Posts Tagged ‘David Boadella’

Buchrezension: The Case Against Pornography (Teil 1)

20. Januar 2021

The Case Against Pornography. Herausgegeben von David Holbrook. New York: The Library Press, 1973, 293 S., 8,95$.

von Paul Mathews, M.A., Brooklyn, N.Y.

 

Dieser Band ist eine Anthologie von Schriften über Pornographie von verschiedenen prominenten Personen aus den Bereichen Psychiatrie, Psychotherapie, Philosophie, Soziologie, Bildung und Journalismus. Er wurde ursprünglich in Großbritannien veröffentlicht und ist eines der ganz wenigen Bücher, das eindeutig gegen Pornographie Stellung bezieht. Als solches ist es, ungeachtet einiger Schwächen, äußerst wertvoll. Nur ein Artikel, der von David Boadella, drückt Reichs funktionellen Standpunkt aus, und das recht gut.a Die anderen Artikel beschreiben zwar klar die emotionalen, sozialen und moralischen Folgen der Pornographie, behandeln aber nicht die energetischen Faktoren als entscheidende Kontraindikationen der Pornographie. Die Autoren präsentieren klinische Fallstudien, die den Zusammenhang zwischen pornographischen Fantasien und pathologischer kindlicher Entwicklung zeigen. Diskutiert wird über die entmenschlichenden und brutalisierenden Auswirkungen von Pornographie, die zu sozialen Phänomenen wie nazistischen und kommunistischen Extremen führen können, als Aspekte des allgemeinen moralischen Niedergangs. Über die schizoide Natur von Praktiken, die die Sexualität von der Liebe (Rollo May) und von der Sinnhaftigkeit (Viktor Frankl) trennen. Und über die allgemeine Wirkung von Pornographie auf soziale Störungen.

Orgonomisch betrachtet wissen wir, dass Pornographie funktionell identisch ist mit orgastischer Impotenz und schwerer Panzerung. So dass sie Ausdruck der sekundären, perversen Schicht der menschlichen Struktur ist, wie sie von Reich skizziert wurde. Wo Liebe nicht frei fließen kann, wird sie durch Hass und Entstellung ersetzt. Ein Ausdruck dieses Hasses ist die moralische Unterdrückung jeglichen sexuellen Ausdrucks. Die andere Seite ist Pornographie, d.h. „alles ist erlaubt“. Beide haben den Zweck, die natürliche genitale Sexualität zu zerstören, ob sie nun ganz dagegen oder ganz „dafür“ sind. Das folgende Zitat aus einem Leitartikel der London Times aus dem Jahr 1970, das in diesem Buch abgedruckt ist, klingt daher zutreffend: „Die Pornographie hat immer irgendwo einen Hass auf den Menschen an sich, sowohl auf den Menschen als ein menschliches Wesen, das in der Lage ist, Idealen zu entsprechen, als auch auf den Menschen als ein Tier. Pornographie ist keine Bejahung, sondern eine Verleugnung des Lebens und kommerzielle Pornographie ist eine Verleugnung des Lebens um des Geldes willen.“

In einem Zitat aus Dreams and Symbolsb von Leopold Caligor und Rollo May heißt es: „… die heutigen Patienten scheinen in ihren Träumen insgesamt mit dem Kopf und den Genitalien beschäftigt zu sein und das Herz auszulassen“. Leider muss man sich fragen, inwieweit diese Autoren auch die Genitalien weglassen möchten. Hier liegt zum Teil eine Schwäche dieses Bandes. Zu viele der Autoren schreiben unter dem Gesichtspunkt einer idealistischen, mystischen Sichtweise von Sex und Liebe (die immer noch der mechanistischen, nihilistischen vorzuziehen ist), trennen beide und drücken eine fast abstrakte Präferenz für die Liebe aus. Eine solche Ansicht steht im Einklang mit dem, was Dr. Theodore P. Wolfe als „psycho-physischen Parallelismus“ bezeichnete.

 

Anmerkungen des Übersetzers

a In Reichianische Bücher (Teil 3), (S. 218f) habe ich den 1997 in dem Sammelband Nach Reich in deutscher Übersetzung abgedruckten Artikel Boadellas „Die Wiederkehr des Unterdrückten“ (1972) brutal abgekanzelt. Wobei zu bedenken ist, dass Nach Reich einen vollkommen anderen Anspruch hatte, als das von Prof. Mathews besprochene Buch. (Peter Nasselstein)

b Leopold Caligor, Rollo May: Dreams and symbols, man’s unconscious language. New York: Basic Books, 1968.
Deutsch: Die Sprache des Unbewussten. München: Kindler, 1973.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, 8. Jahrgang (1974), Nr. 1, S. 105-107.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Buchrezension: Wilhelm Reich. The Evolution of His Work (Teil 3)

29. Dezember 2020

von Paul Mathews, M.A.
Brooklyn, N.Y.

 
Als Antwort auf diese Argumente darf ich die Leser zunächst auf die bereits zitierte Rezension von Myron Sharaf verweisen. Dr. Sharaf weist darauf hin, dass Boadella „in die tückischen Stromschnellen der psychiatrischen Diagnose Reichs“ geraten ist und dass Boadella wirklich nicht in der Lage ist, weder die Gültigkeit von Reichs späteren Erkenntnissen und Hypothesen noch seine Beziehungen zu Mitarbeitern und Studenten zu beurteilen. Er stellt nicht die zugrundeliegenden Motive für Boadellas Behauptungen in Frage, vielleicht weil er ein sanfterer und freundlicherer Mann ist als ich. Beispielsweise beklagt sich Boadella, dass Reich ihn (in einem Brief an Ritter) dafür gegeißelt habe, er habe zu voreilige Schlussfolgerungen über UFOS gezogen, Reich dies jedoch in seinen letzten Tagen selbst getan habe.k Hier geht Boadella davon aus, dass eine Schlussfolgerung, zu der er ohne Empirie gelangt ist und eine, zu der Reich durch seinen Erfahrungsschatz kam, in Autorität und Gültigkeit gleichwertig sind. Wie weit ist dies eigentlich von der Arroganz und Verachtung entfernt, die Boadella mit der von ihm betriebenen selbst titulierten „Orgontherapie“ in den 60er Jahren offenbarte? Reich war in den 50er Jahren gegenüber Ritter und Boadella ziemlich hart, aber sie setzten ihren eingeschlagenen Weg unbeeindruckt fort und lieferten damals nur einige wenige fadenscheinige Gründe für ihr Verhalten. Aber gab es vielleicht eine unterschwellige Verbitterung gegenüber Reich, weil der sie entlarvte und kritisierte? Reich hat Myron Sharaf einmal gebeten, einen Artikel durchzugehen, den Sharaf selbst geschrieben hatte – einen Artikel, der viele von Reichs Konzepten des charakterbedingten Versteckspiels bejahte –, um zu eruieren, ob dieser von einem Feind der Orgonomie hätte geschrieben sein können (5). Sharaf antwortete schließlich bejahend und sagte, dass er im Kontext verstehen könne, warum eine solche Frage sogar ihm gestellt werden konntel. Möglicherweise könnte diese Frage Boadella am ehesten gestellt werden.

So viele der spezifischen Vorkommnisse und Umstände, die Boadella als Beweis für Reichs Wahnsinn anführt, können funktionell und im Kontext genauso gut als rational, ein bisschen eifernd, irrational aber dennoch nachvollziehbar usw. interpretiert werden, statt einen Geist zu konstatieren, der „ohne Unterlass stolpert“. Dr. Elsworth Baker, kein „Ja-Sager“ gegenüber Reich und sicherlich in einer unendlich besseren Position, um Reichs Zustand und Charakter zu beurteilen, hat uns ein völlig anderes Bild von Reichs letzten Jahren gegeben (6), ebenso wie Dr. Sharaf (7) und Lois Wyvellm (siehe Seite 173 dieser Zeitschrift). Was liegt Boadellas fast drei Kapiteln zugrunde, um zu „beweisen“, dass Reich verrückt war? Wie spielt dies jenen in die Hände, die wollen, dass die Welt solches glaubt? An einem Punkt verwendet Boadella einen rhetorischen Trick, um den Leser nicht nur von Reichs Wahnsinn zu überzeugen, sondern auch davon, dass dieser selbst von der emotionellen Pest betroffen ist: „Im Falle Reichs hat sich die Aussage bewahrheitet“, schreibt er, „daß wer den Kampf gegen die Pest aufnimmt, selbst von ihr angesteckt wird; in gewisser Hinsicht ging Reich so bei der Abkehr von den besten seiner Einsichten selbst voran“ (Seite 285)n. „Hat sich die Aussage bewahrheitet“ bedeutet natürlich, dass Boadella es so sieht. Boadella regt sich insbesondere über Reichs farbenfrohe Terminologie in Bezug auf emotionelle Pestcharaktere und deren Verhalten auf. Man kann sich nur wundern, in welchem Ausmaß die Angst vor Aggressivität und Direktheit bei Boadella die Wahrnehmung und Bewertung beeinträchtigt.

 

Anmerkungen des Übersetzers

k Siehe auch „Orgonenergie, Liebe und Raumschiffe“ von David Boadella in https://nachrichtenbrief.com/2018/05/04/orgonenergie-liebe-und-raumschiffe-1955-teil-1/
„Als Bestätigung hierfür läßt sich seine scharfe Reaktion auf eine Rezension werten, die ich über ein Buch von Leonard Cramp geschrieben hatte. Ich hatte darin die Reichschen Spekulationen über die Möglichkeit, daß die Ufos Orgonenergie als Antriebskraft benutzen, aufgenommen und sie zu den Beschreibungen in Beziehung gesetzt, die Cramp von verschiedenen Ufo-Erscheinungen gab. All dies war notgedrungen ein tastender und ganz theoretischer Versuch, da es natürlich keine sicheren Fakten gab, auf die man bauen konnte. Reich kommentierte in einem Brief an Paul Ritter diese Rezension: ‚Die Besprechung von Mr. Boadella zu dem Raumschiffbuch erscheint mir korrekt, aber in meinen Augen eilt sie unserem gesicherten Wissen etwas zu weit voraus. Die Thematik ist explosiv und gefährlich. Schon heute ist der Buchmarkt überschwemmt mit den sensationellen, mystischen, pathologischen Spielarten der Tatsachenentstellung. Ich würde äußerste Zurückhaltung vorschlagen.‘“ Boadella, Scherz Verlag, S. 291.

l „Myron Sharaf hat berichtet, wie Reich sich über einen – Sharafs – Aufsatz ‚Hiding and Spying‘ (‚Sich verbergen und spionieren‘) äußerte: ‚Beim nochmaligen Durchlesen vermochte ich weitere Zweifel nicht ganz abzuschütteln. Ich hatte das bestimmte Gefühl, daß dieser Aufsatz von Ihnen auch das Werk entweder eines perfekten Modju-Genies oder eines meisterhaften Witzboldes sein könnte. Ich versuche nicht, Ihnen Angst einzujagen oder Sie zu beleidigen … Ich bitte Sie deshalb darum, Ihren eigenen Aufsatz sorgfältig zu analysieren und sich eine Meinung zu den folgenden zwei Fragen zu bilden: 1. Könnte dieser Aufsatz, wie er dasteht, von einem überzeugten, ausgewachsenen politischen Modju verfaßt worden sein? Wenn ja, wie? 2. Könnte diesen Aufsatz ein scharfsinniger Witzbold geschrieben haben, um die Orgonomie in den Augen der Öffentlichkeit zu diskreditieren? Wenn ja, wie?‘“ Boadella, Scherz Verlag, S. 271f.

m Lois Wyvell, An Appreciation of Reich.

n Boadella, Scherz Verlag, S. 274.

 

Literatur

5. Sharaf, M.: Preface (November, 1957) to “Hiding and Spying: Organized and Unorganized (1953)”, Orgonomic Functionalism, January, 1959

6. Baker, E. F.: „Wilhelm Reich,” Journal of Orgonomy, 1:23-55, 1967.

7. Sharaf, M.: Book review of Wilhelm Reich: A Personal Biography by Ilse
Ollendorff Reich, Journal of Orgonomy, 3:254-66, 1969.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 2, S. 272-276.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Buchrezension: Wilhelm Reich. The Evolution of His Work (Teil 1)

22. Dezember 2020

Wilhelm Reich: The Evolution of His Work. Von David Boadella. London: Vision Press, 1973, 400 S., £5,40.
(Deutsch: Wilhelm Reich. Leben und Werk des Mannes, der in der Sexualität das Problem der modernen Gesellschaft erkannte und der Psychologie neue Wege wies. Scherz-Verlag, Bern und München, 1981.)

von Paul Mathews, M.A.
Brooklyn, N.Y.

 

Der Autor dieses Bandes ist Pädagoge und veröffentlicht seine eigene Zeitschrift Energy and Character. Er hat keine Anbindung an die amerikanische Orgonomie. In den vergangenen Jahren war er mit dem englischen Architekten Paul Ritter assoziiert, der unter anderem die inzwischen eingestellte Zeitschrift Orgonomic Functionalism veröffentlichte.

Nun hat David Boadella einen bedeutenden Band über Reich und sein Werk vorgelegt, der, wie Dr. Myron Sharaf in seiner Besprechung des Buches bemerkt, zum ersten Mal ein „ziemlich vollständiges Bild der Gesamtheit von Reichs Werk und seiner Entwicklung“ (1) vermittelt. Es mag kleinlich erscheinen, aber der Buchumschlag, der die Namen so prominenter Persönlichkeiten wie A. S. Neill, Dr. Ola Raknes und Dr. Myron Sharaf (die alle durch Anhänge früherer Schriften vertreten sind) unter dem großen, hervorstechenden Namen des Autors nebeneinanderstellt, schreckte mich ab. Es scheint eine ziemlich kalkulierte Selbsterhöhung vorzuliegen.

In diesem Buch breitet Boadella sein umfänglich angesammeltes orgonomisches Wissen aus, gut dokumentiert und voller Fakten, und zwar in Form einer ergänzenden Bibliographie der Orgonomie von 1953-1960, die zuvor bei Ritter Press erschienen war (2). Wichtig ist jedoch nicht die mechanische Anhäufung von Fakten und Daten, sondern das, was man funktionell damit macht, und Boadella behandelt die objektive Entwicklungsgeschichte von Reichs Werk in einer gleichmäßigen, informativen und gelegentlich auch wissenschaftlichen Weise. Obwohl ich das Ausmaß des Lobes, das Dr. Sharaf den objektiven Teilen dieses Buches zukommen lässt, nicht zustimmen kann, glaube ich doch, dass Boadella eine lobenswerte Arbeit geleistet hat, indem er Informationen aus Reichs wissenschaftlichen und sozialen Schriften sowie aus verwandten Quellen präsentiert, um eine lesbare, sachliche, einigermaßen genaue Zusammenstellung seiner Arbeit zu schaffen. Er hält sich so eng wie möglich an Reichs eigene Aussagen, verwendet Zitate oder paraphrasiert und hält seine eigenen subjektiven Bewertungen so gering wie möglich. Lobenswert ist auch die Aufnahme mehrerer wichtiger und interessanter Anhänge, insbesondere eine Übersetzung von Roger du Teil’s Mitteilung an die Naturphilosophische Gesellschaft in Nizza 1937, die Reichs Bion-Experimente bestätigt. Es besteht jedoch die Tendenz, Reich mit randständigen und eklektischen Gruppen gleichzusetzen und Personen wie Dr. Alexander Lowen für vorgebliche Beiträge zu Reichs Werk und dessen „Erweiterungen“ mehr als verdiente Anerkennung zu zollen. Etwa hinsichtlich Reichs Konzept der orgastischen Potenz.a

 

Anmerkungen des Übersetzers

a „Aus diesem Grunde haben jene beiden Mitarbeiter Reichs – Philipson und Lowen – die am meisten für die Weiterentwicklung seiner Konzepte und für die noch deutlichere Herausarbeitung seiner Unterscheidungen taten, die Orgasmusfunktion in den Zusammenhang der Untersuchung der zwischenmenschlichen Beziehungen überhaupt gestellt. (…) Alexander Lowens Buch Liebe und Orgasmus liefert eine eingehende Untersuchung der sexuellen Funktionen und ihrer Störungen sowie beider Beziehungen zu Kindheitserlebnissen einerseits und zur Persönlichkeitsentwicklung im allgemeinen andererseits. (…) Lowen bekräftigt die Auffassung Reichs, daß orgastische Potenz ein Ausdruck der Gesundheit und nicht ein Patentrezept zu ihrer Erlangung ist, und erteilt damit denen eine deutliche Antwort, die Reichs Ausführungen als einen Versuch mißverstehen, den Orgasmus zum Allheilmittel zu deklarieren. Während Philipson und Lowen die Reichsche Orgasmustheorie für detailliertere Studien des menschlichen Liebeslebens und der Persönlichkeitsstruktur fruchtbar machten . . .“ Boadella, Scherz Verlag, S. 34-36.

 

Literatur

1. Sharaf, M.: Book review of Wilhelm Reich: The Evolution of His Work by
D. Boadella, Energy and Character, January, 1973 (Abbotsbury, England).
2. Boadella, D.: Bibliography on Orgonomy, 1953-60 – First Supplement.
Nottingham, England: Ritter Press.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 7 (1973), Nr. 2, S. 272-276.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 2)

10. Februar 2020

6. Reichs Tochter und anfängliche Treuhänderin seines Nachlasses, Eva Reich, hielt sich ebenfalls „aus allem raus“, begann aber in den 1970er Jahren eine Vortragstätigkeit und arbeitete weltweit mit wirklich fast jedem zusammen, der auch nur ein entferntes Interesse an Reich zeigte. Sie wurde dergestalt so etwas wie die Übermutter des „Reichianismus“. All das wurde gefärbt durch ihre absurde persönliche Ideologie („ich bin eine christliche Sozialistin“) und ihre bereits in den 1980er Jahren einsetzende Demenz. Übrigens war sie nie Orgontherapeutin und hat das auch nie von sich behauptet!

7. Neben Silvert war Robert McCullough, ein Biologe, der zweite wichtige Mitarbeiter Reichs im nichtmedizinischen Bereich. Insbesondere spielte er während der Expedition nach Arizona eine Rolle. Anfang der 1970er Jahre tat er sich mit dem anthroposophisch (sic!) und allgemein okkultistisch orientierten Cloudbuster-Operateur Trevor Constable zusammen. Ich verweise auf meine Rezension von dessen Buch The Cosmic Pulse of Life. Vor kurzem verstorben, bildete Constable bis heute sozusagen die „Schnittstelle“ zwischen Orgonomie und Okkultismus, insbesondere über die Borderland Science Research Foundation.

8. Jerome Eden, ebenfalls Cloudbuster-Operateur, war gewisserweise der Gegenpol Constables in der Orgonomie. Ich verweise auf den „Jerome Eden-Teil“ von www.orgonomie.net.

9. Paul Ritter und sein Mitstreiter David Boadella wirkten zwar nicht in Amerika, doch gehören sie hierher, weil es bereits in den frühen 1940er Jahren enge Kontakte zwischen Reich und der „englischen Gruppe“ gab, hierher gehört insbesondere der Name Derek Eastmond. Ritters 1954 erstmals erschienene Zeitschrift Orgonomic Functionalism war das einzige Periodikum, das ein Kontinuum zwischen der Orgonomie zu Reichs Zeiten, der vorangegangenen Sexpol (etwa in Holland) und den späteren Entwicklungen herstellte. Das Problem mit dem Architekten Ritter war, daß er sich als vollkommener Laie anmaßte „therapeutisch“ tätig zu sein und Reichs Funktionalismus „weiterzuentwickeln“. Einen Eindruck von der, zumindest zu Reichs Lebzeiten und kurz danach teilweise durchaus wertvolle, Arbeit der Gruppe vermitteln die Artikel von Boadella, die ich hier im Nachrichtenbrief veröffentlicht habe: „Orgonenergie, Liebe und Raumschiffe (1955)“ (11 Teile), „Einige orgonotische Erstrahlungseffekte. Eine vorläufige Mitteilung (1958)“ (7 Teile) und „Orgonotische Erregungseffekte II (1958)“ (8 Teile).

Paul Mathews: Die Wirkungsweise der Emotionellen Pest

5. September 2019

 

Paul Mathews:
Die Wirkungsweise der Emotionellen Pest

 

Antwort auf David Boadellas „Occupational Hazards in Orgonomy“

14. März 2019

von Paul Mathews

Zunächst sei ein für alle Mal klargestellt, daß Wilhelm Reich nie verrückt geworden ist, bezeugt nicht nur durch den vom Gericht bestellten Psychiater, sondern auch von denjenigen, die ihn persönlich kannten; von Anfang an bis zum Tag seines Todes engen Kontakt und Umgang mit ihm hatten. Bis zum Ende, als er kurz zuvor noch sein letztes Buch in der Gefängniszelle abgeschlossen hatte, war er vollauf Herr seines Urteilsvermögens und seiner Geisteskräfte. Er wurde sowohl nach klassischen als auch nach orgonomischen Maßstäben als vollkommen geistig gesund von Leuten beurteilt, die dazu am sachkundigsten waren, was ihre Kenntnisse der Psychiatrie, seines Lebens und die direkte unmittelbare Beobachtung angeht. Die Angriffe auf die geistige Gesundheit Reichs sind von denen ausgegangen, die inkompetent sind und nie in irgendeiner Weise persönlichen Kontakt zu Reich hatten. Bei diesen Angriffen handelt es sich daher definitionsgemäß um Angriffe der Emotionellen Pest und durch Modju (eine spezifische Form der Pest, die solange unersättlich ist, bis sie ihr Opfer tatsächlich getötet hat). Boadellas Artikel veranschaulicht dies:

Die Schlange entblößt ihre Reißzähne, während sie zischt und faucht und dann auf das Opfer stürzt, wobei sie ihre giftigen Reißzähne tief in seinen Hals versenkt. Die Schlange ist ein „Laientherapeut“ namens David Boadella – selbst der „Therapie“- und „Ausbildungs“-Frankenstein des „Laientherapeuten“ Paul Ritter. Boadella kann sehr wohl Resultat von Ritters schimärischen und miasmatischen Vorstellungen von „Therapie“ sein.

Boadellas Artikel ist natürlich ein weiterer plumper Versuch den Einfluß und die Bedeutung von Reich und der Orgonomie zu zerstören – in einer langen Reihe derartiger Versuche (mit ihren Verflechtungen und ihrem System von Kettenreaktionen) – und nichts weniger als das. Es ist das „ad hominem“, um alle „ad hominems“ zu „ad hominem“. [Gemeint ist: Boadella immunisiert sich gegen „persönliche Angriffe“ (Mathews nennt ihn „Modju“), indem er Reich persönlich angreift (Boadella bezeichnet den Schöpfer des Konzepts „Modju“ als „Verrückten“), PN.] Es ist das Werk Modjus von seiner frühesten salbungsvollen Vorspiegelung von Freundlichkeit bis zu seinem letzten „Mörder-Angriffen“ auf das Leben und die Arbeit eines Mannes, neben dem der Angreifer sich ausmacht wie eine faulige Kloake im Vergleich zu einem Ozean. Es ist Viertelwahrheit und dick aufgetragene Verzerrung, gezeugt durch Neid, Ignoranz und Schrecken. Es ist die größt denkbare Impertinenz!

Modju weiß sehr gut, wie er die Angst, den Haß und den Verdacht der Menschen gegen sein Opfer wecken kann, indem er es durch Verdrehungen mit den Kräften des Schwarzen Faschismus in eine Reihe stellt. Modju weiß, wie er an die Angst vor Bewegung und starkem Handeln bei den Menschen appellieren kann, indem er die Bedeutung einer ärztlichen Einschätzung der Pest (Modju selbst) so verzerrt, daß sie dasselbe bedeutet wie München, Panmunjom und andere derartige „medizinische“ Ansätze. Er weiß, wie mit der Prämisse zu beginnen ist, sein Opfer leide unter „Paranoia“ (direkt aus den psychopolitischen Lehrbüchern aus „Modjuland“), und „einen Fall“ mit solchen „Autoritäten“ wie dem „entscheidenden“ Jack Green [ein „Reichianischer“ „Beatnik“ aus dem Greenwich Village der 1950er Jahre] und mit dem Mißbrauch von Myron Sharafs Aussagen, die von den Prämissen Modjus eingekreist sind, „aufzubauen“.

Modju hat sich nie die Mühe gemacht und die Arbeit auf sich genommen, das Material aus erster Hand an seiner Quelle zu studieren, um sich mit einer echten Therapie von Unreinheiten zu befreien (schließlich hatte Reich nie eine Orgontherapie – warum sollte also Modju eine haben?) – weil das das Ende von Modju bedeuten würde – und er weiß das! Modju hat nie Monate damit verbracht, die Atmosphäre und andere Phänomene in Arizona oder Maine zu untersuchen (er war zu sehr damit beschäftigt, das zu verzerren und dann zu generalisieren, was er ohne Verständnis gelesen hat). Er hat niemals harte Arbeit aufgebracht und auch nicht unter der Verfolgung gelitten, die er selbst seinem Opfer, dem echten Wissenschaftler und Arbeiter, angedeihen läßt. Er will aus zweiter Hand Kraft und Frieden schöpfen, indem er seinen „großen Peiniger“ zerstört.

Glücklicherweise hat uns der „große Peiniger“ jedoch beigebracht, Modju zu sehen und zu verstehen – wie er ihn vor 1950 und 1947 und sogar schon lange vorher gesehen und verstanden hat.

Wir haben gut gelernt, die „no see-ems“ zu sehen. [Winzige und deshalb „unsichtbare“ blutsaugende Mücken. Reichs Bild für den hinterhältigen und feigen pestilenten Charakter, der aus dem Verborgenen mit übler Nachrede arbeitet, PN.]

 

Aus der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 7 (1961), No. 3-4, S. 218f.

Eine Einführung zu Paul Mathews‘ Auseinandersetzung mit Kritikern der Orgontherapie

11. März 2019

Morgen erscheint der erste Teil von Paul Mathews‘ 1961 erschienenen Auseinandersetzung mit dem sich formierenden „Reichianismus“. Er kann als eine vorweggenommene Illustration zu seinem Artikel über die Mechanismen der Emotionellen Pest betrachtet werden.

Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre ist David Boadella mit einer heftigen Kritik an dem späten Reich und seinen Schülern hervorgetreten: sie hätten die ausgewogene „charakteranalytische Vegetotherapie“ auf eine „bloße Vegetotherapie“ reduziert, die Psyche im allgemeinen und die Charakteranalyse im besonderen vernachlässigt und alles auf die rasche Heilung von Symptomen durch körperliche Interventionen gesetzt. Wie fast immer bei derartigen Einwänden ist auch dieser nicht vollkommen von der Hand zu weisen. Reich konzentrierte sich stets auf seine neusten Entwicklungen, in diesem Fall auf die segmentäre Struktur des Muskelpanzers, außerdem war für ihn Orgontherapie Teil der Ausbildung seiner Mitarbeiter und mußte entsprechend schnell durchlaufen werden. (Genau unter dieser Prämisse verlief seine therapeutische Tätigkeit in den USA, schließlich war er nirgends als Arzt und Psychotherapeut registriert!) Auch experimentierte er mit dem Versuch den Orgasmusreflex möglichst früh freizulegen, in der Hoffnung die Gesundheit würde sich selbst organisieren, warnte aber ausdrücklich seine Schüler davor, dieser Ansatz sei nur etwas für die bestausgebildeten und erfahrensten Orgontherapeuten.

1967 veröffentlichte dann der nach Reich zweifellos bestausgebildete und erfahrenste Orgontherapeut, Elsworth F. Baker, sein Buch Der Mensch in der Falle und gleich hob die gegenteilige Kritik an: zu viel Bezug auf psychoanalytische Konzepte. Außerdem seien Bakers Beschreibungen zu schematisch und geradezu „kochbuch-artig“. Zu diesen Kritikpunkten ist zu sagen, daß Baker (abgesehen von Ola Raknes) der einzige vollausgebildete Psychoanalytiker unter den Orgontherapeuten war, Reich ihn zum Herausgeber seiner frühen psychoanalytischen Schriften erwählt hatte und ihm als offizieller Ausbilder des Orgone Institute für neue Orgontherapeuten jene Aspekte seiner Arbeit übertragen hatte, für die er, Reich, kein Interesse mehr aufbrachte und auch keine Zeit mehr hatte. Außerdem war bereits dem Charakteranalytiker Reich von seinen psychoanalytischen Kollegen vorgeworfen worden zu schematisch vorzugehen. Natürlich ist auch die Kritik an Baker nicht vollständig aus der Luft gegriffen, was man schon daran sieht, daß seit seinem Tod 1986 von den Orgonomen weitaus weniger auf eine psychoanalytische Begrifflichkeit zurückgegriffen wird.

Am drolligsten sind vielleicht jene Kritiker, die die Orgon-Biophysik, die Überlagerung und das kosmische Orgonenergie-Ingenieurswesen für sich entdeckt haben und die die Orgonomen sozusagen „orgonomisch überholen“ wollen. Sie sind „drollig“, weil sie offensichtlich Erstrahlung, Pulsation und die KRW-Bewegung nicht auseinanderhalten können und ein heilloses Durcheinander erzeugen. Aber natürlich ist auch ihre Kritik nicht vollständig aus der Luft gegriffen. Es ist aber auch offensichtlich, daß selbst der beste Orgonom, der im 45 Minuten-Rhythmus Patienten empfängt, froh ist, wenn er auf, wie soll ich sagen, „mondäne“ Techniken zurückgreifen kann. Die Kritik an den Orgontherapeuten ist fast durchweg kindisch und schlichtweg überflüssige Wichtigtuerei.

In einem zweiten Artikel griff Boadella sogar Reich selbst an und stellte dessen Geisteszustand in den letzten Jahren in Frage. Darauf geht Mathews in einer weiteren Antwort ein.

Die Wirkungsweise der emotionalen Pest (Teil 2)

11. Januar 2019

 

Paul Mathews:
Die Wirkungsweise der Emotionellen Pest

 

Orgonotische Erregungseffekte II (1958) (Teil 7)

11. Dezember 2018

von David Boadella

6. Die Pulsation der Elektroskop-Blätter

Bisher wurden verschiedene Wege zum Laden und Entladen des Elektroskops beschrieben. Was folgt, ist ein Bericht über das Verhalten des Elektroskops, nachdem es geladen worden ist: Als ich das Material entfernte, welches das Elektroskop an der Scheibe geladen hatte (entweder durch direkten Kontakt oder durch Induktion), begannen die Blätter zuerst zu konvergieren, dann sich aber fast sofort wieder abzuspreizen; manchmal war das Ausmaß der Wiederabspreizung größer als das der anfänglichen Abspreizung. Oft war es etwas weniger. Und zu anderen Zeiten war sie geringfügig oder erschien gar nicht. Im letzteren Fall konnte das Elektroskop die auf es übertragene Ladung nicht aufrechterhalten. Interessant ist, daß, wenn das Elektroskop seine anfängliche Ladung beibehalten oder sogar erhöht hat, dies sich niemals direkt nach der Entfernung des Ladungsmaterials zutrug. Immer gab es eine dazwischenliegende Phase partieller Konvergenz der Blätter. Je schneller ich den Isolator entfernte, desto schneller zuckten die Blätter zusammen und wieder auseinander. Es war sogar möglich, die Reaktion zu verpassen, wenn man nicht gezielt danach schaute, genauso wie man sich nicht bewußt ist, wie oft eine Person mit ihren Augenlidern blinzelt, es sei denn, das Blinzeln ist sehr offensichtlich, oder man ist danach aus, genau dies zu bemerken. Die Analogie zum Blinzeln mag weit hergeholt klingen, aber es ist eine faszinierende Tatsache, daß die erregten Goldblätter sich in vieler Hinsicht so verhalten, als ob sie ‚lebendig‘ wären. Reich beobachtete eine ähnliche Anziehung und Abstoßung in angeregten Seidenfäden. Er schrieb, daß „die Reaktion mich an kontrahierende Froschschenkel erinnert. Zuerst wollte ich diesen Vergleich von mir weisen“ (5, S. 134). Der Übersetzer des Artikels, Theodor Wolfe, fügte eine interessante Fußnote hinzu:

Es erscheint mir eigentümlich, daß die Bewegung eines Paares von Seidenfäden an eine biologische Bewegung erinnern sollte. Ich erinnere mich gut an mein Erstaunen, als ich dieses Experiment zum ersten Mal sah. Mein unmittelbarer Eindruck war tatsächlich der von sich bewegenden Froschschenkeln. Zeuge solcher Experimente zu sein, die immer wieder das Funktionieren einer einheitlichen Energie sowohl im physischen als auch im biologischen Bereich demonstrieren, ist eine der beeindruckendsten Erfahrungen. (5, S. 134)

Das Phänomen der alternierenden Bewegung als Reaktion auf die Anregung eines geladenen Elektroskops tritt nicht nur beim Entfernen des Isolators auf, sondern auch bei der erneuten Annäherung desselben Isolators. Das heißt, wenn man ein Stück geladenen Gummis in die Nähe eines Elektroskops bringt, das schon von demselben Stück Gummi erregt worden ist und seine Ladung behalten hat, beginnen die Blätter zu konvergieren, wenn das Gummi sich nähert, aber ab einem bestimmten Punkt spreizen sie sich wieder und bleiben gespreizt, wenn sich das Gummi auf der Scheibe befindet. Indem ich also zwei Bewegungen mit dem geladenen Isolator (zur Elektroskopscheibe und von ihr weg) vollführte, erzeugte ich vier abwechselnde Bewegungen in den Blättern: Konvergenz, Abspreizung, Konvergenz, Abspreizung. Es war die Beobachtung dieser Art von Bewegung, hier und in anderen Kontexten, die Reich dazu brachte, den Begriff „Pulsation“ als Beschreibung für das zu verwenden, was stattgefunden hat. Reich wies darauf hin, daß die Pulsation in den Blättern „nur dann erfolgt, wenn der Kontakt des Energiefeldes mit der angeregten Substanz hergestellt und wenn es unterbrochen wird“ (5, S. 133). Das gleiche Phänomen wird gefunden, wenn eine Glühbirne durch einen geladenen Isolator in einer Entfernung angeregt wird. Reich beschrieb, wie das Flackern einer durch einen geladenen Stab angeregten Leuchtstofflampe einer Abfolge von „Kontakt und Kontaktunterbrechung“ entspricht. Es scheint auch wahrscheinlich zu sein, daß dies passiert, wenn wir eine Glühbirne mit unseren Händen streicheln. Harveys Betonung der „Trennung von Oberflächen“ als eine Erklärung der Lumineszenz von Rollpflaster, etc., kann jetzt als ein spezieller Fall von „Kontaktunterbrechung“ angesehen werden. Der Kontakt von Oberflächen ist nicht wesentlich, da die Anziehung und Dissoziation von Energiefeldern sowohl zu Erstrahlungseffekten bei Glühbirnen und Isolatoren führt als auch zu Pulsationseffekten bei Elektroskopblättern.

Die Phänomene sind weit davon entfernt, sich einer starren bzw. harten und schnellen Schematisierung zu unterwerfen. Die zweifache Bewegung der Pulsation (Konvergenz-Abspreizung) ist keineswegs die einzige Reaktion auf die Erregung an der Scheibe. Jede Art von Bewegung tritt auch isoliert auf. Manchmal gibt es nur Konvergenz, manchmal nur eine stärkere Abspreizung. Daß diese Unterschiede nicht mit „positiver und negativer Elektrizität“ erklärt werden können, ergibt sich daraus, daß die Annäherung ein und desselben geladenen Materials an ein identisch geladenes Elektroskop zu einer dieser gegensätzlichen Bewegungen führen kann. Die Annahme von Anziehung und Dissoziation als gegensätzliche Funktionen einer einheitlichen Energie macht hier, angesichts der Fakten, einen besseren Sinn, wie sich an den Effekten von Isolatoren aufeinander gezeigt hat.

 

Literatur

5. Reich, Wilhelm: „Orgonotic Pulsation: the differentiation of orgone energy from electro-magnetism. Presented in talks with an electro-physicist“ (insbesondere Part II: The orgonotic excitation of insulators. Questionable points in the concept of static electricity), International Journal of Sex-Economy and Orgone Research, Vol. 4, 1945

 

Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Orgonotic Excitation Effects II“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 4, S. 211-232.

Orgonotische Erregungseffekte II (1958) (Teil 3)

30. November 2018

von David Boadella

2. Die Erstrahlung von Isolatoren (Fortsetzung)

Harvey hat in seinem Buch über LIVING LIGHT (lebendiges Licht) einige Beispiele von Erstrahlung vorgebracht, die den gegenwärtigen näher zu kommen scheinen. Sein Absatz dazu ist interessant genug, um ihn vollständig zu zitieren:

Was häufig als Reibungselektrizität bezeichnet wird, ist tatsächlich Elektrizität, die aus der Trennung von Oberflächen hervorgeht. Viele Beispiele sind bekannt. Die vorübergehende grünliche Lumineszenz, die an der Stelle auftritt, wo der Film des Elektrikers oder des Chirurgen oder „Scotch“ von einer Rolle abgezogen wird, ist bereits erwähnt worden. Der Autor hat beobachtet, daß diese Lumineszenz bei einigen Proben so hell sein kann, daß sie bei nur teilweise dunkeladaptierten Augen sichtbar ist. Das Phänomen kann wiederholt werden, wenn das Band zurückgespult und dann wieder abgezogen wird, und erscheint auch, wenn die klebrigen Seiten des Bandes zusammengepreßt und dann voneinander getrennt werden. Montagekleber, ob es nun zwei Stücke aus Metall, Glas, Papier, Zellophan oder zwei beliebige unterschiedliche Materialien sind, luminesziert, wenn die Oberflächen getrennt werden. Viele andere Substanzen, wenn sie eng aneinander haften, werden auch beim Auseinanderziehen lumineszieren. Filme, die von Glas oder Metall abgezogen werden, geben einen Lumineszenzblitz, zum Beispiel Kollodium, gelöst in einer Äther-Alkohol-Mischung, das auf eine Glasplatte gegossen wird und das man trocknen läßt. (7, S. 105f)

Harvey fährt fort, um seine Erklärung für diese Effekte zu geben:

Die Erklärung für alle derartigen Lumineszenzen scheint folgende zu sein: Immer wenn zwei Oberflächen voneinander getrennt werden, nimmt die Kapazität ab und die Spannung steigt an, bis eine Entladung stattfindet, wodurch das umgebende Gas angeregt wird zu lumineszieren. Daß eine Entladung tatsächlich stattfindet, kann leicht durch Abstreifen von Klebeband oder Scotch-Band in einer Neongas-Atmosphäre von 2 bis 4 cm Hg Druck gezeigt werden. Dann ist die Lumineszenz rötlich … Rote Lumineszenz tritt auch auf, wenn zwei Streifen Glimmer auseinander gezogen werden oder wenn Kollodium- oder bernsteinähnliche- oder Gummifilme in einer Niederdruck-Neon-Atmosphäre von Glas abgelöst werden. (7, S. 105)

So werden wir wieder zu Volt gebracht und zu der Art von Satz, der den Brief von der NPL charakterisiert: die Erklärung ‚scheint‘ dies oder das zu sein. Die Nuanciertheit oder Sanftheit der Aktivität, die notwendig ist, um eine Erstrahlung zu erzeugen, ist mit der elektrischen Vorstellung von Volt völlig unvereinbar.

An diesem Punkt müssen zwei weitere bemerkenswerte Beobachtungen aufgezeichnet werden. Ich lud einen Ethilon-Streifen [eine Art von Nylon] auf, indem ich ihn durch meine Finger zog, und bemerkte das Flackern, das dadurch entstand, als es so schien, daß einige der Lichtpunkte außerhalb des Bereichs des Ethilon lagen. Zuerst sah es so aus, als würde ein Teil des Lichts in den angrenzenden Raum „geschleudert“ werden, als ob ich ein Tuch in eine phosphoreszierende Farbe getaucht hätte und einen Teil der Farbe abschüttelte. Aber bei näherer Betrachtung zeigte sich, daß die Lichtpunkte tatsächlich kurz an der Kante eines nahegelegenen Holzregals leuchteten. Durch weiteres Wiederholen des Aufladens des Ethilon konnte dies viele Male wiederholt werden. Irgendwann konnte ich eine lange Reihe von Leuchtpunkten am Rand des Regals erzeugen, wenn ich in seiner Nähe über das Ethilon strich. Das Holz wurde überhaupt nicht berührt, daher wurde keine Reibung ausgeübt, und es gab keine Trennung von Oberflächen. Es war auch möglich, winzige Lichtpunkte auf dem Handrücken hervorzurufen, auf die gleiche Weise, ohne Kontakt und ohne Funkenbildung. Der emotionale Eindruck dieser leuchtenden Punkte, die in totem, unbeweglichem Holz und in einer untätigen Hand erschienen, war sehr bewegend. Besonders die Punkte auf dem Holz, die zahlreicher waren, erinnerten mich an einen wolkigen Nachthimmel, in dem eine Wolke zeitweise dünner geworden ist, so daß die Sterne für eine Sekunde durchscheinen, bevor sie im nächsten Augenblick wieder überdeckt werden.

Die zweite Beobachtung wurde erstmals gemacht, als die Kunststoffolie von der Akkumulatorwand gezogen wurde, wie oben beschrieben. Als ich meinen Arm in der Nähe hielt, um die Erstrahlung zu induzieren, spürte ich auf der Rückseite meines Armes ein sehr ausgeprägtes und unverwechselbares Gefühl von Wärme und Kribbeln. Am bemerkenswertesten und überzeugendsten ist die Tatsache, daß dieses Gefühl des Prickelns genau das ist, was man von der Akkumulatorwand erhält, wenn der Arm in geringem Abstand von ihr gehalten wird. Der Hauptunterschied besteht darin, daß der Effekt des Isolators viel stärker ist, solange er anhält, wobei er in einer Entfernung von sechs Zoll oder mehr vom Material besonders stark ausgeprägt ist, aber schnell nachläßt, während die Empfindungen, die durch die Akkumulatorwand induziert werden, kontinuierlich sind und nur mit dem Wetter variieren.

Ich habe diesen Effekt auch außerhalb des Akkumulators leicht erhalten, und er war am stärksten mit dem Ethilon-Streifen. Die Empfindung kann am besten als die beschrieben werden, die mit dem sehr leichtem Kontakt mit Fell verbunden ist oder mit Fäden, die man sich über die Haut ziehen läßt. Die Akkumulator-Empfindungen wurden auch mit dieser Art von Effekt verglichen (8).

Ich habe versucht herauszufinden, ob es in der Literatur über statische Elektrizität einen Hinweis auf einen solchen Effekt gibt. Leider sind die meisten modernen Lehrbücher mit der quantitativen und mathematischen Beschreibung des statischen Feldes beschäftigt und ignorieren dessen qualitative Eigenschaften. Es war notwendig, sich in Bücher zu vertiefen, die im letzten Jahrhundert geschrieben worden sind, bevor ich das Glück hatte, den folgenden kurzen Hinweis zu finden:

Andere Eigenschaften von elektrifizierten Körpern – Exp. 67. Elektrifiziere ein Glasrohr stark und halte es nahe dem Gesicht. Es wird eine besondere Empfindung wahrgenommen, die mit der des Kontakts mit Spinnweben vergleichbar ist. (12, S. 59)

Als ich aus dem Akkumulator kam, nachdem ich ungefähr eine Stunde lang mit einer Plastikfolie, die lose an den Innenwänden befestigt war, in ihm gesessen hatte, rief meine Frau überrascht, daß ich sehr rot aussähe. Ich schaute mich im Spiegel an und sah, daß mein Gesicht tatsächlich viel röter als sonst war und mein Hals fleckig war, als hätte ich einen leichten Ausschlag. Dies ließ bald nach. Bioenergetische Reaktionen wie diese sind Benutzern des Akkumulators in milderer Form bekannt. Sie können nicht im geringsten durch solche Bemerkungen erklärt werden, wie: „Du sitzt einfach da drin und es wird heiß und stickig“ (Washington Daily Post, 28.09.56). Das Vorhandensein einer Strahlung irgendeiner Art, ausgehend von dem angeregten Plastik oder Ethilon-Streifen, ist unverkennbar. Und diese Strahlung hat alle Eigenschaften, die wir mit dem Orgon verbinden.

 

Literatur

7. Harvey, E. Newton: LIVING LIGHT, Princeton University Press, 1940

8. Boadolla, David und Fancroff, Schleim: „Subjective reactions to the orgone accumulator“. Orgonomic Functionalism, Vol. II, 1955

12. Poyser, A.W.: MAGNETISM AND ELECTRICITY, Longmans, Green, & Co. 1895

 

Abdruck der Übersetzung aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung des Autors, Dr. Boadella. Der Originalaufsatz „Orgonotic Excitation Effects II“ findet sich in der von Paul und Jean Ritter in Nottingham, England herausgegebenen Zeitschrift Orgonomic Functionalism, Vol. 5 (1958), No. 4, S. 211-232.