Zum Gedenken an James DeMeo (14.1.1949 – 3.4.2022): Die „Saharasia-Theorie“ (Teil 7)

Seit Jahrtausenden wird der Planet von den Wüstenvölkern des Nahen Ostens tyrannisiert. Nur ein von unbeugsamen Völkern bewohntes Westeuropa hörte nie auf, dem mörderischen Imperialismus aus der Wüste Widerstand zu leisten. Als einziger Hort der Freiheit auf dem Globus konnte sich hier die Wissenschaft (und damit die Waffentechnik) entfalten, die es diesen freien Völkern schließlich ermöglichte, den Planeten aus den Fesseln der Sklaverei zu befreien.

Sie gewannen den Kalten Krieg gegen das neofeudalistische Sklavensystem des Realsozialismus. Zuvor hatten sie erbarmungslos das Sklavensystem des Nationalsozialismus ausradiert. In den Jahrhunderten zuvor hatten sie den arabischen Sklavenhandel im Mittelmeer (dem vor allem Europäer zum Opfer gefallen waren) und später auf dem gesamten afrikanischen Kontinent unterbunden. Seit dem Mittelalter wurden fünfzig Millionen Afrikaner von Mohammedanern versklavt. Erst die Europäer setzten dem ein Ende. Der deutsche Historiker Egon Flaig spricht von „humanitärem Kolonialismus“.

Vor tausend Jahren waren die Territorien nördlich und westlich der Alpen die einzige Region auf der Welt, in der es keine Sklaven gab. Aus dieser historischen Warte war der Kolonialismus ein Befreiungskrieg gegen den Islam; Flaig zufolge, „das größte und langlebigste sklavistische System der Weltgeschichte“. Am schlimmsten traf es Afrika. Noch Ende des 19. Jahrhunderts zogen lange Sklavenkarawanen durch die Sahara. Im Sudan und bis tief nach Schwarzafrika hinein entstanden islamisierte Räuberstaaten, die nur eine Aufgabe hatten: Sklavenbeschaffung. Die subsaharischen Sklavenjagden, schreibt Flaig, „waren häufig Genozide im strengen Sinne, da von vielen Ethnien buchstäblich niemand mehr übrigblieb“.

Die Europäer gingen schon früh gegen die Sklaverei vor, doch erst als die Briten 1882 Ägypten besetzten, endete der Sklavenhandel auch im Nahen Osten. In Afrika gingen die Versklavungskriege weiter, erfaßten Zentralafrika und das Kongobecken. Arabische Sklavenjäger erreichten die Großen Seen. In Europa drängten darum die Abolitionisten – die Gegner der Sklaverei – darauf, die Sklavenjagden in Afrika gewaltsam zu beenden. Nichts anderes, meint Flaig, war der Ausgangspunkt der europäischen Kolonialherrschaft in Afrika.

Ich betrachte die „antikoloniale Befreiung“ nach dem Zweiten Weltkrieg, die leider unausweichlich war, weil sich Westeuropa im Kampf gegen den nationalsozialistischen Sklavenhalterstaat vollkommen verausgabt hatte, als eine der größten Tragödien der Weltgeschichte. Die Linksliberalen und Sozialisten sahen in der „Befreiung“ der Asiaten und Afrikaner den Anbruch einer neuen geradezu paradiesischen Zeit. Tatsächlich kam die Hölle auf Erden: Mißwirtschaft, Militärdiktaturen, Hoffnungslosigkeit, Verfall.

Zu welchem dramatischen Umschwung es gekommen ist; daß ein erschöpftes Europa seinen aufklärerischen freiheitlichen Impuls verloren hat, zeigte sich 2003, als die Europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) sich entschied, ihren Bericht über das Anwachsen des Antisemitismus in Europa unter Verschluß zu halten. Die Autoren der Studie hatten nämlich zum Ärger der Leiterin der EUMC, Dr. Beate Winkler, herausgefunden, daß ein Großteil der antisemitischen Vorfälle in Europa auf Moslems und Sympathisanten der „palästinensischen Sache“ (plus Linksextremisten und Globalisierungsgegner) zurückgeht. Es wurde befürchtet, eine Veröffentlichung könnte die Feindseligkeit gegenüber Moslems verstärken.

Nicht nur die Juden sind verloren, die gesamte Menschheit ist verloren, wenn diese repressive Toleranz gegenüber den Mohammedanern anhält! Saharasia und Islam sind augenfällig in der heutigen Welt identisch:

https://obrlnews.files.wordpress.com/2014/06/isiscaliphatemap3.jpg

Zum Thema die wirklich paßgenaue Illustration auf Michael Mannheimers Blog. Wir stecken gerade mitten im Endkampf Saharasias – einer Bewegung, die vor 6000 Jahren begonnen hat. Heute hat sie sich mit dem Roten Faschismus verbündet und mit dem Kapitalismus. Zu letzterem ein interessantes Zitat aus einem Leserbrief in der TAZ:

(…) Bei demographisch bedingt schrumpfenden Umsätzen und leerstandsbedingten Wertminderungen der immobiliengestützten Eigenkapitalbasis der Banken bricht der Mechanismus der Geldschöpfung sprich der Kreditvergabe zusammen, weil die Zinsforderungen nicht mehr erbracht werden können. Diesen turnusmässigen Zusammenbruch und die üblicherweise damit einhergehenden Verwerfungen wie Kriege, Revolutionen, etc. möchten die Geldherren solange wie möglich hinauszögern um noch mehr Eigentumsrechte zu erlangen und somit ihre Position sprich Eigenkapitalbasis für die Zeit des Neustarts nach dem unvermeidlichen Zusammenbruch zu stärken. Das Mittel ihrer Wahl ist die Zuwanderung riesiger Menschenmassen, welche in dieser Anzahl nur aus Unqualifizierten und Ungebildeten (vorwiegend des islamischen Raums) rekrutiert werden können. Aussagen der deutschen Wirtschaftsverbände, wir bräuchten mindesten 500.000 Zuwanderer pro Jahr, meinen damit nicht Arbeitskräfte, sondern Konsumenten, Wohnungs- und Ladenmieter. Anders als die Eliten hat die noch wohlhabende Mitte der Gesellschaft keine Möglichkeit sich der gesteuerten Umverteilung ihres Vermögens an die neue dumpfe Konsumentenkaste zu widersetzen. Dort wird das Geld vollständig verkonsumiert und damit nach und nach durch Profitakkumulation in Vermögen der Wirtschaft und des Bankwesens gewandelt. (…)

Es klingt komisch – aber in einem ähnlichen Rahmen („Moskau und Rockefeller“) sah Reich am Ende seine Probleme in den USA.

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86 Antworten to “Zum Gedenken an James DeMeo (14.1.1949 – 3.4.2022): Die „Saharasia-Theorie“ (Teil 7)”

  1. Avatar von David David Says:

    Als einziger Hort der Freiheit auf dem Globus konnte sich hier die Wissenschaft (und damit die Waffentechnik) entfalten …

    Die Waffentechnik, Bomben, Geschütze, eigentlich alles außer den Atomwaffen, kommt selbstverständlich von Saharasia.

    Die Besonderheit Westeuropas allerdings ist dass es zu einer „kapitalistischen Emanzipation“ gekommen ist; diese führte dann dazu, dass viel mehr Wissenschaftler, Techniker, und vor allem Mathematiker beschäftigt werden konnten als etwa im alten Indien und Griechenland,.was in der Antike die Länder mit der am höchsten entwickelten Mathematik waren.

    Dadurch kam es zu einer gewaltigen militärischen Überlegenheit über die Länder Saharasias.

    Aus dieser Sichtweise war der Kolonialismus ein Befreiungskrieg gegen den Islam …

    Dies trifft nicht generell auf den Kolonialismus zu, denn Südamerika und Teile Asiens / Ozeaniens wurden selbstverständlich zum Zweck der Ausbeutung kolonisiert. Aber betreffend Vorderasien und Afrika trifft es zu.

    Ein Sonderfall mag Belgisch-Kongo sein; hier waren gewisse Landesteile infolge ihrer Unzugänglichkeit nicht vom Sklavenhandel betroffen, während die Belgier ein brutales Ausbeutungssystem einrichteten, welches das ganze Land erfasste.

    Dieses allerdings nach dem Vorbild des Sklaverei-Systems, das in Teilen des Kongo schon vorher da war.

    Übrigens war Belgisch-Kongo anfangs nicht eine Kolonie des belgischen Staates sondern des Königs welcher als Privatmann agierte.

  2. Avatar von David David Says:

    Infolge der Perfektionierung von Naturwissenschaft und Mathematik waren in neuerer Zeit die westeuropäischen Waffen viel präziser und hatten auch höhere Reichweite und Durchschlagskraft; indirekte Folge der hoch entwickelten Mathematik war dann auch die Atomwaffen- und Weltraumfahrt-Technologie.

  3. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hier noch zwei Artikel von Egon Flaig:

    cropped-hinter1.jpg

    Essay: Djihad und Dhimmitude

  4. Avatar von David David Says:

    Betrifft die Optimismus-Weltkarte:

    https://nachrichtenbrief.files.wordpress.com/2009/05/14226_web1.jpg?w=375&h=228

    hier ist zunächst erstaunlich, dass auch Brasilien in der hellsten Farbe ist.

    Man bekommt immer erzählt, es handele sich um ein Schwellen- bzw. Entwicklungsland, es herrsche ein harter, reiner Kapitalismus mit viel Ausbeutung und großer Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft (zw. arm und reich).

    Tatsächlich ist die ungleichste Gesellschaft die in Niger, anderen Quellen zufolge die in Namibia. Beide Länder liegen in Afrika.

    Nimmt man anstelle der landläufigen Vorstellungen jedoch DeMeos Saharasia-Theorie, so erscheint es vollkommen stimmig, dass Brasilien hier hellgelb erscheint.

  5. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Spiegel-Online:
    Entwicklungshilfe
    US-Ökonom empfiehlt Deutschland als Kolonialmacht
    Der Plan ist revolutionär: Der US-Ökonom Paul Romer will in der Dritten Welt ganze Städte neu gründen – die Verwaltung sollen ausländische Demokratien wie Deutschland übernehmen. Als Vorbild dient dem Wissenschaftler der Wirtschaftsboom in Hongkong. Kritiker warnen vor Kolonialismus.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,668449,00.html

  6. Avatar von David David Says:

    Die Ideen in dem Buch „Kollaps“ von Jared Diamond haben Ähnlichkeit mit der Saharasia-Theorie. Siehe

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kollaps_%28Buch%29

  7. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Es gibt ein weiteres Buch zum Sklavenhandel, welches die arabische Beteiligung miteinbezieht.

    http://www.welt.de/kultur/article6974349/Beim-Sklavenhandel-lernten-Christen-von-Muslimen.html

    „Über 17 Millionen Menschen habe Afrika in den letzten dreizehnhundert Jahren an araboislamische Sklavenhändler verloren, und dabei sei die noch weit größere Zahl derer nicht mitgerechnet, die bei der Versklavung ganzer Dörfer umgebracht wurden.“

  8. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Dazu noch eine Hördatei des Deutschlandradios:

    [audio src="http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/03/29/dlf_20100329_1925_098ad7e3.mp3" /]

  9. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Ein weiterer Artikel zur Sklaverei im Islam

    http://www.eussner.net/artikel_2005-03-11_13-24-18.html

    „Die Sultane liebten zur Demonstration ihrer Macht über die unterworfenen Völker besonders weiße Eunuchen aus christlichen Gegenden, Tscherkessiens, Georgiens, Armeniens, Ungarns und auch aus dem Habsburger Reich. Schwarze Eunuchen waren ebenfalls beliebt, sie kamen aus Ägypten, Abessinien und dem Sudan und wurden auf den arabischen Sklavenmärkten am Mittelmeer verkauft.

    Wenn´s ans Kastrieren ging, blühte einmal mehr die islamische Heuchelei. Da Kastrieren vom Islam verboten ist, nicht aber das Halten von kastrierten Sklaven, wurden dazu Dhimmis, ägyptische Christen und Juden herangezogen. Sie hatten die Arbeit schon auf dem Wege der Sklaven zu den Märkten zu erledigen. Die drei Arten der Kastration waren „sandali“, die Totalamputation des männlichen Geschlechtsteiles mit einem rasierklingenscharfen Schnitt, wobei viele der Opfer starben, die Penisamputation, wobei das sexuelle Verlangen erhalten blieb, oder die Hodenamputation. Schwarze Sklaven waren fast immer unter der ersten Kategorie, sie dienten im Harem. Zur Blütezeit des osmanischen Reiches gab es an die 800 schwarze Eunuchen im Harem. Weiße Eunuchen waren unter den beiden anderen Kategorien. Sie dienten den osmanischen Regierungen im Innendienst, der Palastbürokratie, der Eunuchenschule für weiße Eunuchen, dem Krankenhaus und als Zeremonienmeister. Der „Kapi Agha“, der weiße Chefeunuch, kontrollierte Nachrichten, Anfragen und Petitionen an den Sultan. Er war der einzige, dem es gestattet war, persönlich zum Sultan zu sprechen. Ab 1591 war der Chefeunuch ein Schwarzer, weil die weißen in Zusammenarbeit mit den Haremsfrauen zu intrigant wurden. Es gab während der osmanischen Herrschaft zwischen 300 und 900 weiße Eunuchen im Serail.“

  10. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hier weitere Hinweise zum Thema Sklaverei:

    COBEWMAP


    (Nochmals Tidiane N’Diaye zum arabischen Sklavenhandel)

    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31712/1.html (Teil 1)
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31713/1.html (Teil 2)
    (Formen von Unfreiheit – Interview mit dem Althistoriker Egon Flaig über alte und neue Sklaverei)

  11. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Nicht nur Afrika hatte unter dem Islam extrem zu leiden.
    Indien bekam einen gigantischen Genozid durch diese „kulturelle Bereicherung“.

    Der indische Genozid

    Der indische Genozid

  12. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Egon Flaig: Dürfen Menschenrechte gegen andere Kulturen durchgesetzt werden?
    http://fact-fiction.net/?p=5665

  13. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Es scheint, als wenn die Todesstrafe auch ein typisches Merkmal der Saharasia-Zone ist:

  14. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Der Islam will die Weltherrschaft

    EIN GASTBEITRAG von Egon Flaig mit einem Vorwort von Michael Mannheimer

    http://michael-mannheimer.info/2011/03/29/der-islam-will-die-weltherrschaft/

  15. Avatar von David David Says:

    Wir stecken gerade mitten im Endkampf Saharasias – einer Bewegung, die vor 6000 Jahren begonnen hat. Heute hat sie sich mit dem Roten Faschismus verbündet

    im Endkampf? im bevorstehenden Endsieg Saharasias?

    Es gibt auch entgegengesetzte Meinungen, die in Richtung des Untergangs bzw. Zusammenbruchs der islamischen Welt gehen!

    In: https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2010/04/13/sexueller-kindesmisbrauch/#comment-2702

    hatte ich auf die Autobiografie von Hamed Abdel-Samad hingewiesen.

    Er hat ein weiteres Buch geschrieben: Der Untergang der Islamischen Welt.

    Gefahr besteht dann noch durch Zerfallsprodukte wie beim putriden Zerfall im Endstadium eines Krebses.

    Wenn ich das Buch gelesen habe, melde ich mich noch mal.

  16. Avatar von David David Says:

    Es fehlt an einem deutschen Geert Wilders!

    Wilders hasst übrigens, wie es heißt, Muslime nicht, und ruft nicht zum Hass gegen sie auf, sondern sieht die Angehörigen des Islams als Menschen, die unter einem falschen politischen / gesellschaftlichen System leben.

    Wie früher unsere Brüder und Schwestern in der DDR.

    So sehe ich das auch.

  17. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    DeMeo wird immer und immer und immer weder durch zahllose Untersuchungen bestätigt!

    New Confirmations on Saharasia

  18. Avatar von Zeitgenosse Zeitgenosse Says:

    Sklaverei gab es im Mittelalter auf dem Europäischem Kontinent tatsächlich nicht – nicht offiziell zumindest.

    Es nannte sich nur Fronbauerntum o.ä. und war im Grunde beinahe so übel. Feudalherrschaft und Kirche in Kombination taten sich da ganz besonders hervor. Immerhin durften die Pachtbauern sogar mitsamt ihrer Scholle verkauft werden.

    Das Schießpulver, Raketen und andere „Errungenschaften“ der Waffentechnik wurde ursprünglich von den Chinesen erfunden – die Europäer haben sie nur perfektioniert.

    Allerdings kann man mit Fug und Recht behaupten, dass das Mittelalter gar nicht so finster war, wie es immer dargestellt wird.

    Was die rituelle Körperverletzung namens Beschneidung anlangt: da können sich Muslime und Juden sofort unter einem Dach zusammenfinden; Unterschied besteht nur marginal – der Vorgang ist der gleiche. Nur wird die jüdische Beschneidung hier lfd. als positiver, tief religiöser Akt hingestellt. Das ist im Grunde alles.

    Die Sklaverei gab es in Afrika und in weiten Teilen der restlichen Welt bis Mitte des 20. Jhrdts. Stichworte: Liberia, Portugal, USA (ich sehe die Sklaverei erst mit Einführung der Bürgerrechte für Schwarze als beendet an), usw. Da gibt es keinen Alleinschuldigen – das war einfach normale Wirtschaftspolitik anno dazumal. Diesbzgl. haben sich ALLE Völker sehr hervorgetan – ausgenommen vielleicht manche Inselvölker.

    Brasilien ist für mich ein gelungenes, erfolgreiches Experiment der Rassenvermischung. Die Wirtschaftsleistung und der gewaltige Aufschwung ist ein eindeutiges Signal für den Aufstieg Brasiliens zur beherrschenden Regionalmacht auf dem amerikanischem Kontinent. Hier scheint absolut die Saharasia-Theorie zu greifen.

    Was die Hetze gegen den Iran anlangt: Lieber PN – nimm ein Sturmgewehr zur Hand und marschiere dort runter und melde dich zum Dienst bei der IDF (Israel Defence Force); nicht aus dem sicheren Hamburg dies von Dritten zu verlangen. Und sich einen Pinochet in Deutschland zu wünschen – tja, fragt mal die Folteropfer des chilenischen Geheimdienstes und der Armee über ihre „tollen“ Erfahrungen damit. Steht natürlich nicht im Koppverlag oder PI news. 🙂

    Der schlimmste Feind Israels sind im Grunde alle untätigen Politiker diverser Länder (EU und USA eingeschlossen) und vor allem der engste Verbündete der USA, Saudi-Arabien!! Nur das dies mal klar gestellt wird.

  19. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    Zum Film über Paris: In Berlin ist der Judenhaß weitaus schlimmer!

    http://www.bild.de/politik/inland/israel/mit-israel-fahne-in-neukoelln-unterwegs-37234062.bild.html

  20. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Egon Flaig: Wie wir die Errungenschaften der Aufklärung verspielen

  21. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Weiße haben die Sklaverei beendet

  22. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Egon Flaig: Über die Toleranz
    Der Philosoph Egon Flaig sorgt sich um das Erbe der Aufklärung: Emanzipation wird rückgängig gemacht, Bildung und Bildungseinrichtungen zerstört.

  23. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Ein Vortrag von Politologie-Professor Bruce Gilley
    Deutscher Kolonialismus: Mehr Segen als Fluch?

    https://www.info-direkt.eu/2020/04/04/deutscher-kolonialismus-mehr-segen-als-fluch/

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      Siehe auch:
      https://www.klonovsky.de/2021/07/4-juli-2021/

      Etwas nach unten scrollen

      Fängt hier an: „Wenn ein deutscher Historiker eine Vorlesungsreihe unter dem Titel „Verteidigung des deutschen Kolonialismus” anböte oder mit einem Manuskript dieses Titels bei einem sogenannten Publikumsverlag vorspräche, kann sich jeder ausrechnen, was ihm widerfahren würde.“

  24. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Die Deutschen schufen als Erste die Grundlagen zur Abschaffung der Sklaverei

    „Das erste Rechtsbuch der Weltgeschichte, das die Leibeigenschaft und – a fortiori – die Sklaverei radikal verwirft, ist ein deutsches, nämlich der ‚Sachsenspiegel’ von 1235; es zählt alle gängigen Begründungen auf um sie zu widerlegen, und kommt zum Schluß: Unfreiheit sei ein Unrecht, das durch Gewohnheit für Recht gehalten werde.[5] 65 Jahre nach dem Sachsenspiegel, 1299, sanktionierte König Philipp der Schöne von Frankreich die Freilassung sämtlicher Leibeigener auf den Krongütern von Valois. Die Präambel seiner
    Ordonnanz lautet:
    „Berücksichtigend, daß jegliches menschliche Geschöpf, welches nach dem Bild unseres Herrn geformt ist, kraft des natürlichen Rechts im allgemeinen frei sein muß…“ wolle der König nicht, daß „diese natürliche Freiheit oder Befreitheit so ausgelöscht und verdunkelt werde vom so verhaßten Joch der Sklaverei, daß die Männer und Frauen, die in den oben genannten Orten und Ländereien wohnen, während sie leben als Tote behandelt werden“.[6]
    Die Berater des Königs konnten sich ausrechnen, welche Wirkung diese Präambel entfalten musste. Dass die Unfreiheit dem natürlichen Recht widersprach, wussten alle Juristen; doch die
    Menschen befanden sich nicht im Naturrecht, sondern im ius gentium. Die Präambel erhebt dagegen das natürliche Recht zu einer übergeordneten Leitlinie. Damit bricht sie mit der Tradition des Römischen Rechts und erzeugt die ideelle Matrix für die Idee der Menschenrechte. Falls Juristen auf den Gedanken verfielen, dass die königlichen Dekrete nicht bloß für die Krongüter galten, sondern für das Königreich Frankreich insgesamt, dann wurde die persönliche Unfreiheit zu einem illegitimen Zustand. Eben das geschah, obschon langsam.“

    [5] Eike von Rebgow, der Verfasser des Sachsenspiegels, nimmt alle Argumente auf. (Sachsenspiegel 42, 5).
    [6] Ordonnances des Roys de France de la troisième race, Bd. 1, Paris 1849, ann. 1311 u. Bd. 1, S. 583

    Quelle:
    Egon Flaig: Die Scharia, der Feind der Menschenrechte
    In: Die Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik (ZDPE), 34. Jahrgang, Heft 1, 2012, S. 43-52.

  25. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    „Diese Menschen sind vollständig verblödet“ – Egon Flaig im Gespräch

    Im Gespräch mit Apollo News räumt der Historiker Egon Flaig mit Mythen rund um Kolonialismus, Sklaverei und Schuldkult auf. Er stellt klar: Es war alles ganz anders. Im Detail zeigt Flaig auf, dass Europas Rolle deutlich positivere Effekte in der Weltgeschichte hatte, als heute erzählt wird – und erklärt auch, warum eine negative Betrachtung absichtlich zur Bekämpfung des Westens genutzt wird.

  26. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Ich finde es sehr gut, Robert, dass Du Egon Flaig in die Diskussion hier mit einbringst. Vielen Dank dafür!

    Nachdem er vor ein paar Jahren der Zeitschrift CICERO ein beeindruckendes Interview gegeben hatte, habe ich mit Prof. Dr. Flaig korrespondiert.

    Ich hatte ihn mit James DeMeo´s Saharasia-Theorie bekannt gemacht und hatte gehofft, dass er sich positiv dazu äußern würde. War aber leider nicht der Fall, denn es war ziemlich offensichtlich, dass er die Saharasia-Theorie für zu „populärwissenschaftlich“ und nicht für akademisch genug hielt und sich deshalb nicht näher mit ihr befassen wollte. Stattdessen verwies er mich auf seine eigene monumentale vierbändige Arbeit über die Geschichte der Sklaverei (die ihn unter Historikern wohl zu einem der größten Experten zu diesem Thema überhaupt macht); da stünde alles drin, was er zu sagen habe.

    Wenn ich Flaig richtig verstanden habe, hatte die Geschichte der Sklaverei nur in ihrer Endphase mit den „bösen“ Europäern zu tun, die von den Linken stereotyp beschimpft werden, als ob SIE die Sklaverei erfunden und ganz Afrika damit ins Elend gestürzt hätten.

    Laut Flaig (und natürlich auch DeMeo…) wurde die Sklaverei von diversen afrikanischen Stämmen selbst erfunden, die jahrhundertelang verfeindete andere Stämme auf grausamste Art und Weise unterwarfen, auslöschten oder versklavten. Später traten dann arabische Sklavenhändler auf den Plan, die irgendwann auf die Idee kamen, einige ihrer Sklaven den Europäern (und später auch den USA für die harte körperliche Arbeit auf den Baumwollplantagen der Südstaaten usw.) anzupreisen und zu verkaufen.

    Die „bösen“ Europäer taten aber schon bald alles, um die Sklaverei abzuschaffen. So war z.B. die britische Königin Viktoria eine überzeugte Abolitionistin und beendete in ihrem Empire, das zeitweise ein Drittel der Welt (man vergleiche das mit den paar kleinen Kolonien, die das ach so „imperialistische“ Deutsche Reich nur in den paar Jahren zwischen 1884 und dem Ersten Weltkrieg hatte…) bedeckte, allmählich die letzten verbliebenen Reste der Sklaverei, die im britischen Weltreich bereits 1833 (!) durch den „Slavery Abolition Act“ offiziell abgeschafft worden war.

    Was ebenfalls wenig bekannt ist und die „linke“ Weltanschauung irritieren dürfte, ist, dass Mussolinis Feldzug gegen Abessinien (Äthiopien) 1935 explizit AUCH dem Ziel diente, die gerade in Abessinien/Äthiopien bis in die 1930er Jahre hinein immer noch besonders stark vertretene Sklaverei zu bekämpfen, die erst als Folge des italienischen Einmarschs 1942 dort endlich abgeschafft wurde.

    DeMeo wies immer wieder darauf hin, dass die bei den Hippies seltsamerweise als „cool“ und fortschrittlich geltende Reggae- und Rastafari-Bewegung in Jamaika (Bob Marley usw.) über den Gottkaiser Haile Selassi den Ersten eng mit Abessinien/Äthiopien verbunden war. DeMeo, der ja selber Rockmusiker war, hielt Bob Marley und den Reggae für zutiefst patriarchalisch und frauenfeindlich (ob DAS die jungen Frauen wissen, die sich noch heute eine vermeintlich „coole“ Rasta-Frisur zulegen?). Peter kennt sich da besser aus und kann bei Bedarf Näheres zu der Verbindung „Äthiopien – Haile Selassi – Rastafari – Reggae – Jamaika“ usw. sagen.

    Aber zurück zu Professor Flaig, DEM akademischen Experten zum Thema Sklaverei schlechthin.

    Flaig deutete in dem o.g. CICERO-Interview und auch in unserer Korrespondenz an, dass sich – anstatt immer dem notorischen Klischee von den bösen weißen Kolonialisten, die die Sklaverei in Afrika eingeführt HÄTTEN, zu folgen – im Grunde fast jeder heute lebende Schwarze bei anderen Schwarzen dafür entschuldigen müsse, dass sein Stamm einige andere Stämme nahezu genozidiert habe! Flaig meinte, die meisten heute noch lebenden Schwarzen verdankten ihre bloße Existenz der Tatsache, dass der „Sieger-Stamm“, dem SIE angehören, dank seiner Brutalität und Menschenverachtung in der Geschichte schwächere bzw. nicht so kriegerisch aufgestellte ANDERE schwarze Stämme unterworfen bzw. nahezu ausgerottet hätte.

    Das ist ja nun mal ein GANZ anderes Narrativ als das das gängige, wonach der „böse weiße Mann“ nach Afrika gekommen sei, um die lebenspositiven, friedlichen und freiheitlichen Afrikaner zu versklaven. De facto kam der weiße Mann sozusagen erst in der historischen Endphase der Geschichte der Sklaverei nach Afrika – und sein Auftauchen hat dazu geführt, dass sie letztlich abgeschafft wurde.

    Auch DeMeo hat in seiner Saharasia-Dissertation zahlreiche Beispiele dafür dokumentiert, mit welcher unsäglichen Brutalität saharasische afrikanische Stämme andere Stämme versklavt bzw. ausgerottet haben (und wie menschenverachtend arabische Sklavenhändler vorgingen), lange BEVOR der weiße Mann nach Afrika kam.

    Hinzu kommt auch noch, dass das Zeitalter des Kolonialismus nicht NUR negative Konsequenzen hatte. In Indien z.B. wurde nicht nur englische Technologie eingeführt (wie z.B. ein funktionierendes Eisenbahnnetz), die das riesige Land wirtschaftlich voranbrachte, sondern auch das britische Recht, das im Vergleich zu dem jahrhundertealten patriarchalisch-rassistischen Kastensystem Indiens (auch heute noch werden viele Neugeborene im Ganges usw. ertränkt, weil sie ein Mädchen und kein Junge sind…) geradezu fortschrittlich und „demokratisch“ war.

    Natürlich möchte ich nicht die Verbrechen bagatellisieren, die der Kolonialismus in afrikanischen Ländern tatsächlich begangen hat (z.B. haben die Belgier im Kongo wie die Berserker gewütet) – und auch nicht, wie die Italiener im Abessinien-Krieg mit Giftgas vorgegangen sind usw.

    Aber zumindest, was das Thema Sklaverei anbelangt, regen die eminent wichtigen Forschungen von Flaig und DeMeo uns doch dazu an, das unreflektierte linke Narrativ (das man permanent in den Medien, den Schulen und Universitäten hört), wonach wir uns schuldig fühlen müssten dafür, dass die bösen Europäer Afrika versklavt hätten, einmal gründlich zu hinterfragen.

    Im Sinne von Flaigs vier Büchern über die Geschichte der Sklaverei könnte man z.B. die Frage aufwerfen, warum die Überlebenden von Stämmen, die von anderen Stämmen genozidiert wurden, die Überlebenden der „Sieger-Stämme“ nicht auf Reparationszahlungen und Wiedergutmachungsleistungen verklagen? Vermutlich, weil das nicht in das tradierte Klischee vom bösen weißen Mann passen würde, dem man alles in die Schuhe schiebt, was in den letzten 3.000 Jahren in Afrika alles schiefgelaufen ist – Stichwort „Saharasia“…

    In Wirklichkeit herrschten in Afrika bzw. „Saharasia“ seit vielen Jahrhunderten äußerst brutale Stammeskriege, BEVOR die Europäer kamen. Ich kann mich noch erinnern, wie entsetzt ich war, als ich während meiner Studentenzeit in den 1990er Jahren morgens die Zeitung aufschlug und las, dass in Ruanda eine jahrhundertealte Stammesfehde zwischen dem sehr saharasischen Stamm der Hutus und dem etwas „sanfteren“ und nicht so kriegerischen Stamm der Tutsies ausgebrochen war, in deren Folge innerhalb von nur 100 Tagen Hutu-Milizen sage und schreibe 1.000.000 Tutsies mit dem Holzknüppel erschlugen oder bei lebendigem Leib verbrannten. SO sah Saharasia viele Jahrhunderte lang aus, bevor die Europäer kamen!

    Interessant ist auch, dass Flaig sich damals überschwänglich für meine positive Zuschrift bedankte und mir mitteilte, dass er für seine scheinbar „politisch inkorrekten“ Arbeiten zur Sklaverei (die so gar nicht zu den überall an deutschen Universitäten propagierten „postkolonialistischen Diskursen“ passen mögen) überall geächtet, ausgegrenzt und bedroht werde, so als ob er politisch ein „Rechter“ sei!

    Was für eine Schande! Kaum vertritt mal ein Professor eine kontroverse Theorie (und wohlgemerkt eine, die er in jahrelangen akribischen Quellenstudien zu einem vierbändigen Werk über die Geschichte der Sklaverei extrem gut belegt und dokumentiert hat), wird er diskreditiert und gemobbt.

    Ähnlich ging es ja DeMeo, der in den Jahren vor seinem Tod noch nicht mal mehr einen Vermieter fand, der ihm einen Raum für einen Workshop zur Saharasia-Theorie überlassen wollte…

    Ich habe Flaig abschließend meiner Solidarität versichert und ihm viel Kraft gewünscht, dass er sich von seinen Gegnern nicht unterkriegen lassen möge.

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      Hallo Fantomas,
      mir ist eine vierbändige Ausgabe nicht bekannt. Ich kenne nur seine „Weltgeschichte der Sklaverei.“
      Bei Flaig fehlt mir die energetische Sichtweise, die Faktoren der Charakterstruktur und Panzerung. Er ist ein Akademiker alten Schlages.
      Seinen Text über die fehlende Opferbereitschaft der Ukrainer fand ich sehr misslungen.
      Sein Buch „Die Niederlage der politischen Vernunft“ gehört für mich zu den besten Büchern zum Niedergang des Westens.

  27. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert!

    Da es hier im Blog ja nicht um wissenschaftliche Abhandlungen geht, habe ich bewusst „aus der Erinnerung“ geschrieben und zuvor keine KI-Recherche angestellt. Ich hatte tatsächlich ganz deutlich im Kopf (auch Fantomasse werden älter…), dass es sich um 4 Bände gehandelt habe. Diese „false memory“-Erinnerung ist mir etwas peinlich. Aber auch, wenn es sich nur um EIN maßgebliches Werk zur Geschichte der Sklaverei handelt – und nicht um 4 Bände – ändert das ja an meiner Argumentation nicht viel.

    Auch ging es mir nicht um eine Bewertung der Person Flaig aus „orgonomischer Perspektive“ (energetische Sichtweise, Faktoren der Charakterstruktur und Panzerung usw.). Dass ein universitärer Althistoriker mit solch Reichianischer Terminologie operieren würde, halte ich ohnehin für unrealistisch – kennst Du einen, der das tut, Robert?

    Wenn er es täte, hätte er vermutlich keine akademische Karriere gemacht – und auch die Hochschullaufbahn von James DeMeo endete ja ziemlich früh, gerade WEIL er sich ständig auf die in den Augen der Mainstream-Forscher „unwissenschaftliche“ Begrifflichkeit Wilhelm Reichs bezog. Durch meinen Beruf kenne ich viele Menschen, die an deutschen Hochschulen tätig sind, und habe den Eindruck, dass das ideologische Klima dort heutzutage NOCH totalitärer ist als in den 1970er bis 1990er Jahren, wo sich noch einzelne, mit der Orgonomie sympathisierende Wissenschaftler in irgendeiner „Nische“ behaupten konnten. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten sind mir auch keine Studenten mehr bekannt, sie sich mit Reich beschäftigen würden.

    Ich schreibe das mit großer Trauer, denn m.E. sind in der desolaten heutigen Welt orgonomische Erkenntnisse mehr vonnöten als jemals zuvor. Nur mangelt es zur Umsetzung dieses Wissens leider an der erforderlichen „man power“! Mal abgesehen von unserem bewunderungswürdigen Vielschreiber und „orgonomischen Hansdampf in allen Gassen“ Peter Nasselstein gibt es im deutschsprachigen Raum fast niemanden mehr, der sich publizistisch oder gar wissenschaftlich mit Reich auseinandersetzt. Leider!

    In den letzten Jahrzehnten habe ich in der „orgonomischen Szene“ hauptsächlich Ärzte, Psychologen und maximal eine Handvoll Naturwissenschaftler erlebt, auch einen orgonomisch orientierten Zahnarzt, aber noch nie einen Historiker, der sich schwerpunktmäßig an Reich orientierte. Ich bezweifle daher, dass es einen solchen überhaupt gibt.

    Überhaupt war und ist das von Peter so bewunderte American College of Orgonomy für meinen Geschmack viel zu sehr von Medizinern dominiert. Abgesehen von dem schon vor Jahrzehnten verstorbenen Politologen (und „Kommunistenfresser“) Prof. Dr. Paul Mathews waren und sind fast alle prominenten ACO-Repräsentanten Ärzte. Es hätte der Orgonomie, die ja weit über die Medizin hinausgeht, mit Sicherheit gut getan, wenn – abgesehen eben von DeMeo – auch ein paar gut qualifizierte Vertreter anderer Fachdisziplinen dabei gewesen wären.

    Flaigs Text über fehlende Opferbereitschaft der Ukrainer habe ich ebenso wenig gelesen wie sein Buch „Die Niederlage der politischen Vernunft“. Abgesehen von seinem Interview im CICERO und meiner kurzen Korrespondenz kenne ich den Menschen Egon Flaig gar nicht.

    Für mich standen zwei Punkte im Vordergrund, wegen derer ich Flaig damals auch geschrieben hatte:

    1.) Das von mir erwähnte CICERO-Interview, das mich persönlich angesprochen hat.

    2.) Ich fand es bemerkenswert, dass die eminent wichtigen Erkenntnisse, die DeMeo in seiner Saharasia-Dissertation postuliert, auch von kompetenter „außerorgonomischer“ Seite (also Flaig) im wesentlichen bekräftigt werden. Dass nämlich das Leben in weiten Teilen des von DeMeo als „Saharasia“ definierten Gebiets in puncto Genozide, Menschenverachtung und Gewalt (was ja alles hoch mit der Sklavenhaltung korreliert) schon jahrhundertelang schlichtweg die Hölle war, bevor europäische Kolonialherren auf den Plan traten.

    Ich finde das deswegen so bedeutsam, weil praktisch alle Linken und alle Soziologen, die ich kenne, immerzu das bekannte Narrativ vom „edlen Wilden“ (wenn nicht gar vom „ungepanzerten“ Afrikaner…) kolportieren, der in Frieden, Freiheit und Harmonie mit Seinesgleichen lebte, bevor die bösen Europäer anlandeten und mit ihrem Kolonialismus den in Saharasia lebenden – vereinfacht und in orgonomischer Terminologie ausgedrückt – „edlen Wilden“ unsere bösen „sekundären“ Triebe inklusive der emotionellen Pest und der Sklaverei „beigebracht“ hätten.

    In Wahrheit hatten die sekundären Triebe in Saharasia schon Jahrhunderte lang Hochkonjunktur und haben in einem für uns Europäer kaum vorstellbaren Ausmaß gewütet, bevor die ersten Europäer (z.B. christliche Missionare) dort auftauchten.

    Und ich finde es erschreckend, dass seriöse Forscher wie DeMeo und Flaig ausgegrenzt und bedroht werden, weil ihre wissenschaftlichen Befunde nicht zum o.g. Mainstream-Narrativ passen.

    Ich selbst habe z.B. auch an das zuletzt genannte Narrativ geglaubt, bis meine seit 1985 bestehende Bekanntschaft mit DeMeo (und insbesondere seine wenige Jahre später erschienene Saharasia-Dissertation, deren Entstehung ich mitgekriegt und über die ich mit DeMeo damals viel diskutiert habe) mir die Augen geöffnet hat darüber, wie es in früheren Jahrhunderten z.B. in großen Teilen Afrikas WIRKLICH zuging. DAVOR hätte ich vielleicht auch unterschrieben, dass praktisch alle Probleme Afrikas auf die Folgen des Kolonialzeitalters zurückzuführen seien.

    Die Orgonomie ermöglicht einem wirklich grundsätzlich andere Zugänge zu solchen Themen als die Main-Stream-Medien, die rotgrünen Politiker und viele Schulwissenschaftler. Und diese Einsichten sind manchmal wirklich erschreckend – zumal der leider viel zu früh verstorbene DeMeo ja ziemlich exakt vorausgesagt hat, dass und wie Saharasia immer mehr nach Europa expandieren würde.

    Deswegen – und weil dieser Entwicklung seiner Meinung nach nicht entschieden genug entgegen getreten werde – kam er kurz vor seinem Tod ja auch zu dem Schluss: „GERMANY IS LOST. WHOLE EUROPE IS LOST“.

    Hat er Recht mit dieser Annahme???

  28. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hallo, Fantomas,
    danke für deinen Zeilen. Ich möchte kurz auf einige Punkte eingehen. Es ist mir vollkommen klar, dass Flaig nicht irgendetwas aus orgonomischer Perspektive schreiben konnte. Es wäre nur eine wichtige Ergänzung zu seiner sehr trockenen akademischen Argumentation, die ja grösstenteils sich auf Buchzitate bezieht und den menschlichen Faktor vollkommen aussen vor lässt. Das ist klar, dass es keinen Akademiker gibt, der irgendwie die Orgonomie vertreten kann. Das ist vollkommen klar. Das hat ja auch schon Wilhelm Reich damals festgestellt, dass er ausgeschlossen wird und dass er mit Häme und Bösartigkeit verfolgt wird.
    Zur orgonomischen Szene. Dazu kann ich wenig sagen. Wir haben da viele Spinner oder eingebildete Reich-Nachfolger.

    Und zum Beispiel Doktor Konia, der hat ja versucht, ein bisschen die Orgonomie in die Geschichte einzuführen, das ist meines Erachtens missglückt, was ich so von ihm lesen konnte. Weil die Beispiele, die er bringt, die basieren grösstenteils auf schlechter Quellenlage.

    Dann nochmal zu Professor Dr. Paul Matthews. Da würde ich sagen, er war überhaupt kein Kommunistenfresser, sondern er sah die Sache sehr realistisch, während die anderen sehr naiv waren. Und wir hätten meines Erachtens alle diese Probleme mit Nordkorea, Rotchina, Venezuela und Kuba nicht, wenn damals die Präsidenten nicht solche schwächlichen Entscheider gewesen wären oder Leute, die verstanden hätten, worum es geht, die den Kommunismus als Krebsgeschwür verstanden hätten. Also da unterscheiden wir uns sehr.

    Das mit Afrika ist vollkommen klar, die hätten sich gegenseitig umgebracht. Den edlen Wilden gab es ja auch nie. Selbst die Trobriander haben sich mit ihren Nachbarn bekriegt. Also der Mensch ist meines Erachtens einfach eine Auslese von Kriegsvölkern. Vielleicht ist auch diese ganze Theorie vom friedlichen Matriarchat eher eine Erfindung. Also ich denke, es ist auch sehr schwer, sich vorzustellen, dass es einen orgonomischen Historiker geben könnte.

    Zu der Parole „Germany is lost, whole Europe is lost“, muss ich eher sagen, Westeuropa ist verloren. Osteuropa aber nicht, weil die haben durch den Kommunismus genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, wie gefährlich das ist, sich einer faschistischen Ideologie, wie wir hier uns dem Islam unterwerfen, anzupassen. Insofern denke ich, dass wir in Westeuropa in einigen Jahrzehnten alles Demokratische verloren haben werden und die Scharia bei uns in immer größerem Umfang herrschen wird. Und insofern denke ich schon, dass Deutschland verloren ist. Und die Eliten, die wir jetzt haben, zeigen ja sehr deutlich, dass sie die Demokratie abschaffen wollen, Stück für Stück.

    • Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

      Erbsenzählerei, aber ich kann es nicht lassen: Mathews, M.A. war kein Dr. (also kein Ph.D.), sondern nur Prof. Er war Mitglied des ACO, das ausschließlich Leute mit Dr.-Titel aufnimmt. Deshalb hatte er immer die Namensergänzung „MACO“, sozusagen der interne orgonomische Dr.-Titel wegen seiner Verdienste für die Orgonomie und seine Forschungen (Cloudbusting, Arbeit im Labor, orgonomisches „Counselling“, etc.).

  29. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert!

    Danke für Deine hochinteressanten Bemerkungen.

    >>> Es ist mir vollkommen klar, dass Flaig nicht irgendetwas aus orgonomischer Perspektive schreiben konnte. Es wäre nur eine wichtige Ergänzung zu seiner sehr trockenen akademischen Argumentation, die ja grösstenteils sich auf Buchzitate bezieht und den menschlichen Faktor vollkommen aussen vor lässt.

    Da stimme ich Dir voll und ganz zu. Auch in unserer kurzen Korrespondenz damals hatte ich denselben Eindruck. Also z.B., dass es Flaig zu sehr „menschelte“, als ich ihm von DeMeo´s Saharasia-Theorie und ihrem orgonomischen Kontext erzählte. Damit fühlte er sich sichtlich unbehaglich und tat DeMeo´s Arbeiten als „populärwissenschaftlich“ ab. Der arme DeMeo würde sich wohl im Grabe umdrehen, wenn er das hören würde, denn immerhin hat er mit „Saharasia“ einen Doktorgrad an einer amerikanischen Universität erworben, war dort „Assistant Professor“, verstand sich immer als Wissenschaftler und wäre nicht begeistert gewesen, wenn ein Professor seine akribischen Studien (ich kann mich noch gut erinnern, wie er für „Saharasia“ anhand von zigtausend Daten eine der größten und detailliertesten „cross-cultural“ Untersuchungen durchgeführt hat, die es damals in diesem Fach überhaupt gab…) so rezipiert hätte, als ob er „populärwissenschaftliche“ Weisheiten unters Volk streuen wollte. Ähnlich wie Du hatte ich das Gefühl, dass Flaig sich auf staubtrockene „mechanistische“ Quellen aus der akademischen Welt bezieht und es ihm unangenehm war, dass der Themenkomplex DeMeo-Saharasia-Orgonomie zu viel mit Emotionen zu tun hat, und er ihm daher etwas „dubios“ erschien.

    >>> Das ist klar, dass es keinen Akademiker gibt, der irgendwie die Orgonomie vertreten kann. Das ist vollkommen klar. Das hat ja auch schon Wilhelm Reich damals festgestellt, dass er ausgeschlossen wird und dass er mit Häme und Bösartigkeit verfolgt wird.Zur orgonomischen Szene. Dazu kann ich wenig sagen. Wir haben da viele Spinner oder eingebildete Reich-Nachfolger.

    Das ist leider wahr, was Du da schreibst. Allerdings war das nicht immer so, denn wie ich ja bereits erwähnt hatte, gab es in den 1970er bis 1990er Jahren durchaus ein paar Professoren an ordentlichen Universitäten, die sich als Reichainer verstanden und trotzdem eine „Nische“ fanden, in der sie ihre akademische Position behalten konnten. So war z.B. der Reich-Biograph und ehemalige Reich-Patient Myron Sharaf, den ich persönlich gut kannte, jahrzehntelang Assistant Professor an der Harvard Medical School, Fachbereich Medizinische Psychologie. Wer das amerikanische Hochschulsystem kennt, weiß, dass ein Assistant Professor in Harvard weit höher rangiert als z.B. eine Professur an der West Virginia State University.

    An welcher Hochschule der bereits genannte Paul Mathews Professor war, ist mir nicht bekannt (ich sehe gerade, dass Peter kurz etwas dazu geschrieben hat…). Dasselbe gilt für David Boadella (der ja ebenfalls Reich-Biograph war), der damals einen Professorentitel führte, ohne dass ich weiß, wo er den erworben hat.

    Oder nimm den Dir doch sicher gut bekannten Bernd Senf in Berlin, der an der Fachhochschule in der Badenschen Straße Professor für Volkswirtschaftslehre war und sogar IN dieser Hochschule jahrelang gut besuchte Seminare zur Orgonomie gab.

    Das sind die akademischen „Nischen“, von denen ich sprach – und die es m.W. in der heutigen Hochschullandschaft überhaupt nicht mehr gibt.

    Dass es in der Reich-Szene ungewöhnlich viele Spinner mit einer – höflich gesagt – auffällig narzisstischen Charakterstruktur gab (von denen sich zwei sogar einen Professorentitel im Ausland gekauft haben…), da sind wir uns einig. Schon Reich selbst hatte mit solchen fragwürdigen Gestalten zu kämpfen – wie z.B. der Gynäkologe Dr. Michael Silvert, der tragischerweise auch derjenige war, der Reich letztlich ins Gefängnis brachte, weil er verbotenerweise Orgonakkumulatoren über eine Bundesstaatsgrenze transportierte.

    Und zum Beispiel Doktor Konia, der hat ja versucht, ein bisschen die Orgonomie in die Geschichte einzuführen, das ist meines Erachtens missglückt, was ich so von ihm lesen konnte. Weil die Beispiele, die er bringt, die basieren grösstenteils auf schlechter Quellenlage.

    Dabei ist Charles Konia noch eines der besseren Beispiele unter den ACO-Ärzten, da er – auch aufgrund seines hohen Alters und seiner ersten Karriere als Geiger in der Carnegie Hall – über mehr Allgemeinbildung verfügt als seine jüngeren ACO-Kollegen. Im Gegensatz zum deutschen Medizinstudium kommt in den Medical Schools der USA das Fach „Geschichte der Medizin“ gar nicht vor! Und anders als in Deutschland, wo es ja auch unpromovierte Ärzte gibt, müssen amerikanische Mediziner auch KEINE Doktorarbeit schreiben, um sich „M.D.“ nennen zu dürfen… Meiner Erfahrung nach sind amerikanische Ärzte in PRAKTISCHEN und medizintechnischen Dingen viel besser als deutsche, dafür aber in puncto Theorie und Allgemeinbildung viel schlechter als deutsche.

    Gerade in Sachen Orgonomie und Orgonomie-Geschichte habe ich mich jahrzehntelang darüber geärgert, dass die ACO-Ärzte, die ja sozusagen die autoritative Schirmherrschaft über die gesamte Orgonomie weltweit fordern, die ERSTE Hälfte des Reichschen Werks – also den „frühen, europäischen Reich“ – kaum kennen, weil sie allesamt kein Deutsch sprechen. Sie kennen höchstens ein paar wenige Frühschriften von Reich, die mehr oder weniger gut ins Englische übersetzt worden sind; oft sogar in einer später modifizierten und deutlich vom deutschen Originaltext abweichenden Version.

    Dabei geht aber in puncto Konnotationen und Begriffsgeschichte immer einiges verloren. Das merkt man ja schon daran, wie ungelenk zentrale Begriffe der Freudschen Psychoanalyse ins Englische übersetzt worden sind, so z.B. „super-ego“ für „Über-Ich“ – da bleibt der Bezug auf Nietzsche völlig auf der Strecke -, „repression“ für „Verdrängung“ bzw. „drive“ oder „instinct“ für „Triebe“.

    Und was die amerikanischen Reichianer definitiv gar nicht kennen, sind die unzähligen Frühschriften von Reich (z.B. aus der Sex-Pol-Bewegung), die allesamt NIE auf Englisch publiziert worden sind.

    Z.B. die von Peter soeben diskutierten Zusammenhänge der Reichschen Theoriebildung mit Friedrich Kraus´ tiefgründigen Arbeiten zur „Tiefenperson“ und zur „vegetativen Strömung“ sind etwas, was US-Ärzten aufgrund mangelnder Kenntnisse in Theorie und Geschichte gar nicht zugänglich sind.

    Deutsch-österreichische Ärzte aus Reichs Generation waren noch so etwas wie tief in der europäischen Geistesgeschichte verwurzelte „Universalgelehrte“ mit Graecum und Großem Latinum. Als Reich dann seine ersten orgonomischen Seminare in Amerika gab, ging er davon aus, dass US-M.D.´s dieselbe Allgemeinbildung besitzen wie deutsch-österreichische, musste dann aber schnell erkennen, dass die Allgemeinbildung der amerikanischen Kollegen viel geringer war.

    Von daher war ich schon immer der Meinung, dass die Orgonomie(geschichte) von jemandem vertreten werden sollte, der SOWOHL mit der amerikanischen Sprache und Kultur ALS AUCH mit der deutsch-österreichischen gleichermaßen gut vertraut ist (so, wie es bei unserem Peter Nasselstein in beeindruckender Weise der Fall ist, der „beide Welten“ gut kennt).

    Die ist leider bei den meisten amerikanischen ACOlern nicht so, die fast so tun, als ob die Reichsche Theoriebildung erst NACH der Entdeckung des Orgons, also auf amerikanischem Territorium, begonnen hätte.

    >>> Dann nochmal zu Professor Dr. Paul Matthews. Da würde ich sagen, er war überhaupt kein Kommunistenfresser, sondern er sah die Sache sehr realistisch, während die anderen sehr naiv waren. Und wir hätten meines Erachtens alle diese Probleme mit Nordkorea, Rotchina, Venezuela und Kuba nicht, wenn damals die Präsidenten nicht solche schwächlichen Entscheider gewesen wären oder Leute, die verstanden hätten, worum es geht, die den Kommunismus als Krebsgeschwür verstanden hätten. Also da unterscheiden wir uns sehr.

    Auch da stimme ich Dir völlig zu, Robert! Die aus Platzmangel von mir verwendete Chiffre „Kommunistenfresser“ war natürlich eine (zu) grobe Verdichtung und überdies auch etwas ironisch gemeint.

    RÜCKBLICKEND betrachtet, waren Figuren wie McCarthy, Hoover und eben Matthews mit gutem Recht antikommunistisch – oder fast sogar noch zu naiv in dieser Hinsicht. Nicht nur Reich selbst, sondern fast alle passionierten Orgonomen/Reichianer, die ich kannte, standen in der Jugend politisch links, wurden dann aber (vielleicht mit der Ausnahme Bernd Senf, der sich wohl bis zuletzt als „marxistischer Reichianer“ und „Zinskritiker“ sah…) im Zuge ihrer Beschäftigung mit der Orgonomie bzw. auch im Verlauf ihrer eigenen Orgontherapie allmählich immer konservativer und dezidiert antikommunistisch.

    Ein gutes Beispiel unter vielen ist wieder mal DeMeo. Als junger Mann Rockmusiker, der gegen den Kapitalismus rebellierte und im Vietnam-Krieg Wehrdienstverweigerer war. Als „reifer“ Mann und Orgonwissenschaftler dann Mitglied der Republikanischen Partei (und zwar von deren „rechtem“ Flügel, also ein „Falke“…), der sich z.B. in den ständigen heftigen Auseinandersetzungen mit den politisch traditionell eher links stehenden Berliner Reichianern aufrieb.

    Ich stimme Deiner Einschätzung von Mathews usw. also absolut zu, Robert. Es ist mir auch völlig schleierhaft, wie junge Studenten heute noch Marxisten sein können.

    >>> Das mit Afrika ist vollkommen klar, die hätten sich gegenseitig umgebracht. Den edlen Wilden gab es ja auch nie. Selbst die Trobriander haben sich mit ihren Nachbarn bekriegt. Also der Mensch ist meines Erachtens einfach eine Auslese von Kriegsvölkern. Vielleicht ist auch diese ganze Theorie vom friedlichen Matriarchat eher eine Erfindung. Also ich denke, es ist auch sehr schwer, sich vorzustellen, dass es einen orgonomischen Historiker geben könnte.

    Ich weiß nicht, ob es den nicht geben KÖNNTE. Trigger ist für viele Menschen ja die eigene Orgontherapie. Wenn z.B. ein Nachwuchswissenschaftler der historischen Disziplinen aus persönlichen Gründen eine Orgontherapie macht und von ihr profitiert, wäre es schon denkbar, dass er dadurch auch beruflich in puncto Orgonomie „angefixt“ werden könnte.

    Es gab auch einzelne Historiker, die recht offen mit Reich sympathisierten (wie z.B. Rainer Zitelmann in seiner Hitler-Biographie) sowie eine größere Anzahl von recht hochrangigen Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, die KLANDESTINE „Reichianer“ waren, dies aber im Hinblick auf ihre Karriere niemals öffentlich zugegeben hätten – und deren Namen ich deshalb hier auch nicht nennen will. U.a. kenne ich einen der prominentesten deutschen Psychiatrie-Ordinarien, der PRIVAT und in angetrunkenem Zustand davon schwärmte, wie er und seine Mitbewohner in seiner Studenten-WG damals regelmäßig und mit gutem Erfolg den WG-eigenen Orgonakkumulator benutzt hatten.

    Sowas allerdings öffentlich zuzugeben oder gar zu publizieren, würde jedoch vermutlich zu einem Karriereknick führen.

    Dass das ACO überhaupt noch existiert, liegt daran, dass Mitglieder einer prominenten Milliardärs-Familie (die von ihrer eigenen Orgontherapie gut profitiert haben) „klandestin“ eine SEHR große Geldsumme gespendet haben – und auch DeMeo konnte sein privates Forschungsinstitut OBRL (Orgone Biophysical Research Laboratories) nur aufgrund solcher spendablen Gönner weiterführen, da er mit seinem Arbeiten zur Orgonomie nie genügend Geld verdient hat.

    Auch einige der prominentesten Hollywood-Schauspieler sind der Orgonomie gegenüber positiv eingestellt, da sie selber jahrelang in Orgontherapie waren und ihre schauspielerische Ausdruckstiefe dadurch stark zugenommen hat.

    >>> Zu der Parole „Germany is lost, whole Europe is lost“, muss ich eher sagen, Westeuropa ist verloren. Osteuropa aber nicht, weil die haben durch den Kommunismus genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen, wie gefährlich das ist, sich einer faschistischen Ideologie, wie wir hier uns dem Islam unterwerfen, anzupassen. Insofern denke ich, dass wir in Westeuropa in einigen Jahrzehnten alles Demokratische verloren haben werden und die Scharia bei uns in immer größerem Umfang herrschen wird. Und insofern denke ich schon, dass Deutschland verloren ist. Und die Eliten, die wir jetzt haben, zeigen ja sehr deutlich, dass sie die Demokratie abschaffen wollen, Stück für Stück.

    Ein sehr interessanter Gedanke, Robert!

    Auch ich denke mittlerweile, dass der eigentliche „Casus knaxus“ für die darauffolgenden Fehlentwicklungen in der Geschichte Europas in dem riesigen Fehler bestand, dass der noch junge und in politischen Dingen ziemlich unreife Kaiser Wilhelm der Zweite den von Bismarck 1887 (also ein Jahr VOR der Thronbesteigung Wilhelms des Zweiten) in weiser Voraussicht zur langfristigen Friedenssicherung in Europa geschlossenen „Rückversicherungsvertrag“ mit dem russischen Zarenreich im Jahre 1890 – kurz nachdem er Bismarck als Reichskanzler gefeuert hatte – nicht verlängert hat, siehe Rückversicherungsvertrag – Wikipedia

    Als Konsequenz verlor das Deutsche Reich seine guten Beziehungen zu Russland, und das dadurch plötzlich bündnislos gewordene Russland schloss sich dann mit Frankreich und England zur sogenannten „Triple Entente“ zusammen, so dass Deutschland militärisch plötzlich isoliert und von allen Seiten eingekreist war.

    Was für ein folgenschwerer „Anfängerfehler“ unseres jungen Kaisers Wilhelm der Zweite!

    Dass Russland dadurch fürderhin mit Frankreich und England verbündet war, war letztlich ausschlaggebend für beide Weltkriege. Denn mit einem mit Deutschland verbündeten Russland hätte man die durch das Attentat serbischer Nationalisten auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand ausgelöste Krise 1914 sicher sozusagen „intern“ klären können, ohne dass es deswegen zu einem Weltkrieg gekommen wäre.

    Und was den Zweiten Weltkrieg betrifft, so hat Peter ja erst neulich sehr gut beschrieben, dass Polen sich in den strittigen Fragen (wie Danzig und der „Korridor“) sicher auf dem Verhandlungswege mit Deutschland geeinigt hätte, wenn die polnische Regierung sich nicht ebenso fälschlicher- wie tragischerweise darauf verlassen hätte, dass die Armeen Frankreichs und Englands gemäß ihrer Kriegserklärung an Deutschland Polen sofort militärisch zu Hilfe eilen würden, sobald es zu kriegerischen Handlungen zwischen Deutschland und Polen kommt.

    HÄTTE „Wilhelm Zwo“ 1890 den Rückversicherungsvertrag mit Russland nicht einseitig aufgekündigt, wäre es vermutlich zu einer dauerhaften Freundschaft zwischen Deutschland und Russland – und ergo zu keiner „Einkreisung“ des deutschen Reichs – gekommen, und der militärisch fatale und die deutschen Ressourcen ausblutende Zweifrontenkrieg 1914 wäre gar nicht zustande gekommen. Und die USA hätten sicherlich keine militärische Invasion eines Kontinentaleuropas riskiert, das von den beiden Supermächten Deutschland und Russland beherrscht wurde. Ja, vielleicht hätte dann sogar die Oktoberrevolution von 1917 gar nicht stattgefunden…

    Mit etwas Zynismus könnte man sogar sagen, dass Hitler mit dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 bis 1941 gewissermaßen versucht hat, den Anfängerfehler von „Wilhelm Zwo“ nachträglich zu korrigieren. Zwei Jahre später jedoch hat dann auch ER denselben fatalen Fehler wiederholt, indem er (obwohl er in „Mein Kampf“ immer schärfstens vor einem Zweifrontenkrieg gewarnt hatte) den Pakt einseitig brach und am 22. Juni 1941 seinen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion begann, der die deutschen Ressourcen bei weitem überforderte.

    Schon vor Jahren hatte ich diesbezüglich Diskussionen mit Peter. ICH warf die Frage auf, ob eine dauerhafte Fortsetzung des Hitler-Stalin-Pakts – also eine fast vollständige Beherrschung Kontinentaleuropas durch die miteinander verbündeten „Großstaaten“ Deutschland und UdSSR – nicht die Eskalation des Zweiten Weltkriegs mit seinem desaströsen Ausgang verhindert und v.a. die USA von Europa ferngehalten hätte.

    PETER hingegen vertritt die gegenteilige Position und ist davon überzeugt, dass der Einmarsch der Wehrmacht in die UdSSR 1941 ein notwendiger PRÄVENTIVKRIEG war, da die Sowjetunion schon sehr viele moderne ANGRIFFSWAFFEN Richtung Westen positioniert hatte und wegen ihrer Doktrin der Weltrevolution früher oder später – und dann unaufhaltsam – ganz Westeuropa militärisch unterworfen hätte.

    Zu welcher Position neigst DU, Robert?

    Und: verstehe ich Dich richtig, Robert, dass Du auch in der HEUTIGEN weltpolitischen Lage der Meinung bist, ein dauerhaftes Bündnis mit Russland wäre für unser Land vielleicht besser als eine Fortsetzung der jahrzehntelangen überstarken US-Orientierung Deutschlands?

    Auch in der AfD gibt es diesbezüglich wohl zwei Lager: die Pro-USA-Orientierung versus eine viel engere Anbindung an Russland.

  30. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Melde mich ein andermal, Akismet hat meinen Kommentar gelöscht

  31. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hallo Fantomas. Ich gehe jetzt auf deine Antwort ein. Also gut, ich hätte jetzt vielleicht nicht Flaig irgendwas von dem Saharasia-Theorie geliefert, weil ich einfach denke, dass er unzugänglich ist, weil es ist klar, jemand, der im trockenen akademischen System aufgewachsen ist, der hat nicht die Offenheit, um sich damit auseinanderzusetzen. Die Beispiele, die du bringst, Myron Sharaf und den anderen, ja, das waren alles kleine Ausnahmen. Die haben im System überhaupt gar keine Rolle gespielt. Die haben auch gar nichts hinterlassen. Ich meine, ich war oft bei Bernd Senf dabei, hatte sogar seine Anfangsveranstaltung besucht, ich glaube, die war 1979. Da war ich dabei und es hat überhaupt nichts hinterlassen, ausser vielleicht die Wilhelm-Reich-Gesellschaft Berlin, und die hat ja mit Wilhelm Reich gar nicht mehr so viel zu tun. Paul Matthews war an der New York Universität, aber soweit ich weiss nur Honorarprofessor. Sicherlich ist Charles Konia noch ein besseres Beispiel, weil er hat es ja wenigstens versucht und seine Bücher finde ich auch lesenswert, aber halt einseitig, er sieht das nur aus seiner US-amerikanischen Perspektive und seine historische Bildung ist auch nicht gerade überzeugend. Die US-Orgonomen könnten schon die Sexpol-Sachen lesen. Es gibt da eine Menge Übersetzungen. Natürlich nicht von der ZPPS, das ist nicht übersetzt worden. Aber so Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse und diese ganzen Sachen sind ja alles schon übersetzt worden. Aber ich glaube, damit können sie wenig anfangen. Mathews hat ja mal eine Rezension geschrieben und konnte praktisch mit diesen Frühschriften gar nichts anfangen. Ist auch verständlich, weil die Amerikaner die europäische Geschichte gar nicht kennen und sich da gar nicht reindenken können. Jetzt zu diesen Figuren wie McCarthy, Hoover, Mathews. Also ich würde jetzt McCarthy und Hoover niemals mit Mathews in Verbindung bringen. Mathews war ja Honorarprofessor an der New York University und die beiden waren halt Ausschläge, also McCarthy und Hoover, waren eine extreme Reaktion auf die flächendeckende kommunistische Unterwanderung, die zu der Zeit passiert war, verursacht durch Roosevelt, der praktisch ein Stalin-Freund war und alles zugelassen hat. Bis zu der Unterwanderung der Kommunisten in seiner eigenen Regierung.

  32. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Das ACO könnte man noch als Vertreter von Reich ansehen, aber ich würde sagen, es ist es jetzt nicht mehr, es bildet nicht die Bandbreite von Reichs Forschung aus, sondern es basiert praktisch fast größtenteils nur noch auf Therapie, wobei ich vermute, dass die Therapie auch nicht mehr gleich ist mit der Therapie, die Reich damals ausgeübt hat. Und ich meine, es gibt ja noch diese andere Organisation, die auch Experimente macht. Und diese andere Organisation, die mit dem Wilhelm Reich Museum in den USA verbunden ist. Aber auch diese Experimente sind, wie Peter hier manchmal geschrieben hat, nicht gerade sehr wasserfest. Zu den Fehlentwicklungen in der Geschichte Europas würde ich sagen, da kann man jetzt viel spekulieren, was wäre wenn passiert wäre und wer mit wem hätte sich verbinden können. Ich denke mal, dass man Deutschland in den Krieg hineintreiben wollte. Also soweit ich weiss, hat die NSDAP grosse Summen aus den USA bekommen und Deutschland hätte den Krieg gar nicht so lange führen können, wenn es nicht bis 1944 Schmierstoffe aus den USA bekommen hätte. Also es ist alles eine sehr grosse Heuchelei. Ich denke auch, dass die herrschende Geschichtsforschung Fake History ist. Und dass jetzt langsam rauskommt, wie sehr wir jahrzehntelang belogen worden sind. Zum Thema Präventivkrieg. Da hat Thorsten Schulte in seinem Verlag von einem Bernd Schwippers, das war ein ehemaliger NVA-Generalmajor, mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht. Der war nämlich in russischen Archiven und hat da viele Sachen rausfinden können und hat festgestellt, dass also Russland kurz davor stand, Deutschland anzugreifen und die Deutschen durch Aufklärung das mitbekommen haben. Der Grund für den Fall Barbarossa war allerdings ein Besuch von Molotow, ich glaube in Berlin, als er Hitler und Göring sagte, dass die Sowjetunion Rumänien haben möchte und nicht davon abgegangen ist. Also Rumänien gehörte dann zur sowjetischen Interessensphäre. Aber Deutschland war auf Rumänien angewiesen, weil die haben eine grosse Erdölförderung und Ceausescu war ein enger Verbündeter, ein ganz enger Verbündeter von Hitler. Und Hitler wollte natürlich einen ganz engen Verbündeten nicht verlieren. Ja, also solche Sachen sind sehr interessant. Interessant ist auch immer der YouTube-Kanal von Michael Grandt, der auch immer sehr interessante Überraschungen bietet. Ich denke, Deutschland sollte sich weder an die USA noch an Russland binden, sondern eine selbstständige Interessenpolitik unterhalten. Und am besten wäre natürlich gewesen, wenn Deutschland wie Österreich damals neutral geworden wäre. Stalin hat es uns damals angeboten, dass Deutschland wiedervereinigt wird, aber die Westmächte und Adenauer wollten das nicht.

  33. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Zu Bernd Schwippers Bücher

    https://www.fremdbestimmt.com/buecherdrberndschwipper-ex-nva-generalmajor/

  34. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert!

    >>> Ich gehe jetzt auf deine Antwort ein. Also gut, ich hätte jetzt vielleicht nicht Flaig irgendwas von dem Saharasia-Theorie geliefert, weil ich einfach denke, dass er unzugänglich ist, weil es ist klar, jemand, der im trockenen akademischen System aufgewachsen ist, der hat nicht die Offenheit, um sich damit auseinanderzusetzen.

    Letztlich war es so, das stimmt. Aber einen Versuch war es doch wert. Und wenn man sieht, wie schon Flaig für seine Theorien fertiggemacht und gemobbt wurde, so hätte es dem viel radikaleren DeMeo durchaus passieren können, dass er wegen seiner Theorien von der ANTIFA oder irgendeinem islamistischen Clan ermordet worden wäre. Das ist keine Übertreibung, denn er hat viele Drohungen erhalten und fühlte sich in den von Biden regierten USA dermaßen unwohl und „not safe anymore“, dass er eine Zeitlang allen Ernstes plante, zusammen mit seiner deutschen Ehefrau (über die er vermutlich die deutsche Staatsangehörigkeit, zumindest aber ein dauerhaftes Bleiberecht hätte erhalten können) nach Deutschland zu emigrieren. Woher seine Überzeugung stammte, dass es ausgerechnet bei uns besser sei, weiß ich nicht. Jedenfalls ist er bald wieder von diesem Plan abgekommen, als er erkannte, dass „Germany lost“ sei. Für uns natürlich schade, denn für den deutschen Reichianismus hätten die Orgonbiophysikalischen Forschungslaboratorien mit Sitz in Detmold (!) schon etwas gehabt. Das – und DeMeo´s Öffentlichkeitsarbeit – hätte eine Anlaufstelle für an der Orgonomie interessierte deutsche Studenten sein können.

    Aber bevor ich ins Schwärmen gerate: das wäre nicht lange gut gegangen, da bin ich sicher. Die linken Berliner Reichianer hatten DeMeo ja schon in den 1990er Jahren als US-Imperialisten und – welch Frage – natürlich auch als „NAZI“ beschimpft. Und wenn nur ein einziger linker „Enthüllungsjournalist“ auf das Institut in Detmold aufmerksam geworden wäre, hätte man DeMeo als „islamophob“ und „ausländerfeindlich“ fertig gemacht. Und das hätte dann auch Reich und der Orgonomie geschadet.

    >>> Die Beispiele, die du bringst, Myron Sharaf und den anderen, ja, das waren alles kleine Ausnahmen. Die haben im System überhaupt gar keine Rolle gespielt. Die haben auch gar nichts hinterlassen. Ich meine, ich war oft bei Bernd Senf dabei, hatte sogar seine Anfangsveranstaltung besucht, ich glaube, die war 1979. Da war ich dabei und es hat überhaupt nichts hinterlassen, ausser vielleicht die Wilhelm-Reich-Gesellschaft Berlin, und die hat ja mit Wilhelm Reich gar nicht mehr so viel zu tun.

    Das stimmt, es waren nur „kleine Ausnahmen“, die im System keine Rolle spielten; ich sprach ja auch von „Nischenexistenzen“. Da ich einige von Bernd Senfs Seminaren in der Badenschen Straße (lustigerweise in der Nachbarschaft von Hermann Görings luxuriöser Residenz…) besucht habe, waren Du und ich damals vielleicht sogar mal beide gleichzeitig im selben Raum. Ich war einerseits beeindruckt, wie viele Teilnehmer Senf auch nach Jahren noch für diese Reich-Seminare rekrutieren konnte, aber wenn man orgonomischer Insider war, konnte man schon spüren, dass Senf das Reichsche Werk in recht tendenziös marxistischer Weise darstellte. Und Du hast recht: übriggeblieben ist eigentlich nichts. Jedenfalls kenne ich keinen heutigen Studenten der Orgonomie, der durch Senfs Seminare dauerhaft „angefixt“ worden wäre. Hast Du damals nur teilgenommen, oder hattest Du auch Gespräche mit Senf?

    Für an der Orgonomie-Geschichte Interessiere bleibt höchstens noch die Randnotiz, dass DeMeo´s spätere Ehefrau Daniela-Sabine („Dasa“) Brückner ihn als Teilnehmerin von Senfs Seminaren dort kennenlernte. Senf und DeMeo waren ja viele Jahre lang eng befreundet, bis diese „unheilige Allianz“ schließlich kippte und sich beide miteinander zerstritten, weil Senf DeMeo politisch „zu links“ und DeMeo Senf „zu rechts“ war. Auch war DeMeo empört, dass Senf, dem er das Cloudbusten beigebracht hatte, offenbar einen Algerier und andere Leute zum „wilden“ Cloudbusting angeregt hätte. Heute lässt sich das kaum noch rekonstruieren.

    >>> Paul Matthews war an der New York Universität, aber soweit ich weiß nur Honorarprofessor. Sicherlich ist Charles Konia noch ein besseres Beispiel, weil er hat es ja wenigstens versucht und seine Bücher finde ich auch lesenswert, aber halt einseitig, er sieht das nur aus seiner US-amerikanischen Perspektive und seine historische Bildung ist auch nicht gerade überzeugend.

    Danke für den Hinweis bezüglich Matthews. Über Konia habe ich mich hier ja schon geäußert. Ich habe ihn mal auf seinem großen Landsitz in der Nähe von Euston, Pennsylvania, kennengelernt. Eine beeindruckende Persönlichkeit, auch vom Auftreten her. Aber wie Du schon sagst: hinsichtlich historischer und Allgemeinbildung sicher besser als die heutigen, jüngeren ACOler, hat aber für unsere „europäischen“ Standards sicher noch viel Luft nach oben, zumal er alles aus amerikanischer Warte sieht. Dabei soll er, wie Herskowitz mir versicherte, türkischer Abstammung sein; es gibt in der Türkei sogar eine Region, die so heißt wie sein Nachname.

    >>> Die US-Orgonomen könnten schon die Sexpol-Sachen lesen. Es gibt da eine Menge Übersetzungen. Natürlich nicht von der ZPPS, das ist nicht übersetzt worden. Aber so Dialektischer Materialismus und Psychoanalyse und diese ganzen Sachen sind ja alles schon übersetzt worden. Aber ich glaube, damit können sie wenig anfangen. Mathews hat ja mal eine Rezension geschrieben und konnte praktisch mit diesen Frühschriften gar nichts anfangen. Ist auch verständlich, weil die Amerikaner die europäische Geschichte gar nicht kennen und sich da gar nicht reindenken können.

    Da stimme ich Dir 100%ig zu, Robert. Wie „verpeilt“ und realitätsfern die US-Orgonomen diesbezüglich drauf waren, zeigte sich ja selbst bei DeMeo´s (der ja sehr oft in Deutschland und mit einer Deutschen verheiratet war) Forderung, wenn wir Deutschen Demokraten seien, müssten wir die Feinde der Demokratie, nämlich die Muslime und Islamisten, sofort per „Massendeportationen“ zurück in ihre Heimatländer befördern. Ich konnte mir den Mund fusselig reden, aber er wollte einfach nicht kapieren, dass erzwungene „Massendeportationen“ angesichts der deutschen Vergangenheit zu einem gigantischen Aufschrei im In- und Ausland führen würden, und dass die Millionen Muslime, die hier leben, und ihre Clans solche Deportationen mit allen Mitteln verhindern würden, was schlichtweg auf einen blutigen Bürgerkrieg hinauslaufen würde. Auf solch eine Idee kann wirklich nur ein Ami kommen. Ein Trump hat da andere Möglichkeiten als ein fest in die EU eingebundenes Deutschland. Die riesigen USA grenzen gerade mal an ZWEI Länder: im Süden an Mexico und im Norden das befreundete und von den USA abhängige Kanada. Die winzige BRD hingegen hat NEUN Anrainerstaaten, und gesicherte Landesgrenzen gibt es innerhalb der EU ja gar nicht mehr.

    >>> Jetzt zu diesen Figuren wie McCarthy, Hoover, Mathews. Also ich würde jetzt McCarthy und Hoover niemals mit Mathews in Verbindung bringen. Mathews war ja Honorarprofessor an der New York University und die beiden waren halt Ausschläge, also McCarthy und Hoover, waren eine extreme Reaktion auf die flächendeckende kommunistische Unterwanderung, die zu der Zeit passiert war, verursacht durch Roosevelt, der praktisch ein Stalin-Freund war und alles zugelassen hat. Bis zu der Unterwanderung der Kommunisten in seiner eigenen Regierung.

    Auch da hast Du vermutlich recht und scheinst Dich mit Matthews mehr beschäftigt zu haben als ich. Ich kenne seinen Namen eigentlich nur aus alten Heften des „Journal of Orgonomy“. Aber er starb, noch bevor ich ihn kennenlernen konnte. Ging mir übrigens auch mit Dr. Hoppe in München so: gerade, als ich ihn kontaktieren wollte, starb er. Von Elsworth Baker bekam ich immerhin noch einen handschriftlichen Brief, aber dann starb auch er. Ich bin offenbar ein paar Jahre zu spät geboren worden.

  35. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert, jetzt beantworte ich Teil 2 Deiner gestrigen Blogeinträge.

    >>> Das ACO könnte man noch als Vertreter von Reich ansehen, aber ich würde sagen, es ist es jetzt nicht mehr, es bildet nicht die Bandbreite von Reichs Forschung aus, sondern es basiert praktisch fast größtenteils nur noch auf Therapie, wobei ich vermute, dass die Therapie auch nicht mehr gleich ist mit der Therapie, die Reich damals ausgeübt hat.

    Ich verstehe, was Du meinst, kann Dir aber versichern, dass Peter das ganz anders sieht. Ohne ACO wäre die Orgonomie seiner Meinung nach längst tot.

    >>> Und ich meine, es gibt ja noch diese andere Organisation, die auch Experimente macht. Und diese andere Organisation, die mit dem Wilhelm Reich Museum in den USA verbunden ist. Aber auch diese Experimente sind, wie Peter hier manchmal geschrieben hat, nicht gerade sehr wasserfest.

    Mit der „anderen Organisation“ meinst Du sicher das „Institute for Orgonomic Science“ in Philadelphia. Das entstand aus einer Abspaltung vom ACO. Ein klassischer „Vater/Sohn-Konflikt“, denn ausgerechnet Courtney Baker, der Sohn des ACO-Chefs Elsworth Baker, führte die Frondeure an. Das „Institute“ hatte seine Hochzeiten, als die ihm angeschlossenen Ärzte Robert Dew, Louisa Lance (beide Internisten und Experten für somatische Biopathien), Courtney Baker und Morton Herskowitz noch lebten und fleißig publizierten. Dann aber sind die einer nach dem anderen verstorben, meist noch in relativ jungen Jahren. Und seit dann auch noch die Galionsfigur des IOS, Morton Herskowitz, in seinem 101. (!) Lebensjahr verstarb, kommt vom IOS und seiner früher recht hochfrequenten Zeitschrift „Annals of the Institute for Orgonomic Science“ kaum noch was. Ich weiß gar nicht, ob die noch existieren.

    Das Reich Museum in Maine hat nie viel geforscht; heute befindet es sich ja mitten in einer großen kommerziellen Cannabis-Plantage – ausgerechnet!

    Es gibt noch eine dritte Gruppe in New York, aber da die von relativ linken Nicht-Medizinern geführt wird, hat Peter die nie groß beachtet. Aber die Exponenten dieser Gruppen sind auch alle schon sehr alt; viel Innovatives ist da nicht zu erwarten.

    Interessant wird noch sein zu beobachten, in welche Richtung sich DeMeo´s OBRL jetzt nach seinem Tod unter dem neuen Leiter Tom DiFerdinando entwickeln wird. Peter hat dessen Verlautbarungen ja hier veröffentlicht.

    >>> Zu den Fehlentwicklungen in der Geschichte Europas würde ich sagen, da kann man jetzt viel spekulieren, was wäre wenn passiert wäre und wer mit wem hätte sich verbinden können.

    Natürlich, Robert. Alternativgeschichtliche Szenarien können zwar sehr interessant sein, bleiben aber natürlich IMMER spekulativ.

    >>> Ich denke mal, dass man Deutschland in den Krieg hineintreiben wollte. Also soweit ich weiss, hat die NSDAP grosse Summen aus den USA bekommen und Deutschland hätte den Krieg gar nicht so lange führen können, wenn es nicht bis 1944 Schmierstoffe aus den USA bekommen hätte. Also es ist alles eine sehr grosse Heuchelei. Ich denke auch, dass die herrschende Geschichtsforschung Fake History ist. Und dass jetzt langsam rauskommt, wie sehr wir jahrzehntelang belogen worden sind.

    Und IBM hat die Software für Auschwitz geliefert, ich weiß. Aus Platzgründen möchte ich jetzt hier kein großes neues Thema eröffnen, aber ich fürchte, Du hast recht, Robert.

    >>> Zum Thema Präventivkrieg. Da hat Thorsten Schulte in seinem Verlag von einem Bernd Schwippers, das war ein ehemaliger NVA-Generalmajor, mehrere Bücher zu dem Thema veröffentlicht. Der war nämlich in russischen Archiven und hat da viele Sachen rausfinden können und hat festgestellt, dass also Russland kurz davor stand, Deutschland anzugreifen und die Deutschen durch Aufklärung das mitbekommen haben. Der Grund für den Fall Barbarossa war allerdings ein Besuch von Molotow, ich glaube in Berlin, als er Hitler und Göring sagte, dass die Sowjetunion Rumänien haben möchte und nicht davon abgegangen ist. Also Rumänien gehörte dann zur sowjetischen Interessensphäre. Aber Deutschland war auf Rumänien angewiesen, weil die haben eine grosse Erdölförderung und Ceausescu war ein enger Verbündeter, ein ganz enger Verbündeter von Hitler.

    „Ceaucescu“ war Kommunist, ANTI-Faschist und NACH dem zweiten Weltkrieg jahrzehntelang sozialistischer Staatschef vom Rumänien. Du meinst vermutlich Ion Antonescu, oder?

    Und Hitler wollte natürlich einen ganz engen Verbündeten nicht verlieren. Ja, also solche Sachen sind sehr interessant. Interessant ist auch immer der YouTube-Kanal von Michael Grandt, der auch immer sehr interessante Überraschungen bietet. Ich denke, Deutschland sollte sich weder an die USA noch an Russland binden, sondern eine selbstständige Interessenpolitik unterhalten. Und am besten wäre natürlich gewesen, wenn Deutschland wie Österreich damals neutral geworden wäre. Stalin hat es uns damals angeboten, dass Deutschland wiedervereinigt wird, aber die Westmächte und Adenauer wollten das nicht.

    Ich lese das mit Interesse, kann aber mangels Sachkenntnis nicht viel dazu sagen.

    Ein neutrales Deutschland war wegen seiner Größe und zentralen Lage in Europa nicht durchsetzbar. Neutralität ging nur bei kleinen Ländern wie Österreich oder der Schweiz, die weder wirtschaftlich noch geostrategisch eine große Rolle spielen.

    Dass Deutschland sich weder an die USA noch an Russland binden, sondern eine selbständige Interessenspolitik unterhalten sollte, klingt gut und richtig. Allerdings ist die heutige BRD nicht mehr – wie in meiner Jugend – das drittreichste Land der Welt und hat auch nicht mehr, wie damals zu Wehrpflicht-Zeiten, eine halbe Million Soldaten unter Waffen stehen. Außerdem muss es ja alles mit der EU abstimmen. Ich fürchte daher, dass Deutschland wirtschaftlich und militärisch immer weiter marginalisiert wird und gar nicht mehr die Macht hat, weltpolitisch im Spiel der Großen und Mächtigen (USA, China, Russland, demnächst auch noch Indien – plus die 56 muslimischen Staaten) noch irgendwas mitzubestimmen. Ich wünschte auch, es wäre anders, fürchte aber, dass die BRD bei der neuen Aufteilung der Welt längst abgehängt worden ist.

    Siehst Du das anders bzw. optimistischer?

    Zum Schluss noch ein ebenso kleiner wie interessanter Punkt. Neulich las ich, dass um das Jahr 1900 herum im Deutschen Reich mehr Menschen lebten als im gesamten Afrika! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Durch die explosionsartige Bevölkerungsvermehrung gerade in den ärmsten Ländern haben sich die Verhältnisse radikal verschoben. Z.B. hatte Lagos, die Hauptstadt Nigerias, damals 5.000 Einwohner – heute sind es (mit Vororten) 24.000.000, also weitaus mehr, als die DDR Einwohner hatte!

  36. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hallo Fantomas,
    ich habe DeMeo 1-2x in Berlin gehört. Einmal ihn gefragt, ob er die Orgonenergie für die Dunkle Materie gleichsetzt. was er annahm.
    Bernd Senf hat Reich sicherlich zu sehr mit Marx/Gesell verbandelt und damit einige Verwirrung hervorgerufen. Aber das spielt heutzutage, wo die Wissenschaft die Hure der Mächtigen geworden ist, keine Rolle mehr. Das Interesse an Reich ist fast null, da kann sich Peter noch so sehr abmühen, aber als Fanatiker im positivem Sinne (ein anderer hätte nicht den Durchhaltewillen) eine Landmarke für Suchende.
    Mit Senf hatte ich keine Gespräche. Ein Versuch, mich mit ihm zu unterhalten, schlug fehl, da er sofort abblockte. Ich war einige Male bei seinen Vorträgen, auch als er einmal DeMeo einlud.
    Seine Aura war die der Unnahbarkeit, sehr glatt, undurchdringlich, emotional sehr flach. Ganz anders DeMeo.

    Thema Massendeportationen: das lässt sich nachträglich immer leicht fordern. Aber es geht nicht darum, diese Menschen zu deportieren, wie die Deutschen nach ’45, sondern die Gesetze in Kraft zu setzen, von Schengen bis zum StGB. Und das Verhindern alle Blockparteien, weil „Demographie schafft Fakten“, wie Sawsan Chebli ganz richtig sagte. Demographisch hat Westeuropa längst verloren.

    Ist die Orgonomie tot?
    Aus meiner Sicht Ja, aber ich bin kein Insider. Es gibt keine (biophysikalischen) Forschungen mehr zum Thema, außer bei http://www.psychorgone.com, aber nicht vom ACO, wobei deren Teilnehmer größtenteils auch über 70 sind und sie keinen Nachwuchs haben.

    Offenbar geht es in erster Linie darum, Reichs Werk zu erhalten, egal wie. Und das ist bisher teils gelungen, teils nicht. Jedenfalls muss man allen danken, egal welcher politischen Richtung sie sich zugehörig fühlen.

    Deutschlands weltpolitische Lage:
    Man kann dem alten Deutschland Nachtrauern, aber wenn wir sehen, wie korrupt, würdelos und wahnsinnig unsere Eliten sind – weil sie von gepanzerten Massen gewählt werden, die eine sadistische aufgeschwemmte Wachtel 16 Jahre als ihr Idol ansahen – weiß man, wie Recht Reich hatte. Politik ist Irrational und basiert auf der Freiheitsangst der Massen.
    Schlimm ist nicht, dass Europa weltpolitisch die 2. Liga spielt, sondern der Verrat an unseren Errungenschaften: Aufklärung, Gewaltenteilung, Säkularität, Gleichheit vor dem Gesetz etc.

    Ich hab auch mal gelesen, dass Berlin um 1920 die drittgrößte Stadt der Welt war. Der Imperialismus und Kolonialismus war ja erst durch unsere Bevölkerungsentwicklung möglich. Heute hat die weiße Rasse gerade noch 8% Anteil und sinkt weiter.

  37. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Guten Morgen, Robert!

    Bernd Senf hat Reich sicherlich zu sehr mit Marx/Gesell verbandelt und damit einige Verwirrung hervorgerufen.

    Das sehe ich auch so.

    Ich fand es schon damals seltsam, wie viele „marxistische“ Reichianer es gab. So als ob sie einfach nichts dazugelernt hätten, obwohl der „späte Reich“ sich doch dezidiert vom Kommunismus distanziert hatte und den „schwarzen“ Faschismus stets im selben Atemzug mit dem „roten Faschismus“ genannt hatte.

    Der pädagogische Philosoph Philip Bennett vom Wilhelm Reich Museum, ein „Alt-Linker“, ging sogar so weit zu behaupten, dass Reich sich bis an sein Lebensende (!) als „Marxist“ verstanden hätte. Seine zahlreichen antikommunistischen Tiraden hätte er in Amerika gewissermaßen nur aus taktischen Gründen publiziert. D.h., er als „Flüchtling bzw. Immigrant“ habe sich „verstellen“ müssen, um sich in vorauseilendem Gehorsam von den Angriffen der McCarthy-Ära gegen prominente Linke zu distanzieren, in deren Räderwerk er ansonsten geraten wäre. Kommt mir unglaubwürdig vor, denn schließlich IST Reich ja von den LINKEN, pro-sowjetischen „Fellow Travelers“ à la Mildred Brady an den Pranger gestellt und schließlich vernichtet worden. Obwohl der Marxismus historisch zigfach widerlegt worden ist, scheint die emotionale Pest, die im Gewande linker „Emanzipationsbewegungen“ daherkommt, ganz besonders langlebig zu sein. Was die öffentliche Meinung und die Regierung nicht schlimm zu finden scheint. Hinter jedem AfD-Politiker wird reflexartig ein böser „Nazi“ vermutet, aber dass „Die Linke“ als SED-Nachfolgepartei im Bundestag sitzt und sogar Ministerpräsidenten stellt, scheint niemanden groß zu stören.

    >>> Aber das spielt heutzutage, wo die Wissenschaft die Hure der Mächtigen geworden ist, keine Rolle mehr. Das Interesse an Reich ist fast null, da kann sich Peter noch so sehr abmühen, aber als Fanatiker im positivem Sinne (ein anderer hätte nicht den Durchhaltewillen) eine Landmarke für Suchende.

    Ja, Peter ist wirklich ein Faszinosum! Vermutlich hat er mittlerweile mehr Texte zur Orgonomie geschrieben (m.W. sind es allein im Nachrichtenbrief schon fast 4.000) als Reich – und vielleicht sogar mehr, als Reich UND das ACO zusammengerechnet. Unter den „Vollblut-Reichianern“ ist Peter sozusagen „der letzte Mohikaner“. Aber LEIDER nur „ein Rufer in der Wüste“. Auch Peter scheint leider keine Schüler bzw. Nachfolger erzeugt zu haben. Was unglaublich tragisch ist, da ich die Orgonomie mehr denn je für die vermutlich EINZIGE Wissenschaft halte, die einen Ausweg aus der mörderischen „Falle“ (siehe Elsworth Baker´s „Man in the Trap“…) weist, in der sich die Menschheit gesellschaftlich und ökologisch befindet.

    Schon vor Jahren habe ich in diesem Zusammenhang gesagt: „DIE ORGONOMIE IST WAHR, ABER NICHT WIRKLICH!“. Will sagen: a) Der Wahrheitsgehalt der Orgonomie ist unglaublich groß und tief, aber b) es mangelt ihr heute mehr denn je an der erforderlichen „Man Power“, um diese Erkenntnisse auch in TATEN umzusetzen, die in dieser gepanzerten Welt wirklich etwas ändern würden.


    >>> Mit Senf hatte ich keine Gespräche. Ein Versuch, mich mit ihm zu unterhalten, schlug fehl, da er sofort abblockte. Ich war einige Male bei seinen Vorträgen, auch als er einmal DeMeo einlud.
    Seine Aura war die der Unnahbarkeit, sehr glatt, undurchdringlich, emotional sehr flach. Ganz anders DeMeo.

    Da hast Du auch nicht viel verpasst. Ich hatte damals eine ganze Reihe von Gesprächen mit Senf, bin ihm als Mensch bezeichnenderweise dadurch aber nicht näher gekommen – zu groß war die ideologische Kluft zwischen uns. Du hast seine Ausstrahlung gut beschrieben. Und ja, im Vergleich zu ihm hatte DeMeo doch deutlich mehr Tiefe.

    Ich habe auch immer gedacht, dass verbales Revoluzzertum leicht fällt (und unglaubwürdig wirkt), wenn man auf einer lebenslangen Stellung als hoher Beamter (Fachhochschul-Professor) sitzt. Das Privileg, lebenslang materiell gut versorgt zu sein, hatten Reich, DeMeo und Nasselstein jedenfalls nicht.

    >>> Thema Massendeportationen: das lässt sich nachträglich immer leicht fordern. Aber es geht nicht darum, diese Menschen zu deportieren, wie die Deutschen nach ’45, sondern die Gesetze in Kraft zu setzen, von Schengen bis zum StGB. Und das Verhindern alle Blockparteien, weil „Demographie schafft Fakten“, wie Sawsan Chebli ganz richtig sagte. Demographisch hat Westeuropa längst verloren.

    Ja. „Germany is lost“, sagte DeMeo ja.

    >>> Ist die Orgonomie tot?
    Aus meiner Sicht Ja, aber ich bin kein Insider. Es gibt keine (biophysikalischen) Forschungen mehr zum Thema, außer bei http://www.psychorgone.com, aber nicht vom ACO, wobei deren Teilnehmer größtenteils auch über 70 sind und sie keinen Nachwuchs haben.

    Ich glaube auch, dass sie tot ist. Aber es zerreißt mir das Herz, das zu schreiben, weil die Orgonomie jahrzehntelang „mein halbes Leben“ war und ich einmal sehr viel größere Hoffnungen auf sie gesetzt hatte als das Wenige, was sich letztlich bewahrheitet hat. Wie ein berühmter Forscher mal gesagt hat: „Wissenschaftliche Bewegungen sterben nicht aus, weil sie falsch sind, sondern weil ihre Träger sterben und keine Nachfolger hinterlassen haben“.

    Rückblickend bin ich froh, dass ich die historisch absoluten „High Times“ der v.a. deutschen und amerikanischen Orgonomie der 1980er und 1990er Jahre miterleben durfte. Damals gab es in vielen deutschen, österreichischen und Schweizer Städten sehr aktive Reich-Initiativen, immer wieder Reich-Tagungen, die Berliner Wilhelm-Reich-Gesellschaft sowie die „Orgonomische Waldheilungsgruppe“, die u.a. zu einer eintägigen Privataudienz bei Hubert Weinzierl, dem Vorsitzenden des damals mitgliederstärksten Naturschutzverbandes der Welt, dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), führte.

    In den USA (dem ACO sowie später zusätzlich dem IOS) waren damals noch „Vollblut-Orgonomen“ wie die beiden Bakers, Herskowitz, Blasband, Schwartzman, Matthews, Koopman, Konia, Dew, Lance usw. sehr aktiv. Und außerhalb der beiden genannten Organisationen gab die ehemalige Reich-Sekretärin und -Geliebte Louis Wyvell in New York jahrelang ihre Zeitschrift „Offshoots of Orgonomy“ heraus. Sowie in Maine den Gynäkologen Chester Raphael, der Reich noch persönlich gekannt hatte – die WR-Treuhänderin Mary Body Higgins war in Orgontherapie bei ihm.

    In Portugal gab es die deutschstämmige, aber früh nach Lagos verheiratete Jutta Espanca, die eine ganze Serie von eindrucksvollen wissenschaftlichen Untersuchungen über den Effekt von Orgonbestrahlung auf das Pflanzenwachstum publizierte. Plus in den USA eben DeMeo mit seinem OBRL.

    Damals gab es HUNDERTE von ziemlich aktiven Reichianern v.a. in Amerika, Deutschland und Griechenland, und die entsprechenden Bücher und Zeitschriften hatten hohe Auflagen.

    Auch Bernd Laskas rororo-Biographie über Reich verkaufte sich gut, und er gab in Nürnberg jahrelang die „Wilhelm-Reich-Blätter“ heraus.

    Fast möchte man mit Joan Beaz singen. „WO SIND DIE REICHIANER HIN? WO SIND SIE GEBLIIIIEEEBEN?“.

    Antwort: die Hälfte ist tot, und bis auf ganz wenige Ausnahmen (wie z.B. Peter und wir) scheint die andere Hälfte restlos das Interesse an der Orgonomie verloren zu haben. WARUM bloß???

    Peter und ich wundern uns immer darüber, dass gerade bei jenen, die damals die ALLER FANATISCHSTEN Orgonomen waren, die Flamme am schnellsten erloschen zu sein scheint.

    Das alles finde ich deshalb so unglaublich tragisch (s.o.), weil in den 1980er und 1990er Jahren historisch die einmalige Chance vertan wurde, aus der Orgonomie eine einflussreiche und „nachhaltige“ BEWEGUNG zu schaffen. V.a. hat die Orgonomie (und dabei besonders auch das ACO) mit einem enormen Nachwuchsproblem zu kämpfen. Ich habe hier neben meinem Schreibtisch noch randvolle Aktenordner stehen mit unzähligen Anfragen von Orgonomie-Interessenten zwischen etwa 1980 und 2000. In den letzten Jahren hingegen habe ich keine einzige mehr bekommen.

    Hast DU, Robert, eine Vermutung, WARUM die junge Generation so vollständig das Interesse an Reich verloren hat? Passt wohl nicht mehr in den „woken“ Zeitgeist, hm? Dabei sind, wie ich hier neulich zeigte, gerade auch die SEXUELLEN Probleme der heutigen Jugend deutlich größer als in den 1980ern und 1990ern.

    >>> Deutschlands weltpolitische Lage:
    Man kann dem alten Deutschland Nachtrauern, aber wenn wir sehen, wie korrupt, würdelos und wahnsinnig unsere Eliten sind – weil sie von gepanzerten Massen gewählt werden, die eine sadistische aufgeschwemmte Wachtel 16 Jahre als ihr Idol ansahen – weiß man, wie Recht Reich hatte. Politik ist Irrational und basiert auf der Freiheitsangst der Massen.
    Schlimm ist nicht, dass Europa weltpolitisch die 2. Liga spielt, sondern der Verrat an unseren Errungenschaften: Aufklärung, Gewaltenteilung, Säkularität, Gleichheit vor dem Gesetz etc.

    Absolutely!!! And sadly so.

    >>> Ich hab auch mal gelesen, dass Berlin um 1920 die drittgrößte Stadt der Welt war. Der Imperialismus und Kolonialismus war ja erst durch unsere Bevölkerungsentwicklung möglich. Heute hat die weiße Rasse gerade noch 8% Anteil und sinkt weiter.

    Eben! Allein schon dieses ebenso banale wie erschreckende Faktum zu BENENNEN, gilt heute wohl bereits als „Rassismus“. Es geht wohl kaum darum – wie die Medien immerzu behaupten – dass die böse „rechte“ Mehrheit der Biodeutschen „Vorurteile“ gegen ein paar Flüchtlinge hat, die der böse deutsche Michel nicht „integrieren will“, sondern eher ums Gegenteil. Wenn Du heute Abend z.B. durch den Wedding oder durch Neukölln gehst, stellt sich die Realität wohl eher umgekehrt dar.

    Schon in den 1980er Jahren stellte DeMeo mir eine Fangfrage, nämlich: „Rate mal, Fantomas, welche ethnische Gruppe in New York City laut amtlichen Statistiken seit Jahren diejenige ist, die mit ABSTAND am häufigsten Opfer brutaler rassistischer Gewalt wird?“.

    Die Antwort lautete: „Junge weiße Männer, also Kaukasier“. Und das war schon vor über 40 Jahren so.

  38. Avatar von claus claus Says:

    „Orgonomische Waldheilungsgruppe“, die u.a. zu einer eintägigen Privataudienz bei Hubert Weinzierl, dem Vorsitzenden des damals mitgliederstärksten Naturschutzverbandes der Welt, dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz), führte.

    Was hat diese Gruppe denn gemacht?

  39. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    a) Sitzungen und Besprechungen abgehalten, was man aus orgonomischer Sicht gegen das damals als ökologisch höchst bedrohlich geltende Waldsterben tun könne. EIN Vorschlag bestand natürlich in parallelen und miteinander koordinierten Cloudbusting-Operationen an verschiedenen Orten Europas und Amerikas, zumal das Waldsterben ja mit dem sogenannten „sauren Regen“ korrelierte (dieser Begriff kam damals erst auf, und „saurer Regen“ besteht aus kleinen Regentropfen mit einem niedrigen PH-Wert und geringer „Orgonität“ – wohingegen die großen Tropfen z.B. eines heftigen Platzregens einen höheren PH-Wert und eine höhere Orgonenergie-Ladung aufweisen und deswegen zu einer viel größeren, quasi-orgastischen ENTLADUNG der Wolken führen als es der saure feine Nieselregen tut). Eine ZWEITE Idee war, ob man vielleicht Abertausende von kleinen „Orgon-Gürteln“ industriell herstellen könnte. Also sozusagen längliche Orgon-Kissen aus relativ weichem und biegsamen Material, die eine mehrfache alternierende Schichtung zwischen Plastik bzw. Glaswolle und Eisen enthalten. Diese sollten um Tausende von Baumstämmen gebunden und mit einem Stretch-Verschluss fixiert werden. Der Plan ist nicht SO absurd, wie er vielleicht auf den ersten Blick klingt. Man braucht „nur“ eine große Anzahl Helfer (z.B. BUND-Mitglieder), die in den Wäldern diese „Bepflasterung der Bäume“ durchführt. Ein technisches Problem bestand allerdings darin, dass sich der Umfang des Stammes JUNGER Bäume während des Wachstums um mehrere 100% vergrößert – was also kann man tun, damit die o.g. „Orgon-Pflaster“ dann nicht platzen?

    Ein solcher Ansatz hätte auch von wissenschaftlichem Wert sein können, wenn man bedenkt, welch fantastische Ergebnisse Jutta Espanca in Lagos, Portugal, in all ihren Experimenten zur Orgonbestrahlung von diversen Pflanzen gemacht hat. Wenn man nun in einer bereits durch Waldsterben mittelgradig geschädigten Region, sagen wir mal, 1.000 Baumstämme EINES Wäldchens mit diesen Orgon-Pflastern umwickelt hätte und in einem daneben gelegenen Wäldchen 1.000 Bäume NICHT so behandelt hätte, hätte man nach ein paar Monaten messen können, ob sich die orgon-behandelten Bäume in einem signifikant besseren Zustand befinden als die Gruppe der nicht-behandelten. Ein positives Ergebnis hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass z.B. der BUND das „orgonomische Waldheilungsprojekt“ finanziell und logistisch gefördert hätte.

    b) Die ersten vorbereitenden koordinierten Cloudbusting-Operationen durchgeführt (z.B. am Berliner Wannsee und in Graz), anfangs unter der Supervision DeMeo´s.

    c) Ein Mitglied der Gruppe hat eine größere Waldsterbens-Exkursion organisiert, um die besonders arg betroffenen Wälder in Süddeutschland, dem nördlichen Österreich und der Tschechei zu studieren und sich jeweils durch einen Experten vor Ort (wie z.B. einen Förster) alles erklären zu lassen. DeMeo war der wichtigste Teilnehmer bei dieser Exkursion.

    c) Unterstützer und Finanziers finden, da es sich ja um ein großes und logistisch aufwendiges Projekt handelte. Eben zu diesem Zweck war es einem Mitglied der Gruppe gelungen, eine Audienz beim BUND-Chef Weinzierl (der begeistert war und dem Projekt anfangs wohlwollend gegenüberstand) zu bekommen, die einen ganzen Tag dauerte und an der auch DeMeo teilnahm.

    Dass und aus welchen Gründen das Projekt irgendwann gescheitert – bzw. gar nicht richtig angelaufen – ist, wäre ein größeres Thema, das ich hier nicht vertiefen will.

    LEIDER blieben ein paar unverbesserliche „wilde“ Cloudbusting-Operateure übrig, die an verschiedenen Orten Europas und Nordafrikas eigenmächtig weiter cloudbusteten und dies vielleicht immer noch tun – OHNE Supervision durch DeMeo! Was u.a. letztlich auch zum Bruch zwischen DeMeo und Senf führte. Das war übrigens EINER der Punkte, die DeMeo an seinem Lebensende verbittert und wütend gemacht haben: dass sich gewisse Studenten der Orgonomie, die gar nicht seine fachlichen Qualifikationen hatten (DeMeo war immerhin Assistant Professor for Environmental Sciences – ein Studienfach, das es in Deutschland gar nicht gibt und das u.a. Geographie, Meterologie, Ökologie, Biologie, Geologie und Völkerkunde umfasst), gewisse Techniken des Cloudbustens „bei ihm abgeguckt“ und dann auf eigene Faust weiter „ausagiert“ hätten, ohne sich der immensen Verantwortung dieser Tätigkeit bewusst zu sein.

  40. Avatar von claus claus Says:

    Danke! Ist es nicht Wahnsinn, irgendwo irgendwie herumzubustern, solange überhaupt noch Quellen für ORANUR-Effekte bestehen und neue hergestellt werden? DeMeo hat dazu ja mal sein „Du willst also …?“ geschrieben. Und die Orgonit-Kids i.w.S. sind offenbar ganz versessen darauf, aktiv zu sein. Sie können oder wollen nicht ruhig sitzen, sondern wollen ‚die Welt retten‘. Deswegen plädiere ich immer für ORAC-Varianten, die nicht für einen größeren Zeitraum an einem Ort wirken (etwa Reichs Rat an Neill, ein Blech unter der Bettdecke zu nehmen).

  41. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Ja. Meine Missbilligung des „wilden“ Cloudbustings habe ich ja bereits ausgedrückt. Und DeMeo´s „Du willst also…“ entstand als Reaktion auf die Entwicklungen, die ich eben geschildert habe.

  42. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    „Hast DU, Robert, eine Vermutung, WARUM die junge Generation so vollständig das Interesse an Reich verloren hat? Passt wohl nicht mehr in den „woken“ Zeitgeist, hm? Dabei sind, wie ich hier neulich zeigte, gerade auch die SEXUELLEN Probleme der heutigen Jugend deutlich größer als in den 1980ern und 1990ern.“

    Hallo Fantomas,
    ich glaube, da spielen sehr viele Faktoren eine Rolle.
    1) Die Verschiebung der Repressionstheorie (sexuelle Unterdrückung) auf eine Theorie der Macht (Foucault).
    2) Damit der Diskurs des Feminismus und der Sexualität als patriarchalisches Instrument
    3) Folgend die Unterdrückung der (biodeutschen) Männlichkeit
    4) Die virtuelle Befriedigung durch Pornografie
    5) Die Aussichtslosigkeit des biodeutschen Jungen gegenüber der überdrückenden Mehrheit der Migrantenjugend, eine Freundin zu bekommen
    6) Die Mehrheit der Jugend ist migrantisch, d. h. hat eigene kulturelle, d. h. patriarchalische und homogene Modelle der Sexualität
    7) Reichs Werke basieren auf die autoritäre Gesellschaft. Doch die Jugend kennt diese und ihre Gesetze nicht mehr. Reich schreibt also aus einer toten Zeit.

    Das sind nur einige Punkte. Insgesamt ist unsere Gesellschaft überaltert und moralistischer geworden, Reichs Themen interessieren da nicht mehr.

  43. Avatar von claus claus Says:

    „3) Folgend die Unterdrückung der (biodeutschen) Männlichkeit
    4) Die virtuelle Befriedigung durch Pornografie
    5) Die Aussichtslosigkeit des biodeutschen Jungen gegenüber der überdrückenden Mehrheit der Migrantenjugend, eine Freundin zu bekommen
    6) Die Mehrheit der Jugend ist migrantisch, d. h. hat eigene kulturelle, d. h. patriarchalische und homogene Modelle der Sexualität“

    Ja. Deswegen ist so wichtig, der Öffentlichkeit einmal klarzumachen, was die gängige Migrantenpraxis arrangierter Ehe mit sich bringt. „arrangiert“ sollte dabei auch weiter gefasst werden, also nicht nur heißen: in der Familie arrangiert. Denn dagegen wehren sich inzwischen mehr Muslime und Jesiden. „arrangiert“ sollte auch heißen: Kennenlernen per Chat, in der Türkei in irgendeinem peripheren Sinne ‚heiraten‘ oder – was ich erlebt habe – am Handy per Video Hochzeit feiern, sich später vielleicht zwecks Paarung vielleicht persönlich treffen, schließlich, das ist der politisch frechste Schritt: ‚Familiennachzug‘ fordern und womöglich erreichen. https://cellediefreieseite.wordpress.com/2025/12/14/brief-an-ali/

  44. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert!

    >>> ich glaube, da spielen sehr viele Faktoren eine Rolle.
    1) Die Verschiebung der Repressionstheorie (sexuelle Unterdrückung) auf eine Theorie der Macht (Foucault).

    Um Gottes willen. Auf das Argument wäre ich nun wirklich nicht gekommen.

    Ich kenne eine Frau, die sich über Foucault habilitiert hat und war – gerade auch aus orgonomischer Sicht – eigentlich immer nur entsetzt bzw. angeekelt von dem, wofür Foucault steht. Vielleicht wurde mein (Vor?)Urteil auch dadurch geprägt, dass mir Peter einmal erzählt hat, wie Foucault sich in homosexuellen „dark rooms“ in San Francisco mit AIDS infiziert habe. Und dass auf Peters Facebook-Account neulich darauf hingewiesen wurde, dass Foucault Päderast gewesen sei, passte für mich ins Bild. Der Typ und seine Theorien waren mir immer schon zutiefst unsympathisch, aber das ging mir mit vielen Theorien linker Soziologen so: obwohl mir z.B. Rudi Dutschke als Mensch nicht unsympathisch war, kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus, wenn man sich HEUTE seine Reden und TV-Auftritte anhört, die in einem inhaltlich fast völlig unverständlich kruden und verklausulierten „Soziologen-Deutsch“ abgefasst waren, in dem jedes dritte Wort ein Fremdwort war. Seine Zielgruppe, das damals noch sehr viel größere „Proletariat“, hat er damit definitiv NICHT erreicht, da die Arbeiter seine Reden aufgrund mangelnder Bildung gar nicht verstanden haben.

    Und es blutet mir das Herz, wenn ich sehe, dass ein Genie wie Wilhelm Reich in der akademischen Welt „nachhaltig“ marginalisiert wurde, während Typen wie Adorno, Horkheimer, Habermas, Marcuse, Fromm, Sartre und eben Foucault wegen ihres „kritischen“ linken Denkens berühmt geworden sind.

    Die Letztgenannten stehen m.E. so ziemlich für das genaue Gegenteil der Reichschen Orgonomie (auch Du hattest Dich hier ja neulich aus ähnlichen Gründen kritisch über Bernd Senf geäußert), und deswegen habe ich noch nie mitbekommen, dass sich ein Reichianer auf Foucault berufen hätte.

    Aber lassen wir meine Vorurteile mal beiseite, und ich bin auch gerne bereit, dazu zu lernen! Es würde mich daher WIRKLICH interessieren, inwiefern Du als ersten Grund für die nachlassende sexuelle Aktivität junger Menschen „die Verschiebung der Repressionstheorie (sexuelle Unterdrückung) auf eine Theorie der Macht (Foucault)“ verortest? Wie ist das gemeint? Kannst Du das bitte ein wenig erläutern?


    >>> 2) Damit der Diskurs des Feminismus und der Sexualität als patriarchalisches Instrument
    3) Folgend die Unterdrückung der (biodeutschen) Männlichkeit
    4) Die virtuelle Befriedigung durch Pornografie
    5) Die Aussichtslosigkeit des biodeutschen Jungen gegenüber der überdrückenden Mehrheit der Migrantenjugend, eine Freundin zu bekommen
    6) Die Mehrheit der Jugend ist migrantisch, d. h. hat eigene kulturelle, d. h. patriarchalische und homogene Modelle der Sexualität
    7) Reichs Werke basieren auf die autoritäre Gesellschaft. Doch die Jugend kennt diese und ihre Gesetze nicht mehr. Reich schreibt also aus einer toten Zeit.

    Mit Punkt 2) und Punkt 7) tue ich mich schwer; die Argumente 3) bis 6) hingegen leuchten mir ein und machen Sinn. Aus Platzgründen möchte ich jetzt aber nicht alle Punkte diskutieren. Interessieren würde mich aber, welche Gründe für das daniederliegende Sexualverhalten junger Menschen die anderen Blogger hier für relevant halten?

    Ich persönlich, der ich beruflich sehr viel mit jungen Männern und Frauen zu tun habe, vermute, einer der wichtigsten Gründe dürfte in der sich im Sinkflug befindlichen BEZIEHUNGSFÄHIGKEIT insbesondere der jungen Menschen zu suchen sein. Die verbringen fast ihre gesamte Freizeit in den VIRTUELLEN Medien, also v.a. „social media“ und interaktiven Computerspielen. Aber sie verabreden sich nicht mehr „physisch“ – wie wir das früher getan haben – und begegnen sich nicht mehr in der analogen Welt. Und wenn dann mal „der Trieb ruft“, verabreden sie sich über Plattformen wie TINDER und liegen schon Stunden später mit ihrer „Neuerwerbung“ im Bett, ohne dass der Sex auf der Grundlage einer Beziehung entstehen würde. Sex wird so zum schnell verfügbaren Konsumartikel und beruht nicht mal mehr darauf, dass man die Persönlichkeit und die Lebensumstände seines Sexualpartners kennt – was ich ebenso traurig wie bedenklich finde.

    Hinzu kommt sicher noch die erschreckende IDENTITÄTSUNSICHERHEIT vieler heutiger junger Frauen und Männer, die oft noch nicht mal wissen, welchem Geschlecht sie sich zurechnen.

    Dazu ein kleines, aber illustratives Beispiel. Eine Anfang 20jährige Frau erzählte mir neulich, sie habe Streit mit „Charly“ gehabt. DER habe sich völlig daneben benommen, und sie sei wütend auf IHN.

    Zwei Wochen später berichtete dieselbe junge Dame, mit DIESER Charly sei es unerträglich, denn SIE sei eine unglaubliche Zicke.

    Als „böser alter weißer Mann“ (was ja heutzutage fast schon „Nazi“ bedeutet…) begann ich sofort, an meinem Gedächtnis zu zweifeln und fragte nach, ob sie Charly nicht neulich erst als Mann bezeichnet habe.

    Daraufhin guckte sie mich ganz empört an (als ob sie sagen wolle: „wie kann man nur so blöd – und so wenig woke – sein?“) und klärte mich oberlehrerINNENhaft auf, dass sich besagte(e) „Charly“ doch als eine „nicht-binäre Person“ identifiziere; ob ich das denn nicht gemerkt habe? Da fällt einem als Reichianer nicht mehr viel ein.

    >>> Das sind nur einige Punkte. Insgesamt ist unsere Gesellschaft überaltert und moralistischer geworden, Reichs Themen interessieren da nicht mehr.

    Ist da nicht ein Widerspruch? Denn gerade die vielen Alten (wie wir) müssten doch in ihrer langen Biographie noch am ehesten mit „Reichschem Gedankengut“ und mit der autoritären Welt ihrer Kindheit in Berührung gekommen sein.

    Aber ansonsten hast Du natürlich völlig Recht. Interessant finde ich, dass unsere sowie die russische Gesellschaft völlig überaltert sind, während in vielen muslimischen Staaten weit über die Hälfte der Bevölkerung unter 30 Jahre alt ist (man sehe nur, was ich hier neulich über die Bevölkerungsexplosion in Lagos, Nigeria, geschrieben habe). Während in den muslimischen Ländern jahrhundertelang „weise alte Männer“ die höchste Autorität darstellten und größten Respekt genossen, werden diese „Patriarchen“ und Familienoberhäupter mittlerweile von aggressiven jugendlichen Gangs, die „sich nichts sagen lassen“ und auf die Macht der Alten pfeifen, beiseite geschoben.

    FAST erinnert das einen an die (in orgonomischer Terminologie) „andere schwarz-faschistische“ Bewegung, nämlich die der NSDAP und SA in der Endphase der Weimarer Republik. Obwohl DeMeo das bestreitet, hat Peter aufgezeigt, dass die NS-Bewegung damals eine ungemein junge und „progressive“ Bewegung – auch in sexualökonomischer Sicht – war, die vehement gegen die „reaktionären Alten“ rebellierte. Selbst die die KPD- und SPD-Führung, die ja eine angeblich „progressive“ Politik vertrat, war damals völlig überaltert – während die Hitler-Jugend (HJ) 30 Jahre VOR Woodstock damals zur „größten Jugendbewegung aller Zeiten“ wurde. Eine ähnliche Entwicklung deutet sich gerade in der islamischen Welt an.

  45. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Claus!

    >>>„3) Folgend die Unterdrückung der (biodeutschen) Männlichkeit
    4) Die virtuelle Befriedigung durch Pornografie
    5) Die Aussichtslosigkeit des biodeutschen Jungen gegenüber der überdrückenden Mehrheit der Migrantenjugend, eine Freundin zu bekommen
    6) Die Mehrheit der Jugend ist migrantisch, d. h. hat eigene kulturelle, d. h. patriarchalische und homogene Modelle der Sexualität“

    Wie ich oben schon sagte, leuchten mir – offenbar ebenso wie Dir – diese Punkte 3) bis 6) gut ein. Wenn ich als ehemals ziemlich schüchterner Jugendlicher heute jung wäre, würde mich Punkt 5) sicher besonders verbittern.

    >>> Ja. Deswegen ist so wichtig, der Öffentlichkeit einmal klarzumachen, was die gängige Migrantenpraxis arrangierter Ehe mit sich bringt.

    Damit ist ein Skandalon erster Güte verknüpft, an das sich unsere Regierungen und Medien nicht herantrauen. Wenn ICH mit einem 14jährigen Mädchen schlafen würde, bekäme ich – und zurecht – ganz erhebliche Probleme mit der Justiz, die zur Vernichtung meiner beruflichen Existenz und womöglich auch zu einer Haftstrafe führen würden. Ich wäre gesellschaftlich erledigt, und es würde ein Aufschrei wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger erfolgen.

    Wenn ich aber ein in Deutschland lebender 40jähriger Türke oder Araber wäre und meine gleichaltrige Ehefrau nicht mehr so attraktiv finden würde, könnte ich mir aus der alten Heimat (z.B. aus Anatolien, wo immer noch viele Menschen Analphabeten sind) ein 14jähriges Mädchen aus der entfernten – oder sogar NICHT so entfernten – Verwandtschaft nach Deutschland kommen lassen, sie nach muslimischem Brauch und „arrangierter Ehe“ als Zweitfrau heiraten, selbstverständlich auch Sex mit ihr haben und sie womöglich bald schwängern.

    Die Eltern des Mädchens wären vielleicht sogar froh, ihre Tochter in Deutschland materiell „gut versorgt“ zu wissen, und das Mädchen selbst würde ggf. noch nicht mal groß nach seiner Meinung gefragt werden.

    Warum wird DIES (und zwar vermutlich zigtausendfach) von unseren Behörden stillschweigend toleriert? Und womöglich noch mit dem Argument, „wir bösen Deutschen haben nicht das Recht, uns in fremde Kulturen und ihre Sitten und Gebräuche einzumischen und wollen hier niemanden aufgrund seiner Herkunft und kulturellen Identität diskriminieren“…

    Warum käme ich wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen in den Knast, während der o.g. türkische oder arabische Arbeiter eine 14jährige schwängern darf, ohne dass ihm etwas passiert?

    NOCH skandalöser sind die erschreckend vielen rituellen Beschneidungen muslimischer Kinder, die hier auf deutschem Boden durchgeführt werden (sogar im Deutschen Ärzteblatt wurden Ärzte offiziell aufgerufen, solche Vorfälle den Behörden zu melden, wenn sie davon Kenntnis erlangen). Einem kleinen Mädchen die Klitoris und die großen Schamlippen wegzuschneiden ist ein schlimmes Verbrechen und nach den hierzulande geltenden Gesetzen auch eine schwere Straftat. Ich war völlig entsetzt, was für üble Foto-Dokumentationen ich sah, als ich einmal zusammen mit DeMeo ein Symposium der weltweiten Anti-Circumcison-League in Genf besuchte, bei der DeMeo Mitglied war, siehe: Kongreß der anti circumcision league in genf 1996 – Google Suche.

    Bei den rituellen (also meist religiös begründeten) genitalen Verstümmelungen von Kindern handelt es sich m.E. um eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt!

    Siehe dazu auch die ganzen entsprechenden Dokumentationen in DeMeo´s „Saharasia“-Dissertation, die wirklich nichts für schwache Nerven sind…

    Auch kenne ich einen älteren niedergelassenen Urologen, der mir kürzlich verbittert berichtete, in welche Gewissenskonflikte er und seine Kollegen seit einigen Jahren tagtäglich gestürzt werden, weil immer wieder muslimische Eltern mit ihrem kerngesunden kleinen Sohn anrücken und von dem Urologen verlangen, er solle (auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen, versteht sich…) eine RITUELLE Beschneidung durchführen, ohne dass irgendeine MEDIZINISCHE Indikation (wie z.B. eine schwere Phimose) dafür besteht.

    Der Urologe, mit dem ich sprach, vertrat Ansichten, die denen von Reich und DeMeo erfreulich nahe kommen, und weigert sich, solche rituellen Beschneidungen durchzuführen. Natürlich mit der Konsequenz, dass er dadurch viele „Patienten“ und ergo Umsätze verliert und in der muslimischen „community“ seiner Stadt seither als „islamophob“ gilt, weil er sich „anmaßt“, kulturelle Gebräuche in Frage zu stellen.

    >>> „arrangiert“ sollte dabei auch weiter gefasst werden, also nicht nur heißen: in der Familie arrangiert. Denn dagegen wehren sich inzwischen mehr Muslime und Jesiden. „arrangiert“ sollte auch heißen: Kennenlernen per Chat, in der Türkei in irgendeinem peripheren Sinne ‚heiraten‘ oder – was ich erlebt habe – am Handy per Video Hochzeit feiern, sich später vielleicht zwecks Paarung vielleicht persönlich treffen, schließlich, das ist der politisch frechste Schritt: ‚Familiennachzug‘ fordern und womöglich erreichen. https://cellediefreieseite.wordpress.com/2025/12/14/brief-an-ali/

    Da kann ich Dir nur zustimmen, Claus!

    Kennt Ihr in dem Zusammenhang eigentlich das Prinzip der muslimischen „Eintags-Ehe“?

    Ich habe davon durch einen WIEN-TATORT in der ARD erfahren. Da gab es ein muslimisches Bordell in der Innenstadt. Ältere berufstätige muslimische Männer kommen dort hin und finden dort attraktive ledige junge Frauen, die mit ihnen flirten. Will der Mann mit ihnen schlafen, würde er sich des im Islam verbotenen Ehebruchs schuldig machen.

    Um dieses „kleine“ Problem technisch zu lösen, beschäftigt das Bordell einen Imam, der bei Bedarf gerufen werden kann. Sobald er auftaucht, erklären ihm der Freier sowie die junge Frau, sie hätten sich in dem „Café“ unsterblich ineinander verliebt, es sei halt „Liebe auf den ersten Blick“.

    Daraufhin – vermutlich ebenfalls gegen eine kleine Gebühr – verheiratet der Imam die beiden miteinander, so dass das „glückliche Paar“ miteinander schlafen darf.

    Am nächsten Tag sucht der Mann den Imam wieder auf und erklärt ihm, er habe sich in dem Charakter seiner frisch vermählten Zweitfrau getäuscht und wolle sie wieder wegschicken – daraufhin wird diese Kurzehe schnell und „unbürokratisch“ wieder geschieden; ergo haben weder Ehebruch noch außerehelicher Geschlechtsverkehr stattgefunden!

    Ich habe jetzt keine KI-Recherche angestellt, glaube aber nicht, dass der WIEN-TATORT dies zeigen würde, wenn es nicht der Realität entsprechen würde.

    Nun gut, hierbei gibt es jedenfalls keine Geschädigten, wenn es der freie Wille aller Beteiligten war.

    Trotzdem scheint unser – bzw. der österreichische – Staat in puncto Sexualmoral und Sexualgesetzgebung zwischen „Inländern“ und muslimischen Einwanderern große Unterschiede zu machen.

    Wie gesagt, die „Eintags-Ehe“ finde ich zwar skurril, aber nicht besonders schlimm. Bei den „Kinderehen“ und den genitalen Verstümmelungen auf deutschem Boden sieht die Sache jedoch GANZ anders aus.

    Was denkt – und wisst – IHR über solche Praktiken?

  46. Avatar von claus claus Says:

    Ich unterrichte ja Migranten in Deutsch. Das tue ich, ohne es – wie alle anderen, die ich kenne – als Arbeit zu bezeichnen. Ich nenne es „Betrug“, weil es vom Asylrecht abhängt, das ein Betrugsrecht ist. (Das finden alle komisch. Erläutere ich es, wird mir mehr oder weniger zugestimmt, um dann wieder zur Praxis zurückzukehren, diesen Betrug „Arbeit“ zu nennen. Demnach ist wohl alles, wofür man Geld bekommt, Arbeit.) In meinen jeweils zwei Tagen pro Woche Betrug habe ich noch keinen gefragt, wie er es mit der Beschneidung hält (ach, doch, einmal einen Jesiden). Hier in Celle geht es fast ausschließlich um Jesiden. Meines Wissens machen sie es nur bei Jungen, und etwa so, wie es Muslime machen. Jesiden tun ja – vor allem seit den IS-Verbrechen 2014/15 – öffentlich immer so, als wären sie in erster Linie Opfer des Islam, und thematisieren nicht, was sie mit dem Islam verbindet. Am meisten und ehrlichsten habe ich Kontakt zu Migranten, die sich von ihrer Heimatreligon abgewandt haben, also vor allem Leuten, die aus dem Iran gekommen sind und sich überhaupt nicht mehr für Islam oder Jesidentum interessieren. Aber es will auch niemand etwas öffentlich zum Thema machen. Einer dieser Iraner liebäugelt nun auch schon mit dem Gedanken, sich eine Frau per Chat zu besorgen. Sie lernen keine hier beheimatete Frau auf normale Weise kennen. Ich verstehe das: Es geht ja Deutschen inzwischen kaum anders! Woran es hakt, ist also das In-Kontakt-Treten überhaupt. Ich selbst weiß auch nicht, worüber ich mich mit einer Frau unterhalten soll. Übers Wetter? Über Wilhelm Reich? :-)))))

  47. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    >>> Ich selbst weiß auch nicht, worüber ich mich mit einer Frau unterhalten soll. Übers Wetter? Über Wilhelm Reich? :-)))))

    Nein, über Peter Nasselstein natürlich. Den hanseatischen Think-Tank und Pressezar des Nachrichtenbriefs.

    DAS zündet bei den Frauen immer! Und ist außerdem ein unerschöpfliches Thema…

  48. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Ich hoffe, Du und Peter nehmt mir diesen kleinen Scherz nicht übel…

    Aber jetzt mal im Ernst: gerade zu DEM Thema (also, dass das Wissen über die Orgonomie zu intellektueller Isolation und Einsamkeit führt, weil es gegenüber Menschen, die sich NICHT mit Reich beschäftigt haben, nur schwer kommunikabel ist) hatte ich hier ja neulich einiges geschrieben – und hatte mir, ehrlich gesagt, etwas mehr Resonanz auf dieses wichtige Thema gewünscht. DIR, lieber Claus, scheint es da ähnlich zu gehen wie mir, wenn ich Dich richtig verstehe. Mich hätte aber auch interessiert, wie die anderen hier damit umgehen.

    Der mittlerweile verstorbene ACO-Orgonomist Dr. Schwartzman hat mir in Philadelphia mal erzählt, wie alleine er sich in dieser Anderthalb-Millionen-Einwohner-Stadt fühle. Seine schulmedizinischen Kollegen würden sich „nur für Autos, Immobilien und schicke Konsumartikel“ interessieren, aber dafür interessiere ER – also Schwartzman – sich überhaupt nicht. Für im weitesten Sinne orgonomische Themen hingegen seien seine Kollegen nicht ansprechbar.

    In diesem speziellen Fall war die Klage über „die Einsamkeit des Orgonomen in der großen Stadt“ aber ein wenig bizarr. Ich hatte nämlich außer Schwartzman auch die beiden Alt-Orgonomen Dr. Herskowitz und Dr. Oller besucht, die genau wie Schwartzman ALLESAMT IN DERSELBEN PINE STREET wohnten! Doch zu meiner großen Verblüffung musste ich feststellen, dass die drei seit Jahren – ja vermutlich sogar seit Jahrzehnten – kein Wort miteinander gewechselt hatten, da alle drei jeweils miteinander verfeindete Fraktionen der Orgonomie verkörperten und mir gegenüber deshalb so taten, als würde der Name der beiden anderen „Nachbarn“ ihnen kaum etwas sagen. Ganz schön schräg! „Am besten einander gar nicht erst ignorieren!“, wie der legendäre deutsche Comedian Heinz Erhardt einst sagte… 🙂

    Aber abgesehen von dieser kleinen Realsatire haben mich Schwartzman´s Worte doch etwas erschüttert. Ich war nämlich einst davon ausgegangen, dass Menschen, die eine langjährige Orgontherapie absolviert haben und sich mit der Wissenschaft der Lebensenergie beschäftigen, glücklicher und sozial weit besser integriert sein würden als Menschen, bei denen beides nicht der Fall ist.

    Das war aber wohl eine Fehleinschätzung, denn fast ALLE Orgonomen, die ich kenne, sind sozial und auch intellektuell stark isoliert. Nicht von Ungefähr trägt das letzte überlieferte Audio-Dokument selbst von Wilhelm Reich persönlich den Titel „ALONE“.

    Beim geselligen Zusammensein und „Smalltalk“ mit anderen Leuten sehe ich zwei Probleme, die beide letztlich unbefriedigend sind:

    a) Man lebt nach außen hin so wie die anderen und verschweigt seine Beschäftigung mit der Orgonomie. Dann läuft man aber Gefahr, jahrelang gewissermaßen ein Doppelleben zu führen.

    b) Man versucht, Freunde, Bekannte und Kollegen ebenfalls für die Orgonomie zu begeistern. Dabei holt man sich aber oft eine blutige Nase, weil Menschen, die selber nie eine Orgontherapie gemacht haben und die Orgonenergie nicht spüren, mit diesen Themen nichts anfangen können. Womöglich hat man dann sogar den Ruf eines esoterischen Spinners weg.

    Ich hatte hier ja auch schon mal auf eines DER grundsätzlichen Probleme hingewiesen, die der Reichsche Gesundheitsbegriff mit sich bringt. Und zwar das Problem, das EIN orgastisch potenter Mensch für sich alleine gar nicht denkbar ist, da er, um seine orgastische Potenz zu bewahren, ja mindestens eine einigermaßen gesunde und hingabefähige Partnerin braucht!

    Oft macht man in der Reich-Szene die Beobachtung, dass Beziehungen früher oder später in die Brüche gehen, wenn sich ein Partner durch seine jahrelange Orgontherapie weiterentwickelt und sich immer weniger neurotisch verhält, der andere aber „auf der Stelle tritt“ und sich NICHT in Orgontherapie befindet.

    Deswegen habe ich für EINEN Konflikt bis heute keine wirkliche Lösung gefunden: wie kann es sein, dass man, wenn man sich viele Jahre lang intensiv mit der Orgonomie beschäftigt und eine eigene Orgontherapie gemacht hat, zwar EINERSEITS die Welt, das Leben und die Menschen viel besser und tiefergehend spürt und versteht als vorher, man aber ANDERERSEITS dadurch sozial, emotional und intellektuell immer isolierter wird, weil es in unserer gepanzerten Gesellschaft kaum Menschen gibt, mit denen man diese tiefbewegenden Erfahrungen teilen kann, und man sozusagen „the one and only Reichian in town“ ist?

    Hat jemand von Euch auch schon mal die Erfahrung gemacht hat, dass die Dinge, die einen als Studenten der Orgonomie beschäftigen, gegenüber Menschen, die sich nicht mit der Orgonomie beschäftigt haben, kaum kommunikabel sind?

    In den 1980er und 1990er Jahren konnte man dieses Problem zumindest noch so weit lösen, dass man sich seine Freunde und Partnerinnen nach Möglichkeit innerhalb der damals recht großen Reich-Szene suchte (auch die ACOler, die ich kenne, haben in der Regel Partner geheiratet, die ebenfalls in Orgontherapie waren).

    Da die Reich-Szene als soziale „Bewegung“ jedoch inzwischen nahezu tot ist und es in ganz Deutschland nur noch eine Handvoll Reichianer gibt, die obendrein meist in weit voneinander entfernten Städten wohnen, ist diese Möglichkeit in den letzten Jahren nahezu verschwunden.

    Sind Einsamkeit und intellektuelle Isolation also sozusagen „notwendige Übel“, die man in Kauf nehmen muss, wenn man Reich und der Orgonomie treu bleiben will? Wenn ja, wäre das aber eine „contradictio eo ipso“, da die Orgonomie ja für Lebendigkeit und eine intensivere Teilhabe am Leben steht.

    Jedenfalls haben fast alle Reichianer, die ich Ende des letzten Jahrhunderts kannte, entweder ihr Interesse an der Orgonomie mittlerweile an den Nagel gehängt – oder sie sind isolierte und mehr oder weniger „einsame Einzelkämpfer in einer feindlichen Umgebung“ – wie Reich in den letzten Jahren vor seinem Tod.

  49. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    P.S.:

    Oder mal ganz konkret auf den Punkt gebracht:

    Hast DU, lieber Claus, an Deinem Wohnort Freunde, mit denen Du über Deine Wahrnehmung der Orgonenergie – und über die Orgonomie überhaupt – sprechen kannst? Und falls nein, wie gehst Du damit um?

    Führt das bei Dir auch zu einem Gefühl der intellektuellen Isolation?

  50. Avatar von claus claus Says:

    Hallo Fantomas,

    natürlich habe ich solche Freunde nicht. Allerdings läuft man mit solchen Klagen Gefahr, sich selbst fast als einsame Besonderheit zu verklären. Und das nervt schon wieder. Soger bei Reich geht mir diese Klage ein wenig auf den Wecker. Ich hoffe, dass ich weit davon entfernt bin, meine Einsamkeit auf ein Gesundheitsmaß zurückzuführen. Denn das kann ich mir tatsächlich überhaupt nicht anmaßen. Bei mir ist es vielmehr so, dass mich Eigenbrödelei immer in Einsamkeit getrieben hat – übrigens auch innerhalb des Reichianismus, weil ich ja nach wie vor von der Nähe zu etablierten philosophischen Schulen nicht abrücke. Und es ist richtig, dass die Orgonerfahrung dann eine Art ‚Doppelleben‘ mit sich bringt. Denn darüber kann man mit ‚Normalen‘ eben kaum reden. Ich kannte in Berlin in meiner Straße eine viel ältere Frau, an die ich immer öfter denke: Ich lernte sie kennen, weil ich einen vorübergehenden Platz für meine vier nach Bedarf zusammenzuschiebenden ORAC-Wände suchte. Dass sie sich damals meldete, war natürlich schon interessant; aber dergeichen deutet erfahrungsgemäß immer auf ‚Eso‘ hin, also Yoga, Buddha u. dgl., und ein Stück weit war es auch so. Andererseits ist mir inzwischen klar geworden, dass ich mit ihr die interessantesten Gespräche meines Lebens geführt habe. Sie war als Regieassistentin in der DDR einer der nicht sonderlich prominenten ersten Unterzeichner des Protests gegen Biermanns Ausbürgerung gewesen, ihre Stasi-Erfahrungen und ganz klar nicht linke Position machte sie besonders, und ich vermisse sie heute sehr (Ich gehe zu 99% davon aus, dass sie tot ist).

  51. Avatar von claus claus Says:

    Worum es mir geht, ist etwas allgemeiner: Wo sind Leute, die etwas ernst nehmen und Risiken eingehen? In der DDR konnte eine Unterschrift wirklich gefährlich sein. Sie konnte geradezu ‚ein Leben zerstören‘. Das war Ziel der Stasi. Hier, bei uns, unterschreibt man dies und jenes (Campact u. dgl.), alles ist läppisch. Das hat irgendwie auch mit dem Orgon zu tun: Ich erlebe seit 30 Jahren, wie der eine oder andere vielleicht das eine oder andere Wärmegefühl oder Kribbeln bei ORAC-Varianten wahrnimmt. Aber es ist ihm dann egal! Längerfristig finde ich es seltsam, wenn einem das nur egal ist, denn die Erfahrungen können systematisch und nützlich sein. Da kommt mir meine Erinnerung an einen Menschen, der mit einer bloßen Unterschrift ein Risiko eingegangen ist und standhafter und gesinnungsfester als alle anderen, die ich kannte, war, tatsächlich etwas ‚orgonomisch‘ vor.

  52. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hallo Fantomas,
    „Aber lassen wir meine Vorurteile mal beiseite, und ich bin auch gerne bereit, dazu zu lernen! Es würde mich daher WIRKLICH interessieren, inwiefern Du als ersten Grund für die nachlassende sexuelle Aktivität junger Menschen „die Verschiebung der Repressionstheorie (sexuelle Unterdrückung) auf eine Theorie der Macht (Foucault)“ verortest? Wie ist das gemeint? Kannst Du das bitte ein wenig erläutern?“

    Da sehe ich überhaupt gar keinen direkten Zusammenhang, weil es betrifft eigentlich nur den akademischen Bereich und damit auch den öffentlichen Diskurs. Der öffentliche Diskurs interessiert junge Menschen von sich aus nicht, wird jedoch durch den Bildungssektor vermittelt. Die nachlassende sexuelle Aktivität junger Menschen hat nach meiner Meinung auch mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun, in dem halt durch Feminismus die gesunde Sexualität des jungen Mannes, wie soll ich sagen, ins Negative verschoben wird. Also Flirten und so weiter wird schon als toxisch angesehen und dass man vorher fragen muss, was die Frau will, also das Spielerische geht vollkommen verloren. Aber es betrifft eigentlich nur den biodeutschen Mann oder den westeuropäischen Mann, während die migrantische Jugend sich das herausnehmen darf, weil sie hat wieder den Bonus, dass ihre Kultur als heilig gilt und sie in dieser linken Wahnsinnsbubble als unterdrückte Minderheit angesehen wird, obwohl sie längst in der Jugend die Mehrheit ist. Ich würde sagen, die reiche Repressionstheorie ist die Theorie der muskulären Panzerung, während die Theorie der Macht, die ich eher als Theorie der Dekonstruktion bezeichnen würde, die Philosophie der Augenpanzerung ist. Kritische Theorie, also alles kritisieren, alles dekonstruieren, also alles in Frage stellen und auch Naturgesetze, das ist die Theorie der Augenpanzerung. Wenn ich meinen Augen nicht mehr trauen darf, ob ich einen Mann oder eine Frau vor mir habe, oder wenn ich den Augen nicht mehr trauen darf, dass ein Apfel vom Baum fällt.

    Noch etwas zu Foucault. Es ist wirklich kein Wunder, dass die Vertreter der Sexualitätstheorie – wie Foucault, aber damals auch Magnus Hirschfeld, der inzwischen bei uns die Hauptrolle spielt, homosexuell waren oder irgendwelchen Perversionen fröhnten. Man weiß ja auch, dass Kinsey extrem pervers war. Also diese ganzen Leute haben den Sexualitätsdiskurs bis heute bestimmt. John Money zum Beispiel. Und deswegen sind bei uns alle sexuellen Theorien durch diese kranken Naturelle bestimmt. Also wir wissen heute gar nicht mehr, was gesunde Sexualität ist. Reich war der einzige, der das erforscht hat. Und auch bei den Feministinnen, da las ich mal einen Artikel, der war höchst interessant, dass von denen viele sehr schwer kranke Frauenwaren. Viele waren in der Psychiatrie, viele waren magersüchtig oder auch drogensüchtig. Und die haben in ihrer Krankheit ein Modell der Männlichkeit entwickelt. Und das Traurige daran ist, dass dieses kranke Modell so verbreitet worden ist. Zum Beispiel Simone de Beauvoir, die Freundin von Jean-Paul Sartre, die praktisch für Sartre Zuhälterin spielte. Und diese ganzen Leute, die jetzt bei uns eine große Rolle spielen, waren alle sexuell krank und die haben ihre sexuelle Krankheit auf unsere Gesellschaft gespiegelt. Und das erklärt auch, warum heute sexuelle Perversionen Hochkonjunktur haben. Auch zum Beispiel in öffentlichen Medien, in den Filmen, im wissenschaftlichen Diskurs.

    Was du zu Tinder und den sozialen Medien schreibst, finde ich ganz interessant. Aber auch da möchte ich anmerken, dass diese Programme mit Dopaminbelohnung arbeiten. Sie haben einen ausgefuchsten Algorithmus und deswegen wird ein Suchtcharakter entwickelt. Und was du zu Tinder schreibst, würde ich sagen, passt nur zu einer ganz begrenzten Menge. Soweit ich weiss, sind nach Untersuchungen bei Tinder nur 20% erfolgreich. Die restlichen 80% sind abgeschlagen und finden da nie einen Partner. Und auch Tinder arbeitet mit diesem Belohnungsmechanismus, den man durch Rattenversuche praktisch angefangen hat zu erforschen, dass Ratten immer auf eine Taste drücken mussten und dann eine Belohnung bekommen haben. Und dann ab und zu gab es mal keine Belohnung. Die Ratten haben aber trotzdem weiter versucht, die Tasten zu drücken. Und so ähnlich, nur viel ausgefuchster, basieren diese ganzen Dating-Apps. Eine andere Rolle, würde ich sagen, ich würde nicht das alles auf die sozialen Medien schieben, weil soweit ich weiß, durch Videos dieser ganzen Pick-up-Artists oder auch die Kurse, die die geben oder ihre Seminare, besteht da trotzdem eine grosse sexuelle Not bei jungen Menschen. Und es zeigt sich, dass die natürliche Sexualität in unserer Gesellschaft praktisch verteufelt wird, indem durch den Feminismus die natürliche Liebe zwischen Mann und Frau verteufelt wird, indem der Mann immer als potenzieller Vergewaltiger angesehen wird und der junge Mann auch extrem verunsichert wird. Und da hat jedenfalls der biodeutsche Mann einen extremen Nachteil gegenüber dem migrantischen Zuwanderer oder auch dem Migranten der dritten Generation, die grösstenteils ein Casanova-Bild in sich tragen. Der Islam ist ja extrem sexualitätsfixiert und der Mann wird als sexuelle Bombe angesehen, so wie dieses Druckkesselmodell. Darum muss sich die Frau verschleiern. Und das ist für den Mann, ich sage es mal jetzt pauschal, viel besser als das heutige Modell, weil im Islam kann der Mann zu seiner Sexualität stehen, während er in der modernen westlichen Gesellschaft, jedenfalls der Einheimischen, dieser seine Sexualität total unterdrücken muss und dann praktisch durch soziale Medien oder durch Pornografie seine Befriedigung findet. Zweitens, auch durch die Presse und die Medien wird ja praktisch die Perversion gefördert. Ich denke nur an diese riesigen Veranstaltungen des Christopher Street Days, wo hier in Berlin praktisch Millionen hinkommen, also wo praktisch ein Kanal sich öffnet, wo man noch Sexualitätsinteresse zeigen darf. Normale Sexualität darf nicht mehr gezeigt werden. Und das ist auch, glaube ich, ein ziemlich starkes Zeichen, wie blockiert inzwischen normale Sexualität ist. Und auch in der Schule wird ja nicht mehr tanzen gelehrt, den Mädchen wird nicht mehr kochen beigebracht, durch den Feminismus wurde den Mädchen beigebracht, männlich zu sein. Und das ist ja auch abstoßend. Und mir fällt immer wieder auf, wie hübsch Muslima, also muslimische Mädchen, also Jugendliche in den öffentlichen Verkehrsmitteln gekleidet sind. Eine Frau, die sich mit ihrer Weiblichkeit identifizieren kann, macht sich hübsch. Während viele deutschen Mädchen oder Frauen, aus meiner ganz persönlichen Sicht im Vergleich zu diesen Frauen anderer Kulturen, Muslimas, Ukrainerinnen, sehr hässlich aussehen, sehr hässliche Kleidung tragen, sehr hässliche, ganz hässliche Frisuren haben. Also das ist ein Unterschied wie, weiss ich nicht, Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Und ich sehe es nicht so, dass für die Jugendlichen so leicht wird durch Tinder und so weiter Beziehungen herzustellen. Dann noch ein Punkt, den selbst Wilhelm Reich mal benannt hat. Das gilt natürlich für die 20er Jahre, als er meinte, dass für Jugendliche das Ausprobieren auch ganz natürlich ist, dass man sich noch nicht auf feste Bindung festlegt, sondern so ein bisschen versucht, Erfahrungen zu sammeln mit mehreren Partnern.

    Ist da nicht ein Widerspruch? Denn gerade die vielen Alten (wie wir) müssten doch in ihrer langen Biographie noch am ehesten mit „Reichschem Gedankengut“ und mit der autoritären Welt ihrer Kindheit in Berührung gekommen sein.

    Es mag ja sein, dass man in der Jugend mit Reich Kontakt hatte, aber was soll einem Reich und die Orgonomie bringen? Eigentlich gar nichts. Ich meine, gerade die ältere Generation hat doch gar kein Interesse mehr an sexuellen Fragestellungen. Und Reich hatte ja größtenteils sexuelle Fragestellungen. Also das, was in den 60er, 70er Jahren an Reich interessant war, war seine sexuelle Fragestellung, war die Sexpol-Bewegung. Und daraus gab es dann Ableger, die man heute vergessen hat, wie zum Beispiel das ZEGG oder auch die Bewegung von Otto Mühl, AAO, Aktionsanalytische Organisation. Das waren ja direkte Folgen der des reichen Interesses. Also entweder Praxis in der Kommune oder halt Psychotherapie und sexuelle Fragestellung. Und auch die ganzen Körpertherapien sind ja auch eine Folge der Welle, sind ja auch eine Folge der Reichschen Welle. Das wird heute vergessen. Das hat ja damals die jungen Leute angesprochen, die sexuelle Befreiung, aber das spricht ja heute niemanden mehr an. also weder ist die sexuelle Befahrung ein gesellschaftliches Thema und gerade bei alten Menschen spielt das Thema überhaupt gar keine Rolle mehr. Denen interessiert ja eher, wo die nächste Bäckerei mit dem leckersten Kuchen ist, oder welches ist das beste Altenheim, oder wo können sie noch in den Urlaub fahren und hat damit hat Reich gar nichts zu tun. Und was du auch sagst, dass viele das Interesse an Reich verloren haben, ist natürlich richtig, weil Reich den Leuten gar nichts bieten kann. Und für mich bietet Reich ein Erklärungsmodell, wie sekundäre Triebe und so weiter, wie Orgon-Energie, die viele Sachen erklärt und auch das Erklärungsmodell für autoritäre und antiautoritäre Gesellschaften, ein Erklärungsmodell auch für den Zerfall der westlichen Kultur. Das ist für mich das Interessante an dem reichen Gedankengut. Natürlich bin ich natürlich auch mit den Sexpolschriften aufgewachsen und die haben in meiner Jugend mir am meisten Interesse verursacht. Es gibt noch diese eine politische Richtung, das war die Marxistisch-Reichistische Initiative, das ist heute der Bund gegen Anpassung. Das ist auch immer noch ein Ausläufer des reichen Interesses, auch der Studentenbewegung. Wir dürfen nicht vergessen, das Interesse an Wilhelm Reich fing ja durch die Studentenbewegung an. Und das war ja der Hauptantrieb. Gesellschaftlich gesehen, die Sexwelle ist nicht durch Reich entstanden, höchstens indirekt. Aber ich glaube, dass, sagen wir mal, die Sexwelle, die von den USA zu uns überschwappte, indirekt schon auch durch Reich ausgelöst wurde, indem Reich durch seine Schriften den Druck erhöht hat. Aber er hat nicht die Folgen gesehen, die seine Bücher auslösten.

  53. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Claus!

    Erstmal vielen Dank für Deinen offenen und ehrlichen Erfahrungsbericht! Ehrlich gesagt, würde ich mir hier viel mehr davon wünschen – statt immer nur Links zu irgendwelchen Videos zu posten und sich gegenseitig darin zu bestärken, wie scheiße man das gegenwärtig herrschende politische System bzw. die Schulwissenschaften findet.

    In seiner Wiener und Berliner Zeit ist Wilhelm Reich auch auf die Menschen zugegangen, hat sich für sie und ihre psychischen, sexuellen und sozioökonomischen Probleme im Alltagsleben interessiert und sie „da abgeholt, wo sie stehen“. Und zwar OHNE ideologische Prämissen und ungeachtet dessen, ob sie Akademiker oder Fabrikarbeiter sind. Reich wollte wissen, wie der „kleine Mann“ (und die „kleine Frau“) denkt und was er fühlt. DAS ist Orgonomie – bzw. so sollte sie sein! Denn ob man die Orgonenergie in sich selbst und in der Natur spürt, ist unabhängig vom IQ und Bildungsgrad.

    So verband Reich auch später in den USA eine wirkliche Freundschaft mit Tom Ross, dem „caretaker“ auf seinem riesigen Anwesen namens „Orgonon“ in Maine. Ich hatte glücklicherweise noch das Privileg, den schon sehr alten Tom Ross in Rangeley besuchen und interviewen zu können. Die Wohnung war sehr einfach, um nicht zu sagen ärmlich eingerichtet. Im Wohnzimmer schwebte ein herzförmiger rosaroter Luftballon von der Kirmes zum Zeichen, dass Mr. Ross und seine Ehefrau sich immer noch liebten.

    Während wir sprachen, saß er sehr stolz vor einem großen Bücherregal, das fast ausschließlich mit orgonomischen Werken gefüllt war, in die Reich ihm eine persönliche Widmung reingeschrieben hatte. Das Problem war, dass Tom Ross – was Reich vermutlich nicht wusste – die Schule nach der 6. oder 7. Klasse verlassen hatte und kaum in der Lage war, ein gelehrtes Buch zu lesen. Auch sein starker „New England Accent“, ein sehr langsamer Singsang, war für einen Deutschen nur schwer zu verstehen – und für Kalifornier oder Texaner vermutlich auch…

    Trotz all dem war Tom Ross extrem stolz, dass er jahrelang „for the doctor“ arbeiten durfte, und erzählte, dass Reich und er sich wegen ihrer identischen Wahrnehmung der Orgonenergie in der Natur sofort miteinander gut verstanden hätten. Reich habe ihn ernstgenommen und ihn wegen der Wahrnehmung bestimmter orgonenergetischer Phänomene sogar öfters um Rat gefragt („stellen Sie sich bloß mal vor: ein gelehrter Akademiker und Autor wissenschaftlicher Bücher fragt MICH nach meiner Meinung“). Tom Ross war felsenfest von der Existenz der Orgonenergie überzeugt und ließ keinen Zweifel an seiner Loyalität für Reich, für den er „sich sogar die Hand hätte abschlagen lassen“. Das hat mich sehr beeindruckt.

    Mit solch einem, genuin „orgonomischen“ Zugang zu „einfachen Leuten“ unterschied Reich sich GRUNDLEGEND von anderen linken Intellektuellen seiner Generation. Ich vermute, dass berühmte „emanzipatorische“ Denker wie Adorno, Horkheimer, Habermas, Marcuse, Fromm, Foucault usw. einen ungebildeten Hausmeister wie Tom Ross kaum wahrgenommen hätten – oder höchstens, damit er ihnen einen Drink serviert und hinter ihnen aufräumt. Diese Leute haben – im Gegensatz zu Reichs großem persönlichen Engagement in der österreichischen und deutschen Arbeiterbewegung inklusive seiner Sexpol-Beratungsstellen – das Subjekt der von ihnen geforderten revolutionären gesellschaftlichen Veränderung, nämlich den ARBEITER, doch kaum jemals kennengelernt. Und Reich sprach „den Arbeiter“ auch in einer Sprache an, die er versteht – und nicht in dem verklausulierten und mit Fremdwörtern gespickten Soziologen-Deutsch des „working class hero´s“ Rudi Dutschke…

    >>> natürlich habe ich solche Freunde nicht. Allerdings läuft man mit solchen Klagen Gefahr, sich selbst fast als einsame Besonderheit zu verklären. Und das nervt schon wieder. Soger bei Reich geht mir diese Klage ein wenig auf den Wecker.

    Wen meinst Du damit, Claus? Ich glaube, man würde Reich sehr unrecht tun, wenn man sein o.g. Audio-Dokument „ALONE“ für die larmoyante Inszenierung eines Menschen halten würde, der sich „als einsame Besonderheit verklärt“. Ich habe Reich auch nie als einen arroganten Mann wahrgenommen. WENN er aber wirklich die primordiale Lebensenergie namens „Orgon“ entdeckt und einige ihrer Funktionsprinzipien wissenschaftlich erforscht hat – und davon gehe ich aus -, dann braucht man schon wirklich eine sehr große Ich-Stärke, um mit diesem Bewusstsein klarzukommen, ohne verrückt oder größenwahnsinnig zu werden. Vor allem an der großen Frage „WARUM nehme ich Phänomene wahr, die von der gesamten Schulmedizin und Schulwissenschaft abgelehnt werden, obwohl sie doch von Jedermann tagtäglich überall wahrgenommen werden können?“ MUSS Reich doch ziemlich verzweifelt gewesen sein; deswegen klingt das, was er in „ALONE“ sagt, auch so verbittert.

    Und falls Du MICH gemeint haben solltest: wenn Du mich persönlich kennen würdest, würdest Du schnell feststellen, dass mir nichts ferner liegt, als mich als einsame und von der bösen Umwelt unverstandene „Besonderheit“ zu sehen. Was ich artikulieren wollte, war, dass es mich (ähnlich wie Dich) sehr schmerzt, dass die Dinge, die ich im Zusammenhang mit der Orgonomie weiß und spüre, gegenüber meinen Bekannten und Kollegen „nicht kommunikabel sind“. Und dass mich diese Erkenntnis zu einem „Doppelleben“ zwingt, in dem ich mich alles andere als wohl fühle! Wenn man einige Male unter Extrembedingungen (z.B. nach Tschernobyl oder in Wüsten) gecloudbustet hat, im Labor die Bioversuche und den Reichschen Bluttest nachvollzogen hat, jahrelang täglich einen selbstgebauten Orgonakkumulator benutzt und viele Jahre lang Orgontherapie gemacht hat, dann bewegen einen diese Erlebnisse natürlich. Um so schmerzhafter ist es aber – jedenfalls für mich -, all diese Dinge, Gedanken und Empfindungen nicht mit meinem Umfeld teilen zu können. Oder mit schulmedizinischen Internisten usw. in DEREN Sprache und DEREN wissenschaftlichen Paradigmata über Krankheiten „diskutieren“ zu müssen, obwohl ich doch aufgrund meiner Erfahrungen mit der Orgonomie – und hierbei insbesondere der Reichschen Theorien zu den „Biopathien“ – ein grundlegend anderes Verständnis vieler Krankheiten habe, das ich aber gegenüber diesen Leuten nicht KOMMUNIZIEREN kann, wenn sie keinen Zugang zur Orgonomie haben. Die würden mir entweder gar nicht erst zuhören – oder mich schlichtweg für verrückt oder einen „abgedrehten Freak“ halten, obwohl die Orgonomie doch in Wahrheit für das genaue Gegenteil von Esoterik steht.

    Das führt bei mir zu einer Art intellektueller Isolation (ähnlich wie in dem Beispiel von Dr. Schwartzman, das ich erwähnt hatte), unter der ich sehr leide. Mit niemandem an meinem Wohnort über meine Erlebnisse in der Orgonomie sprechen zu können, das tut sehr weh. Larmoyanz oder Arroganz empfinde ich dabei nun wirklich nicht. Eher macht es mich TRAURIG, dass ich mit fast niemandem über meine Erlebnisse, mein Wissen und meine Wahrnehmung der Orgonenergie sprechen kann. Den ACO-Orgonomen scheint es ja ähnlich zu gehen. Vermutlich sind Organisationen wie das ACO auch deshalb gegründet worden, weil man dort ENDLICH einmal „Gleichgesinnte“ trifft, mit denen man gemeinsame Themen hat.

    >>> Ich hoffe, dass ich weit davon entfernt bin, meine Einsamkeit auf ein Gesundheitsmaß zurückzuführen. Denn das kann ich mir tatsächlich überhaupt nicht anmaßen.

    Das hat Dir m.W. auch niemand unterstellt.

    >>> Bei mir ist es vielmehr so, dass mich Eigenbrödelei immer in Einsamkeit getrieben hat – übrigens auch innerhalb des Reichianismus, weil ich ja nach wie vor von der Nähe zu etablierten philosophischen Schulen nicht abrücke. Und es ist richtig, dass die Orgonerfahrung dann eine Art ‚Doppelleben‘ mit sich bringt. Denn darüber kann man mit ‚Normalen‘ eben kaum reden.

    Danke, dass Du Deine interessanten Erfahrungen mit uns teilst. Ich sehe da schon gewisse Berührungspunkte zu meinem eigenen Erleben.

    >>> Ich kannte in Berlin in meiner Straße eine viel ältere Frau, an die ich immer öfter denke: Ich lernte sie kennen, weil ich einen vorübergehenden Platz für meine vier nach Bedarf zusammenzuschiebenden ORAC-Wände suchte. Dass sie sich damals meldete, war natürlich schon interessant; aber dergeichen deutet erfahrungsgemäß immer auf ‚Eso‘ hin, also Yoga, Buddha u. dgl., und ein Stück weit war es auch so. Andererseits ist mir inzwischen klar geworden, dass ich mit ihr die interessantesten Gespräche meines Lebens geführt habe. Sie war als Regieassistentin in der DDR einer der nicht sonderlich prominenten ersten Unterzeichner des Protests gegen Biermanns Ausbürgerung gewesen, ihre Stasi-Erfahrungen und ganz klar nicht linke Position machte sie besonders, und ich vermisse sie heute sehr (Ich gehe zu 99% davon aus, dass sie tot ist).

    Ein gutes und eindrückliches Beispiel!

    Das erinnert mich an einen Aspekt des Reichschen Werks, der irgendwie untergegangen ist – bzw. jedenfalls kaum diskutiert wird.

    Genau wie Reichs „Arbeitsdemokratie“ kein theoretisches Konzept ist, das man „den Leuten beibringen“ müsste (Reich zufolge EXISTIERT die Arbeitsdemokratie bereits an vielen Orten – so z.B. in „funktional“ tätigen Firmen, wo gute, rationale und lebensnotwendige Arbeit geleistet wird), genau so GIBT es auch in gepanzerten Gesellschaften immer wieder einzelne „genitale Charaktere“, die nie eine Orgontherapie gemacht und auch noch nie von Reich gehört haben. Z.B. leben an meinem Wohnort sicher ein paar Hundert genitale Charaktere, die es irgendwie geschafft haben, in dieser kranken Gesellschaft gesund und unabhängig zu bleiben. Die Kunst besteht „nur“ darin, diese Menschen zu erkennen und zu finden.

    Vielleicht fällt die Dame, die Dich so beeindruckt hat, ja sogar in diese Kategorie. Wenn man Peter fragt, so nennt er als prominente Beispiele für genitale Charaktere gern den Schauspieler Sean Connery und die Musikerin Janis Joplin. Fallen Euch noch weitere Beispiele ein?

    >>> Worum es mir geht, ist etwas allgemeiner: Wo sind Leute, die etwas ernst nehmen und Risiken eingehen? In der DDR konnte eine Unterschrift wirklich gefährlich sein. Sie konnte geradezu ‚ein Leben zerstören‘. Das war Ziel der Stasi. Hier, bei uns, unterschreibt man dies und jenes (Campact u. dgl.), alles ist läppisch. Das hat irgendwie auch mit dem Orgon zu tun: Ich erlebe seit 30 Jahren, wie der eine oder andere vielleicht das eine oder andere Wärmegefühl oder Kribbeln bei ORAC-Varianten wahrnimmt. Aber es ist ihm dann egal! Längerfristig finde ich es seltsam, wenn einem das nur egal ist, denn die Erfahrungen können systematisch und nützlich sein.

    Da kann ich Dir nur voll zustimmen, Claus! Ich stelle mir dieselben Fragen.

    • Avatar von claus claus Says:

      „Wen meinst Du damit, Claus? Ich glaube, man würde Reich sehr unrecht tun, wenn man sein o.g. Audio-Dokument ‚ALONE‘ für die larmoyante Inszenierung eines Menschen halten würde, der sich „als einsame Besonderheit verklärt“. Ich habe Reich auch nie als einen arroganten Mann wahrgenommen.“

      Generell sehe ich das wohl auch so. Aber … aber … aber … na ja, Reich spielt öfter auf seine Einsamkeit an, und dann kommt manchmal die Erwähnung der großen Genies, Beethoven usw., die alle einsam waren, weil sie so groß waren. Das ist sicher viel Wahres dran. Doch es ist auch, sagen wir, 19.-Jh.-Geniekult. Ich glaube, dass er da schon ein bisschen in Klischees geriet, die zwar einen wahren Kern haben, aber auch schon lange Teil einer Kultur waren. Van Gogh etwa sehen wir heute so wie in dem Douglas-Film. Da muss man etwas aufpassen. Man bedenke, dass mancher Wahnsinn eher Syphilis war. (Sieh dir mal die letzten Fotos Schumanns an: Ich liebe Schumanns späte Musik, die Fotos sprechen allerdings eine deutliche Sprache.)

  54. Avatar von claus claus Says:

    Also, an der intellektuellen Isolation gibt es für mich keinen Zweifel.

    Noch, zum Geniekult – ich erwähnte Schumann. Das Bild, das ich vor allem vor Augen hatte, ist gar kein Foto, sondern eine Zeichnung. Aber wenn sie gelungen ist, dann ist der Eindruck schon heftig: https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Schumann#/media/Datei:03_Bonaventure_Laurens_Robert_Schumann.jpg

    Und noch zu Reichs Isolation: Ilse Ollendorff erwähnt seine Klavierimprovisationen, die wohl etwas kitschig oder pathetisch geklungen haben mögen. Auch falls Ilse O. ihre Erinnerungen recht kühl abgefasst haben mag oder hätte, mag einiges dran sein an ihrer Schilderung.

  55. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert,

    Danke für Deinen interessanten Beitrag. Ich finde solche Erfahrungsberichte hier sehr gut und lehrreich.

    Aufgrund der enormen Länge Deines Texts kann ich allerdings nur auf ein paar Punkte eingehen.

    >>> Da sehe ich überhaupt gar keinen direkten Zusammenhang, weil es betrifft eigentlich nur den akademischen Bereich und damit auch den öffentlichen Diskurs.

    Nun ja, ich kam darauf, weil Du als Antwort auf meine Frage nach der nachlassenden sexuellen Aktivität junger Menschen den Hinweis auf Foucault an die erste Stelle gesetzt hattest.

    >>> Der öffentliche Diskurs interessiert junge Menschen von sich aus nicht, wird jedoch durch den Bildungssektor vermittelt.

    Ich fürchte, da hast Du recht. Wohl noch kaum in der deutschen Geschichte war eine Jugend dermaßen unpolitisch. Was absurd ist, da es ja letztlich um DEREN trostlose ökonomische und gesellschaftliche Zukunft geht. Ich kenne leider kaum einen jungen Menschen, der jenseits des Nachplapperns der üblichen, „politisch korrekten“ und „woken“ Positionen eine wirkliche eigene politische Meinung hat.

    >>> Die nachlassende sexuelle Aktivität junger Menschen hat nach meiner Meinung auch mit dem gesellschaftlichen Klima zu tun, in dem halt durch Feminismus die gesunde Sexualität des jungen Mannes, wie soll ich sagen, ins Negative verschoben wird. Also Flirten und so weiter wird schon als toxisch angesehen und dass man vorher fragen muss, was die Frau will, also das Spielerische geht vollkommen verloren.

    Damit hast Du sicher einen ganz wichtigen Punkt angesprochen. Schon in MEINER Jugend, als „die Welt noch halbwegs in Ordnung war“, war ich öfters frustriert, wenn bestimmte Mädels ständig linke, feministische Sprüche klopften, sich dann aber einem absoluten Macho an den Hals warfen (von dem ich aus den „Jungs-Gesprächen“ in der Umkleidekabine der Turnhalle wusste, wie verächtlich er über Frauen denkt). Und wie Du schon sagst: dieses Problem dürfte heute noch viel schlimmer geworden sein. Man hört ja auch oft, dass muslimische Männer VOR der Ehe sehr viel charmanter sind als deutsche Männer und die jungen Frauen mit Blumen und viel „Romantik“ umwerben. Das böse Erwachen kommt für die Frauen dann aber erst NACH der Hochzeit.

    Da spielen sicher auch gewisse Widersprüche der weiblichen Sexualität mit hinein. Schon Reich hat darauf hingewiesen, wie unglaublich sexy es viele junge Frauen jeglicher politischer Couleur finden, wenn der Mann eine UNIFORM trägt – oder ein EK1 bzw. eine Auszeichnung wegen „Tapferkeit vor dem Feind“. Evolutionsgeschichtlich sollen Frauen erwarten, dass ein solch starker und mutiger Mann sie und die Kinder besser beschützt als ein vermeintlich schwächerer Mann. Ich hatte zwar immer schon gewisse Schwierigkeiten damit, heutiges Verhalten auf die Evolution zurückzuführen, aber vielleicht ist ja was dran…

    >>> Aber es betrifft eigentlich nur den biodeutschen Mann oder den westeuropäischen Mann, während die migrantische Jugend sich das herausnehmen darf, weil sie hat wieder den Bonus, dass ihre Kultur als heilig gilt und sie in dieser linken Wahnsinnsbubble als unterdrückte Minderheit angesehen wird, obwohl sie längst in der Jugend die Mehrheit ist.

    Das stimmt. genau wie Du, glaube ich auch, dass die muslimischen Männer viel weniger Probleme mit ihrer Männlichkeit haben als die biodeutschen – und dass die muslimischen Frauen ihre Weiblichkeit nicht so verleugnen wie rot-grüne deutsche Frauen.

    Ich würde sagen, die reiche Repressionstheorie ist die Theorie der muskulären Panzerung, während die Theorie der Macht, die ich eher als Theorie der Dekonstruktion bezeichnen würde, die Philosophie der Augenpanzerung ist.

    Eine höchst interessante Theorie. Was sagt Peter dazu?

    >>> Kritische Theorie, also alles kritisieren, alles dekonstruieren, also alles in Frage stellen und auch Naturgesetze, das ist die Theorie der Augenpanzerung. Wenn ich meinen Augen nicht mehr trauen darf, ob ich einen Mann oder eine Frau vor mir habe, oder wenn ich den Augen nicht mehr trauen darf, dass ein Apfel vom Baum fällt.

    Das klingt einleuchtend.

    >>> Noch etwas zu Foucault. Es ist wirklich kein Wunder, dass die Vertreter der Sexualitätstheorie – wie Foucault, aber damals auch Magnus Hirschfeld, der inzwischen bei uns die Hauptrolle spielt, homosexuell waren oder irgendwelchen Perversionen fröhnten. Man weiß ja auch, dass Kinsey extrem pervers war. Also diese ganzen Leute haben den Sexualitätsdiskurs bis heute bestimmt. John Money zum Beispiel. Und deswegen sind bei uns alle sexuellen Theorien durch diese kranken Naturelle bestimmt. Also wir wissen heute gar nicht mehr, was gesunde Sexualität ist. Reich war der einzige, der das erforscht hat. Und auch bei den Feministinnen, da las ich mal einen Artikel, der war höchst interessant, dass von denen viele sehr schwer kranke Frauenwaren. Viele waren in der Psychiatrie, viele waren magersüchtig oder auch drogensüchtig. Und die haben in ihrer Krankheit ein Modell der Männlichkeit entwickelt. Und das Traurige daran ist, dass dieses kranke Modell so verbreitet worden ist. Zum Beispiel Simone de Beauvoir, die Freundin von Jean-Paul Sartre, die praktisch für Sartre Zuhälterin spielte. Und diese ganzen Leute, die jetzt bei uns eine große Rolle spielen, waren alle sexuell krank und die haben ihre sexuelle Krankheit auf unsere Gesellschaft gespiegelt. Und das erklärt auch, warum heute sexuelle Perversionen Hochkonjunktur haben. Auch zum Beispiel in öffentlichen Medien, in den Filmen, im wissenschaftlichen Diskurs.

    Sehr guter und zutreffender Punkt, Robert! Von allen Sexualforschern, mit denen ich mich als junger Mann beschäftigt habe, war Reich tatsächlich der einzige, der für eine gesunde heterosexuelle Genitalität stand, während die anderen sich vorzugsweise für irgendwelche damals so genannten Perversionen interessierten.

    >>> Was du zu Tinder und den sozialen Medien schreibst, finde ich ganz interessant. Aber auch da möchte ich anmerken, dass diese Programme mit Dopaminbelohnung arbeiten. Sie haben einen ausgefuchsten Algorithmus und deswegen wird ein Suchtcharakter entwickelt. Und was du zu Tinder schreibst, würde ich sagen, passt nur zu einer ganz begrenzten Menge. Soweit ich weiss, sind nach Untersuchungen bei Tinder nur 20% erfolgreich. Die restlichen 80% sind abgeschlagen und finden da nie einen Partner.

    Die Zahlen kannte ich nicht. Die jungen Männer, die ich kenne, schienen alle bei TINDER recht erfolgreich zu sein. Aber vielleicht erwähnen sie gar nicht, wie oft sie sich eine Abfuhr eingehandelt haben.

    >>> Und auch Tinder arbeitet mit diesem Belohnungsmechanismus, den man durch Rattenversuche praktisch angefangen hat zu erforschen, dass Ratten immer auf eine Taste drücken mussten und dann eine Belohnung bekommen haben. Und dann ab und zu gab es mal keine Belohnung. Die Ratten haben aber trotzdem weiter versucht, die Tasten zu drücken. Und so ähnlich, nur viel ausgefuchster, basieren diese ganzen Dating-Apps.

    Stimmt. Lerntheoretiker und Verhaltenstherapeuten nennen das übrigens „intermittierende Verstärkung“. Und das Interessante ist in der Tat, dass intermittierende Verstärkung oft stärkere und langwierigere Abhängigkeiten erzeugt als kontinuierliche Verstärkung.

    >>> Eine andere Rolle, würde ich sagen, ich würde nicht das alles auf die sozialen Medien schieben, weil soweit ich weiß, durch Videos dieser ganzen Pick-up-Artists oder auch die Kurse, die die geben oder ihre Seminare, besteht da trotzdem eine grosse sexuelle Not bei jungen Menschen. Und es zeigt sich, dass die natürliche Sexualität in unserer Gesellschaft praktisch verteufelt wird, indem durch den Feminismus die natürliche Liebe zwischen Mann und Frau verteufelt wird, indem der Mann immer als potenzieller Vergewaltiger angesehen wird und der junge Mann auch extrem verunsichert wird. Und da hat jedenfalls der biodeutsche Mann einen extremen Nachteil gegenüber dem migrantischen Zuwanderer oder auch dem Migranten der dritten Generation, die grösstenteils ein Casanova-Bild in sich tragen.

    Da hast Du absolut recht.

    >>> Der Islam ist ja extrem sexualitätsfixiert und der Mann wird als sexuelle Bombe angesehen, so wie dieses Druckkesselmodell. Darum muss sich die Frau verschleiern. Und das ist für den Mann, ich sage es mal jetzt pauschal, viel besser als das heutige Modell, weil im Islam kann der Mann zu seiner Sexualität stehen, während er in der modernen westlichen Gesellschaft, jedenfalls der Einheimischen, dieser seine Sexualität total unterdrücken muss und dann praktisch durch soziale Medien oder durch Pornografie seine Befriedigung findet. Zweitens, auch durch die Presse und die Medien wird ja praktisch die Perversion gefördert. Ich denke nur an diese riesigen Veranstaltungen des Christopher Street Days, wo hier in Berlin praktisch Millionen hinkommen, also wo praktisch ein Kanal sich öffnet, wo man noch Sexualitätsinteresse zeigen darf. Normale Sexualität darf nicht mehr gezeigt werden. Und das ist auch, glaube ich, ein ziemlich starkes Zeichen, wie blockiert inzwischen normale Sexualität ist. Und auch in der Schule wird ja nicht mehr tanzen gelehrt, den Mädchen wird nicht mehr kochen beigebracht, durch den Feminismus wurde den Mädchen beigebracht, männlich zu sein. Und das ist ja auch abstoßend.

    Wie schon gesagt: das sind sehr wichtige Beobachtungen, und ich stimme Dir zu.

    >>> Und mir fällt immer wieder auf, wie hübsch Muslima, also muslimische Mädchen, also Jugendliche in den öffentlichen Verkehrsmitteln gekleidet sind. Eine Frau, die sich mit ihrer Weiblichkeit identifizieren kann, macht sich hübsch. Während viele deutschen Mädchen oder Frauen, aus meiner ganz persönlichen Sicht im Vergleich zu diesen Frauen anderer Kulturen, Muslimas, Ukrainerinnen, sehr hässlich aussehen, sehr hässliche Kleidung tragen, sehr hässliche, ganz hässliche Frisuren haben. Also das ist ein Unterschied wie, weiss ich nicht, Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Und ich sehe es nicht so, dass für die Jugendlichen so leicht wird durch Tinder und so weiter Beziehungen herzustellen. Dann noch ein Punkt, den selbst Wilhelm Reich mal benannt hat. Das gilt natürlich für die 20er Jahre, als er meinte, dass für Jugendliche das Ausprobieren auch ganz natürlich ist, dass man sich noch nicht auf feste Bindung festlegt, sondern so ein bisschen versucht, Erfahrungen zu sammeln mit mehreren Partnern.

    Ja. Wie ich oben schon sagte: junge Muslime beiderlei Geschlechts leiden nicht unter solchen sexuellen Identitätsstörungen wie junge biodeutsche Menschen.

    >>> Es mag ja sein, dass man in der Jugend mit Reich Kontakt hatte, aber was soll einem Reich und die Orgonomie bringen? Eigentlich gar nichts. Ich meine, gerade die ältere Generation hat doch gar kein Interesse mehr an sexuellen Fragestellungen. Und Reich hatte ja größtenteils sexuelle Fragestellungen. Also das, was in den 60er, 70er Jahren an Reich interessant war, war seine sexuelle Fragestellung, war die Sexpol-Bewegung.

    Nun ja, dass die Orgonomie sozusagen veraltet ist und den heutigen Menschen „nichts mehr bringt“, glaube ich nicht. es müsste halt eine „upgedatete“ neue Reichianische Bewegung sein, die in einer an die heutigen sozialen Verhältnisse angepassten Weise an die Menschen herantritt. DANN hätte die Orgonomie auch den heutigen Menschen m.E. noch viel zu bieten. Dass man mit 100 Jahre alten Reichschen Sex-Pol-Texten heute allerdings keinen mehr erreicht, ist schon klar.

    >>> Und daraus gab es dann Ableger, die man heute vergessen hat, wie zum Beispiel das ZEGG oder auch die Bewegung von Otto Mühl, AAO, Aktionsanalytische Organisation.

    Kenne ich. Ins ZEGG ist ja u.a. Bernd Senf nach dem Scheitern seiner Ehe mit Anja abgetaucht. Und als junger Mensch war ich in mehreren AAO-Kommunen und auch in anderen radikalen Polit-Kommunen, die es damals gab. Als Besucher natürlich, nichts als Mitglied. Die beiden Berliner Reichianer Jürgen Fischer und John Trettin waren früher ja sogar Pressechefs der AAO.

    >>> Das waren ja direkte Folgen der des reichen Interesses. Also entweder Praxis in der Kommune oder halt Psychotherapie und sexuelle Fragestellung. Und auch die ganzen Körpertherapien sind ja auch eine Folge der Welle, sind ja auch eine Folge der Reichschen Welle. Das wird heute vergessen. Das hat ja damals die jungen Leute angesprochen, die sexuelle Befreiung, aber das spricht ja heute niemanden mehr an.

    Wie gesagt, m.E. sind die sexuellen Probleme der jungen Leute heute GRÖSSR als damals. Die Orgonomie müsste also mit einem moderneren Ansatz auf die Leute zugehen, indem sie z.B. die Bedeutung der gesunden heterosexuellen Genitalität hervorhebt.

    >>> Und was du auch sagst, dass viele das Interesse an Reich verloren haben, ist natürlich richtig, weil Reich den Leuten gar nichts bieten kann.

    Das glaube ich nicht. Es rächt sich nun aber, dass die arrivierten „Alt-Orgonomen“ keine jungen Studenten angezogen hat, die auch die Sprache ihrer Altersgenossen sprechen. Ich würde sogar so weit gehen, dass die Orgonomie von ihrem Potential her die EINZIGE Lösung für die schweren ökologischen und gesellschaftlichen Probleme der heutigen Welt darstellt.

    Nur leider liegt sie brach, weil – ganz anders als in den 1980er und 1990er Jahren – kein qualifizierter Reichianer mehr öffentliche Vorträge zur Orgonomie abhält.

    >>> Und für mich bietet Reich ein Erklärungsmodell, wie sekundäre Triebe und so weiter, wie Orgon-Energie, die viele Sachen erklärt und auch das Erklärungsmodell für autoritäre und antiautoritäre Gesellschaften, ein Erklärungsmodell auch für den Zerfall der westlichen Kultur. Das ist für mich das Interessante an dem reichen Gedankengut. Natürlich bin ich natürlich auch mit den Sexpolschriften aufgewachsen und die haben in meiner Jugend mir am meisten Interesse verursacht. Es gibt noch diese eine politische Richtung, das war die Marxistisch-Reichistische Initiative, das ist heute der Bund gegen Anpassung. Das ist auch immer noch ein Ausläufer des reichen Interesses, auch der Studentenbewegung. Wir dürfen nicht vergessen, das Interesse an Wilhelm Reich fing ja durch die Studentenbewegung an. Und das war ja der Hauptantrieb. Gesellschaftlich gesehen, die Sexwelle ist nicht durch Reich entstanden, höchstens indirekt. Aber ich glaube, dass, sagen wir mal, die Sexwelle, die von den USA zu uns überschwappte, indirekt schon auch durch Reich ausgelöst wurde, indem Reich durch seine Schriften den Druck erhöht hat. Aber er hat nicht die Folgen gesehen, die seine Bücher auslösten.

    Okay, danke für deine Einschätzung, die ich natürlich respektiere. Ich selbst denke jedoch, dass die Orgonomie weit mehr zu bieten hat als bloß die sexuellen und politischen Themen. Wir reden hier schließlich von der primordialen, universellen Lebensenergie, die das Leben in uns und in der Natur steuert. Bist Du „nur“ über die politische und sexuelle Thematik zu Reich gestoßen?

    Ich möchte noch mal betonen, wie wichtig und wertvoll ich Erfahrungsberichte wie Deine halte! Ich würde mir hier viel mehr davon wünschen – auch von den anderen Bloggern.

  56. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Claus!

    >>> Generell sehe ich das wohl auch so. Aber … aber … aber … na ja, Reich spielt öfter auf seine Einsamkeit an, und dann kommt manchmal die Erwähnung der großen Genies, Beethoven usw., die alle einsam waren, weil sie so groß waren. Das ist sicher viel Wahres dran. Doch es ist auch, sagen wir, 19.-Jh.-Geniekult.

    Deine Beobachtung ist sicher zutreffend. Ohne den im Zuge der deutschen Romantik entwickelten Genie-Begriff wäre auch ein Adolf Hitler nicht denkbar gewesen. Die Frage ist nur, ob man Reich retrospektiv, knapp 100 Jahre später und mit dem Wissen von heute, einen Vorwurf daraus machen kann, dass auch er „ein Kind seiner Zeit“ war und sich jener Begrifflichkeit bediente, die damals halt „en vogue“ war. Wäre er 100 Jahre später geboren, würde man im Jahr 2.150 vielleicht über ihn sagen, dass er den niedlichen Enthusiasmus der social-media-Blogger und Influencer aus der Frühzeit des Internet VOR der K.I. verkörperte.

    Gut, ich gebe zu, dass dieser Vergleich ein wenig holprig klingt. Was ich aber für extrem wichtig halte, um Reichs ambitionierte Theoriebildung historisch zu kontextualisieren, ist folgendes:

    ERSTENS waren, wie ich hier schon mal erwähnt habe, Ärzte Anfang des letzten Jahrhunderts oftmals umfassend gebildete „Universalgelehrte“, bei denen es durchaus üblich war, sich auch fundiert zu anderen Gebieten der Wissenschaft zu äußern. Damals fand es niemand ungewöhnlich oder vermessen, wenn ein Arzt mit Graecum (und profunden Kenntnissen der griechischen Götterwelt usw.) und Großem Latinum auch zu Themen der Chemie, der Anthropologie oder der Philosophie publizierte.

    Sigmund Freud war hierfür ein glänzendes Beispiel. Wohl keiner wäre auf die Idee gekommen, nach dem Prinzip „Schuster, bleib bei Deinen Leisten“ Freud vorzuwerfen, er sei doch „nur Arzt“ und solle sich gefälligst auf die Behandlung von Patienten beschränken, statt auf Gebieten wie der Ödipus-Sage, der Religion (siehe z.B. Freuds Buch „Der Mann Moses und die monotheistische Religion“) und der psychischen Entwicklung von Kleinkindern zu dilettieren. Insofern fiel auch Reich mit seinen sehr „interdisziplinären“ Forschungen nicht groß aus dem Rahmen.

    Heute hingegen, wo die bekannten wissenschaftlichen Fakten sicherlich tausendmal so groß sind wie damals, ist es nahezu undenkbar, dass sich ein Arzt – wie Reich es tat – fundiert z.B. über soziologische, ethnologische, meteorologische, philosophische usw. Themen äußert, da ihm dazu schlichtweg die Expertise fehlt und die heutige Medizinerausbildung hochqualifizierte SPEZIALISTEN erzeugt.

    Ein heutiger Arzt, der z.B. Kardiologe oder Gastroenterologe wird, sieht sich allein auf diesen relativ kleinen Fachgebieten mit 50.000 Publikationen oder mehr konfrontiert. Da braucht es schon ein ganzes Ärzte-Leben, um auf diesen Untergebieten wenigstens halbwegs auf dem „state of the art“ zu bleiben, und solch ein Arzt hat deswegen noch nicht mal die Kapazität (von der umfassenden Bildung mal ganz zu schweigen), um sich mit interdisziplinären Forschungen zu beschäftigen.

    ZWEITENS muss man sich heute erst mal vergegenwärtigen, dass Anfangs des letzten Jahrhunderts fast JEDER Wissenschaftler in seiner jeweiligen Disziplin ein PIONIER war – einfach, weil fast alle Wissenschaften noch ziemlich am Anfang standen und das gesicherte Wissen noch sehr überschaubar war.

    Als Freud z.B. sein Buch über die „Traumdeutung“ vorbereitete, las er – um sich einen ersten Überblick zu verschaffen – erstmal SÄMTLICHE wissenschaftlichen Publikationen, die jemals zum Thema Traum erschienen waren. Das waren insgesamt damals vielleicht 38 Bücher und Abhandlungen weltweit, in die sich ein fleißiger Leser innerhalb weniger Wochen einarbeiten konnte, bevor er, darauf aufbauend, dann flugs seine EIGENEN Theorien zur Funktion des Träumens entwickeln konnte.

    Heute hingegen ist die „Schlafmedizin“ eine offizielle ärztliche Zusatzbezeichnung mit entsprechend langem Ausbildungsgang, und die zig hochmodernen Schlaflabore alleine in Deutschland liefern tagtäglich eine unglaubliche empirische Datenfülle zu den Themen Schlaf und Traum. Auch dazu gibt es vermutlich 20.000 Publikationen, weswegen Freuds „Traumdeutung“ heute gar nicht denkbar wäre.

    Wissenschaftshistorisch gesehen, lag es für einen Psychiater und v.a. einen „Psychoanalytiker“ in Reichs Generation ziemlich nahe, ein „Pionier“ zu werden, der ganz grundsätzlich neue Dinge entdeckt. Natürlich gab es, als Reich während seines Medizinstudiums an den psychoanalytischen Zirkel um Freud geriet, schon seit einigen Jahren Publikationen zur Psychoanalyse, doch waren diese recht unsystematisch, da die Psychoanalyse als Wissenschaft noch in den Kinderschuhen steckte. Reich war z.B. als Gründer des sogenannten „technischen Seminars“ (damals auch „Kinderseminar“ genannt) mit der Erste, der die Psychoanalyse als Behandlungsform evaluierte und systematisierte und die historisch wohl ersten Supervisions-Seminare in der Geschichte der Psychotherapie abhielt. Auch sein Standardwerk „Charakteranalyse“ war eine Novität, da sich zuvor noch kein Autor systematisch mit dem Charakter als Defensivstruktur beschäftigt hatte.

    Oder wenn wir Reichs soziopolitisches Engagement betrachten, muss man sich mal vor Augen halten, dass die russische Oktoberrevolution erst ein paar Jahre her war und Lenin noch lebte, als Reich sein Medizinstudium in Wien begann. Er verkehrte sozusagen in Kreisen von „Kommunisten der ersten Stunde“, und auch die KPF und KPÖ wurden damals erst gegründet. Schon ein paar Jahre später finden wir Reich, der in seiner „Massenpsychologie des Faschismus“ die historisch allererste wissenschaftliche Untersuchung über die damit verbundenen massenpsychologischen Phänomene publizierte – da war Reich wieder ein Pionier!

    Auch in anderen Fachgebieten, in die Reich vordrang, gab es erst sehr wenig spezifische Fachliteratur. Wenn ich richtig orientiert bin, publizierte z.B. sein Freund Bronislaw Malinowski die ersten wissenschaftlichen Feldstudien über Naturvölker überhaupt. Reich war also zeitbedingt von lauter PIONIEREN der Wissenschaft umgeben, wie z.B. Freud, Malinowski und Einstein, und da war es bei weitem nicht so schwer wie heute (wo sich z.B. ein Doktorand erst mal durch 100 Jahre Fachliteratur durcharbeiten muss, bevor er seine eigene These formuliert), etwas grundsätzlich Neues zu entdecken oder zu konzipieren.

    Hinzu kommt noch, dass im Gegensatz zu den heutigen Zeiten der absoluten (virtuellen) Reizüberflutung die Autoren aus Freuds und Reichs Generation noch „alle Zeit der Welt“ hatten, um Bücher zu studieren und eigene Bücher zu schreiben, ohne abgelenkt zu werden. Es gab noch kein Radio, keinen Fernseher, das Telefon steckte noch in den Kinderschuhen, da kaum jemand einen Anschluss besaß, keine Smartphones, keine Emails, SMSs und WhatsApp, kein FAX und kein Internet.

    Bernd A. Laska hat mal herausgefunden, dass selbst zu Zeiten, in denen Biographen ihn als „arm und ausgegrenzt“ bezeichneten, Freud niemals weniger als 4-5 Bedienstete in seinem Haushalt angestellt hatte; d.h., die Herren Doktoren mussten praktisch keine Zeit mit der Bewältigung des Alltagslebens verschwenden (es fällt mir, ehrlich gesagt, auch schwer, mir Professor Freud beim Lebensmitteleinkauf im Tante-Emma-Laden an der Ecke vorzustellen…), sondern konnten Ihre gesamte Kapazität auf den Beruf und auf ihre Forschungen verwenden.

    Will sagen, Reichs Nimbus als Universalgelehrter, der sich auch in andere Fachgebiete „einmischte“, wirkte damals bei weitem nicht so vermessen und „größenwahnsinnig“, wie es heute der Fall wäre.

    >>> Ich glaube, dass er da schon ein bisschen in Klischees geriet, die zwar einen wahren Kern haben, aber auch schon lange Teil einer Kultur waren. Van Gogh etwa sehen wir heute so wie in dem Douglas-Film. Da muss man etwas aufpassen. Man bedenke, dass mancher Wahnsinn eher Syphilis war. (Sieh dir mal die letzten Fotos Schumanns an: Ich liebe Schumanns späte Musik, die Fotos sprechen allerdings eine deutliche Sprache.)Also, an der intellektuellen Isolation gibt es für mich keinen Zweifel. Noch, zum Geniekult – ich erwähnte Schumann. Und noch zu Reichs Isolation: Ilse Ollendorff erwähnt seine Klavierimprovisationen, die wohl etwas kitschig oder pathetisch geklungen haben mögen. Auch falls Ilse O. ihre Erinnerungen recht kühl abgefasst haben mag oder hätte, mag einiges dran sein an ihrer Schilderung.

    Damit berührst Du ein Thema, das m.E. in den Diskussionen hier im Nachrichtenbrief viel zu kurz kommt. Es hat sowohl mit Reichs – von außen betrachtet – gigantischem Selbstbewusstsein als Entdecker und Theoriebildner zu, als auch mit seiner Isolation und großen Einsamkeit am Ende seines Lebens, die tragischerweise auch noch in einen frühen Tod im Zuchthaus kulminierte.

    Schaut mal, es gibt exakt ZWEI Alternativen, deren Beurteilung mit der Frage nach der Existenz der Orgonenergie steht und fällt.

    OPTION EINS:

    Reich war ein größenwahnsinniger und vermessener Spinner, der „einen auf dicke Hose machte“ und sich in seinen Publikationen abfeierte als den von den Schulwissenschaften verkannten „Entdecker der Lebensenergie“. Also ein totaler Spökenkieker, und kein Wunder, dass seine Entdeckungen und Theorien von den etablierten Wissenschaften nicht bestätigt wurden.

    OPTION ZWEI:

    Reich war in der Tat DER Entdecker der primordialen, universellen Lebensenergie „Orgon“, und alle seine diesbezüglichen Erkenntnisse und Theorien stimmen – einschließlich des Orgonakkumulator und des Cloudbusters und ggf. sogar noch der UFOlogie.

    Wenn DAS stimmt – und davon gehe ich aus -, dann muss es für Reich UNGLAUBLICH schwer gewesen zu sein, diese Entdecker- und Pionierrolle AUSZUHALTEN, ohne verrückt zu werden.

    Und DANN haben seine intellektuelle Isolation und seine große soziale Einsamkeit etwas ungemein Tragisches – auch ohne den historischen „Geniekult“, den Du anprangerst, Claus. Ich stelle mir vor, wie Reich in den 1950er Jahren in dem unendlich einsam gelegenen Orgonon sitzt (m.W. hatte er noch nicht mal Kontakt mit dem für Rangeley zuständigen Hausarzt, und andere Akademiker gab es wohl weit und breit nicht), spätestens nach dem ORANUR-Experiment von allen Schülern im Sich gelassen, und wie er sich dann sagt:

    „Verdammt noch mal, ICH bin der Entdecker der universellen Lebensenergie, but nobody cares. Ich sitze hier am Arsch der Welt, FDA und FBI ermitteln gegen mich, und ich werde bald jämmerlich zu Grunde gehen. Warum nimmt mich die wissenschaftliche Welt nicht ernst, warum vollzieht niemand die von mir publizierten Experimente nach und bestätigt sie – obwohl doch jeder Mansch auf der Welt die Orgonenergie SPÜREN kann?“.

    Da kann ich es dann schon verstehen, wenn Reich – wie Du, Claus, betonst- Zuflucht zu jenem „Geniekult“ der deutschen Romantik suchte, der ihm von klein auf vertraut war. Aber WAS hätte er anders tun sollen?

    Ich meine, WENN Reichs Entdeckungen und darauf aufbauende Theorien STIMMEN, dann sah es sich sicherlich als einen der größten Forscher aller Zeiten. Ich meine, was gibt es schon Ambitionierteres, als „DER ENTDECKER DER LIEBES- UND DER LEBENSENERGIE“ zu sein?

    Es übersteigt mein Begriffsvermögen mir vorzustellen, wie Reich mit dieser ganz enormen KOGNITIVEN DISSONANZ umgegangen sein muss, ohne völlig durchzudrehen.

    Mit „kognitiver Dissonanz“ meine ich den kaum auszuhaltenden eklatanten Widerspruch zwischen:

    a) Ich bin der Entdecker der universellen Lebensenergie und erforsche ihre Funktionsgesetze,

    und b) WENN dem so ist, WARUM um alles in der Welt hat kein anderer Arzt oder Naturwissenschaftler dieselbe Entdeckung gemacht – bzw. meine publizierten Experimente zu dieser Lebensenergie nachvollzogen und bestätigt?

    Damit komme ich zum Ende.

    Mich würde aber brennend interessieren, was IHR zu dem Ganzen meint?

  57. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    P.S.:

    JEDES menschliche Gehirn wird versuchen, zumindest ansatzweise eine ERKLÄRUNG für diese ansonsten „psychisch nicht aushaltbare“ kognitive Dissonanz zu finden, um nicht völlig verrückt zu werden.

    Und Reich hat – seiner Sozialisation und der kulturellen Stimmung in Wien und Berlin in den Anfangsjahrzehnten des 20. Jahrhunderts entsprechend – in seiner Verzweiflung halt auf den romantischen Nimbus des „verkannten Genies“ rekurriert. Um etwas zu „erklären“, was man sonst kaum erklären KANN.

    Ich frage mich deshalb, ob Reich überhaupt irgendein anderer, halbwegs plausibler „Erklärungsansatz“ zur Auflösung der kognitiven Dissonanz zur Verfügung gestanden hätte (außer natürlich, die Schulmediziner und Schulwissenschaftler seien halt „zu gepanzert“, um die Orgonenergie wahrnehmen zu können…)?

    Übrigens hat sich auch Reichs Zeitgenosse Hitler als „verkanntes Genie“ gesehen (das lag damals wohl im Trend der Zeit – als Folge der deutschen Romantik). Allerdings hat er für weit, weit weniger lebenspositive Ziele gekämpft als Reich.

  58. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Hallo Fantomas,

    ich möchte noch mal klarstellen, dass ich nicht gesagt habe, dass die Orgonomie veraltet ist, sondern ich habe gesagt, niemand kann damit etwas anfangen in seinem praktischen Leben. Also warum sollte sich irgendjemand dafür interessieren? Die Orgonomie hatte ja nicht das Interesse wie diese sexuelle Befreiung in der Studentenbewegung. Ich denke mal, das Interesse an Reich war einfach die sexuelle Befreiung, wie man die bewerkstelligen kann. Und darum hat die Studentenbewegung Reich aufgegriffen und daraus haben sich dann die Ableger entwickelt. Es gab ja mehrere Ableger. Erstens die Leute, die Körpertherapien benutzen, um Geld zu machen. Zum Beispiel wie die Wilhelm Reich Gesellschaft[en], die fast reine Körpertherapiegesellschaften sind und die damit ihr Geld verdienen wollen. Dann gab es natürlich auch diese praktischen Ableger wie der wie Aktionsanalytische Organisationen, das ZEGG, vielleicht auch noch Marxistisch-Reichistische-Initiative. Dann die Bhagwan-Bewegung, die wollten die sexuelle Befreiung praktisch leben. Und aber niemand von diesen ganzen Gruppen hat sich irgendwie für die Orgonomie interessiert. Die Orgonomie ist ja auch kein Orchideenfach, es ist überhaupt kein Fach. Und soweit ich weiß, werden nur Versuche von psychoorgone mit der Orgonomie gemacht. Aber sonst, gibt es praktisch nur ganz wenige Menschen, die sich damit überhaupt beschäftigen in ihrer Freizeit. Peter Robbins beschäftigt sich mit der Ufologie, dann James Memeo hat sich mit mehreren Aspekten beschäftigt, also mit den Orgon-Akkumulatoren und der Äthertheorie. Aber wie gesagt, es sind immer wenige Einzelne. Es hat sich nie etabliert. Und worauf es mir ankommt, ist, es gibt halt nichts, was die Masse daran festhält. Ja, das ist der springende Punkt.

    Bist Du „nur“ über die politische und sexuelle Thematik zu Reich gestoßen?

    Ich bin über einen Bekannten zu Reich gestoßen. Hatte mich vorher mit der Psychoanalyse beschäftigt und dann jemanden kennengelernt, der auch zu Hoppe damals noch Kontakt hatte. Und seine Freundin war auch Patientin von Hoppe und hat sich sehr gut entwickelt, wie ich später sehen konnte. Ich habe mir Anfang der 80er Jahre nach dem Buch von Boadella einen Orgonakkumulator gebaut.

  59. Avatar von claus claus Says:

    Hallo Fantomas, alles richtig. Es gibt allerdings etwas sehr Typisches in Reichs Selbstbild, das mich doch nervt. Neben meinem Bett liegt der Briefwechsel Reich-Neill. Das strengt nicht so an wie eine wiss. Publikation und, weil es Englisch ist, verblöde ich davon auch beim Zu-Bett-Gehen nicht völlig – das ist eine meiner Sorgen, wenn man kaum noch wissenschaftsinteressierten Umgang hat. In diesen Briefen ist von beiden Seiten immer wieder mehr oder weniger ernst oder ironisch vom ‚größten Entdecker‘ u.ä. bzw. ‚größten Lehrer‘ o.ä. die Rede. Das nervt mich durchaus. Ich habe doch den Eindruck, dass Reich sich in seiner Einsamkeit in etwas hineingesteigert hat. Wir wissen ja, dass „Lebensenergie“ als vitalistische Metapher nicht sonderlich neu war. Inwiefern Reich diese Metaphorik überwinden half, bedarf weiterer Klärung. Ich habe nicht den Eindruck, dass „Funktionalismus“ dabei besonders hilfreich ist. Viel wichtiger wäre erst einmal, Beobachtungen in möglichst engstem Sinne einerseits und theoriebildende Deutung andererseits parallel einander gegenüberzustellen. Am Beispel der SAPA: Es ist großartig, wie Reich lauter Beobachtungen zu Strahlungsphänomenen, elektrostatischer Ladung, Isolierbarkeit durch Materialanordnung, … nacheinander machte. Auf der anderen Seite stehen dann Deutungen zu Potentialdifferenz und zur Rolle des im ORAC Akkumulierten im Organismus, womit Reich wieder die Verbindung zur Charakteranalyse herstellte: ‚Vegetativ Lebendigere‘ reagierten in ORAC und z.B., was Gummihandschuhe auf dem Bauch betrifft, anders. Leser, die sich für das dabei Gefundene nicht wirklich interessieren (weil sie wahrscheinlich auch entsprechende Erfahrungen nicht kennen), werden sich nur auf die Stirn klatschen. Und diese Leser sind mir nicht völlig egal, solange ich noch ‚draußen‘ kommunizieren will. Übrigens: Wenn ich es richtig sehe, spielt P.N. in letzter Zeit öfter auf etwas ‚Phänomenologisches‘ bei Reich an. Ich würde einfacher sagen: Reich nimmt auf Wahrnehmungen Bezug, ohne sich sofort allzusehr um Messbarkeit zu kümmern. (Um die kümmert er sich natürlich auch, aber er ignoriert nicht, was nicht gemessen ist.) Das ist auch eine Qualität, die im Uni-Betrieb fehlt. Gerade durch den Popperismus ist die Berücksichtigung des Wahrgenommenen verschwunden. Als würde das eine das andere ausschließen und wüsste man nicht, dass man immer auch vorsichtig mit Ergebnissen sein muss.

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      „Gerade durch den Popperismus ist die Berücksichtigung des Wahrgenommenen verschwunden.“

      Kannst du mal erklären, was du damit meinst?

  60. Avatar von claus claus Says:

    Popper:
    Popper meinte, dass Wissenschaftlichkeit darin besteht, eine Theorie T anhand einer Testhypothese h zu testen. Und zwar gelte, dass T die Hypothese h impliziert (im Sinne von „nur dann, wenn“). Man teste also h , und wenn h falsch ist, ist auch T falsch (Falsifikation). Dafür ist h in der Regel etwas vollkommen Operationalisiertes. Daher gibt es für Popperisten zum Beispiel nicht das, was man üblicherweise unter „Bewusstsein“ versteht. Man muss stattdessen anhand einer Beobachtung sagen können: Der Proband konnte das-und-das beobachtbare Verhalten vollbringen. Je nachdem, wie der Test ausgeht, ist dann T wahr oder falsch. (Man kann allenfalls verschiedene statistische Signifikanzniveaus annehmen.)

  61. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Claus!

    Es gibt allerdings etwas sehr Typisches in Reichs Selbstbild, das mich doch nervt. Neben meinem Bett liegt der Briefwechsel Reich-Neill. Das strengt nicht so an wie eine wiss. Publikation und, weil es Englisch ist, verblöde ich davon auch beim Zu-Bett-Gehen nicht völlig – das ist eine meiner Sorgen, wenn man kaum noch wissenschaftsinteressierten Umgang hat. In diesen Briefen ist von beiden Seiten immer wieder mehr oder weniger ernst oder ironisch vom ‚größten Entdecker‘ u.ä. bzw. ‚größten Lehrer‘ o.ä. die Rede. Das nervt mich durchaus. Ich habe doch den Eindruck, dass Reich sich in seiner Einsamkeit in etwas hineingesteigert hat.

    Dein Unbehagen bzgl. Reichs „Selbstinszenierung“ verstehe ich durchaus. Trotzdem steht und fällt diese Einschätzung m.E. mit dem, was ich gestern hier schrieb.

    WENN Reichs Orgontheorie falsch ist, macht dieses Ironisch-Flapsige aus dem Reich/Neill-Briefwechsel („Record of a Friendship“) natürlich durchaus Sinn. Bernd Laska ging in Artikeln wie „Orgone Forgone“ und „Wilhelm Reich – ohne Freud, Marx, Orgon“ (zu finden auf der LSR-Website Wilhelm Reich im LSR-Projekt (ohne Orgon)) sogar davon aus, Reich habe die Orgontheorie sozusagen nur „erfunden“, um seiner EIGENTLICHEN LSR-Botschaft mehr Nachdruck zu verleihen.

    Wenn Reichs Orgontheorie hingegen richtig ist, ändert sich die Fragestellung dahingehend, wie ein Mensch damit leben kann (ohne verrückt bzw. größenwahnsinnig zu werden), DER Entdecker der universellen Lebensenergie zu sein, ohne dass die offizielle Wissenschaft das anerkennt?

    Und da behaupte ich nun mal, dass ihm nur zwei Optionen offenstanden, um diese schmerzhafte „kognitive Dissonanz“ (siehe meinen gestrigen Beitrag) irgendwie zu bewältigen:

    Erstens: sich den Traditionen der deutschen Romantik zuzuwenden, mit denen er aufgewachsen war, und sich als von einer feindlichen Umwelt „verkanntes Genie“ zu gerieren.

    Oder zweitens: die Nicht-Anerkennung der Orgontheorie durch die Schulwissenschaften dadurch zu „erklären“, dass deren Exponenten halt „zu gepanzert“ seien, um das Orgon in sich und in der Natur wahrzunehmen. Das ist jedoch gewissermaßen eine Tautologie, da Reich den einen eigenen Terminus „Orgon“ (bzw. dessen Nichtwahrnehmung) mit dem anderen eigenen Begriff „gepanzert“ erklärt.

    Du hast in „Record of a Friendship“ womöglich einen dritten „Abwehrmechanismus“ erkannt, nämlich den der Ironie – damit die „kognitive Dissonanz“ etwas leichter erträglich wird. Wobei ich da eine gewisse Skepsis habe, da Reich von allen Zeitzeugen als ziemlich humorlos beschrieben wird und gerade das Stilmittel der Ironie seinen Schriften eigentlich „wesensfremd“ war.

    Aber da Du ja gerade als Bettlektüre den Reich/Neill-Briefwechsel liest und ich das Buch hier nicht zur Hand habe, habe ich eine kleine Bitte an Dich, Claus! Irgendwo in diesem Briefwechsel findet sich nämlich eine hochinteressante Äußerung von Reich, die einen in unserer Diskussion doch ziemlich verstören muss.

    Sinngemäß schreibt Reich an Neill da etwa Folgendes:

    „Ich, Wilhelm Reich, bin der Entdecker der Lebensenergie und habe ihre Funktionsgesetze studiert. Ich weiß, wie das Orgon im menschlichen Körper und in der Natur funktioniert. Und ich beherrsche die Handhabung des Orgons so weit, dass ich damit das Wetter beeinflussen kann. Dies alles bedeutet Macht, und ich bin bereit, diese Macht auch anzuwenden“.

    Wie gesagt, das war „frei Schnauze“ und rein aus der Erinnerung an eine Jahrzehnte zurückliegende Lektüre formuliert. Ich wäre Dir daher dankbar, wenn Du das entsprechende Zitat findest und uns hier im Original-Wortlaut zur Verfügung stellst – dann können wir besser darüber diskutieren.

    Dass der orgonomische Wissenschaftsbegriff (der die subjektive Wahrnehmung der Orgonenergie-Phänomene nicht als Störfaktor betrachtet, sondern sogar zum Ausgangspunkt der Betrachtung nimmt) so ziemlich das Gegenteil des (neo)positivistischen und kritisch-rationalistischen Wissenschaftsbegriffs bzw. desjenigen von Popper ist, liegt auf der Hand.

    Interessant finde ich dabei, dass sogar in der „sterilen“ Physik – genauer gesagt, der Quantenmechanik – dem Einfluss des Beobachters, der einen Naturvorgang MISST, eine zentrale Bedeutung zukommt: ich kann entweder die genaue Lokalisation eines Teilchens messen ODER aber seinen Bewegungsvektor – aber nicht beides gleichzeitig, da die menschliche Messung selber einen Eingriff in den Naturvorgang darstellt und ihn verfälscht (ich muss die Bewegung anhalten, um den genauen Ort zu bestimmen). Man KANN den wissenschaftlichen Betrachter bzw. „Messer“ also gar nicht außen vor lassen.

    Oder, anders ausgedrückt (wenngleich es nach Solipsismus klingt, ist es nicht dasselbe wie Solipsismus…): wir wissen nicht, wie sich UNBEOBACHTETE Zebras in der afrikanischen Wildnis verhalten – wir wissen nur, wie sich vom Menschen beobachtete bzw. gefilmte Zebras verhalten.

    Zum Schluss noch etwas, was einem heutigen deutschen Post-Kunden bei der Lektüre von „Record of a Friendship“ ins Auge springen muss. Neill hockte in den 1940er bis 1950er Jahren „am Arsch der Welt“ in irgendeinem entlegenen Dorf in Schottland. Und Reich hockte im absolut entlegenen Kaff Rangeley ebenfalls „am Arsch der Welt“ in einem anderen Erdteil.

    Trotzdem finden sich in dem Buch immer wieder Briefe, die von Neill am Dienstag abgeschickt und schon am Freitag derselben Woche von Reich beantwortet werden! Also maximal DREI TAGE Postlaufzeit von „in the middle of nowhere“ in Schottland bis zu „in the middle of nowhere“ in Maine, USA.

    Davon sollte sich die „Deutsche Post AG“ im Jahre 2026 mal eine Scheibe abschneiden! In der Stadt, in der ich lebe, kommt es oftmals vor, dass ich jemandem am Freitag einen Brief schicke, der am Montag immer noch nicht beim Empfänger angekommen ist. Um die 5 km Luftlinie innerhalb meiner Stadt zu überbrücken, braucht die Post heute also länger als es vor 80 Jahren gedauert hat, eine Luftlinie von 5.000 km zu überwinden.

    Zudem wurde die Post im damaligen Großbritannien ZWEIMAL pro Tag ausgetragen. Good old times!

  62. Avatar von claus claus Says:

    WR gibt einen Überblick über sein Wissen über OR am 3.10.47. Zu:

    „Ich, Wilhelm Reich, bin der Entdecker der Lebensenergie und habe ihre Funktionsgesetze studiert. Ich weiß, wie das Orgon im menschlichen Körper und in der Natur funktioniert. Und ich beherrsche die Handhabung des Orgons so weit, dass ich damit das Wetter beeinflussen kann. Dies alles bedeutet Macht, und ich bin bereit, diese Macht auch anzuwenden“.

    Da muss ich im Bett abends mal blättern.

    Ich muss ja sagen: Manchmal nervt Neill mich. „die Orgonen“ – war je die Rede von Partikeln? Aber nur er hat über lange Zeit mitbekommen, wie es um Reich stand. „I haven’t written for a long time simply because I did not know what to say to you” (29.1.57). Reich am 3.2.57: “I am extremely busy.”

  63. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Robert!

    >>> ich möchte noch mal klarstellen, dass ich nicht gesagt habe, dass die Orgonomie veraltet ist, sondern ich habe gesagt, niemand kann damit etwas anfangen in seinem praktischen Leben. Also warum sollte sich irgendjemand dafür interessieren?

    Das ist ja mal eine ziemlich gewagte Behauptung. Sie steht in großem Kontrast zu meiner eigenen Meinung. Anders als Du bin ich nach wie vor (oder besser: mehr denn je) davon überzeugt, dass die Orgonomie die EINZIGE Disziplin ist, die das Potential hat, die riesige gesellschaftliche und ökologische Notlage, in der sich die heutige Menschheit befindet, nicht nur zu verstehen, sondern auch zu „heilen“.

    Gerade Peter zeigt uns doch in Tausenden von tagtäglichen Beiträgen seit vielen Jahren immer wieder – und oft in brillanter Weise – auf, dass man die meisten psychischen, medizinischen, sozialen bzw. gesellschaftspolitischen und ökologischen Probleme der Welt mit orgonomischer Begrifflichkeit besser verstehen kann als mit jeder anderen Denkrichtung.

    Dass die HEUTIGE Orgonomie die Menschen nicht mehr erreicht, ist leider selbstevident. Das liegt aber m.E. nicht am mangelnden Erklärungswert der Orgonomie, sondern schlichtweg an dem, was ich „fehlende Man Power“ genannt habe. M.a.W: Abgesehen vom ACO und unserem „einsamen Rufer in der Wüste“ Peter Nasselstein gibt es heute fast keine qualifizierten Reichianer mehr, die orgonomisches Wissen „ins Volk tragen“ würden, und auch leider fast keine orgonomischen Ärzte und Wissenschaftler mehr.

    Das war in den 1980er und 1990er Jahren noch anders, und m.E. hat man damals den großen Fehler gemacht, sich keinen in genügender Zahl vorhandenen Nachwuchs heranzuziehen.

    Mit die größten Probleme, die der Planet heute hat, sind a) die ungebremsten Migrationsbewegungen aus Saharasia raus und nach Europa rein und b) der traurige ökologische Zustand unserer Erde, der mit dem Begriff „Klimawandel“ nur unzureichend beschrieben wird.

    Zu BEIDEN großen Themen hat die Orgonomie sehr viel zu sagen und beizutragen. Nicht von Ungefähr wäre das Orgonomische Waldheilungsprojekt um ein Haar das größte Projekt geworden, was der B.U.N.D. in diesem Bereich finanziert hat. Beizutragen hat die Orgonomie viel z.B. durch DeMeo´s Saharasia-Theorie (die z.B. MEIN Verständnis der ganzen Migrationsbewegungen und des Islamismus ganz enorm bereichert hat) und durch den Themenkomplex orgonomische Wüstenforschung, Cloudbusting (alleine DeMeo´s Cloudbusting-Operationen in Eritrea, die er „desert greening project“ nannte, haben dort zu einer nachhaltig deutlich zunehmenden Vegetation geführt, die man noch heute auf Sattelittenbildern bewundern kann), Waldheilungsprojekt usw.

    Langer Rede, kurzer Sinn: wenn die heutige Orgonomie eine Bewegung wäre und in den diversen Forschungszweigen genügend kompetente Ärzte /Therapeuten bzw. Wissenschaftler hervorgebracht hätte, glaube ich durchaus, dass man mit einem „Kader“ von zunächst vielleicht 50 gut ausgebildeten Orgonomen (die am Besten alle selber in Orgontherapie waren) weltweit ziemlich viel bewirken könnte.

    Die öffentlichen Vorträge, die ich früher zur Orgonomie gehalten habe, waren sehr gut besucht und zählen mit zu den schönsten und lebendigsten Events, an denen ich in meinem Leben teilgenommen habe. Das war sogar noch bei meinem letzten Vortrag 2007 der Fall.

    Die Teilnehmer waren Feuer und Flamme und sind höchst bewegt mitgegangen. Die Diskussionen zwischen den Teilnehmern über orgonomische Themen waren hochinteressant. Bei keiner der ganzen Vorlesungen und Seminare meines Studiums waren auch nur ansatzweise solch eine Begeisterung und Anteilnahme der Hörer zu verspüren wie bei solchen Workshops zur Orgonomie, egal ob ich oder jemand anderes (wie z.B. DeMeo) sie leitete. Sowas würde ich mir auch HEUTE wieder wünschen.

    >>> Die Orgonomie hatte ja nicht das Interesse wie diese sexuelle Befreiung in der Studentenbewegung. Ich denke mal, das Interesse an Reich war einfach die sexuelle Befreiung, wie man die bewerkstelligen kann. Und darum hat die Studentenbewegung Reich aufgegriffen und daraus haben sich dann die Ableger entwickelt. Es gab ja mehrere Ableger. Erstens die Leute, die Körpertherapien benutzen, um Geld zu machen. Zum Beispiel wie die Wilhelm Reich Gesellschaft[en], die fast reine Körpertherapiegesellschaften sind und die damit ihr Geld verdienen wollen. Dann gab es natürlich auch diese praktischen Ableger wie der wie Aktionsanalytische Organisationen, das ZEGG, vielleicht auch noch Marxistisch-Reichistische-Initiative. Dann die Bhagwan-Bewegung, die wollten die sexuelle Befreiung praktisch leben.

    Da gebe ich Dir in fast allen Punkten Recht. Nur bezweifle ich, dass die Leute hauptsächlich wegen der „sexuellen Befreiung“ zu Reich kamen. Das mag für die Studentenbewegung und die von Dir aufgezählten Kommunen gegolten haben. Aber leider kommt uns da die bei Reich besonders verzwickte Quellenlage in die Quere! In der deutschen Studentenbewegung (APO, SDS usw.) lagen damals halt nur die Reichschen FRÜHSCHRIFTEN – also OHNE Orgon – vor, und die oft auch noch in schlechten Raubdrucken.

    Von den Reichschen Spätschriften (also der Orgonomie im engeren Sinne) erfuhr man als deutscher Leser erst, als etliche Jahre später Bernd Laska (siehe z.B. seine rororo-Monographie über Reich) sowie Verlage wie Kiepenheuer & Witsch in Zusammenarbeit mit Reichs amerikanischer Treuhänderin Mary Body Higgings auch Reichs in den USA entstandenen Texte zur Orgonomie verlegten.

    Ich kenne die amerikanische Reich-Szene ziemlich gut und kann daher sagen, dass die US-Reichianer (anders als die „studentenbewegten“ deutschen im Fahrwasser von 1968) in aller Regel NICHT wegen der sexuellen Befreiung zu Reich stießen, sondern vielmehr wegen der Orgonenergie-Theorie! Zumal die USA uns laut Reich in puncto Sexualökonomie damals weit voraus waren.

    Reich betonte immer wieder, dass die sexualökonomischen Verhältnisse in den USA der 1940er und 1950er Jahre (mit all den zurückkehrenden Kriegsteilnehmern und den wegen der Kriegswirtschaft vielen berufstätigen Frauen in den Großstädten) viel freier waren als in „old Europe“ und aus orgonomischer Sicht nicht viel zu wünschen übrig ließen. Dies lag laut Reich u.a. auch an der sogenannten „factual marriage“, also der „Ehe ohne Trauschein“, die zumindest in den Städten gang und gäbe war. Reich konnte in den USA mit seiner Geliebten zusammenleben oder im Hotel ein gemeinsames Doppelzimmer mieten, ohne dass ein Hahn nach dem Trauschein schrie.

    Dagegen hat mir ein prominenter deutscher Reichianer mal erzählt, dass er hierzulande noch bis in die 1970er Jahre hinein immer zwei billige Trauringe in der Tasche mit sich trug, weil es ohne diese verdammt schwer gewesen wäre, mit einer Geliebten überhaupt ein Doppelzimmer mieten zu können (wegen des „Kuppelei-Paragraphen“ usw.). Die 1950er Jahre unter Adenauer in der BRD waren in sexueller Hinsicht sehr viel prüder und restriktiver, als es die USA im selben Zeitraum waren. Ich bestreite also, dass die amerikanischen Reichianer hauptsächlich wegen der sexuellen Emanzipation zu Reich stießen – es war wohl eher wegen der Orgontheorie.

    >>>Und aber niemand von diesen ganzen Gruppen hat sich irgendwie für die Orgonomie interessiert. Die Orgonomie ist ja auch kein Orchideenfach, es ist überhaupt kein Fach. Und soweit ich weiß, werden nur Versuche von psychoorgone mit der Orgonomie gemacht. Aber sonst, gibt es praktisch nur ganz wenige Menschen, die sich damit überhaupt beschäftigen in ihrer Freizeit. Peter Robbins beschäftigt sich mit der Ufologie, dann James Memeo hat sich mit mehreren Aspekten beschäftigt, also mit den Orgon-Akkumulatoren und der Äthertheorie. Aber wie gesagt, es sind immer wenige Einzelne. Es hat sich nie etabliert. Und worauf es mir ankommt, ist, es gibt halt nichts, was die Masse daran festhält. Ja, das ist der springende Punkt.

    Ja, das stimmt leider – und darunter leide ich sehr!

    >>> Ich bin über einen Bekannten zu Reich gestoßen. Hatte mich vorher mit der Psychoanalyse beschäftigt und dann jemanden kennengelernt, der auch zu Hoppe damals noch Kontakt hatte. Und seine Freundin war auch Patientin von Hoppe und hat sich sehr gut entwickelt, wie ich später sehen konnte. Ich habe mir Anfang der 80er Jahre nach dem Buch von Boadella einen Orgonakkumulator gebaut.

    Interessant. Hast Du damals auch mal erwogen, selber eine Stunde bei Dr. Hoppe in München zu vereinbaren?

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      Hallo Fantomas,
      ich denke, alles Wichtige ist gesagt. Danke für deine Anregung zu dieser Diskussion. So etwas hat hier sehr gefehlt.
      Fragen zu meiner Person möchte ich nicht in der Öffentlichkeit beantworten.

  64. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Hallo Claus!
    Es wäre mir wirklich sehr wichtig, wenn Du das entsprechende Zitat finden und freundlicherweise hier reinstellen würdest.

    Glaub mir, es lohnt sich – und würde unsere Diskussion hier sehr bereichern.

    Ich glaube, das Zitat endet mit „Das bedeutet Macht! und ich bin jederzeit bereits, diese Macht gegen die Feinde des Lebens einzusetzen“. Oder so ähnlich.

    Man muss natürlich auch den historischen Kontext berücksichtigen – deswegen wäre auch das DATUM des Briefs wichtig.

    Wie Ihr vielleicht wisst, hat Reich der US-Air Force während des Korea-Kriegs mitgeteilt, dass er (ORANUR-Experiment) an einem Mittel zur Immunisierung der US-Soldaten gegen Radioaktivität arbeitet. Weil man befürchtete, dass die UdSSR von ihren Atombomben Gebrauch machen könnte.

  65. Avatar von Fantomas Fantomas Says:

    Und das vollständige Zitat bzw. der ganzen Absatz?

  66. Avatar von claus claus Says:

    Hallo Fantomas,

    ich habe den ganzen Brief mit bibliografischen Angaben fotografiert und als Mailanhang weggeschickt.

  67. Avatar von claus claus Says:

    Mir fällt ein:

    „Schaut mal, es gibt exakt ZWEI Alternativen, deren Beurteilung mit der Frage nach der Existenz der Orgonenergie steht und fällt.

    OPTION EINS:

    Reich war ein größenwahnsinniger und vermessener Spinner, der „einen auf dicke Hose machte“ und sich in seinen Publikationen abfeierte als den von den Schulwissenschaften verkannten „Entdecker der Lebensenergie“. Also ein totaler Spökenkieker, und kein Wunder, dass seine Entdeckungen und Theorien von den etablierten Wissenschaften nicht bestätigt wurden.

    OPTION ZWEI:

    Reich war in der Tat DER Entdecker der primordialen, universellen Lebensenergie „Orgon“, und alle seine diesbezüglichen Erkenntnisse und Theorien stimmen – einschließlich des Orgonakkumulator und des Cloudbusters und ggf. sogar noch der UFOlogie.“

    Das sind nicht die einzigen Optionen. Man kann die Persönlichkeit Reichs durchaus egal sein lassen und sollte das sogar tun, wenn es um wiss. Argumentation geht. Dann kümmert man sich nur darum, INWIEFERN Reich WAS entdeckt hat. Wenn man das herausgearbeitet hat, kann man Stück für Stück ergänzen, was die Entdeckung/en Reichs mit Persönlichkeit zu tun haben. Sicher kann nicht jeder das entdecken. Der Begriff ‚Genie‘ ist da bestimmt nicht hilfreich. Also: Charakteranalyse, Orgasmusreflex, Bione, SAPA, Phänomene im Kasten aus Glaswolle/Stahlwolle, … Es wäre eine Rekonstruktionsarbeit, die ich – das gebe ich zu – immer nur hier andeute; aber ich hoffe, das mehr daraus wird. Aber leider verfüge ich ganz und gar nicht über Universalbildung; da ist vielleicht PN näher dran. Allerdings, wie ich immer betonte: Philosophie des 19. Jh. bringt nicht weiter, wenn es darum geht, eine Argumentation zu rekonstruieren.

    • Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

      Ich fragte mich, ob Reich größenwahnsinnig war, als er in seinem Tagebuch schrieb (Where’s the truth?: letters and journals, 1948-1957), er hätte mit seinem „Christusmord“ die Soziologie auf eine neue Stufe gehoben.
      Das Buch gehört m. E. zu seinem unverständlichsten Werk. Ich möchte nicht bezweifeln, dass er das wirklich so sah, aber die Außenwirkung des Buches war eher bescheiden.

  68. Avatar von claus claus Says:

    Weil PN hier solch ein schönes Forum bietet, will ich eben einen anderen Strang aufgreifen, den ich selbst fortgesponnen hatte. Er betrifft den Geniekult mit seinem Klischee von ‚Genie und Wahnsinn‘. Von Freud soll ja der Spruch stammen, manchmal sei eine Banane nur eine Banane. Der große CLAUS sagt: „Manchmal ist Wahnsinn nur Syphilis.“ Das dürfte oder könnte einfach zutreffen auf Großkopferte wie Nietzsche (ich konnte nie seeehhrr viel mit ihm anfangen) oder Schumann. Aber der schlechthin Durchgeknallte, das Paradebeispiel des Wahnsinns, interessiert hier dem Anschein nach wenige: Hölderlin. Nur ein Dichter, kein Wissenschaftler, und als Philosoph nicht so ernst wie Hegel, mit dem er aber wohl die ersten programmatischen Gedanken entwickelt hat (zusammen mit Schelling). Bei Hölderlin ist Syphilis sehr unwahrscheinlich. Er wurde mit seinem Wahnsinn alt. Da könnte man schön etwas verklären. Denn es liegt nahe, dass sein Wahnsinn mit dem Tod seiner geliebten ‚Diotima‘, Susette Gontard, zu tun hatte. Schizophrenie? Keine Ahnung. Jedenfalls nicht Syphilis.

  69. Avatar von claus claus Says:

    Ich habe mal die KI gefragt. Für Sichten über die aktuellere Forschungsmeinung ist die ja ganz ok. „Fazit: Während bei Nietzsche vieles gegen Syphilis spricht, gilt sie bei Schumann aufgrund seiner eigenen Aufzeichnungen als wahrscheinlich, war aber höchstwahrscheinlich mit einer schweren bipolaren Störung überlagert.“ Tja, man muss sich da tatsächlich die Fälle genauer ansehen. Mir ging es ursprünglich ja nur darum, welchen Mythos Reich mehr oder weniger fortsponn: das große Genie zerbricht an seiner Umwelt. Und nur Genies verstehen Genies und haben mehr Kontakt zur OR. Das ist etwas, was mich oft nervt, und dazu passen Schilderungen von Ollendorff. Ich bezweifle nicht, dass Reich einsam war und kaum jemand Kontakt zu seiner Forschung hatte. Merkwürdig finde ich dabei, wie wenig Kontakt auch Leute hatten, die manches hautnah miterlebt haben, v.a. Ollendorff. Ich kann doch nicht mit dem ORAC arbeiten, Bione beobachten, sogar die Wirkung des CBs sehen … und mich dann als Sozialarbeiter engagieren, ohne je wieder nach dem zu fragen, was da passiert ist. Das verlinkte Interview mit Eva weist darauf an, dass sie das Erlebte nie vergessen hat – sie war nur leider naiv in ihrem Antiamerikanismus und ihrer Nähe zur WRG.

  70. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    Flaig:

    Sklavenjagd und Menschenhandel unterm islamischen Halbmond – PI-NEWS

  71. Avatar von claus claus Says:

    Noch eben zu Popper und seinem Falsifikationismus (Robert hatte hier irgendwo nachgefragt, Fantomas ging kurz darauf ein): Ich weiß nicht wirklich, was es bedeutet, Popper hier ‚Mechanismus‘ vorzuwerfen. Für mich ist eher wichtig zu betonen, dass auch in Wissenschaft die Annahme verschiedener Plausibilitätsgrade erlaubt sein sollte. Nicht nur Messergebnisse zählen, mit denen eine Testhypothese und dadurch wiederum eine Theorie widerlegt würden. Vielmehr haben Beobachtungen verschiedenster Art jeweils ihre Plausibilität, wenn auch mit jeweils verschiedener Stärke. In einem Netz von Beobachtungen gewinnen Annahmen jeweils mehr oder weniger Plausibilität. Man muss schon kritisch sein. Denn natürlich kann man sich manches einbilden.

  72. Avatar von claus claus Says:

    Wollte ich eben im Diskussionsbereich bringen, aber das ging es nicht:

    Bei aller Distanziertheit ist Ollendorff in ihrem Buch nicht ohne Haltung. Das wird etwa in ihrem Brief an Neill vom 9.12.48 deutlich, in dem sie sich über Angriffe von Ärzten äußert. Sie stand auf Reichs Seite – auch wenn ich nicht weiß, was oder wie viel ihr die Erfahrung mit dem Orgon bedeutete. Das Buch ist jedenfalls eine Fundgrube und liegt nun auch neben meinem Bett.

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