Die drei großen Tabus in der antiautoritären Gesellschaft

Elsworth F. Baker zufolge gibt es drei Tabus, die die autoritäre Gesellschaft zusammenhalten:

  1. Sex;
  2. Politik; und
  3. Religion.

Darüber darf nicht geredet werden. Man kann einwenden, daß über kaum etwas anderes geredet wurde, aber Genitalität war tabu (man denke nur an Reichs Erfahrungen in der Psychoanalyse!), es durfte nicht angerührt werden, daß all die hochtrabenden politischen Debatten Ausdruck von Neurose sind, und nichts mit der Arbeitsdemokratie zu tun haben, und es durften die Grundlagen der Religionen nicht in Frage gestellt werden. All das ist „intim“, „persönlich“, entspricht „inneren Überzeugungen“, etc.

In der antiautoritären Gesellschaft hat sich nichts daran geändert. Man denke nur einmal daran, daß Homosexualität groteskerweise nicht als Perversion bezeichnet werden darf! Wenn ich Staubsauger, Bernhardiner oder Kleinkinder sexuell begehre, bin ich pervers, schmierige Außenminister darf ich jedoch sogar heiraten!

Was die Politik betrifft: Man schaue sich folgende Debatte über den Islam an. Alles sehr mutig (das sage ich ohne Ironie), aber niemandem fällt auf, daß diese linken „Humanisten“ mindestens so verrückt sind, wie die Islamisten, die sie kritisieren. Niemand ist sich dessen gewahr, wie verpeilt und lächerlich dieser „Humanismus“ und dieses „Linkssein“ ist – daß es der vollkommen irrationalen Abwehr bioenergetischer Strömungen entspricht. Ganz nebenbei gesagt: diese Art von „Humanismus“ (Roter Faschismus) hat im letzten Jahrhundert 100 000 000 Menschen ermordet!

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Und was schließlich die Religion angeht, darf man alles anbeten, tibetische und hinduistische Götte etwa, aber wehe jemand deutet an, wie schlichtweg bizarr es ist, wenn ein Europäer die „weiße Tara“ anbetet. „Der wagt es meinen Glauben anzugreifen!“ Den Papst und Protestanten, die tatsächlich der Bibel folgen, darf man nach Belieben dekonstruieren, aber wehe man dehnt die Religionskritik auf beispielsweise die „östlichen Weisheitslehren“ aus! Dann gilt man plötzlich als „beschränkt“!

Betrachten wir die drei Tabus in der antiautoritären Gesellschaft:

  1. Sex: In Die sexuelle Revolution führt Reich aus:

    Gerade weil die autoritative Bindung selbst zu einem großen Teil unbewußt wird, entzieht sie sich der bewußten Beeinflussung. Es hat wenig zu sagen, wenn die unbewußte Bindung an die elterliche Autorität oft als Gegenteil, als neurotisches Revoltieren zum Ausdruck kommt; es vermag die sexuellen Interessen dennoch nicht zur Entfaltung zu bringen, es sei denn in Form triebhafter und unbeherrschter sexueller Aktionen, als krankhafte Kompromisse zwischen Sexualität und Schuldgefühl. (Fischer TB, S. 93)

    Darauf beruht heute die gesamte „öffentliche Sexualität“, man denke nur daran was Madonna und Lady Gaga an Pornographie in die Zimmer unserer Kinder tragen. Es geht wirklich nur um eins: „Dafür strafe ich dich, du geiles Stück!“

  2. Politik: Wie Charles Konia ausgeführt hat, bedeutet „Linkssein“ vor allem eines: der soziale Aktivismus soll das Gewissen erleichtern, die Schuldgefühle verschwinden lassen und dergestalt den bioenergetischen Druck senken. Wehe jemand spricht das an!
  3. Religion: In der autoritären Gesellschaft war letztendlich die Religion für die Lösung der Frage nach den Schuld zuständig: Vergebung. In der antiautoritären Gesellschaft verschwindet hingegen die Religion, d.h. (verzerrter) Kernkontakt, immer mehr. Dort, wo noch Religion zu finden ist, wird sie zu einer „Religion ohne Gott“, d.h. eine „Religion“ ohne (wie auch immer verzerrten) bioenergetischen Kontakt. Man denke nur an den Siegeszug des Buddhismus (oder dessen, was Europäer für „Buddhismus“ halten). Gott ist ein größeres Tabu als jemals zuvor.

Nach wie vor haben erstens die Funktion des Orgasmus, zweitens die Arbeitsdemokratie und drittens die Entdeckung des Orgons keinen Platz in der gepanzerten Gesellschaft.

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4 Antworten to “Die drei großen Tabus in der antiautoritären Gesellschaft”

  1. Avatar von O. O. Says:

    Nun wird jetzt das Konzept der „Antiauthoritären Gesellschaft“ für mich klarer? Mitnichten.
    1. Das sexuelles Tabu wird mit Lady Gaga erklärt – das Ding zwischen Roboter und Illuminatenneutrum – eine Gallionsfigur der Musk- und Filmindustrie, der Konzerne und des angepassten „phänotypischen Humanoiden“. Ein Produkt der Globalisierung mit mystischer Gottlosigkeit, das religöse Tabu verkörpernd, ohne jedes Potential zur Auflehnung gegen eine authoritäre Vaterfigur. (Es hat mit der Beschreibung der sexuellen Revolution von Reich nichts zu tun). Das Teil ist das Produkt erzkonservativer US-Politik bis zum heutigen Obama.
    2. Konia versucht gegen die Linken vorzugehen und benennt sie als „antiauthoritäre“ Revoluzzer mit falschem Motiv. Damit nimmt Konia die poltische Haltung unter Punkt 1 ein, die er zu bekämpfen glaubt. Ihn stört gar nicht das „falsche Motiv“, sondern die linke politische Haltung. Die Erklärung das bioenergetischer Druck abgebaut wird, ist nebensächlich, möchte aber seine Treue zum „Glauben an die Orgonomie“ beteuern. Linken wird somit unterstellt, dass sie nicht rational motiviert seien, es wird aber nicht mit einem Satz erwähnt, das „konservative Gutmenschen“ EBENSO keinen Kontakt zu ihrem Kern haben und nicht minder rational denken.
    3. In der hier unter 1 beschriebenen (nicht antiauthoritären, aber klar faschistoiden) Gesellschaft ist Gott nicht existent, sondern die Ausrichtung an eine esoterische Apokalypse, der Zenith (und Untergang) des Globalisierungs-Konservatismus made in usa. Und hierzu ist ein Obama genauso tauglich wie eine Merkel, oder irgendein Alien.

    Natürlich kann man linkes Denken kritisieren, vielleicht kann man das sogar so effektiv tun, dass linke Menschen nicht sich nur attackiert fühlen, sondern die Kritik verstehen. Konia ist Meilen hiervon entfernt. Er will scheinbar nur den Status Quo aufrecht erhalten, der alles in die Luft sprengen wird. Konia schafft Verwirrung.

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      Konia macht auf mich den Eindruck grober Einseitigkeit. Seine Tiraden gegen Obama wirken übertrieben und die Konservativen werden von ihm als arme Dummerchen hingestellt. Unter Bush wuchs die Staatsverschuldung wie nie zuvor, wurden zahllose Eroberungskriege geführt und die Bankenkriese war Folge seine Politik. Aber da hat Konia nie ein Sterbenswörtchen fallen gelassen.

  2. Avatar von O. O. Says:

    „Gerade weil die autoritative Bindung selbst zu einem großen Teil unbewußt wird, entzieht sie sich der bewußten Beeinflussung. Es hat wenig zu sagen, wenn die unbewußte Bindung an die elterliche Autorität oft als Gegenteil, als neurotisches Revoltieren zum Ausdruck kommt; es vermag die sexuellen Interessen dennoch nicht zur Entfaltung zu bringen, es sei denn in Form triebhafter und unbeherrschter sexueller Aktionen, als krankhafte Kompromisse zwischen Sexualität und Schuldgefühl.“ (Reich, sex. Rev., Fischer TB, S. 93)

    Reich nimmt hier voraus, dass eine Revolution ohne charakterliche Veränderung zu diesen Problemen führt, daher müsste zuerst eine „sexuelle Revolution“ erfolgen, jedoch nicht in der Art, wie es zum großen Teil in den 68-ern passiert ist, mit Drogen und kontaktlosem Blümchensex oder Pornographie. Die neurotische und „sexualerotische“ (libidonös-ödipale) Bindung zu den Eltern, die für authoritäre Familien typisch sind, wird individuell gelöst, wenn der Jugendliche sich abnabelt und später eine Therapie beginnt.
    In einer antiauthoritären Familie – und es ist hier noch unklar wie diese aussehen muss – würde die Bindung zu den Eltern nicht den neurotischen Stellenwert haben und die Kinder müssten sich nicht so „neurotisch“ in revolutionärer Haltung abgrenzen.
    Dieser Gedanke könnte ausgeführt werden und würde zu einem vielleicht interessantem Ergebnis führen.

  3. Avatar von Mutter Mutter Says:

    Was laberst du für einen Bullshit?
    Klar darfst du Homosexualität als Perversion bezeichnen, wenn es dir Spaß macht. Brauchst aber nicht weinen, wenn das andere nicht so sehen. Ob Person A, Person B einvernehmlich in den Schwanz lutscht oder man sich an Kinder vergeht, ist schon ein Unterschied. Weischt das isn unterschied? Den du offenbar nicht siehst. Tipp: Hat was mit Willen und Verantwortung zu tun.

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