Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, a. Reich und die moderne Psychiatrie

Peter Nasselstein: Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, a. Reich und die moderne Psychiatrie

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13 Antworten to “Orgasmusfunktion und Arbeitsdemokratie: 1. Wilhelm Reich, a. Reich und die moderne Psychiatrie”

  1. Avatar von Robert Robert Says:

    Am 31.8. war im Fundus-Antiquariat (Berlin) eine Veranstaltung von Psychoanalytikern zu den Bücherverbrennungen und Wilhelm Reich. Vortragender war Andreas Peglau.
    Fazit war, dass Reich neben Anna und Sigmund Freud die Einzigen waren, deren sämtliche Werke im Hitlerfaschismus verboten waren.
    Das Interesse war überraschend groß, der Raum war eng gefüllt (etwa 30-40 Personen).
    Die anschließenden Fragen zeigten, dass große Unwissenheit und die übliche Vorurteile vorhanden waren.

  2. Avatar von Andreas Peglau Andreas Peglau Says:

    Korrektur zur obigen Angabe von Robert:

    Tatsächlich ist es so, dass – soweit nachweisbar – nur Bücher von 4 Psychoanalytikern (z.B. Individualpsychologen also nicht mitgerechnet) im Mai 33 von den Nazis verbrannt wurden:

    Anna Freud, Sigmund Freud, Wilhelm Reich, Siegfried Bernfeld.

    Und ebenfalls nur bei 4 Psychoanalytikern wurden „Sämtliche Schriften“ von den Nazis verboten:

    Anna Freud, Sigmund Freud, Wilhelm Reich, Wilhelm Stekel.

    Das heißt auch: Nur gegen 3 Psychoanalytiker setzten die Nazis das Gesamtrepertoire der Bücherverfolgung ein = Verbrennung + Komplettverbot:

    Anna Freud, Sigmund Freud, Wilhelm Reich.

    Freundliche Grüße

    Andreas Peglau

  3. Avatar von Robert Robert Says:

    Noch eine Frage an Andreas Peglau.
    Werden Ihre Ergebnisse irgendwann publiziert?

  4. Avatar von Andreas Peglau Andreas Peglau Says:

    Ja, vermutlich im Oktober – in einem Sammelband zur NS-Bücherverfolgung: „Verfemt und verfolgt“, herausgegeben von Werner Treß und Julius Schoeps.
    A.P.

  5. Avatar von Robert Robert Says:

    Am Tag nach der Veranstaltung fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es war etwas, an das ich mich nicht erinnern konnte, obwohl ich wusste, es wäre wichtig und hätte unbedingt gesagt werden müssen. Die Tatsache, dass WR mehrere Bücherverbrennungen in den USA erlebt hatte, und zwar 1957 und 1960 auf Anordnung des Gerichts.
    Vermutlich wollte ich unbewusst die Auseinandersetzung mit den Psychologen vermeiden, die dann ihre eingestanzten Vorurteile und Dummheiten über Reichs „Verrücktheiten“ und „Spinnereien“ zum besten gegeben hätten.

  6. Avatar von Andreas Peglau Andreas Peglau Says:

    Auch in dem schon erwähnten Artikel wird dieser Zusammenhang – die verschiendenen Verbrennungen – auftauchen.
    Aber noch was anderes: Was Sie da im letzten Absatz über „die“ Psychologen und ihre Vorurteile schreiben, klingt für meine Begriffe sehr nach Vorurteil (mal ganz abgesehen davon, dass ich auch Psychologe bin). Aber mit Pauschalisierungen, Schwarz-Weiß-Denken und Feindbildern kommen wir nicht weiter, denke ich.
    Andreas Peglau

  7. Avatar von Robert Robert Says:

    @Andreas Peglau
    Da muss ich Ihnen jedoch widersprechen. Ich beschäftige mich seit 1976 mit Wilhelm Reich und habe fast jegliches deutschsprachiges Buch zum Thema gelesen. In fast sämtlichen Büchern von Psychoanalytikern wird Reich als verrückt bzw. schizophren angesehen und sich nicht mit seiner biophysikalischen Forschung auseinandergesetzt. Und auch bei Reichs Ausschluss wird bis heute gelogen und die Wahrheit verdreht, lesen Sie nur Michael Schröters Aufsatz in der Psyche, 52. Jahrgang, Heft 2, Februar 1998, der ein Paradebeispiel dafür ist.
    Auf ihrer Veranstaltung war es auch zu hören, aber wohl zu weit von Ihnen entfernt. Auf die wichtige Frage, warum Reich trotz aller Verfolgungen bis nach Oslo soviel Energie hatte, wieder was neues aufzubauen, meinte ein Psychoanalytiker eine Stuhlreihe vor mir in hämischen Ton „Er hatte doch seine Orgonakkumulatoren“, begleitet von einem breiten Grinsen seiner Kollegin. Dazu wäre zu sagen, dass der Orgonakkumulator erst 1940 erfunden wurde.
    Übrigens sind Sie der korrekten Antwort ausgewichen, ich erspare mir über die Gründe zu spekulieren. Hätten Sie gesagt, dass Reich wegen seiner orgastischen Potenz und seinem befriedigenden Sexualleben dazu in der Lage war, hätten Sie nur schallendes Gelächter geerntet.

  8. Avatar von Jean Jean Says:

    Zitat: „Beispielsweise entspannen sie sich nicht etwa in einer angenehmen und freundlichen Umgebung, sondern werden noch mißtrauischer, noch depressiver, noch ängstlicher, etc. “
    Bei Frühtraumatisierung verbunden mit Sexualunterdrückung ist der Leidensdruck sehr hoch; jede Umgebung, die nicht repressiv (z.B. offen und freundlich) ist, wird das Leiden in Teilen zum Ausdruck kommen lassen. Ein Alltagsbeispiel sind für mich die Menschen, die auf ein freundliches „wie gehts?“ ein ausladendes Lamento anstimmen. Sie tun mir leid, aber ich möchte fliehen, weil Verständnis oder auch Ratschläge für die genannten Probleme meist keine Änderung bewirken.
    Im Artikel von Crist über Familientherapie war für mich dieses Zitat sehr wichtig:
    „Es scheint, daß manchmal in der Tat die Beziehungen eines Menschen Hauptort seiner Neurose ist.“
    Wenn also die Arbeits- und Liebesbeziehungen nicht verändert werden, kann keine Heilung stattfinden (im Sinne einer klaren Bejahung des Lebens). Wie soll ich repressive Arbeitssituationen oder „klammernde“ Beziehung ändern, ohne mich zu wehren und in Konflikte zu gelangen?
    Ich weiß, dass Sie, Herr Nasselstein, die Standpunkte von Erich Fromm als „desexualisiertes Plagiat“ bezeichnen, und kann ihnen hierin auch in Vielem zustimmen. Doch denke ich, dass seine Haltung ein Appell sein kann, sich gegen die uns neurotisch erhaltenden Beziehungen zu wehren, um aus Verstrickungen herauszukommen. Als richtig sehe ich, dass bei frühen Beslastungen und unglücklicher Sexualität es viel schwerer ist, die Konflikte und Ängste einer solchen Veränderung durchzustehen.

  9. Avatar von Klaus Klaus Says:

    Wer ist das, der immerhin so korrekt ist? Habe mal auf Geuters Seite der Uni Marburg nachgesehen. Er weist auch auf Elsa Gindler hin, mit der wiederum Elsa Lindenberg zu tun hatte – wohl nur von historischem Interesse. Der ORAC ist immerhin das Dingens, mit dem eine Realität dessen, wovon sonst eher nur metaphorisch die Rede ist (‚Energieströme‘), am besten nachgewiesen werden kann.
    Was Reichs Tod betrifft, kursiert sowohl, er habe Krebs gehabt, als auch, er habe sich umgebracht. Man biegt sich alles zurecht. Manchmal höre ich auch, er habe sein Labor radioaktiv verseucht, was wohl irgendwie auf Gelesenes mit Bezug auf ORANUR zurückgeht.

  10. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    Das populärwissenschaftlichen Magazins P.M. machte vor einigen Jahren mit der Überschrift auf „Das Geheimnis der kosmischen Lebensenergie“. Im ersten Absatz wird der „umstrittene österreichische Psychologe Wilhelm Reich“ abgehandelt:

    Albert Einstein war nicht nur ein genialer, sondern auch ein höflicher Mann. Am 13. Januar 1941 empfing der Nobelpreisträger in seiner Wohnung in Princeton (USA) den umstrittenen österreichischen Psychologen Wilhelm Reich (1897–1957). Der war kurz zuvor wegen seiner spleenigen Ideen aus der Psychoanalytischen Vereinigung ausgeschlossen worden und wollte nun den großen Physiker um seine Meinung zu seinem »Orgon-Akkumulator« bitten. In diesem von ihm erfundenen Experimentierkasten glaubte Reich, der geheimnisvollen und von ihm so benannten Energie »Orgon« auf die Spur gekommen zu sein, die jeden Menschen durchströme und die er als einen Lichtschein sichtbar machen könne. Einstein musste ihn leider enttäuschen: Zu sehen seien nichts als subjektive Empfindungen, beschied er. Reich nahm sich später das Leben, immer noch fest davon überzeugt, mit Orgon die »Lebensenergie des Kosmos« sichtbar gemacht zu haben.

    http://www.pm-magazin.de/a/die-kosmische-lebensenergie

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