Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 6)

von David Boadella

Erklärungen (Fortsetzung)

Die Beobachtung, daß das Streicheln von Glühbirnen sie zur Leuchten bringt, während heftige Reibung entweder eine viel schwächere Wirkung oder gar keine Wirkung hervorbringt, ist also eine direkte Bestätigung der 1944 getroffenen Annahme Reichs „statische Elektrizität im üblichen Sinne ist überhaupt kein Strom“. In einem Artikel über „orgonotische Pulsation“ (siehe 5) kommt er zu dem Schluß: „Es ist nur eine Frage der Konvention, ob wir die ‚Elektrizität‘ der Alten mit dem Orgon identifizieren und den Begriff der Elektrizität für die orgonotischen Phänomene. In diesem Fall müßten wir ein neues Konzept für das entwickeln, was seit Faraday, Ampere und Volta als Elektromagnetismus bekannt ist. Oder wir müssen das Konzept der Elektrizität der Alten fallenlassen, die jeweiligen Phänomene orgonotisch nennen und den Begriff der Elektrizität auf jene Phänomene beschränken, die man durch die Bewegung von Drähten in Magnetfeldern erzielt“ (S. 122). In diesem Zusammenhang ist die Reaktion eines elfjährigen Jungen interessant, dem beiläufig vom Verhalten der Glühbirne im Dunkeln beim Reiben erzählt wurde. Im Gegensatz zu der Skepsis, der Verwirrung und dem abwehrenden Lachen der Experten gab er eine direkte, gefühlsmäßige Reaktion: „Oh, was soll‘s? Das ist die Elektrizität in deinen Händen, nicht wahr?“ Dieser Junge wußte kaum etwas von Wissenschaft und wußte sicherlich nichts von Millivolt. Aber er mußte die Energie in seinen Händen gefühlt haben, und da er keine bessere Bezeichnung für diese Energie hatte, nannte er sie „Elektrizität“.

Sobald man diesen Schritt macht, galvanische Elektrizität von den orgonotischen Phänomenen zu unterscheiden (von denen die ‚Statik‘ nur ein Sonderfall ist), beginnen einige verwirrende Widersprüche Sinn zu machen. Reich hat in CANCER BIOPATHY beschrieben, wie er sich der Tatsache bewußt wurde, daß die Energiemenge, die an der Hautoberfläche nachweisbar war, in keinem Verhältnis zur minimalen Ladung stand, die in Millivolt gemessen wurde. Er weist darauf hin, daß, obwohl „wir empfindliche Voltmeter beeinflussen können, indem wir sie berühren, das Ausmaß dieser Reaktionen so unendlich klein ist, – verglichen mit den Energiemengen im Organismus, – daß wir keine Verbindung sehen können“ (1, S. 6).

Eine ähnliche Diskrepanz besteht in der Annahme, daß das, was mit dem Elektroskop, dem Standardinstrument der Elektrostatik, gemessen wird, mit Spannung gleichgesetzt werden kann. Tatsächlich haben wir zwei radikal verschiedene Energieformen, die beide in ein und derselben Einheit gemessen werden. Reich beschreibt diese Diskrepanz wie folgt: „Wir laden ein Elektroskop mit Energie aus unseren Haaren, so daß das Elektroskopblatt um 45° oder 90° abgelenkt wird. Wir können den gleichen Effekt durch Anlegen eines elektrischen Stroms mit hoher Spannung an das Elektroskop erzeugen. Eine Einheit der Orgonladung entspricht jener Spannung, die notwendig ist, um die gleiche Ablenkung des Elektroskopblatts zu erzeugen. Wir finden auf diese Weise, daß, wenn wir nur einmal sanft durch unser Haar streichen, wir Energiemengen von mehreren hundert Volt abnehmen können“ (4, S. 113).

Die Auswirkungen sind relevant und wichtig. Obwohl eine bestimmte Menge an Orgonenergie einer gegebenen Menge an elektrischer Energie entsprechen kann, sind sie in keiner Weise äquivalent. Obwohl wir Energie abziehen können, die Hunderten von Volt ‚entspricht‘, können wir nicht durch Streichen unserer Haare ein Voltmeter veranlassen, eine Ablenkung zu registrieren, die anzeigt, daß unser Haar mit einer Spannung von Hunderten von Volt elektrisch geladen ist. Effekte, die sehr leicht und einfach mit Orgonenergie aus den Händen erzeugt werden können, können nur durch eine elektrische Spannung reproduziert werden, die tausendmal größer ist als die elektrische Spannung der Hände.

Ein nützliches Ergebnis dieser Befunde ist, daß sie eine Antwort auf jene Kritiker von Reichs Interpretationen seiner Vacor-Experimente liefern, die behaupten, daß er ‚nichts Neues‘ getan hat und daß seine blaue Erstrahlung im Vakuum unter elektrischer Spannung eine bewährte Tatsache in der klassischen Physik darstellt und nichts mit Orgonenergie zu tun hätte. Was neu war, war nicht die Erzeugung von bläulicher Erstrahlung im Vakuum, sondern die Erkenntnis, daß diese funktionell identisch ist mit anderen Beispielen bläulicher Erstrahlung in der Natur und sich ebensogut, wenn nicht besser, orgonomisch erklären läßt. Soweit ich weiß, hat Reich niemals die allein mit Hilfe der Hände hervorgerufene Erstrahlung im Vakuum nachgewiesen. Die Tatsache, daß dies möglich ist, ist eine überzeugende Bestätigung der orgonomischen Hypothese. Die Kraft der Erstrahlung mit Hilfe der Hände entspricht voll und ganz der Kraft, die man von dem „elastischen Kissen“ zwischen den Handflächen erwarten kann, wie es Reich auf dem Röntgenfilm photographiert hat (6). Die größere Brillanz der 25- und 15-Watt-Glühbirnen gegenüber den Glühbirnen mit höherer Leistung und die Beobachtung, daß die gasgefüllten Glühbirnen ‚gedämmt‘ und ‚beschlagen‘ schienen, steht voll im Einklang mit Reichs Entdeckung, daß die im Vakuum erzielbaren Impulsraten größer sind als die aus gasgefüllten Geiger-Röhren: „Materie in Form von Gasmolekülen oder Luftmolekülen BEHINDERT die Energiefunktion der kosmischen OR-Energie, … Or-Energie ist am stärksten bzw. ‚schnellsten‘ im gasfreien Raum“ (7, S. 252).

 

Literatur

1. Reich, W.: CANCER BIOPATHY. Orgone Institute Press, 1948
4. Reich, W.: EXPERIMENTELLE ERGEBNISSE ÜBER DIE ELEKTRISCHE FUNKTION VON SEXUALITÄT UND ANGST. Sexpolverlag, Copenhagen, 1937
5. Reich, W.: “Orgonotic Pulsation” International Journal of Sex-Economy and Orgone Vol. 3, 1944
6. Reich, W.: „Orgonotic light functions. 2. An X-ray photograph of the excited orgone energy field of the palms (1944)“ Orgone Energy Bulletin Vol.1, No.2, 1949
7. Reich, W.: „The Orgone Energy Charged Vacuum Tubes (VACOR) (1948)“ Orgone Energy Bulletin Vol. 3, No. 4 ,1951

 

* Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Some Orgonotic Lumination Effects“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 3, S. 139-150.

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2 Antworten to “Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958) (Teil 6)”

  1. Abrasax Says:

    Die Elektrische Energie definiert sich aus
    E = U * I * dt == Volt * Ampere * Zeit in sec
    U = Spannung in Volt
    I = Strom in Ampere
    dt = Zeiteinheit in Sekunden.
    E = Watt Sekunden
    Strom und Spannung müssen bei dieser Formel konstant sein.

    U * I = P
    Spannung mal Strom = Leistung in Watt
    P = E / dt
    Leistung = Arbeit (Energie) pro Zeit

    —-

    Elektrische Spannung in Volt
    U = W / Q
    == Elektrische Energie pro Ladungseinheit

    W(el) = Q * U
    == Elektrische Arbeit in Joule

    —-

    Q = I * dt
    elektrische Ladung = Strom

    Q = E / (U * dt)
    Q * U * dt = E
    Wel * dt = E

    Energie ist also nicht Spannung, so wie es im Artikel beschrieben ist.

    Allerdings gibt es potentielle Energie und kinetische Energie.

    Potentielle Energie im elektrischen Feld:
    https://elearning.physik.uni-frankfurt.de/data/FB13-PhysikOnline/lm_data/lm_282/auto/kap16/cd531.htm

    Kinetische Energie im elektrischen Feld:
    https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/physik-abitur/artikel/arbeit-und-energie-im-elektrischen-feld

    Im Versuch wird beschrieben, daß bei feuchten Händen die Leuchteffekte nicht auftreten. Das kann vieles bedeuten. Elektrische Ladungen gehen immer den Weg des geringsten Widerstandes. Wenn wir eine Glas-Glühlampe außen sanft reiben, warum gibt es in der Lampe Lichterscheinungen? Um die Elektronen im Gas zum Leuchten zu bewegen, braucht es eine Kraft, die nicht so klein sein darf. Irgendwo muß stehen, von welchen Größenordungen wir hier sprechen.

    Wir kennen die elektrische Kraft und die magnetische Kraft am besten, aber es gibt noch mindestens eine Kraft, die die diesen Kräften sehr ähnlich ist und dennoch nicht die selbst Kraft ist. Diese Kraft bzw. Kräfte erforschen die ernsthaften Rutengänger. Damit beschäftigen sich in sehr ernsthafter Weise Doktoren und Professoren an diversen Universitäten. Wir kennen die Auswirkung solch einer Kraft auch bei den Aktivitäten des sogenannten Mesmerismus:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Animalischer_Magnetismus

    Natürlich wurde dem guten Hr. Mesmer das Leben eingesäuert.
    Aber die Menschen erlebten echte, wunderbare Phänomene.

    Übrigens: vor kurzem wurde auf Sputnik in einem Artikel beschrieben, daß das blaue Leuchten, daß Reich als Bläschen beobachtet hat, von der Reaktion einer bestimmten Säure stammt, die entsteht, wenn organisches Material zerfällt.

  2. Abrasax Says:

    Es ist so, daß eine Spannung oder eine Ladung immer nur im Verhältnis zu einem anderen Zustand gemessen werden kann, also zu etwas, was mehr oder weniger Ladung oder Spannung hat.

    Was ist nun Spannung? Wenn wir an die Federspannung denken, dann können wir das nachvollziehen. Die Federspannung ist eine Art gespeicherte und in sich ruhende Kraft. Wir können z.B. eine Feder zwischen zwei Platten zusammendrücken und das Ergebnis arretieren. Dann bewegt sich nichts, aber wir wissen, daß sich etwas bewegen würde, wenn wir die Arretierung lösen würden. Wir sprechen hier von der gespeicherten, potentiellen Energie in der Feder.

    Wenn wir eine Spannung zwischen zwei Punkten messen, dann entspricht das einer gespannten und arretierten Feder, so lange kein Strom fließt, messen wir mit der Spannung, die wie bei der Feder eine potentielle Energie. Wenn Strom fließt, dann wandelt sich diese potentielle Energie in eine kinetische Energie plus einige „Verlustenergieformen“ um.

    Wir müssen auch verstehen, daß wir Spannung nur indirekt messen können, indem wir über einen Leiter und einen sehr großen Widerstand einen sehr kleinen Strom fließen lassen. Der Spannungsabfall an dem großen Widerstand, der dazu genutzt werden kann, eine Feder zu spannen, an der ein Zeiger befestigt ist, wird dann als Spannung bezeichnet. Wenn wir die Spannung auf diese Art messen, dann messen wir schon mit einem mehr oder weniger großen Fehler, weil wir eigentlich eine potentielle Energie messen, minus der verbrauchten kinetischen Energie, minus sogenannten Verlustenergien.

    Wir müssen also ganz schön aufpassen, wenn wir über Energie reden, weil es verschiedene Arten von Energie geht. Das ist sehr wichtig zu verstehen, denn diese Konzept können wir später überall im Leben wiederfinden und manches plötzlich verstehen lernen, was unseren Horizont erweitert und uns bewußter macht, was unsere Möglichkeiten im Leben aktiv zu sein, drastisch steigern kann.

    Durch Erfahrung wissen wir, daß die falsche Nutzung der verschiedenen elektrischen Energieformen zu schmerzhaften Erfahrungen führen können. Diese Erfahrung lässt sich überall auf unsere Aktivitäten im Leben übertragen und anwenden. Eine Kunst ist es, diese Entsprechungen auf die richtige Art und Weise zu entdecken und zu nutzen.

    Nicht primär für sich selbst,
    sondern primär zum Wohl für die Schöpfung!
    Dazu gibt es wie überall mehr oder weniger sinnvolle Erklärungen.
    Die Kunst besteht darin, die sinnvollen Erklärungen zu entdecken und sich daran primär zu orientieren.

    Zurück zum Versuch mit den Lampen.
    Man muß sich einige Gedanken zu den Ladungen machen.
    Mehr dazu beim nächsten Mal, sonst wird der Text hier zu lang.

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