Posts Tagged ‘Demokratie’

Die soziopolitische Diathese (Teil 7)

13. November 2018

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.

An dieser Stelle könnte die Frage gestellt werden: „Gibt es überhaupt etwas Gutes am Liberalismus?“ Die Antwort kann in Bezug auf seine allgemeinen Ideale Ja sein; leider korrumpiert und zerstört der gepanzerte Liberale im Handeln direkt oder indirekt das Gute.10 Reich hat es so ausgedrückt:

Der sich prostituierende Politiker, der wortgewandte Freiheitsscharlatan, der mystische Erlöser, sie alle tragen nicht die Schuld an dem gewaltigen Elend. Ihre Schuld besteht darin, dass sie den Zugang zur Verwirklichung ihrer eigenen Ideale und zur Abschaffung des von ihnen verursachten Elends versperren. Man kann ihnen keinen Vorwurf daraus machen, dass sie für „Freiheit“, „Brot“, „Demokratie“, „Frieden“ und „Volkswillen“ und was nicht alles die Werbetrommeln rühren. Vorwerfen muss man ihnen aber, dass sie jeden verfolgen, der deutlich macht, was Freiheit ist und welche Hindernisse der Selbstverwaltung und dem Frieden entgegenstehen (7, S. 190)l.

Diese Verfolgungen und Behinderungen manifestieren sich auf verschiedene Weise: die abfälligen, höhnischen Verleumdungen von Reich und der Orgonomie, die Angriffe auf Reichs „letzte Periode“, auf seinen eindeutigen Standpunkt gegen freiheitshausierende Liberale und rotfaschistische Modjus, auf seine Zurechnungsfähigkeit und die Bezeichnung der gegenwärtigen orgonomischen Arbeiter als „ultrarechte Konservative“. Viele dieser Angriffe finden sich in Artikeln, Büchern und sogar Biografien, die vorgeben, Reichs Werk ganz besonders positiv gegenüberzustehen – weitere Beispiele von „Fairness, um unfairer zu sein“.

Es ist eine beängstigende Sache, den Umfang an Hass hinter diesen Kritiken zu sehen und einzuräumen, der natürlich in der schrecklichen Angst vor der Wahrheit und dem Leben wurzelt. Die verführerische Propaganda gegenwärtiger liberaler Gesellschaften macht es nicht leichter, diesen Hass zu erkennen, sondern fördert Zweifel und verstärkt die Neurose, vor allem in Charakterstrukturen, die so fundamental schuldbeladen und zweifelnd sind wie die des Liberalen. Müsste der Liberale zugeben, dass an den Wurzeln seiner sozialen Philanthropie echter Hass steht, würde das eine Katastrophe für ihn bedeuten. Auch der Konservative ist von Hass erfüllt, aber er verschlimmert nicht sein Dilemma, indem er auf den Schaden Überbauungen von intellektuellen Rationalisierungen häuft; so ist er letztlich leichter zugänglich.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gemäß funktioneller Wahrnehmung der moderne Liberale als das Erzsymbol der menschlichen Malaise dasteht, aber das spricht den Konservativen keineswegs frei. Auf jeden Fall sollten wir nie vergessen, dass die extreme Linke die Liberalen benutzt, um die menschliche Freiheit zu zerstören, indem sie soziale Gerechtigkeit deklamiert, während sie Mord und Totschlag begeht. Die Konservativen durchschauen das; die liberalen Betrüger denken, sie arbeiten für das Vorankommen der Menschheit. Orgonomen versuchen eine ausgewogene Perspektive zu wahren, was den Einfluss der politischen Charakterstruktur auf unser Überleben in der heutigen Welt betrifft. Die obigen Überlegungen werden hoffentlich eher die funktionelle als die politische Grundlage unserer Schlussfolgerungen verdeutlichen.

 

Fußnoten

10 Es ist wahr, dass der Liberale in der Vergangenheit einiges getan hat, um notwendige soziale Reformen einzuleiten. Die Motive für diese Aktionen sind jedoch nicht identisch mit der humanen Natur der Reformen. Folglich erwuchsen viele destruktive sekundäre Erscheinungen aus den Reformen, die oft schlimmer waren als die Übel, aus der sie stammten.

 

Anmerkungen des Übersetzers

l Christusmord, Zweitausendeins, S. 381.

 

Literatur

7. Reich, W.: The Murder of Christ. New York: Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1972

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 8 (1974), Nr. 2, S. 204-215.
Übersetzt von Robert (Berlin)

Warum Peter kein Verfassungsfeind ist

16. September 2018

Rechte und Linke träumen von einer politiklosen Gesellschaft. Welcher Traum könnte schöner sein als der, daß dieser ganze irrationale Mumpitz endlich unser Leben verläßt! Gestalt gewinnt dieser Traum etwa im Konzept eines reinen Verwaltungsstaates nach dem Rechten (autoritären) Karl-Heinz Hoffmann („Wehrsportgruppe Hoffmann“). Die Regierung erwüchse in diesem quasi „monarchistischen“ Zukunftsmodell aus der Verwaltung, Experten regierten und Parteien und Wahlen würden abgeschafft. Klingt vernünftig, denn würden alle unsere Politiker nicht aus dem Sommerurlaub zurückkehren: kein Mensch vermißte sie. Wir müßten allenfalls auf immer neue und immer schwachsinnigere Gesetze verzichten! Aber muß diese Hoffmannsche Utopie nicht zwangsläufig in einen verknöcherten Kafkaesken Alptraum münden, wo im Extremfall „unnütze Esser“ „verschwinden“ und alles endet wie in einer Militärdiktatur. War die neo-feudalistische „DDR“ so viel anders?

Von linker (anti-autoritärer) Seite kommen rätekommunistische und anarcho-syndikalistische Träumereien, wie die ersten Ausformulierungen des Konzepts „Arbeitsdemokratie“ durch Wilhelm Reich Ende der 1930er Jahre, der damals immer noch eindeutig links stand. Auch dort sollten die Experten regieren, nur daß Reich (inspiriert von der Arbeiterbewegung im allgemeinen und dem „anti-bürokratischen“ Trotzkismus im besonderen) mehr von der Wirtschaft her dachte und von der Selbstorganisation der „Produzenten“ und Konsumenten, d.h. der Arbeiter. Auch in einer solchen nicht von oben (wie bei den Rechten), sondern von unten regierten Gesellschaft möchte ich nicht leben, einfach weil nach allgemeiner Lebenserfahrung sich persönlichkeitsgestörte Besserwisser in den Vordergrund spielen werden, Gruppendruck herrschen wird und genau das passieren wird, was bei und nach der Gründung der Grünen passiert ist: die „roten Garden“ werden sich durchsetzen und das ganze wird im ganz gewöhnlichen roten Faschismus münden! Das hatten wir schon alles in der russischen Räte-Union („Sowjetunion“)!

Ohnehin werden die beiden Utopien, so heilsam sie auch auf den ersten Blick wirken mögen, langfristig nicht funktionieren, da sich die gepanzerte Gesellschaft stets in links und rechts spalten wird. Solange die Menschen gepanzert sind, wird man die Politik nicht beseitigen können. Politik ist eine BIOENERGETISCHE Gegebenheit des gepanzerten Menschen wie jede andere neurotische Erscheinung auch. Schaltet man aber die Politik aus, wird sie schon bald in leicht veränderter Form automatisch von neuem ihre häßliche Gestalt erheben. Gepanzerte (neurotische) Menschen werden sich immer in zwei Gruppen spalten, wobei die eine jeweils den Trieb und die andere die Triebabwehr repräsentieren wird. In einer parlamentarischen Demokratie wie Deutschland wird dieser Konflikt nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in all seiner Häßlichkeit auf kontrollierte Weise öffentlich ausgetragen. Nur aus diesem Grund konnte Amerika so lange überleben und sogar den vielleicht verheerendsten Bürgerkrieg der Weltgeschichte überstehen. Ähnliches läßt sich über das an sich unregierbare Indien sagen. Jede andere Konstruktion ist nicht überlebensfähig, weil Konflikte nicht ausgetragen werden und es über kurz oder lang zum großen Knall kommen muß. Oder mit anderen Worten: wer Alternativen zu den westlichen Demokratien entwirft, ist ein gefährlicher Spinner!

Das wirkliche, das eigentliche Problem ist, daß die bioenergetischen (charakterologischen) Grundlagen dessen, was geschieht, nicht durchschaut werden und deshalb nicht zunehmend bewältigt werden können – in Richtung des von Reich in Die Massenpsychologie des Faschismus dargelegten reifen Konzepts einer Arbeitsdemokratie. Die Aufgabe, dieses bioenergetische Wissen zu vermitteln, hat sich Charles Konia gestellt, wie wir morgen sehen werden.

Blogeinträge Februar 2013

30. August 2018

Charles Konia über die Pest „Gesellschatfspolitik“:

Blogeinträge Februar 2013

  • Der Mythos des 21. Jahrhunderts
  • Ein Musterbeispiel für die Emotionelle Pest: Der Krieg gegen die Drogen
  • Die Stoßrichtung der politischen Agenda von Obamas zweiter Amtszeit
  • Willkommen in der Demokratie im Nahen Osten
  • Die Exposition des amerikanischen Volks gegenüber der kommunistischen Pest
  • Die Anziehung der Pest auf die Linke und die Rechte
  • Das Problem die Emotionelle Pest zu erkennen

Liebe, Arbeit und Wissen: eine problematische Trias

27. August 2018

„Liebe, Arbeit und Wissen sind die Grundlagen unseres Lebens. Sie sollten es auch beherrschen.“ Dieses Motto Wilhelm Reichs ist nicht so unproblematisch fundamental, will sagen bioenergetisch, wie es auf den ersten Blick erscheinen will.

Erstens gibt es diese drei „Naturfunktionen“ nicht im Tierreich. Liebe ist nicht nur ein unverbindliches angenehmes Gefühl, sondern ein Versprechen von Treue und Verläßlichkeit. Arbeit ist, frei nach Marx, nicht ein blindes Werkeln, sondern immer mit bewußter Planung verbunden, also mit dem Blick auf die Zukunft, die durch eine geistige Blaupause vorweggenommen wird. Wissen ist nichts anderes als die Kunst der Voraussage. „Das Boot wird kentern, wenn nicht die Fugen richtig abgedichtet werden.“ Jede einzelne dieser drei Funktionen beinhaltet also jeweils große Spannungsbögen im krassen Gegensatz zur bloßen Lustabfuhr, der Befriedigung des Bewegungsdrangs und das Begnügen mit dem Hier und Jetzt. („Wieso? Das Bott schwimmt doch!“)

Die Arbeitsdemokratie („Liebe, Arbeit und Wissen“) setzt demnach einen gewissen Grad an emotionaler Reife und ein Mindestmaß an Intelligenz voraus. Das sieht man unmittelbar anhand der beiden Ausdrucksweisen der Arbeitsdemokratie in der gepanzerten Gesellschaft: der Demokratie und der Marktwirtschaft. In primitiven Weltgegenden werden kaum je Stammesdenken und Kriminalität (Bestechung, Vetternwirtschaft, Korruption) transzendiert. Das sahen wir im Nationalsozialismus, sehen wir in der heutigen Türkei und generell in der Dritten Welt. Nicht zuletzt sehen wir das aber in unserer heutigen grünroten Demokratie mit ihrem Gesinnungsterror und den wirtschaftlichen Profiteuren der um sich greifenden zukunftsblinden Verblödung (Beispiel „Energiewende“, irrwitzige Abgaswerte, Asylindustrie, etc.).

Gesundheit und Krankheit, Demokratie und Diktatur

25. August 2018

Entweder ist ein Mensch (und eine Gesellschaft) ungepanzert, d.h. gesund, oder nicht, also krank. Gesundheit und Krankheit sind zwei grundlegend unterschiedliche Kategorien zwischen denen es keine Übergänge, Abstufungen oder Grauzonen gibt. Entweder hat man Malaria oder man hat sie nicht. Es gibt keine Gesunden, die mehr oder weniger von der Malaria entfernt sind. Es gibt aber sehr wohl Malariakranke, die fast gesund und Malariakranke, die fast tot sind, ein Kontinuum unendlich vieler Abstufungen. Der orgastisch potente und der gepanzerte Mensch sind zwei vollkommen unterschiedliche Spezies. Das einzige, was man sagen kann, ist, daß es mehr oder weniger ausgeprägt kranke (gepanzerte) Menschen gibt.

An dem hier beschriebenen fehlerhaften Denken leiden auch alle soziopolitischen Analysen, die so tun, als gäbe es irgendwas, was die Marktwirtschaft mit der organisierten Kriminalität verbände oder die Demokratien mit Diktaturen. Vorzugsweise argumentieren so Rechts- und Linksextreme. Allenfalls haben Diktaturen unterschiedlich schlimme Phasen. Beispielsweise war der nationalsozialistische Gebilde nach seiner Konsolidierung kaum zu vergleichen mit dem gleichen „Staat“, der im Krieg Fabriken zur systematischen Ermordung von Menschen unterhielt. Das gleiche läßt sich über die Sowjetunion sagen, wenn man die Zeit der Neuen Ökonomischen Politik mit der Zeit der Säuberungen vergleicht. Es gab Zeiten, wo die Demokratien mit den Diktaturen verhandeln konnten, aber das ändert nichts daran, daß es zwei GRUNDSÄTZLICH unterschiedliche Systeme sind.

Man kann allenfalls sagen, daß Demokratien nicht homogen sind und es in ihnen jede Menge an emotionell pestkranken Menschen gibt. Deshalb muß man alles tun, daß sie nicht in Richtung Faschismus bzw. Sozialismus kippen und dergestalt ihr Wesen (das CFP, das gemeinsame Funktionsprinzip) GRUNDSÄTZLICH ändern.

Über Panzerung, Krieg und Frieden (Teil 5)

24. August 2018

von Paul Mathews, M.A.

Nach welchen Kriterien bestimmen wir die „besseren“ und „schlechteren“ Gesellschaften einer gepanzerten Welt – jene, die zu verteidigen und jene, die zu bekämpfen sind? In einem Artikel, der sich mit der Frage des HUAC (House Un-American Activities Committee)f befasste, schrieb Reich folgendes (12):

Lassen Sie uns den Namen des Komitees in „Kongress-Komitee zur Sicherung des Prozesses in Richtung Selbstverwaltung des Volkes“ ändern.g Mit dieser Formulierung wird nicht nur die Bloßstellung des Feindes der Selbstverwaltung möglich, sondern auch die ZIELSETZUNG SELBST, die die Tätigkeit eines solchen Komitees rechtfertigt, ist klar definiert … Nun wird es die Pflicht des Liberalen sein, den Feind der Selbstverwaltung zu bekämpfen, und er wird sich aus der Zwangslage befreien, in der er sich gegenwärtig befindet, bei der er als Verteidiger seines ärgsten Feindes erscheint … . Indem wir das Ziel der Selbstverwaltung vom Ziel der Auslöschung der Selbstverwaltung, wie sie von den Diktatoren vertreten wird, unterscheiden, werden wir nicht länger den schweren und sogar katastrophalen Fehler begehen, diktatorische Regime fälschlicherweise als Sonderform der Demokratie darzustellen.

… wir könnten mit der CP [Communist Partyh] zusammentreffen und sagen: „Kommt schon. Sagt den Menschen die Wahrheit: dass ihr ihnen das Recht nehmen werdet, zu sagen, was sie denken; die gesellschaftliche Verwaltung bekämpft, wenn sie von der vorgeschriebenen Linie abweicht: mit Hilfe der gesellschaftlichen Einrichtungen selbst bestimmen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen; als Arbeiter die ganze Verantwortung in jedem Bereich der sozialen Existenz übernehmen; dass ihr jeden einsperren, hängen, foltern werdet, der eine andere Meinung als der Staatsapparat hat; dass ihr das Recht beseitigen werdet von der Arbeit fernzubleiben oder einen Beruf oder einen Arbeitsplatz zu wählen; dass ihr einen einzelnen Mann oder eine kleine Gruppe von Männern dazu erklären werdet, in der Lage zu sein, stellvertretend für zwei Milliarden Menschen zu denken, zu entscheiden, zu hinterfragen, zu zweifeln und zu handeln, für sie und anstelle von ihnen.“

Wenn wir zu diesen Worten Reichs seine Sorge um die genitale Gesundheit von Säuglingen und Kindern als zusätzliches Kriterium hinzufügen, haben wir einige ausgezeichnete Wegweiser für die Beantwortung der gestellten Frage aufgerichtet. Im Wesentlichen können die Gesellschaften, die den größten Freiraum bieten als Individuum zu funktionieren, mit minimaler Panzerung und maximalem Potenzial für genitale Gesundheit, als die besseren bzw. gesünderen angesehen werden. Reich selbst hat den Erzfeind all dieser Kriterien – den Roten Faschismus – in all seinen Formen und Verkleidungen benannt und angeprangert. Betrachten wir die folgende Tabelle:

Diese Tabelle schließt nicht aus, dass auch die „bessere“ Gesellschaft ihre gravierenden Mängel aufweist, wie Ungerechtigkeiten, Rassenvorurteile, reaktionäre Einstellungen und ökonomische und ökologische Kurzsichtigkeit. Es zeigt lediglich, dass es noch Raum für einen rationaleren, verantwortungsvolleren und humaneren Ansatz zur Lösung der Probleme gibt, die die Menschheit plagen; während die rotfaschistische Welt, die die „schlimmsten“ Gesellschaften verkörpert, rücksichtslos jeden Versuch zur menschlichen Freiheit abwürgt, während sie fromme Plattitüden über das Wohlergehen der Menschheit deklamiert.

 

Anmerkungen des Übersetzers

f Komitee für unamerikanische Umtriebe, 1934-75 (wechselnde Bezeichnungen), sollte Unterwanderung durch Anhänger des deutschen Nationalsozialismus, später durch Kommunisten und deren Sympathisanten untersuchen und geeignete Gesetzesentwürfe vorlegen.
gCongressional Committee To Safeguard The Process Toward Self-Government Of The People”.
h Kommunistische Partei.

 

Literatur

12. Reich, W.: „A Dilemma in Social Self-Government“, Orgone Energy Bulletin, 1:124-37, 1949.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 2, S. 165-174.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein

Die extreme Linke, der Konservative, die extreme Rechte

27. Juli 2018

Der Konservative (und der Orgonom) lebt mehr oder weniger durch die Panzerung verzerrt aus seinem bioenergetischen Kern heraus, während der Linke keinerlei Kontakt zu seinem Kern hat und immer mehr in der sekundären Schicht versinkt. Ähnlich der Rechtsradikale, der zunehmend seinen stark verzerrten Kontakt zum Kern verliert und schließlich eine einzige Verkörperung der sekundären Schicht ist. Beispiele:

Die Linke und überhaupt das urbane Gesindel, das sich überall breitmacht, verlangt „Respekt“ als einforderbares Recht. Dabei ist Respekt etwas, was man sich durch Leistung und im menschlichen Umgang erarbeiten muß. Jeder kann von mir Rücksicht verlangen, Leben und Leben lassen, aber niemandem schulde ich Respekt, den er sich nicht in meinen Augen erworben hat!

Die Ablehnung aller Autorität ist im anti-autoritären Zeitalter (Konia) das Hauptmerkmal der Linken:

Sich selbst als einzige Autorität für sich selbst anzusehen – ja, letztendlich ist man sowieso in jedem Fall derjenige, der die letzte Entscheidung im eigenen Kopf fällt; aber der Linke weitet das aus und Autorität ist nicht mehr etwas, was man sich hart erarbeiten muß, sondern sie entspringt der eigenen kontaktlosen Selbstherrlichkeit. Man schaue sich nur in Universitären an wie Professoren, die die politische Korrektheit verletzen, von Studenten, die kaum die ersten Grundlagen ihres Faches verstanden haben, in die Schranken verwiesen werden. Anarchie und Verblödung fallen in eins!

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Die Volkszugehörigkeit ist angeboren, kann aber auch, wie früher der erbliche Adelsstand, nachträglich erarbeitet werden. Beispielsweise werden Fremdenlegionäre nach einer gewissen Dienstzeit Franzosen. Linke hingegen schmeißen mit dem deutschen Paß nur so um sich, lösen das verbindliche Volk in eine unverbindliche „Be-Völkerung“ auf und haben Angst vor „Populismus“, gar „Faschismus“.

Das Recht ist für sie kodifiziertes Gutmenschentum. Für Konservative sind Rechte vor allem gottgegeben, naturgegeben, die Summe jahrhundertealten Rechtsempfindens.

„Rassismus“, wie immer er auch konkret ausgestaltet sein mag, ist den Rechtsextremen wesenseigen. Deshalb verweigern sie jedem, der „nicht dazugehört“ den Respekt. Autorität ist unhinterfragbar und der Staat reduziert sich auf blanke Gewalt, das Recht des Stärkeren (ob religiös verbrämt oder pseudo-wissenschaftlich untermauert).

Der Grundgegensatz in der Demokratie

4. Juli 2018

Wie und warum wir manipuliert werden, können wir jeden Abend in der Tagesschau sehen. Bei Obama wurden simple Fragen wie die folgenden verächtlich vom Tisch gewischt: „Welcher Arzt hat ihn in welchem Krankenhaus entbunden?“, „Warum wurde die als Computerdatei vorliegende Kurzfassung seiner Geburtsurkunde nicht einfach gescannt, sondern am Computer generiert?“ Während bei Trump ein fadenscheiniger Unsinn nach dem anderen hervorgekramt wird. In Deutschland betrachte man, wie komplett hilflos die gut eingespielten Systemparteien auf die AfD reagieren. Das einzige, was sie tun, ist die Opfer des Nationalsozialismus immer und immer wieder zu mißbrauchen. Sie werden auch noch posthum auf den Altären des totalen Staates geopfert. Wir sind Zeuge von zwei historischen Unfällen. Es war schlicht nicht vorgesehen, daß Trump Präsident wird und daß die AfD zu einer wirklichen Opposition in unserer Demokratiesimulation wird.

Man kann alle möglichen Verschwörungstheorien vorbringen, von denen einige viel für sich haben. Was uns hier einzig interessieren sollte, ist eine spezifisch orgonomische Sichtweise; eine Sichtweise, die ein Alleinstellungsmerkmal für die Orgonomie ist. Es geht um den Kampf zwischen der organisierten Emotionellen Pest und der Arbeitsdemokratie, die keinerlei gesellschaftliche Vertretung hat. Was man in den USA und in Deutschland findet, ist die komplette Durchdringung aller Bereiche durch die Emotionelle Pest. „Emotionelle Pest“ bedeutet schlicht, daß man das Lebendige in anderen nicht ertragen kann und diesen Störfaktor beseitigen muß, um in seiner verkrüppelten Existenz überleben zu können. Man geht dabei mit den Mitteln vor, die einem verkrüppelten Energiesystem noch zur Verfügung stehen. Konkret heißt das, daß Apparatschiks jeder Art systematisch verhindern, daß die Massen ein produktives, glückliches Leben führen können, Familien gründen und ernähren können, daß sie ihr Leben selbst bestimmen. Man braucht doch nur um sich blicken: auf allen Ebenen tut die Politik nichts anderes, als das alltägliche Leben in einen veritablen Alptraum zu verwandeln. Und dann kommt Trump daher und versucht doch allen Ernstes den „amerikanischen Traum“ neu zu entfachen, oder die AfD, die nichts anderes will, als die soziale Marktwirtschaft wiederherzustellen, schlichtweg normale Verhältnisse.

Dieser fundamentale Gegensatz zwischen Emotioneller Pest und Arbeitsdemokratie, den sonst niemand sieht, zeigt sich schon allein daran, daß die Systemparteien praktisch ausschließlich Funktionäre des Staates, den sie kontrollieren sollen, ins Parlament entsenden (Beamte) oder Existenzen, die in der freien Wirtschaft nicht überleben könnten, die also von ihrem Mandat und irgendwelchen subventionierten Pöstchen auf Gedeih und Verderb abhängen, oder unbeschreiblich absurde Existenzen wie Andrea Nahles oder Kevin Kühnert, während die Abgeordneten der AfD Repräsentanten der – Arbeitsdemokratie sind, Arbeiter (im Reichschen Sinne). Hinsichtlich Trump habe ich an anderer Stelle ähnliches erläutert.

Wer den Gegensatz von Emotioneller Pest und Arbeitsdemokratie nicht begriffen hat, hat gar nichts begriffen! Seine soziologischen, politischen, ökonomischen, gar „Reichianischen“ Analysen mögen ganz nett sein, teilweise vielleicht sogar weitgehend zutreffen, sogar seine Verschwörungstheorien, aber ohne ein Verständnis der Massenpsychologie des Faschismus bleiben sie doch Schall und Rauch. Imgrunde hat er NICHTS begriffen!

Und ein weiteres Beispiel für das Angehen der Emotionellen Pest:

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 7)

3. Juli 2018

von Paul Mathews, M.A.*

Die emotionale Pest

Die grundlegende Dynamik der emotionalen Pest wurde ausführlich in Reichs Büchern Character Analysis, The Murder of Christ, und Listen, Little Man! und in zahlreichen Artikeln sowie in Bakers Man in the Trap behandelt. An dieser Stelle möchte ich nur auf den besonderen Zusammenhang der Pest mit dem gegenwärtigen Schauplatz hinweisen. Man sollte sich vor Augen halten, daß die Pest eine spezifische Erkrankung mit spezifischen Symptomen ist, die insbesondere auf der sozialen Bühne anwendbar sind. Das Verhalten der Pest ist immer versteckt oder hinterhältig, wobei die Gründe, die für die Handlungen angeben werden, nie die wirklichen sind. Die Pest ist von diabolischer Schläue, weil sie die intellektuelle Abwehr zu ihrer höchsten Entfaltung gebracht hat, besonders in ihrer Fähigkeit, sich im Namen einer edlen Sache im menschlichen Schuldgefühl zu verankern. Ihr eigentliches Ziel ist es immer, menschliches Glück zu zerstören, das zu kontrollieren, was für die Pestcharaktere unerträglich ist, die authentischen Lebensempfindungen stillzulegen oder vollständig zu zerstören. In unserer Zeit hat die Pest zunehmend versucht, aus den gegenwärtigen Kämpfen um Krieg und Frieden, materielle Not, Jugendrebellion, sexuelle und Eheprobleme Kapital zu schlagen.

In Bezug auf das gesellschaftspolitische Spektrum kann man sagen, dass die rechte faschistische Pest dazu tendiert, in ihrer Brutalität offener zu sein als die linke (die tendenziell eher hinterhältig ist), aber dass beide zu jeder Brutalität fähig sind, die für ihre Ziele notwendig ist. In ihren verborgenen Erscheinungsformen – die so charakteristisch sind für den Kommunismus und die politische Linke – ist die Pest am schwierigsten zu bekämpfen und am gefährlichsten. So wird sie unter dem Deckmantel des Humanismus zu den zerstörerischsten Einflussnahmen greifen. Die folgende Tabelle veranschaulicht diesen Punkt:

Pest-Verhalten

Es sollte klar sein, dass die unter „Deckmantel“ ausgedrückten Werte an sich lobenswert und wünschenswert sind. Das Problem ist, dass der Pestcharakter sie nicht meint. Ebenfalls können die Punkte, die „befürwortet“ werden, von anderen als den Pestcharakteren eine ehrliche Unterstützung finden, z.B. von ehrlichen Andersdenkenden oder aufrichtigen Sozialreformern (ob sie damit nun Recht haben oder nicht). Der Pestcharakter ist einer, der diese Dinge der Öffentlichkeit aus Gründen der Gewinnsucht oder der Bösartigkeit aufdrängt; gemeinhin ist sein Werdegang von dieser Art von Verhalten geprägt. Bei der Vorstellung seines Programms entstellt und täuscht er. Zum Beispiel wird er behaupten, dass Armut auf den Kapitalismus und Ausbeutung durch „Imperialisten“ zurückzuführen ist, aber er wird niemals das charakterologische Unvermögen der „Ausgebeuteten“ erwähnen, wodurch die ganze Schuld auf den „Übeltäter von Außen“ gelenkt wird. Noch zeigt er auf, wie ausgehungerte Liebe eine innere Leere hervorbringt, die für die zwanghafte Suche nach Gütern und Macht verantwortlich ist, auch wenn bereits mehr als genug vorhanden ist. Rationalen Denkern ist klar geworden, dass das Scheitern des Sozialismus nicht auf den Kapitalismus zurückzuführen ist, sondern auf die Unfähigkeit, unter Bedingungen von Massenkontrolle und mangelndem Anreiz (einen angemessenen Ertrag für die eigene Arbeit) zu produzieren.

 

Fußnoten

* Pädagoge, Sprachlehrer und Kliniker. Doktorand der Psychologie, New York University. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 111-125.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein

 

Der biologische Rechenfehler und die gegenwärtigen Probleme des Menschen (Teil 2)

17. Juni 2018

von Paul Mathews, M.A.*

Krieg und Frieden

Der Vietnamkrieg hat einen der schärfsten Angriffe gegen Amerika und seine Verbündeten in der Geschichte ausgelöst – und mit ihm eine Massen-Antikriegsbewegung, die im menschlichen Geschehen ohnegleichen ist. Welche Bedeutung hat diese Reaktion? Warum gab es so einen plötzlichen, massenhaften Gefühlsaufschwung wegen Bombardements, zivilen Opfern, der Einberufung usw.? Sind die Menschen außerordentlich human geworden oder hat es eine Neuausrichtung der Destruktivität gegeben, die die wahre Motivation verbirgt? Sind die ehemals Gewalttätigen gewaltlos geworden, um allen Hass zu beenden – oder haben sie effektivere Wege gefunden, das Leben auf der Erde zu zerstören? Sind die ehemals Nachgiebigen zu engagierten Teilnehmern einer Renaissance der menschlichen Liebe geworden – oder sind sie unbewusst Teilnehmer an einem beschleunigten Marsch Richtung Untergang? Dieses Problem hat zwei Aspekte: 1) die rein psychopolitischen Manipulationen der organisierten Pest, welche die Neurosen und die unorganisierte Pest der Massen mobilisiert, sowie ihre aufrichtigen und legitimen Sehnsüchte nach Frieden; und 2) die pubertierenden und postpubertierenden Energien der Jugend, die ohne Rückgriff auf ein regelmäßiges, gesundes Sexualleben in revolutionären Anliegen und Illusionen ihre vorübergehende Katharsis finden.

Der Aufstieg der rot-faschistischen Pest in unserer Zeit war ein allgegenwärtiger und bedrohlicher Faktor in unserem Leben, trotz einer Politik der „Liberalisierung“ und nuklearer Nichtverbreitungspakte.1 Es ist kein Zufall, dass im Zeitalter der Zweideutigkeit und der Doppelmoral in Politik und Außenpolitik die rechtschaffensten und lautstärksten Reaktionen jene Bereiche betreffen, in denen die freie Welt, insbesondere die Vereinigten Staaten, versuchen, mit der kommunistischen Unterwanderung fertig zu werden: Korea, Kuba, die Dominikanische Republik, Vietnam usw. und den Gebieten, in denen vermeintliche „nationale Befreiungskriege“ als Vehikel für die „Machterschleichung“ (Reich) benutzt werden. Jahr um Jahr antiamerikanischer Propaganda: von fortwährenden schweren Lügen; von falscher Gleichsetzung der offen eingestandenen, bereitwillig gesühnten Missetaten der USA mit dem grausamsten Pestverhalten der Geschichte;2 von neidischer Verunglimpfung; und von Beschwichtigung und Zugeständnissen, die auf liberalen Illusionen und dem Schuldgefühl beruhen, die in neurotischen Charakterstrukturen wegen ihres eigenen Wohlstands und ihres eigenen Wohlergehens ausgelöst werden – diese Dinge haben der Pest immens geholfen. Mit ihnen ist der Geist der Rebellion verbunden, der gegen das „Establishment“ (d.h. den Vater (3)) seitens einer unerfahrenen Jugend hervorbricht, die durch eine mystisch-mechanistische Freiheitsphilosophie von ihren Hemmungen befreit wurde. Ihr wahres Motiv – eine ziellose und zerstörerische Entladung ihrer Energien – zeigt sich deutlich in ihrem Mangel an konstruktiven Zielen. So nehmen sie marcusianischea Lehren an, die die Meinungsfreiheit ihres Gegners ausschließen (4)b. Sie machen aus der willkürlichen und leichtfertigen Zerstörung der Gesellschaft ein „Ziel“, basierend auf weit hergeholten Illusionen einer neo-marxistischen Utopie, die aus den Trümmern aufersteht.

Aus funktioneller, orgonomischer Perspektive muss die Erlangung dauerhaften Friedens durch ein naives mechanisches Organisieren der Antikriegsgesinnung auf lange Sicht scheitern und das aus zwei Gründen: Es erkennt weder die biologische Grundlage der Destruktivität in Form der sekundären Triebe an (häufig als humanistische Sorge um die Menschheit getarnt), noch versteht es die Technik der emotionalen Pest, die diese mechanistischen Programme nutzt, um ihre eigenen Ziele zu fördern und letztlich die humanen „Befreier“ zu versklaven.

Das Erreichen dauerhaften Friedens – wenn denn überhaupt möglich – ist ein langsamer, organischer Prozess, der die Schulung von Erwachsenen für eine verantwortungsvolle, naturgemäße Herangehensweise an die Erziehung der Kinder der Zukunft beinhaltet. Letztere werden hoffentlich eine Gesellschaftsordnung entwickeln, die auf gesünderen Charakterstrukturen beruht, die in der Lage sind, den Weltfrieden zuzulassen, weil sie in sich selbst friedfertig und zufrieden leben (5). Auf diese Weise, und nur auf diese Weise, können wir uns realistisch auf eine schlussendlich fruchttragende und friedliche Welt freuen.

Es wäre in der Tat ein wundermäßiges Geschehen, wenn eine Koalition von Mystikern, Pazifisten und anderen Visionären den Krieg besiegen und gegenseitigen Respekt für die Rechte und die Freiheit anderer durchsetzen könnte. Historische Fakten und klinische Beobachtungen dieser Art von Menschen unterstützen diese Hoffnung nicht im Geringsten. Die Pest hat allzu oft die Naivität und Immobilität der Wunschdenker ausgenutzt und für all die sehr wenigen, scheinbar humanen Zugeständnisse entsetzliche Verwüstungen angerichtet. Die menschliche Panzerung, individuell und in der Masse, ist sehr real und sehr wohl ein zu berücksichtigender Faktor; sie kann nicht durch mystische Beschwörungen und Appelle an die brüderliche Liebe beseitigt werden.

Daher liegt es in der Verantwortung derer, die ein endgültiges Ende der immer wiederkehrenden Kriege wünschen, auf das Ziel gesünderer künftiger Generationen hinzuarbeiten und sich gleichzeitig jenen Kräften entgegenzustellen und sie zu bekämpfen, die dies verhindern wollen. Dies erfordert Festigkeit und Entschlossenheit sowie physischen Widerstand gegen die Pest, wann und wo immer es nötig ist. In diesem Zusammenhang ist der Kommunismus in seiner gegenwärtigen Form des roten Faschismus die größte Bedrohung für die Freiheit der Welt, für die Selbstregulierung und für alle anderen Ideale des natürlichen, gesunden Lebens. Ihm muss aus diesem Grund (und nicht weil er antikapitalistisch ist) Widerstand entgegensetzt und er muss bekämpft werden. Die Kapitulation Vietnams vor dem roten Faschismus (unter dem Deckmantel der Beilegung des „Bürgerkriegs“)3 wird das vietnamesische Volk nicht befreien, sondern dazu dienen, vor der Pest einzuknicken und sie zu stärken.

Trotz der komplexen Probleme im Zusammenhang mit Vietnam gibt es eine klare Priorität: die Pest zu stoppen, bevor sie die Welt überrollt und alle verbleibenden Freiheiten vernichtet.

Der Faschismus der Linken stellt die bisher virulenteste Form der emotionalen Pest dar. Bei ihr stehen wir der größten Bedrohung für die menschliche Freiheit, die Selbstregulierung und alle von Reich dargelegten funktionellen Herangehensweisen gegenüber. Um zu überleben formt die Pest ihre Umgebung zu einer monolithischen Struktur um, die keine Bewegungsfreiheit zulässt. In einer erstarrten totalitären Welt hätte der Mensch keine Bewegungsfreiheit und keine Möglichkeit, rationale Lösungen für seine Probleme zu entwickeln – genauso wenig wie ein krebskranker Patient natürlichen Widerstand gegen Krankheiten leisten kann.

 

Fußnoten

* Pädagoge, Sprachlehrer und Kliniker. Doktorand der Psychologie, New York University. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

1 Die Invasion der Tschechoslowakei und die damit verbundenen Säuberungen, die Inhaftierung von Intellektuellen, die Hilfe an Nordvietnam und die Lage im Nahen Osten sollten dies verdeutlichen. Im Umgang mit der Pest muss man sich ständig fragen, was ist das eigentliche Motiv hinter der Handlung, die nicht dem Interesse der Menschheit förderlich ist, sondern dem der Pest.

2 Mississippi wurde häufig mit Russland gleichgesetzt und Amerika wurde mehr als einmal mit Nazi-Deutschland verglichen – zuletzt im Zusammenhang mit dem angeblichen Massaker von My Lai.c Kommunistische Gräueltaten, die regelmäßigsten und zahlreichsten in der Geschichte, werden entweder höflich ignoriert oder rationalisiert.

3 Tran Quoc Buu, Präsident des vietnamesischen Gewerkschaftsbundes (CVT), erklärte einer Versammlung von New Yorker Gewerkschaftern, dass er als aktiver Lehrer unter seinen Kollegen und Schülern für die Unabhängigkeit Vietnams (von den Franzosen) gearbeitet habe. Von den Kommunisten sagte er: „Ich kenne ihre Strategie gut, weil ich 10 Jahre lang mit ihnen in der Widerstandsbewegung und im Gefängnis gearbeitet habe.“ Er sagte, dass es keine Taktik gäbe, die sie bei der Verfolgung ihres Ziels, Südvietnam zu übernehmen, nicht anwenden würden. Obwohl sie hoffen, dies durch militärische und terroristische Taktiken zu erreichen, haben sie auch politische Vorgehensweisen entwickelt. (Berichtet in United Teacher, 14. Dezember 1969.)

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Bezieht sich auf den Aufsatz „Repressive Toleranz“ (9) von Herbert Marcuse, erschienen 1965, in dem er eine uneingeschränkte Toleranz gegenüber „rückschrittlichen“ Bewegungen ausschließt. Zitat: „Intoleranz vor allem gegenüber den Konservativen und der politischen Rechten.“

b Kennan, George F.: Rebellen ohne Programm. Demokratie und studentische Linke. Stuttgart (1968): Henry Goverts Verlag.
Auszüge auf: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46106815.html

c Als Mathews dies schrieb, war die Beweisaufnahme noch im Gange und die Toten waren laut offizieller Darstellung Soldaten des Vietcong.

 

Literatur

3. Feuer, L.S..: The Conflict of Generations. New York: Basic Books, 1969
4. Kennan, G.: “The Student Left – Rebels without a Program“, Reader’s Digest, Jan., 1969
5. Baker, E.F.: Man in the Trap. New York: Macmillan Co., 1967
9. Marcuse, H.: „Repressive Tolerance“, A Critique of Pure Tolerance by H. Marcuse, R. P. Wolff, and B. Moore.

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 4 (1970), Nr. 1, S. 111-125.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein