Die Rechtschreibreform im Lichte des orgonomischen Funktionalismus

Alexander Solschenizyn hat dargelegt, wie die sehr reiche russische Sprache, die Sprache Tolstois und Dostojewskis, nach dem Roten Oktober immer ärmer und undifferenzierter wurde. Außerdem wurde sie systematisch „brutalisiert“, d.h. im Rahmen des „sich verschärfenden Klassenkampfes“ wurde der sprachliche Ausdruck von Mitleid, Rücksicht und Anteilnahme richtiggehend tabuisiert. Entsprechende Wörter erhielten eine negative Konnotation oder verschwanden praktisch ganz. Man muß unwillkürlich an die „Sprache des Unmenschen“ in Hitlers, Streichers und Goebbels‘ Deutschland denken. Die Menschen sollten nicht mehr ungepanzert („weit“) fühlen, sondern nur noch auf eine gepanzerte („enge“) Weise.

Heute beobachtet man zunächst einmal das Gegenteil, d.h. im Zuge der politischen Korrektheit, werden eindeutige Aussagen zunehmend tabuisiert, da sie zu „brutal“ sind. Man ist vorsichtig im Ausdruck, will sich, so als sei man „Wissenschaftler“, nicht „voreilig festlegen“ und seit Jahrzehnten triumphiert das Konjunktiv: „Ich würde sagen…“. Wobei man sogleich anfügen muß, daß im Rahmen der allgemeinen Verblödung durch die Rechtschreibreform, Ausdrucksweisen wie der Konjunktiv ähnlich wie im Englischen wohl bald verschwunden sein werden oder zumindest an Eindeutigkeit verlieren.

Ohnehin können heutige Schüler kaum noch den tiefgehenden Unterschied zwischen dem so gar nicht gemeinten „Das ganze funktioniert nicht!“ und dem grundsätzlichen „Das Ganze funktioniert nicht!“erfassen oder etwa zwischen „Er hat recht!“ und „Er hat (das) Recht (auf seiner Seite)!“ Mit anderen Worten können sie nicht mehr funktionell denken, d.h. in Begriffen des Verhältnisses des Teils zum Ganzen. Die sozialistischen Sozialingenieure und die mit ihnen verbündeten Großkapitalisten („Bertelsmann-Stiftung“) können keine Eigendenker gebrauchen. Wer so einen SCHWACHSINN eingetrichtert bekommt wie „Es tut mir sehr Leid!“ (statt „Es tut mir sehr leid!“) muß jedes Gefühl für funktionelle Zusammenhänge verlieren.

Über die obigen Beispiele kann man diskutieren, zumal ich selbst den Überblick darüber verloren habe, was denn nun nach den aktuell geltenden Regeln richtig oder falsch ist oder ob es offiziell eh egal ist. Aber genau das verweist auf das eigentliche Problem: dieser Staat ist zutiefst „verwirrt“ und handlungsunfähig. Aus tiefenpsychologischer Sicht repräsentiert er die Eltern und die versetzen in dieser antiautoritären Ära ihre Kinder in tiefe Verunsicherung, da keine klaren Botschaften und Grenzen gesetzt werden; in den Kindern ein diffuses Gefühl von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit verankert wird, zumal es zu unvorhersehbaren und manchmal brutalen und denkbar ungerechten Sanktionen kommt, wenn die Eltern den Kontrollverlust unvermittelt eindämmen müssen.

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11 Antworten to “Die Rechtschreibreform im Lichte des orgonomischen Funktionalismus”

  1. claus Says:

    Tut mir leid. Kann ich nicht nachvollziehen.
    „‚Das Ganze funktioniert nicht!‘ erfassen oder etwa zwischen ‚Er hat recht!‘ und „Er hat (das) Recht (auf seiner Seite)!“ Mit anderen Worten können sie nicht mehr funktionell denken, d.h. in Begriffen des Verhältnisses des Teils zum Ganzen.“
    Ob ich „ganze“ groß oder klein schreibe, ist fürs Verständnis egal.
    Ich habe bei der Rechtschreibreformkritik oft den Eindruck, dass es nur ums Opponieren geht.

    Ein wirkliches Ärgernis ist, dass v.a. Journaille sie nicht anwenden kann: Regelmäßig findet man in Zeitungen Auseinanderschreibungen wie „netter Weise“. Die glauben nun, man müsse ‚alles‘ auseinanderschreiben. („auseinanderschreiben“ musste ich eben nachschlagen.) Das betrifft ganz besonders Adjektiv-Verb-Verbindungen wie „kurzfassen“. Meines Wissens war die (plausible) Regel, dass getrennt geschrieben wird, wenn das Adjektiv steigerbar ist. Journalisten schreiben nun oft alles auseinander.

    • Peter Nasselstein Says:

      Sprache und Rechtschreibung funktionieren im Alltag nicht nach Regeln, sondern nach dem Sprachgefühl – und das wurde durch die Rechtschreibreform SYSTEMATISCH zerstört.

      • claus Says:

        Die Reform kommt in mancherlei Hinsicht der Intuition entgegen. Ich habe früher manches nach alten Regeln falsch geschrieben, was heute richtig ist. Die Regeln einer Grammatik beanspruchen normalerweise, vom Gefühl auszugehen und darauf aufbauend Regeln zu formulieren.

      • claus Says:

        Ausführlicher:
        Natürlich strebt man nicht für jeden als ok empfundenen Ausdruck je eine Regel an, sondern: Möglichst wenig Regeln sollen es erlauben, für möglichst alle Ausdrücke des Deutschen zu begründen, dass sie ok sind (Generativität). Das Gefühl, dass ein Ausdruck ok ist, ist in der Tat immer der Ausgangspunkt. Zudem sollen alle Ausdrücke, die man mit einer Grammatik bilden kann, ok sein. So das Ziel einer nützlichen Grammatik.
        Soll die Alternative so aussehen? Der gesunde Mensch entscheidet für einen Ausdruck, ob er ok ist oder nicht. Wenn man sich nicht sicher ist, muss man gesünder werden. Ich frage mich oft, was ein Konzept „Gesundheit“ jeweils leisten soll.
        Bei der Rechtschreibung geht es zwar nicht darum, was Grammatik allgemein leisten soll. Aber sie setzt grammatische Regen voraus. Man kann das wohl nur an Beispielen diskutieren.

  2. Peter Nasselstein Says:

    Hier das ganze Problem nochmals aus einer etwas anderen Perspektive:

    http://www.pi-news.net/2018/07/der-kanaksprech-deutschland-im-gaga-rausch/

  3. Abrasax Says:

    @Peter Nasselstein trifft mit seinem Beitrag zur Nutzung der Deutschen Sprache, den Nagel absolut perfekt auf den Kopf und es ist noch sehr viel schlimmer als er es beschreibt.

    Durch einen glücklichen Zufall habe ich vor einigen Jahren am Arbeitsplatz einen Kollegen in unser Zimmer bekommen, der mich sofort anschnauzte, wenn ich eine falsche Grammatik benutzte. Nun, das tue ich wahrscheinlich in seinen Ohren immer noch, da bayersiche Grammatik etwas anders funktioniert als preussische. Allerdings bin ich durch diese Besserwisserei sehr aufmerksam geworden, genauer zu untersuchen, was ein Wort das ich benutze wirklich bedeutet.

    Mir ist dann, im Gegensatz zu früher, schnell aufgefallen, wie schlampig wir unseren Deutschen Wortschatz gebrauchen und dadurch sogar mißbrauchen, was katastrophale Folgen haben kann. Es ist höchst erstaunlich, wie verdreht wir unseren Wortschatz oft benutzen. Dies hat natürlich sofort eine Wirkung auf unser Tun. Und es ist bei gesteigerter Aufmerksamkeit relativ schnell erkennbar, daß wir oft zu 180° falsch leben.

    Die Deutsche Sprache in der Sprachmelodie mag brutal, gemein, quadratisch, langweilig, schwerfällig klingen, aber der innere Gehalt, die innere Struktur, die inneren Zusammenhänge dieser Deutschen Sprache sind absolut genial und absolut faszinierend.

    Soeben habe ich ein 900 Seiten langes Buch in Englischer Sprache lesen müssen und ich habe mich oft darüber geärgert, wie seltsam diese Sprache gestaltet ist. Für mich als Deutschen erschließt sich die innere Struktur der Englischen Sprache überhaupt nicht. Die Englische Sprache ist für mich stumpf bis stumpfsinnig und naiv bis kindlich.

    Die Deutsche Sprache dagegen ist für mich wie ein allerfeinst abgestimmtes Uhrwerk mit zehntausenden von allergenauestens zusammenarbeitenden Zahnrädern und Zahnrädchen. Was müssen das für großartige Menschen gewesen sein, die zur Entwicklung dieses hervorragenden Sprachbildes beigetragen haben. Dankeschön vielmals! Die Deutsche Sprache ist etwas, was wie eine meisterhafte technische Ingenieursleistung vorliegt. Mir fehlt an dieser Deutschen IngenieursSprache aber das Lebendige, das fein ziselierte Abbild des harmonisch Lebendigen. Das Erdige und Kraftvolle des natürlichen Planetenleben finde ich gewöhnlich in den alten nordischen Sprachen. Das Lebendige, Emporstrebende, innwendig Glühende empfinde ich im Chinesischen und im Japanischen.

    Meiner Überzeugung nach ist es möglich, einen Menschen zu lesen, wenn man ihm aufmerksam zuhört, wie er seine Muttersprache nutzt. Ein Mensch, der spricht malt automatisch eine Art Bild von und über sich selbst. Hier kann absolut nichts verheimlicht werden, habe ich festgestellt. Selbst künstliche Verstellungen brechen schnell in sich zusammen, da der illusionären Schönheit die heilige Harmonie fehlt. Echte Schönheit kann zwar als Maske kopiert werden, wirkt aber sofort leblos und kraftlos. Hier ist keine Manipulation möglich. Es ist sogar möglich, einen Menschen dort zu lesen, wo er schweigt. Denn wie ein berühmter Jazz-Musiker einmal erklärte, ist die Pause ein enorm wichtiger Bestandteil der Musik. Und so habe ich gelernt, das Nicht-Gesagte und Beschwiegene zu Hören. Verstellungen von Menschen brechen so schnell in sich zusammen.

    Die Medien sind für die Bevölkerung in der Regel die erste Anlaufstelle dafür, wo man sich sprachlich anregen lässt. Wir wissen wer die Medien in seiner Fuchtel hält und kontrolliert. Das heute von der Presse verwendete Sprachbild ist eine mutwillige Entartung der Natur und des Natürlichen. Das ist kein Zufall, kein Versehen, kein Unfall, das ist genau so gewollt. Die großen Kapitalgeber finanzieren die Entwicklung von Computer-MordSpielen, welche die Entstehung von Süchten begünstigen. Die Menschen sagen, das Spielen würde sie innerlich nicht zu schlechten Menschen machen. Aber, so entgegne ich, wie tief innerlich muß einen Menschen etwas bewegen, damit sich Sucht entwickeln kann.

    Eine Kriegs-Taktik von intelligenten Feinden bestand immer darin, das innere Leben einer Kultur die man entfernen will, auf alle mögliche Art und Weise zu manipulieren, zu unterwandern, zu beschädigen, in den Schmutz zu zerren und schließlich auszuradieren.

    Es existiert ein höchst energischer Wille, das Deutsche Volk und die Deutsche Kultur auszuradieren. Die zehn Gebote enthalten das Gesetz: „Du sollst nicht töten“. Es ist eine Sache, einen Menschen durch den Gebrauch einer materiellen Waffe zu ermorden. Es ist die gleiche, jedoch viel potentere und intelligentere Sache, einen Menschen durch den Gebrauch eines Wortes zu vernichten. Das Wort kann eine sehr viel tödlichere Waffe sein, als es das schärfste Schwert aus Stahl je sein könnte. Sogar ein Gedanke ist eine Kraft.

    Niemand soll glauben, er könne durch die Vermeidung von Stahl/Explosions-Waffen aber der Nutzung von geistig/geistlichen Waffen dem Gesetz von Ursache/Wirkung und Karma entgehen.

    Meine Erfahrung zeigt leider, daß die Menschen diese Erklärungen sehr oft als Hirngespinst abtun und verleugnen. Dahinter steckt oft eine unbewußte Angst, die durchaus gerechtfertigt ist. Doch diese Angst müssen wir überwinden und die Gesetze dahinter müssen wir verstehen und beherrschen lernen. Nicht indem wir lernen wie wir etwas als Waffe nutzen können, sondern wie wir effektiv dem Bösen gegenüber bewußt harmonisch und konstruktiven Widerstand leisten und die Kräfte des Bösen sogar für konstruktiv aufbauende Entwicklung in einem Ganzheitlichen Sinn nutzen.

    Was erleben wir heute mehr und mehr bewußt?

    Wir erleben, daß sich eine Feind-Kultur, eine Zersetzungs-Kultur seit ca. 1.700 Jahren in unsere ursprüngliche Völkergemeinschaft eingenistet hat. Das konnte nur passieren, weil wir damals enorm an geistig/geistlicher Schwäche erkrankt waren. Die damals auftauchenden Zersetzungskräfte haben nicht nur negativ gewirkt, sondern haben auch einen Wiederaufbau bewirkt. Dennoch müssen wir feststellen, daß auch diese Kräfte viele Fehler in ihren inneren geistig/geistlichen Strukturen haben. Darum sind wir erneut in einen Zustand der inneren Zersetzung hineingeraten. Diesen kraftlosen Zustand haben einige parasitäre Existenzen energisch zu ihrem eigenen Vorteil genutzt. Sie sagen es in aller Öffentlichkeit ja selbst; wir müssen nur zuhören.

    Deutschland? Das ist nicht wichtig, aber die Idee, das Prinzip dahinter, das ist sehr wichtig. Die ägyptischen Pyramiden sind wahrscheinlich viel älter als 800.000 Jahre. Von vielen uralten Völkern wissen wir nicht einmal, daß es sie je gegeben hat. Das ist also nicht wichtig. Das Prinzip des heiligen Lebens und sein Ursprung und seine heiligen, harmonischen Gesetze und wie wir Menschen darin sind, existieren, erleben, das ist das wirklich Wichtige.

    Wer nun erwartet, das könnten wir in unseren Schulen lernen, der irrt sich gewaltig. Unsere Schulen und Universitäten sind durchsetzt von Zersetzungskräften, dort können wir über das Leben und seine Gesetze der Harmonie nichts mehr lernen. Wer seine Hoffnung in Kulte setzt, hat leider auch verloren. Alles ist mit Fäulnis durchsetzt und durchwoben. Mit Achtsamkeit lernt der interessierte Mensch das Falsche vom Wahren zu unterscheiden. Das ist natürlich eine aufwendige Erbsenauslese, aber es lohnt sich.

    Wer seine eigene Verantwortung an gefeierte Experten abgibt, der soll sich später nicht wundern, wenn er merkt, daß er in eine Richtung getrieben ist, die ihm nicht gefällt.

    • Peter Nasselstein Says:

      Soeben habe ich ein 900 Seiten langes Buch in Englischer Sprache lesen müssen und ich habe mich oft darüber geärgert, wie seltsam diese Sprache gestaltet ist.

      Für mich als Deutschen erschließt sich die innere Struktur der Englischen Sprache überhaupt nicht. Die Englische Sprache ist für mich stumpf bis stumpfsinnig und naiv bis kindlich.

      100%ig Ja!

      Offensichtlich habe ich nichts gegen Baker, Mathews und Konia – aber bei ihnen kommen die Defizite der englischen Sprache voll zum tragen. (Hier und da, selten, ist aber das Englische „funktioneller“.)

  4. Peter Nasselstein Says:

    Wie widersteht man dem Kommunismus? Einfach nicht mitmachen!

  5. Peter Nasselstein Says:

    Sehr guter Beitrag zur deutschen Sprache:

  6. Peter Nasselstein Says:

    siehe auch:

    https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2018/brandenburg-schafft-schreiben-nach-gehoer-ab/#comment-612526

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