Posts Tagged ‘Alexander Solschenizyn’

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 3)

13. Januar 2019

von Paul Mathews, M.A.

6. Das emotionale-Pest-Individuum ist sadistisch und pornographisch (1, S. 260)j; es leidet gleichzeitig an sexueller Lüsternheit und sadistischem Moralismus.3 Die Lüsternheit ist auf die übermäßige Menge an aufgestauter Energie zurückzuführen und der Moralismus ist der Versuch, damit fertig zu werden, indem er den natürlichen sexuellen Ausdruck bei anderen einschränkt. Das von der Pest heimgesuchte Individuum kann diesen dichotomen Aspekt seiner Charakterstruktur in einer der beiden Weisen ausdrücken. Der eine wird offen moralistisch und heimlich pervers sein; der andere offen pornografisch und unbewusst moralistisch. Die sadistischen Aspekte von pornographischem Material sind merkwürdigerweise Ausdrücke des verdrängten und sadistischen Moralismus. Auf diese Weise sagt der Pornograf: „Das ist, was ich dir für deine Sexualität gerne antun würde!“ Die einzige Sache, die alle Pornographie vermeidet, ist der Ausdruck und die Darstellung von natürlicher Zärtlichkeit und Liebe. Das liegt daran, dass die Liebe unerträgliche Gefühle weckt, die die Spannung und Angst steigern, während der Sadomasochismus temporäre, wenn auch unergiebige, kleine Entladungen erlaubt. Solche prägenitalen Entladungsmodi erzeugen stets mehr Spannung als sie auflösen. Auf die Dauer erhöht die ständige kumulative Frustration die Pathologie und die biopathische Symptomatik. Dies führt wiederum zu Verzweiflung und zur Suche nach wechselnden anormalen Entladungen durch soziale Destruktivität, pharmakologische Sedierung usw. Reich erklärt (zum genitalen Charakter): „(…) Freude am Miterleben des Liebesglücks anderer ist ihm eine strukturelle Selbstverständlichkeit; ebenso Indifferenz gegenüber Perversionen und Abscheu gegen Pornographie“ (1, S. 259) k.

7. „Wir werden sofort sehen, dass es gerade die wichtigsten Lebensgebiete sind, auf denen sich die Pest betätigt: Mystizismus in seiner destruktiven Form; passive und aktive Autoritätssucht; Moralismus; Biopathien des Lebensnervensystems; parteiliches Politikantentum; die familiäre Pest (‚Familitis‘); sadistische Erziehungsmethoden, masochistische Duldung solcher Erziehungsmethoden oder kriminelle Rebellion dagegen [kursiv hinzugefügt]; Tratsch und Diffamierung; autoritärer Bürokratismus; imperialistische Kriegsideologie; alles, was unter den amerikanischen Begriff ‚Racket‘l fällt; kriminelle Antisozialität; Pornographie; Geldwucher, Rassenhass“ (1, S. 252)m. Dieser Abschnitt spricht für sich selbst, aber um ihn zu aktualisieren, möchte ich speziell die Manifestationen der Pest anfügen in so wichtigen Bereichen wie: den Medien4n, sowohl Nachrichten als auch Unterhaltung; dem kontaktlosen Bildungssystem; mechanistischen Experimenten; der liberalen linken Ideologie; und den Leitungsgremien aller Nationen; einschließlich in letzter Zeit die der USA, in denen ein starker Trend zur Beschwichtigung und Anpassung an die Roten Faschisten in vielen Bereichen zu beobachten war, von sogenannten Entspannungstendenzen bis zu Weizenverkäufen, Annäherung an Kuba, der Aufgabe von Freunden und loyalen Verbündeten usw.5 Der Nobelpreisträger Alexander I. Solschenizyn, der die Übel des Roten Faschismus sowohl in Stalins Gulag als auch unter Breschnew, dem heutigen Land der „Entspannung“, persönlich erlebt hat, hat den Westen und insbesondere die USA vor Verständigung mit den Roten gewarnt. In einer Rede auf dem Kongress des AFL-CIO in Washington, D.C., sagte er am 30. Juni 1975:

Sie müssen die Natur des Kommunismus verstehen, alle Lehren Lenins lauten, dass jeder ein Narr ist, der nicht nimmt, was vor ihm liegt. Wenn du es nehmen kannst, nimm es. Wenn Du angreifen kannst, greif an. Aber wenn es eine Mauer gibt, dann geh zurück. Und die kommunistischen Führer respektieren nur Entschlossenheit und verachten und lachen über die Menschen, die ihnen ständig nachgeben. . . . Und ich rufe euch gewöhnliche Arbeiter Amerikas auf . . . werdet nicht weichlich. Lasst euch nicht in die falsche Richtung führen. Lasst uns den Prozess der Zugeständnisse verlangsamen und den Prozess der Befreiung unterstützen.

Des weiteren warnte Solschenizyn den Westen bei einem Dinner des AFL-CIO in New York vor der zunehmenden militärischen Überlegenheit der Sowjetunion, unterstützt durch die amerikanische Handelspolitik.6 Er zeigte seine Fähigkeit zum funktionellen Denken und erklärte: „Die Amerikaner beobachten das Spielfeld sehr genau, sind aber so sehr mit abstrakten Strategien beschäftigt, dass sie nicht zu bemerken scheinen, dass ihre Bauern alle genommen wurden, ihre Springer in Gefahr sind und das Spiel fast vorbei ist.“

Er sagte weiter, dass die Amerikaner nicht in das Gesicht7o des Gegners blicken – „das Gesicht eines Mörders“, wie er es ausdrückte; und wir nicht verstehen, dass, wenn der Gegner in Gefahr ist zu verlieren, „er eine Axt herausnehmen und die Angelegenheit regeln wird“. „Ist es möglich oder unmöglich“, fragte er, „die Erfahrung derer, die gelitten haben, an diejenigen weiterzugeben, die nicht gelitten haben?“ „Ist es möglich“, fuhr er fort, „irgendjemanden vor drohender Gefahr zu warnen? . . . Aber diese stolzen Wolkenkratzer stehen und sie glauben weiterhin, dass es hier nicht passieren wird. Nur wenn es ihnen zustößt, werden sie wissen, dass es wahr ist.“

 

Fußnoten

3 Moralismus bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das, was Reich Zwangsmoral nannte und ist nicht mit sexuellem Ethos zu verwechseln, der ein natürlicher Bestandteil eines gesunden Sexualverhaltens ist.

4 Ich empfehle die Durchsicht vergangener Ausgaben des AIM Report (Accuracy in Media, Inc.; 777 14th Street, N.W., Suite 427, Washington, D.C. 20005), insbesondere die Ausgabe vom April 1975, in der es um Medienverzerrungen geht, die den Roten Faschismus in Südostasien und anderswo begünstigen; und den Artikel mit dem Titel „The Strange Case of Kim Il Sung’s Ad“ in der Ausgabe vom Juli 1975 (der auch als Anzeige in der New York Times veröffentlicht wurde) über bestimmte Inkonsistenzen in der Werberichtlinie der Time, wenn es um die Förderung der rotfaschistischen Propaganda geht.

5 Die kommunistische theoretische Zeitschrift Political Affairs forderte in ihrer Ausgabe vom Juni 1975, dass kommunistische Kongressabgeordnete hinter ihren Masken der Demokratischen und Republikanischen Partei hervortreten und als offene Kommunisten in der Legislative fungieren sollten. Dies war ein Bericht über eine Rede von Generalsekretär Gus Hall von der Kommunistischen Partei der USA, ein mutiges und offenes Eingeständnis der KP und ein Hinweis darauf, wie günstig sie das gegenwärtige politische Klima für ihre Interessen empfinden.

6 Eine UPI-Meldung aus London, die in der New York Daily News vom 21. August 1975 veröffentlicht wurde, berichtet: „Die Sowjetunion hat in den letzten 10 Jahren 50% mehr als die USA für den Marineschiffbau ausgegeben und die noch wachsende russische Flotte kann nur für aggressive Aktionen bestimmt sein, so das maßgebliche Nachschlagewerk Jane‘s Fighting Ships.“ Die New York Times vom 10. August 1975 berichtet auch, dass Rotchina eine „Großmacht-Marine“ aufgebaut hat. Siehe auch aktuelle Ausgaben von Intelligence Digest, veröffentlicht von Intelligence International, Ltd. 17 Rodney Road, Cheltenham, Glocestershire, England.

7 Beachten Sie, wie funktionell Solschenizyn hier ist und sich an Reichs Diktum in Murder of Christ (3, S. 187) anlehnt: „. . . in den Gesichtern lesen und zwischen dem Ausdruck eines Halunken und dem einer ehrlichen Seele unterscheiden.“

 

Anmerkungen des Übersetzers

j Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 343/44.
„(…) er kann strukturell nicht anders als pornographisch-lüstern und sadistisch-moralisch zugleich sein.“

k Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 342.
Der deutsche Text ist länger, deswegen hier nach der englischen Übersetzung gekürzt.

l Klamauk, Getöse, Lärm, Krawall, Krach, Gaunerei, Schwindelgeschäft, Rabatz, Gedudel, Spektakel, Betrügerei, Radau, Rummel, unlauteres Unternehmen.

m Charakteranalyse, Kiepenheuer & Witsch 1989, S. 335.
[Kursiv von Mathews.]

n AIM Report der Fußnote 4: https://aim.org/publications/aim_report/1975/75_04_4.html

o Christusmord, Zweitausendeins, S. 314.

Literatur

1. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institute Press, 1949
Paperback edition, Noonday Press, New York

3. Reich, W.: The Murder of Christ. Orgone Institute Press, 1953

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 9 (1975), Nr. 2, S. 206-218.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Die Rechtschreibreform im Lichte des orgonomischen Funktionalismus

7. Juli 2018

Alexander Solschenizyn hat dargelegt, wie die sehr reiche russische Sprache, die Sprache Tolstois und Dostojewskis, nach dem Roten Oktober immer ärmer und undifferenzierter wurde. Außerdem wurde sie systematisch „brutalisiert“, d.h. im Rahmen des „sich verschärfenden Klassenkampfes“ wurde der sprachliche Ausdruck von Mitleid, Rücksicht und Anteilnahme richtiggehend tabuisiert. Entsprechende Wörter erhielten eine negative Konnotation oder verschwanden praktisch ganz. Man muß unwillkürlich an die „Sprache des Unmenschen“ in Hitlers, Streichers und Goebbels‘ Deutschland denken. Die Menschen sollten nicht mehr ungepanzert („weit“) fühlen, sondern nur noch auf eine gepanzerte („enge“) Weise.

Heute beobachtet man zunächst einmal das Gegenteil, d.h. im Zuge der politischen Korrektheit, werden eindeutige Aussagen zunehmend tabuisiert, da sie zu „brutal“ sind. Man ist vorsichtig im Ausdruck, will sich, so als sei man „Wissenschaftler“, nicht „voreilig festlegen“ und seit Jahrzehnten triumphiert das Konjunktiv: „Ich würde sagen…“. Wobei man sogleich anfügen muß, daß im Rahmen der allgemeinen Verblödung durch die Rechtschreibreform, Ausdrucksweisen wie der Konjunktiv ähnlich wie im Englischen wohl bald verschwunden sein werden oder zumindest an Eindeutigkeit verlieren.

Ohnehin können heutige Schüler kaum noch den tiefgehenden Unterschied zwischen dem so gar nicht gemeinten „Das ganze funktioniert nicht!“ und dem grundsätzlichen „Das Ganze funktioniert nicht!“erfassen oder etwa zwischen „Er hat recht!“ und „Er hat (das) Recht (auf seiner Seite)!“ Mit anderen Worten können sie nicht mehr funktionell denken, d.h. in Begriffen des Verhältnisses des Teils zum Ganzen. Die sozialistischen Sozialingenieure und die mit ihnen verbündeten Großkapitalisten („Bertelsmann-Stiftung“) können keine Eigendenker gebrauchen. Wer so einen SCHWACHSINN eingetrichtert bekommt wie „Es tut mir sehr Leid!“ (statt „Es tut mir sehr leid!“) muß jedes Gefühl für funktionelle Zusammenhänge verlieren.

Über die obigen Beispiele kann man diskutieren, zumal ich selbst den Überblick darüber verloren habe, was denn nun nach den aktuell geltenden Regeln richtig oder falsch ist oder ob es offiziell eh egal ist. Aber genau das verweist auf das eigentliche Problem: dieser Staat ist zutiefst „verwirrt“ und handlungsunfähig. Aus tiefenpsychologischer Sicht repräsentiert er die Eltern und die versetzen in dieser antiautoritären Ära ihre Kinder in tiefe Verunsicherung, da keine klaren Botschaften und Grenzen gesetzt werden; in den Kindern ein diffuses Gefühl von Unsicherheit und Orientierungslosigkeit verankert wird, zumal es zu unvorhersehbaren und manchmal brutalen und denkbar ungerechten Sanktionen kommt, wenn die Eltern den Kontrollverlust unvermittelt eindämmen müssen.

Orgonomie 4.0

18. September 2015

Nach der Freilegung (erstens) der genital-orgastischen Funktion, (zweitens) der Entdeckung der Orgonenergie und (drittens) dem ORANUR-Experiment zeichnet sich eine vierte Phase in der Entwicklung der Orgonomie ab. Sie wird der endgültige Vernichtungsschlag gegen den faschistischen Mystizismus sein.

Tiere sind teilweise empfindlicher als die besten Meßgeräte, die die Physik zu bieten hat.

Hier kann ich eine geschlagene Stunde zusehen, wie die Ameisen durch ein Loch, das sie sich in der Schilfwand meines Hauses gebohrt haben, ihre Lasten schleppen. (…) Dann kommt ein Morgen, an dem sie sich nicht blicken lassen, obwohl vor dem Haus Proviant auf sie wartet. Sie haben, sieh mal an, schon lange erraten, sie wissen, daß es heute regnen wird, obwohl der heitere Himmel nichts darüber verrät. Nach dem Regen, da ist er noch lange schwarz und verhangen, aber die Ameisen sind bereits hervorgekrochen und machen sich emsig ans Werk: Sie wissen genau, daß der Regen vorbei ist. (Alexander Solschenizyn: Der Archipel Gulag)

In China werden Schlangen in Tierfarmen 24 Stunden am Tag gefilmt, weil die Tiere mit ihrem Verhalten sogar Erdstöße ankündigen, die bis zu 120 Kilometer entfernt sind – drei bis fünf Tage bevor das Beben sich überhaupt ereignet!

Nun, Vorahnungen, was Regen und Erdbeben betrifft, lassen sich vielleicht traditionell über die Wechselwirkung der organismischen Orgonenergie mit dem Energiefeld der Erde erklären. Aber wie ist es mit folgendem bestellt?

In der Fernsehdokumentation von Gerold Hofmann Geheimsache Atomtest Kasachstan (2004) berichtet ein kasachischer Hirte, der bis heute am Rande des Atomtestgeländes seine Schafe hütet: Damals habe er beim Weiden seiner Schafe die Wolken der explodierenden Atombomben gesehen.

Die Hunde spürten etwas, sie bellten vorher. Die Hunde fühlten, daß ein Versuch bevorstand.

Auf das gleiche Phänomen einer bioenergetischen Reaktion des Organismus unmittelbar vor Atombombentests stieß das Team von Jerome Eden, als sie den Verlauf ihres Befindens „kartierten“ und dann nachträglich mit den Daten weit entfernter Atombombentests abglichen.

Edens Erhebungen deuten auf eine Aktivität in der atmosphärischen Orgonenergie, auf die dann wiederum die Organismen reagieren. Das Orgon antwortet auf einen Atombombentest mit einer extremen Kontraktion, etwa so wie wir reagieren würden, wenn man uns mit voller Wucht in den entspannten Oberbauch boxen würde. Daß das Orgon sich weit vom Geschehen entfernt schon zusammenzieht, bevor dieser Schlag überhaupt erfolgt ist, deutet darauf hin, daß sein Funktionieren nicht auf die Dimensionen Raum und Zeit reduziert werden kann.

Das erklärt vielleicht auch „böse Vorahnungen“. Beispielweise gibt es parapsychologische Forschungen, wo ein Zufallsgenerator in, wie der Name schon sagt, zufälliger Reihenfolge neutrale und schockierende Bilder auf einen Bildschirm wirft. Der Hautwiderstand reagiert aber bei einem entsprechenden Bild bereits vorher so, als wenn der Körper genau wisse, was als nächstes kommt. Das ist auch deshalb interessant, weil Reich schon in den 1930er Jahren in seinen „bio-elektrischen Versuchen“ auf dieses paranormale Phänomen hätte stoßen können.

Noch geheimnisvoller wird es, wenn nicht Organismen die „Detektoren“ sind, sondern mechanische Gerätschaften, d.h. die Zufallsgeneratoren selbst. Man nehme den berühmtesten Fall: das Team vom Princeton University for the Global Consciousness Project stellte fest, daß „9/11“ Zufallsgeneratoren nicht nur beeinflußt hat, sondern diese Beeinflussung schon vier bis fünf Stunden vor den Angriffen auf New York und Washington begonnen hatte.

Meines Erachtens ist folgender Fall noch erstaunlicher:

Unglaublicher Zufall: In Israel sind am Samstagabend exakt die gleichen sechs Lotto-Zahlen gezogen worden wie im Vormonat. Israelische Medien berichten, insgesamt 95 Teilnehmer hätten auf die gleichen Zahlen wie bei der Ziehung am 21. September getippt: 13, 14, 26, 32, 33 und 36. Nur drei von ihnen wählten jedoch die richtige Zusatzzahl 2 – sie bekommen jeweils einen Gewinn von vier Millionen Schekel (umgerechnet etwa 800.000 Euro).
Der israelische Statistikprofessor Zvi Galula sagte der Nachrichtenseite „ynet“, die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ergebnisses binnen weniger Wochen betrage 1 zu 4.000.000.000.000. Der israelische Lottoverband beteuerte jedoch, es sei alles mit rechten Dingen zugegangen. In der „Welt des Glücks“ sei eben alles möglich, hieß es in einer Mitteilung des Verbands.

So etwas kann einfach nicht passieren, wenn unsere Welt so aufgebaut wäre, wie wir bisher angenommen haben! Es ist (bzw. wäre) schlichtweg unmöglich!

Eine „Lottomaschine“ ist nichts anderes als ein „Zufallsgenerator“, der nach ehernen mechanischen Gesetzen funktioniert, denkbar weit entfernt von allen orgonotischen Funktionen. Es ist einfach nur Unsinn zu glauben, daß das „Bewußtsein“ der israelischen Lottospieler sozusagen „telekinetisch“ (bzw. auf irgendeine Weise „orgonenergetisch“) auf den Zufallsgenerator, d.h. einzeln auf jede Kugel, eingewirkt hat. Auch wäre es ziemlich an den Haaren herbeigezogen, daß das Bewußtsein jener, die Atombombentests oder andere Anschläge planten, direkt oder indirekt auf Hunde, Menschen und Zufallsgeneratoren eingewirkt hat. Vielmehr weist alles darauf hin, daß nicht nur die physikalische Größe Masse nicht die letzte Realität ist, wie Reich mit der Entdeckung der masselosen Orgonenergie gezeigt hat, sondern darüber hinaus auch die Grundgrößen Raum und Zeit nicht so fundamental sind, wie wir bisher angenommen haben.

Konkret heißt das, daß die Orgonenergie nicht nur allgegenwärtig und alldurchdringend ist, sondern auch, daß sie einen Funktionsbereich beinhaltet, in der der Raum zwei Orte nicht voneinander trennt und die Zeit sozusagen „räumlich“ (sozusagen „gleichzeitig“) wird.

Reich wurde stark durch F.A. Langes Geschichte des Materialismus (1866) beeinflußt. Das Buch ist bis heute Pflichtlektüre jedes Studenten der Orgonomie. Der Neo-Kantianer Lange argumentierte:

  1. Der Materialismus ist die einzige wissenschaftliche Herangehensweise an die Natur. Sein Kern ist der Atomismus.
  2. Es gibt prinzipiell keine Möglichkeit mit Hilfe voneinander unabhängiger Atome das Phänomen „Bewußtsein“ zu erklären. Das Zentrum unserer Existenz und damit auch der Wissenschaft ist dem Materialismus demnach für alle Zeiten unzugänglich!

Dieses Grundproblem der Wissenschaft wäre im Grundsatz gelöst, gäbe es die Möglichkeit eine instantane Verbindung zwischen zwei separaten Bereichen des Raumes herzustellen.

Tatsächlich gab es so etwas in der klassischen „abstrakten“ Mechanik. Man nehme ein Lineal, das ein Lichtjahr lang ist. Bewegt man dieses „abstrakte“ Lineal auf einer Seite nach vorne, würde instantan die andere Seite sich ebenfalls bewegen.

Spätestens seit Einstein hat man sich darüber Rechenschaft gegeben, daß der Impuls (entgegen unserer Alltagserfahrung) natürlich mindestens ein Jahr benötigt, um das Lineal zu durchlaufen.

Dann kam jedoch die Quantenmechanik, die von Einstein hinterfragt wurde, weil sie instantane Verbindungen zuläßt. In den letzten Jahrzehnten hat es eine wachsende Zahl von Experimenten gegeben, die diese „geisterhaften“ Verbindungen, die an die oben beschriebene abstrakte Mechanik gemahnen, nachgewiesen haben.

Da wären beispielsweise die vom Konzept her auf Einstein selbst zurückgehenden „EPR-Experimente“, bei denen sich zwei Quantenobjekte, die man voneinander trennt, weiterhin so verhalten, als wären sie ein Objekt, egal wie viel Raum zwischen ihnen liegt.

Eine zweite Gruppe sind „Tunnel-Experimente“: Quantenobjekte können (aus klassischer Sicht) unüberwindliche Barrieren „durchtunneln“, was instantan geschieht, d.h. es ist, als würden sie sich gar nicht im „Tunnel“ aufhalten.

Damit ist, jedenfalls im Prinzip, jene theoretische Hürde genommen, die F.A. Lange noch als unüberwindbar erachtete.

Betrachten wir nun „bewußtseinsartige Phänomene“, etwa eine Symphonie oder einen Roman. Sie sind zwar nur eindimensionale Ketten von Signalen, aber das, was diese Sequenzen ausmacht, tritt als „nicht-lokale“ Gesamtheit in Erscheinung. Je besser es dem Komponisten bzw. dem Schriftsteller gelingt diese „Nicht-Lokalität“ herzustellen, desto höher ist die Qualität des Kunstwerks.

Ein überzeugenderes Beispiel ist vielleicht die Geschichtsschreibung. Wie in meiner Diskussion der „Christus-Matrix“ dargelegt, haben „Geschichtskritiker“, beispielsweise Anatoli Fomenko, für die die Geschichte vor dem Buchdruck weitgehend ein Konstrukt ist, ungewollt einen Faktor aufgedeckt, der den Geschichtsverlauf mit seinen nationalen Abzweigungen wie ein kunstvolles „Netzwerk“ erscheinen läßt.

Was damit gemeint ist, wird vielleicht anhand der Genetik deutlicher. Wie kann es sein, daß die Gene so aufeinander abgestimmt sind, daß sie den Aufbau und das Funktionieren derartig komplexer Gebilde steuern können? Was machte aus den DNA-Strängen in sich stimmige „Symphonien“? Wer auf die Evolution verweist, sollte erst mal deren Unwahrscheinlichkeiten erklären! Eine habe ich bereits in Zusammenhang mit der sechsten Frage der Unbeantworteten Fragen der mechanistischen Wissenschaft vorgestellt.

Für die Orgonomie stellt sich zusätzlich die Frage, woher die genetische Information in Protozoen und anderen Mikroorganismen stammt, die durch Reorganisation von bionös zerfallendem Gewebe entstehen.

„Genetische Netzwerke“ scheinen durch alle Tier- und Pflanzenstämme hindurch wirksam zu sein. Der Systembiologe Edward Marcotte (University of Texas in Austin) fand fast gleiche Genabschnitte in den unterschiedlichsten Organismen.

So beeinflussen Gene, die beim Menschen mit der Entstehung von Brustkrebs zu tun haben, das Geschlecht der Nachkommen von Würmern; Erbgutabschnitte, die bei Pflanzen die Wahrnehmung der Schwerkraft steuern, stehen beim Menschen in Zusammenhang mit einer Erbkrankheit, und was bei Mäusen den Bildung von Blutgefäßen lenkt, kann auch über das Wachstum von Hefezellen bestimmen.

Schließlich denke man auch an das Phänomen der Synchronizität, bei der vollkommen unzusammenhängende Dinge unerwartet einen Sinnzusammenhang herstellen. Unvermittelt verhält sich die materielle Realität wie „Geist“.

Bewußtsein ist ein Ausdruck derartiger „Mechanismen“ in unserem Kopf. Es hat wenig mit der Bewegung von Orgonenergie zu tun, sondern ist vielmehr ein Phänomen, das der „absoluten Rigidität“ der klassischen Mechanik überraschend nahe steht. Entsprechend ist es kein Zufall, daß sich die Orgonomie mit der Erklärung beider Phänomene (Bewußtsein und Mechanik) so schwer tut – sie sind „dem Lebendigen“ so fremd.

Wie ist es zur gegenwärtigen Wirtschaftskrise gekommen?

3. Juli 2012

Alexander Solschenizyn zufolge liegt die Marxistische Analyse immer falsch. Man betrachte einmal die gängige Marxistische Erklärung der gegenwärtigen Krise des Kapitalismus, die darauf hinausläuft, daß die Automatisierung rapide zugenommen hat, deshalb der Markt gesättigt ist und damit die Arbeit knapp wird. Es könne deshalb kein Mehrwert, der ausschließlich aus der menschlichen Arbeitskraft hervorgehen kann, mehr erwirtschaftet werden. Der Kapitalismus sei damit am Ende. Das Kapital versuche zwar verzweifelt sich am „Kapitalmarkt“ sozusagen durch „Selbstbefruchtung“ zu vermehren, doch das sei zum Scheitern verurteilt und mache den Fall ins Nichts für den Kapitalismus nur um so steiler. Die „Arbeitsgesellschaft“ habe ausgedient und eine neue planwirtschaftliche Gesellschaftsordnung sei unausweichlich.

Diese Marxistische Analyse hat einen wahren Kern, auf den Reich als einziger hingewiesen hat. Es dreht sich wirklich alles um die Arbeitsfunktion. Damit steht jedoch etwas im Mittelpunkt, was die Marxisten, für die Menschen nur „Charaktermasken“ ihrer objektiven Rolle im wirtschaftlichen Gefüge sind, nie begriffen haben bzw. nie nachvollziehen konnten: die Charakterstruktur der Massen.

Dazu eine bezeichnende Begegnung mit einem alten Bekannten von mir. Ein Beamter im gehobenen Dienst mit lebenslanger Absicherung, einem sehr hohen Einkommen, großen Ersparnissen, die gewinnbringend angelegt wurden, einer lächerlich geringen Arbeitsbelastung. Eines Tages drückt mir dieser Kerl seine neue Bibel in die Hand, nach der er mittlerweile sein ganzes Arbeitsleben ausgerichtet habe: Die Entdeckung der Faulheit: Von der Kunst, bei der Arbeit möglichst wenig zu tun von Corinne Maier. Ich solle mich doch auch nicht mehr von meinem Chef terrorisieren lassen. Passiver Widerstand sei angesagt! Der Bestseller kommt aus Frankreich, wo eh die meisten für den Staat arbeiten und die 35 Stundenwoche gilt!

Der Kapitalismus kollabiert aus dem gleichen Grund wie der Sozialismus kollabiert ist: aus mangelnder „Arbeitsmoral“. Oder wie das Leitmotiv der Werktätigen in der „DDR“ lautete: „Ihr tut so, als würdet ihr uns bezahlen und wir tun so, als würden wir für euch arbeiten!“

Das Wort „Arbeitsmoral“ ruft zwar weitgehend die richtigen Assoziationen hervor, ist jedoch in der Hinsicht irreführend, daß es hier nicht um eine moralische, sondern um eine bioenergetische Frage geht. Während in der alten autoritären Gesellschaft vor allem die Sexualität geschädigt war, ist es in der neuen antiautoritären Gesellschaft, die sich seit etwa 1960 ausgeformt hat, die Arbeitsfunktion. Ich habe mich darüber bereits in Der Rote Faden: Aldous Huxley ausgelassen.

In der antiautoritären Gesellschaft, die tatsächlich aus „materiellen Gründen“ entstanden ist, kommt es zu einer alle Gesellschaftsschichten umspannenden Einstellung der Verantwortungslosigkeit, zu Anspruchsdenken und Rebellion gegen vermeintliche „Ausbeutung“ (selbst von höheren Beamten!). Hinzu kommt, daß jene, die in der voll ausgeprägten antiautoritären Gesellschaft aufgewachsen sind, d.h. die Generation Facebook, von vornherein gar nicht mehr arbeitsfähig sind. Mit diesen Vollidioten, man denke nur an die „Piraten“, kann niemand mehr etwas anfangen.

Auch wenn einem immer wieder rührselige Geschichten über Leute gezeigt werden, die sich todarbeiten: in Ländern wie Griechenland, wo die Arbeitsfunktion schon immer gestört war, ist sie durch den Einfluß sozialistischer Politiker in den letzten Jahren vollends zusammengebrochen. Allgemein kranken die „Südländer“ der Europäischen Union unter einer mangelnden Arbeitsmoral, was vor allem eine Auswirkung der jahrhundertealten katholischen Unkultur ist.

Ganz ähnlich sieht es in Amerika aus. Deutsche Unternehmen sind immer wieder entsetzt, wie schlecht die Leute ausgebildet sind, was für einen geringen Arbeitsethos sie haben und wie niedrig allgemein die Produktivität ist. Beispielsweise ist die Challenger-Katastrophe unmittelbar auf den alles durchdringenden Pfusch zurückzuführen. Diese Unkultur, in der alles nur ein „Job“ ist, der lustlos erledigt wird, wurde vor Jahren beispielsweise in dem Buch Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten von Robert M. Pirsig aus dem Jahr 1974 angeprangert und, wie der Titel schon zeigt, denkbar ungeeignete Gegenmittel vorgeschlagen.

Würde man der Marxistischen Analyse folgen und die „Arbeitsgesellschaft“ überwinden, käme es zu einer dramatischen Verschärfung des heimlichen Dauerstreiks und zum endgültigen, vielleicht irreversiblen Kollaps der Gesellschaft. Milliarden Menschen, die ihr Überleben einzig und allein dem Kapitalismus verdanken, würden elendig verrecken. Da die Menschen unfähiger sind denn je, ihre eigenen Angelegenheiten zu handhaben, würde sich der Sozialismus eh als nichts anderes entpuppen als eine Art Neo-Feudalismus – wie er sich in der EUdSSR ohnehin bereits abzeichnet.

Ralf Dahrendorf hat 2009 versucht, die damals anhebende Wirtschaftskrise auf „Mentalitäten“ zurückzuführen: „verhaltensprägende Leitkulturen, die bei Minderheiten beginnen, dann aber ganze Gesellschaften erfassen“. In der alten (in unserem Sprachgebrauch: in der triebgehemmten autoritären) Gesellschaft habe der „Sparkapitalismus“ vorgeherrscht, wie ihn Max Weber im Zusammenhang mit der protestantischen Ethik beschrieben hat. Diese besage, daß „das kapitalistische Wirtschaften eine verbreitete Bereitschaft verlangt, unmittelbare Befriedigung aufzuschieben“.

In dem, was wir als „triebhafte antiautoritäre Gesellschaft“ bezeichnen, hat sich ein grundlegender Mentalitätswandel zugetragen. Zunächst wurde immer mehr Wert auf Konsum gelegt, was die protestantische Arbeitsmoral untergrub. Auf diesen „Konsumkapitalismus“ folgte dann, angefangen in den 1980er Jahren, der „Pumpkapitalismus“:

der Schritt vom Realen zum Virtuellen, von der Wertschöpfung zum Derivathandel. Die Haltung, die sich ausbreitete, erlaubte den Genuß nicht nur vor dem Sparen, sondern überhaupt vor dem Bezahlen. „Enjoy now, pay later!“ wurde zur Maxime. Sie erfaßte alle Bürger, auch die, die das heute nicht gerne hören. Sie wurde dann aber zur Einladung an die subtilen Konstruktionen derer, die sich darauf kaprizierten, aus Geld Geld zu machen. Genauer gingen die daran, aus Geld, das ihnen nicht gehörte und das es vielleicht gar nicht gab, Geld zu machen, das sie in die Welt der Superreichen katapultierte.

Ein Zurück zur protestantischen Ethik werde es, so Dahrendorf weiter, zwar kaum geben.

Wohl aber ist eine Wiederbelebung alter Tugenden möglich und wünschenswert. (…) Arbeit, Ordnung, Dienst, Pflicht bleiben Erfordernisse der Voraussetzungen des Wohlstandes; der Wohlstand selbst aber bedeutet Genuß, Vergnügen, Lust und Entspannung. Menschen arbeiten hart, um im strengen Sinn überflüssige Dinge zu schaffen. (…) Zum Sparkapitalismus werden wir nicht zurückkehren, wohl aber zu einer Ordnung, in der die Befriedigung von Bedürfnissen durch die nötige Wertschöpfung gedeckt ist.

Ohne es zu ahnen, kommt Dahrendorf hier dem Kern des Problems und seiner Lösung sehr nahe. Ich habe den Zusammenhang zwischen Arbeit, Konsum und der Reichschen Orgasmustheorie an anderer Stelle ausführlich ausgeführt.

Zusammenfassend kann man mit Dahrendorf sagen, daß es grundsätzlich drei Theorien der Krise gibt, die man mit den Namen Marx, sowie (wie ich finde) Freud und Reich verbinden kann:

  • Marx hatte recht, als er auf die Arbeitskraft als Quelle allen Reichtums hinwies. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß uns eine Marxistische Analyse irgendwo hinführt. Oder wie Dahrendorf süffisant anmerkt:

    Hatte nicht Karl Marx schon prophezeit, daß es mit dem Kapitalismus ein schlimmes Ende nehmen werde? Das war zwar vor anderthalb Jahrhunderten, in denen allerlei geschehen ist, aber manche kümmert die kleine Verzögerung wenig.

  • Freud hatte recht, als er darauf hinwies, daß Menschen aus irrationalen, letztendlich infantilen, Gründen heraus handeln. Beispielsweise wird die Krise, die im September 2008 ihren Anfang nahm, mit falschen Entscheidungen von Politikern und ganz ernsthaft etwa auf „persönliche Animositäten zwischen dem Lehman-Chef Richard Fuld und dem damaligen Finanzminister Henry Paulson“ zurückgeführt. Zu erwähnen ist auch das Treiben von Finanzbetrügern wie Bernard Madoff, etc.
  • Für Reich sind beide Ansätze bis zu einem gewissen Grade weiterführend, doch dies nur, wenn man stets die zugrundeliegende Regulierung der biologischen Energie in den Massenindividuen, d.h. die Charakterstruktur der Massen, im Auge behält. Letztendlich geht es um biologische Probleme der Arbeitsenergie und um das, was Dahrendorf mit dem Begriff „Mentalität“ umschreibt, d.h. um bio-soziale Prozesse.