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DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Wilhelm Reich kontra die Situationisten (Teil 6)

5. Oktober 2021

von Jim Martin

SEXUALÖKONOMIE

Reichs frühe Arbeit in den Zwanziger Jahren als Freuds überragender Schüler, drehte sich um das Konzept der Genitalität. Anders als ältere Psychoanalytiker, die ihre Typologie auf pathologische Charaktertypen konzentrierten, versuchte Reich ein Bild gesunden Verhaltens herauszuarbeiten. Obwohl die psychoanalytische Typologie oft buchstäblich genommen wird, beziehen sich diese „Typen“ nur auf idealisierte Übertreibungen. So erreicht Reichs genitaler Charakter das Gesundheitsideal nur näherungsweise. Der genitale Charakter reguliert seine Gesundheit durch die vollständige Entladung im Orgasmus. Die Potenz wird nicht an der Häufigkeit der Höhepunkte, sondern an der Qualität des Erlebens gemessen. Der genitale Orgasmus unterscheidet sich von der Ejakulation beim Mann und vom klitoralen Höhepunkt der Frau durch die vollständige Hingabe an unwillkürliche Zuckungen der gesamten Körpermuskulatur.

Reich brachte die Psychoanalyse auf die Straße, als er freie Sexualberatungskliniken in den Arbeiterbezirken Wiens einrichtete. Aus dieser Arbeit ging das hervor, was zur sexualpolitischen bzw. „Sex-Pol“-Bewegung wurde, als Reich die Überzeugung gewann, daß die individuelle Therapie keinen Sinn machte, wenn sie nicht mit weitreichenden gesellschaftlichen Veränderungen verbunden würde. So waren viele der psychologischen Probleme seiner Patienten aus der Arbeiterklasse direkte Folge ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, z.B. hatten die beengten Wohnverhältnisse, die die patriarchale Kernfamilie zusammenpreßten, einen starken Einfluß auf das Sexualleben der Heranwachsenden. Es war zu diesem Zeitpunkt, daß Reich enge Beziehungen mit den Sozialistischen und Kommunistischen Gruppierungen seiner Zeit aufnahm, die eine volle Zweidrittelmehrheit des Parlamentssystems in Österreich ausmachten. Für diese Kreuzung von sexueller und ökonomischer Freiheit prägte Reich den Begriff Sexualökonomie. Dies bezog sich nicht nur auf die sexuelle Natur der Ökonomie, sondern auch auf die ökonomische Natur der Sexualität, denn Reich betrachtete sowohl eine gesunde Sexualität als auch eine gesunde Ökonomie primär als einen sich selbst regulierenden Kreislauf.

Die Arbeit im Rahmen der Parteien bot Reich eine Plattform, um seine einzigartigen Ideen unter der sexuell aktiven Jugend aus der Arbeiterklasse zu verbreiten. Die Sex-Pol verteilte kostenlose Verhütungsmittel, bot Sexualberatung an, verschaffte Abtreibungen und brachte Tausende von jungen Leuten in die Parteien. Die traditionelle Linke tolerierte Reichs neuartige Mischung von Psychoanalyse und Dialektischem Materialismus eben wegen dieses enormen Zuflusses von Menschen. Während dieser Periode schrieb Reich Der sexuelle Kampf der Jugend; ein Klassiker, der später 1968 während der Bewegung des 22. Mai in Frankreich verbreitet werden sollte.

Jedoch kostete sein unbeugsames Eintreten für die sexuellen Rechte der Jugend Reich das Vertrauen seiner traditionelleren Genossen, und es dauerte nicht lange, bis sie sich weigerten, seine Schriften zu veröffentlichen. 1933 gab Reich im Eigenverlag sein Buch Die Massenpsychologie des Faschismus heraus, das die Ursprünge des Faschismus in der neurotischen patriarchalen Familienstruktur aufzeigte und so die wahre Natur der Krise aufdeckte, in die der Nazismus die deutsche Arbeiterklasse gebracht hatte. Dem entgegneten die deutschen Sozialisten, daß Hitler bloß einen „vorübergehenden Rückschlag“ darstelle. Und als die Nazis seine Bücher verbrannten, flüchtete Reich aus dem Land.

Wenn Reichs vollständige Hingabe an die Grundsätze der Psychoanalyse, ganz zu schweigen von seinem Engagement für die sexuellen Rechte der Jugendlichen, ihm seine „Heimat“ in den sozialistischen und kommunistischen Parteien gekostet hat, so kostete ihm sein Beharren auf dem Dialektischen Materialismus seine „Heimat“ in der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung. Die IPV schloß Reich 1934 aus. Reich, der damals in Norwegen lebte, traf sich kurz mit Leo Trotzki, der ebenfalls in diesem Land im Exil lebte. Von diesem Gespräch ist nichts überliefert, aber man kann annehmen, daß sie jenseits ihres gemeinsamen Mißtrauens gegen den Stalinismus, wenig Übereinstimmung fanden. Ich erwähne dieses Ereignis nur, um auf den Eifer hinzuweisen, mit der Reich nach Alliierten suchte und um eine Beziehung zwischen Trotzki, Reich und den Situationisten herzustellen, die viele Trotzkistische Ideen von der Gruppe Socialisme ou Barbarie übernahmen.

Reichs Handhabe des Dialektischen Materialismus ähnelte stark der Marxschen. Es war einfach eine Methode des funktionellen Denkens. Auf der Grundlage der Hegelschen Dialektik ist der Dialektische Materialismus der Ursprungsgrund aller Versuche und Entdeckungen in der modernen Wissenschaft. Die Dialektik ist das Wechselspiel zwischen der ursprünglichen Idee, vorgefaßten Meinung oder These; wenn man experimentiert oder mit der materiellen Realität wechselwirkt, trifft man auf eine Antithese; und aus dieser neuen Information kann man Schlüsse ziehen bzw. die Synthese, die dann einfach zu lohnenderen Forschungsansätzen führt. Für das Überleben des Menschen ist Theorie unentbehrlich, weil sie uns erlaubt, die bestmöglichen Entscheidungen in einer Lage zu fällen, bei der wir keine ausreichenden Informationen besitzen. Theoretische Fragen sind Fragen auf Leben und Tod, ungeachtet dessen was in den Schulen gelehrt wird.

In Norwegen begann Reich mit einer gründlichen Neubewertung seiner psychoanalytischen Tätigkeit und er fing an, nach einer materiellen Grundlage für Freuds Libidotheorie zu suchen. Diese Theorie postulierte, daß neurotisches Verhalten unmittelbare Folge von aufgestauter Sexualenergie war, die der Kernimpuls des Menschen ist. Reich fühlte, daß, vorausgesetzt diese Theorie sei richtig, der Nachweis möglich sei, daß die Sexualenergie, Libido, eine greifbare, meßbare Energie ist. Er begann seine These von der „Bioelektrizität“ zu überprüfen, indem er winzige Änderungen in der elektrischen Ladung auf der Hautoberfläche bei Versuchspersonen maß, die unterschiedlichen Formen lustvoller und unlustvoller Reize ausgesetzt wurden. Er entdeckte, daß tatsächlich ein Ansteigen der Potentialladung (Expansion) bei einer lustvollen Reizung und ein Abfallen (Kontraktion) bei Unlust auftrat.

DIE SITUATIONISTISCHE INTERNATIONALE: Wilhelm Reich kontra die Situationisten (Teil 3)

25. September 2021

von Jim Martin

DIE SITUATIONISTEN

In seinem ausgezeichneten Buch The Assault an Culture: Utopian Currents From Lettrisme to Class War führt Steward Hornes die Ahnenreihe vom Futurismus und Dada zum Surrealismus, Lettrismus, den Situationisten, Mail Art, Punk Rock und Neoismus fort. In dieser Einführung sagt er: „Da ‚Kunst‘ als Kategorie auf die religiösen Ikonen des Mittelalters zurückprojiziert wurde, ist es nicht überraschend, daß jene, die sich dagegen stellen, sich in eine ‚utopische Strömung‘ einfügen, die sie umgekehrt wiederum auf die Ketzerei im Mittelalters zurückführt.“ Obwohl die Situationisten sich schon 1957 zusammenfanden (dem Jahr, in dem Reich im Gefängnis starb), wurden sie erst mit Beginn der studentischen Besetzer-Bewegung in Frankreich Mitte der Sechziger Jahre bekannt. Plötzlich war eine Generation von Jugendlichen, die mit liberalen Hoffnungen hochgepeppelt worden waren, bereit, dieses Menü wieder von sich zu geben. In Städten wie Nanterre, Straßburg und Paris begannen Studenten den gesamten Bereich des modernen Lebens zu hinterfragen; eine einheitliche Kritik, wie sich die Situationisten ausdrückten, ihrer eigenen subjektiven Entfremdung zu entwickeln. (Reich würde es Kontaktlosigkeit nennen und die Verantwortlichkeit auf die Schultern des Individuums legen, anstatt abstrakte gesellschaftliche Kräfte verantwortlich zu machen.)

„In Frankreich wurde das Marxistische Denken von der Kommunistischen Partei dominiert und es dauerte bis nach der Befreiung, bevor es irgendeinen Versuch einer philosophischen Revision gab. In mancher Hinsicht ähnelte die Debatte jener, die in den Zwanziger Jahre in Deutschland geführt worden war“ (Home). Tatsächlich war Wilhelm Reich Teil dieser Debatten in den Marxistischen Kreisen Deutschlands in den Zwanziger Jahren und ich glaube, er ging mit seinen Überlegungen weiter als die Situationisten 40 Jahre später.

Der Leitstern der Bewegung des 22. Mai an der Universität von Nanterre in Frankreich war Daniel Cohn-Bendit, oder „der Rote Dany“. Er war von der Gesinnung der Pro-Situs* durchdrungen. Die SI kritisierte ihn offen wegen seines spektakulären Auftretens, mit dem er ein Medienstar wurde. Vielleicht waren sie eifersüchtig auf seine Fähigkeit, die Medien besser auszunutzen, als sie es getan hatten. Wie kam der Rote Dany ins Rampenlicht? Tom Vague beschreibt es in der Zeitschrift Vague (#16-17) wie folgt:

„Der erste größere Vorfall ereignete sich, als der Sportminister kam, um ein neues Schwimmbecken einzuweihen. Es war eine vandalistische Orgie für die Eröffnungsfeier geplant und die Route des Ministers war mit Graffiti vollgesprüht. Aber nichts passierte, bis der Minister gerade gehen wollte. In diesem Augenblick, so heißt es, trat ein rothaariger Jugendlicher aus der Menge heraus und rief:

‚Minister, Sie haben einen 600 Seiten-Bericht über die französische Jugend erstellt, aber es fällt dort kein einziges Wort über unsere sexuellen Probleme. Warum nicht?‘

Der Minister antwortete: ‚Ich bin durchaus bereit, diese Sache mit verantwortungsvollen ‚Leuten zu besprechen, aber Sie gehören sicherlich nicht dazu. Ich selber ziehe Sport der Sexualerziehung vor. Wenn Sie sexuelle Probleme haben, schlage ich Ihnen vor, daß Sie ins Schwimmbecken springen.‘

Darauf erwiderte Dany Cohn-Bendit, dies habe auch die Hitler-Jugend gesagt, woraufhin er sofort in die Schlagzeilen und die Akten der Geheimpolizei kam (wenn er in den letzteren nicht schon war).“

Direkte Hinweise auf Reich tauchen in den situationistischen Schriften nur selten und verstreut auf, obwohl es zahlreiche Parallelen zwischen ihren politischen Philosophien gibt. Es lohnt sich, den besten situationistischen Autor, Raoul Vaneigem, und seine Verweise auf Reich in seinem Klassiker The Revolution of Everyday Life zu betrachten.

„Die Suche nach der wahren Natur, nach einem natürlichen Leben, das nichts mit der Lüge der gesellschaftlichen Ideologie zu tun hat, ist eine der rührendsten Naivitäten eines guten Teils des revolutionären Proletariats, ganz zu schweigen von den Anarchisten und solchen bemerkenswerten Figuren wie dem jungen Wilhelm Reich.“

Man beachte die Hervorhebung des jungen Reich. Die Europäer haben die spätere Arbeit Reichs nie verstanden, insbesondere seinen Antikollektivismus und seine Orgonomie und haben sie vielleicht nur aus zweiter Hand kennengelernt.

„Die Ordnung der Dinge ist krank: dies wollen unsere Führer auf alle Kosten verbergen. In einer schönen Passage aus Die Funktion des Orgasmus erzählt Wilhelm Reich, wie nach langen Monaten psychoanalytischer Behandlung er es schaffte, eine junge Wiener Arbeiterin zu heilen. Sie litt unter Depressionen, die durch die Umstände ihres Lebens und ihrer Arbeit hervorgerufen worden waren. Als sie gesundete, schickte Reich sie wieder nach Hause. Vierzehn Tage später brachte sie sich um. Reichs unbeugsame Ehrlichkeit verurteilte ihn, wie jedermann weiß, zum Ausschluß vom psychoanalytischen Establishment, zu Isolation, Wahn und Tod im Gefängnis: die Zweideutigkeit unserer Neodämonologen kann man nicht ohne Angst vor Bestrafung bloßstellen.“

Soweit ich es bestimmen kann, zumindest nach der amerikanischen Ausgabe, taucht diese Passage in Die Funktion des Orgasmus nicht auf. Home hat ja darauf hingewiesen, daß es die Situationisten liebten, ihre eigenen Sichtweisen auf andere Leute zu projizieren.

„Es gibt keine Lust, die nicht nach ihrem eigenen Zusammenhalt strebt. Ihre Unterbrechung, das Ausbleiben von Befriedigung, verursacht eine Störung ähnlich der Reichianischen ‚Stauung‘. Die Unterdrückung durch die Macht hält Menschen in einem Zustand dauernder Krise gefangen. So ist die Funktion der Lust, als auch der Angst, die durch Abwesenheit von Lust hervorgerufen wird, im Wesentlichen eine gesellschaftliche Funktion. Das Erotische ist die Entwicklung der zu einer Einheit verschmelzenden Leidenschaften, ein Spiel von Einheit und Vielgestaltigkeit, ohne das es einen revolutionären Zusammenhalt nicht geben kann (Langeweile ist immer konterrevolutionär).“

Langeweile mag konterrevolutionär sein, aber sie ist eine Funktion des Grades an psychischem Kontakt, über den jeder einzelne Mensch verfügt. War es vielleicht mein eigener Mangel an psychischem Kontakt, der mich anfangs zu den Situationisten hinzog?

Um die Wurzeln des situationistischen Projekts zu untersuchen; muß man sehen, daß es die Tendenz repräsentierte, psychoanalytische Ideen mit dem Dialektischen Materialismus zu verbinden. So wie die Surrealisten Freudianische Traumanalyse in einen bolschewistischen Putsch der Künste einbrachten, hatten die Situs ihre Psychogeographie und ihr Entfremdungsbegriff, der vom Standpunkt subjektiven Verlangens ausging.

„Wilhelm Reich führt den Großteil des neurotischen Verhaltens auf Störungen des Orgasmus zurück, auf die, wie er es nannte, ‚orgastische Impotenz‘. Er behauptet, daß Angst durch die Unfähigkeit hervorgerufen wird, einen vollständigen Orgasmus zu erleben; durch eine sexuelle Entladung, die es nicht schafft, die gesamte durch vorangehende sexuelle Aktivitäten freigesetzte Erregung zu beseitigen. Die angesammelte und nicht verbrauchte Energie verteilt sich und verwandelt sich in Angst. Angst wiederum behindert die orgastische Potenz noch weiter.

Aber das Problem der Spannungen und ihrer Beseitigung gibt es nicht nur auf der Ebene der Sexualität. Es kennzeichnet alle menschlichen Beziehungen. Und obwohl Reich dies wahrnahm, unterließ er es, nachdrücklich genug darauf hinzuweisen, daß die gegenwärtige soziale Krise auch eine Krise orgastischer Art ist. Wenn es stimmt, daß ‚die Energiequelle der Neurose, in der Differenz zwischen der Anhäufung und Entladung der Sexualenergie liegt‘, scheint es mir auch so zu sein, daß diese neurotische Energie von der Energieansammlung und -entladung stammt, die durch menschliche Beziehungen in Bewegung gesetzt wird. Vollständiger Genuß ist noch immer im Augenblick der Liebe möglich, aber sobald man versucht, diesen Moment zu verlängern, es im gesellschaftlichen ,Leben selbst auszuleben, kann man nicht dem entgehen, was Reich ‚Stauung‘ nannte. Die Welt der Nichtbefriedigung und Nichterfüllung ist eine Welt ständiger Krise. Wie würde eine Gesellschaft ohne Neurose aussehen? Ein endloses Fest, bei dem die Lust der einzige Maßstab ist.“ (Vaneigem: The Revolution of Everyday Life, S. 196f)

Hier preist Vaneigem Reichs Theorie der orgastischen Potenz: der primäre biologische Impuls ist eine Sehnsucht nach Lust und Gesundheit und wird gesteuert von der Fähigkeit des Organismus, angesammelte Spannung durch den Orgasmus vollständig zu entladen. Reich enttäuscht Vaneigem durch seine Unterlassung, orgastische Lust zu politisieren. Es ist unwahrscheinlich, daß Vaneigem Reichs Buch Menschen im Staat gelesen hat, da es nicht vor 1953 in Englisch vorlag. Reich beschreibt seine Teilhabe am „gesellschaftlichen Irrationalismus in Zentraleuropa“ und zieht genau die Art von Parallele, die Vaneigem vermißt hat, nämlich die zwischen individuellem und kollektivem Verkehr. In einem bemerkenswert eindringlichen und intimen Bericht, vermittelt Reich seine tiefe Überzeugung, daß die Politik bankrott ist. Er verurteilt gleichermaßen den Mystizismus der Rechten wie den Mechanismus der Linken. Er scheint persönlich verletzt zu sein durch die Immobilisierung gesunder Aggression bei der Linken, ihrer Flucht vor dem Leben, ihrer emotionalen Stauung. Ihm schienen die Nazis mehr…direkt zu sein.

* Pro-Situ oder Pro-Situationist war die abschätzige Bezeichnung, die die Situationisten ihren Anhänger gaben; sie brandmarkte passive Vergötterung durch ihre Zuschauer. Doch am Ende wurden nach eigenem Eingeständnis sogar die Situationisten selbst zu Pro-Situs.

HIV/AIDS und Corona/Covid-19

17. August 2021

Der ganze moralistische Ton, die Aufmachung der Kampagne, der zentral generierte Gruppendruck der AIDS-Kampagne der 1980er Jahre („Benutze ein Kondom!“) kehrt in der gegenwärtigen Corona-Impfkampagne zurück. Auch damals stand die Menschheit vor der Auslöschung,– wenn wir nicht alle Kondome benutzen!

Damals, nach 20 Jahren sexueller Befreiung durch die Pille, die endlich sorgenfreie Spontanität im intimen Umgang zwischen Männlein und Weiblein ermöglichte, setzte eine besonders von „Linken“ fanatisch forcierte Gegenreaktion ein, die aus dem Geschlechtsakt etwas inhärent Lebensgefährliches und für die Gemeinschaft Lebensfeindliches machte, den Akt auf eine streng geregelte klinische Verrichtung reduzierte (Aufstülpen, Rein, Raus, Entsorgen) und den Orgasmus fast verunmöglichte. Liebevoll streicheln mit Gummihandschuhen!

Heute wieder genau das gleiche: Seit etwa 20 Jahren sind alle Krankheiten besiegt. Wir haben wirklich alle Stoffe des Planeten auf ihre medikamentöse Wirksamkeit durchprobiert und dank MRT gibt es nichts Verborgenes mehr. (Der eine oder andere mit einer schrecklichen Krankheit wird jetzt empört sein, aber wir sprechen hier selbstverständlich nicht von Absolutheiten, sondern von dem was maximal in der mechanistischen Medizin erreichbar ist!) Die Menschen lebten noch nie gesünder, jede Generation erringt neue Altersrekorde – und die Pharmaindustrie steht vor dem Ruin. Deshalb sind Impfstoffe, die Gesunden verabreicht werden, der Markt der Zukunft.

Mit Covid wird wieder bei voller Fahrt die Handbremse gezogen: die Menschheit steht wieder vor dem Untergang! Nur diesmal sollen uns nicht glitschige Gummitüten retten, sondern die Spritze. Und wieder können sich die „Linken“ vor Begeisterung und Fanatismus gar nicht wieder einkriegen. Der gleiche geiferende „Zieh … über!“

Ging es vor vier Jahrzehnten um die Einschränkung der Sexualfunktion, ist heute die Arbeitsfunktion dran. Und genauso wie damals nichts, wirklich gar nichts stimmte, denn es war für einen Heterosexuellen faktisch unmöglich AIDS durch normalen Geschlechtsverkehr zu kriegen, stimmt heute nichts, wirklich gar nichts: außerhalb der Risikogruppen ist es fast unmöglich an Covid zu sterben, solange man so behandelt wird, wie bei jeder anderen Grippevariante auch!

Alles genauso wie damals. Statt die eine entscheidende Risikogruppe, die Homosexuellen (besonders die heimlichen Homosexuelle) mit dem Kondom zu retten, wurde genau die Gruppe belästigt, die das alles praktisch nichts anging: junge heterosexuelle Paare. Das war Emotionelle Pest pur: ein gigantischer Generalangriff auf die Genitalität und eine einzige Propaganda für die Homosexualität. Das ganze ist dann über die Jahre mehr oder weniger versandet und das Endresultat ist kurioserweise eine erschreckende Durchseuchung der sexuell aktiven Bevölkerung mit sexuell übertragbaren Krankheiten, u.a. weil sich dumme Nutten und ähnliche Menschen in ihrer AIDS-Panik irgendwelche Antibiotika einwarfen und so resistente Keimstämme züchteten.

Heute habe ich keine Angst vor den Ungeimpften, sondern vor den Geimpften, denn so sicher wie das Amen in der Kirche, werden die immer neue Generationen Krankheitserreger ausbrüten – gegen die wir uns ins alle Ewigkeit werden regelmäßig werden impfen lassen müssen. Und noch etwas: Ich persönlich habe von AIDS-Diagnosen gehört, die ich nie und nimmer glaube. Wer will schon wissen, auf was die entsprechenden Tests so alles ansprechen! Die Konsequenzen der positiven Tests waren jedenfalls lebenszerstörend. Urplötzlich ging es, ob der neuen vorgeblich „lebensrettenden“ Medikation, bergab und zwar rapide! Bei Covid haben wir eine ähnliche Situation. Patienten wurden sinnlos intubiert und die üblichen Medikamente für Lungenerkrankungen abgesetzt, da die in den aus dem Nichts instantan hervorgezogenen Covid-Leitlinien nicht vorgesehen sind.

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 15)

17. Mai 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Eng verbunden mit dieser Untergrabung des genitalen Primats ist der Trend zum „Unisex“ in der Männer- und Frauenmode. Die Verwischung der sexuellen Grenzen und die psychosexuelle Verwirrung, die mit der Prägenitalität einhergeht, zeigt sich deutlich im Aufstieg der vielen androgynen Gesangsidole, die heute en vogue sind – mit ihren engen Hosen, hohen Absätzen, glitzernden Westen und wallenden Locken. Teenager finden sie leicht anbetungswürdig, weil eine Unisex-Fassade für sie viel weniger sexuell bedrohlich ist als ein Symbol offener Männlichkeit.

Ein weiterer Aspekt ist der Umsturz des vaginalen Orgasmus durch Masters und Johnson (6) zugunsten der Theorie, dass „ein Orgasmus ein Orgasmus ist“, egal was ihn auslöst. Dieser Ansatz negiert vollständig den sexualökonomischen Wert des genitalen Primats und die klinische Beobachtung, dass nur der umfassende genitale Orgasmus die Energieökonomie regulieren und die Freiheit von Panzerung und Neurose aufrechterhalten kann. Anstelle des „genitalen Orgasmus“ ist der „multiple Orgasmus“ zu einem begehrten Aushängeschild sexueller Leistungsfähigkeit geworden. Sexualökonomen hingegen wissen sehr wohl, dass multiple Orgasmen lediglich das Unvermögen widerspiegeln, die vollständige orgastische Konvulsion zu erreichen, die mit der orgastischen Potenz einhergeht.

Ein weiterer damit zusammenhängender Trend ist die sich ändernde Einstellung von Klinikern zur Homosexualität. Es gibt heute viele Psychiater, die den Standpunkt vertreten, dass ein Homosexueller „völlig normal“ ist – was wiederum eine abgrundtiefe Unfähigkeit zeigt, prägenitale von genitaler Sexualität zu unterscheiden. Eine so schwerwiegende Abweichung nicht als pathologisch zu betrachten, ist eine reine Ausflucht und erweist dem Homosexuellen selbst einen großen Bärendienst. Er braucht professionelle Hilfe und Verständnis, keine Apologeten.

Vielleicht am kontaktlosesten von allem ist der massive Zusammenbruch der Privatsphäre in persönlichen Angelegenheiten, die alle gesunden Menschen zu bewahren trachten. Ich beziehe mich nicht auf falsche Sittsamkeit, sondern auf den Sinn für Zartheit beim Liebesspiel, die bei denen zu finden ist, die wirklich zur Liebe fähig sind. Sie zeigt sich vielleicht beispielhaft in der Einstellung der Trobriander zum Geschlechtsverkehr zwischen einem Mann und seiner Frau. Die größte Beleidigung, die man dem trobriandischen Mann machen kann, ist, ihm zu sagen, er solle mit seiner Gattin „zusammensein“, was schließlich eine ausgemachte Sache zwischen den Ehepartnern ist. Dies liegt daran, dass der Trobriander das Eindringen von außen in etwas für ihn sehr Kostbares und Liebes ablehnt und es als Verletzung der Privatsphäre betrachtet. Dies steht in scharfem Kontrast zu der Grobheit, dem Exhibitionismus und dem Voyeurismus von Gruppensex und Frauentauschpraktiken, bei denen die sexuelle Umarmung zu einer beiläufigen Geste geworden ist, ohne jedes tiefe Gefühl oder Sensibilität. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung Reichs, dass orgastisch potente Individuen während des Sexualaktes keine Scherze machen oder gegenüber dem anderen vulgäre Ausdrücke benutzen.

Literatur

6. Masters, W. H. and Johnson, V. E.: Human Sexual Response. Boston: Little Brown, 1966

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

Wider Eurozentrismus, Patriarchat und Heteronormität

24. April 2021

Die Ideologie des Westens ist dermaßen von Eurozentrismus, „Männer-Zentrismus“ und „Genital-Zentrismus“ durchwirkt, daß sich niemand in die Muselmanen, Weiber und Schwuchteln wirklich reinversetzen kann!

Hier drei Beispiele, wie man diese ideologische Verblendung überwinden kann:

1. Unsere Freunde aus dem Morgenland sind nicht etwa undankbar, ganz im Gegenteil danken sie ihrem grausamen Wüstendämon Allah dafür, daß er sie ins gelobte Land gebracht hat und hier ständig reich beschenkt. Sie danken ihm, indem sie das ungläubige Gesindel bekämpfen, das widerrechtlich das Land bevölkert, das Allah seinen Sklaven, den Mohammedanern, geschenkt hat.

2. Die sogenannte „Frauenemanzipation“ ist nichts anderes als der Versuch des Patriarchats, die Frau den Stereotypen der Männlichkeit anzugleichen. Es wird das „Mannweib“ propagiert, das ihre Erfüllung darin sieht, sich von Kapitalisten ausbeuten zu lassen und auf dem Altar einer vermeintlichen „Karriere“ ihr ureigenstes Frausein zu opfern. Dazu soll sie sich kleiden und verhalten wie ein Mann und männertypische Krankheiten wie etwa Haarausfall und Herzerkrankungen zum Opfer fallen.

3. Jeder, der nicht der heterosexuellen Norm entspricht, wird durch die Ideologie der normativen Heterosexualität in eine obszöne Karikatur derselben hineingezwungen. Homosexuelle werden durch die heteronormative gesellschaftliche Ideologie Verhaltensweisen und sogar Sexualpraktiken aufgezwungen, die eine genaue Entsprechung der Heterosexualität sind bis hin zur „Heirat“. Es ist von „Zärtlichkeit“, „Treue“, „Liebe“, gar von „Orgasmus“ die Rede, statt den Sexus, die gesamte Biologie, die immer mit einem Speziesismus einhergehen wird, ganz hinter sich zu lassen und mit dem vermeintlich „Nichtlebenden“ eins zu werden. Nicht nur den Fortpflanzungszwang, sei es auch nur als Travestie, gilt es zu überwinden, sondern den zutiefst faschistischen Biozismus an sich, der sich imperialistisch gegen die „unbelebte“ Natur und die Robotik richtet.

Das ist Funktionalismus, d.h. etwas zu Ende denken. Linke sind dazu grundsätzlich nicht in der Lage. Das sieht man beispielweise auch am neusten Gedöns um den fehlenden Wohnraum. Exakt die gleichen Leute, die nach ihm rufen, trauern untröstlich um jeden Teichmolch und sehen nicht, daß das eine das andere ausschließt. Mein geliebtes Diekmoor wird in einen neuen öden Stadtteil voller Moslems verwandelt, weil Wohnraum wichtiger ist als alle Liebe zur Natur:

Oder wie ein geistig normaler und bedeutender orgonomischer Denker auf diesem Blog neulich sagte: linke Trottel!

Das Aufkommen des Psychopathen (Teil 3)

19. April 2021

von Dr. med. Dr. phil. Barbara G. Koopman

Für Freud war die „psychische Energie“ eine Metapher, während sie für Reich eine physische objektive Existenz als „Orgonenergie“ hatte, die er experimentell nachweisen konnte. Reich argumentierte, dass ein Mensch zur Erhaltung seiner Gesundheit einen geordneten Energiestoffwechsel haben müsse, was eine periodische Entladung durch einen genitalen Orgasmus erforderlich mache. Die Fähigkeit dazu bedeutete emotionale Reife (Genitalprimat) und Freiheit von somatischer Panzerung (pulsierende Motilität). In Ermangelung dieser Fähigkeit wurde die libidinöse Energie im Organismus aufgestaut (Stase) und bildete den somatischen Kern der Neurose. Als Hauptursache dieser Stauung sah er die sexuelle Unterdrückung.

Mit dieser Ansicht entfernte sich Reich radikal vom analytischen Rahmen (obwohl er einen großen Teil von Freuds Theorie der psychosexuellen Entwicklung beibehielt). Es ist außerdem diese Sichtweise, die größtenteils den Anlass zu den Entstellungen und Fehlinterpretationen über Reich geführt hat. Während Freud das Kind als triebdominierte Bestie sah, die durch sexuelle Unterdrückung (Frustration des ödipalen Inzestwunsches) gezähmt werden muss, sah Reich in der sexuellen Repression die Wurzel der Krankheit des Menschen.

Einer von Freuds monumentalen Beiträgen war die Entdeckung von sexuellen Regungen in der Kindheit; eine Enthüllung, die die wissenschaftliche Welt auf den Kopf stellte. Zu diesen Regungen gehörten nicht nur alle Arten von „polymorph-perversen“ Tendenzen, sondern auch die berühmte und schockierende Enthüllung des Ödipus-Komplexes, wonach das Vierjährige den Elternteil des anderen Geschlechts begehrt und seinen Rivalen, den gleichgeschlechtlichen Elternteil, eliminieren möchte. Er vertrat ferner die Ansicht (obwohl nicht alle Analytiker ihm zustimmten), dass destruktive Triebe mitsamt den sexuellen ebenfalls angeboren (d.h. primär) seien. Daher sei Verdrängung unbedingt erforderlich, um die Schaffung hedonistischer Wilder zu vermeiden, die keinerlei integrierte moralische Abschreckung aufweisen. Kultur und Moral könnten ohne sie nicht existieren.

Reich hingegen hatte eine rousseauistische Sichtweise: Der Mensch im Zustand der Natur ist inhärent gut. Wenn man den Menschen in Harmonie mit der Natur erzieht, wird das Ergebnis gut sein. Aber das erfordert eine einheitliche Sicht des Menschen, die seine dualen Aspekte, psychologisch und physisch, zu einer einzigen Gesamtheit vereint, die von Energiefunktionen reguliert wird. Der Mensch ist ein pulsierendes Wesen, dessen Energie ständig Psyche und Soma, Kern und Peripherie aktiviert. Darüber hinaus erzeugt er kontinuierlich ein Orgonenergiefeld, das mit dem der anderen sowie mit dem atmosphärischen Orgon in Resonanz steht und interagiert.

[Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 1, S. 40-58.
Übersetzt von Robert Hase]

David Holbrook, M.D.: SEX, LIEBE, STRÖMUNGSANGST UND ALL IHRE ÄUßERUNGSFORMEN (Teil 1)

26. Februar 2021

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Sex, Liebe, Strömungsangst und all ihre Äußerungsformen (Teil 1)

 

Die bioenergetischen Grundlagen der indischen Mystik

23. Januar 2021

Die indische Mystik beruht auf den beiden Energiesystemen im Menschen: 1. das „energetische Orgonom“, wo die Energie vom Steißbein ausgehend den Rücken emporfließt und dergestalt das Zentrale Nervensystem mit Rückenmark und Gehirn nachzeichnet; und 2. das „orgonotische System“ (Pulsation), das sich im Vegetativen Nervensystem niederschlägt (Parasympathikus und Sympathikus), welches im Sonnengeflecht, also im Oberbauch, sein Zentrum hat.

Das erstere System kommt im Kriya-Yoga, wie ihn etwa Paramahansa Yogananda (der Pop-Guru der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts) vertreten hat, noch am besten zum Ausdruck. Durch Atemübungen und Konzentration auf das „Dritte Auge“ auf der Stirn soll die Lebensenergie mobilisiert werden, die ihren Hauptsitz im Zentralen Nervensystem habe. Die mobilisierte und „gereinigte“ (entsexualisierte) Energie soll das Rückenmark hochsteigen und sich im Gipfelpunkt des Schädels in einem „kosmischen Orgasmus“ mit Gott vereinigen.

Das zweite System kommt in der Transzendentalen Meditation von Maharishi Mahesh Yogi (der Pop-Guru der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts) zum Ausdruck. Man stellt sich die Gedanken (und damit letztendlich das gesamte Universum) als Luftblasen vor, die vom Seeboden aufsteigen. Mittels der Konzentration auf Mantras gilt es diese „Luftblasen“ auf ihren Ursprung zurückzuverfolgen und mit dem Seeboden (dem „Brahman“) eins zu werden, mit anderen Worten dem „Seelengrund“ – dem Solar plexus.

Schaut man sich unvoreingenommen den typischen indischen „Heiligen Mann“ an, fällt einem sofort ins Auge: „Den kenne ich doch!“ Das Gehabe, der Körperausdruck, das Lächeln, der Augenausdruck, die wohlfeilen „Weisheiten“ – im Westen sind genau so ein Gutteil der Obdachlosen, hirnorganisch Behinderte, insbesondere aber katatone Schizophrene (der den kundigen Briten in Indien stets als erstes ins Auge sprang!):

In ausnahmslos allen Gesellschaften dieser Welt wurden aus diesem unproduktiven Teil der Gesellschaft die Schamanen und Medizinmänner, die sich in Indien in „Yogis“ transformierten. Im Westen machte man sie zu Mönchen und teilweise zu katholischen Priestern.

Ich stelle in keinster Weise in Abrede, daß sie ein inniges Verhältnis zur kosmischen Orgonenergie haben (man lese nur Reichs Fallgeschichte einer Schizophrenen in Charakteranalyse!) und daß sie teilweise schier unfaßbare Fähigkeiten haben (etwa nackte Sadhus, die den Winter im Himalaya überleben), aber mir kann keiner erzählen, daß extreme Pathologie irgendwo hinführt als zu mehr Pathologie. Man schaue sich doch bitte Indien an: mehr Faschismus, mehr Rassismus, mehr Sexualpathologie geht gar nicht:

Der eine Aspekt, der wirklich alle mystischen Lehrer Indiens vereint, ist die Aussage, man solle Kontakt mit seinem „wahren Ich“, dem Selbst aufnehmen. Für uns bedeutet das, Kontakt mit dem bioenergetischen Kern jenseits der Panzerung aufzunehmen. Doch beim indischen „Weisheitslehrer“ bedeutet das etwas grundlegend anderes: die Wahrnehmungsfunktion löst sich von der Erregung, d.h. das Ich zerfällt, und all die Rituale, Atemübungen etc. dienen dazu eine neue Scheinidentität aufzurichten. Es ist ähnlich wie bei Transvestiten, die in ihrer Rolle, Kleidung und Aufmachung als Frau vor Ekstase und Seligkeit schier platzen, „ihr wahres Ich leben“, aber wenn das alles wegfällt, nur noch ein Häufchen Elend sind. Also: immer schön meditieren, die Mantras aufsagen, den Atem kontrollieren und nie das geistige Umfeld verlassen! Om Shanti!

Buchrezension: Wilhelm Reich. The Evolution of His Work (Teil 1)

22. Dezember 2020

Wilhelm Reich: The Evolution of His Work. Von David Boadella. London: Vision Press, 1973, 400 S., £5,40.
(Deutsch: Wilhelm Reich. Leben und Werk des Mannes, der in der Sexualität das Problem der modernen Gesellschaft erkannte und der Psychologie neue Wege wies. Scherz-Verlag, Bern und München, 1981.)

von Paul Mathews, M.A.
Brooklyn, N.Y.

 

Der Autor dieses Bandes ist Pädagoge und veröffentlicht seine eigene Zeitschrift Energy and Character. Er hat keine Anbindung an die amerikanische Orgonomie. In den vergangenen Jahren war er mit dem englischen Architekten Paul Ritter assoziiert, der unter anderem die inzwischen eingestellte Zeitschrift Orgonomic Functionalism veröffentlichte.

Nun hat David Boadella einen bedeutenden Band über Reich und sein Werk vorgelegt, der, wie Dr. Myron Sharaf in seiner Besprechung des Buches bemerkt, zum ersten Mal ein „ziemlich vollständiges Bild der Gesamtheit von Reichs Werk und seiner Entwicklung“ (1) vermittelt. Es mag kleinlich erscheinen, aber der Buchumschlag, der die Namen so prominenter Persönlichkeiten wie A. S. Neill, Dr. Ola Raknes und Dr. Myron Sharaf (die alle durch Anhänge früherer Schriften vertreten sind) unter dem großen, hervorstechenden Namen des Autors nebeneinanderstellt, schreckte mich ab. Es scheint eine ziemlich kalkulierte Selbsterhöhung vorzuliegen.

In diesem Buch breitet Boadella sein umfänglich angesammeltes orgonomisches Wissen aus, gut dokumentiert und voller Fakten, und zwar in Form einer ergänzenden Bibliographie der Orgonomie von 1953-1960, die zuvor bei Ritter Press erschienen war (2). Wichtig ist jedoch nicht die mechanische Anhäufung von Fakten und Daten, sondern das, was man funktionell damit macht, und Boadella behandelt die objektive Entwicklungsgeschichte von Reichs Werk in einer gleichmäßigen, informativen und gelegentlich auch wissenschaftlichen Weise. Obwohl ich das Ausmaß des Lobes, das Dr. Sharaf den objektiven Teilen dieses Buches zukommen lässt, nicht zustimmen kann, glaube ich doch, dass Boadella eine lobenswerte Arbeit geleistet hat, indem er Informationen aus Reichs wissenschaftlichen und sozialen Schriften sowie aus verwandten Quellen präsentiert, um eine lesbare, sachliche, einigermaßen genaue Zusammenstellung seiner Arbeit zu schaffen. Er hält sich so eng wie möglich an Reichs eigene Aussagen, verwendet Zitate oder paraphrasiert und hält seine eigenen subjektiven Bewertungen so gering wie möglich. Lobenswert ist auch die Aufnahme mehrerer wichtiger und interessanter Anhänge, insbesondere eine Übersetzung von Roger du Teil’s Mitteilung an die Naturphilosophische Gesellschaft in Nizza 1937, die Reichs Bion-Experimente bestätigt. Es besteht jedoch die Tendenz, Reich mit randständigen und eklektischen Gruppen gleichzusetzen und Personen wie Dr. Alexander Lowen für vorgebliche Beiträge zu Reichs Werk und dessen „Erweiterungen“ mehr als verdiente Anerkennung zu zollen. Etwa hinsichtlich Reichs Konzept der orgastischen Potenz.a

 

Anmerkungen des Übersetzers

a „Aus diesem Grunde haben jene beiden Mitarbeiter Reichs – Philipson und Lowen – die am meisten für die Weiterentwicklung seiner Konzepte und für die noch deutlichere Herausarbeitung seiner Unterscheidungen taten, die Orgasmusfunktion in den Zusammenhang der Untersuchung der zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt gestellt. (…) Alexander Lowens Buch Liebe und Orgasmus liefert eine eingehende Untersuchung der sexuellen Funktionen und ihrer Störungen sowie beider Beziehungen zu Kindheitserlebnissen einerseits und zur Persönlichkeitsentwicklung im allgemeinen andererseits. (…) Lowen bekräftigt die Auffassung Reichs, daß orgastische Potenz ein Ausdruck der Gesundheit und nicht ein Patentrezept zu ihrer Erlangung ist, und erteilt damit denen eine deutliche Antwort, die Reichs Ausführungen als einen Versuch mißverstehen, den Orgasmus zum Allheilmittel zu deklarieren. Während Philipson und Lowen die Reichsche Orgasmustheorie für detailliertere Studien des menschlichen Liebeslebens und der Persönlichkeitsstruktur fruchtbar machten . . .“ Boadella, Scherz Verlag, S. 34-36.

 

Literatur

1. Sharaf, M.: Book review of Wilhelm Reich: The Evolution of His Work by
D. Boadella, Energy and Character, January, 1973 (Abbotsbury, England).
2. Boadella, D.: Bibliography on Orgonomy, 1953-60 – First Supplement.
Nottingham, England: Ritter Press.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 2, S. 272-276.
Übersetzt von Robert (Berlin)

David Holbrook, M.D.: LIEBE UND ORGASMUSANGST BEI EINEM PARANOID-SCHIZOPHRENEN CHARAKTER (Teil 4)

18. Dezember 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Liebe und Orgasmusangst bei einem paranoid-schizophrenen Charakter