Posts Tagged ‘Krankheitslehre’

Die drei Krankheitslehren

17. März 2019

Nehmen wir mal an, du hast ein etwas umfassenderes Krankheitsbild. Also keinen gebrochenen Finger, keine gewöhnliche Grippe oder so etwas, sondern etwas, was nie richtig auskuriert wird und dich zum Dauergast in den Wartezimmern diverser Fachärzte macht, die mit ihrem Latein am Ende sind. Da gibt es prinzipiell drei möglich Annäherungen an deine Gesundheitsprobleme:

Erstens haben wir die heutige Medizin. Du hast ein Magengeschwür? Heute wissen wir, daß das bestimmte Krankheitserreger auslösen, die man gezielt mit speziellen Antibiotika bekämpfen kann. Problem gelöst. Prinzipiell ist das wie beim Auto oder bei irgendeinem Küchengerät: irgendwelche kaputten Module werden ausgetauscht und die Maschine läuft wieder rund. So in allem, selbst bei denkbar komplexen Erkrankungen wie Prostatakrebs oder einer schweren bipolaren Störung. Man muß nur lange genug suchen!

Zweitens gibt es das, was dieser mechanistischen Medizin vorangegangen ist. Ein Weltbild, das sich am klarsten in der klassischen griechischen Philosophie findet. Wenn es dir schlecht geht, dann liegt das daran, daß du DEIN LEBEN verfehlst. Du leidest beispielsweise nicht unter „Depressionen“, sondern alles in deinem Leben schreit nach Veränderung, beruflich, familiär, „spirituell“. Diese Annäherungsweise hat der Outdoor Illner perfekt formuliert:

Die dritte Annäherung ist die Reichs. Sein Kozept der „Biopathie“ faßt unterschiedlichste psychische und somatische Symptome zu einer sinnvollen Einheit zusammen, ohne die Arbeit der mechanistischen Mediziner negieren zu wollen. Reich sieht den Menschen in seinem sozialen und „kosmischen“ Zusammenhang, in dem wirkliche Heilung erst möglich ist, doch macht er dies auf eine nicht mystische oder gar moralistische Weise und redet nicht von der „Lebensaufgabe“, die angeblich verfehlt wurde, oder von „kosmischen Hierarchien“, in die man sich einzufügen habe, um inneren Frieden zu finden und zu gesunden.

Das heißt aber EXPLIZIT nicht, daß man bei eindeutigen und einfachen Diagnosen nicht der modernen Medizin vertrauen sollte. Wer nicht sieht, daß sie lebensrettende Wunder wirken kann, ist ein gemeingefährlicher Sektierer! Ähnlich ist es mit dem im weitesten Sinne „mystischen“ Rat „weiser Männer“ bestellt. Es kann durchaus sein, daß deine einzige Rettung ist, daß du alles fahrenläßt und Mönch in einem Kloster wirst oder in eine Blockhütte in die Wildnis Alaskas ziehst, um von der Jagd, dem Fallenstellen und dem Pilz- und Beerensammeln zu leben, weil es, frei nach Adorno, kein Gutes im PRINZIPIELL Schlechten gibt.

nachrichtenbrief79

20. Oktober 2017

Der Nachweis des Kontinuums der Funktion in der Medizin (Teil 2)

26. Oktober 2012

Reich hat sich bemüht, den Schweregrad seelischer Erkrankungen und den Schweregrad der Genitalstörung wenigstens ansatzweise zu quantifizieren: in seinen bio-elektrischen Untersuchungen und seinen Untersuchungen zur orgonotischen Erstrahlung. Sein Hauptfeld war aber natürlich die Klinik.

Es stehen sich gegenüber erektive, ejakulative und orgastische Impotenz, Orgasmusangst und Sexualstauung als Indikatoren für die Schwere der genitalen Störung und Panzerstruktur, psychosomatische Beschwerden und „psychoneurotische“ Beschwerden als Indikatoren für die Schwere der seelischen Störung. Wenn sich da nicht einiges mehr oder weniger direkt statistisch untersuchen läßt, dann läßt sich ja wirklich gar nichts untersuchen. Es ist also nicht so, daß hier nur zwei Variablen vorliegen, die man nicht miteinander korrelieren darf.

Nach dem ICD-10 gibt es etwa 13 000 Krankheiten. Ich habe gehört, daß für den praktischen Mediziner etwa 100 Krankheiten wichtig sind, da sie den weit überwiegenden Teil der Fälle ausmachen. Den Rest kann man getrost den Spezialisten zur Abklärung überlassen. Wie viele von diesen 100 Krankheiten mögen davon Biopathien sein? Eine Handvoll biopathischer Krankheiten, einschließlich den biopathischen psychiatrischen Störungen, machen imgrunde das gesamte Gesundheitsproblem der Nation aus. Sie beruhen Durchweg auf einer Genitalstörung. Der Rest ist Noise!

Über die Ursachen dieser Krankheiten kann die Schulmedizin größtenteils nichts sagen. Es gibt nur mehr oder weniger plausible Theorien und Therapien, die zumeist durch Zufall entdeckt wurden. Wirkliche „Wirkungsketten“ können nicht angegeben werden. Um die „Wissenschaftlichkeit“ der Medizin im allgemeinen und der Psychiatrie im besonderen sieht es nun wirklich nicht gerade berauschend aus!

Der Ansatz der Orgonomie war nun (und dieser Ansatz kann mangels Personal auch nicht nur ansatzweise mit Leben ausgefüllt werden – aber bei einer Handvoll Krankheiten wird es wohl doch realistisch machbar sein) für jede Biopathie das herzustellen, was Reich als „den Nachweis der Kontinuums der Funktion“ bezeichnet hat (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 52). Lückenlos, d.h. ohne jene Lücken, die (wie Reich kritisiert hat) Biologie und Medizin stets mit den beiden Worten „um zu“ übersprungen haben, muß theoretisch und in der klinischen Praxis aufgezeigt werden, was etwa den biopathischen Bluthochdruck mit der orgastischen Impotenz verbindet.

Das ist m.E. „wissenschaftlicher“ als bloße statistische Korrelationen ohne jedes „Kontinuum der Funktion“. Es wurde z.B. schon nachgewiesen, daß die Storchenpopulation mit der menschlichen Geburtsrate perfekt korreliert. Entsprechend wäre es zugegebenermaßen nicht unbedingt berauschend, wenn man die Abhängigkeit des Schweregrads seelischer Erkrankungen vom Schweregrad der Genitalstörung nun statisch doch noch nachweisen könnte. Zumal es zwei gravierende theoretische Schwierigkeiten gibt: da ist zunächst das Energieniveau als Zwischenglied, d.h. (übertrieben ausgedrückt) wo keine Energie ist, kann auch keine entladen werden, weder in Symptomen noch in der genitalen Umarmung; und zweitens kann ja grade der Mangel an Symptomen ein ganz übles Zeichen sein, da die Panzerung perfekt ist.

Natürlich ist die reine Klinik, die bis heute die medizinische Orgonomie bestimmt, mit all ihren Unwägbarkeiten kein tragfähiger Boden. Immerhin hat aber die medizinische Orgonomie mit Reichs primitiver statistischen Erhebung, die er 1927 in Die Funktion des Orgasmus veröffentlichte, angefangen – und sie endete 1948 in Der Krebs mit Reichs Vorschlag, die Wirkungen des Orgonenergie-Akkumulators statistisch in einem Großversuch zu überprüfen. Die heutigen Orgonomen wären sicherlich über alle Maßen begeistert, wenn so eine Untersuchung der Orgasmustheorie möglich wäre – und, wie gesagt, theoretisch muß sie möglich sein, trotz aller Probleme.

An sich gibt es nur ein Problem: die Orgonomie im allgemeinen und die Orgasmustheorie im speziellen würde erst infolge einer solchen statistischen Untersuchung offiziell anerkannt werden, – doch um diese praktisch möglich zu machen, müßte sie bereits offiziell anerkannt sein…