Posts Tagged ‘Anarchie’

Datei „laska-biblio“ (2014)

27. Dezember 2022

Datei „laska-biblio“ (2014)

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 35)

6. Dezember 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Reich schrieb am 3. Februar 1952, 4 Uhr morgens, unter der Überschrift „Der stille Beobachter“ eine Art Tagebucheintrag:

Die Anarchisten in Paris haben die UN-Delegierten mit Eiern und Tomaten beworfen und riefen, korrekt, aber dumm, „weder Truman noch Stalin“. Sie würden mich sicher erschießen, wenn sie an die Macht kämen, obwohl sie mich jetzt bewundern und mir rechts und links Juwelen politischer Slogans abnehmen, ohne die Quelle zu nennen, außer in einer sehr minimalen Weise, und bereits meinen Namen verunglimpfen, indem sie mich einen Bolschewiken nennen und behaupten, ich wüßte nichts vom Anarchismus. Sie kennen meine Stirner- und Kropotkin-Zeit von 1919 nicht. Das paßt zu ihrem Versuch, aus der sexuellen Jugendfrage politisches Kapital zu schlagen, indem sie die „Freiheit der LIEBE“ für die Jugend proklamieren … den politischen Weg, den Weg, den ich nicht klar von MEINEM Weg getrennt und 1928 bis 1934 bekämpft habe; den aussichtslosen Weg des politisch lästigen Freiheitshausierers. Sie wüßten nicht, wie sie mit einem einzigen Fall von Zusammenbruch aufgrund von Orgasmusangst bei einem fünfzehnjährigen Mädchen umgehen sollten. Sie können in kritischen Zeiten aus purer Unwissenheit, gepaart mit politischem Eifer, zu einer Bedrohung werden. Mit „gut meinen“ allein ist es nicht getan.

Reichs Biograph hat das wie folgt übermittelt: In Bezug auf die Anarchisten (eine englische Gruppe von Anarchisten schrieb häufig an Reich und veröffentlichte Artikel über seine Arbeit) sagte er: „Wir wollen keine Anarchie, wir wollen Ordnung. Wir nehmen den rationalen Kern aus dem Anarchismus, dem Kommunismus. Ich habe große Bewunderung für Kropotkin. Aber sie vergessen, daß sich die Zeiten ändern, daß die Wahrheit von gestern die Lüge von heute ist“ (M.R. Sharaf: „Some Remarks of Reich: Summer 1948“, Journal of Orgonomy 2(2), November 1968, pp. 215-224, siehe auch Ilse Ollendorffs Wilhelm Reich, S. 104).

Im Gegensatz zu Marx mit seinen „ehernen Gesetzen der Geschichte“, die letztendlich alles rechtfertigten und die Marxisten zu Todfeinden der Anarchisten machten, stand Kropotkin für die Befreiung von der religiösen Moral, für das „System des Nicht-Regierens“. Keime dieser freien Vereinbarung gäbe es schon heute überall im öffentlichen, zumal im wirtschaftlichen Leben. Reichs späteres Konzept der Arbeitsdemokratie. Der Unterschied ist natürlich, daß Reich, ähnlich wie Marx, „strukturelle“ Probleme sah, auch wenn es bei Reich natürlich keine polit-ökonomischer, sondern solche charakterstruktureller Natur waren. In seiner Jugend sah er die Wahrheiten bei Kropotkin und später bei Marx – doch diese vermeintlichen Wahrheiten erwiesen sich später aufgrund seiner Durchdringung der menschlichen Charakterstruktur als Lüge. Versuch das mal einem dieser schrecklichen vermeintlichen „Reichianer“ zu erklären…

Der entscheidende Einfluß von Marx auf Reich, für den Marx weitgehend mit den Anfangskapiteln von Das Kapital identisch war, liegt weniger in der Kernaussage des Buches, nämlich in der Arbeitswertlehre (die ja auch für Marx selbst der Dreh- und Angelpunkt war), sondern vielmehr im ganzen barocken Zitaten- und Belegfirlefanz, der diesen Kern umgibt: die genauso überflüssigen wie überlangen Beschreibungen der Verflechtungen der Produktion. Für Marx war das alles nur Füllmasse, um irgendwie sein Buch vollzukriegen. Eine Füllmasse, die nichts mit der Arbeitswertlehre zu tun hat – die aber vielleicht Reich dazu gebracht hat (in Rückgriff auf Stirners „Verein“ und Kropotkins „System des Nicht-Regierens“) das Konzept „Arbeitsdemokratie“ zu formulieren.

Wobei ich mir natürlich Reichs Ausführungen über die absonderlich aristotelisch-katholische Arbeitswertlehre in Menschen im Staat bewußt bin! Verkompliziert wird das ganze dadurch, daß Kropotkin ein heftiger Feind Stirners war, jedenfalls dessen, was er für „Stirner“ hielt („rücksichtsloser Egoist“ etc.). Vertrackt. Jedenfalls ging es Reich immer darum, das Primäre (z.B. „primäre Triebe“) vom Sekundären (z.B. „sekundäre Triebe“) zu trennen. Teilelement dieser seiner „Bewältigung der Vertracktheit“ war die Verlagerung der „philosophischen“ Fragen ins Biologische: von Stirner zum Orgon. Dergestalt hat die Entdeckung des Orgons eine (Teil-)Bedeutung (eine „LSR-Bedeutung“), die weder die Orgon-Verächter noch die Orgon-Begeisterten erfassen.

Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 13)

7. August 2022

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

Es kann genausowenig „ein bißchen Stirner“ geben, wie es „ein bißchen sexuelle Befreiung“ geben kann. Entweder ganz oder gar nicht. Genauso wie „Pornographie“ (so umfassend verstanden, wie Reich das Wort gebraucht) von der Genitalität wegführt, führt auch jede Art von „Anarchie“ von Stirner weg und ist nicht etwa eine unvollkommene Vorstufe zu Stirner. Was also in den vorangegangenen Abschnitten wie eine Einschränkung und Relativierung von Stirner wirkt, ist dies mitnichten.

Außerdem haben wir Reich, der uns im Gegensatz zu Stirner ganz genau sagen kann, wie „selbstbestimmt“ und „fremdbestimmt“ konkret voneinander zu scheiden sind. Reich hat gezeigt, wo es sinnvoll ist, von „Eigenem“ zu reden: Selbstregulierung jenseits von Gesundheitsnormen und trivialem Hedonismus („Doing your own thing“), der nur auf der eigenen Befriedigungsunfähigkeit beruht. Imgrunde geht es bei der Entwicklung von Stirner zum frühen und schließlich zum späten Reich um die schrittweise Eingrenzung des abstrakten Freiheitsbegriffs.

Stirner hat gezeigt, daß das Gerede von „Freiheit“ reines Gesülze ist, da es, da nicht erfüllbar, zu abstrakt und inhaltsleer, vom eigentlichen Problem wegführt: der „Eigenheit“. Der frühe Reich hat gezeigt, daß „Eigenheit“ solange illusionär ist, solange man nicht z.B. den Brechreiz willentlich auslösen oder mit den Augen Angst ausdrücken kann: „orgastische Potenz“ (genuine Glücksfähigkeit). Und der späte Reich hat schließlich gezeigt, daß dieses Gerede von „biophysischer Freiheit“ reines Gesülze ist, solange nicht die tiefe Rationalität in der irrationalen Freiheitsunfähigkeit erkannt ist, also die unfassenden Zusammenhänge, mit der sich die Orgonomie beschäftigt. Am klarsten kommt dies wohl in Reichs Aufsatz „Die emotionale Wüste“ zum Ausdruck, in dem er seine frühen Beiträge (Beseitigung von Panzerblockaden = Über-Ich) in den Zusammenhang des „kosmischen Metabolismus“ stellt (siehe Ausgewählte Schriften).

Die innere Dynamik der antiautoritären Gesellschaft (Teil 6)

26. März 2022

Die Orgasmusformel Spannung – Ladung – Entladung – Entspannung hat zwei Phasen: die Überlagerungsphase (Spannung – Ladung) und die Phase der orgastischen Zuckung (Entladung – Entspannung). Sie bestimmt nicht nur unmittelbar den individuellen Organismus, sondern mittelbar auch den gesellschaftlichen Organismus. In der antiautoritären Gesellschaft äußert sich das wie folgt:

Spannung geht mit zentraler Erregung einher, die nicht ertragen werden kann und unmittelbar zum „bionösen Zerfall“ führt, d.h. Anarchie mit späterer Reorganisation der Gesellschaft auf einer primitiveren Ebene (Kommunismus). Womit wir bereits den Kern der antiautoritären Gesellschaft vor uns haben.

Energetische Überlagerung und die daraus resultierende „materielle“ Produktion findet nicht mehr statt. An ihre Stelle tritt das Aufbrauchen der von vergangenen Generationen erwirtschafteten immateriellen und materiellen Werte.

Die „Ladung der Peripherie“ führt zu Kontakt, was in der antiautoritären Gesellschaft unmittelbar zu Panik und hysterischem Weglaufen führt. Entladung wird zu chaotischer „Action“ und Entspannung wird zum indolenten „Chillen“.

Das ganze entspricht einer Art „Pseudobioenergetik“, die nur noch eine groteske Karikatur des Lebens darstellt. Um das unmittelbar zu erfahren, braucht man sich nur der heutigen „Kultur“ auszusetzen, die mehr und mehr wie eine bizarre Drogenparty voll von Kokain, Speed, Ecstasy und Pot wirkt: Anarchie, die mit Konformismus changiert (beispielsweise sind all die bunten Kids auf erschreckende Weise gleichförmig), Eskapismus, Aktionismus und Indolenz. Was schließlich bleibt ist die schwarze Tristesse der orgastischen Impotenz.

Letztendlich wird in der „Neosexualität“ die Friktion negiert, das Hin und Her der Pulsation und das Auf und Ab der Kreiselwelle. Negiert wird die orgonotische Erregung, das Leben selbst. Auf gesellschaftlicher Ebene äußert sich das in gesellschaftlicher „bunter“ Atomisierung und gleichzeitigem „grauen“ Kollektivismus: mit einem Wort Krebs, d.h. Kommunismus.

Arbeitsdemokratie, Emotionelle Pest und Sozialismus (Teil 51)

15. Juni 2021

Bedeutet Arbeitsdemokratie eine Form von Anarchie, in der etwa Setzer eigene Kommentare in Texte von Zeitungsredakteuren einfügen, die ihnen nicht zusagen? Oder bedeutet Arbeitsdemokratie so etwas wie Platons Herrschaft der Philosophen: die faschistische Herrschaft der besten Fachleute?

Arbeitsdemokratie bedeutet, daß Entscheidungen aus dem Arbeitsprozeß selbst heraus getroffen werden. „Von unten“ in Dinge einzugreifen, für die man nicht den Überblick hat (etwa Bauarbeiter, die nach eigenem Gutdünken Wasserleitungen anders verlegen, als der Bauingenieur vorgegeben hat), oder „von oben“ Dinge vorzugeben, für die man seinerseits nicht den Überblick hat (etwa der Bauingenieur, der dem Rohrverleger die einzelnen Handgriffe vorgeben will), ist keine Arbeitsdemokratie, sondern das Gegenteil: Willkür.

Arbeitsdemokratie wird durch die Panzerung der Arbeitenden zerstört, die sie dazu führt, mit ihren Weltanschauungen, Ideologien und „Eingebungen“, in den Arbeitsprozeß einzugreifen. Gäbe es nur genitale Charaktere, wäre Arbeitsdemokratie eine Selbstverständlichkeit.

Das ist aber nur die Hälfte des Bildes, denn gleichzeitig übt Arbeitsdemokratie selbst eine heilende Wirkung aus. Der Arbeitsprozeß ist in sich rational und spricht dementsprechend den rationalen Kern an, der in jedem schlummert. Auf diese Weise wird die Emotionelle Pest sequestriert – solange nicht „Basisdemokraten“ und der „Expertenadel“ die Entfaltung der Arbeitsdemokratie hintertreiben.

basiselitenarbeit

David Holbrook, M.D.: ENTZWEIUNG UND PATRIOTISMUS / INFLATION IST EINE STEUER / LINKS, RECHTS, AUTORITARISMUS / RATIONALE AUTORITÄT VERSUS AUTORITARISMUS / GEHE MIT DIR SELBST SO UM… / DIE KUNST DES „NICHT-KOOPERIERENS“

27. Mai 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Über Entzweiung und unsere Vorstellung von Patriotismus

Inflation ist eine Steuer und sie steigt rapide an

Links, rechts oder gegen den Autoritarismus sein?

Rationale, gesunde Autorität versus Autoritarismus versus neurotische Formen des Antiautoritarismus

„Gehe mit dir selbst so um, wie du möchtest, daß andere mit sich selbst umgehen“

Zen und die Kunst des „Nicht-Kooperierens“

David Holbrook, M.D.: SOZIALISMUS ALS „ERSTE PHASE DER KOMMUNISTISCHEN GESELLSCHAFT“: DIE IDEOLOGIE, DIE ALLEM LINKEN DENKEN ZUGRUNDELIEGT / HAT SCHON MAL JEMAND DIE ÄHNLICHKEITEN ZWISCHEN POLITISCHER IDEOLOGIE UND RELIGIÖSER IDEOLOGIE BEMERKT?

28. Dezember 2020

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Sozialismus als „erste Phase der kommunistischen Gesellschaft“: die Ideologie, die allem linken Denken zugrundeliegt

 

Hat schon mal jemand die Ähnlichkeiten zwischen politischer Ideologie und religiöser Ideologie bemerkt?

 

Covid-19 und die antiautoritäre Gesellschaft

4. Mai 2020

Antiautoritarismus ist nicht einfach anarchistische Nichtautorität, sondern vielmehr die sozialistische Zentralisierung der Autorität weg von der persönlichen Verantwortung, weg von der Familie und weg von der lokalen Gemeinschaft. Diese drei Funktionen werden weitgehend von der Zentralregierung übernommen, die dadurch sehr „persönlich“ wird: sie übernimmt einige Funktionen der Familie und der lokalen Gemeinschaft und degradiert dich auf den Status eines Kindes, das nicht selbst für sich verantwortlich ist.

Für dich ist das Überleben deiner kranken und/oder alten Ehefrau, Mutter oder Großmutter von unendlicher Bedeutung, auch wenn sie 100 Jahre alt sind. Du wirst um jeden zusätzlichen Monat, jede zusätzliche Woche, ja sogar jeden zusätzlichen Tag ihres Verbleibens auf dieser Erde kämpfen. Während du als vernünftiger Mensch, der eine 88jährige gebrechliche Frau Helga Müller in der, sagen wir, fernen Lausitz betrachtet, sehr wohl weißt, daß es eine unverantwortliche Verschwendung medizinischer und wirtschaftlicher Ressourcen wäre, alles für das Überleben von Frau Müller zu mobilisieren. Dasselbe „kalte“ Denken prägte den alten rationalen autoritären Staat.

Aber heute, in der antiautoritären Ära, werden die Frau Müllers des Landes wie Mitglieder der inneren Familie behandelt. Wir opfern unsere gesamte Wirtschaft (und damit potentiell Millionen von Leben!), um einige gebrechliche und kranke Menschen zu retten, die sowieso bald sterben würden. Ja ja, ich weiß, „die Sprache des Unmenschen“…

Dieses verantwortungslose vermeintlich „humanitäre“ Getue hat mit der Augenpanzerung zu tun. Die Unfähigkeit in der Perspektive zu sehen, d.h. den qualitativen Unterschied zwischen nah und fern. Plötzlich wird „Frau Müller“ für „die Gesellschaft“ genauso wichtig wie für uns unsere eigene Mutter. Was im Falle „der Gesellschaft“ ein falsches und unaufrichtiges Gefühl ist – Kontaktlosigkeit unter dem Deckmantel des Kontakts! Es ist eine echte psychiatrische Psychose im Massenmaßstab.

Ein verantwortungsbewußter Kanzler würde sagen: „Gut, wir verlieren 20 000 Menschen bei jeder Grippewelle. Dieses Mal werden es 30 000 Menschen sein. Es ist schwer für die Familien, aber als Gesellschaft akzeptabel. Ich kann die Wirtschaft nicht runterfahren, was als Endresultat vielleicht 300 000 zusätzliche Todesopfer fordern würde. DAS wäre unmoralisch!“

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David Holbrook, M.D.: FREIHEIT IST SELBSTREGULATION

6. Dezember 2019

 

DAVID HOLBROOK, M.D.:

 

Freiheit ist Selbstregulation

 

Paul Mathews: Die Wirkungsweise der Emotionellen Pest

5. September 2019

 

Paul Mathews:
Die Wirkungsweise der Emotionellen Pest