Posts Tagged ‘Sowjetunion’

Verschwörungstheorien (Teil 1)

21. September 2022

Oswald wollte mit dem Mord an John F. Kennedy unsterblich werden, einer verpfuschten, schizoiden, vollkommen leeren und perspektivlosen Existenz entkommen – und selbst im fernen Hamburg noch nach Jahrzehnten ein Begriff sein. Außerdem haßte er Amerika und insbesondere dessen Repräsentanten abgrundtief. Das geht eindeutig aus seinen Aktivitäten, seine „Flucht“ in die Sowjetunion und seine Aktionen für Castro, und aus seinen Äußerungen hervor, seine Tagebucheintragungen und das, was er etwa seinen Kameraden bei den Marines erzählte.

Ich möchte diesem Mörder und widerlichen Gernegroß hier jedoch kein weiteres Denkmal setzen, sondern ihn nur als Beispiel für das nutzen, was jeden rationalen Diskurs zerstört: der fatale Hang zur Mythenbildung im mechano-mystischen Zeitalter. Nach der gleichzeitig mystischen und mechanistischen Auffassung des gepanzerten Menschen muß ein großes Ereignis (etwa der Mord an einem kultisch verehrten jugendlich wirkenden US-Präsidenten) einen entsprechend großen Auslöser haben (eine gigantische Verschwörung).

Immer populärer wird die Verschwörungstheorie, daß Lyndon B. Johnson Kennedy ermorden ließ! Denn damit der Mordkomplott möglich war, müssen nicht nur die Mafia, die Polizei von Dallas, das CIA und das FBI involviert gewesen sein, sondern auch der Secret Service, also der Geheimdienst, der für den Schutz der höchsten Regierungsvertreter verantwortlich ist, insbesondere aber für den Präsidenten und den Vizepräsidenten!

Was absolut typisch für derartige extrem exotische Verschwörungstheorien ist, ist die Fixierung auf nebensächliche Details, die über jedes Maß aufgeblasen werden, und der Verweis auf angebliche „Zeugen“, deren Aussagen niemand überprüfen kann. Währenddessen finden die zentralen Punkte, das Wesentliche, wirklich nie Erwähnung. Bezeichnend ist dafür auch Oliver Stones Film JFK, der wirklich an keiner Stelle auch nur eine einzige Andeutung auf die 53 (sic!) Beweise für Oswalds Schuld enthält. Auch erfährt man so gut wie alles über Oswalds Mörder Jack Ruby, nur nicht, daß er mit einer Hündin (sic!) liiert war, deren Welpen er als seine Kinder betrachtete, und daß er unter einem hirnorganischen Schaden litt.

Kaum einer der Verschwörungstheoretiker gibt sich die Mühe, den fünfstündigen Gerichtsprozeß zu verfolgen, in dem Oswalds Schuld ohne Zweifel von einer unabhängigen Jury festgestellt wurde.

Der Ankläger Oswalds, Vincent Bugliosi hat ein 1600seitiges Buch verfaßt, an dem er über 20 Jahre lang arbeitete. In diesem Buch, Reclaiming History: The Assassination of President John F. Kennedy, wird erstmals der gesamte Fall in allen seinen Aspekten, einschließlich aller bekannten Verschwörungstheorien, abgehandelt. Aber Verschwörungstheoretiker lassen sich durch nichts in der Welt von ihrem Wahn abbringen, daß große Ereignisse, große Ursachen haben müssen.

Am Fall Oswald läßt sich ablesen, worum es im Leben geht: daß man sich an das Wesentliche hält, statt mit unüberprüfbaren Nebensächlichkeiten das Wesentliche wie ein Taschenspieler aus dem Fokus der Aufmerksamkeit zu lenken. Wie in der individuellen Neurose, in der die Lebensenergie beispielsweise in vollkommen sinnlosen Grübeleien über abstruse Nichtigkeiten oder gar über zusammenphantasiertes Zeugs verausgabt wird, gehen in diesen Verschwörungstheorien der Gesellschaft unglaubliche Ressourcen verloren. Ganze Bibliotheken sind mit schierem Unsinn gefüllt – und in all den Hunderten, wenn nicht Tausenden von Bänden wird man nirgends die erwähnten, wohldokumentierten 53 Beweise finden und wenn doch hier und da den einen oder anderen, dann werden sie schlichtweg zerredet.

Man nehme etwa das berühmte Photo, das Oswald mit dem Gewehr zeigt, mit dem er Kennedy erschoß, der Pistole im Halfter, mit der er den Polzisten J.D. Tippit erschoß und einer kommunistischen Zeitung in der Hand. Unzählige Traktate wurden darüber verfaßt, daß dieses Photo, das allein schon in jedem Mordprozeß den Angeklagten an den Galgen bringen würde, „ganz offensichtlich gefälscht sei“, was „zig Experten“ nachgewiesen hätten. Wie oft muß Oswalds Witwe eigentlich bestätigen, daß sie das Photo im Garten ihres Hauses geschossen hat? Es gibt einen Zeugen, der aus dem fünften Stock des School Book Depository direkt in der Etage über sich drei Schüsse hörte und sogar die Patronenhülsen auf den Boden fallen hörte. Der Attentäter hatte sich vor dem Fenster einen regelrechten Hinterhalt gebaut, d.h. Kisten so aufgetürmt, daß man bei Betreten des Raumes den Schützen nicht gleich sehen konnte. Niemand hat irgendjemand Fremden im Haus gesehen. Oswald war der einzige, der nach der Parade bzw. dem Attentat nicht zu seiner Arbeitsstelle zurückkehrte. Er hatte am Morgen erstmals ein längliches Paket mit zur Arbeit gebracht. So kann man mit 53 Beweisen, der jeder für sich für eine Verurteilung ausreichen würde, fortfahren. Doch die Verschwörungstheoretiker wären wahrscheinlich nicht mal zu überzeugen, hätte man Oswald bei der Tat gefilmt! „Fälschung!“ „Wer sagt, daß er überhaupt auf Kennedy geschossen hat?“ „Und wenn, daß er getroffen hat?“ „Und wurde der Film überhaupt am Tag des Attentats aufgenommen?“ „Ist das überhaupt Oswald?“

Das Infame bei der ganzen Angelegenheit ist, daß die Verschwörungstheoretiker mit dem Anspruch auftreten, daß sie „den Finger auf die Wunde“ legten, während Leute wie Bugliosi nur immer ängstlich ausweichen würden. Damit wird in der Gesellschaft aktiv die okulare Panzerung verbreitet: die Menschen sollen nicht mehr glauben, was sie sehen und was bei näherer Betrachtung selbstevident ist, sondern sie sollen sich in der Phantasiewelt extrem komplizierter und vollkommen unglaubwürdiger Plots mit ausufernden Querverbindungen verlieren. Oder mit anderen Worten: sie sollen paranoid werden! Sie sollen so denken, wie Schizophrene denken, bei denen alle Eindrücke das gleiche Gewicht haben! Und das alles im Namen der Aufklärung!

Das ganze ist exakt wie eine individuelle Neurose aufgebaut, deren kompliziertes Gebäude nur dem einen Zweck dient, das Individuum vor der Wirklichkeit, der Wahrheit, vor dem Kontakt zu schützen. Gepanzerte Menschen können klares Denken, wie es Bugliosi vorexerziert, ein Denken von A zu B zu C zu D und letztendlich zu Z nicht zulassen. Alles wird zerredet, nie kommt man zum Kern der Angelegenheit. Noch schlimmer: jene, die auf den Kern verweisen, wird vorgehalten, sie wollten die Wahrheit einfach nicht sehen. Diese aktive Aufrechterhaltung der Neurose, dieses aktive Bekämpfen der Gesundheit, bezeichnet man übrigens als Emotionelle Pest! Auf die gleiche Weise wird etwa von sogenannten „Skeptikern“ die Orgonforschung zerredet.

Es ist wie in der Orgontherapie, wenn der Patient auf den Hinweis, daß er unmotiviert vor sich hin grinse, nicht etwa damit reagiert, daß er seine Kontaktlosigkeit überwindet und etwa anfängt zu weinen, sondern indem er seine „intellektuelle Überlegenheit“ ausspielt. Solchen Patienten, meist pseudo-liberale Charaktere, kann man nicht helfen, sie sind untherapierbar. Genauso kann man Verschwörungstheoretikern nicht helfen, da sie sich mit ihrem Glaubenssystem perfekt abgepanzert haben. Das schlimme ist, daß sie diese ihre Neurose aktiv verbreiten und so die gesamte Gesellschaft verpanzern. Sie sind wie Kiffer, die den unwiderstehlichen Zwang empfinden, andere zu Proselyten zu machen, auf daß schließlich alle um sie herum bekifft, d.h. kontaktlos sind. Verschwörungstheoretiker bekämpfen nicht etwa die Emotionelle Pest, sie sind die Emotionelle Pest.

Beispielsweise wurde dem bekannten klinischen Psychologen Mattias Desmet angesichts seines Buches The Psychology of Totalitarianism vorgeworfen, seine, Reichs Massenpsychologie des Faschismus ziemlich nahekommende, Analyse würde den Verschwörern des Great Reset um Klaus Schwab, Bill Gates und George Soros in die Hände spielen. Die Massenpsychologie würde systematisch den Blick von den Verschwörern ablenken, stattdessn auf ihre Opfer, die Massen, hinlenken und so eine Nebelwand errichten, hinter der die Verschwörer weiter ungehindert agieren können. Genauso könnte man mit Charles Konias neuem Buch Clueless umgehen!

Muß man also alles glauben, was „die Mächtigen“ vorgeben, um als „gesund“ gelten zu können? Nein, natürlich nicht. Beispielsweise wollte Bugliosi aufgrund des Irak-Krieges George W. Bush wegen Mordes anklagen! Der Unterschied ist, daß Bugliosi mit neuen Beweisen seine Meinung ändern wird. Bei diesen geht es übrigens stets um „berechtigte Zweifel“, nie um absolute Sicherheit. Wenn es nach der ginge, dann könnte niemand niemals zu irgendetwas verurteilt werden! Einmal muß die Gestalt geschlossen werden – oder wir werden alle miteinander verrückt…

Das gesagte läßt sich natürlich auch auf die diversen Verschwörungstheorien um 9/11 anwenden.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 16)

24. August 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Reichs „Wiener Geschichte“ ist eine einzige große Auseinandersetzung mit LSR:

# „Gott Stirner“ (siehe Leidenschaft der Jugend)

# der triebhafte Charakter: (pseudo-)„Stirnerisch“ frei und gleichzeitig verfolgt von einem sadistischen Über-Ich („FICK mich!“): de Sade, Foucault

# die SPÖ als Vertretung des rigiden Über-Ich, die KPÖ als Vertreterin des rebellischen Lebens, das von Dämonen verfolgt wird („sadistisches Über-Ich“)

# „orgastische Potenz“ als Lösung des Dilemmas der Triebhaftigkeit (der Triebgehemmtheit ja sowieso)

# die Kulturdebatte mit Freud und erste Zweifel an der Sowjetunion

# allererste Anfänge der Orgonomie, d.h. einer Welt „jenseits der Kultur“ (man denke sowohl an Freuds Jenseits des Lustprinzips als auch an sein Unbehagen in der Kultur)

Von vorne bis hinten Bernd Laskas LSR-Projekt (LaMettrie, Stirner, Reich):

# der orgastisch potente LaMettrie gegen den triebhaften Charakter de Sade

# der orgastisch potente Stirner gegen den Moralisten Marx (verkörpert in der austromarxistischen pfaffenhaften SPÖ)

# der orgastisch potente Reich gegen Freud (die sozialdemokratischen Psychoanalytiker a la Federn, die auf die triebhaften kommunistischen Untermenschen hinabblicken)

Verfolgen wir Reichs „LSR-Entwicklung“ weiter über Berlin bis nach Rangeley:

Bereits in der Massenpsychologie des Faschismus von 1933 gab Reich den Nationalsozialisen recht: man dürfe die Bedeutung des „Seelischen und Religiösen“ nicht unterschätzen (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 139), denn die religiöse Erregung ist, wie er einige Jahre später formulierte, „nicht nur antisexuell, sondern in hohem Grade selbst sexuell“ (ebd. S. 144).

Er wollte das wieder auflösen, die „seelischen und religiösen ‘Entitäten’“ wieder zum bioenergetischen Strömen bringen: die Panzerung auflösen, die Sexualität aus ihrer religiösen Perversion befreien. Und genau wie in seiner charakter/vegeto/orgon=orgasmotherapeutischen Arbeit wuchs dabei im Laufe der Jahre Reichs „Respekt“ vor dieser „alten Welt“, die es doch aufzulösen galt. Den gleichen „Respekt“, den man einem räudigen Kampfhund entgegenbringt.

Es gibt kein Weg zurück, wie es auch in der Entpanzerung des Körpers keinen Weg zurück gibt. Es besteht aber eine Gefahr, die Reich seit seiner Arbeit mit dem triebhaften Charakter vor Augen stand, die er aus der eigenen therapeutischen Praxis kannte und die nicht zuletzt das Geschehen in Deutschland und Rußland der 1930er Jahre kennzeichnete: wenn man zu schnell vorgeht, kommt es zum Kollaps und das Über-Ich schlägt im sich „entpanzernden System“ härter zu als jemals zuvor und zwar diesmal auf unberechenbare „triebhafte“ Weise. Wenn dieser Zustand aber erreicht ist, dann ist jede weitere Entpanzerung ausgeschlossen, was den endgültige Sieg der „Reaktion“ bedeutet. Nicht zuletzt sieht man das an den gruseligen „Körperpsychotherapeuten“ und „Reichianern“, die die Orgonomie unrettbar zerstören. Wie Reich gezeigt hat, gibt es als Gegenmittel nur die Sequestration der Pestratten.

Diese Erkenntnis, also die Gefahr, die in der Entpanzerung steckt, ist ein entscheidender Fortschritt. Gewisserweise muß gerade die wahre Aufklärung die „Heiligtümer der alten Welt“ als „heilig“ erachten, einfach weil sie eine Doppel-Funktion haben: sie perpetuieren nicht nur die alte Welt, sie sind auch die einzige Möglichkeit, um die alte Welt zu vernichten. Platt ausgedrückt: man benötigt militärische Disziplin um einer faschistischen Militärmaschinerie entgegentreten zu können. Genauso wie der Orgontherapeut heutzutage (als noch die Zwangscharaktere dominierten, sah das Vorgehen natürlich anders aus) nicht einfach den Panzer auflösen will, sondern erstmal (z.B. beim schizophrenen Charakter) einen Panzer erzeugen (bzw. natürlich verlagern) muß, damit nicht der Organismus aus Orgasmusangst sich endgültig abpanzert.

In unserer Gesellschaft kann das natürlich nicht bedeuten, daß man auf religiöse Gefühle oder die humanistischen Phrasen Rücksicht nimmt und schon gar nicht, daß man irgendwelche Kompromisse, außer denen der praktischen Lebensklugheit, macht. Es geht erstmal um die Vermittlung des Problembewußtseins („Leute, der Panzer hat eine Funktion!“) und zweitens darum, mit welchen Leuten man sich zusammentut. Was nichts anderes bedeutet, als das die „natürlichen Freunde“, etwa die Anarchisten, zu meiden sind als hätten sie die Beulenpest.

Und genau das (die soeben angeführten zwei Handlungsmaximen) hat Reich befolgt, das erstere vor allem im Christusmord und das letztere dadurch, daß er sich sukzessive von seinen „natürlichen Freunden“ abwandte bzw. gar nicht an sich herankommen ließ (etwa die „Beatniks“) und zum „Eisenhower-Fan“ wurde. Zunächst mußten die Linken dran glauben (z.B. die Trennung von seiner sozialistischen Assistentin Gertrud Gaasland) und schließlich sogar die amerikanischen Liberalen (praktisch zwang er die, außer Baker, Duvall und Silvert, durchweg liberalen Orgonomen auf Republikaner-Kurs), von Greenwich Village brauchen wir gar nicht erst zu reden, auch nicht von seiner Reaktion auf Paul Ritter und David Boadella.

Es geht nicht um „Fürsten“ oder ein „Zurück in die alte Welt“, es geht nicht mal um Eisenhower, Reagan und die AfD, sondern um den grundsätzlichen Respekt vor dem Status quo, der durch Eisenhower, Reagan, AfD, etc. archetypisch verkörpert wird. Es muß der Status quo verteidigt werden, um den Status quo zu ändern. Dialektik!

Was auf den ersten Blick wie Reichs Abfall oder zumindest Relativierung von der radikalen Aufklärung aussieht, erweist sich bei genauerer Betrachtung als Reichs konsequente Zuendeführung seines spezifischen Beitrags, den ich oben („Reich in Wien“) skizziert habe.

Dr. Batkis und Dr. Reich (Teil 1)

29. Mai 2022

Im folgenden werde ich in drei Teilen Auszüge (der Anfang und das Ende) von Die Sexualrevolution in Rußland von Dr. Batkis, Dozent am sozialhygienischen Institut in Moskau aus dem Jahre 1925 vorstellen. Übersetzung aus dem russischen Manuskript von Stefanie Theilhaber. Das ganze erschien in der Reihe BEITRÄGE ZUM SEXUALPROBLEM herausgegeben von Dr. Felic A. Theilhaber als Heft IV. Es erschienen in dieser Reihe insgesamt 20 Hefte im anarchistischen Verlag Der Syndikalist, Fritz Kater.

Die ersten beiden hier präsentierten Ausschnitte lassen erkennen, warum Reich sich 1927/28 voll Begeisterung dem Kommunismus zuwandte, der letzte Teil kündigt aber bereits die Sexualreaktion des Stalinismus an. (Der Rest des Heftes beschäftigt sich mit dem Kleinklein der Sowjetgesetzgebung insbesondere Ehe- und Abtreibungsrecht.)

Reich kannte diese Broschüre. Jedenfalls erwähnt er sie in Die sexuelle Revolution als „Die sexuelle Revolution in der Sowjetunion“ in Zusammenhang mit der Abtreibungsfrage und der Ehegesetzgebung.

Die Sexualrevolution in Rußland

Die heutige Sexualgesetzgebung der Sowjetrepubliken ist das Werk der Oktoberrevolution. Diese Revolution ist nicht nur als politische Erscheinung, sofern sie dem Proletariat die politische Diktatur sicherte, von Wichtigkeit. Die von ihr ausstrahlenden Umwälzungen erstrecken sich auch auf das übrige Leben.

Ihr Befreiungswerk eröffneten die Führer der Revolution nicht damit, daß sie mutig und entschlossen sich der Fesseln der alten Gesetze und Einrichtungen entledigten und mit einer Proklamation großer und geschwollener Prinzipien den Umsturz einleiteten. Denn leicht stürzen Prinzipien bei einem Zusammenstoß mit dem Alltag, mit der Wirklichkeit, wie Kartenhäuser zusammen. Dafür ist die Geschichte der ersten französischen Revolution das lehrreichste Beispiel, wo Stubenluft und graue Theorie für ihre Einrichtungen und Gesetze Gevatterschaft standen.

Die soziale Gesetzgebung der russischen kommunistischen Revolution will kein Produkt reiner Kathederweisheit sein, sondern stellt einen Niederschlag des Lebens dar. Erst nach der erfolgten Umwälzung, nach dem Triumph der Praxis über die Theorie, trachtete man nach neuen, festen Bestimmungen einer ökonomischen Ordnung. Damit wurden auch Formen für die Einrichtung des Familienlebens und für die Gestaltung der sexuellen Beziehungen gemäß den Nöten und den natürlichen Erfordernissen des Volkes geschaffen.

Die zaristische Gesetzgebung bestand aus mehreren Bänden, in denen grenzenloser Despotismus, Sanktionierung der Willkür, der Gewalttätigkeit und der Versklavung des Weibes die Grundnote abgaben.

Das alte russische Ehe- und Familienrecht war der Abklatsch des allgemeinen Systems, das auch in politischer und ökonomischer Beziehung das System der Bedrückung war.

Die Auffassung und Wahrnehmung der Familie als, einer Privatangelegenheit, die unbegrenzte Machtbefugnis des Hauptes der Familie über alle Familienmitglieder, nach dem Vorbild der römischen Paterfamilie, das Anführen verschiedener unwissenschaftlich kanonischer Gesetze mit religiöser kirchlicher Moral, die die Frau als das „Gefäß des Teufels“ bezeichnen, vollkommene Ignorierung der natürlichen Verhältnisse, – das waren die charakteristischen Seiten dieser zaristischen Gesetzgebung.

„Die Frau muß ihren Mann fürchten“, jene Redensart, die während der Eheschließung in der rechtgläubigen Kirche der Frau mit auf den Lebens- und Eheweg gegeben wurde, war das grundlegende Motiv jener Gesetze. Ähnlich war auch die Lage der Kinder in der Familie. Der Teil der Gesetzgebung, in dem die entsprechenden Gesetze niedergeschrieben waren, trug die charakteristische Überschrift „Über die Macht der Eltern“.

Die uneheliche Mutterschaft, fast ohne Schutz, die Abtreibung mit Zwangsarbeit bestraft, grenzenlose Exploitation der Frauen-und Kinder-Arbeit, die sinnlose Einmischung der Gesetze und Beschnüffelung des persönlichen, intimen sexuellen Lebens unter der Maske der Besorgnis für die öffentliche Sittlichkeit einerseits und andererseits das begünstigende Einwirken auf die Verbreitung der Prostitution zu derselben Zeit – das waren die weiteren Tendenzen dieser Gesetzgebung.

Die breiten Volksmassen, insbesondere die Bauern waren vollkommen unter dem Einfluß der unwissenden Geistlichkeit und der Amtsbehörden.

Die Geistlichkeit lehrte jahrhundertelang die Bauern den Glauben an die teuflische Herkunft des Weibes, das aus der männlichen Hüfte zur Lust des Mannes geschaffen worden ist, und sie nährte den Glauben an die göttliche Autorität dieser wahrhaft teuflischen Gesetze.

Die Arbeiter und die Bauern, ewig unterdrückt, ewig erniedrigt im politischen und ökonomischen Leben, hatten nur eine einzige Möglichkeit, wo sie die Herren sein könnten, ein einziges Feld, wo sie anderen unter der Gönnerschaft von Gott und Gesetz ihre unbegrenzte Macht fühlen lassen konnten. Dieses Feld war ihre eigene Familie, diejenigen, auf die sich ihre Macht erstreckte waren ihre Weiber und ihre Kinder.

Seit langem schon erklärten die vorgeschrittenen Arbeiter und Bauern und die freiheitlichen intelligenten Elemente der russischen Gesellschaft, daß sie Feinde dieser mittelalterlichen Normen seien. Normen, die die freie Entwicklung der Gesellschaft und des Individuums hemmten, Normen, die im dauernden Widerspruch zu der Wirklichkeit standen.

Lincoln, Putin und Reich

21. April 2022

Der Krieg ist immer nah, wie auch in den letzten Jahren. Der Krieg ist eine Bedrohung dank der offiziellen formalen Art des Denkens und Handelns, während die wahren, tiefen Fragen des menschlichen Lebens im Hintergrund gehalten werden. (aus einem Brief von Wilhelm Reich an seinen Sohn Peter vom 22. Oktober 1957)

Einer der grausamsten Kriege, die jemals gefochten wurden, war der amerikanische Bürgerkrieg. Gleichzeitig ist er eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit. Wichtiger als die amerikanische Revolution selbst! Worum ging es in diesem Krieg? Lincoln machte von Anfang an deutlich, daß es nur um eine einzige Frage ging: um den praktischen Beweis, daß Demokratien (und damals waren die USA so gut wie die einzige Demokratie auf dem Planeten!) überleben können und nicht von ihren inneren Zwistigkeiten über kurz oder lang zerrissen werden. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Südstaaten sich mit England verbündet hatten.

Die drei Weltkriege (den Kalten Krieg mit eingerechnet) waren sozusagen „Nachgefechte“ des Krieges, den Abraham Lincoln ausgefochten hatte. Wobei man über die Sinnhaftigkeit bzw. vollständige Sinnlosigkeit des Ersten Weltkrieges kaum streiten kann. Nur ein Beispiel: während in Deutschland vollkommene Rechtssicherheit herrschte, ist das Rechtssystem der USA bis heute eine vollständige Absurdität, wie man etwa an folgendem Beispiel sieht, wo der Richter eine groteske 60jährige Zuchthausstrafe für einen Kleinkriminellen aus einem sentimentalen Augenblicksgefühl in eine Bewährungsstrafe überführt:

Aber zurück zum Narrativ: …die aus dem Ersten Weltkrieg, nicht zuletzt durch den pestilenten Charakter Woodrow Wilson, hervorgegangenen Konflikte, die im Krieg gegen die Nationalsozialisten und im Kalten Krieg gegen die Kommunisten kulminierten, drehten sich letztendlich darum, ob die schwachen und zumindest territorial scheinbar hoffnungslos kleinen Demokratien gegen den (Neo-) Feudalismus bestand haben würden oder ob die Erde flächendeckend von diktatorischen Großmächten und morbiden Kleindiktaturen beherrscht werden würde.

Lincoln wird heute von rechten („libertären“) und linken („progressiven“) Kreisen gerne so dargestellt, als sei er der eigentliche Schurke gewesen. Er habe das Prinzip der Freiheit mit Füßen getreten, sei für zahllose Kriegsverbrechen verantwortlich zu machen und die Sache mit der Befreiung der Sklaven sei ohnehin eine nachträgliche Propagandalüge gewesen. Die gleichen Leute wenden sich heute gegen Amerika, das sich spätestens seit Beginn des „Krieges gegen den Terror“ der gleichen Verbrechen wie Lincoln schuldig mache: Guantanamo, die Allianz ausgerechnet mit Saudi Arabien und generell doppelte Standards, etc.

Hätte Lincoln großartig anders handeln können, als er es tat? Wie hätte er die Sezession bekämpfen sollen, wenn er nicht „diktatorisch“ für Einigkeit im eigenen Lager gesorgt hätte! Wie die Sache sich nun einmal darstellte, war der Krieg ein Angriffskrieg gegen die Südstaaten und wurde größtenteils auf deren Territorium ausgefochten, so daß ein unbeteiligter und uninformierter Beobachter, ein „Marsmensch“, „das Böse“ über kurz oder lang unzweifelhaft im Norden ausmachen hätte müssen! Hätte Lincoln den Krieg von Anfang an der Sklavenbefreiung gewidmet, hätten sich die sklavenhaltenden Grenzstaaten, die eher widerwillig der Union treu geblieben waren, umgehend der Konföderation angeschlossen – und der Krieg wäre verloren gewesen, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte!

Genauso sieht es heute aus: Ein „Marsmensch“, der beispielsweise den Irak und Afghanistan in den letzten Jahrzehnten überflog, wird die USA in der Tat für „den großen Satan“ halten müssen, der über militärisch hoffnungslos unterlegene Völker herfällt. Und er wird sich über die abgrundtiefe Verlogenheit aufregen, wenn etwa Libyen im Namen der Freiheit bombardiert wird und gleichzeitig alles getan wird, um die Herrscher in Saudi Arabien und in den Golfstaaten an der Macht zu halten. Und ist es aktuell anders? Sind wir selbst nicht die „Marsmenschen“, wenn wir reflexhaft nur in Putins Rußland den Bösewicht sehen wollen, der ein (vergleichsweise) kleines Land vergewaltigt?

Man wird der Betrachtungsweise dieses fiktiven „Marsmenschen“ nicht einen gewissen kindlichen Charme absprechen können, aber sie ist genau das: kindisch. Oder wie Reich es ausgedrückt hätte: man muß die (erwachsene) Gegenwahrheit mit allen Mitteln gegen die (kindliche) Wahrheit verteidigen. Der „Marsmensch“ ist kindlich, weil er nicht die (zeitlichen) Zusammenhänge überblicken und die Folgen abschätzen kann.

Klar, Lincoln hätte die Sklavenbefreiung sofort auf seine Fahnen schreiben können, genauso wie die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die größten Ölreserven des Planeten an Rußland und China übereignen und auch den letzten Moslem zu einem Todfeind der USA hätten machen können. Putin hätte zulassen können, daß die USA das gleiche Territorium beherrschen und militarisieren, das einst Hitler erobert hatte. Ja, in der kindischen Welt unserer rechten und linken „Marsmenschen“, die nicht ganz von dieser Welt sind…

Aber zurück zu Lincoln, der in seiner „Gettysburg Address” vom 19. November, 1863, eine der berühmtesten Reden der Geschichte überhaupt, sagte:

Vor siebenundvierzig Jahren haben unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation gegründet, die sich der Freiheit verschrieben hat und dem Grundsatz verpflichtet ist, daß alle Menschen gleich geschaffen sind.

Jetzt sind wir in einen großen Bürgerkrieg verwickelt, in dem getestet wird, ob diese Nation oder irgendeine Nation, die so konzipiert und so engagiert ist, lange bestehen kann. Wir befinden uns auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges. Wir sind gekommen, um einen Teil dieses Feldes als letzte Ruhestätte für diejenigen einzuweihen, die hier ihr Leben gaben, damit diese Nation leben kann. Es ist nur recht und billig, daß wir das tun.

Aber in einem umfassenderen Sinne können wir diesen Boden nicht einweihen – wir können ihn nicht weihen – wir können ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, lebende und tote, die hier gekämpft haben, haben ihn geweiht, weit über unsere armselige Macht hinaus, etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen. Die Welt wird kaum zur Kenntnis nehmen und sich nicht lange an das erinnern, was wir hier sagen, aber sie kann niemals vergessen, was sie hier getan haben. Vielmehr ist es an uns Lebenden, uns hier dem unvollendeten Werk zu widmen, das sie, die hier gekämpft haben, bisher so edel vorangebracht haben. Es ist vielmehr an uns, uns hier der großen Aufgabe zu widmen, die noch vor uns liegt – daß wir von diesen verehrten Toten eine verstärkte Hingabe an die Sache übernehmen, für die sie das letzte volle Maß an Hingabe gegeben haben – daß wir hier absolut entschlossen sind, daß diese Toten nicht vergeblich gestorben sind – daß diese Nation unter Gott eine neue Geburt der Freiheit erleben wird – und daß die Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk, nicht von der Erde verschwinden wird.

Problem ist, daß der neofeudalistische Abschaum heute Amerika und Europa regiert. Der Verrat fing bereits mit Lincolns Ermordung an, der mit seiner Versöhnungspolitik gegenüber dem Süden den Wirtschaftsbaronen des Nordens im Weg stand, die die Ressourcen des Südens wie eine Kolonialmacht auszubeuten gedachten. Von wegen Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk“.

Das Projekt „USA“ vehement zu verteidigen, ist zweifellos im Sinne Reichs. Nicht zu bezweifeln ist aber auch, daß die Kritiker dessen, wofür der Name „Lincoln“ steht, in einem wohlverstandenen Sinne Recht haben. Das Problem ist, wie stets in solchen Fällen, daß sie nicht wissen in welchem Sinne sie Recht haben. Es geht darum, daß der Staat ab einer bestimmten Größe vom Diener der Gesellschaft zu einem Parasiten und Todfeind derselben wird. Ab einem gewissen Punkt geht es den regierenden Cliquen nur noch um den Staat selbst, losgelöst von seinen arbeitsdemokratischen Grundlagen.

Man nehme etwa die EU-Agrarpolitik (oder irgendeine andere „Politik“): die kann sich nur ein Geistesgestörter ausgedacht haben, der mit aller Gewalt unsere Umwelt, unsere Sozialstrukturen und Kulturen sowie unseren Geschmackssinn, unsere ganze Zukunft zerstören will. Vom Euro will ich gar nicht erst anfangen! Wer hat dem Staat das Recht gegeben, von uns Steuern einzuziehen, mit denen eine Bürokratie finanziert wird, die, während sie die Gesellschaft zerstört, nur sich selbst und z.B. der monopolistischen Strom- und Wasserwirtschaft, den Atom-, „Ökö“-, Chemie-, Agrar- und Pharmamultis dient. Wozu brauchen wir überhaupt ein gesetzgeberisches Parlament (gibt es denn nicht wahrhaftig genug Gesetze?), wozu eine Regierung, die doch sowieso nur das Aushängeschild der Bürokratie ist und wozu brauchen wir Bürokraten, wenn wir unsere Angelegenheiten selbst in die Hände nehmen? Es geht darum, daß wir unser eigenes Leben wieder in Besitz nehmen. Unser eigenes Land. Unseren eigenen Planeten.

Seit frühester Kindheit wurden wir von den Agenten der Parasiten freiheitsunfähig und verantwortungslos gemacht. Richtig abgerichtet lassen wir dann für die Illusion von „sozialer Sicherheit“ und Freiheit Untreuhänder unseres Eigentums an die Macht, die Anmaßung mit bürokratischer Unfähigkeit verbinden und alles daran setzen, unser heruntergewirtschaftetes Eigentum an den nächstbesten zu verschleudern. Daß wir von geistig nicht normalen, größenwahnsinnigen Menschen regiert werden, zeigen immer wieder sinnlose Prestige-Projekte und neuerdings die Reaktion auf den Ukraine-Krieg, bei dem „gut“ und „böse“ nicht so eindeutig verteilt sind – entsprechend dem angeschnittenen Themenkomplex „Lincoln“.

Es regiert die dummdreiste Gefühllosigkeit jener impotenten Männer, die nur die nekrophile Lust der Macht kennen, wie Reich es für das amerikanische Establishment in seiner Rede an den Kleinen Mann mit unerbittlicher Härte bloßgestellt hat:

Du [die USA unmittelbar nach dem Sieg über Deutschland] hast die Welt in deinen Händen gehabt, und am Ende hast du deine Atombombe über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen (…) als Probe aufs Exempel! (…) Du hast deine ganze Klasse und Rasse mit dieser einen Bombe ins ewige, stumme Grab gebombt! Denn du hattest nicht die Menschlichkeit, die Männer und Frauen und Kinder und Mädchen und Jungen in Hiroshima und Nagasaki zu warnen! Du brachtest nicht die Größe auf, menschlich zu sein! (S. 96)

Deshalb werde die amerikanische Oberschicht zusammen mit ihren „idiotischen Generälen“ untergehen. Man schaue sich heute die verbrecherische und selbstzerstörerische Ukraine-Politik des Biden-Regimes an.

Das Militär besteht ohnehin aus zu groß geratenen Halbstarken. Jeder, der einmal als Ordonnanz dienen mußte, kennt diese unreifen Kindsköpfe Marke Dr. Uwe Barschel. Besonders deutlich wird der systematische Wahnsinn dieser Idioten in Ländern, die nicht so zusammengestaucht wurden wie Deutschland, z.B. Frankreich. Das Moruroa-Atoll wurde für die lächerlichen Großmachtambitionen kleiner Napoleons verseucht. Von den Sauereien in der ehemaligen Sowjetunion braucht man gar nicht erst reden. In den folgenden Jahrtausenden haben wir Zeit genug, uns mit den etwa 120 Tonnen Plutonium auseinanderzusetzen, die die Sowjets innerhalb von 40 Jahren unter katastrophalen Sicherheitsbedingungen erbrütet haben. In Dutzenden von meist sowjetischen Atomsonden kreisen aus Gewichtsgründen vollkommen ungeschützte 1500 Kilo Atommüll um die Erde. Seit 1945 gab es weltweit über 1200 Nuklear-Tests. Wozu?! In den USA gibt es Tausende von Quadratkilometern, die zu „national sacrificed zones“ erklärt wurden; Gebiete, die so radioaktiv verseucht sind, daß sie praktisch auf ewig abgesperrt und bewacht werden müssen. Der Atomkrieg hat bereits stattgefunden – und das eigene Land war das Ziel! (Ungefähr wie die heutigen sogenannten „Rußland-Sanktionen“, die uns schaden und sonst niemandem.)

Die Atomskandale in der USA (z.B. Hanford), der ehemaligen UdSSR und schließlich Japan zeigen, wie bestimmte Regierungskreise unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit (Kalter Krieg, Energieversorgung) sich zu einer regelrechten Mafia entwickelt haben. Nur im Krieg war ja z.B. auch der Holocaust möglich – man denke im Vergleich nur an die zeitgleiche Internierung von japanisch-stämmigen Amerikanern in den USA. Am Ende seiner Präsidentschaft warnte Eisenhower vor dem militärisch-industriellen Komplex, der sich jeder Kontrolle entziehe. Aktuell geht es um die Biolabore in der Ukraine, die der „böse“ Putin unschädlich macht…

Die Konföderierten-Flagge ist nicht in jedem Fall ein Symbol „des Bösen“, genausowenig wie die Flagge der Ukraine, die überall gehißt wird, zwangsläufig ein Symbol „des Guten“ ist. Das Wirkliche spielt sich im Hintergrund ab – die wirkliche Tragödie hat Reich im Motto dieses Artikels beschrieben.

Abschließende schaue man sich bitte diesen Film an! Einen fast identischen Film hätten im 19. Jahrhundert die Konföderierten machen können…

Zum Gedenken an James DeMeo (14.1.1949 – 3.4.2022): Die „Saharasia-Theorie“ (Teil 5)

14. April 2022

Der Geograph und Anarchist Pjotr Kropotkin (1842-1921) war in vieler Hinsicht ein Vorläufer James DeMeos und seiner Saharasia-Theorie. Ich verweise auf den Artikel von Mike Davis: „Klimapioniere – Von Eiszeiten, Wassermangel und Wüstenzonen“, wo ich auch den Hinweis auf Ruskin gefunden habe.

Kropotkin war der erste, der in den 1870er Jahren die Vorstellung aufbrachte,

daß die 14 000 Jahre seit dem letzteiszeitlichen Maximum eine Epoche anhaltender, katastrophischer Austrocknung der Kontinentalgebiete seien. Diese Theorie – man könnte sie die „alte klimatische Deutung der Geschichte“ nennen – war zu Beginn des 20. Jahrhunderts äußerst einflußreich, verlor aber in den 1940er Jahren mit dem Aufkommen der dynamischen Meteorologie und deren Unterstellung eines sich selbst justierenden physikalischen Gleichgewichts rasch an Bedeutung.

Es ging dabei insbesondere um die These von der Austrocknung seit der letzten Eiszeit als Triebkraft der eurasischen Geschichte. Danach waren Ostturkestan und das Kernland der Mongolei einst wasserreich und „kulturell fortgeschritten“. Davis zitiert Kropotkin:

All das ist nun verschwunden, und es muß die schnelle Austrocknung dieser Gebiete gewesen sein, die ihre Einwohner nötigte, hinunter zur Dsungarischen Pforte, ins Tiefland von Balqasch und Obi zu wandern und dabei die Einwohner der Niederungen vor sich herzutreiben, was die großen Einfälle und Völkerwanderungen in Europa während der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung bewirkt hat.

Man vermeint DeMeo zu lesen, während der nächste Russe sozusagen das Negativ von Kropotkin ist:

Lew Gumiljow (1912-1992), ein sowjetischer Historiker, Ethnologe und Anthropologe prägt seit der Endzeit der Sowjetunion den antiwestlichen, „eurasischen“ Diskurs sowohl der rechtsradikalen Kreise in Rußland als auch bei den russischen Randvölkern, den von Gumiljow glorifizierten „Steppenvölkern“. Das ganze bezeichnet man als „Neo-Eurasianismus“. Gumiljow ist sozusagen der „Karl Haushofer“ eines neuen Nationalsozialismus.

In den 1950er Jahren begann Gumiljow sich mit der Geschichte der Kazaren und anderer Steppenvölker im mittelasiatischen Teil der Sowjetunion zu beschäftigen. Für ihn stellen die Russen im Verbund mit den Steppenvölkern eine „Großethnie“ dar, die sich immer wieder gegen den Hauptfeind, die Großethnie „katholisches Europa“, zur Wehr setzen mußte. Die Steppenvölker hätten dabei der gemeinsamen Mission wiederholt neue Kampfkraft beigesteuert, nachdem die Russen jeweils der Trägheit verfallen waren.

Die in einzelnen Erscheinungen vielleicht bedauerliche, in ihrer Gesamtheit jedoch fruchttragende Migration aus den südlichen Steppengebieten sei von Trockenperioden und der Wüstenausbreitung bestimmt gewesen, die wiederum auf die Sonnenaktivität und andere kosmische Einflüsse zurückgingen. Die „kosmischen Strahlen“ hätten diesen Völkern gleichzeitig auch „passionarnost“ verliehen; die Passion, Energie, Vitalität, den inneren Impetus, um andere Völker zu übermannen. Diese Strahlen seien vielleicht sogar für Mutationen und das Auftreten neuer „Rassen“ verantwortlich.

Im Rückgriff auf u.a. Wladimir Wernadski sind für Gumiljow Menschen „Funktionen“ der Biosphäre. Die Ethnien seien nicht nur eine Ansammlung von Individuen, sondern Teil umfassender „biogeochemischer“ Prozesse. Sie wären dem Zweiten Thermodynamischen Gesetz unterworden, der zum Energieausgleich und Stillstand führt, gäbe es nicht Phänomene gleicher Stärke, die dem entgegenwirkten. Die lebendige Materie besäße anti-entropische Eigenschaften. Diese Energie sei genauso real wie jene, die von den Physikern studiert wird.

Sie bringt die Organismen dazu sich zu entfalten und zu vermehren. Dazu zählten auch die Menschen und Völker. Ausgelöst durch die bereits erwähnten „kosmischen Strahlungen“, die bestimmte Abschnitte der Erdoberfläche unabhängig von geographischen Barrieren träfen, würde es zu „passionierten“ Eruptionen und Exzessen bei den Völkern kommen, mit deren Hilfe sie die akkumulierte Energie wieder entladen. Dies erkläre warum mächtige Eroberer schnell wieder in Vergessenheit geraten. Ihr „Erschlaffen“ ist nur allzu natürlich.

Die entsprechenden energetischen Prozesse führen gesetzmäßig nacheinander zum Aufstieg einer Ethnie, ihrer Entwicklung, dem imperialen Höhepunkt, gefolgt von Trägheit, Rückzug und Erinnerung an die glorreichen Zeiten. Beim Aufwallen der nationalen Passion und ihrer „orgasmischen“ Entladung komme es zu den großen Eroberungen. So sah Gumiljow beispielsweise das derzeitige Verhältnis zwischen dem trägen Europa und dem von nationaler Passion getriebenen Arabien.

James DeMeo verweist in seinem Buch Saharasia zwar auf Gumiljows Forschungen über die Auswirkungen von Dürreperioden in Zentralasien auf die Wanderungsbewegungen der Steppenvölker, erwähnt jedoch weder die quasi „orgonomischen“ Anteile von dessen Theorie noch, daß Gumiljow sozusagen eine „faschistische Variante der Saharasia-Theorie“ vertritt. Geradezu zwangsläufig muß dieser „Anti-DeMeo“ im Antisemitismus münden: Für ihn stehen die Juden außerhalb der beschriebenen energetischen Prozesse. Sie seien ein merkantiler Fremdkörper, der in keiner organischen Beziehung zu seiner Umwelt steht.

Um das richtig einordnen zu können, verweise ich auf meine Ausführungen in Der Blaue Faschismus, wo gezeigt wird, daß der Nationalsozialismus auf ähnlichen quasi „orgonomischen“ Theorien beruht.

Bleiben wir auf dem eurasischen Kontinent: David Zhang (University of Hong Kong) et al. haben bei der Analyse von Klimadaten und historischen Aufzeichnungen entdeckt, daß es im Osten des chinesischen Kaiserreichs im vergangenen Jahrtausend immer dann gehäuft zu kriegerischen Auseinandersetzungen gekommen ist, wenn in diesem Zeitraum das Klima besonders kalt war. Im ganzen traten sechs große Kältephasen auf, die mit Perioden zusammenfielen, in denen es gehäuft zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Die Wissenschaftler führen das auf die verringerten landwirtschaftlichen Erträge zurück. Die Kriege brachen meist etwa zehn bis dreißig Jahre nach Beginn der jeweiligen Klimaperiode aus. Die Forscher weisen auch darauf hin, daß der Dreißigjährige Krieg und andere Krisen in Europa und Asien mit dem Höhepunkt der „kleinen Eiszeit“ zusammenfallen.

Das ist eine weitere Bestätigung für einen zentralen Aspekt von James DeMeos Saharasiatheorie: lebenswidrige Umwelteinflüsse führen zu lebenswidrigem Verhalten. (Übrigens stehen wir gegenwärtig am Beginn einer neuen kleinen Eiszeit!)

Einer Studie von Richard Neugebauer von der Columbia Universität in New York zufolge erhöht eine mangelhafte Nährstoffversorgung im Mutterleib das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken, deutlich. Beim Vergleich von klinischen Daten zwischen 1971 und 2001 von Patienten die vor, während und nach einer extremen Hungersnot Mitte des 20. Jahrhunderts in China zur Welt gekommen waren, wurde festgestellt, daß sich bei jenen, die während der Hungerperiode geboren wurden, das Risiko für Schizophrenie verdoppelt hatte.

Die Forscher fragen sich, ob der generelle Nährstoffmangel oder das Fehlen eines bestimmten Stoffes während der Schwangerschaft das auslösende Moment ist. Bezeichnenderweise wird nicht gefragt, ob auch der Umgang mit den Kindern unter dieser extremen Streßsituation eine Rolle spielt. Jedenfalls bestätigt diese Studie aufs neue James DeMeos Saharasia-These: daß Panzerung ursächlich auf Wüstenbildung (oder in diesem speziellen Fall auf die soziale Ver-Wüstung durch den Kommunismus) zurückgeht.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 3. Reich und die Juden / Antijudaismus

12. April 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 3. Reich und die Juden / Antijudaismus

Wilhelm Reich und die Ukraine

1. April 2022

Reich wurde in einem Gebiet geboren und ist aufgewachsen, das heute zum westlichsten Teil der Ukraine gehört. Die Einzelheiten kann man auf der Website https://www.wilhelmrei.ch/ nachlesen.

Nach dem Ersten Weltkrieg stand das Deutsche Reich ständig am Rande des Bürgerkrieges, während sich die Sowjetunion aus einem blutigen Bürgerkrieg herausschälte. Man war alles andere als geborene Freunde, denn die Komintern tat alles, um einen blutigen Bürgerkrieg in Deutschland zu befeuern, und die Deutschen standen auf Seiten der Weißen; eine Unterstützung, die von den Sozialdemokraten bis zum rechten Rand des politischen Spektrums reichte. Außerdem hatten die Deutschen mit der Sowjetunion noch ein Hühnchen zu rupfen, denn die hatte alles getan, um ihren vertraglichen Verpflichtungen von Brest-Litowsk nicht nachzukommen, womit sie gewichtig zur wirklich „ungerechten“ deutschen Niederlage im Weltkrieg beigetragen hatte. Aber was mehr zählte als Ideologie und Gefühle war die geostrategische Lage der beiden Nationen, die zu diesem Zeitpunkt gemeinsam die absoluten Parias der Weltpolitik waren. Buchstäblich der Abschaum der damaligen Menschheit, sahen sich die Reichswehr (in Gestalt der Freikorps die Schlächter der Roten in Deutschland) und die Rote Armee (die Schlächter der Weißen in Rußland) gezwungen eng miteinander zu kooperieren. Die Russen profitierten von der Expertise und Technik der Deutschen, während die Deutschen in den Weiten Rußlands frei von der Kontrolle der Entente Manöver abhalten und sogar Waffen produzieren und testen konnten.

Die Periode der Unsicherheit endete in beiden Ländern etwa 1923. In diesem Jahr scheiterte Hitlers Marsch nach Berlin, er kam in Haft und wurde dort über Rudolf Heß mit den Ideen Karl Haushofers, Professor für Geopolitik, bekannt gemacht: die Zukunft Deutschlands läge in den unermeßlichen Weiten Eurasiens („Lebensraum im Osten“). Nach der Machtergreifung Hitlers 10 Jahre später wurde die bereits auslaufende Zusammenarbeit mit der Roten Armee aus ideologischen Gründen endgültig gestoppt und Hitler bereitete sich auf einen kolonialen Eroberungskrieg gegen „die Slawen“ vor. Dieser begann denn auch nach einem genauso kurzen wie absurden Intermezzo: der Renaissance der deutsch-sowjetischen Freundschaft im Hitler-Stalin-Pakt. Im Gegensatz zu seinen Generälen, die auf das Machtzentrum Moskau konzentriert waren, richtete sich Hitlers eigentliches Augenmerk auf die Ukraine als Kornkammer und in jeder Hinsicht „westlichster“ Teil der Sowjetunion. Tatsächlich stand diese dank des Verlustes der Ukraine knapp vor dem Kollaps, vor dem sie nur die Unterstützung durch die USA gerettet hat.

Nach dem Krieg taten die USA alles, um eine Allianz zwischen Bonn bzw. Berlin und der Sowjetunion bzw. Rußland zu verhindern. Das war natürlich anfangs alles durch Kommunismus und Kalten Krieg überlagert, tritt aber jetzt aktuell klarer denn je zutage. Biden riskiert eher einen Dritten Weltkrieg, wieder mit Deutschland im Zentrum, als es zuzulassen, daß ein neues Machtzentrum entsteht: Deutschland und seine Expertise in enger Allianz mit Rußland, d.h. mit freiem Zugriff auf die unendlichen Weiten Nord- und Zentraleurasiens.

Dieser geopolitische Zentralkonflikt des Planeten hat Reichs Leben bestimmt. Man denke nur an das Berlin Anfang der 1930er Jahre. Nachdem sich Moskau mit dem endgültigen Sieg Stalins über Trotzki als Zentrum des Weltkommunismus fest etabliert hatte, war es nicht im Interesse der KPdSU, daß die Kommunisten in Berlin an die Macht kamen. Alles wurde getan, um einen Erfolg der KPD unmöglich zu machen, denn über kurz oder lang wäre die Führungsrolle von Moskau und den Russen nach Berlin und den Deutschen übergegangen. Hingegen bot ein Hitler an der Macht Stalin die Möglichkeit schließlich ganz Europa mit der Roten Armee von der „faschistischen Barbarei“ zu befreien, d.h. im Endeffekt ein großrussisches Reich zu errichten.

Das oben Umrissene ist m.E. der „materialistische“ Kern der gegenwärtigen Ukraine-Krise. Es geht um materielle Interessen. Das Fressen steht immer am Anfang, vor jedweder Ideologie, jeder Sexualität, etc. Reichs Entdeckung war, daß die in den Massen Struktur gewordene Sexualunterdrückung das Unmögliche schafft, nämlich, daß diese schließlich gegen ihre eigenen Interessen, letztendlich gegen ihre „Freßinteressen“ handeln und den Stalins und Hitlers dieser Welt die Macht über sich geben. Das sieht man sehr schön an den heutigen seelenverkrüppelten Deutschen, die in ihrer überwiegenden Mehrheit sich gegen Putin und Rußland mobilisieren lassen und für einen durch und durch korrupten Mafiastaat wie die Ukraine BUCHSTÄBLICH hungern und frieren wollen, statt im Verein mit Rußland und mit dem Goldrubel in eine sichere, satte und warme Zukunft voranzuschreiten.

Und Gemach, ich mache mir über Putins Charakter und den russischen Faschismus keinerlei Illusionen, auch nicht über die „saharasische“ Natur von „Rußland an sich“. Aber ich will nicht „die Welt retten“, sondern frage mich, was im DEUTSCHEN Interesse ist. Was jedenfalls nicht im deutschen Interesse ist, ist die Aufnahme von Millionen von Afroukrainern und die weitere Zersetzung der Reste der deutschen Kultur durch die politisch korrekte trans Jaucheflut aus dem Westen.

Niemand kann aus seiner Haut heraus: Zar Wladimir

25. März 2022


Vom roten zum schwarzen Faschismus.

Ein weiteres Beispiel für den ideologischen Krieg der Linken gegen Amerika

Die Ukraine und die „emotionale Pest“

11. März 2022

Ich möchte hier den Begriff „Emotionelle Pest“ wörtlich nehmen: als Pest der Gefühlsduselei. Auf diese Weise haben etwa die Propagandisten der Sowjetunion irgendwelche sibirischen Bauernsöhne in die Maschinengewehrsalven der Deutschen getrieben und umgekehrt Goebbels in Deutschland: der „heilige vaterländische Krieg“ in den man „wie in einen Gottesdienst geht“. Der Gegner ist ein entmenschter Dämon, der aus perversem Vergnügen Frauen und Kinder massakriert, während unsere Sache edel und selbstlos ist. Der Verstand wird ausgeschaltet, ständig auf die Tränendrüsen gedrückt und alles getan, damit einem vor unbändiger Wut die Galle überkocht.

Diese Form der Emotionellen Pest, die „emotionale Pest“, ist besonders perfide und effektiv, weil die, die bei Verstand bleiben und versuchen objektiv zu bleiben und nüchtern die eigenen Interessen abzuwägen, als herzlos, berechnend und, ja, als „pestilent“ dastehen. „Die Russen bombardieren Krankenhäuser, während du nichts besseres zu tun hast, als dir über die Gas- und Benzinpreise Sorgen zu machen!“

Darauf kann ich nur antworten, daß bei einem Kollaps der Weltwirtschaft, wenn nicht sogar einem Atomkrieg zig Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen krepieren werden, während du dich selbst beweihräucherst und deinen vermeintlich edlen Gefühlen frönst.

Man muß ein kindliches, will sagen antiautoritäres Gemüt wie Annalena Baerbock haben, um für eine bloße Gefühlslage die Zukunft einer ganzen Nation zu opfern. Und wir hatten eine ähnliche Situation schon mal, als wir im Überschwang der Gefühle Millionen von gefährlichen Parasiten ins Land holten.

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Die Offenbarung (5,1-22,21)

8. März 2022

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist dieemotionellepest.jpg

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 1. Die Apokalypse / Die Offenbarung (5,1-22,21)