Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 3)

10. Charles Kelley war in vieler Hinsicht sozusagen der „amerikanische Paul Ritter“. In seiner Militärzeit war er zum Meteorologen ausgebildet worden und hatte an der Universität als Psychologe wissenschaftliche Methodik kennengelernt. Er war der einzige, der zu Reichs Lebzeiten in Reichs Zeitschriften außer Reich jeweils einen Artikel über Orgonometrie und Theoretisches zur Meteorologie veröffentlicht hatte. Nach Reichs Tod gründete er das Interscience Institute, cloudbustete, hatte engen Kontakt zu Oscar Tropp und ging bei einem Schüler von Baker in Therapie. Er gründete die Zeitschrift The Creative Process, in der u.a. auch Jerome Eden veröffentlichte und nicht zuletzt Leute aus dem Umfeld Ritters. Obwohl Kelley grundsätzlich zu Baker hielt, kam es doch im Laufe der Zeit zu einer starken Entfremdung. U.a. weil sich Kelley zunehmend für die Arbeit von Alexander Lowen interessierte und empört war, wie schroff und radikal die amerikanischen Orgonomen diese vermeintlich „wichtigen“ Beiträge von sich wiesen. In seinem Frust löste sich Kelley von der Orgonomie und gründete „Radix“ mit einer eigenen Theorie und sogar Therapieform – jeweils Karikaturen der Orgonomie.

11. Alexander Lowen, ursprünglich Rechtsanwalt, war einer der ältesten Schüler Reichs in Amerika, hatte er doch bereits Reichs Vorlesungen an der New School for Social Research unmittelbar nach Reichs Ankunft in den USA beigewohnt. Er wollte Therapeut werden, woraufhin ihn Reich dazu zwang noch im reifen Mannesalter ein Medizinstudium auf sich zu nehmen, das er in der damals bettelarmen und deshalb für Amerikaner spottbilligen Schweiz absolvierte. Als Reich nach dessen Rückkehr von Lowen forderte auch noch Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu werden, wandte sich dieser frustriert ab und gründete zusammen mit John Pierrakos die Bioenergetik, eine Disziplin, die plastisch zeigte, daß er nicht den blassesten Schimmer von der psychiatrischen Krankheitslehre im allgemeinen und der Psychoanalyse (die damals die Psychiatrie dominierte) im besonderen hatte.

12. Vollständig absurd wird es, wenn man daran denkt, daß sogar Reichs Klavierlehrer Al Bauman eine eigene „Reichianische“ Therapieform gründete, das heutige „Skan“ und ähnlich den Tropps eine Art „Kommune“ ins Leben rief. Ich habe mich an anderer Stelle mit Skan beschäftigt und werde hier nicht weiter auf diese Kackscheiße eingehen.

13. Alle bis hierher beschriebenen Abspaltungen von der Orgonomie waren zwar zum Großteil Ärgernisse, aber keine wirkliche Bedrohung für die Integrität der Orgonomie. Ganz anders war es um die Abspaltung des Institute for Orgonomic Science im Jahre 1982 bestellt. Wichtige, wenn nicht die wichtigsten Orgonomen, bildeten eine eigene Gruppe, darunter Bakers eigener Sohn Courtney Baker, der vor allem in der Orgonphysik tätig war, Robert Dew, Louisa Lance, Robert Ganz, die eine Reihe von Ausbildungskandidaten, also praktisch die Zukunft der Orgonomie, mit sich nahmen. Hinzu kam Lois Wyvell. Gründe für die Spaltung waren persönliche Auseinandersetzungen (es stellte sich heraus, daß Baker heimlich eine „Zweitfamilie“ gegründet hatte) und zunehmende Zweifel an der Urteilsfähigkeit des immer gebrechlicher werdenden Baker. Entsprechend war die Gruppe anfangs sozusagen „päpstlicher als der Papst“, doch nach dem Tod bzw. Ausscheiden der Gründungsmitglieder zerfiel sie sehr schnell zu einem Sammelsurium von „Linksorgonomen“ und es gab viele Überschneidungen zu den Gruppen um Sobey und Raphael. Jedenfalls hat sich die Orgonomie von diesem traumatischen Aderlaß nie wieder recht erholt.

14. Der letztendliche Grund für die Spaltung war der der Orgonomie inhärente Zielkonflikt zwischen Arbeitsdemokratie („Dezentralismus“) und einer effektiven, schlagkräftigen Führung, die etwas zuwege bringt („Zentralismus“). Dieser Konflikt zeigt sich in der letzten größeren Abspaltung im Jahre 2003, als der Orgontherapeut Dr. Gary Karpf zusammen mit wenigen anderen Orgonomen das American College of Orgonomy (ACO) verließ. Er hatte als neuer Präsident des ACO versucht „Schwung in den Laden zu bringen“ und die Orgonomie finanziell auf gesunde Beine zu stellen, nur daß niemand ihm folgte. In welche Richtung das ganze hätte gehen sollen, sieht man hier. Man sieht auch, wie der vor wenigen Tagen verstorbene Orson Bean, einer der Mitbegründer des ACO, für die Sache Werbung macht. So ungefähr würde heute die Orgonomie aussehen, wenn sich Dr. Karpf durchgesetzt hätte.

15. Last but not least ist natürlich der Geograph Dr. James DeMeo zu nennen, der seit Anfang der 1970er Jahre von Richard Blasband, einem der engsten und loyalsten Mitarbeiter Baker und nach dessen Tod Präsident des ACO, protegiert wurde. DeMeo ist der einzige in dieser Liste, der niemals Ambitionen in Richtung „Therapeut“ zeigte und sich ausschließlich auf den nichtmedizinischen Bereich, sozusagen die „wissenschaftliche“ Orgonomie konzentriert hat. Er steht heute vollkommen isoliert da und ist neben dem ACO die einzige Institution, die man ernstnehmen kann.

Es müßten zumindest noch Leute und Gruppen erwähnt werden, die sich auf Ola Raknes und Walter Hoppe berufen, aber dazu fehlen mir die Kenntnisse. Ohnehin wollte ich mich, wie anfangs gesagt, auf den amerikanischen (angelsächsischen Bereich) beschränken. Abgesehen vom ACO sind alle Gruppen heute tot oder allenfalls scheinlebendig (man schaue sich nur die verschiedenen Netzseiten an, die teilweise gar nicht mehr gepflegt werden!), selbst Alexander Lowens „Bioenergetik“, die als Therapieform derartig schlecht ist, daß kein gesunder Hahn mehr danach kräht.

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7 Antworten to “Die 15 Orgonomie-Gruppen (Teil 3)”

  1. Robert (Berlin) Says:

    Seltsamerweise sind einige Orgonomen mit Karpf in einer Organisation

    https://www.cedarglenpa.com/our_staff.shtml

  2. Peter Nasselstein Says:

    James DeMeo auf Facebook zum Tode von Orson Bean:

    There is another aspect of Orson Bean of interest to the History of Orgonomy, beyond his authorship of „Me and the Orgone“. Notably was his influence upon Andrew Breitbart and Breitbart News – today one of the most influential news websites in the USA, if not the world — they have branches with separate websites in Mexico, London, Asia, Africa, Latin America and Israel. Their articles resonate across other news outlets.

    Bean had been schooled in Wilhelm Reich, of course we all know that, but Bean also had an excellent understanding of the Emotional Plague, specifically as it gripped the Leftist movements in the Western Democracies. Like many of us, Andrew Breitbart was a youthful liberal-left person who later was converted by his father-in-law Bean, over to a strong principled moderate-conservative position. That is currently the situation in Breitbart News, even while it is severely hated by what Reich’s associate Elsworth Baker called „modern liberals“, who today are indistinguishable from hard Leftists of the Castroite, Stalinist or Maoist variety. „Characterological Communists“, they now have basic controls over most mainstream media, the Big Tech internet media, as well as Hollywood, the universities, and teacher’s unions. Censorship, slander, firings and Soviet-style public erasure are their tools of choice, which I see and must confront daily with trying to publish my scientific articles, or in communications with young scholars who got thrown out of institutions for their interests in Reich, or for their rejection of the CO2 theory, or rejecting „genderism“ and trans-gender castrations, or rejecting Einstein in favor of cosmic ether. Very Medieval in construct.

    One look at the current line-up and policy aspirations of the Democrat Party presidential candidates is a clear proof of my statement. The old liberal establishment of my youth is today basically dead and gone, taken over by fanatics of the Red and LGBTQP variety, who hope to finish the „fundamental transformation of American society“ which was started by Obama, but brought to a screeching halt by Trump.

    Anyhow, Breitbart’s conversion from group-think radical left to moderate-conservative is spelled out in this interesting article, which quotes from one of Breitbart’s books on this subject. Very worth the read. Some aspects of the older and mature Wilhelm Reich’s later anti-communism and understanding of the emotional plague of Red Fascism is to be seen in Breitbart News, as transferred from Bean to Breitbart. I touch upon similar issues in my book In Defense of Wilhelm Reich: 80-Years of Mainstream Slander & Defamation.

  3. Robert (Berlin) Says:

    November 1968

    Peter, klär uns mal auf, wer da sitzt…

    • Peter Nasselstein Says:

      stehend von lonks nach rechts: John Bell (aus Proest ausgetreten, als Dr. Blasband Anfang der 1990er Jahre ausgetreten wurde), Dr. Levy, ein enger Mitarbeiter von Dr. Baker, der Anfang der 1970er ahre ausgetreten ist, da er ein Liberaler war, Morton Herskowitz, ausgetreten nach Bakers Tod, da ihm die ganze Richtung nicht paßte, Orson Bean, Paul Mathews, kurz nach Bakers Tod Mitter der 1980er Jahre verstorben, der Rechtsanwalt David Blasband, ausgetreten als sein Bruder austrat, Lois Wyvell, kurz vor Bakers Tod ausgetreten wegen der Auseinandersetzungen um Baker, Richard Blasband, Elsworth Baker, Barbara Koopman, folgte Blasband nach wenigen Jahren aus den gleichen Gründen (Mystizismus), Albert Ing Duvall, kurz vor Baker gestorben.

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