Über die genitale Selbstbefriedigung der KINDER DER ZUKUNFT

Das Kapitel „Über die Onanie im Kindesalter“, so jedenfalls die ursprüngliche Überschrift des 1927 verfaßten Aufsatzes, der 1928 in der Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik erschienen ist, wurde 1950 im Orgone Energy Bulletin in amerikanischer Übersetzung erneut veröffentlicht. Mit einem Vorwort („Editorial note“), einer einzigen Korrektur im Text (im ersten Satz des Aufsatzes wurde „Analysanden“ in „Patienten“ umgeändert) und drei zusätzlichen Fußnoten. 1983 wurden in Children of the Future zwar die Fußnoten übernommen und die besagte Korrektur, aber nicht das Vorwort. Auf welchem Planeten in diesem Universum würde ein Herausgeber es wagen sowas zu unterschlagen und nicht mal auf die Veröffentlichung im Orgone Energy Bulletin hinzuweisen? Übrigens hat sich Reich etwas dabei gedacht, als er dort dem Aufsatz den Titel gab: „About Genital Self-satisfaction in Children“!

Was steht im unterschlagenen sehr langen Vorwort? Der wissenschaftliche Fortschritt sei sehr langsam, was sich nicht zuletzt bei der Haltung zur Genitalität des Kleinkindes zeigte. In den USA hätte es um das Jahr 1945 eine abrupte Wende zum Besseren gegeben. Reich verweist in diesem Zusammenhang auf seine Veröffentlichungen in den USA seit 1942 und auf seinen Aufsatz von 1928, in dem erstmals in der Geschichte von Medizin, Psychiatrie und Psychologie die kleinkindliche genitale Sexualitat nicht nur toleriert, sondern bejaht und das Kind darin bestärkt wurde: das FEHLEN von kleinkindlicher genitaler Selbstbefriedigung stelle eine pathologische Abnormität da, das FEHLEN von kleinkindlicher genitaler Selbstbefriedigung sei prognostisch negativ zu bewerten, was die zukünftige seelische Gesundheit betrifft. Bis zu Reichs Auftreten wurde die infantile Genitalität als pathologisch, unmoralisch, sündhaft, böse, schlecht und gesundheitsschädlich betrachtet. Reichs dazu konträre in der Weltgeschichte erstmalige Auffassung brauchte danach 20 Jahre, um sich in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Mit anderen Worten: Reich stellt seinen Aufsatz in den wissenschafts- und gesellschaftsgeschichtlichen Zusammenhang.

Im Buch folgt auf den Aufsatz von 1928 das „Gespräch mit einer vernünftigen Mutter“ von 1936, das sich ebenfalls um die kindliche Selbstbefriedigung dreht. Warum 2018 der Übersetzer von Kinder der Zukunft ein „Interview“, das ausschließlich aus gesprochenem Wort besteht, jeweils von neuem in Anführungszeichen setzt, die kennzeichnen sollen, daß es sich um gesprochenes Wort handelt, gehört zu den Absurditäten dieser Ausgabe.

Weitere Absurditäten: Das Interview erschien 1936 erstmals in der Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie. Hier ist es der Wortwechsel zwischen „Mutter“ und „Arzt“. Raphael und Higgins haben das 1983, wie ich finde sehr unpassend, in „Mutter“ und „Reich“ abgewandelt. Das Buch ist doch schließlich von Wilhelm Reich… Ich meine, was ist denn das für ein Stil! Und vor allem: niemand hat das Recht am Reichschen Text auch nur ein Komma zu ändern! Auch der Text selbst wurde verändert, beispielsweise wurde aus „Mutter: Das Kind ist nicht so gleichmäßig ruhig…“ (1936) der Satz „Mutter: Meine Tochter ist nicht so gleichmäßig ruhig…“ (1983). Oder etwa: „Das Kind entwickelt nun zunächst nicht etwa die Lust am Zurückhalten, sondern Angst vor dem Herauslassen des Kotes.“ So lautet der Text im Original und in Kinder der Zukunft (S. 145f), doch in Children of the Future haben Higgins und Raphael beim Komma aus eigener Machtvollkommenheit hinzugefügt „as psychoanalysts claim“. Das ist eine Verbesserung des Textes, der so klarer und unmißverständlicher wird, aber… Wenn Herausgeber in den Texten ihrer verstorbenen Autoren herum schmieren… – das ist geradezu Urkundenfälschung.

Das Ende des Interviews, so wie es in Zeitschrift für politische Psychologie und Sexualökonomie abgedruckt ist, lautet: „Auf Wiedersehen!“ In Children of the Future und Kinder der Zukunft wurde das einfach gestrichen! Wenn man das Gespräch liest, hat dieses „Auf Wiedersehen!“ eine Funktion, denn es ist von weiteren möglichen Treffen die Rede. Mal abgesehen, daß man nicht im Reichschen Text einfach so Passagen streichen kann!

Den Vogel abgeschossen hat aber folgende unerklärliche Abfolge. Im Original von 1936 lautet der Satz:

Sie dürfen doch nicht eine Liebesaffäre des Kindes deshalb als unernst oder harmlos hinstellen, weil das Kind gleichzeitig Genitalangst hat.

In der Übersetzung von 1983 wurde „oder harmlos“ gestrichen…

You should not treat the child’s love affair as trivial, just because she is troubled by genital anxiety.

…um dann 2018 auf mir unerklärliche Weise zurückzukehren:

Sie sollten eine Liebesaffäre eines Kindes nicht deshalb als unernst oder harmlos hinstellen, weil das Kind gleichzeitig Genitalangst hat.

Eine Rückübersetzung kann es ja nicht sein, denn wie soll aus „as trivial“ wieder exakt „unernst oder harmlos“ werden? Eine Übernahme des Originals von 1936 kann es aber auch nicht sein, denn es wäre nicht nachvollziehbar, wie dann aus „Sie dürfen…“ ein „Sie sollten…“ hätte werden können. Mir wird unheimlich!

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3 Antworten to “Über die genitale Selbstbefriedigung der KINDER DER ZUKUNFT”

  1. Peter Nasselstein Says:

    http://www.breitbart.com/tech/2018/03/05/sex-doll-manufacturer-sex-robots-would-be-better-for-kids-than-pornography/

  2. O. Says:

    Sieht ja so aus, als wäre das Original von 1936 doch bekannt, da der Satz fast identisch ist.

  3. Abrasax Says:

    Der Text ist unglaublich. Prüde bin ich nicht und ich halte sehr viel aus. Das – was da oben geboten wird, das jedenfalls ist unerträglich. Die Quelle von dieser Art krankhafter bis ultra-krankhafter Weltanschauung erforsche ich nun schon einige Jahre. Und ich muß sagen, das was am Anfang nur wie eine Art fast unsichtbarer Dunst, wie ein ganz feiner Schleier zu erahnen war, ist mir seit einiger Zeit klar erkennbar geworden.

    Die pandemieartig krankhaften Ausdünstungen dieser ultra-krankhaften Kultur-Quelle zerstören nun mehr und mehr das, was unsere Ahnen in ganz Europa durch harte Arbeit aufgebaut haben und was viel Blut gekostet hat. Es muß auch verstanden werden, von welchem Stamm der aktuelle Pontifex Maximus stammt, dann wird die Absicht von dessen Projekten in ein klareres Verständnis gerückt.

    Ich kann mittlerweile auch die Reaktionsmuster der meisten Menschen ganz gut verstehen, wenn man über gewisse Dinge spricht. Die meisten Menschen sind einfach gar nicht in der Lage, eigenständig zu denken. Seit vielen Generationen hat man ihnen ein Herden-Bewußtsein antrainiert und das ist in ein kollektives Bewußtsein eingeflossen. Auch hier sind die Quellen ganz klar erkennbar und es bedarf nur eines freien Denkvermögens all das zu erkennen. In den Schulen lernt das niemand. Wer sich auf dem Stoff der Schulen ausruht, der wird niemals ein freier Mensch sein oder werden und wird niemals verstehen, was wir gerade am verlieren sind.

    Im Moment schaut es so aus, als ob bereits alles verloren ist.

    Die meisten Menschen kennen nur das Hamsterrad in das sie hineingesetzt wurden und dort kommen sie ihren angeblichen Pflichten nach, die man ihnen zugewiesen hat. Und wer muckt, der wird drangsaliert.

    Und man hat die Herde so bestellt, daß sie sich selbst erzieht.
    Zum ersten Mal hatte ich dieses Selbsterziehungssystem beim Militär kennengelernt. Aber dieses System durchdringt alles.

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