Lincoln, Putin und Reich

Der Krieg ist immer nah, wie auch in den letzten Jahren. Der Krieg ist eine Bedrohung dank der offiziellen formalen Art des Denkens und Handelns, während die wahren, tiefen Fragen des menschlichen Lebens im Hintergrund gehalten werden. (aus einem Brief von Wilhelm Reich an seinen Sohn Peter vom 22. Oktober 1957)

Einer der grausamsten Kriege, die jemals gefochten wurden, war der amerikanische Bürgerkrieg. Gleichzeitig ist er eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Menschheit. Wichtiger als die amerikanische Revolution selbst! Worum ging es in diesem Krieg? Lincoln machte von Anfang an deutlich, daß es nur um eine einzige Frage ging: um den praktischen Beweis, daß Demokratien (und damals waren die USA so gut wie die einzige Demokratie auf dem Planeten!) überleben können und nicht von ihren inneren Zwistigkeiten über kurz oder lang zerrissen werden. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Südstaaten sich mit England verbündet hatten.

Die drei Weltkriege (den Kalten Krieg mit eingerechnet) waren sozusagen „Nachgefechte“ des Krieges, den Abraham Lincoln ausgefochten hatte. Wobei man über die Sinnhaftigkeit bzw. vollständige Sinnlosigkeit des Ersten Weltkrieges kaum streiten kann. Nur ein Beispiel: während in Deutschland vollkommene Rechtssicherheit herrschte, ist das Rechtssystem der USA bis heute eine vollständige Absurdität, wie man etwa an folgendem Beispiel sieht, wo der Richter eine groteske 60jährige Zuchthausstrafe für einen Kleinkriminellen aus einem sentimentalen Augenblicksgefühl in eine Bewährungsstrafe überführt:

Aber zurück zum Narrativ: …die aus dem Ersten Weltkrieg, nicht zuletzt durch den pestilenten Charakter Woodrow Wilson, hervorgegangenen Konflikte, die im Krieg gegen die Nationalsozialisten und im Kalten Krieg gegen die Kommunisten kulminierten, drehten sich letztendlich darum, ob die schwachen und zumindest territorial scheinbar hoffnungslos kleinen Demokratien gegen den (Neo-) Feudalismus bestand haben würden oder ob die Erde flächendeckend von diktatorischen Großmächten und morbiden Kleindiktaturen beherrscht werden würde.

Lincoln wird heute von rechten („libertären“) und linken („progressiven“) Kreisen gerne so dargestellt, als sei er der eigentliche Schurke gewesen. Er habe das Prinzip der Freiheit mit Füßen getreten, sei für zahllose Kriegsverbrechen verantwortlich zu machen und die Sache mit der Befreiung der Sklaven sei ohnehin eine nachträgliche Propagandalüge gewesen. Die gleichen Leute wenden sich heute gegen Amerika, das sich spätestens seit Beginn des „Krieges gegen den Terror“ der gleichen Verbrechen wie Lincoln schuldig mache: Guantanamo, die Allianz ausgerechnet mit Saudi Arabien und generell doppelte Standards, etc.

Hätte Lincoln großartig anders handeln können, als er es tat? Wie hätte er die Sezession bekämpfen sollen, wenn er nicht „diktatorisch“ für Einigkeit im eigenen Lager gesorgt hätte! Wie die Sache sich nun einmal darstellte, war der Krieg ein Angriffskrieg gegen die Südstaaten und wurde größtenteils auf deren Territorium ausgefochten, so daß ein unbeteiligter und uninformierter Beobachter, ein „Marsmensch“, „das Böse“ über kurz oder lang unzweifelhaft im Norden ausmachen hätte müssen! Hätte Lincoln den Krieg von Anfang an der Sklavenbefreiung gewidmet, hätten sich die sklavenhaltenden Grenzstaaten, die eher widerwillig der Union treu geblieben waren, umgehend der Konföderation angeschlossen – und der Krieg wäre verloren gewesen, bevor er überhaupt richtig angefangen hatte!

Genauso sieht es heute aus: Ein „Marsmensch“, der beispielsweise den Irak und Afghanistan in den letzten Jahrzehnten überflog, wird die USA in der Tat für „den großen Satan“ halten müssen, der über militärisch hoffnungslos unterlegene Völker herfällt. Und er wird sich über die abgrundtiefe Verlogenheit aufregen, wenn etwa Libyen im Namen der Freiheit bombardiert wird und gleichzeitig alles getan wird, um die Herrscher in Saudi Arabien und in den Golfstaaten an der Macht zu halten. Und ist es aktuell anders? Sind wir selbst nicht die „Marsmenschen“, wenn wir reflexhaft nur in Putins Rußland den Bösewicht sehen wollen, der ein (vergleichsweise) kleines Land vergewaltigt?

Man wird der Betrachtungsweise dieses fiktiven „Marsmenschen“ nicht einen gewissen kindlichen Charme absprechen können, aber sie ist genau das: kindisch. Oder wie Reich es ausgedrückt hätte: man muß die (erwachsene) Gegenwahrheit mit allen Mitteln gegen die (kindliche) Wahrheit verteidigen. Der „Marsmensch“ ist kindlich, weil er nicht die (zeitlichen) Zusammenhänge überblicken und die Folgen abschätzen kann.

Klar, Lincoln hätte die Sklavenbefreiung sofort auf seine Fahnen schreiben können, genauso wie die Vereinigten Staaten die Kontrolle über die größten Ölreserven des Planeten an Rußland und China übereignen und auch den letzten Moslem zu einem Todfeind der USA hätten machen können. Putin hätte zulassen können, daß die USA das gleiche Territorium beherrschen und militarisieren, das einst Hitler erobert hatte. Ja, in der kindischen Welt unserer rechten und linken „Marsmenschen“, die nicht ganz von dieser Welt sind…

Aber zurück zu Lincoln, der in seiner „Gettysburg Address” vom 19. November, 1863, eine der berühmtesten Reden der Geschichte überhaupt, sagte:

Vor siebenundvierzig Jahren haben unsere Väter auf diesem Kontinent eine neue Nation gegründet, die sich der Freiheit verschrieben hat und dem Grundsatz verpflichtet ist, daß alle Menschen gleich geschaffen sind.

Jetzt sind wir in einen großen Bürgerkrieg verwickelt, in dem getestet wird, ob diese Nation oder irgendeine Nation, die so konzipiert und so engagiert ist, lange bestehen kann. Wir befinden uns auf einem großen Schlachtfeld dieses Krieges. Wir sind gekommen, um einen Teil dieses Feldes als letzte Ruhestätte für diejenigen einzuweihen, die hier ihr Leben gaben, damit diese Nation leben kann. Es ist nur recht und billig, daß wir das tun.

Aber in einem umfassenderen Sinne können wir diesen Boden nicht einweihen – wir können ihn nicht weihen – wir können ihn nicht heiligen. Die tapferen Männer, lebende und tote, die hier gekämpft haben, haben ihn geweiht, weit über unsere armselige Macht hinaus, etwas hinzuzufügen oder wegzunehmen. Die Welt wird kaum zur Kenntnis nehmen und sich nicht lange an das erinnern, was wir hier sagen, aber sie kann niemals vergessen, was sie hier getan haben. Vielmehr ist es an uns Lebenden, uns hier dem unvollendeten Werk zu widmen, das sie, die hier gekämpft haben, bisher so edel vorangebracht haben. Es ist vielmehr an uns, uns hier der großen Aufgabe zu widmen, die noch vor uns liegt – daß wir von diesen verehrten Toten eine verstärkte Hingabe an die Sache übernehmen, für die sie das letzte volle Maß an Hingabe gegeben haben – daß wir hier absolut entschlossen sind, daß diese Toten nicht vergeblich gestorben sind – daß diese Nation unter Gott eine neue Geburt der Freiheit erleben wird – und daß die Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk, nicht von der Erde verschwinden wird.

Problem ist, daß der neofeudalistische Abschaum heute Amerika und Europa regiert. Der Verrat fing bereits mit Lincolns Ermordung an, der mit seiner Versöhnungspolitik gegenüber dem Süden den Wirtschaftsbaronen des Nordens im Weg stand, die die Ressourcen des Südens wie eine Kolonialmacht auszubeuten gedachten. Von wegen Regierung des Volkes, durch das Volk, für das Volk“.

Das Projekt „USA“ vehement zu verteidigen, ist zweifellos im Sinne Reichs. Nicht zu bezweifeln ist aber auch, daß die Kritiker dessen, wofür der Name „Lincoln“ steht, in einem wohlverstandenen Sinne Recht haben. Das Problem ist, wie stets in solchen Fällen, daß sie nicht wissen in welchem Sinne sie Recht haben. Es geht darum, daß der Staat ab einer bestimmten Größe vom Diener der Gesellschaft zu einem Parasiten und Todfeind derselben wird. Ab einem gewissen Punkt geht es den regierenden Cliquen nur noch um den Staat selbst, losgelöst von seinen arbeitsdemokratischen Grundlagen.

Man nehme etwa die EU-Agrarpolitik (oder irgendeine andere „Politik“): die kann sich nur ein Geistesgestörter ausgedacht haben, der mit aller Gewalt unsere Umwelt, unsere Sozialstrukturen und Kulturen sowie unseren Geschmackssinn, unsere ganze Zukunft zerstören will. Vom Euro will ich gar nicht erst anfangen! Wer hat dem Staat das Recht gegeben, von uns Steuern einzuziehen, mit denen eine Bürokratie finanziert wird, die, während sie die Gesellschaft zerstört, nur sich selbst und z.B. der monopolistischen Strom- und Wasserwirtschaft, den Atom-, „Ökö“-, Chemie-, Agrar- und Pharmamultis dient. Wozu brauchen wir überhaupt ein gesetzgeberisches Parlament (gibt es denn nicht wahrhaftig genug Gesetze?), wozu eine Regierung, die doch sowieso nur das Aushängeschild der Bürokratie ist und wozu brauchen wir Bürokraten, wenn wir unsere Angelegenheiten selbst in die Hände nehmen? Es geht darum, daß wir unser eigenes Leben wieder in Besitz nehmen. Unser eigenes Land. Unseren eigenen Planeten.

Seit frühester Kindheit wurden wir von den Agenten der Parasiten freiheitsunfähig und verantwortungslos gemacht. Richtig abgerichtet lassen wir dann für die Illusion von „sozialer Sicherheit“ und Freiheit Untreuhänder unseres Eigentums an die Macht, die Anmaßung mit bürokratischer Unfähigkeit verbinden und alles daran setzen, unser heruntergewirtschaftetes Eigentum an den nächstbesten zu verschleudern. Daß wir von geistig nicht normalen, größenwahnsinnigen Menschen regiert werden, zeigen immer wieder sinnlose Prestige-Projekte und neuerdings die Reaktion auf den Ukraine-Krieg, bei dem „gut“ und „böse“ nicht so eindeutig verteilt sind – entsprechend dem angeschnittenen Themenkomplex „Lincoln“.

Es regiert die dummdreiste Gefühllosigkeit jener impotenten Männer, die nur die nekrophile Lust der Macht kennen, wie Reich es für das amerikanische Establishment in seiner Rede an den Kleinen Mann mit unerbittlicher Härte bloßgestellt hat:

Du [die USA unmittelbar nach dem Sieg über Deutschland] hast die Welt in deinen Händen gehabt, und am Ende hast du deine Atombombe über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen (…) als Probe aufs Exempel! (…) Du hast deine ganze Klasse und Rasse mit dieser einen Bombe ins ewige, stumme Grab gebombt! Denn du hattest nicht die Menschlichkeit, die Männer und Frauen und Kinder und Mädchen und Jungen in Hiroshima und Nagasaki zu warnen! Du brachtest nicht die Größe auf, menschlich zu sein! (S. 96)

Deshalb werde die amerikanische Oberschicht zusammen mit ihren „idiotischen Generälen“ untergehen. Man schaue sich heute die verbrecherische und selbstzerstörerische Ukraine-Politik des Biden-Regimes an.

Das Militär besteht ohnehin aus zu groß geratenen Halbstarken. Jeder, der einmal als Ordonnanz dienen mußte, kennt diese unreifen Kindsköpfe Marke Dr. Uwe Barschel. Besonders deutlich wird der systematische Wahnsinn dieser Idioten in Ländern, die nicht so zusammengestaucht wurden wie Deutschland, z.B. Frankreich. Das Moruroa-Atoll wurde für die lächerlichen Großmachtambitionen kleiner Napoleons verseucht. Von den Sauereien in der ehemaligen Sowjetunion braucht man gar nicht erst reden. In den folgenden Jahrtausenden haben wir Zeit genug, uns mit den etwa 120 Tonnen Plutonium auseinanderzusetzen, die die Sowjets innerhalb von 40 Jahren unter katastrophalen Sicherheitsbedingungen erbrütet haben. In Dutzenden von meist sowjetischen Atomsonden kreisen aus Gewichtsgründen vollkommen ungeschützte 1500 Kilo Atommüll um die Erde. Seit 1945 gab es weltweit über 1200 Nuklear-Tests. Wozu?! In den USA gibt es Tausende von Quadratkilometern, die zu „national sacrificed zones“ erklärt wurden; Gebiete, die so radioaktiv verseucht sind, daß sie praktisch auf ewig abgesperrt und bewacht werden müssen. Der Atomkrieg hat bereits stattgefunden – und das eigene Land war das Ziel! (Ungefähr wie die heutigen sogenannten „Rußland-Sanktionen“, die uns schaden und sonst niemandem.)

Die Atomskandale in der USA (z.B. Hanford), der ehemaligen UdSSR und schließlich Japan zeigen, wie bestimmte Regierungskreise unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit (Kalter Krieg, Energieversorgung) sich zu einer regelrechten Mafia entwickelt haben. Nur im Krieg war ja z.B. auch der Holocaust möglich – man denke im Vergleich nur an die zeitgleiche Internierung von japanisch-stämmigen Amerikanern in den USA. Am Ende seiner Präsidentschaft warnte Eisenhower vor dem militärisch-industriellen Komplex, der sich jeder Kontrolle entziehe. Aktuell geht es um die Biolabore in der Ukraine, die der „böse“ Putin unschädlich macht…

Die Konföderierten-Flagge ist nicht in jedem Fall ein Symbol „des Bösen“, genausowenig wie die Flagge der Ukraine, die überall gehißt wird, zwangsläufig ein Symbol „des Guten“ ist. Das Wirkliche spielt sich im Hintergrund ab – die wirkliche Tragödie hat Reich im Motto dieses Artikels beschrieben.

Abschließende schaue man sich bitte diesen Film an! Einen fast identischen Film hätten im 19. Jahrhundert die Konföderierten machen können…

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8 Antworten to “Lincoln, Putin und Reich”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Wer den Film Lincoln schon gesehen hat (wie ich), hat gemerkt, dass es nur nebenbei um Guantanamo geht, sondern eher um Rechtsstaatlichkeit und gegen Behördenwillkür. Wie sagt der Kriegsminister im Film: „Mir ist es egal, ob sie schuldig ist, hauptsache die Union bleibt bestehen.“ Es geht also um Mord aus Staatsräson gegen Zivilisten.

    „In den tiefen ihres Herzens wissen sie sehr wohl – ja, das Offensichtliche: daß sie auf der Seite der Emotionellen Pest stehen,“…
    Das ist eine dümmliche Unterstellung der niederträchtigsten Art.
    Der Einsatz von Uranmunition, der Mord an hunterttausenden Zivilisten im Irak (wie auch in Vietnam), dass alles soll mir keine Sorgen machen, weil es dann die richtige Seite macht?
    Noch einmal: auch wenn man für die Existenz von der USA und Israel ist, man muss nicht deswegen alles bejahen, was deren Regierungen ausüben. Wenn man seine Freunde liebt, sollte man sie auf ihre Fehler aufmerksam machen und diese nicht auch noch gutheißen.
    Hier noch ein Gedankenanstoß: gab es denn keine andere Möglichkeit als Krieg und Militärbasen, um sich der Erdölfelder zu bemächtigen?

  2. David Says:

    Man kann sich diese Kreise ungefähr so vorstellen wie Licio Gellis kindische pseudofreimaurerische Loge Propaganda Due (P2) mit ihren 900 Mitgliedern aus den herrschenden Kreisen Italiens. Dies sind die Männer, die als Kinder zu viele Spionage und Science Fiction-Romane gelesen haben, die sich an infantilen Allmachtphantasien ergötzen, ihre Kinder beschlafen und zu Dominas gehen.

    In Berlusconi-Land war auch die Wikipedia kurze Zeit außer Betrieb. Ein Gesetz besagt, dass für jede Internetseite auf Verlangen des Betroffenen eine Gegendarstellung veröffentlicht werden müsse, auch dann, wenn der Einwand gegen die Seite gar nicht stimmt.

  3. Peter Nasselstein Says:

    Demokratie ist ansteckend, trotz aller Greuelpropaganda:

    http://www.haolam.de/index.php?site=artikeldetail&id=6661

  4. O. Says:

    Irak war eines der reichsten Länder vor der amerikanischen Bombardierungen. Heute ist es in die Steinzeit gebombt worden. Saddam Hussein und seine Söhne sollen grausame Killer gewesen sein, diese Staatsoberhäupter und Verbrecher waren im besten Kontakt zu Amerika und gute Kunden der deutschen Industrie.

    Was in Amerika läuft, gefällt auch den Amerikanern nicht, jeder hat das dort schon längst gemerkt, dass der Staat Amok läuft gegen das eigene Volk und alle anderen Völker. Der Traum von Demokratie und Freiheit ist ausgeträumt, er existiert nicht mehr, ebenso wenig wie bei uns. Obama wurde als Befreier gesehen, er ist aber nur ein Blender. Bleibt zu hoffen, dass die nächsten Führer, die sich als Befreier präsentieren, auch solche sind, auf jeden Fall kann man nur noch misstrauisch sein.

    Wie peinlich wäre es, wenn sich plötzlich in Afrika Demokratien entwickeln würden und Europa unter einer Bürokaten-Diktatur verwaltet werde?

    • Sebastian Says:

      Den Traum der Demokratie gab es nie, außer für Freiheitskrämer.

      Der zweite Teil des Begriffs Arbeits“demokratie“ verwirrt mich in Reichs Werk über alle Maßen. Demokratie ist mit organisierter Gewalt und Zwang des patriarchalen Militaristen entstanden und wird durch organisierte Gewalt und Zwang emotional verkrüppelter Menschen aufrechterhalten. Das weiß Reich auch selber: „Es liegt im Wesen der Gesellschaft, daß sie einer Macht bedarf, die ihren Zerfall, ihren Untergang und ihre Auflösung verhindert, wenn sie von mächtigen Gegensätzen und Schwierigkeiten des Lebens zerklüftet ist“ (S. 243, Massenpsychologie). Die Gentilgesellschaft, „die nicht von schweren inneren Widersprüchen zerklüftet war“, bedurfte dagegen keine besondere „Gewalt, die die Aufgabe hatte, den Organismus dieser Gesellschaft zusammenzuhalten“ (ebd.).

      „Demos“ stand in Griechenland für das Volk und das Volk waren alle bewaffneten, freien Bürger – eine Minderheiten von 5 -15% aller in der Gemeinschaft lebenden Menschen. Für die politische Partizipation kam ausschließlich in Frage, wer auch für den Kriegsdienst zur Verfügung stand, denn wenn ein freier Bürger bewaffnet ist, muss man seine Meinung einigermaßen berücksichtigen. Frauen und Sklaven, auf deren Arbeit die Gesellschaft beruhte, waren ausgeschlossen.

      „Kratos“ ist in der griechischen Mythologie der Kriegsgott. Es heißt so viel wie Stärke, Macht, Gewalt. Aristoteles verstand die Demokratie genau wie Machiavelli, als ein „Volk“ in Waffen. Demokratie wurde, bis auf unfassbar wenige Ausnahmen, bis in das 19. Jahrhundert hinein als bloße Krawallmacherei oder eine Herrschaft des Mobs verstanden (Wie ist das eigtl heute? Griechenland, Stuttgart 21? „Mob“, „Wutbürger“). Da sich der „Mob“ aber immer mehr bemerkbar machte und Sympathie für das Ideal der „Demokratie“, falsch verstanden als ideales, egalitäres Entscheidungsverfahren, entwickelte, machten sich die politischen Freiheitskrämer daran das Wort „Demokratie“ an die Stelle von „Republik“ zu setzen.

      Und das haben wir heute: Eine Bundes“republik“, eine parlamentarische Repräsentativ“demokratie“ mit Mehrheitsentscheidungsverfahren, auf die der Einzelne keinen Einfluss hat. Der Parlamentarismus lässt den Arbeitenden die Illusion, etwas zu entscheiden, wo doch längst alles Wesentliche entschieden ist und gar nicht entschieden werden darf!

      In der Arbeitsdemokratie soll dagegen das Prinzip der Selbststeuerung bzw. Selbstverwaltung herrschen: „Das Wesen der Arbeitsdemokratie läßt sich im Gegensatz zur staatlich-autoritären Ordnung als gesellschaftliche Selbststeuerung bezeichnen“ (S. 219). Außerdem sollen darin alle Formen diktatorischer Herrschaft ausgeschlossen sein. Demokratie und Selbststeuerung/Herrschaftslosigkeit ist aber schon etymologisch ein Widerspruch in sich. Allerdings NUR, wenn man den Begriff so versteht, wie er heute verstanden wird!

      Reich hat ihn anscheinend anders verstanden: „In der Gentilgesellschaft herrscht FREIWILLIGE ASSOZIATION und SELBSTSTEUERUNG des gesellschaftlichen Lebens […]“ (S. 217). Nachdem der Mensch sexuell umgebaut ist, soll der Staat, der Voraussetzung für Demokratie im heutigen Verständnis ist, absterben: „Nie darf einer zur echten Demokratie strebenden Gesellschaft das Prinzip verlorengehen, daß es die Aufgabe des Staates ist, sich selbst fortschreitend abzubauen und unnötig zu machen, wie ein Erzieher überflüssig wird, wenn er seine Pflicht am Kinde getan hat“ (S. 254).

      Ich kann mir nicht erklären, warum er diesen militärischen Begriff der „Gentilgesellschaft“ überstülpt. Alles, was ich aus der anthropologischen Forschung zu den Entscheidungsverfahren in solchen Gemeinschaften gelesen habe, ist, dass sie auf Konsensverfahren beruhen. Das sind keine Mehrheitsabstimmungen unter einer politischen Minderheit, sondern Diskussionen unter Arbeitenden, in denen niemand ausgeschlossen werden kann.

      Die Demokratie dagegen entsteht heute immernoch nur mithilfe von Bomben. Vllt hat er den Militärbegriff Demokratie verwendet, weil er aus dem europäischen Sumpf in ein relativ fortschrittliches Amerika kam. Man kann aber nicht Scheiße mit noch mehr Scheiße vergleichen. Beides ist und bleibt Kacke. Bitte verzeiht mir die Fäkalsprache! Da er den Begriff aber anscheinend anders verstand, ist es auch nicht schlimm.

      Schlimm ist eher die begriffslose Phrasendrescherei, was den soziologischen, rechtlichen und ökonomischen Teil hier im Blog betrifft. Denn die israelische Demokratie ist mit allergrößter Sicherheit keine Arbeitsdemokratie und kommt auch nicht im Entferntesten daran. Bezeichnend, dass sich gerade Saharasia-Militaristen der Demokratie zuwenden. Endlich legalisiert Leben vernichten!

  5. Robert (Berlin) Says:

    Weiß nicht, ob dies schon früher freigegeben wurde

    Klicke, um auf wilhelmreich.pdf zuzugreifen

  6. Peter Nasselstein Says:

    Kriegsgeil:

  7. Peter Nasselstein Says:

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