nicht bekannt, dass Wilhelm Reich den Orgasmusreflex bildlich darzustellen versucht hat. In seiner Broschüre Orgasmusreflex, Muskelhaltung und Körperausdruck* enthält der Bildteil jedoch ein Foto, das offenbar den Orgasmusreflex zeigen soll. Die Aufnahme ist allerdings von äußerst geringer Qualität und vermittelt kaum erkennbare Details.

Es stellt sich die Frage, weshalb Reich ein derart unscharfes und inhaltlich wenig aussagekräftiges Bild in seine Publikation aufnahm. Auf dem Foto ist ein Arm in einem hellen Hemd zu sehen; auf Höhe des Oberarms befindet sich eine Hand, vermutlich die Reichs selbst, möglicherweise aber auch die des abgebildeten Patienten. Im Oberkörper und Becken ist eine starke Schrägstellung zu erkennen, die offenbar eine Phase des Orgasmusreflexes darstellen soll. Eine eindeutige Interpretation ist jedoch nicht möglich.

Das Foto besitzt keine dokumentarische oder wissenschaftliche Beweiskraft. Dennoch scheint Reich selbst die Abbildung als bedeutsam erachtet zu haben, da er sie trotz ihrer geringen Qualität veröffentlichte. Weiteres Bild- oder Filmmaterial Reichs zum Orgasmusreflex ist mir bislang nicht bekannt.

* Reich, Wilhelm: Orgasmusreflex, Muskelhaltung und Körperausdruck. Zur Technik der charakteranalytischen Vegetotherapie. Der dialektische Materialismus in der Lebensforschung. Bericht über die Bion-Versuche. Klinische und experimentelle Berichte. Abhandlungen zur personellen Sexualökonomie Nr. 5. Sexpol-Verlag, Oslo-Kopenhagen, 1937

Buchbesprechung [1999]

4. November 2025

Buchbesprechung [1999]

Charles Konia in der Diskussion (Teil 5)

3. November 2025

Der amerikanische Orgonom Dr. Charles Konia über den Ausschluß Wilhelm Reichs aus der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung 1934: Ein schicksalhaftes Ereignis

Robert (Berlin) 2014:

Ein sehr guter Artikel.

So global habe ich es früher auch betrachtet, aber in den letzten Jahrzehnten verlor ich den Focus.

Danke an Peter für die Publikation und Übersetzung.

Dazu Jonas:

Erstaunlich, wie aktuell der Text scheint, obwohl er fast 20 Jahre alt ist!

O.:

„Das American College of Orgonomy ist heute die einzige wissenschaftliche Organisation, die Reichs Entdeckungen in unverfälschter Form gegenwärtigen und zukünftigen Generationen übermittelt.“ (s.o.)

So hatte ich es auch früher gesehen oder sehen wollen.

– Auf was liegt die Betonung im Satz? wissenschaftlich, unverfälscht oder gegenwärtigen und zukünftigen Generationen übermittelt?

Alle (ACO fremden Publikationen) beziehen sich heute (seit 1967) auf Baker und nicht mehr auf Reich. Er taucht in quasi allen Literaturverzeichnissen auf und wird inhaltlich kopiert.

Aber wird hinterfragt, was er geschrieben hat?

1965, zwei Jahre zuvor kommt Lowens „Liebe und Sexualität“ heraus, eine Behandlung der Orgasmusthematik noch ohne großes Therapieangebot. 1975 legt er nach mit „Bio-Energetik“. Die Behandlungsmethoden ähneln sich wie ein Ei dem anderen. Wer schreibt ab? Oder sind beide von Reich in gleichem Maße inspiriert?

Hatte Lowen seine Bioenergetik schon 1967 fertig entwickelt und praktiziert?

Die viel gepriesene „psychiatrische Orgontherapie“ hält in ihrer Technik – dem Buch nach zu urteilen – nicht stand. Baker verlässt Reichs Regel von oben nach unten zu arbeiten, um den Patienten von innen aufzuladen, Depressiven (nicht beim depressiven Charakter) will er Energie aus dem Becken mobilisieren. Das würde ich als pure Bioenergetik verstehen.

Ich frage mich seit geraumer Zeit, was in den USA falsch gelaufen ist, bei der Ausbildung der Mediziner, von Reichs Therapie wird nichts übermittelt.

Darauf ich gereizt:

Ich wollte das gerade beantworten, muß aber dieses Unterfangen aufgeben, da O. nur nebulösen Unsinn schreibt. Das fängt schon damit an, daß Lowen seine Behandlungsmethode bereits 1958 (zweite Auflage 1971) veröffentlicht hat. Zum Rest… Seufz.

O.:

Danke. 1958 war sein erstes Buch „Körperausdruck und Persönlichkeit“ herausgekommen.

hier das für mich erstmal „schockierende“ Zitat, vielleicht erschließt sich mir ja nicht der tiefere Sinn, weil immer nur etwas kurz angedeutet wird und es dann weiter geht:

„Eine Ausnahme sind Depressive, bei denen das niedrige Energieniveau und starke Hemmung eine frühe Befreiung des Beckens gefahrlos machen. (…)“ (BAKER 1967, S. 86)

„Die sieben Segmente … werden gewöhnlich in dieser Reihenfolge ‚befreit‘, abgesehen davon, dass die Brust oft zuerst beweglich gemacht wird, damit man sie verwenden kann, um im Organismus Energie aufzubauen und für zusätzliche Stoßkraft von innen zu sorgen, um sowohl die Auffindung als auch die Beseitigung weiterer Blockierungen zu unterstützen.“ (BAKER 1967, S. 87)

Peter:

In Bakers Buch steht auch, daß bei Depression das Energieniveau rapide absinken kann. Dem muß entgegengewirkt werden durch Mobilisierung der Atmung. Es geht immer darum, welche FUNKTION was hat, nicht darum rigide irgendwelche „Prinzipien“ einzuhalten.

Konias Glossar wurde wie folgt diskutiert:

Robert (Berlin):

„sekundäre Triebe: Der gestörte Ausdruck der primären Triebe, der darauf beruht, daß der Panzer dabei versagt hat, die destruktiven Impulse in Schach zu halten.“

Nanu, auch wenn der Panzer die sekundären Triebe in Schach hält, die primären Triebe müssten durch den Panzer doch immer irgendwie verbogen sein? Oder irre ich mich mal wieder?

Darauf ich:

Also, damit wir nicht über zweifelhaften Übersetzungen stolpern, erstmal das Original:

secondary drives – Disturbed expressions of primary drives resulting from the failure of armor to contain destructive impulses.

Primäre Triebe werden einfach ausgedrückt. Sieht man bei jedem Tier. Wenn sich das Menschentier abpanzert, haben wir idealerweise den symptomlosen „Jesuitenschüler“ vor uns: immer kontrolliert, ausgeglichen, nett, rational, blablabla – während innerlich der Haß des eingesperrten und malträtierten Tieres wütet. Nur leider ist die Panzerung ein sehr fragiles Gebilde, so daß die Triebe schließlich doch wieder durchbrechen – in Gestalt der sekundären Triebe.

O.:

Das Glossar zeigt über die wichtigsten Begriffe schon fast die wichtigsten theoretischen Grundannahmen. Kleine Fehler wären hier schon fast unverzeihlich, daher steckt da schon viel Arbeit drin.

„orgonomist“ klingt im Deutschen schräg, vielleicht ist „Orgonom“ der bessere Begriff, obwohl es mir auch nicht gefällt, hat es Reich ja schon als Grundform für einen Organismus benutzt.

Über die „Biopsychiatrie“ (in Anlehnung an die „Biopathie“) habe ich mich am meisten gewundert.

Mir würde ein einheitlicher Begriff wie „orgonomische Psychiatrie und orgonomischer Psychiater“ am besten gefallen, wobei der auch etwas neu wäre. Auf keinen Fall sollte man hier beliebig und alle paar Jahre sich was neues ausdenken, das würde komisch und verwirrend wirken.

Peter 2025: Biopsychiater sind Psychiater, die ihre Patienten von der biologischen Panzerung her betrachten und wie die Panzerung die biologische (Orgon-) Energie behindert.

Was ist der Unterschied von Arbeitsdemokratie und Kapitalismus? (Teil 1)

26. Oktober 2025

Liebe, Arbeit und Wissen bestimmen unser Leben, sie sollten es auch beherrschen!

Betrachten wir dazu das konkrete Liebes-, Arbeits- und „Wissensleben“, fällt uns auf, daß es jeweils vom Agon (sich im Wettkampf messen) bestimmt wird. Kaum etwas ist kompetitiver und brutaler als der Dating-Markt, nichts stressiger, als der Kampf um Karriere und Marktanteile, nichts desillusionierender, als der Konkurrenzkampf innerhalb der Wissenschaft („veröffentliche oder sterbe“). Ohne dieses alles bestimmende Agon, ohne diesen „Willen zur Macht“ würden wir uns alle gehenlassen und aus dem Genpool würden schließlich nur noch dumme häßliche Krüppelmonster entspringen, die Ökonomie würde den Weg Venezuelas gehen und die Wissenschaft würde generell so verblöööden wie die Absolventen von Genderstudies.

Ganz brutal „Nietzscheanisch“: ohne diesen allesumfassenden „Kapitalismus“ würde die Dekadenz triumphieren und wir in einem sozialistischen Sumpf der Mediokrität ersaufen. Der letzte macht das Licht aus. Wer diese brutale Welt nicht erträgt, ist ein Feind des Lebens und sollte für sich selbst die Konsequenz ziehen! – Aber gemach! Es gibt einen tieferen Funktionsbereich, der uns nur deshalb nicht ins Auge fällt, weil er sozusagen „perspektivisch nachgelagert“ erscheint. Die genitale Umarmung nach dem erfolgreichen Dating und wechselseitigem Kennenlernen ist selbstverständlich nicht vom Agon, sondern von Hinwendung, Zärtlichkeit und Liebe geprägt, genauso wie der Umgang mit dem möglicherweise dabei gezeugten späteren Kind. Ähnlich in der Arbeits- und „Wissenssphäre“: ohne Kooperation und wechselseitige Resonanz wäre ein erfolgreiches Arbeiten kaum möglich, sei das nun auf dem Bau beim herstellen einer Bodenplatte oder im Labor bei der Entschlüsselung des Genoms eines Hefepilzes. Ein Wissenschaftler baut auf den Arbeiten seiner Vorgänger auf, ist vom offenen wissenschaftlichen Austausch mit seinen Kollegen abhängig und gibt „selbstlos“ all sein Wissen und Können an seine Studenten weiter.

Der tiefste Aspekt jenseits von selbstischem Agon (Konkurrenz) und, for lack of a better term, „selbstloser Agape“ (Solidarität) ist jedoch die Naturgesetzlichkeit. Um den Kapitalismus zu begreifen, braucht man nur die Darwinistische „natürliche Auswahl“ betrachten. Der Kapitalismus ist die unmittelbare Fortführung des natürlichen Geschehens im Dschungel und auf der Savanne: die, die am besten funktionieren pflanzen sich fort und verdrängen die Versager. Ergebnis ist eine blühende, sich immer weiter ausweitende biologische Sphäre, der es sogar gelungen ist, die Antarktis zu besiedeln. In Gestalt des „kapitalistischen“ Menschen ist sie gerade dabei die Erde zu verlassen und Mond und den Mars zu besiedeln. Alles folgt dabei ohne jeden Bruch den allgemein bekannten Naturgesetzen, die in der DNA Struktur geworden sind. Diese beruhen aber auf den Naturgesetzen „jenseits der DNA“, wie sie Reich in seiner „sexualökonomischen Lebensforschung“ der 1930er bzw. seiner „Orgonbiophysik“ der 1940er Jahre parallel zur Entdeckung der DNA erschlossen hat. Die orgonomischen Naturgesetze bestimmen unser Liebesleben, das was Reich als „natürliche Arbeitsdemokratie“ (im Sinne von „naturgegeben“) bezeichnet hat und schließlich jenen Prozeß, bei dem sich die kosmische Orgonenergie ihrer selbst bewußt wird („Wissenserwerb“). Das reicht von der Funktion des Orgasmus und Orgasmusformel, über die genitale und kosmische Überlagerung bis hin zur Orgonometrie.