Emotionen und Politische Diskussion (Teil 1)

von David Holbrook, M.D.

Ich persönlich verstehe nicht, warum, wenn man mit der Politik von Leuten nicht einverstanden ist, das bedeuten muß, daß man sie nicht mag und daß sie schlechte Menschen sind. Es ist meiner Meinung nach eine sehr engstirnige Sicht auf und Herangehensweise an die menschliche Natur. Aber ich verstehe, daß manche Menschen sich so gründlich mit ihren Überzeugungen identifizieren, daß sie diese nicht lange genug auf Abstand halten können, um das Menschliche in jemandem, dem sie nicht zustimmen, zu sehen und sogar zu schätzen. Schade.

Von meiner Arbeit als Therapeut her habe ich einen Instinkt entwickelt, um zu spüren, wo das „nicht dort Hingehen“ bei Menschen liegt. Im allgemeinen kann man Menschen nur erreichen, wenn man nicht in die Zone des „nicht dort Hingehen“ vordringt. Man muß einen Ort finden, der etwas oberflächlicher ist als diese Zone, oder vielleicht einen Weg finden, der um sie herum führt, wenn man mit jemanden auf eine Weise kommunizieren will, die ihm zeigt, daß man seine Grenzen und seine Subjektivität respektiert – mit anderen Worten man vermeidet ihn zum Objekt zu machen.

Das gleiche gilt für die Politik: es ist eine „nicht dort Hingehen“-Zone. Früher verstanden die Menschen das, wenn sie davor warnten, jemals mit anderen Menschen über Religion oder Politik zu diskutieren.

Im gegenwärtigen Klima gehe ich davon aus, daß es sehr unwahrscheinlich ist, mit jemandem einer anderen politischen Ausrichtung über Politik diskutieren zu können, weil heutzutage für fast jeden Politik im Wesentlichen eine „nicht dort Hingehen“-Zone ist. Im politischen Kontext ist diese Zone ein Ort, an dem, wenn man hineingeht, die andere Person die Perspektive verlieren und deine Menschlichkeit nicht mehr sehen wird. Es ist so eine tragische Verschwendung.

Ich glaube wirklich und zutiefst, daß ein sehr großer Prozentsatz der Menschen den Kontakt mit jeglicher Art von Bewußtsein für unsere gemeinsame Menschlichkeit verloren hat. Für diese Leute BIST du deine Politik. Dies ist meiner Meinung nach ein Fehler. In der Tat ist es die Art von Fehler, die das meiste Blutvergießen in der Geschichte der Menschheit verursacht hat.

Ich kann verstehen, daß wir auf den Gedanken kommen, wir seien unsere Politik, aber ich denke, daß die Leute eine breitere Sichtweise haben müssen. Obwohl die politische Identifikation viel über eine Person aussagt, ist es nicht alles, was man über jemanden sagen oder wissen oder an ihm schätzen kann. Man verstehe es nicht als einen Ausdruck von Sentimentalität, wenn ich sage, daß unsere gemeinsame Menschlichkeit breiter ist als unser politisches Dasein. Ich denke wirklich, daß das wahr ist und für jeden offensichtlich sein sollte; aber irgendwie ist diese offensichtliche Tatsache – die wir alle bis vor zwei oder drei Jahren oder vielleicht vor etwas länger Zeit zu verstehen schienen –den Menschen abhanden gekommen. Ich denke, daß diejenigen, die dieses Bewußtsein verloren haben, einen langen, harten Blick auf sich selbst richten und sich fragen sollten: „Was ist mit mir passiert?“ Ich denke, sie sollten aufhören, selbstgerecht zu sein und etwas Demut zeigen. Und wenn aus ihrem Geist als Antwort kommt, daß es wegen etwas Politischem ist, ist die betreffende Person meiner Meinung nach verloren und muß sich selbst und andere wiederfinden. Und ich würde das gleiche zu jedem sagen, der auf diesen Eintrag mit irgendeiner Art von Bezug auf Politik antwortet. Ich möchte nicht gemein sein, aber ich denke, du bist verloren, wenn dein Verstand so funktioniert, und ich bedauere dich. Viel Glück, beim Finden deiner selbst. Ich meine das nicht auf eine böse Weise.

Wenn man jemanden wegen Politik anschreit, kommuniziert man nicht mit ihm. Man ist mit einer Art autistischer Übung beschäftigt. In gewissem Sinne schreit man vielleicht sich selbst an – vielleicht ist es ein seltsamer Dialog mit den eigenen Dämonen, eine Form von Projektion – aber man kommuniziert sicherlich nicht mit einem anderen Menschen. Man hat eine „nicht dort Hingehen“-Zone betreten, in der keine Kommunikation möglich ist. Ich denke von daher wirklich, daß die Leute sich fragen sollten: „Warum mache ich das?“

Dr. Holbrooks Facebook-Seite entnommen, aus dem Amerikanischen übersetzt und hier abgedruckt mit seiner freundlichen Genehmigung.

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24 Antworten to “Emotionen und Politische Diskussion (Teil 1)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Das ist bei uns fast nur bei den Linken der Fall. Klar redet Pegida nicht mit der Lügenpresse, aber das ist keine normale Konversation, da Staatsmedien alles verdrehen.
    Michael Stürzenberger und Der Volkslehrer sind ein gutes Beispiel dafür, wie sie versuchen, mit anderen zu diskutieren.

  2. O. Says:

    Ich verstehe kein Wort von dem was er sagt, bitte nicht noch mehr 🙂

    • Robert (Berlin) Says:

      Er will damit sagen, dass wir alle Menschen sind und nicht auf unsere politischen Ansichten reduziert werden dürfen.

  3. Robert (Berlin) Says:

    Hier ein typisches Beispiel, wie die politische Ansicht eines anderen Menschen zu irrationalem Hass führt

    https://juergenfritz.com/2018/08/07/philadelphia/

  4. Robert (Berlin) Says:

    Mal eine allgemeine Frage an jene, die das hier lesen. Was soll man tun, wenn man mit fast nur linken Menschen zusammen trifft. Soll man seine Konservativen Ansichten verschweigen, um keine Sympathien oder Freundschaften zu verlieren? Ich bin es langsam leid, mich ständig zu verstellen und zu schweigen oder auf neutral zu tun. Ich sage z.Z., ich war lange Zeit auch Linker, bin jetzt eher Konservativ bzw. rechts (was ja inzwischen für die Nazi ist).
    Was würdet ihr tun?

    • claus Says:

      Ich kenne das genau und habe vor über einem Jahr angefangen, die Gründung eines Hayek Clubs vor Ort anzubahnen. Nun wurde beschlossen, ihn zu gründen.
      Dafür, dem linken Gelumpe etwas entgegenzusetzen, dürfte es ja kaum sinnvoll sein, eine ‚Orgonomie-Gruppe‘ anzustreben. Man braucht wohl vor allem ein Forum für freies Argumentieren.
      https://hayek.de/hayek-gesellschaft/hayek-clubs/

      • Robert (Berlin) Says:

        Offenbar gibt es zwei Möglichkeiten: die Gesellschaft Gleichgesinnter zu suchen oder fak­to­lo­gisch zu argumentieren, wobei letzteres am Denkpanzer usw. seine Grenzen findet.

        • claus Says:

          Natürlich suche ich Gleichgesinnte. Aber gleichgesinnt sind Leute ja nur graduell, in der einen oder anderen Hinsicht. Vor allem scheitert öffentliches gemeinsames Auftreten an Ästhetiken, die abstoßend sein können und ein bisschen wie Charaktere sind. Etwa das hier, das manchen abstößt, auch wenn inhaltlich vieles stimmt: https://rechterkreis.de/

    • claus Says:

      Gerade Leute, die sich „konservativ“ (zurzeit zweifellos auch ein Modewort der sich vom linken Strom Abgrenzenden) oder „liberal“ nennen, fühlen sich von Sachen wie Alex Jones sehr abgestoßen. Ästhetiken und argumentative Ansprüche prallen aufeinander. Von dem eigentlich schon begonnenen Clubversuch bei mir vor Ort sind die zwei ‚seriöseren‘ Herren wieder abgesprungen, weil sie von der Webseite zweier anderer abgestoßen waren. Damit hat sich das hier erst einmal erledigt. Aber in Berlin gibt es natürlich mehr Auswahl: https://hayek.de/pec-events/hayek-club-berlin-8/

      • Peter Nasselstein Says:

        Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich die Verachter von Alex Jones verachte. Können diese Leute nicht schlicht und ergreifend mal Alex Jones zuhören, statt immer nur nachzuplappern, was ÜBER ihn gesagt wird?!

        • stephan Says:

          Bitte:



          • claus Says:

            Das ist mal wieder ÜBER ihn.

            • stephan Says:

              Falsch! Es werden überwiegend Ausschnitte aus seinen Sendungen präsentiert.

              Es sind ORIGINALtöne

              Wenn ein Ausschnitt aus einer Sendung gezeigt wird, in der er z.B. eindeutig zu Sandy Hook sagt: „I believe it´s a complete hoax“ ist das nicht mehr über, sondern von ihm.

              Da kann niemand mehr leugnen, dass er Sandy Hook NICHT als Hoax bezeichnet hätte.

              • Peter Nasselstein Says:

                Unsinn! „Ausschnitte“! Du redest UNSINN! Darf man nicht mehr Laut denken, darf man keine Fehler machen, nicht den Advcatus diaboli spielen!?

                • stephan Says:

                  Es werden KEINE Ausschnitte gezeigt? Meinst du das ernst?

                  Hier ist NICHT Alex Jones zu sehen, wie er Chemtrails als „real“ bezeichnet?

                  Das ist NICHT Alex Jones hier?

                  Dein Verhalten grenzt schon das eines Sektierers, der seinen Guru oder Gott verteidigt…

        • claus Says:

          Dein Mündlich-Englisch-Verständnis ist top oder meins noch miserabler, als ich befürchtete.

      • stephan Says:

        Das Problem sind nicht die Ästhetik oder argumentative Ansprüche, sondern dass er neben einigem Wahrem eine Menge Unsinn verbreitet. Die Kombination von Wahrheit und Unwahrem erfüllt die Kriterien klassischer Desinformation.
        Umso bedenklicher sind seine engen Geheimdienstkontakte, die ihn teilweise mit Fehlinformationen füttern.

        Das Problem ist, dass viele nicht die Dialektik dahinter durchschauen, und COINTELPRO, Operation Artichoke, Infiltration und Steuerung durch die Elite immer nur bei der anderen Seite, bei Antifa, Anti-Trump-Demonstranten, Mainstreammedien, Linksintellektuellen etc. sehen wollen.

        Auf dem rechten Auge blind sozusagen.

        Da werden AJs Familienverbindungen zu CIA, Todesschadronen etc. schöngeredet und zu der „guten“ Fraktion gezählt. Gab es bei der Mafia auch eine „gute“ Fraktion?

        • claus Says:

          Ich sage nicht, dass es bei ihm an der Ästhetik hinkt, sondern ich sage, dass seine Medienästhetik viele abstößt; wohl überhaupt sein Charakter. Aber das spricht nicht gegen ihn.
          Mehr sollte ich dazu nicht sagen; eher müsste ich ihn drei-, viermal hören (nur mein Problem).

          • stephan Says:

            Medienästhetik ist auch Ästhetik 😉

            Für MICH ist nicht die (Medien-)Ästhetik das Problem, sondern eben das was ich oben geschildert habe

            • claus Says:

              Versuch mal, zu verstehen, was ich sage: Für viele Jones-Rezipienten ist dessen Ästhetik abstoßend.
              Dass für dich seine Ästhetik ein Problem ist, habe ich nicht behauptet. DU sagst, dass seine Inhalte für dich z.T. fragwürdig sind.

              • stephan Says:

                ich habe auch nicht behauptet, dass du behauptet hast, dass ich seine Ästhetik als Problem ansehe.

                Ich habe auch nicht geleugnet, dass es Menschen gibt, die von seiner Ästhetik abgestoßen sind.

                Ich verweise nur auf einen weiteren Aspekt, der für mich das Wesentliche ausmacht und das grundlegendere Problem darstellt, weil es auch die Anhänger von Alex Jones betrifft.

  5. Peter Nasselstein Says:

    Über den UNSINN, der über Alex Jones und Sandy Hooks verbreitet wird:

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