Posts Tagged ‘Mord’

Über den Terrorismus (Teil 2)

12. Oktober 2019

von Paul Mathews, M.A., M.A.C.O.
 

Um meinen Standpunkt zu untermauern, möchte ich James Q. Wilson, Shattuck-Professorb für Regierungsführung an der Harvard University zitieren, der erklärt, dass die in Jerusalem angenommene Definition des Terrorismus, wie bereits erwähnt, „es erlaubt, zwischen reinem Terrorismus (z.B. willkürlicher Mord in der Türkei oder Paris, Italien, Deutschland und bei den Olympischen Spielen in München) und Guerillakrieg, der auf die Armee einer Besatzungsmacht gerichtet ist, zu unterscheiden . . . eine Kraft, die eingesetzt wird, um eine bestimmte politische oder militärische Ordnung zu stören, und eine Kraft, die eingesetzt wird, um die Aufrechterhaltung jeglicher Form von Ordnung unter allen Vorzeichen unmöglich zu machen. Außerdem . . . ist es in einer Gesellschaft mit freien Wahlen, offenen Gerichten und einer legitimen Opposition verabscheuungswürdiger, als wenn Terror . . . in einer Gesellschaft auftritt, in der es keine alternativen Mittel zur Veränderung gibt“ (2, S. 37-8). „Verabscheuungswürdiger“ – aber Terror ist per Definition immer verachtenswert.

Abgesehen von den so genannten Mikroterrorgruppen und –organisationen, gibt es ihre groß dimensionierten Makropendants, die sich als legitime Nationen ausgeben, wie Nazi-Deutschland und die heutigen kommunistischen Kolosse, die jedoch in Wirklichkeit riesige terroristische Organisationen sind. Mehr dazu später.

Um meinen Standpunkt über eine „Koalition von emotionellen Pestgetriebenen“ weiter zu erläutern, möchte ich Wilson noch einmal zitieren (op. cit.):

Wer kann die politischen Ziele der IRA-Provos oder der Roten Brigaden in mehr als leeren Allgemeinplätzen beschreiben? Für viele ihrer Mitglieder ist der Zweck des Terrorismus einfach der zu terrorisieren . . . als bevorzugte Methode . . . der Terrorist verherrlicht Gewalt und stellt sie über andere Formen politischer Aktivität (und) es ist nicht mehr einfach . . . oder möglich . . . zwischen dem politischen Eiferer und dem psychopathischen Mörder zu unterscheiden [Hervorhebung hinzugefügt] . . . die Verschmelzung des wahren Gläubigen und des Blutrünstigen. Der Terrorismus hilft bei der Verbreitung des totalitären Staates.

Die zuvor erwähnten „Blendfassaden“ dienen dazu, die eigentlichen Ziele der sekundären Schicht der gepanzerten Charakterstruktur zu verbergen. Die „sozialen und/oder politischen Ziele“ von Terroristen sind nicht mehr und nicht weniger als Fassaden für Verhalten, das der sekundären Schicht, der Emotionellen Pest entstammt. Die sekundäre Schicht enthält alles im gepanzerten menschlichen Charakter, was hasserfüllt, lebens- und sexualnegativ, rachsüchtig, schuldbeladen und mörderisch ist.

Technisch gesehen wird Terrorismus durch Rationalisierungen der sekundären Schicht herbeigeführt, so dass ein Individuum traditionelle Hemmungen außer Kraft setzt und so die monströsesten und prinzipienlosesten Gräueltaten begeht. Diese Gräueltaten richten sich typischerweise gegen wehrlose, unbewaffnete Zivilisten, entweder als „Lektionen“ für andere oder aus Vergeltung gegen eine Anständigkeit, die die emotionelle Pest nicht tolerieren kann. Diejenigen, die diese Terrorakte planen und lenken, sind sich der Mechanismen, die sie in Gang setzen, voll bewusst, auch wenn sie selbst möglicherweise nicht in der Lage sind, den tatsächlichen physischen Terrorakt auszuführen. In mancher Hinsicht ist ein solcher Zynismus schuldhafter als das emotionale Chaos des einzelnen Terroristen, aber dieses große Thema geht über den Rahmen dieses Artikels hinaus.

 

Anmerkungen des Übersetzers

b Benannt nach Henry Lee Shattuck (1879–1971), Schatzmeister der Harvard University.

 

Literatur

2. Wilson, J.Q.: „Thinking About Terrorism“, Commentary, July 1981

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 16 (1982), Nr. 2, S. 235-243.
Übersetzt von Robert (Berlin).

Über Panzerung, Krieg und Frieden

6. Juni 2019

 

Paul Mathews:
Über Panzerung, Krieg und Frieden

 

Paul Mathews: Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

22. März 2019

 

Paul Mathews:
Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

 

Über Panzerung, Krieg und Frieden (Teil 2)

16. August 2018

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Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters (Teil 7)

10. April 2018

 

Paul Mathews: Eine funktionelle Auffassung des modernen liberalen Charakters

Einen Punkt setzen

6. August 2017

Ich kann mich lebhaft an eine Diskussion mit einem Freund erinnern. Wir saßen in der Küche und sprachen über unser Rechtssystem. Meine Idee war, was wäre, wenn ein Mann in einem hermetisch abgeschlossenen ABC-Anzug, der keinerlei Spuren hinterläßt, hereinstürmen würde, das Küchenmesser aus meiner Hand risse und meinem Freund ins Herz stieße? Oder umgekehrt, was wäre, wenn ich ihn ersteche und behaupte der unbekannte „ABC-Mann“ wäre es gewesen. Wer wollte mir jemals das Gegenteil beweisen! Es gibt keine Zeugen? Er hat sich halt aufs Grundstück geschlichen oder das Schweigen der Zeugen wurde von der Mafia, der CIA oder wem auch immer erzwungen. Meine Fingerabdrücke befänden sich auf dem Messer? Ich habe damit gegessen! Und was alle anderen Spuren betrifft: wir haben eine Stunde zusammen in der Küche gesessen und er ist in meinen Armen gestorben! Welches Gericht der Welt will mich verurteilen?!

Die Antwort ist einfach: jedes Gericht der Welt! Es gibt so etwas wie eine Lebenswirklichkeit und die von mir aufgetischte Geschichte ist einfach lebensfremd. Hinzu kommt das Prinzip des Rechtsfriedens: man kann nicht alles bis in alle Ewigkeit widerkäuen, denn dann gäbe es keine einzige Verurteilung. Oder nehmen wir die unrühmliche Geschichte von Lee Harvey Oswalds Mord an Kennedy. Niemand kann 100prozentig ausschließen, daß Oswald tatsächlich unschuldig war, aber dann gäbe es kein einziges Mordurteil. Niemals und nirgendwo! Schließlich sind Staatsanwälte, Richter und Geschworene keine unfehlbaren Götter, sondern nur fehlbare Menschen. Bis es nicht irgendwelche neuen und umstürzenden Erkenntnisse gibt, ist eine Diskussion über Oswald oder irgendeinen anderen überführten Mörder vollkommen sinnlos.

Derartige Debatten haben nur eine Funktion: Verwirrung zu stiften. Das ist eine der Haupttaktiken der Emotionellen Pest. Eine Arbeitsgruppe arbeitet produktiv zusammen, man kommt zu Ergebnissen und es geht voran. Und dann betritt der pestilente Charakter (oder auch nur ein akut an der Pest erkrankter!) die Szene und bringt alles mit „neuen Gesichtspunkten“ durcheinander. Die einzige Funktion dieser „neuen Gesichtspunkte“ ist es vom Wesentlichen abzulenken. Und es ist ja nicht so, daß der Störer unbedingt falsch liegen muß, vielmehr ist in diesem Moment die von ihm präsentierte Wahrheit nicht zielführend. Man betrachte nur, wie sich Reich hoffnungslos in einem unentwirrbaren juristischem Wirrwarr verfangen hatte, nachdem ihm von dem Modju Michael Silvert eingeredet wurde, man müsse die objektive Wahrheit durchsetzen und sich nicht von Anwälten in juristische Spitzfindigkeiten verwickeln lassen. Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hatte Silvert vollkommen recht, doch das Ergebnis in der realen Welt war, wie gesagt, ein wirklich unentwirrbarer juristischer Wirrwarr.

Abstrakt und „idealistisch“ betrachtet hätte tatsächlich der „ABC-Mann“ meinen Freund erstechen können, könnte Oswald vollkommen unschuldig gewesen sein, etc.pp. Sich auf dieses Spiel einzulassen, bedeutet in die Falle zu tappen. Übrigens ist das auch der tiefere Grund für all die Spaltungen in der Orgonomie nach Reichs Tod. Immer ging es darum, daß Dr. Elsworth F. Baker und nach ihm Dr. Charles Konia sich gegen Leute wenden mußten, die die Orgonomie hoffnungslos vom Weg abgebracht hätten. Man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen.

Hierher gehört auch die Sache mit dem gestern erwähnten David Jacobs. Er ist Historiker und die Geschichtswissenschaft gehört zu den aufwendigsten Studienfächern überhaupt, weil man angesichts der überwältigenden Materialfülle lernen muß, das Wichtige vom Unwichtigem, das Charakteristische vom Zufälligen zu scheiden. So ist Jacobs auch ans UFO-Phänomen herangegangen, hat gesehen, daß hinter all den Geschichten ein wahrer Kern stecken muß und hat Jahrzehnte damit verbracht diesen Kern freizulegen. Sein Ansatz war dabei, sich nicht durch das verwirrende Material von der Wahrheitssuche abbringen zu lassen, sich auf das Wesentliche, den besagten „Kern“ zu konzentrieren und nicht Passendes als „Konfabulieren“ zu entlarven, d.h. als falsche Aussagen aufgrund von Fehlwahrnehmungen und Gedächtnisstörungen. Das Hauptkriterium dabei ist, ob etwas unabhängig voneinander von unterschiedlichen Zeugen bestätigt wird. Es ist ähnlich wie beim Fall Oswald: natürlich gibt es immer wieder einzelne Zeugen und Aktennotizen, die nicht zum Gesamtbild passen, aber das entspringt nach aller Lebenserfahrung mit einiger Sicherheit „Konfabulation“. Praktisch bei jedem Fall, etwa von „Schulmassakern“, gibt es hier und da Zeugen, die einen „zweiten Schützen“ gesehen haben wollen. Nochmals: man muß den Mut haben einen Punkt zu setzen oder man wird nichts, rein gar nichts zuwege bringen!