Wie ticken „Reichianer“ soziopolitisch?

Wenn man die Linksreichianer verstehen will, sollte man folgendes (orgonometrisch schlichtweg falsches!) Diagramm betrachten, daß ihre Haltung (nicht etwa ihre Charakterstruktur!) perfekt beschreibt. Ihren irrationalen Linksliberalismus, den Reich insbesondere in Christusmord so hart gegeißelt hat, betrachten sie in ihrer kontaktlosen Verwirrtheit als Ausdruck höchster Rationalität. Mit denjenigen, die Reich, ob als Kommunist oder als Eisenhower-Anhänger, zeitlebens gehaßt und verachtet hat, die teddybär-werfenden Liberalen, identifiziert sich der „Reichianer“.

Die Ableitung und Diskussion dieses und ähnlicher Diagramme in David Boadellas Aufsatz „Social structure and character structure“ (Energy and Character, Vol. 2, No. 2, May 1971, S. 34-45) zeigt, daß Boadella nicht funktionell und bioenergetisch, sondern formalistisch und politisch denkt. Entsprechend geht es zunächst gar nicht auf die entsprechende funktionelle und bioenergetische Ableitung politischen Verhaltens des Liberalen (= verlogene oberflächliche Charakterschicht) und des Faschisten (= sadistische mittlere Charakterschicht), wie sie Reich 1942 im Vorwort zur Massenpsychologie des Faschismus präsentiert hat, ein, sondern handelt sie am Ende des Aufsatzes als eine Art Anhang kurz ab. Abschließende Sätze in Boadellas Text, in denen das Wort „liberal“ gar nicht vorkommt, – denn wenn es erwähnt worden wäre, wäre dieser ganze aufgeblasene, aber nichtsdestotrotz hohle Artikel zerplatzt.

Das obige Diagramm ist direkter Ausdruck der Charakterstruktur Boadellas und weniger einer wissenschaftlichen Aussage. Als primäre Impulse sehen wir „libertäre und arbeitsdemokratische Tendenzen“. Sie seien in der gepanzerten Gesellschaft genauso Angriffen ausgesetzt wie liberale Tendenzen auch, nur intensiver. Mit anderen Worten will Boadella tatsächlich nur eins: seine eigenen rebellischen („anarchistischen“) neurotischen Strebungen als ultimative Gesundheit darstellen im Gegensatz zu den bürokratischen Sozialisten der Labour Party und den Kommunisten auf der einen und den genauso kranken konservativen Tories und imaginären „Nazis“ auf der anderen Seite. Beide Seiten würden gleicherweise die Liberalen angreifen, die das an Rationalität vertreten, was in einer gepanzerten Gesellschaft möglich ist. Der schwarze Balken im Diagramm symbolisiere, wie die „natürlichen kooperativen Tendenzen“ der Menschen blockiert werden und entsprechend aus Arbeitsdemokraten bloße Liberale werden – die dergestalt der Gesundheit noch am nächsten stehen würden. Hier haben wird die Rechtfertigung für Boadellas windelweichen Liberalismus, wie er in Energy and Character zum Ausdruck kommt.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

7 Antworten to “Wie ticken „Reichianer“ soziopolitisch?”

  1. Florian Says:

    Wie würde das Diagramm in korrigierten Form aussehen ?

  2. Robert (Berlin) Says:

    Den „modern liberal“ als gesündeste Form der politischen Ausrichtung anzunehmen, also den Sozialdemokraten, Grünen und Linken, ist die häufigste Form der politischen Ausrichtung heutiger Reichianer. Aber den libertarian sozusagen als den biologischen Kern hinzustellen, ist wirklich erstaunlich. Der Libertäre ist gleich dem Kommunisten, da er nie über die menschliche Panzerung einen Gedanken verschwendet. Der Kommunist leugnet wie der Libertäre die wahre menschliche Natur des gepanzerten Individuums und löst dies durch KZs und einen Polizeistaat. Die Libertären hatten noch keine Gelegenheit, ihre Hirngespinste zu verwirklichen.

    • Peter Nasselstein Says:

      „libertär“ ist keine Charakterformation. Es kommt darauf an, welche FUNKTION libertäre Haltungen jeweils haben, beispielsweise was Drogenprohibition betrifft. „Libertär“ kann wirklich jeder sein!

      • Robert (Berlin) Says:

        Ich vermute mal, dass er damit den „modern liberal“ meint und nicht wirklich freiheitliche Ideen, Methoden oder Institutionen. Libertär meint die Freiheit, alles zu tun, soweit es niemanden schadet. Aber in der gepanzerten Gesellschaft muss es Polizei, Gerichte und Handelskammern geben, weil wir unsere sekundären Triebe unterdrücken müssen. Das Modell der Libertären ist der ideale, rationale Mensch, den es nicht gibt.

  3. Robert (Berlin) Says:

    Hier der Gipfel linker Sozialwissenschaften

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.


%d Bloggern gefällt das: