Was hat die Orgonomie gegen arme Menschen?

Gar nichts! Reich selbst war derjenige Psychoanalytiker, der so ziemlich als erster, auf alle Fälle jedoch als engagiertester sich in „Armenambulanzen“ für die Benachteiligten der Gesellschaft engagiert hat. Später dann auch politisch, zeitweise radikal, und im Gegensatz zu den theoretisierenden Salonmarxisten seiner Zeit a la Otto Fenichel ging er dabei stets auf Tuchfühlung mit der Unterschicht. Von den Kommunisten wurde ihm sogar vorgeworfen, er gebe sich zu sehr mit dem „Lumpenproletariat“ ab. Siehe beispielsweise auch die Auseinandersetzungen um den von ihm verlegten Roman Untermenschen.

Als er sich nach und nach immer mehr in die Laborarbeit zurückzog, kam er nach übereinstimmender Meinung sämtlicher Zeitzeugen immer hervorragend mit Handwerkern, Arbeitern, Hilfskräften, etc. zurecht. Standesdünkel oder „intellektuelle Abgehobenheit“ waren ihm in jeder Hinsicht wesensfremd.

Gleichzeitig mußte Reich aber auch irgendwo Geld auftreiben für seine teilweise extrem kostspielige Forschung (seine Laboreinrichtung, etwa die Mikroskope, war stets vom Feinsten und konnte mit jedem anderen Labor der Welt konkurrieren!) und für seine Öffentlichkeitsarbeit mit einem eigenen Verlag. Entsprechend mußte er sich mit Menschen seiner eigenen großbürgerlichen Ursprungsklasse umgeben, um an ausreichende Finanzmittel zu gelangen. In den 1930er Jahren war dies beispielsweise der steinreiche Karl Motesiczky und in den 1940er Jahren beispielsweise die Mutter von Myron Sharaf. Eine schizophrene Frau, mit der sich Reich mit Sicherheit kaum abgegeben hätte, hätte sie nicht zum Geldadel gehört und immer wieder großzügig zum Forschungsfond beigetragen. Über sie hat er auch Myron Sharaf und William Washington kennengelernt, zeitweise seine engsten Mitarbeiter. Eine „Putzfrau“ hätte ihm nicht derartige Kontakte vermitteln können.

Das mit dem Geldadel und „Leuten mit Verbindungen“ hat sich bis heute nicht geändert. Zwar ist es eine Mär, daß die Therapie nur etwas für Superreiche sei (in den USA übernehmen viele Versicherungen die Kosten einer Orgontherapie, die schließlich von anerkannten Psychiatern ausgeübt wird), aber es gehört einfach zu den Realitäten des Lebens, daß Menschen mit Geld „interessanter“ sind. Das war immer so und wird immer so bleiben. Reich hat versucht sich unabhängiger zu machen, indem er mit der Orgonenergie selbst Geld für die aufwendige Orgonforschung zu machen versuchte durch Vermietung von Orgonenergie-Akkumulatoren. Das brachte ihn ins Gefängnis. Auch danach sind Versuche, Geld mit nicht-medizinischen „Sachen“ Geld zu verdienen, bisher gescheitert bzw. haben sich nie materialisiert. Und an Forschungsgelder von Stiftungen ranzukommen – das klappt ohnehin nur über Beziehungen mit den „Reichen und Mächtigen“…

Im Laufe der Jahre wurde Reich zunehmend kritischer was den Sinn von sozial-politischen Maßnahmen anging. Anfang des Jahrhunderts und insbesondere durch die Kriegsfolgen war die materielle Not in Österreich derartig groß gewesen, daß auch der psychisch stabilste sich leicht aufgab, doch mit wachsendem Wohlstand, insbesondere im Nachkriegsboom der USA, zeigte sich, daß nicht nur die psychische Not sich kaum verbesserte, sondern vor allem, daß die psychische Not unmittelbare Ursache von materieller Not auch unter den besten sozialen Bedingungen war. Zu einem ähnlichen Schluß war Reich bereits bei seiner Analyse des „sozialistischen Aufbaus“ in der Sowjetunion gelangt.

Es bringt nur wenig bis nichts die Menschen mit sozialen Wohltaten zu überschütten, vielmehr verfestigt es die Not. Nicht nur weil es den Menschen die Initiative nimmt, sondern auch ihre Möglichkeiten zur Eigeninitiative einschränkt. Die Bürokratie füttert sie und versklavt sie gleichzeitig. Das traurigste Beispiel sind die Sozialprogramme für die Neger in den USA seit den 1960er Jahren. Es zeichnete sich ab, daß sie endlich am amerikanischen Traum teilnehmen könnten. Stattdessen zerbrachen unmittelbar als Folge der besagten Sozialprogramme die legendär engen Familienzusammenhänge der Neger. Mittlerweile zeichnet sich ein regelrechter Genozid ab: astronomische Kriminalitätsraten, es gehört geradezu zur Normalität, daß junge schwarze Männer einen gewaltsamen Tod finden, die schwarze Kultur feiert geradezu das Unterschichtendasein und die Dummheit, etc. Es wird kaum einen neuen Miles Davis oder John Coltrane geben! Entsprechendes zeichnet sich überall ab, wo der Staat „den Armen“ helfen will. Man denke auch an die verheerende Wirkung der Entwicklungshilfe in der Dritten Welt. Was etwa unsere „Kleidersammlungen“ in Afrika angerichtet haben, macht einen fassungslos. Ganze Branchen, ganze Ökonomien wurden irreparabel geschädigt.

Das Gegenargument sind dann Beispiele, wo Kapitalisten gewachsene ökonomische Zusammenhänge zerstören, von Landvertreibungen in Äthiopien bis zu ruinösen Mieterhöhungen für kleine Krämerläden in den guten Lagen der Innenstädte. Es sollte offensichtlich sein, daß das erste (die Zerstörungen durch den Sozialismus) mit dem zweiten (die Zerstörungen durch den Kapitalismus) wenig bis nichts zu tun hat bzw. sozusagen „umgekehrt“ ein Schuh draus wird: Es ist die Hilflosigkeit der Massen, die sie zum Opfer macht. In Japan florieren die kleinen unabhängigen Geschäfte, die hierzulande zugrunde gehen, weil sie sich organisieren und lebendige „Geschäftsstraßen“ herstellen. „Gemeinschaften zu organisieren“ kann nicht bedeuten, sie zu Bittstellern zu machen, die sich Almosen erstreiten, sondern nur sie aus ihrer Hilflosigkeit zu befreien, so daß sie sich auf Augenhöhe mit ihren Gegnern auseinandersetzen können. Für Sozialisten sind derartige Äußerungen „anti-revolutionäre Agitation“!

Community Organizer wie Obama gerieren sich gerne als Freunde der Armen, tatsächlich sind sie ihre Todfeinde, weil sie die ursächliche Grundlage der Armut verewigen: die charakterstrukturelle Hilflosigkeit. Wegen pestilenten Charakteren wie Michelle und Barack Obama wird Chicago für Neger ewig ein Höllenloch bleiben.

Bedeutet das, daß Arme krank und Reiche gesund sind? Zumindest tendenziell? Mit dem Thema habe ich mich bereits in Der bioenergetische Hintergrund der Klassenstruktur beschäftigt.

[youtube:http://www.youtube.com/watch?v=bCOzZuXrWXs%5D

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8 Antworten to “Was hat die Orgonomie gegen arme Menschen?”

  1. O. Says:

    Hilfe zur späteren Selbsthilfe, was auch mal finanzielle Unterstützung einschließt, ist das einzige Mittel, das etwas bringen könnte, um diesem Teufelskreis zu begegnen. Und hier müsste man nicht kleckern, sondern mal richtig klotzen.
    An Ideen mangelt es nicht, nur an der Finanzierung, Umsetzung und gutem Willen.
    Doch so lange die soziale Anerkennung den Menschen verweigert wird, braut sich etwas zusammen, das niemand wird bändigen können.

    Ich finde es sehr schön beschrieben wie Reich solidarisch auch mit den Ärmeren war. Und seine Forschung hätte durch eine selbstverständliche Finanzierung – meinetwegen vom Staat – unterstützt werden sollen und müssen, statt zu versuchen ihm die eigenen Mittel wegzunehmen: Den ORAC-Verkauf zu verbieten.

    An dieser Situation hat sich bis heute nichts geändert.

  2. Robert (Berlin) Says:

    „Stattdessen zerbrachen unmittelbar als Folge der besagten Sozialprogramme die legendär engen Familienzusammenhänge der Neger.“

    Was so nicht stimmt! Die Frauen verloren sofort ihre Unterstützung, wenn sie einen Freund hatten, also mussten sie alleine bleiben. Dasselbe spielt sich bei Hartz 4 ab!

    • O. Says:

      Laut Hartz IV Doktrin soll eben eine (geschiedene) Frau (evtl. mit Kindern) sich nur einen finanziell Potenten angeln oder sich ihm anbiedern, alles andere bringt sie und ihn nur in finanzielle Bedrängnis oder sie solle doch nach Hellersdorf ziehen, wo (angeblich) billigere Wohungen zu haben sind, damit amerikanische Juppies oder Schwaben sich in Kreuzberg eine renovierte Wohnung zum doppelten Mietpreis oder als Eigentumswohung nehmen können. Auch die in Sido Liedern besungenen „mein Block“ Appartments sollen nicht mehr vom Prekariat bewohnt werden, sondern luxussaniert den drogengeilen Szenelustwandlern übergeben werden. Die Großlieferanten brauchen für ihre konsumierende Kundschaft eben coole Flats – damit diese sich wie David Bowie in Kreuzberg der 80-er fühlen können.

  3. David Says:

    O, hat gesagt:

    Hilfe zur späteren Selbsthilfe, was auch mal finanzielle Unterstützung einschließt, ist das einzige Mittel, das etwas bringen könnte, um diesem Teufelskreis zu begegnen. Und hier müsste man nicht kleckern, sondern mal richtig klotzen.

    Hilfe zur späteren – oder eher zur sofortigen – Selbsthilfe:

    Genau das tut in Bangladesh Mohammed Yunus mit seiner Grameen-Bank – und viele Banken, die nach diesem Vorbild funktionieren.

    In der so genannten Dritten Welt gibt es – viel mehr als bei uns – Menschen, die fähig sind, ihren Lebensunterhalt in selbständiger Beschäftigung zu verdienen.

    Sie sind meist:

    – in der Situation dass sie abhängig sind von einem örtlichen Geldverleiher, der Wucherzinsen von ihnen nimmt, ergänzt durch weitere Vertragsbestimmungen kann das bis hin zu schuldknechtschaft-ähnlichen Verältnissen gehen

    – oder in der Situation, dass sie Zugang zu Kapital, im Sinne von Kredit der – statt konsumptiv – auch – investiv verwendet werden kann, überhaupt nicht haben. Es ist also kein solcherer Wucherer vorhanden sondern – erreichbar für die Betrofffenen – schlicht gar nichts.

    Sobald man diesen Leuten durch einen Mikrokredit da heraus hilft, können sie sich in selbständiger Arbeit unterhalten – hier ist der Gegensatz zwischen Arbeiter und Kapitalist aufgehoben.

    Sie haben ihre Arbeitskraft und verfügen auch über das Kapital; letzteres dann falls nachher die vollständige Abbezahlung des Mikrokredits gelingt – 100% Eigenkapital.

    In:

    https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2013/01/06/die-anti-autoritare-okonomie-die-emotionelle-pest-als-die-grundlage-der-gegenwartigen-wirtschafts-und-finanzpolitik/#comment-9905

    hat O. gesagt:

    Gab es je in der Schule das Thema, wie gründe und führe ich ein Unternehmen oder wie kalkuliere ich ein Geschäft (Buchhaltung) etc. – nein! Wie wehre ich mich gegen das Finanzamt, welche Rechtsgrundlagen sind relevant? Was mache ich bei Arbeitslosigkeit … etc.

    aber das fehlt nicht nur in der Schule, sondern – in den so genannten Wohlstandsgesellschaften und Sozialstaaten – in der Gesellschaft ganz generell – vielfach wird, wie ich glaube, die Fähigkeit, von selbständiger Beschäftigung zu leben oder gar ein Unternehmen zu führen, als eine kaum erlernbare Naturbegabung eingestuft.

  4. David Says:

    O. hat gesagt:

    … statt zu versuchen ihm die eigenen Mittel wegzunehmen: Den ORAC-Verkauf zu verbieten.

    Leuten die eigenen Mittel wegnehmen – das ist pestilent, und wir finden es in der Geschichte überall – beispielsweise bedeutete die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft in der Sowjetunion und China, dass man den Bauern verboten hat, selbständig zu wirtschaften.

    In Nordkorea stand Selbstversorgung, ob für Bauern oder Stadtbewohner, noch vor wenigen Jahren schlicht und einfach unter Strafe.

    Heute bauen in Pyöngyang viele Menschen eigenes Gemüse an, und haben beispielsweise eine Ziege. – Selbst die Regierung hat inzwischen eingesehen, dass es nicht anders geht, und hat die Strafbarkeit der Selbstversorgung aufgehoben.

    Vielleicht wird es inzwischen sogar gefördert.

    Aber auch lange vor Entstehen der kommunistischen Regierungen war solches üblich. Die industrielle Revolution in England beruhte, wie man uns in der Schule erzählt hat, unter anderem auf dem „Bauernlegen“, d.h. der Vertreibung der – bisher feudalistisch abgesicherten Bauern – von ihrem Land.

    Die Folge war, dass die vertriebenen Bauern für ungeheuer billige Löhne in den Fabriken schuften mussten, weil ja zwischen dem Angebot und der Nachfrage an Arbeitskräften gar kein Gleichgewicht war.

    Aber schon wenige Jahrzehnte später trat etwas Unerwartetes ein: die Einkommen der Industriearbeiter stiegen über das der Landbevölkerung an, dasselbe was jetzt in Ländern wie Peru oder China geschieht.

    Das entschuldigt natürlich nicht das anfängliche Vorgehen gegen die Armen, ihnen gewaltsam ihre Existenzgrundlage zu nehmen; solches Vorgehen ist auf jeden Fall pestilent.

    • David Says:

      Auch innerfamiliär kommt es nicht selten vor, dass die Kinder / das Kind / ein Kind gesagt immer gesagt bekommt: Du kannst das nicht, das muss ich für Dich machen, wodurch man dem Kind die eigenen Mittel nimmt.

      Oder genauer gesagt: bei ihr / ihm die eigenen Mittel erst gar nicht wachsen lässt.

      Der Umstand, in früheren Generationen (vielleicht vor 1950) bei Kindern und Jugendlichen die Selbstbefriedigung und andere Äußerungen der Sexualität zu unterdrücken, war nur ein Spezialfall vom Wegnehmen bzw. Nicht-Zulassen der „eigenen Mittel“.

      Vermutlich haben schon ab 1950 immer mehr Eltern und andere Erzieher, vor allem solche, die die Theorien von Reich oder auch nur die von Freud kannten, aufgehört, diese Dinge zu unterdrücken.

  5. David Says:

    Gerade eben hatte ich gesagt:

    Oder genauer gesagt: bei ihr / ihm die eigenen Mittel erst gar nicht wachsen lässt.

    Findet man häufig in der Literatur auch über autistische Störungen, besagtes Verhalten der Erzieher kann teils Folge der Störung sein, ist aber oft auch Ursache.

    Als Spezialfall hatte ich die in früheren Zeiten übliche Sexualunterdrückung genannt.

    Bekanntes Opfer von Unterdrückung in Verbindung mit lang andauerndem sexuellem Missbrauch im Kinderheim ist ein gewisser Herr Rowlings; besser bekannt als der Afrikaforscher Henry Morton Stanley.

    Er soll, der Literatur zufolge, als Erwachsener kein Sexualleben gehabt haben.

    Anstatt in die Frau drang er lieber in das innere des unbekannten Kontinents ein und schoss sich am Kongofluss den Weg frei mit den dort und damals bei der Bevölkerung noch unbekannten Feuerwaffen.

    • David Says:

      Nicht Rowlings, sondern Rowlands. John Rowlands.

      Nicht Kinderheim, sondern Arbeitshaus – wo man hinkam, weil man als „Bastard“, d.h. uneheliches Kind damals diskriminiert war. Zitat Wikipedia:

      Der Leiter, ein Alkoholiker, nahm sich gegenüber den Bewohnerinnen alle Freiheiten heraus. Die Kinder teilten zu zweit die Betten, und wenn sie nicht von Erwachsenen missbraucht wurden, dann quälten die Älteren die Jüngeren, auch nachts. Bei John Rowlands führte dies zu einer lebenslangen Furcht vor körperlicher Nähe und Sexualität.

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