Posts Tagged ‘Verdrängung’

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 2

8. Januar 2019

orgonometrieteil12

2. Modell, Funktionsschema, orgonometrische Gleichung

Über Panzerung, Krieg und Frieden* (Teil 1)

14. August 2018

von Paul Mathews, M.A.**

Das Problem des Krieges hat die Menschheit im Laufe der Geschichte heimgesucht. Krieg im Sinne von Massen von Individuen, die sich im Kampf auf Leben und Tod gegenüberstehen, entstand wahrscheinlich mit den ersten menschlichen Gemeinschaften, in denen die bloße Familienidentifikation zum Clan, Stamm und Dorf erweitert wurde. In der mesolithischen Periode (8000 v. Chr. – 4000 v. Chr.) wurden bessere Werkzeuge und Waffen entwickelt, was zu Überschüssen an Nahrungsmitteln, Werkzeugen und Schmuck führte. Dies wiederum führte zum Handel mit anderen Gemeinden und Dörfern. Hayes und Hanscom erklären (4): „Zur Verteidigung seines eigenen Besitzes lernte der Mensch Befestigungen anzulegen und bei Angriffen auf die Dörfer seiner Nachbarn verbesserte er seine Kampfmittel und -techniken.“ Das Wachstum von Städten, Staaten und Nationen produzierte Kriegerklassen, deren Funktion sowohl defensiv als auch aggressiv war, abhängig von den Erfordernissen, die mit ihren Loyalitäten und ihren persönlichen Ambitionen verbunden waren. Schließlich ermöglichte die industrielle Revolution eine Technologie, die immer umfangreichere und zerstörerische Kriege mit zunehmender Entpersönlichung hervorbrachte. In diesem Zusammenhang kann die moderne Guerillakriegsführung, abgesehen von ihren psychologischen strategischen Vorteilen, als ein Versuch weniger entwickelter Kräfte angesehen werden, den verheerenden Folgen einer hochentwickelten, technologischen Kriegführung auszuweichen.

In der Frühzeit erfüllten die Kämpfe zwischen einzelnen Männern und Stämmen eher die Kriterien des althergebrachten Totschlags (4). Das heißt, Töten und Krieg wurden von den unmittelbarsten und lebenswichtigsten Anforderungen des Überlebens motiviert. Die Entwicklung von höher entwickelten Mustern des Handelsverkehrs und der menschlichen Organisation fiel mit einer größeren Komplexität von Motivation und Verhalten zusammen, und Krieg wurde, wie Clausewitz (5) sagte, „eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit anderen Mitteln“.a „Politischer Verkehr“ hat jedoch eine viel breitere und tiefere Bedeutung als das bloße explizite Manövrieren für gesellschaftlichen Vorteil und Kontrolle. Freuds Werk macht klar, dass der Krieg aus Mechanismen unbewusster Motivation und aus kompensatorischen Antriebskräften resultiert, die auf Frustrationen der Triebe, insbesondere hinsichtlich sexueller Funktionen, beruhen. Reich legte später die bioenergetische Grundlage dieser Motive und Antriebe bloß. Freuds pessimistische Abhandlung über die Wesensart der Zivilisation (6) kam zu dem Schluss, dass Verdrängung, Sublimierung und Kompensation die notwendigen und sinnvollen Kosten der „Kultur“ seien. Reich widerlegte natürlich dieses Heraufbeschwören der Erbsünde und demonstrierte, dass die menschliche Inhumanität auf sekundäre Triebe zurückzuführen ist, die durch die Repressionen einer neurotischen Zivilisation geschaffen wurden (7). Wie die Dinge freilich liegen, ist politische Macht wahrscheinlich die ultimative Kompensation des Menschen und das Führen von Kriegen seine ultimative Waffe. Das liegt daran, dass sie dem Machthaber die größte Chance bieten, das Leben einer Vielzahl von Menschen zu manipulieren und zu kontrollieren, sowohl zu seiner eigenen Verteidigung als auch als Ventil für den Hass und die Destruktivität seiner unbefriedigten Bedürfnisse. Der emotionale Pestcharakter ist daher am anfälligsten, sich für seine todbringenden Aktivitäten auf dieses unübertreffliche Ventil zu konzentrieren. Expansionistische Kriege werden somit zum Vehikel, durch die zunehmende Kontrolle über immer größere Menschenmassen ausgeübt wurde. Natürlich werden die Gründe für diese Kriege als im Interesse dieses oder jenes Nationalstaates, menschlichen Befindlichkeit oder göttlichen Wesens stehend gut rationalisiert.

 

Fußnoten

* Dies ist der dritte in einer Reihe von Artikeln (1 und 2), die sich mit den Problemen des Menschen aus funktioneller Sicht befassen. Alle diese Artikel basieren auf Wilhelm Reichs Konzept „Der biologische Rechenfehler im menschlichen Freiheitskampf“ (3, S. 269-310).

** Orgonomischer Berater. Außerordentlicher Assistenzprofessor, New York University. Sprechkliniker und Oberschullehrer. Mitglied des American College of Orgonomy. [Anm. d. Übers.: Paul N. Mathews (1924-1986)]

 

Anmerkungen des Übersetzers

a Das Zitat wird von Mathews verkürzt wiedergegeben. Es lautet: „Der Krieg ist nichts als eine Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel, um damit zugleich zu behaupten, dass dieser politische Verkehr durch den Krieg selbst nicht aufhört, nicht in etwas anderes verwandelt wird, sondern dass er in seinem Wesen fortbesteht, wie auch die Mittel gestaltet sein mögen, deren er sich bedient.“

 

Literatur

1. Mathews, P.: „A Functional Understanding of the Modern Liberal Character“, Journal of Orgonomy, 1:138-48, 1967
2. Mathews, P.: „The Biological Miscalculation and Contemporary Problems of Man“, Journal of Orgonomy, 4:111-25, 1970
3. Reich, W.: The Mass Psychology of Fascism. New York: Orgone Institute Press, 1946. Farrar, Straus & Giroux (Noonday), 1970
4. Hayes, C.J.H. und Hanscom, J.: Ancient Civilizations, New York: Macmillan, 1968
5. Clausewitz, K. von: On War. Harmondsworth, Middlesex, England: Penguin, 1968
6. Freud, S.: Civilization and its Discontents. New York: Norton, 1962
7. Reich, W.: Character Analysis. New York: Orgone Institue Press, 1949

 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Charles Konia.
Journal of Orgonomy, Jahrgang 5 (1971), Nr. 2, S. 165-174.
Übersetzt von Robert (Berlin) mit Unterstützung von Peter Nasselstein

Der verdrängte Christus: 1. Kern, Gott und Über-Ich

3. Januar 2018

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DER ROTE FADEN:

1. Kern, Gott und Über-Ich

Peglau: Unpolitische Wissenschaft? (2013)

4. September 2016

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Peglau: Unpolitische Wissenschaft? (2013)
 
 

2009 schrieb David: „Im Neuheidentum des deutschen Nationalsozialismus brach sich das vegetative Leben abermals Bahn. Der vegetative Wellengang wurde von der faschistischen Ideologie besser erfaßt als von der Kirche.“

… und besser als von den Kommunisten / Sozialisten, deren Bewegung wie ich glaube ebenfalls „abgebogen“ wurde. Nicht erst Stalin, schon Lenin verbreitete die Ansicht, die „Arbeiter“ seien dumm und sie selber, die Bolschewiki, seien ihnen intellektuell – „Kopf“ – weit überlegen, sie seien die Elite, sie müssten daher die Arbeiter führen, müssten ihnen das kommunistische Bewusstsein injizieren anstatt des gewerkschaftlichen „trade-unionistischen“ Bewusstseins, das sie von sich aus hätten.

Dazu Peter: Man muß noch weiter zurück bis zu den Quellen. Ich zitiere aus meinem Der politische Irrationalismus aus Sicht der Orgonomie:

Nicht von ungefähr war „Zentralisation“ der Leitbegriff des Kommunistisches Manifests. Aus dem Wahn heraus der Geist, also ein Geist, könne alles überblicken, mußte sich logisch der Personenkult um das zentrale „Superhirn“ entwickeln (Marx, Lenin, Stalin, Mao, Castro, Abimael Guzman, etc.). Bereits in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie von 1844 sagt Marx in seinem typischen verquasten Stil, „der Kopf“ der „menschlichen Emanzipation“ sei „die Philosophie, ihr Herz das Proletariat“. „Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen (…) Die Philosophie kann sich nicht verwirklichen ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie“ (z.n. 26:93). Der „Masse“ fehle völlig, so Marx im Kommunistischen Manifest, die theoretische Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate ihrer Befreiung.

Das ist einer der Gründe, warum ich bei kommunistischer „Antifa“ säuerlich aufstoßen muß.

David: Theoretisch hatte z.B. Mao eine ganz gute Idee, nämlich die Sache mit den Dorf-Hochöfen. Eisen bzw. Stahl sollte dezentral hergestellt werden.
Tatsächlich ist dann etwas Unerwartetes geschehen. Es konnte nicht die gleiche Qualität hergestellt werden wie in den Stahl- und Hüttenwerken der Sowjetunion oder des Westens.
Hier kommen wir in ein Gebiet was möglicherweise allein mit der herkömmlichen Wissenschaft nicht so leicht erklärt werden kann. Gewisse Prozesse sind nur im Großen möglich, oder nur im Großen gelingen sie so gut wie wir sie kennen. So kann zum Beispiel Ammoniumnitrat im Labormaßstab nicht zur Explosion gebracht werden; es zerfällt bei Erhitzen LANGSAM zu Distickstoffoxyd (Lachgas). Dieselbe Reaktion aber trat in den zwanziger Jahren bei einem großen Chemieunfall bei der BASF explosionsartig ein.
Also muss jede / jeder, die / der die Welt verändern will, den Armen helfen will, usw., mit der Realität in Kontakt bleiben, wozu Kommunisten normalerweise nicht willens und vielleicht auch nicht fähig sind.
Eine Ausnahme mag vielleicht die Einführung der „Neuen Ökonomischen Politik“, das Wieder-Erlauben von privaten Kleinunternehmen durch Lenin sein. Offenbar begriff Lenin, dass mit einer reinen Zentralverwaltungswirtschaft eine ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Nahrung und anderen wichtigen Dingen nicht möglich ist.
Wie, wann und warum die NEP wieder abgeschafft wurde, ist mir nicht ganz klar, ich glaube aber es ist noch vor Übernahme der Macht durch Stalin, also noch unter Lenin gemacht worden. Offenbar ging Lenins Bereitschaft, sich nach der Realität zu richten, wieder verloren.

Peter: Mao hatte auch die gute Idee, alle Vögel in Peking von den Roten Garden töten zu lassen. Seine Überlegung war, daß sie zu viel Getreide aufpicken. Ergebnis war eine Insektenplage. Reich hat gegen derartigen Wahnsinn sein Konzept der Arbeitsdemokratie gesetzt: jene Leute bestimmen, die wirklich im Arbeitsprozeß drinstecken und deshalb abschätzen können, was passieren wird, wenn man eine Maßnahme ergreift. Lenin hat die NEP durchgesetzt, und die Maoisten haben später entsprechendes getan, weil das Land schlichtweg vor dem ökonomischen Kollaps stand. Man hat die Fachleute (die „Kapitalisten“) wieder gewähren lassen – und dann nach getaner Arbeit erschossen. Das wird in China und im modernen Rußland nicht mehr geschehen, vielmehr geht das ganze System in einem undurchdringlichen Gewirr von Wirtschaftskriminalität auf.

Robert 2013: Gustav Hans Graber war später einer der Pioniere der pränatalen Psychologie, er vertrat so etwas wie eine Misch-Typenpsychologie von Jung und Freud. Seine Bücher sind heute noch lesenswert.

O.: Das „Fremde“ muss hier wohl eher als „Nicht-Ich“ als identifiziertes Elternteil aufgefasst werden und das Selbst soll diesen Teil des Ich abspalten. Das wäre inhaltlich an der Charakteranalyse orientiert mit einem anderen Lösungsansatz als Reich es vorschlug. –
Das Selbst könnte den Kern „psychisch repräsentieren“. Das wäre natürlich alles nur Psycho-Gefasel, aber immer hin an Reich angelehnt.

David 2013: Kontaktlosigkeit – ist da auch folgendes gemeint:
Wenn beispielsweise ein Vater befürchtet, er könne vielleicht auf seine Tochter einen inzestuösen Übergriff begehen – oder falls er tief unbewusst soger wünscht, das zu tun, könnte es dazu kommen, dass er jede, auch jede anständige freundschaftliche Berührung der Tochter vermeidet.
Der Schweizer Arzt Samuel Widmer hat über diese Dinge geforscht und er hat das den „Ehrbaren Inzest“ genannt. Samuel Widmer ist auch als Halluzinogen-Forscher bekannt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Samuel_Widmer#Das_Inzest-Tabu

O.: Welches Problem hinter einem „Inzestwunsch oder -gedanken“ steht, wird regelmäßig unbeachtet gelassen oder nicht erkannt.
Hier wird zumindest einmal Freuds (für mich) falsche These des Ödipuskonfliktes richtig gestellt. Nicht die Tochter begehrt den Vater, sondern umgekehrt.
__________________
Konia folgt dem Tenor der „modernen“ Körperpsychotherapeuten, die eine Zunahme der frühen Ströungen zu erkennen glauben. Letztere begründen dies mit ihrerer „Narzissmustheorie“, Konia mit „Kontaktlosigkeit“ (ouklare Blockierung).

Sebastian 2013: Helmut Dahmer wiederholt seit Jahrzehnten seine fruchtlose Kritik. Das Einzige, was er zu sagen hat, ist, dass Reich weder Freud noch Marx ist, was Reich aber selbst stets betonte. Worin liegt also der Erkenntnisgewinn seines Schreibens? Zudem stellt er die Theorie Reichs negativ dar, ohne sich auch nur die geringste Mühe zu geben, das sachlich zu begründen. Die Frage, die Dahmer unbeantwortet lässt, lautet: WAS für FAKTEN sprechen gegen diesen „naturalisierenden“, „technisierenden“ Ansatz?
Seine Botschaft ist, dass Reich weder Freud noch Marx verstanden hat und sein (Reichs) eigener Ansatz sich ideologisch im Technizismus und Naturalismus verrannt hat. Er will Reich restlos zerstören. Warum darf so jemand die Einleitung von Peglau’s Buch schreiben?

Peter: Dahmer ist halt Experte in Psychoanalysegeschichte und Peglau ist stolz darauf, mit Leuten fruchtbar („arbeitsdemokratisch“) zusammengearbeitet zu haben, die seiner Einschätzung Reichs teilweise diametral entgegengesetzt sind.

O.: Nun wenn Prof. Dr. H. Dahmer (bekannt geworden unter Mitscherlich) einen Herrn Peglau kennt, ist dies schon eine Ehre, folglich geht es um „Anerkennung“ (!), die Mutter aller falschen Motive. Damit ist er auch für die „Reichszene“ attraktiv und er kann sich mit ihnen schmücken und umgekehrt.
Außerdem verlegt er im Psychosozial Verlag Gießen, was nach Beziehungen aussieht, die er sich wohl erarbeitet haben wird.

Sebastian: Ich habe mir nochmal den Aufsatz des Soziologen Helmut Dahmer in Birgit Johlers „Wilhelm Reich Revisited“ durchgelesen und möchte den kurz besprechen.
Dahmer kritzelt seit 40 Jahren irrational über Reich herum. Eine gewisse Genugtuung scheint es ihm zu bereiten, dass die Faszination für Reich seit der Studenten- und Jugendbewegung erloschen ist und seine „skurrilen Züge deutlicher präsent“ sind, obwohl er sich wundert, dass immernoch Reich-Biografien und -Monographien erscheinen. Dahmer versucht Reich nicht durch Klatsch und Tratsch über sein Privatleben zu zerstören, wie zB Christopher Turner, sondern durch die Beurteilung seines Werkes, vor allem seiner „Metatheorie“ aus Psychoanalyse und Marxismus.
Dabei überschreitet Dahmer erstens immer wieder die Grenze seines soziologischen Fachgebietes, was ja nicht schlimm wäre, wenn er sachliche Argumente dafür hätte. Da man sich in der wissenschaftlichen Gemeinde etabliert hat, hat man es aber zweitens nicht nötig sich mit lästigen Fakten herumzuschlagen. So werden Fakten zu „glücklichen Einfällen“ und „vorschnellen Generalisierungen“ und technische Weiterentwicklungen und soziale Konsequenzen aufgrund neuer Faktenlage zu quasi aus der Luft gegriffenen „Erfindungen“ oder „faszinierend einfachen Lösungen“, die anschließend „dogmatisiert“ werden.
Diese unwissenschaftliche Vorgehensweise praktiziert Dahmer seit 40 Jahren, ohne den geringsten Skrupel. Wer nicht mit sachlichen Argumenten überzeugen kann, der muss mit Plakaten um sich schmeißen. Reich hätte zwar dies und jenes „versucht“, aber sei daran letztendlich „verzweifelt“. Was übrig bleibe, sei ein „revolutionärer Arzt“ und „wunderlicher Naturforscher“, auf theoretischem Feld ein „Pamphletist und Säbelfechter“, ein „Sexualutopist“ und „Naturromantiker“, der über die „kosmische Lebensenergie Orgon“ „spekulierte“ bzw. „quacksalberte“.
Sein ganzer Hass richtet sich ganz offen gegen die Orgasmustheorie. Reich „überhöhe“ bzw. „fetischisiere“ die genitale Sexualität zu einem „naturgegebenen Ziel“ und hätte damit die „gegenwärtige Sexualökonomie“ vorweggenommen. Die Realität hätte ihn widerlegt. Für Dahmer ist Genitalität unnatürlich bzw. „pseudonatürlich“, weil das, was vergesellschaftet ist, niemals Natur sein kann. Ein rotes Tuch beim Orgasmus ist für ihn die Bewusstseinsverdunkelung, die reflexionslose Ungehemmtheit, die vergleichbar mit dem Schlaf ist. Dagegen sieht er gerade in der Reflexion in Verbindung mit Arbeit und Klassenkampf die Lösung der Probleme unseres Zeitalters. Die gegenwärtige Sexualökonomie nennt er gemäß Herbert Marcuse „repressive Entsublimierung“, dh, dass sozusagen keine Energie mehr für Sublimierung bzw. Kultur bzw. Gegenkultur übrig ist, wenn man ständig Sex hat.
Wenn man sein bisheriges Wirken oberflächlich anguckt, ist sein gesamtes Werk ein Gegenan gegen alles und jeden. Abweichen („Divergieren“) um jeden Preis in seiner prägenitalen, emotionslosen, intellektuell hypertrophierten Welt.
Worin hat Dahmer recht? Er sieht genauso wie die ACO Orgonomen (und wie Reich es auch gesehen hätte), dass die gegenwärtige Sexualökonomie Mist ist. Er übersieht, dass es sich bei der gegenwärtigen um eine ungeordnete Sexualökonomie handelt und er hat vor 40 Jahren wie heute nicht den Unterschied zwischen Prägenitalität und Genitalität verstanden.
Außerdem kritisiert er an Reich, dass sich seine Theorie „wenig zur Analyse der Entwicklung sozialer Systeme“ eignet. Dabei hat er die 60er Jahre vor Augen, die Reich tatsächlich nicht vorschwebte. Allerdings finden sich genug Hinweise verstreut in seinem Werk, die eine solche Transformation erklärbar machen. Das haben seine Nachfolger vom ACO überzeugend getan.

Peter: Was will Dahmer eigentlich? Er “betont die Bedeutung der angestrebten »Freien Assoziation« bei Marx (der Individuen) und Freud (der Gedanken)“ http://www.jungewelt.de/2013/08-03/015.php
Auf so etwas muß man erstmal kommen! Die freie Assoziation bei Marx und Freud!
Mein Gott, mit Kategorienfehlern fängt Wissenschaft vielleicht an („Inspiration“ durch Verknüpfung von Dingen, die zuvor niemand verknüpft hat), aber bei Dahmer endet sie so. „Die freie Assoziation bei Marx und Freud“! Lol.

Peter: Hier, so sieht die freie Assoziation nach Marx und Freud konkret aus:

Eines meiner Lieblingslieder. DAS waren noch Schlager!

O. 2013: Wie es allen bekannt sei müsste, die sich mit der Geschichte der Psychologie auseinandergesetzt haben, hat C. G. Jung sich schon 1933, kurz nach der Machtergreifung Hitlers zum Führer schriftlich bekannt. Er unschied die arische (Psychologie) von der jüdischen Psychoanalyse und übernahm die führende Rolle (mit anderen) für die Psychologie im Nationalsozialismus. Freud und Reich wurden so verdrängt. Dennoch wurden gerade Freud und Reich bis ins Detail von den´Nationalsozialisten gelesen und verstanden! – Diese Haltung gilt ungebrochen bis in die Adenauerzeit und bis heute in der Psychologie, jedoch spricht man heute weder von Jung oder Reich, auch Freud wird mit Naserümpfen erwähnt. Der angebliche Positivismus und die „objektive, wissenschaftliche“ Haltung habe mit der Verhaltensmedizin (VT) eine „politische Psychologie“ (auch bezugnehmend auf Reich oder den Nationalsozialismus) überwunden und mit ihr quasi nichts mehr zu tun.
Das Bekenntnis zu Jung – und damit unweigerlich zum Nationalsozialismus – kommt in der psychologischen Literatur in Form von harmlosen Jungzitaten vor. Hiermit hisst man die NS-Fahne, ohne sich hierzu öffentlich bekennen zu müssen und kann Karriere machen. Die Verhaltenstherapie lehnt die (jüdische) Psychoanalyse kategorisch ab, trennt sich aber nicht und äußert sich nie kritisch gegenüber Jungs arischer Psychologie/ „Analyse“.
Die neuere Generation von Wissenschaftler weiß hierum selbstverständlich und versucht Jung nicht mehr die Bühne und Ehre zu geben, um eben nicht in denselben Verdacht zu geraten, aber ihre geistigen Väter sind natürlich dieser Tradition verbunden.
Es wundert also gar nicht das Deutschland gemäß dem 3. Reich in der Psychologie wieder einen eigenen Weg geht und alle anderen (jüdisch anmutenden) Methoden verdrängt, sagen wir es offen ausmerzt.
Dies müsste auch so bei Peglau stehen, wenn er nicht hierzu zu feige wäre.

Hoevels: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (2001)

2. September 2016

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Hoevels: Wilhelm Reichs Beitrag zur Psychoanalyse (2001)
 
 

David schrieb 2014: Diese Charakterdeformation ist untrennbar mit Verachtung verbunden, die Folge davon ist,

… daß wir Energie vom Becken zum Gesicht hinaufziehen, so daß wir uns überlegen fühlen. Verachtung ist im Grunde eine Ablehnung des Genitale und wird gegenüber einem Objekt ausgedrückt, das wir für sexueller als uns selber halten, oder gegenüber jenen, die sich in sexueller Hinsicht von uns unterscheiden. Das gilt immer, ganz gleich, was oberflächlich der Grund für die Verachtung zu sein scheint.

Mir ist – betreffend Verachtung – auch sehr wohl das Gegenteil von dem oben Gesagten vertraut. Hiermit meine ich Menschen, die man als „muskel-orientiert“ oder „konservativ“ bezeichnen könnte.
Die verachten – zu Recht – den Sozialisten, den Intellektuellen. Sie verachten auch den Homosexuellen.
Anders ist es gar nicht erklärbar, dass viele Arbeiter sich zu den Rechtsradikalen hingezogen fühlen.
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) hieß nicht nur so. Sie war es auch.
Gegenüber manchen Menschen in eher homophoben Kreisen geschieht es, wenn ich mich zu erkennen gebe, dass diese Menschen ihre Einstellung ändern. Es handelt sich um Menschen, die bisher einen Homosexuellen nie persönlich kannten.
Genau so wie Hamed Abdel-Samad als junger Mensch nie einen Juden persönlich kannte und deshalb glaubte, was ihm Gesellschaft und Schule in Ägypten über Juden erzählten.

Robert: Bei den Salonkommunisten im Westen fällt auf, dass sie immer nur die Redefreiheit der Demokratie ausnutzen, aber nie Anklagen, dass sie selbst in ihrem kommunistischen Paradiesen im Lager landen würden.

Robert 2016: Ich habe mich seit 1977 mit Hoevels beschäftigt, las zuerst seine Broschüre über den Ödipuskomplex, abonnierte später die Ketzerbriefe und System UBW, las viele Bücher aus dem Ahriman-Verlag etc. Ich habe viele gute Anregungen erhalten, mich z.B. mit der Evolutionsbiologie zu beschäftigen oder mit präkolumbischen Kulturen.
Ich war in den Achtzigern in einem Freud Lesekreis der MRI, kam an einem Nachdruck der Diplom-Arbeit (?) über das obige Buch (Reichs Beitrag) heran, was ich also schon Jahrzehnte früher lesen konnte.
Obwohl ich viele Ansichten Hoevels Teile (z. B. des Monoimperialismus), war für mich irgendwann eine Sackgasse erreicht, nämlich als mir klar wurde, dass die hoevelsche Utopie nichts weiter als eine Art trotzkistischer Diktatur auf mechano-biologischer Grundlage sein würde.
M. E. spricht Pirincci die Wahrheit inzwischen viel klarer aus, zumindest was Deutschland betrifft, obwohl man die Schnittstelle jetzt nicht gleich erkennt. Aber in den Ketzerbriefen gab es viele unterdrückte Nachrichten, z. B. über das Gesundheitswesen, allerdings war immer der US-Imperialismus daran Schuld (was tlws. stimmen mag, siehe TTIP). Jedoch die Aussaugung des deutschen Volkes durch Einwanderer östlicher und südlicher Herkunft wurde nicht thematisiert und das konnte ich persönlich manchmal erfahren genauso wie die linke masochistische Deutschenhasserei und Islamvergötterung.
Jede Wissenschaft oder jedes Gedankensystem wird durch die Panzerung des Interpreten gefiltert und geformt; so wird der Freudo-Marxismus zum hoevelschen und die Orgonomie zum nasselsteinschen Prokrustesbett.

Turner: Adventures in the Orgasmatron (2011)

26. Juli 2016

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O. 2012: Blättert man in der psychoanalytischen Zeitschrift (von Freud oder Jones ca. 1929 herausgegeben) wird man (für mich) abstossende Beschreibungen über Jugendbandenrituale lesen, die Geschlechtsbetrachtungen und übergriffige Handlungen bis ins Detail hervorheben, um daraus die Organisation von Kinder/ Jugendbanden zu erklären. – Ähnlich ist Reich Beschreibung seiner sexuellen Aktivität in frühster Pubertät oder gar Kindheit, die einen Menschen aus heutiger Sicht eher erschrecken mag, als neugierig stimmt. Möchte Reich sich hier selbst mit geschwollener Brust darstellen und seine „Genitalität“ hieraus erklären? Möchte er an die sexuelle Aktivität in der Kindheit erinnern? – Wen interessiert es, wann er wen und wo in welchem Alter schon besteigen durfte? Mich nicht. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen, weil ich meine Haushälterin weniger erotisch fand und eher von meiner Kindergärtnerin träumte? Vielleicht würde es einen Psychoanalytiker interessieren, welche kindliche Sexualphantasie ich in welchem Alter gehabt haben mag, doch ich werde wohl keinen Freudianer damit beglücken wollen.
Für mich hat Reich seine unumstößliche „Sexualtheorie“ zur Entwicklung der Psyche mit solchen voyeuristischen Schilderungen beschädigt, aber er kann sie nicht hierdurch auslöschen oder in Frage stellen, da sie für jeden (fast jeden) nachvollziehbar sind.
Stattdessen hätte ich mir mehr Weisheit über das Wesen der Liebe gewünscht und dessen Gefühlsleben.
Über das Wesen der Liebe wird bei Reich und auch sonst zu wenig preisgegeben. Ferner wissen wir immer noch kaum etwas über das kindliche Gefühlsleben und meinetwegen über die kindliche Sexualität. SozialarbeiterInnen, die hier den Kindern zur Seite stehen könnten, werden unterbezahlt und ohne soziale oder formelle Ressourcen in ihrer Arbeit alleingelassen (keine Festanstellungen, keine Vergütung nach dem Stand der Ausbildung und Leistungsorientiert).
Natürlich gibt es kein echtes Interesse der Behörden (und Politik) an einer sinnvollen Erziehung, Bildung und schon gar nicht Sexualerziehung (im Reichschen Sinne). Angesichts der finanziellen Ausstattung ist die Praxis des Berliner Bildungsprogrammes nicht einmal Wert als Toilettenpapier genutzt zu werden. Den Kahlschlag im Sozialwesen ist seit Jahrzehnten bekannt, geht aktuell in die nächste Runde: Die Erzieher bekommen Gehaltskürzungen und sollen zu neuen „Tarifen“ dem Staate als Erziehungsknechte dienen. Ich kommentiere das nochmal unter der Rubrik „Diskussionen“.

Darauf Robert: Du vergisst die Voraussetzung der Psychoanalyse. Weisheiten über das Wesen der Liebe gab es schon wie Sand am Meer, nur aber alles andere als wissenschaftlich. Die Psychoanalyse sollte dies ablösen, indem man eine wissenschaftliche Methode der Behandlung von Neurosen begründete. Und Reich fand, dass die Genitälität der wichtigste Punkt in der Ursache der Neurosen bildete.
Auch hilft es keinem Neurotiker, wenn Erzieherinnen mehr Geld bekommen. Das Eine ersetzt nicht das Andere.

O. antwortet: Eine gute Theorie ersetzt keine guten Praktiker und auch nicht umgekehrt, aber wenn die Bedingungen der Möglichkeit nicht geschaffen werden, dass heißt hier nicht eine radikale Umkehr im Leben der Menschen erfolgt und sie wieder das verdienen, was sie verdienen sollten, um nicht ins pure Vegetieren und sich Verschulden kommen, ist ohnehin alles verloren!
Wenn Erzieher (die auch nicht ewig jung sind) sich keine notwendige medizinische Versorgung leisten können, weil das Geld fürs Alltägliche nicht reicht, Zahnlücken eben bleiben müssen und sie um ihren Arbeitsplatz bangen müssen, weil die Hartz IV -Empfänger das genauso toll hinkriegen sollen, die jetzt auf die Kinder losgelassen werden, dann haben wir kein „Bildungsprogramm“ mehr, noch nicht mal ein Schlechtes.
Es sei an dieser Stelle an Stanislaw Lems „Der futurologische Kongress“ erinnert, der recht anschaulich zeigt mit welchen „Medikamenten“ wir uns bald volldröhnen sollten, um die zerstörte Welt um uns noch als angenehm zu sehen. Hier eine kurze Inhaltsbeschreibung, wobei die „Übertreibung“ des Autors wohl kaum noch als solche zu bezeichnen ist.
Kommt man nun zur „wissenschaftlichen“ hermeneutischen Verschönerung einer längst „verarmten“ materiellen Welt, wie wir dies durch Qualitätsmanagement und Zertifizierungen am Arbeitsplatz täglich neu erschaffen, dann kann dieser Link von Interesse sein.
http://de.wikipedia.org/wiki/Der_futurologische_Kongre%C3%9F
Aber auch mit dem Internet kann ich mir hier noch die Welt nach Reichs Möglichkeiten „heile“ reden und von meinem futuristisch gewordenem Arbeitsplatz mich kognitiv zu flüchten.

netzwerk Betroffener von sexuelle Gewalt: Das Kornbichlers Analyse beliebig ist, sehe ich genauso. Die dahinter liegende Motivation bleibt mir unverständlich. Verstehe ich seine Botschaft in dem Buch „Die Kunst sich in den Richtigen zu verlieben“ richtig, sollte man sowieso bei Fragen der Partnerwahl und damit auch des Sexuallebens besser einen Psychotherapeuten aufsuchen. Dem zufolge würden Anforderungen des Lebens, quasi als dauerpsychtherapeutische Lebensaufgabe verstanden, besser und erfolgreich gelingen können! Was alles könnten dann beispielsweise Patientinen von Ihren Therapeuten lernen? Ich würde mir im Sinne von Transparenz und wiss. Einordnung wünschen, das zumindest alle Wissenschaftler und Psychotherapeuten die sich zum Thema Sex und Partnerschaft öffentlich äußern, (erst recht, wenn sie sich zu Sexualität und Charakter Ihrer Berufskollgen äußern, die sich noch nicht einmal wehren können, weil Tod,) ihre eigene sexuelle Präferenzen offenlegen. Dazu gehört auch, welche Haltung sie zu Abstinenz und der Frage von sexuellen Kontakten zu ehemaligen oder zukünftigen Patienten und Patientinnen haben. (Hinweis:nicht die Gedankenund Phantasien, sondern der sexuelle Kontakt zu Patienten während einer Psychotherapie steht unter Strafe, und das was nicht sein darf, ist ja, nach den Selbstverständnis dieses ehrbarenund inzwischen zu Ärzten geadelten Berufstand des Helfertums, auch nicht wirklich…)

O.: Wer „psychologische Psychotherapie“ machen will, sollte sich über seinen Therapeuten informieren. Welches Verfahren wird benutzt, gibt es eine Kassenzulassung, welche Ausbildung hat er und in welchen Berufsverbänden ist er tätig, hier gibt es klare ethische Richtlinien der Berufsverbände. Hier ein Beispiel: http://www.bdp-verband.org/bdp/verband/ethik.shtml
Dann kann man schon mal nicht an Esoteriker verfallen, so hoffe ich. Alle Therapeuten mit tollen Internetseiten sind schon mal gar nicht zu empfehlen. (Werbung)

netzwerk Betroffener von sexuelle Gewalt: Selbst wenn der Weg über eine Psychotherapie gesucht werden muß, ist fraglich ob bei dieser Vielfalt von Theorien die passende Therapien und Therapeuten treffsicher gefunden werden können. Gerade deshalb ist die Transparenz wichtig. Richtlinien geben gewollt erhebliche Handlungsspielräume deren Einhaltung nicht gefordert und überprüft wird. Gerade das Berufsfeld der Psychotherapeuten ist anfällig für Esoterik und Sektentum, die Grenzen sind fließend. Fred Breinersdorfer zeigt trotz bestehender Richtlinien und Gesetze die Stellung der Frau in einer Männerdomäne in dem Fernsehfilm „die Hoffnung zuletzt stirbt“ auf! Zumindest bei der Oregonstrahlungen sind keine schädlichen Nebenwirkungen im Patriachat bekannt!

O.: Aus wenigen Sätzen etwas herauszuhören, ist immer schwierig und man spricht mit Sicherheit am Thema vorbei, dennoch kann man es versuchen.
Orgon ist (nicht Oregon) ist unabhängig von der Gesellschaftsform, ein Matriarchat haben wir nicht und ist historisch auch schwer nachweisbar, oder mehr eine Utopie, die die bestehenden Verhältnisse in Frage stellt. Es gibt negative Wirklungen, wenn das Orgon durch gewisse technische Geräte (Elektromagnetische Felder des Starkstroms, Funk, Radioaktivität, Röntgen, Leuchtmittel-Sparlampen etc.) „verseucht“ wird.
Zur Therapie: Therapeuten mit Approbation zur Psychotherapie (Ärzte und Psychologen) arbeiten in der Praxis mit Psychoanalyse (unterschiedlicher Richtungen, Reich ausgenommen) oder Verhaltenstherapie. Das war es in Deutschland. Ohne Approbation und Studium kann man auch nur den kleinen Heilpraktikerschein machen und darf tun was beliebt. (keine Kassenabrechnung)
Im letzteren entsteht eine „Grauzone der Therapie“.
Daneben gibt es eine Reihe tauglicherer Psychotherapien, die in Deutschland austerben. Übrig wird nur die Verhaltenstherapie bleiben. Ob es sich hierbei um eine Psychotherapie handelt ist ein philosophischer Diskurs. Wer die Macht hat, hat das Sagen.
Stellt man sich kritisch gegen die Verhaltenstherapie (die sich als evidenzbasiert versteht, das wird so an allen Universitäten gelehrt. die demnächst privatisiert werden) so könnte man vom therapeutischen Missbrauch (nicht sexuellen) von Beginn an reden, da keiner VT-ler eine eigene Krise bewältigen musste oder sich selber in Therapie begeben musste. Und hier findet man mehr Frauen als Männer in den Therapien, was ein massives Problem darstellt. Frauen haben die Mutterrolle, sind die Helfende per se und haben die Menschen erzogen, die jetzt eine Therapie benötigen. Extremes Beispiel: Ein Mann, der als kleines Kind vergewaltigt wurde, wird dies nie einer Frau gegenüber äußern können, sobald er mal an einen Psychologen kommt, wird er vielleicht schon im Erstgespräch dies äußern mögen, weil es es los werden will.
Wie kann eine Frau/Therapeutin einem Mann helfen, wenn seine Probleme immer im Kontext mit Frauen (Mutter, Kindergärtnerin, Lehrerin) entstanden sind und diese schon kein Verständnis für ihn hatten? Das ist ein echtes Problem, bevor man mehr Frauen in einem helfenden Beruf fordert.
Sexualität in der Therapie: Wenn zwei Erwachsene mit einander einvernehmlich sexuell verkehren, ist dies nicht strafbar, so lange sie kein öffentliches Ärgernis erregen.
Haben TherapeutIn und KlientIn Sex miteinander ist dies das Ende der Therapie, da ein therapeutisches Verhältnis nicht wieder herstellbar ist. Moralisch ist es auch unschicklich, aber ebenso unschicklich wie ProfessorInnen, die mit StudentInnen verkehren, Arbeitgeber oder Vorgesetzte, die mit Untergebenen verkehren und ein Verhälntis beginnen, doch auch hier wird niemand groß aufschreien, da es Jahrzehnte lange Praxis ist.
Nun, wenn ich von einer/m TherapeutIn wüßte, die/ der mit Patienten ein Verhältnis begonnen hat, würde ich da nicht hingehen.
Fühlt man sich hingegen sexuell belästigt, und auch da muss man genau aufpassen, da einige Patienten dies selbst (evtl. bei eigenenm Nissbrauch) inszenieren können, helfen die Berufsverbände weiter, die im Normalfall den Therapeuten nicht persönlich kennen (so dass man nicht einen „Sumpf“ erwarten müsste). Bei Therapieschulen sollte man nicht mit diesem Problem hingehen, da die sich untereinander gut kennen und Hierarchien (oder auch sex. Abhängigkeiten) gebildet haben können und sich gegenseitig decken werden.
Hier wurde das Sektentum um Wilhelm Reich und die Esoterik offen angesprochen und aus diesem Bereich ist niemand zu empfehlen. Egal ob er „Arzt“ oder „Körperpsychotherapeut“ oder „Heilpraktiker“ oder „Dr.“ oder auch „Psychologe“ ist und sich als „Orgontherapeut“ ausgibt. Seine „CV“ ist meist doch sehr geschönt, verrät aber auch die eosterischen Erfahrungen. (Colin Goldner in „Die Psychoszene“ listet alle großen esoterischen Verfahren auf und kritisiert sie inhaltlich.)
Auch die Verhaltenstherapie in Praxen und Kliniken arbeiten zunehmend mit esoterischen Verfahren wie Yoga, PMR, Tai-Chi, usw. als Ergänzung zu ihren drögen körperlosen Verhaltensmodifikationsprogrammen. So stellt sich die Frage auch in Zukunft: Gibt es eine Psychotherapie in Deutschland? Haben Deutsche eine Psyche? Therapien werden zunehmend an der beruflichen Leistungsfähigkeit orientiert, dies ist das Interesse der Kassen und Rentenversicherung. Psyche wird dann zu einem privaten Luxusartikel.
Positiv gesehen bleibt die Psychotherapie ein Kunsthandwerk, die auf Empathie und Intuition nicht verzichten kann. Wiederholbare Praktiken und Programme haben an sich keinen therapeutischen Wert, wenn sie nicht phantasievoll und kontaktvoll am Patienten orientiert zum Einsatz kommen. Ist ein Vertrauen in der therapeutischen Beziehung verspielt worden, ist es nicht (kaum) wieder herstellbar. Daher geht man nicht zu den Esoterikern.

O. weiter: Bei der Auswahl des Therapeuten kommt es auf den persönlichen Eindruck an, das man auch als Patient meist gut einschätzen kann. Psychosen oder schwere Depressionen müssen ohnehin stationär und auch von einem Psychiater gehandelt werden.

Robert 2012

Pierre34: Fragen, aufgetaucht aus aktueller öffentlicher Diskussion:
War Reich selbst beschnitten?
Schrieb Reich über Folgen von Beschneidung?

Peter antwortet: Als Abkömmling langer Rabbiner-Dynastien sowohl von mütterlicher als auch von väterlicher Seite war Reich ohne jeden Zweifel beschnitten. Seinen Sohn hat er nicht beschneiden lassen, obwohl zu dieser Zeit praktisch alle amerikanischen Jungen beschnitten wurden. Geäußert hat er sich zur Beschneidung und wie schlimm sie ist und daß Juden sich nicht auf eine barbarische Tradition berufen können in REICH SPEAKS OF FREUD. Sicherlich gibt es auch Texte zum Thema auf http://www.orgonomy.org.
Gerade entdeckt: http://www.psychorgone.com/history/how-i-became-a-case-history-for-dr-wilhelm-reich
Siehe Punkt 6.

Darauf Pierre34: In Reich Speaks of Freud fand ich die Stelle nicht, dafür aber Reichs Beteuerung, Freud sei (eigentlich) kein Jude gewesen. (???) Tatsächlich war aber doch die Empirie der Psychoanalyse vorwiegend eine Arbeit/Analyse von Beschnittenen an Beschnittenen (sprich: am Genitale erheblich Traumatisierten). Dass Reich sich in den USA gegen die Beschneidung ausgesprochen hat, kann nicht verwundern. Verwunderlich ist, dass er dies erst so spät und dann nicht einmal öffentlich (?) tat – wo er doch gleichzeitig betonte, wie wichtig der gesamte Organismus für ein klares Erfassen der Wirklichkeit ist.

Peter: Hier die Stelle aus einem anderen Buch, findet sich aber auch in REICH SPEAKS OF FREUD:

The Source of The Human “No”

Im Interview sagt er, daß Freud zu sehr in seinem Judentum gefangen war.
Die Beschneidung spielte stets eine große Rolle in der Psychoanalyse: siehe Kastrationskomplex.

O.: Dass Beschneidungen schon an Neugeborenen durch geführt werden, wusste ich nicht, das ist ja grauenhaft! Eine so frühe auch energetische Traumatisierung an einem hilflosen Baby.
Das ist, wie im Text zitiert, glatter Mord. Darauf gehört die amerikanische Höchststrafe: der elektrische Stuhl für alle Beteiligten.

Pierre34: Nicht nur für O. (26.7., 1:07) ein Video über eine Beschneidung an einem Neugeborenen:

O.: Türkische Familien (in Berlin) feiern mit der Beschneidung des Jungen seinen Eintritt in die Erwachsenenwelt. Dies geschieht erst um das 10. – 12. Lebensjahr, wenn ich mich nicht irre.
PS für Pierre: Danke fürs Video, aber ich glaube ich tue mir das nicht an, es anzuschauen.

Pierre34: Im Interview mit Eissler vertritt Reich die Auffassung, Freud sei a) kein Jude (S. 60) und b) genital gesund (S. 17, 108) gewesen. Kurz darauf (ca. 1953): Ernest Jones‘ Freud-Biographie habe ihn in beiderlei Hinsicht vom Gegenteil überzeugt (Postscript, S. 129).

O.: Wenn Reich Freud nicht für einen Juden hielt, er es aber eindeutig war, dann bezieht er sich wohl auf den Glauben und dessen Ausübung. Reich sah sich genauso wenig als Juden, wenn nicht noch weniger als Gläubiger dieser Richtung. Er verstand sich als Weltbürger, wenn ich dies einmal so interpretieren darf.
Ich find es auch hier wichtig im Blog unter dem Motto „friends of Israel“ zu diesem Punkt eine klare Gegenposition zu beziehen. Moslems und Amerikaner beschneiden sich auch gerne; Amerikaner mehr aus „Sauberkeitsgründen“, so wie Frauen dort auch unmöglich mit Haaren an den Beinen rumlaufen können.
Ich finde es auch auffallend, dass Reich dieses „jüdische Tabu“ nicht mit aller Deutlichkeit als Verstümmelung gebrandmarkt hat, im psychoanalytischen Sinne war dies schon die symbolisch-rituelle Umsetzung der Kastration durch den Vater. (s. Freud)

Peter: Der Orgonom Richard Schwartzman (Jude, wie die meisten Orgonomen):
Circumcision is a brutal, sadistic act of genital mutilation. There are no routine indications for circumcision, although we are finding that it is being advocated again for „good“ reasons… this is the emotional plague at work again, that is, the „good“ reasons are not the real reasons at all. It is simply not true that it is necessary or that it is preventive of cancer or the penis, or of infections and so forth. Circumcision is another assault, a genital assault, under the guise of good health or under the avocation of some religious group or another. But in fact, circumcision need almost never be performed.
http://orgonomy.org/articles/Schwartzman/Wildfire_Interview.html

Zunächst deutsche Rezensionen von Turners Buch:
http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13589394/Der-Maschinist-der-Lust.html
http://www.welt.de/kultur/article13589906/Das-Universum-nach-Wilhelm-Reich.html
http://www.welt.de/kultur/article13588740/Wie-die-sexuelle-Revolution-nach-Amerika-kam.html

Hier kann man diesen Hund live erleben:

Zum Orgasmatron selbst verwies Robert auf:

Zu Berlin als „Sex-Kapitale“ siehe das folgende Video:

Klaus sagte 2011:

Angesichts der öffentlich kursierenden Annahmen über den ORAC und über Reich verwende ich das Wort „Orgon“ möglichst wenig. Eine Bekannte litt seit ihrer Jugend regelmäßig unter Regelschmerzen. Ich stellte mit ihr ein zweischichtiges ‚Orgonkissen’ her, nannte die unbedingt einzuhaltenden Beschränkungen und Anfangsrichtlinien, ohne etwas zu versprechen (einfach als vorsichtigen Versuch), und sie meint – nach Benutzung nach Bedarf –, zum ersten Mal keine Tabletten gegen die Schmerzen nehmen zu müssen. Die ganzen Hintergrundinformationen können wohl nur noch schaden. Was ich allerdings merkwürdig finde: Menschen, die Erfahrungen mit ‚akkumuliertem Orgon’ gemacht haben, stellen nach meiner Erfahrung keine weiteren Fragen darüber, welche Rolle das, was da wirkt, in Lebewesen allgemein spielt – und schnell werden die elenden Eso-Ideologien hinterherassoziiert. Das Turner-Buch erfreut sich in der Tat großer Beliebtheit, die Behauptung, der Kasten stärke orgastische Potenz, ist nicht unterzukriegen. Wer darauf reagiert, muß wie der verblendete Sektenanhänger wirken.

Darauf Peter:

Ich glaube nicht, daß es zielführend ist, wenn man sich in irgendeiner Weise anpaßt und auf das Wort „Orgon“ verzichtet und die Funktion des Orgasmus draußen vor läßt. Auch sollte man Turner nicht todschweigen, sondern für sich selbst nutzen. Je mehr sich die Pest austobt, desto besser ist es, denn so tritt sie plastischer zutage und läßt sich einfacher demaskieren.

Genauso ist Reich vorgegangen: er hat sich nach dem Motte „Jetzt erst recht!“ verhalten und sich auf die Bekämpfung der Emotionellen Pest konzentriert.

Robert wendete ein:

Es ist unverhältnismäßig, Brady mit Makavejev zu gleichzusetzen. Brady war Teil einer Verschwörung, hinter der wichtige Institutionen und Personen standen. Sonst hätte der Artikel überhaupt keinen Erfolg gehabt. Makavejev ist nur ein Filmemacher, der übliche Anschauungen von Sex, Revolution und Perversion vermischt, weil er anders Reich gar nicht verstehen kann.

Aber warum wirfst du deine Unterdrückung von dir ab, indem du in einen Schrank hineinkletterst? Warum war das Symbol der Befreiung eine Kiste?

Selbst diese Ansicht ist legitim, wenn man als Anthropologe keine Ahnung von Orgonbiophysik hat und in typischer geisteswissenschaftlicher Weise nach einer Erklärung für den ORAC sucht, nämlich als ein Symbol. Etwas ähnliches hatte schon Charles Rycroft mit dem Orgon getan.

seine Tochter Lore Reich bekundete gegenüber Turner, Reich sei „sexuell pervers“ gewesen. Für den, der die Angriffe von Alice Miller auf Reich kennt, ist das alles nichts Neues. Wie im obigen Zitat gezeigt, gelingt es Turner sogar mit einer verqueren „Logik“ sexuellen Kindesmißbrauch und den Orgonenergie-Akkumulator zu verbinden!

Lore-Reich war schließlich von ihrer Mutter und Anna Freud gegen ihren Vater aufgehetzt worden. Dass sie nun behauptet, von ihrem Vater sexuell missbraucht zu sein, kann eine Konstruktion sein, wie sie heutzutage standard ist. Typischerweise trifft es dabei immer nur die Väter.
http://www.pappa.com/mmdm/

2.Turner nicht als kuriose Einzelerscheinung abtun, sondern als Teil einer gesellschaftlichen Strömung, einer Tendenz, wenn man so will, einer „Verschwörung“.

Das halte ich für vollkommen überzogen. Heutzutage spielt Reich gar keine Rolle mehr und dass sich das Buch gut verkauft, ist umso erfreulicher, weil Reich dann wieder ins Gespräch kommt. Ein geschickter und erfolgreicher Schachzug des Verlags!
Ein positives Buch über Reich hätte übrigens gar nicht diese Aufmerksamkeit erhalten, weil die Massen (kleine Männer und Frauen) nur an halbpornographischen Ergüssen interessiert sind.

Und Robert weiter: Solche Erfahrung habe ich auch schon gemacht, zwar vor einigen Jahrzehnten, aber wie Sie es kürzlich selbst erfuhren, offenbar zeitlos.
Darum bezweifle ich gar nicht, dass die Beschäftigung mit Reich zu Pestreaktionen führen kann.
Die andere Sache ist, haben wir hier wirklich eine „emotionale Kettenreaktionreaktion“ vor uns? Was ist eine solche und wie wirkt sie sich aus? Die paar Buchbesprechungen über einen kuriosen Psychoanalytiker, der früher berühmte Klienten hatte, können eine Kettenreaktion wohl kaum ausmachen. Nebenbei geht mir Peter mit solchen Fachbegriffen zu freizügig und undifferenziert um.
Zu meinem Beitrag muss ich noch anmerken, dass ich den sexuellen Missbrauch nur aus dem Kontext des Artikels erschlossen habe und es nun besser weiß (Schlüssellochgucken). Wobei ich nicht ganz so unrecht habe, weil es leider genügend Schreiberlinge gibt, die Reich auch damit in Zusammenhang bringen, indem sie ihn der ideologischen Wegbereitung für den sexuellen Missbrauch anklagen.
So z.B. Gerhard Vinnai:
„Die Positionen der antiautoritären Bewegung haben mit Hilfe der Sexualtheorie Wilhelm Reichs, die damals sehr verbreitet war, eine Rationalisierung gefunden.
In Reichs Texten, vor allem in denen, die damals in der linken Subkultur populär waren,5 gibt es im Grunde nur die Sexualität im Allgemeinen: Es gibt keine psychologische Differenz zwischen männlicher und weiblicher Sexualität und
auch keine zwischen erwachsener und kindlicher Sexualität. Die Sexualität wird viel zu sehr auf einer physiologischen Ebene gefasst, die komplexen psychologischen Elemente, die mit ihr verknüpft sind, werden nicht angemessen
thematisiert. Reich geht es in seinen Schriften vor allem darum, Sexualtabus aufzuheben und Grenzen niederzureißen, die die Sexualität einschränken. Er will
Barrieren aus dem Weg schaffen, die einer freien Sexualität von Kindern und Jugendlichen im Wege stehen. Er beschäftigt sich kaum mit der Notwendigkeit von Tabus und Grenzen im Bereich der Sexualität, die Heranwachsende schützen.
Reich hat sicherlich auch wichtige Beiträge zur Theorie der sexuellen Emanzipation geliefert, aber sein Denken war dazu geeignet, einen differenzierten Umgang mit der Sexualität zu erschweren und ihre gefährlichen Seiten herunterzuspielen.“
http://www.vinnai.de/grenzueb3.pdf

Darauf Peter: Ich meine ja nicht nur eine emotionale Kettenreaktion in Bezug auf Reich als Person, sondern ganz allgemein in Bezug auf das, wofür der Name „Wilhelm Reich“ steht. Da ist es ziemlich egal, ob es um „Mesmer“ geht, die Behandlung von Säuglingen, der Umgang mit dem Thema Sexualität, etc.

Was Vinnai betrifft, möchte ich ihm fast recht geben. Tja,… ähhhh – Reich hat in CHRISTUSMORD geschrieben, daß es für die Menschheit eine Großkatastrophe bedeutet hätte, hätte sich die Sexpol Anfang der 1930er Jahre durchgesetzt. Alle fragen sich, was er denn um alles in der Welt damit gemeint haben mag. Er hat genau das gemeint, was Vinnai beschreibt.

Und wieder: es geht nicht um die Person Reich, um den sich wahrhaftig nicht die Welt gedreht hat, sondern um das, was „Wilhelm Reich“ verkörpert hat.

Im übrigen würde ich soweit gehen, daß die Verbreitung von „Reich pur“ schädlich ist. Beispielsweise wäre es mir weitaus lieber, „die Menschen“ würden zuerst Konias THE ÉMOTONAL PLAGUE lesen, bevor sie Reichs MASSENPSYCHOLOGIE DES FASCHISMUS in die Hände nehmen. Man muß das alles richtig einordnen können, was man da liest.

O. schreibt: „Reich pur ist schädlich“ – ein interessanter Gedanke. Insbesondere wenn die eigene Charakterstruktur die Gedanken und ausgelösten Emotionen nicht ertragen kann und sie ins Destruktive – step by step – verwandeln muss. Dann wird der „Reichianer“ zum Pestkranken.
Fairerwiese sollte man sich dann auch umbenennen in „Reichianisches Pest Institut“ oder eine RPG, doch die Krankheitseinsicht in eine Persönlichkeitsstörung ist nicht gegeben.

Nikolaus H. sagt 2016:

Ich stelle nur fest, dass Reich immer von gepanzerten Menschen falsch verstanden wird. Der ungepanzerte, interessierte Geist nimmt Neues auf probiert es und befindet es für Gut.
Der Gepanzerte Mensch erkennt sehr schnell, wie die Lehren Reichs subtil an seinen Panzer gehen (können) und fühlt sich dadurch folglich von allem bedroht, was von Reich kommt. Das ist der Grund weshalb Reich immer wieder verfolgt und schließlich getötet wurde.
Das ist auch der Grund wieso Reich heute noch angefeindet wird nach seinem Tod.
Das würde auch mit Jesus Christus passieren, wenn er nicht von der Kirche mystifiziert worden wäre. Reichs Charakter ist sehr ähnlich dem von Jesus Christus.

Ich kenne solche verunglimpfenden Menschen aus meinem Umfeld, die mich in meiner Ehrlichkeit früher aus meinem sozialen Umfeld ausgegrenzt haben durch Rufmord.
Wenn man sie nur etwas antriggert bekommt man Angst vor der hochschäumenden tödlichen Aggression. Mit diesen Menschen kann ich nur „auskommen“, indem ich sie völlig meide oder ihnen mehr oder weniger nach dem Mund rede. Diese Diktatoren ertragen keinen Zustand unvollständiger Übereinstimmung anderer mit ihren Ideologien oder kleinen Alltagsbefindlichkeiten. Ihnen allen ist auch eine weitgehend fehlende Empathie zueigen. Ich demaskiere Reichkritiker durch ein paar gezielte Fragen z. B. , die sie schon als Provokation auffassen, danach rasten sie sehr schnell aus und zeigen ihr wahres Gesicht in der Öffentlichkeit. Halten wir uns Hitlers Unbeherrschtheit gegen Nichtübereinstimmung vor Augen, die sagt alles und ist bei dem pestilenten Charakter immer zu finden. Im Grunde haben wir es hier mit aggressiv einfordernden schreienden Säuglingen zu tun, die im Körper eines Erwachsenen stecken, die glauben sie seien der Nabel der Welt und alles drehe sich bloß um sie. Jedwede Form der Zurückhaltung ist solchen Menschen fremd.

Tzindaro 2016:

As usual, the truth is somewhere in between the opposing points of view. Reich was no saint. He had his faults and flaws. But his scientific findings stand on their own merits regardless of that. The accumulator is a valid medical treatment regardless of if Reich was a pervert or a violent drunk or not. There has been way too much focus on him and his life history, while the attention should be on the testable ideas, not the man who invented them.

The fault lies as much with the fans of Reich as with his enemies. The Reichians are so into the drama of Reich and his life story that they come across as cultists and thus leave themselves open to reactions of defamation of Reich himself by people who have no valid arguments to present against the accumulator except that it was invented by Reich. Why not say it makes no difference what Reich was like in his personal life and concentrate on his work? But very few Reichians are willing to do that. Most of them are not scientists and it is the drama of Reich’s life that attracts them, not the findings.

It is unfortunate that Reich was ever a psychiatrist. If he had been a biologist who discovered the bions, or a physicist who discovered orgone energy, or a meteorologist who invented the cloudbuster, and never said anything about sex or politics, his work would have been better received.

Robert 2011 über Reich phallisch-narzißtischer Charakter:

Mir hat mal ein Bisexueller erzählt, dass er Reich für einen „phallisch-narzistischen Charakter“ halte. Ich hielt diese Aussage für das Ergebnis seiner Neurose.
Was ist dann also Reichs Beschreibung des „genitalen Charakters“? Etwa nur ein Wunschbild?

Darauf Peter:

In dieser Gesellschaft kann man, Elsworth F. Baker zufolge, nur mit Einschränkung ein genitaler Charakter sein, nur ein „funktioneller genitaler Charakter“, d.h. man würde nur unter denkbar guten Bedingungen wie ein mustergültiger genitaler Charakter funktionieren – wenn Schwierigkeiten auftreten, fiele man früher oder später in neurotische Verhaltensmuster zurück. In diesem Sinne war auch Reich ein „funktioneller genitaler Charakter“. Unter Streß entwickelte er neurotische phallisch-narzißtische Züge.

Robert 2011: „Turner frägt sich, ob Reich sich im Geschlechtsakt, wenn seine Partnerin endlich ihren Ekel vor seiner Haut (er litt unter Psoriasis) überwunden habe, erstmals heimisch in seiner eigenen Haut fühlte.“
Das kommt darauf an, wie schlimm seine Schuppenflechte war. Meist hat man es an den Gelenken und da fällt es nicht so auf. Aber deswegen muss man sich nicht fremd in seiner Haut fühlen, jeder liebt seine eigene Haut und betrachtet sie nicht als Fremdkörper, sondern die Krankheit wird als Fremdes angesehen.

Peter: Zu Reichs Haustkrankheit siehe https://nachrichtenbrief.wordpress.com/2016/05/08/the-journal-of-orgonomy-vol-3-no-1-march-1969/

Im Januar 1913 muß Reich seinen Schulbesuch unterbrechen, da am Ellenbogen psoriatische Plaques auftreten. Der Hautarzt verschreibt ihm eine scharfe arsenhaltige Chrysarobinsalbe, was eine schwere Hautentzündung hervorruft. Daraufhin liegt Reich für neun Monate in der Klinik Ehrmann in Wien, wo er sich einer Röntgenbehandlung unterzieht.
Den Rest seines Lebens hat er daran elaboriert.

Robert: Auf dem Foto [des oben verlinkten Artikels] kann man sogar Reichs Flechte an den Händen feststellen.

Und weiter: Cignolin
Zur Behandlung von Psoriasis wird oft Cignolin, auch Dithranol genannt, eingesetzt. Dieser Wirkstoff wurde bereits 1916 in Europa entdeckt.
Das heute chemisch produzierte Cignolin leitet sich ursprünglich von natürlichen Stoff Chrysarobin ab, der aus dem brasilianischen Goabaum gewonnen wurde.
http://www.schuppenflechte-lexikon.de/seiten/cignolin.shtml
Cignolin wird auch heute noch eingesetzt, meist als Minutentherapie, aber immer mehr durch systemische (innere) Medizin ersetzt.

O.: „Turner frägt sich, ob Reich sich im Geschlechtsakt, wenn seine Partnerin endlich ihren Ekel vor seiner Haut (er litt unter Psoriasis) überwunden habe, erstmals heimisch in seiner eigenen Haut fühlte. Könnte die sexuelle Revolution, so frägt Turner, vielleicht aus Reichs gestörtem Verhältnis zu seinem eigenen Körper entsprungen sein? (S. 35f).“
Es ist schlimm, dass jemand so unreflektierte und unreife Sätze schreibt. Da kann ich mich nur fragen, ob der Herr schon mal Sex im Leben hatte, wenn nicht sollte er doch besser über Fussball referieren. Wenn ich eine Frau wäre, was ich nicht bin, schlafe ich dann mit der Psoriasis??? Wenn ich als Mann eine Frau attraktiv finde, dann ist mir sowas doch völlig egal – und wenn mich das stören würde, würde ich die Frau ohnehin nicht mögen und dann erledigt sich die Diskussion über Sexualität doch von alleine.
Eine Erkrankung nervt jeden Menschen und jeder wünscht sich gesund zu sein. Nur manchmal muss man eben damit leben. Turner weiß gar nicht von was er spricht, wenn er von „sexueller Revolution“ redet. Der Typ regt mich schon auf, bevor ich ihn gelesen habe, ich würde ihn … bevor er den Mund öffnet. Er scheint echt der Superlativ von talentfrei zu sein. Das ist noch nicht mal amüsant oder entfernt witzig.
Ich hatte letztens einen Mann getroffen, der um die 40, war und mir sagte, er habe noch kein Sex gehabt. Nun das ist leider nicht ungewöhnlich, die meisten sprechen nicht offen darüber. Ich will sagen: Herr Turner, Sie sind nicht alleine und müssen auf den toten Reich auch nicht neidisch sein, der hat jetzt auch keinen mehr.
Und wenn ich mir das genau überlegen würde, will ich meinen, dass Sexualität im Alter auch nicht alles ist. Wenn die in der Jugend (oder im jungen Erwachsenenalter) askethischen Menschen dann später noch einmal Geschlechtsverkehr haben sollten, was sollen sie dann (bioenergetisch) erleben? Vermutlich ist das Verdrücken einer Currywurst das größere Vergnügen.
Turner könnte mit diesem Satz auch sein eigenes Problem auf Reich übertragen haben (klassische Projektion): Die Frauen ekeln sich vor ihm, vermutlich ist sein Gefühl da auch richtig.

O. weiter: „Darunter dann ein Bild von William S. Burroughs Akkumulator, der berichtet habe, er hätte in dieser „Kiste“ einen „spontanen Orgasmus“ gehabt.“
Da frag ich mich schon, wie er das mit dem spontanen Orgasmus fertig gebracht hat. Ich stehe mehr auf Rundungen und einen warmen weichen Körper … statt auf einen eckigen Kasten mit kalten Metallwänden. Von einem Kleiderschrank-Fetisch habe ich auch noch nichts gehört.

Darauf Robert: Das ist reiner Nonsens; ich las mal, er hätte einen Blechkanister genommen, etwas Wolle reingestopft, seinen Penis in die Öffnung des Kanisters getan und dann einen Superorgasmus gehabt.
Ein wahrer Witzbold, dieser Drogenjunkie…
Um etwas über Burroughs Gedankenwelt zu begreifen, kann man sich den Film „Naked Lunch“ anschauen.

Sebastian 2011:

Im übrigen ziemlich charakteristisch für die Geistes-„Wissenschaftler“, die heutzutage die Universitäten verlassen. Sie sollten lieber als Taxifahrer arbeiten und in den Wartepausen meinetwegen weiter Derrida, Deleuze und Foucault lesen, statt mit ihren wirren Ergüssen das geistige Erbe Europas langsam aber sicher vollends zu „dekonstruieren“.

Hahaha! Das erinnert mich daran, wie ich in einer Arbeitsgruppe in der Uni davon berichtete, dass ich mich gerade mit Reich beschäftige. Nach allgemeiner Schockstarre, meinte eine Mitarbeiterin, nachdem sie keine Argumente mehr hatte, zu mir: „Was beschäftigst Du Dich überhaupt mit so einem Quatsch? Reich lässt sich bestimmt auch vortrefflich dekonstruieren!“
Die Mitarbeiterin war übrigens von Taatoos übersät und hatte lauter Metall im Gesicht, wo man sich nur denkt: Autsch! Lachen konnte sie auch nicht. Sie war der linksliberale Querulant, der hier häufig beschrieben wird.

Robert 2011: Dass Turner ein Pamphlet schreiben würde, war nicht anders zu erwarten. Selbst bei versierten Personen, zB Psychoanlytikern, gibt es ähnliche falsche Angaben, es ist fast schon Standard und nicht anders zu erwarten.
Wichtig bleibt, dass sich wieder einige Leser mit Reichs Originalschriften beschäftigen werden.

Dazu Sebastian: Das ist eine seltsame Interpretation. Mag sein, dass vereinzelt ein paar Leser auf den Gedanken kommen das nachzuprüfen. Insgesamt ist das Buch hervorragend dazu geeignet alle Vorurteile gegenüber Reich nochmal zu bestätigen und zu betonieren („Wir habens ja schon eh immer gewusst!“). 500 Seiten über die Pathologie eines Mannes… Da muss ja etwas dran sein!

Robert antwortet: Das Problem ist doch, dass Reich vollkommen in Vergessenheit gerät, ablesbar an den Zahlen seiner verkauften Bücher.
So wird er wieder wahrgenommen. Und interessante Details sind immerhin auch in diesem Buch dabei.
Sogar Freud wird heutzutage noch immer unsachlich angegriffen (Onfray, Anti-Freud) und das landet sogar in den Bestseller-Listen.

Jonas: Onfrays Buch kennne ich nicht, allerdings finde ich es interessant, dass Onfray sich in seiner Freud-Kritik offenbar positiv auf Reich bezieht. Aus einer Rezension in der Zeitung „Die Presse“:

„Er stilisiert sich als ein wahrer Volksaufklärer, der an seiner „Universit´e populaire“ in Caen in der Normandie, wo er sein Leben lang gelebt hat, die dissidenten und unbekannten Philosophen lehrt und ausgräbt – aus dem Bereich der Psychoanalyse etwa findet einzig Wilhelm Reich Gnade vor seinen Augen…“ http://diepresse.com/home/spectrum/zeichenderzeit/648823/Freud-der-Krampus

Sebastian: „Immerhin ist Lia Laszkys Beschreibung von Reichs sexualaufklärerischen Aktivitäten in Wien und Peter Hellers Beschreibung der Ferienaktivitäten der Wiener Psychoanalytiker am Grundlsee 1929, jeweils von Turner referiert, lesenswert.“
Wenn Turner grundsätzlich unglaubwürdig ist, wäre ich mir nicht so sicher, ob er nicht auch bei Lesenswertem alles verdreht.
Das Buch scheint insgesamt hervorragendes Klopapier zu sein!

Robert 2011: Dazu beruft er sich u.a. auf die 1940 im Deutschen Reich herausgegebene Broschüre Geschlecht. Liebe. Ehe des nationalsozialistischen Psychologen Johannes Heinrich Schultz.
Das ist keine Broschüre, sondern ein gebundenes Buch von 170 Seiten. Ob Prof. Schultz, der Erfinder des Autogenen Training, wirklich ein Nationalsozialist ist, wage ich zu bezweifeln. Wenn man seine Bücher liest, auch gerade ‚Geschlecht, Liebe, Ehe‘, wird einem klar, dass er in Opposition zur herrschenden Kultur des NS-Mannestums stand und sehr für mütterliche Liebe plädierte.
Meist wird seine „Schwulenfeindlichkeit“ herangezogen, was auch wieder eine totale Unkenntniss der damaligen Verhältnisse bedeutet. Im Gegenteil versuchte Schultz Schwule zu retten, auch wenn er in Teilen der NS-Ideologie Zugeständnisse machte (was gar nicht anders möglich war). Bei der Luftwaffe präferierte er eine analytische Behandlung statt der psychiatrischen Folter für Kriegszitterer. Er versuchte, im Rahmen seiner Möglichkeiten das Beste für seine Patienten herauszuholen.
Die Absurdität heutiger ‚politisch korrekter‘ Anschauungen auf die damaligen Verhältnisse zu übertragen, zeugt nur von einer geistig beschränkten Dogmatik, Ahistorie und enormer geistiger Begrenztheit

Dazu O.: Die NS Politik war so widersprüchlich, dass sehr unklar ist, für was sie eigentlich stand. Offiziell mag sie „schwulenfeindlich“ gewesen sein, die gesamte SS Elite war ein einziger Männerklub und trieb sich in quasi eigenen Offiziers-Schwulenkneipen in Berlin rum. Ob Hitler, wenn er eine Sexualität hatte, was komischerweise verschwiegen wird, nicht homosexuell war, wird man wohl nicht mehr erfahren. Ebenso widerspricht eine Mutterliebe nicht der NS Propaganda, die Mutter wurde geehrt und ähnlich einem Mariakult hochstilisert (s. Einführung des Muttertages). In diesen Dingen hat Hitler sehr „sozial“ denken können. Man denke auch an der Körperbetonung der Leibesübungen der Jugend. Da liegt auch das Yoga nicht weit weg von und erinnert an die okkulten Forschungen und Symbolausleihungen aus dem asiatischen Bereich. (Indien)
Im Reichschen Sinne ging es um Körperbeherrschung und „Verdrängung“ sexueller Impulse. Die Frage ist, ob das NS-Regime überhaupt einen Sinn für heterosexuelle Liebe hatte, außer zur Zeugung von Kindern und einem entsprechenden volkserhaltenden Familiensinn. Das erotische scheint aber eben in der offiziell verneinten Homoerotik gelegen zu haben, die man zu dieser Zeit nicht dem Volke als Norm verkaufen wollte, da man eben Soldaten und Arbeiter brauchte.
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Eine zweite Frage, die sich für mich bei Hitler stellt. Er stellt sich verbal gegen Freimaurer, das Finanzjudentum und in dessen Folge auch gegen die heutigen Illuminaten. Andererseits wurde er von diesen US- und vermutlich auch jüdischen englischen Banken finanziert und unterstützt. Seine Abhängigkeit von der Thulegesellschaft war letzlich eine Freimaurergesellschaft, wenn ich nicht irre. Er trat auch für eine NWO ein, ein Thema, dass sich ja heute wiederholt oder noch immer nicht ausgeträumt ist.
In diesem Sinne war Hitler auch nur eine politische Marionette. Möglicherweise hat er sich als er an der Macht war davon befreit und wurde daher zum „bösen“ Feind der Allierten. Ähnlich wie es mit Saddam Hussein (Irak) und mit Bin Laden (Afghanistan) ablief.
Reich hat diese Sachen nicht analysiert. Sondern evtl. völlig ungenügend Hitlers Hass gegen das Judentum als Hass gegen die (eigene) Sexualität gedeutet und ihm damit den NS-Revolutionsgedanken entrissen. Dieses Motiv nur psychoanalytisch zu deuten wäre damit eine historische Missinterpretation. Das Hitler die unerfüllte Sexualwünsche der Menschenmassen missbrauchte, sei unbestritten, wurde aber in jedem (auch der Alliierten) Staate so vollzogen und trat für Reich nur hier deutlichst auf.

Klaus über Turner: Au Mann, das wird nischt mehr mit Ernstnehmen …. nun lasst mal sein, alles nur sehr peinlich http://www.observer.com/2011/08/author-christopher-turner-takes-us-inside-the-orgasmatron/

Robert 2011: Von Peter Heller empfehle ich:
Eine Kinderanalyse bei Anna Freud (1929 – 1932).
Königshausen & Neumann 1986.
Wo er mit seiner Kritik an Anna Freud und derer Sexualfeindlichkeit nicht spart.

Robert weiter: Es ist sicherlich nicht Zufall, dass Anna Freud lesbisch wurde. Auch ihr Vater war ein Egoist, seine Tochter dermaßen für sich einzuspannen und dann noch der massive Fehler, seine eigene Tochter zu analysieren.

O. Says: Wenn man die hier von Anna Freud persönlich gemachte Intrige gegen die Reich Familie, seine Töchter und seine Exfrau betrachtet, kann man natürlich zu einem Urteil über die Freuds, die oben wie ein Liebespärchen vor der Kamera lustwandeln (hier hätte sogar ich den Ödipuskonflikt entdeckt …), kommen, dass auch auf die gesamte (im übrigen primär jüdische) Psychoanalyse einen Einfluss hatte.
Mit diesem Wissen, was Reich nicht hat durchblicken lassen – da er es für privat und persönlich hielt – haben wir hier wieder einmal Sektenstrukturen und Machtverhältnisse innerhalb einer überschaubaren Struktur (PA), die gezielt einen „Dissidenten“ zu zerstören suchten. Anna Freud, neben Ernest Jones, und Sigmund Freud waren verantwortlich auch für die weiteren Hetzkampagnien gegen Reich, die später von den Kommunisten und den Demokraten des „US-Regimes“ genutzt worden sind. Letztere hätten kaum Erfolg gehabt, wäre Freud hinter Reich gestanden.
Nun war Reich im Dilemma und noch immer verwoben mit dieser PA. Erst später kann man aus seinen Vorworten der Charakteranalyse zwischen den Zeilen herausinterpretieren, dass er sich von der Psychoanalyse lossagen wollte. Reich hätte nicht nur inhaltlich, sondern formal einen radikalen Schnitt machen müssen. Und dies schon 1927 als Freud gesagt „so dick“ – und da konnte dies psychoanalytisch nur eine Kastrationsdrohung vom (Groß-) Vater Freud gegen seinen geistigen Sohn Reich bedeuten, als der seinen „Penis“ (Potenz) in der Schrift „Funktion des Orgasmus“ zu sehen bekam. Freud fürchtete wohl um seine frigides und masturbierendes Liebchen Anna, die längst in die Frauenrolle inder sexuellen Vorstellung von Freud gewachsen war, als er seine Frau (mit 40) schon abstoßend fand.
So bekommt der ORgasmatron von Turner noch eine ungewollte, sinnige und erhellende „Interpenetration“. Und Freud gibt sich post mortem und seiner Bewegung noch den Thanatosstoß. Er mag Otto Groß als „Sohn“ kastriert und getötet haben, bei Reich ist er zwar nicht mehr zu Lebzeiten gescheitert, doch Therapie-Historiker werden den Ödipuskomplex als Projektion eines „psychoanalytisch mordenden Vaters“ betrachten müssen. Ferner ist auch der Wunsch der Tochter nicht der, Inzest zu begehen, sondern es ist der Wunsch des alten Sackes, seine erwachsene Tochter zu begatten. Somit dürfte die Existenz des Ödipuskomplexes bestritten werdne können und die Psychoanalyse als Okkulte Technik entlarvt werden ohne tieferen Sinn und ohne Verstand. Ich könnte diesen Faden weiterspinnen, aber es würde hier eh keinen interessieren, dass sollte man dann mal auf einem psychoanalytischen Kongress zum Besten geben. Das wäre der Job von Karl Falland & Bernd Nietschke – the strange case of Freud – zu schreiben.

Pierre: Fallend & Nitzschke sind in der Wolle gefärbte Freudianer und setzten sich für Reich nur ein, weil und insofern sie ihn für einen „Antifaschisten“ hielten. Als postfaschistische Antifaschisten kritisierten sie Freud und IPV nur wegen ihrer Politik gegenüber dem NS, wobei ihnen der „Fall Reich“ als Vehikel diente. Von ihnen ist also „The Strange Case of Sigmund Freud“ nicht zu erwarten.

O. Says: Hier am Ende eines Vortrages, der die Abgrenzung Reichs zu Freud zum Thema hatte, die üblichen Fragen einer esoterischen, aurasehenden, okkult-faschistisch strukturierten Person, die Orgon mit allen anderen asiatischen Energien vermischen möchte und damit unausgesprochen sagen möchte „Es ist doch alles nichts neues“ – dann möchte sie noch den Vergleich zum kollektiven Unbewußten (dem arischen okkulten Hitlerfreund C. G. Jung) führen und läßt sich auch hier bestätigen, dass dies Orgonenergie sei – was Reich in … speaks of Freud gesagt haben soll. – Eine Behauptung die nur im weitesten Sinne gemeint sein kann.

Robert 2011:
Hoffentlich wird das Buch wird bald auf Deutsch übersetzt. Die Zitate machen neugierig, auch weil Turner offenbar einige unbekannte Details ausgegraben hat. Darum begrüße ich jedes Buch über Reich, was neue Informationen bringt.
Im übrigen hat es keinen Sinn, sich über Turners Buch zu beklagen, da er genau das schreibt, was der pornographische Neurotiker hören will. So ein hervorragendes Buch wie das von Rothländer (Karl Motesiczki) hat dagegen überhaupt keine Erfolgszahlen, sondern ist ein Ladenhüter.

O. Says: Das was Turner hier zu tun pflegt, unterscheidet sich in nichts von Teenagern, die bei „fratzenbook“ ihre Mitschüler mobben. Er erzählt ewig dieselben Stories von Masturbation in seinem Orgasmotron, von Madness zu diesem und jenem Zeitpunkt und von wissenschaftlichen Ableitungen koppulierender StudentInnen, die er wohl bei „hisporn“ gesehen hat. Nur zu dumm, das Tote sich nicht mobben lassen. Bei Mesmer kommen seine heimlichen Wünsche zu Tage, endlich mal eine Frau sehen, die ihre Schenkel vor ihm spreitzt, sorry I guess this day will never come to you.

Klaus: In Welt-online (http://www.welt.de/kultur/article13588740/Wie-die-sexuelle-Revolution-nach-Amerika-kam.html) hat man eine neue Erkenntnis:
„Das grandiose Missverständnis besteht nun darin: Wilhelm Reich war keineswegs der Prophet des ungehemmt-wilden Herumvögelns. Sexualität sollte seiner Meinung nach unbedingt mit Liebe verbunden sein. Homosexualität hielt er für eine Krankheit, die es zu behandeln gelte. Wenn die linken Literaten, die in ihren Orgonakkumulatoren herumhockten, das gewusst hätten, sie wären schreiend ausgebrochen.“
Ansonsten das übliche:
„Erste Anzeichen von Verrücktheit – im klinischen Sinn – zeigte er bereits 1934, als er beim psychoanalytischen Kongress in Luzern auftrat, in einem Zelt campierte und ein großes Messer im Gürtel trug. Am Ende seines Lebens war Wilhelm Reich ein Alkoholiker, der Frauen schlug, sich von Feinden umstellt sah und mit Wasserstrahlen Ufos jagte, die seiner Ansicht nach die sexuellen Energiefelder vergifteten.“ ………..

O. 2011: Das ist eben klassiche Konditionierung des Lesers beim Reiz „Abartiges“ gepaart mit „Reich“ zur Reaktion „Ekel“, wo Abartiges = Turner stehen müsste.

Robert: Nachdem ich nun das ganze Buch gelesen habe, bin ich etwas ernüchtert darüber. Es enthält zahllose neue Quellen und Informationen, die das Buch durchaus lesenswert (ich würde behaupten zum m u s s) machen, aber insgesamt wird es Reich nicht gerecht.
Allerdings ist das Werk auch um Objektivität bemüht, er läßt immer auch die Gegenseite zu Wort kommen, was Turner ehrt.
Und seine historische Aufarbeitung von Margaret Sanger bis Fritz Perls ist durchaus gelungen, wenn auch etwas verworren.
Turner ist der durchschnittliche kleine Mann, der über etwas schreibt, wie es der typische Journalist machen würde – so verliert er sein wertvollstes Kapital. Dabei hätte er durchaus Gelegenheit gehabt, aus den vielen wertvollen Interviews und neuentdeckten Quellen etwas zu machen, was Bestand gehabt hätte. Aber ich habe den Eindruck, dass er unter dem Zwang stand, nichts von Reich ernstzunehmen und ein typisches halbseidenes Produkt des postmodernen Zynismus zu realisieren.
Ich hoffe, dass Wissenschaftler und Historiker mit dem nun entdecktenden Material neue Untersuchungen beginnen werden.

Robert weiter: „Beispielsweise fand Kinsey, daß 17 Prozent der Farmarbeiter „Tiersex“ praktiziert hatten (S. 211). „Kinsey catalogued different kinds of orgasms with Reichian enthusiasm“ (sic!) (ebd.).“
Sehr gute Kritik an Kinsey in dieser Heftbesprechung

Klaus: „In diesem Blog wurde eingewendet, daß durch Turners Buch Reich vielleicht wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird.“
Na danke. Es ist eben gar nicht unbedingt erstrebenswert, Reich Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Den Erkenntnissen soll Aufmerksamkeit zuteil werden, und dafür bedarf es nicht einmal des Namens „Orgon“. Man kann die Phänomene erst einmal ohne Bezug auf den Mann beschreiben und hinterher wieder ‚zusammenpuzzeln’ derart, dass die von Reich angenommenen Zusammenhänge aufgrund der ‚Datenlage’ naheliegen.
Der Mann Reich ist
– durch seine Anhänger
– durch die 68er
– durch die Esos
– …. ?
so lächerlich gemacht worden, dass da wohl nicht mehr viel zu machen ist.

Peter: Es ist Heiko Lassek sehr hoch anzurechnen, daß er vielen terminalen Krebspatienten geholfen hat. Über Jahre war er der einzige seriöse Ansprechpartner weltweit! Auch ist ihm sehr hoch anzurechnen, daß er eindringlich vor einem Kult um den Orgonenergie-Akkumulator gewarnt hat: Es sind Leute, gegen Lasseks eindringliche Warnungen, elendlich an Krebs verreckt, weil sie die „Schulmedizin“ aus ideologischen Gründen abgelehnt haben und sich mit dem ORAC selbst behandeln wollten.
Es war immer wieder der anorgonotische Lähmungszustand, der mir bereitsgesundende Krebskranke tötete; (…) sie starben, als die natürliche orgastische Erregung auf die Plasmastauung stieß. (DER KREBS, S. 373f)
Das zweite Grundproblem der orgonomischen Krebstherapie ist die Selbstvergiftung des Körpers durch die „fauligen“ Abbauprodukte, die bei der Auflösung des Tumors freiwerden und u.a. zum Nierenversagen führen. Steht alles in DER KREBS.
The elimination of the pathways for getting rid of detritus is a problem that has not yet been solved. I believe that the task of healing fully developed cancer is just as hopeless as trying to treat fully developed character neuroses. (AMERICAN ODYSSEY, S. 321)

Peter 2011: Jetzt auch eine Besprechung in der NEW YORK TIMES von niemandem anderem als Christopher Hitchens, einer Medienpersönlichkeit in der angelsächsischen Welt. Ein Trotzkist, der vehement für George Bush eingetreten ist – also der über das ganze politische Spektrum hinweg gehört wird.

Dazu werden dann auch gleich noch Auszüge aus dem Buch geboten:

DeMeos Antwort auf die Besprechung in THE NEW YORK TIMES:
http://www.dailyhitchens.com/2011/09/inside-orgone-box.html

Peter weiter: Der NEW YORK TIMES gefällt Turners Buch!

O.: Orgasmoturns gibt es viele, doch nur einer ist echt.
http://www.independent.co.uk/arts-entertainment/books/reviews/adventures-in-the-orgasmatron-wilhelm-reich-and-the-invention-of-sex-by-christopher-turner-2343723.html

Peter zur Frage der „Spieltherapie“: Siehe den Film ROOM FOR HAPPINESS. Mit „Spieltherapie“ meine ich die ganz normale Vorgehensweise, wie sie jeder gute Kinderpsychotherapeut durchführt – angereichert mit orgontherapeutischen Elementen und „informed by orgonomic principles“.

Bernd Wolfgramm:Es ist nicht gut diesen Müll von Buch des C. Turners weiter zu verbreiten, zu übersetzen und auf die ohnehin schon verblödeten Menschen auszuschütten.
Nicht alle Bücher dieser Welt machen sie lebenswerter. Egal ob „freie Gesellschaft“ oder nicht.
Die E-verpesteten Menschen werden sich draufstürzen und es als Waffe benutzen eine weitere Hoffnung zu zerschlagen, damit sie in Ruhe in Ihrer Panzerung dahinvegetieren können.
Bitte veröffentlichen Sie, Herr Nasselstein, ein Buch, kürzer, verständlicher, liebevoller, geistreicher und emotional einprägsam – wie sie es in diesem Blog schon begonnen haben – damit alle die WR und das Lebendige lieben etwas in der Hand gegen dieser Haßwerk haben!

One chance: Wer Myron Sharaf kennengelernt hat, und ich meine nicht nur in seinen Workshops saß, wo die erste Reihe beim Sprechen den Kaffee den er schlürfte, aufs Papier usw. spukte, der wußte, dass er noch frisch denken konnte. Sein Körper war ein Wrack und er war über Jahre dem Tode nah, da kann man nichts „Lebendiges“ mehr erwarten. Ob er das Oranur wahrgenommen hat oder nicht, ist völlig uninteressant. Er hat daraus keinen Hehl daraus gemacht, wenn er an etwas gezweifelt hat und er hat aber nicht behauptet, dass so etwas nicht da gewesen wäre, sondern nur dass er es nicht gespürt hat.
Nebenbei bemerkt, wenn jemand die DEUTSCHE Ausgabe liest Der heilige Krieg des Lebendigen – oder wie der Schrott heißt, dann hat er kein Buch von Sharaf in der Hand, sondern eine Turnerausgabe. Verbrennt das Buch und lest die Amerikanische Ausgabe.
Sharaf hat sich nicht als „Orgontherapeut“ bezeichnet, obwohl er mehr von Reich gelernt hatte als irgendein Möchte-gern-Therapeut. Die ganze R.-Szene hat das Orgon nicht mal gespürt, also was soll die Aussage, das Sharaf zweifel hatte, ob jemand Oranur spüren konnte? Sharaf hat provoziert. Das war seine Lektion für andere. Dummköpfe wie Turner verstehen das nicht. Wenn du an Orgonenergie glaubtest, sagte dir Myron „ich spüre nichts, was spürst du?“ … Er enttarnte den blinden Glauben und die Gefolgschaft als deinen inneren faschistischen Charakter, mit dem du dich auseinandersetzen konntest. Er war Therapeut durch und durch, wie Franz Ferczak sagt „für Blöde nicht erkennbar“.
Das erste was er dich im persönlichen Gespräch fragte, war: Du bist Deutscher und ich bin Jude, hasst Du Juden? Do you hate me? (in agressivem Ton) – Da mag man erstmal geschockt sein und denken ist der irre? Bei ihm musste man nun erstmal hinter die Kulisse schauen, was in Berlin keiner gemacht hat. Alle waren begeistert, dass er als Halbtoter Reichs Worte predigt. Die Rolle hat er gespielt. Nicht die Gespielin eines hier nicht zu nennenden „Therapeuten“, die ihn ins Bett kriegen wollte, kannte ihn, noch die anderen, die meinten sie würden mit ihm kommunikativ verkehren. Sie hielten ihn wohl für verblödet. Er nahm es in Kauf in Berlin im Haus dieser Gespielin zu sterben, statt in Boston, weil er hier hoffte ein paar Menschen erreichen zu können und ihnen noch etwas geben zu können, was sie tief bewegen würde. Nur deswegen war er nach meiner Einschätzung in Berlin und nahm die Demütigungen in Kauf. Er machte seinen letzten Auftritt auf der Weltbühne Berlin. „Das Leben ist ein Bühne, spiele deine Rolle!“ Myron Sharaf 1995. [hier zitiert nach O.]
Ein Turner kann zitieren, wen und was er will, es ist immer der Erguss seiner Feder und seiner Hirnwindungen.

O.: Sharaf hat wohl seinen eigenen Stil gehabt. Die „Orgontherapie“ hat er anderen überlassen, das war nicht sein Interesse. Ich denke, dass er die provozierende Arbeit schon von Reich hatte, der sich für Patienten auch nicht mehr so viel Zeit nahm (Forschung stand im Vordergrund) und gleich (bestimmt etwas ungedulfig) lieber gleich zum Kern des Problems kam. Ebenso hat er mit der ihm eigenen, aber nicht auf den ersten Blick erkennbaren, körperlichen Präsenz gearbeitet und einem „warmen Herzen“, wenn man das so sagen kann. Er konfrontierte nicht inhaltlich mit einer Situation durch Darstellung einer Problematik oder dem Angebot einer (konträren) Lösung. Er „provozierte“ oder weckte die Emotionen sehr direkt. Teilweise mit der Aufforderung mal ein wenig zu atmen, beobachtete kurz die sichtbar werdende Blockierung und zauberte dann eine Thema als psychodramatische Szene mit lauter Stimme. Den Patienten auffordernd auch etwas lauter zu werden und die Emotionen kommen zu lassen. Seine Technik war sekundär wichtig. Das, was mit dem Patienten passierte und wie es sich im Verlauf entwickelte, stand im Vordergrund und war nicht vorhersehbar. Sharaf hatte meist keine Vorinformationen oder nur recht wenig.
Auf diese Weise hat man sofort gespürt, was der Körperpanzer bedeutet und welche Themen er speichert. Dies nachahmen zu wollen, geht nicht. Ich nehme an, dass er dass von Reich gelernt hat und dieser so mit ihm gearbeitet hatte. Wie man dies nun nennen will, ist unwesentlich, Sharaf hat es wohl psychoanalytische Körpertherapie genannt und eben nicht medizinische Orgontherapie.
Man mag jetzt denken, dass muss doch so ähnlich wie Skan gewesen sein, ähnlich vielleicht, aber eben nur das.
Vom Prinzip ist die emotionale Ausdrucksarbeit, das wie Orgontherapie europäisch verstanden wird.
Doch das ACO arbeitet klar anders, würde ich sagen, evtl. jedoch mit dem gleichen Ziel, aber ohne so persönlich und emotional in Beziehung zu gehen. Sharaf war nach einigen Stunden immer fix und fertig, weil ihn das auch immer physisch sehr mitnahm. Der Patient war danach aufgewühlt, aber fühlte sich damit „nicht im Regen stehen gelassen“, wie das bei Konfrontationen häufig das Gefühl ist, wenn es nicht nachbearbeitet wird.

Peter: Hier mal was vernünftiges über Reichs OIRC, die Kinder der Zukunft:
http://www.psychorgone.com/history/how-i-became-a-case-history-for-dr-wilhelm-reich

Robert: Dr. Reich gave me a small pamphlet to read called “The Barbarity of Circumcision”.
http://www.historyofcircumcision.net/images/stories/resources/snow.pdf

Robert 2009: Peter Reich berichtet in „Der Traumvater“, wie er von seinem Vater vegetotherapeutisch traktiert wurde. Es war für ihn sehr schmerzhaft, allerdings fühlte er sich danach besser.

Manuel: Der Bericht von Susanna Steig zeigt ebenso wie der von Roger Wilcox
http://home.netcom.com/~rogermw2/Reich/personal.html
das keineswegs nur Laientherapeuten ein Problem darstellen. Hier werden Anklagen unter anderem gegen Elsworth F. Baker und Albert Duvall erhoben, also die von Reich selbst als „Führungspersönlichkeiten“ der Orgonomie eingesetzten Leute. Insofern sind die „Fragezeichen hinter Reichs Lebenswerk“ noch wesentlich größer…

Peter: Eines der Kinder war Paki S. Wright, die über ihre Erfahrungen einen Roman geschrieben hat: The All Souls‘ Waiting Room
http://www.amazon.com/All-Souls-Waiting-Room/dp/0759656177/ref=cm_cr-mr-title
Der Reviewer James Strick ist übrigens ein führender orgonomischer Biologe und Historiker.

Klaus 2010: „I was three years old. What I remember: my mother leading me down the long, dark hallway of our New York City apartment. The cold, tiled hallway. A bus. Going up the stairs of a concrete building, cold, huge and scary (a warehouse, I now realize).
She was sitting in a chair. A gypsy-like woman dressed in shiny silks, with her breasts hanging out of her blouse. Her name was Felicia Saxe. I was left alone with her. The sharp pain of her fingers and nails digging into my shoulders. And then, I was caught up in what felt like a screaming, crying machine that would never stop. My screaming and crying was what she wanted.
More memories: my face coming closer and closer to her breasts, being shoved into her breasts — I couldn’t breathe! A huge vagina, coming nearer and nearer to my face. And then, as if from afar, her holding me on her lap, her hand under my skirt, masturbating me.
I remember being on a bus with my mother, on the way there. There were newly blooming Spring trees. I said something about what was happening. My mother looked out the window.“
Tja, also, wäre schon schön zu wissen, was da dran ist.

Dazu Peter: Das Tragische bei der ganzen Sache: Saxe war eine Laientherapeutin, die nur Kinder therapieren durfte, als sie auch Erwachsene nahm, hat Reich sie umgehend aus der Orgonomie rausgeworfen und darauf insistiert, daß nur noch Mediziner therapeutisch tätig werden dürfen. Lowen nahm daraufhin in recht fortgeschrittenem Alter ein aufwendiges Medizinstudium auf. Ob Reich von dem Mißbrauch wußte und sie auch deshalb rauswarf, weiß ich nicht.
Michael Silvert mußte er verbieten, jemals wieder Frauen zu behandeln, weil er sich (wenn auch nur verbal) seinen Patientinnen grob sexuell genähert hatte.
Alles unendlich ekelhaft.

Klaus: Ja, aber das versteh ich nun gar nicht. Ist es denn verantwortungsvoller, Therapeut für Erwachsene statt für Kinder zu sein?
Nee oh nee, Blechkisten sind verlässlicher.
„Ich habe beispielsweise vor 30 Jahren mit einer Person schlechte Erfahrungen gemacht, die ohne jede psychiatrische oder psychotherapeutische Ausbildung „Orgontherapie“ angeboten hat.“ Je nachdem, was man unter einer psychotherapeutischen Ausbildung versteht, wimmelt’s davon. Was eine psychiatrische betrifft, kenne ich in Deutschland keinen einzigen Fall. Ich habe den Eindruck, dass es vor allem einer guten Intuition bedarf, um z. B. bei Dipl.-Psychs zu erkennen, ob sie wenigstens keinen Schaden anrichten oder sogar ein wenig hilfreich sind. (Ich meine, dass es das gibt.) Schade ist aber vor allem, dass die starken Kriterien, z. B. Orgasmusreflex, die Reich so sehr zur Theoriebildung anregten, kaum noch auf ernsthaftes Interesse stoßen. Und dabei ist zu bedenken, dass Reich selbst Beobachtungen machte (in „Der Krebs“ angedeutet), die ihn ahnen ließen, dass es wiederum von best. Bedingungen abhängt, was der Orgasmusreflex über den Zustand eines Patienten aussagt. (Das war ja der Anstoß für die neueren Methoden, die so etwas wie ‚Ladungshaltevermögen‘ berücksichtigen.) Darauf dürfte Lassek mit Recht mehrfach hingewiesen haben. Es mangelt an Grundlagenforschung.

Peter: Nein, es ist wirklich so, daß Therapie mit Kindern einfacher ist, weil einfachste Interventionen reichen, um eine Blockierung aufzulösen. Und selbst wenn das bei Erwachsenen auch ginge: die sind es seit Jahrzehnten gewohnt verkrampft zu sein, so daß eine plötzliche „Entpanzerung“ absolut verheerend wirken muß.
Beispielsweise kann ein Orgonom einer Mutter in Windeseile beibringen, was sie zu tun hat, um immer wieder die Atemsperre ihres Babys aufzulösen. Während er für die Atemsperre ihres Ehemannes Jahre braucht.

O.: „…Ich wußte sofort, als ich vier Jahre alt war, daß er Kinder liebte. …“ Dies bezieht sich wohl auf Reich der Kinder von Herzen liebte; in diesem Kontext kann man es auch als Missbrauch verstehen, was wohl in dem Satz nicht gemeint war.
Kranke, d. h. orgastisch total impotente, Kinderficker in der „Orgonomie“ gibt es immer und werden lange unentdeckt bleiben, weil es dort keiner vermutet oder wissen will.
– Nicht zuletzt auch deshalb ist nichts von Kinder-Orgontherapie oder Babytherapie zu halten; selbst dann nicht, wenn die Panzerung sich in dieser Zeit schon bilden muss und die muskulären Verhärtungen fühlbar sind. Eva Reich hat es den ELTERN überlassen ihr Baby sanft zu massieren (kostenfrei versteht sich).

Peter:

Robert 2011: „Begriffe wie „Liebe“, „Gesundheit“ und „Normalität“ sind, frei nach Foucault, bloße Machtinstrumente, d.h. „faschistisch“.“
Foucault ist der reinste Typus des „modern liberal“, der für den Islamfaschismus nur noch tiefe Bewunderung hegen kann; so schreibt er Februar 1979:
Seit gestern kann jeder muslimische Staat von innen her revolutioniert werden, auf der Grundlage jahrhundertealter Traditionen.
Das ist vielleicht die erste große Erhebung gegen die weltumspannenden Systeme, die modernste und irrsinnigste Form der Revolte.
http://www.netzeitung.de/sport/270877.html

Robert: Kritik an Turner vom ACO:
http://www.orgonomy.org/public_eye_turner.html
http://www.orgonomy.org/images/images_misc/WSJ_Allen.pdf

Robert: Eine heiße Debatte zu James DeMeos Buchkritik:
http://www.amazon.com/review/R248562XEKAZQ1/ref=cm_cr_pr_cmt?ie=UTF8&ASIN=0374100942&nodeID=&tag=&linkCode=#wasThisHelpful
Malcolm Brenner says:
It’s time you got off the Reichian party line, Jim. Reich is dead, there is no orgone, he was not the „great man“ he, you and others trumped him up to be. His placement of Dr. Albert Duvall as head of the Orgonimic Infant Research Center got me raped as a little boy, and got countless other infants and children abused as well. Roger Wilcox, Lorna Luft and I all independently agree on that. Reich pushed sex onto little kids whether they wanted it or not, and it’s us, the „Children of the Future,“ who are calling you out on your belated idol-worship. Reich was a deluded, schizophrenic madman.

Dazu O.: Seit Turners Schmierwerk kann man ohnehin keine Kritik mehr glauben.
Jedoch stellt sich die Frage, ob der sexueller Missbrauch an Kindern durch Albert Duvall stattgefunden hat am OIRC. DeMeo verneint dies nicht, sondern argumentiert, dass Reich dafür nicht verantwortlich sei. Er ist nicht persönlich verantwortlich, aber organisatorisch hätte so ein Mensch nicht in eine solche Position kommen dürfen.
Bei aller Überwachung von Reich hätten auch die „investigativen Behörden“ hier sofort ein Verfahren einleiten müssen. (evtl. FBI, CIA, FDA) Stattdessen wühlten sie um Orgonon herum, nach „sex in the box“.
Da kommt der Verdacht auf, wenn man sie nicht für total inkompetent hält, das solche Schweinereien gedeckelt, und die Täter mit allen Mitteln geschützt werden. Und man fragt sich – voausgesetzt es stimmt – zu welcher Seite Hr. Duvall gehörte, dass man ihn schützte.

Peter: Duvall wurde von Reich und Baker geschützt, obwohl es einige Hinweise gab, die im Laufe der Jahre an sie herangetragen wurden. Cott, der als zuständiger Mann des Orgonomen-Verbandes dem ganzen nachgehen wollte, wurde von Reich zurückgepfiffen, worauf Cott die Orgonomie verließ. Reich hielt viel von Duvall und wollte ihn wohl gegen die „Emotionelle Pest“ schützen. Baker war engstens mit Duvall befreundet und hat die Sache nicht untersucht, nachdem Reich gestorben war, obwohl es Bakers Pflicht war.
Es ist natürlich nicht ganz ausgeschlossen, daß Duvall tatsächlich unschuldig war! Aber wie das jetzt untersuchen?

O.: Heißt das, dass Duvall irgendwann angezeigt und verurteilt wurde?
Es gab wirklich genug Katastrophen um Reich, da Bedarf es nicht noch weiteren …

O.: Die Arbeit im OIRC … was war sie? Mehr Fragen als Antworten vielleicht. Beginnen wir die Fragen wieder zu stellen ohne gleich eine Antwort zu haben.
„….Don’t do this little thing here or become this great liberator
there. Go very slowly, from the small little doing and ask
the question: ‘What can I do to help my life along and
what can I do to understand the one who is against it?’
Not fight him and say, ‘DOWN, DOWN, DOWN!’—
that’s politics, that’s exactly what we don’t want.
Understand him first, why he does it so feverishly.
Then you will find your ways.” WR
http://www.wilhelmreichtrust.org/orgonomic_infant_research_center-2008_10_25.pdf

O.: Nun es sollte mehr eine Warnung sein, in solchen Projekten genau hinzuschauen. Und wenn ein solcher Verdacht schon ausgesprochen wurde, sollte man dem auch nachgehen, er lässt sich nicht aus dem Weg räumen, in dem man ihn „verschweigt“. Ob dies ein Fall von emotioneller Pest war, wird man dann sehen müssen.
Geht man davon aus, dass dieser Mensch von einem Therapeuten angefasst wurde und dies als invasiv erlebt hat – sich missbraucht fühlt, dann kann man vielleicht zumindest eines daraus lernen: Finger weg von den Neugeborenen!
Wer meint denn das Recht zu haben ein fremdes Kind (gegen die eigene Willensbekundung des Kindes) anzufassen? Mag der „Therapeut“ noch so „reichianisch erleuchtet“ sein, er hat seine Hände nicht ans Kind zu legen und es zu „massieren“. – Nun wer dem jetzt widersprechen möchte, sollte erst einen Moment nachdenken, finde ich.
@ Christian: abgesehen davon, dass ich kaum einen Ansatz sehe, hier etwas untersuchen zu können, sind mir die Kosten hierfür zu hoch.

Peter: Hier eine vernünftige Besprechung von Turners Buch:
http://www.orgonomyuk.org.uk/Orgasmatron%20Review.html

Robert: Ich finde übrigens Turners Fragestellung, warum diese Beatniks und homosexuellen Subkulturellen sich dem Orgonakkumulatur zuwandten, durchaus legitim. Was sie sich davon erhofften, warum sie Reich überhaupt für voll nahmen, wo er doch in der Wissenschaft als verrückt galt. Womöglich ist die sexuelle Revolution im Westen zum Teil auf dem Mist dieser von Reich beeinflussten Beatniks und „Kulturschaffenden“ gewachsen.

Dazu O.: Wilhelm Reich war unter den Studenten allgemein bekannt und nicht nur unter den paar übriggebliebenen Dauer-Reichianer, die sich seit 40 Jahren nicht weiterentwickelt haben. (Das ACO ist hier nicht gemeint) – Darunter gab es auch wohl Schwule – das kann man wohl nicht ausschließen, die im ORAC wartend auf die sexuelle Befreiung (ein-)saßen und ausharten. Diese hier zum allgemeinen Kunden für ORACS zu stilisieren, ist typisch „Sportler“. Vielleicht verzerrt sich auch seine Wahrnehmung, weil er nur mit solchen Beatnix und Homosexuellen der 90-er abhängt.
Niemand ist dafür verantwortlich, welche Fans er hat. Zumindest hat Reich solche Leute nicht zu sich geladen.

Peter 2012: Es ist still um den Orgasmatron geworden. Und das obwohl es Berichte über ihn einst sogar in renommierte deutsche Zeitungen geschafft hatten. Was ist passiert? Ging der winzigsten Orgasmusmaschine der Welt etwa der Saft aus?
http://www.multi-gyn.de/blog-archivieren/blogpost/191-orgasmusst-rungen-nichts-neues-vom-orgasmatron.html

O.: Es darf an dieser Stelle klar an Sigmund Freud erinnert werden, der aus Fehlleistungen und Projektionen auf die Phantasie des „Senders“ (in diesem Fall Turner) schließen konnte. Die Themen und Inhalte, die Turner Reich andichtet, sind Zeugnis seiner eigenen perversen Phantasie: Sex mit Kindern in einer Folterkammer etc.
EKEL ist die natürliche Reaktion auf sein Engagement als „bester Reich-Kenner aller Zeiten“.
Wer wird sowas auf dem deutschen Markt lesen? Welcher Käufer wird dieses Buch in sein Regal stellen? Reich interessierte Leser sind abgefültt und brauchen nicht das x-te Tertiärbuch zu ihm. Die Jugend spricht er nicht an. So bleibt nur die Berliner Schwulenszene und hätte am besten im 2001 Verlag veröffentlicht werden müssen.

Robert: Christopher Turner, a very interesting young writer and thinker (& husband to the excellent Gaby Wood of the Observer), is proposing nothing short of a fascinatingly oblique new history of sex and sexuality in the twentieth century that will trace the roots of the freedoms so many in the American-led West enjoy to the hilt without a thought of how they became licensed so to do…
http://www.harpercollins.com.au/books/Adventures-In-The-Orgasmatron-ow-Renegade-Europeans-Conceived-the-Ameri-Christopher-Turner?isbn=9780007450350&HCHP=TB_Adventures+In+The+Orgasmatron:+ow+Renegade+Europeans+Conceived+the+Ameri

Peter: Christopher Turner, with Wellcome Trust, Slanders Reich Again
Another major smear of Reich, for the umteenth time, now in the Irish Mirror, and at the Wellcome Trust Museum in the UK.
http://obrlnews.wordpress.com/2014/11/07/christopher-turner-with-wellcome-trust-slanders-reich-again/

Klaus 2014: Es sind ja schlichtweg willkürlich falsche Behauptungen. Inhaltlich bewegt sich derartiges zwischen merkwürdigen Extremen :
“He thought the cure for all society’s ills was for everyone to have frequent orgasms.”
(http://www.irishmirror.ie/news/weird-news/institute-sexology-racy-sex-exhibition-4583818)
Einerseits.
Ein Aluminiumröhrchen mit Quarzkristallen zum Davorsitzen andererseits.
(http://www.praxis-michalke.de/17.html)

Dazu Says: Zitat aus deinem Link:
„Was der Orgonstrahler mit 100%iger Sicherheit nicht kann:
Beschwerden und Krankheiten heilen, wenn Sie es nicht wollen“
Die Verantwortung für ein Nichtfunktionieren kann somit bequem wieder auf den Patienten abgeschoben werden.

O.: Für mich ist diese Aussage ein Hinweis auf die Wirkungslosigkeit einer Behandlung, die auf Einbildung beruht, aber nichts energetisch bewirken kann. Nur bei der Suggestion ist die eigene Haltung des Klienten relevant.
Der Orgonstahler hingegen hat keine mir vorstellbare oder fühlbare Heilwirkung, aber er ist dennoch keinesfalls harmlos. Dadurch, dass er exrtrem stark „Energie“ (kein Orgon) bündelt und erzeugt, wirkt er – was auch wahrgenommen wird und dann irrtümlich (für mich) als „Wirkung“ interpretiert wird – schädlich bei direkter Einwirkung und, falls Fernwirkung festzustellen ist, auch dann. So bescheiden das klingen mag, würde ich jemanden krank machen wollen, würde ich ihn als erstes anwenden.
Somit ist folgendes Zitat verkürzt völlig richtig: „Was der Orgonstrahler mit 100%iger Sicherheit nicht kann: Beschwerden und Krankheiten heilen, …“

Alfred Adler und Alexander Lowen

22. Juli 2016

Die Geschichte wiederholt sich immer wieder, was es möglich macht Grundmuster zu erkennen. Was Beispielsweise Peter Gay in seiner Freud-Biographie über Alfred Adler geschrieben hat, trifft wortwörtlich alles auf Alexander Lowen zu. Adler hatte mit einer „Psychoanalyse ohne Libido“, die ganz auf den Gegensatz von Machtstreben und Gemeinschaftsgefühl aufgebaut war, einigen Erfolg. Bei Lowen war es eine Karikatur der Orgontherapie ohne Orgonenergie und Genitalität. Ich zitiere Gay. Freud habe gesagt, Adlers Darstellungen seien so abstrakt, „daß sie oft unverständlich seien“. Und weiter:

Außerdem neige Adler dazu, bekannte Ideen unter neuen Namen zu präsentieren. „Man hat den Eindruck, daß in dem ‚männlichen Protest‘ irgendwie die Verdrängung steckte.“ Mehr noch, „unsere alte Bisexualität heißt bei ihm psychischer Hermaphroditismus, als ob es etwas anderes wäre“. Aber eine falsch, fabrizierte Originalität sei noch das Geringste: Adlers Theorie vernachlässige das Unbewußte und die Sexualität. Sie sei nur „allgemeine Psychologie“, zugleich „reaktionär und retrograd“. (Freud, Fischer TB, 2006, S. 253)

Hinzu kommt Ferenczis Hinweis, daß Adlers „Minderwertigkeitslehre“ eine breitere Ausführung des Freudschen Konzepts des „körperlichen Entgegenkommens“ sei. Freud sagte damals voraus: „All diese Adlerschen Lehren werden großen Eindruck machen und der Psychoanalyse zunächst sehr schaden“ (ebd., S. 254). Wie gesagt, alles wie mit Lowen und der Orgonomie!

Siehe dazu auch Chronik der Orgonomie.

Von Freud zu Reich (Teil 7)

23. Oktober 2015

Freuds Psychoanalyse beruht auf einem extremen Determinismus. Wenn man mal von hirnorganischen Erkrankungen absieht, läßt sich für Freud jeder noch so kleine Versprecher in einer logischen (bzw. „psycho-logischen“) Kausalkette auf Verdrängtes zurückführen. Ja praktisch alles was man sagt. So haben beispielsweise Psychoanalytiker Reichs symbolische Rede von den Adlereiern, die er gelegt habe, aus denen aber nur „Hühner“ entschlüpft seien, auf Reichs angebliche „Analität“ und Identifikation mit der Mutter zurückgeführt! Noch als er selbst Psychoanalytiker war, hat er diese Art von „wilder Psychoanalyse“ bitter bekämpft, da sie aus Freuds Wissenschaft eine Karikatur mache. Immerhin trifft diese Karikatur den Wesenskern des Freudschen Systems: es ist eine Übertragung des mechanistischen Materialismus auf den Bereich der Psyche.

Heutzutage wird das Gehirn als eine Art konstruktivistische Sinnfindungsmaschine betrachtet, was ganz im Sinne Reichs ist:

In der modernen psychologischen Forschung hatte man mit der Vorstellung gebrochen, daß unsere Wahrnehmungen nur passive Erlebnisse wären, ohne eine Aktivität des Ichs. Man dachte nun richtiger, wenn man sagte, daß jede Wahrnehmung getragen sei von einer aktiven „Einstellung“ auf den betreffenden Reiz („Wahrnehmungsintention“ oder „-akt“) Dies war ein richtiger Schritt vorwärts. Denn nun konnte man sich erklären, daß die gleichen Reize, die eine Lustempfindung auszulösen pflegen, in anderen Fällen, bei anderer innerer Einstellung, nicht wahrgenommen werden. Für die Sexualwissenschaft bedeutet das: Sanftes Streicheln an einer sexuellen Zone löst bei dem einen eine Lustempfindung aus, doch beim anderen bleibt diese aus; er empfindet nur ein Tasten oder Reiben. Hier bereitete sich die Unterscheidung der orgastisch vollwertigen Lusterlebnisse von den reinen Tastempfindungen vor, also im Grunde der Unterschied von orgastischer Potenz und orgastischer Impotenz. Die Kenner meiner elektrobiologischen Arbeiten wissen, daß sich in der „aktiven Einstellung des Ichs in der Wahrnehmung“ die peripherwärts strömende elektrische Ladung des Organismus auswirkt. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 47, Hervorhebungen im Original)

Unser Gehirn, unsere „Sinngebungsmaschine“ läuft automatisch ab. Und genauso ist es mit der „Verdrängung“: in der Therapie werden neue, bisher verdrängte vegetative Impulse frei, strömen auf das Gehirn ein und dieses ordnet diesen vegetativen Impulsen (mit suggestiver Unterstützung durch den Psychoanalytiker) dann irgendwelche Bewußtseinsbilder zu.

Reich hatte dies beim Übergang von der Psychoanalyse zur Vegetotherapie erkannt:

Es ist nicht so, daß eine Erinnerung unter Umständen einen Affekt nach sich zieht, sondern die Konzentration einer vegetativen Erregung und deren Durchbruch reproduziert die Erinnerung. (ebd., S. 238)

Sagte eine Patientin bei der Auflockerung des Oberschenkels plötzlich: „Jetzt erinnere ich mich, wie mich mein Stiefvater mit elf Jahren vergewaltigt hat!“, ging Reich nicht mit ihr „analytisch“ mit in die Vergangenheit zurück, sondern nahm den Ausdruck als aktuellen bioenergetischen Indikator. Zum Beispiel betrachtete er ihn als Ausdruck der bioenergetischen Angst vor vaginaler Hingabe, die sich mit irgendwelchen psychischen Bildern verbunden hat, um sprachlich artikuliert werden zu können. Diese Bilder können aus tatsächlichen Erinnerungen stammen. Es kann ja durchaus eine Vergewaltigung stattgefunden haben, aber vielleicht wollte der kontaktlose und brutale Stiefvater ja auch „nur“ seiner renitenten Tochter gewaltsam eine angemessene Kleidung aufzwingen! Ebenso könnten diese Bilder aus Filmen, Romanen oder aus Modethemen stammen, die in aller Munde sind, wie heutzutage der Kindesmißbrauch. Es läßt sich unmöglich genau sagen, deshalb macht der Begriff der „psychischen Verdrängung“ nur geringen Sinn und deshalb, wegen des Fehlens einer durchgehenden Ursache-Wirkungs-Reihe, ist auch die gesamte Psychoanalyse – gefährlicher Unsinn.

In der späteren Entwicklung von der charakteranalytischen Vegetotherapie hin zur Orgontherapie wurden (angebliche) Erinnerungen zunehmend nebensächlich und uninteressant. Entscheidend ist, daß Reichs therapeutischer Ansatz in vollständiger Übereinstimmung mit der allerneusten neuropsychiatrischen Forschung steht, während die Psychoanalyse wissenschaftlich kaum haltbar ist. Es gibt keine psychische Verdrängung, sondern nur vegetative Abpanzerung, die, wenn sie aus der „muskulären Verdrängung“ gelöst wird, das Hirn überflutet, das dann irgendein Zeugs produziert.

Dies soll durchaus nicht besagen, daß in der Orgontherapie alles nur auf Atmen und Muskelbearbeitung reduziert wird. Psychotherapie nimmt hier eine dezidiert „unpsychoanalytische“ Bedeutung an: der Patient muß die Perspektive für seine Lebenszusammenhänge zurückgewinnen und sie emotional und intellektuell verarbeiten. Gerade diese Arbeit wird aber durch die Psychoanalyse und ihre überholten Denkschablonen nur behindert. Beispielsweise wird in der Orgontherapie die „Übertragung“ als Ersatzkontakt entlarvt. Es geht um die Etablierung genuinen zwischenmenschlichen Kontakts, der durch Augenpanzerung unmöglich gemacht wurde. Ein Kontakt mit dem Patienten der jede Technik übersteigt. Dieser Kontakt, der bis hin zu regelrechtem telepathischen Gedankenlesen geht, führt dann dazu, daß man die richtige Frage stellt, empathisch mitfühlt, wo der Atem noch blockiert ist und am eigenen Körper spürt, welcher Muskel funktionell wichtig noch verspannt ist.

Wie im vorangegangenen Teil dargelegt, ist der Orgonomie die wirkliche Bedeutung sprachlicher Äußerungen zugänglich, während die Psychoanalyse im Dunkeln tappt.

Ein gewiefter „Körpertherapeut“ kann sicherlich die Orgonenergie von außen wie wild aktivieren und den Patienten so dramatisch verändern – aber die charakterliche Grundlage bleibt letztlich doch unangetastet. Aus diesem Grunde hat auch Elsworth F. Baker gesagt, daß Worte (die von innen her wirken) weit besser sind als „Körperarbeit“; daß „Muskeldrücken“ immer eine therapeutische Notlösung und geradezu ein therapeutisches Armutszeugnis ist, denn es wird nur dann angewendet, wenn man mit der Charakteranalyse nicht weiterkommt. Orgontherapie ist in erster Linie Charakteranalyse, in zweiter Linie Atemaktivierung (inkl. Hinweise auf Körperpartien, wo der Atem nicht hinkommt, aber ohne den Patienten zu berühren) und erst in dritter Linie das direkte Angehen der Muskelpanzerung.

Das autonome Nervensystem

19. März 2015

Das autonome Nervensystem ist von jeher ein Stiefkind der Medizin gewesen.

Reich wurde ganz entscheidend von dem monumentalen Lehrbuch Lebensnerven und Lebenstrieb (dritte wesentlich erweiterte Auflage des Vegetativen Nervensystems) von L.R. Müller beeinflußt (Verlag von Julius Springer 1931). Im Zentrum von Reichs Überlegungen stand der Unterschied zwischen dem sympathischen und parasympathischen Teil des autonomen Nervensystems.

In einer Rezension des Lehrbuches Das autonome Nervensystem, erschienen 2009, heißt es, daß Aufbau und Funktionieren des autonomen Nervensystems sehr gut erklärt würden, doch:

Spätestens bei der Abhandlung der Funktionen des Sympathikus/Parasympathikus und dem Zusammenspiel peripherer und zentraler vegetativer Strukturen werden die Komplexität und die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten dieser Vorgänge klar. Viele Fragen müssen hier noch offenbleiben.

Reichs erster Schritt von der Psychoanalyse in die Biophysik war es, genau diese Komplexität, die bis heute die mechanistische Medizin vor ein Rätsel stellt, funktionell aufzulösen.

Verfolgen wir kurz Reichs Weg:

Steigt sein Energieniveau an, bekommt der Neurotiker Angst und verhält sich entsprechend, um das Energieniveau wieder zu senken. Dieser Aspekt der Angst entspricht Freuds Auffassung von der Angst als „Signal an das Ich“ und als Ursache der Verdrängung, wie Freud sie 1926 in Hemmung, Symptom und Angst dargelegt hat (siehe Charles Konia: „Orgone Therapy [Part 12]“, The Journal of Orgonomy, 25[2], November 1991).

Reich konnte aufzeigen, wie Angst gleichzeitig Ursache und Folge der Triebverdrängung sein kann, indem er z.B. die Erwartungsfurcht bei Erythrophoben mit ihrer Sexualstauung verknüpfte, die dieser Furcht die affektive Ladung gab. Brachte man den Erythrophoben dazu, sich Onanie ohne Schuldbewußtsein zu gestatten, nahm auch die Angst ab und wurde beherrschbar. Er war dadurch in der Lage sexuelle Beziehungen zu knüpfen, was die Sexualstauung vollends beseitigte.

Dieses Kriterium, nämlich sexuelle Befriedigung, ermöglicht es zwischen neurotischer Angst und gesunder Angst zu unterscheiden. So nahm Reich Freuds ursprüngliche Angsttheorie, Angst sei das Ergebnis von Verdrängung, als Ausgangspunkt seines sexualökonomischen und später orgonomischen Ansatzes. An der Frage der Angst „trennen sich (…) unvereinbar die Wege der Psychoanalyse und die der Sexualökonomie“ (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 31).

Reich blieb also bei Freuds Vorstellung von der „Aktualneurose“ (die auch den Kern aller Psychoneurosen bildet), die Freud zufolge Ausdruck gestauter Sexualität war, weshalb sie Reich auch als „Sexualstauungsneurose“ bezeichnete.

Freud nahm „chemische Sexualstoffe“ an, die, nicht korrekt „abgebaut“, nervöses Herzklopfen, Herzschlagunregelmäßigkeiten, akute Angstanfälle, Schweißausbrüche und andere Symptome am vegetativen Lebensapparat auslösen. (Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 72)

Desgleichen vergleicht Reich die Symptome, die frustrierte Genitallibido zeitigt, mit einer Nikotinvergiftung und der sie begleitenden „Herzangst“ (Die Funktion des Orgasmus, 1927, S. 65f). Freud hatte also mit seiner Intuition der „toxischen Sexualstoffe“ recht. Dazu schreibt Reich:

Die Sexualbefriedigung im Orgasmus bedeutet (…) eine physiochemische Auffrischung der übrigen vegetativen Funktionen. Ich erwähne bloß das körperliche Erblühen der sexuell befriedigten Frau und dessen Gegensatz, das frühzeitig körperliche Welken der viel verspotteten „alten Jungfrau“, die nicht älter zu sein braucht als ihre glücklichere Geschlechtsgenossin. Das gleiche gilt für den Mann. (ebd., S. 72)

Der psychologisch orientierte Freud hat davon abgesehen, seine Vorstellung von der Aktualneurose weiter chemisch-pharmakologisch zu begründen und mit dem vegetativen System zu verbinden. Beides sollte Reich gelingen.

Im gleichen Jahr, in dem Freud seine neue Angsttheorie publizierte, tat Reich in konsequenter und bruchloser Fortführung des ursprünglichen Ansatzes von Freud diesen Schritt in seinem, ein Jahr später (1927) erschienen Buch Die Funktion des Orgasmus. Hier setzte er die Aktualneurose mit der vasomotorischen Neurose gleich, bei der die motorisch nicht abgeführte Genitallibido stattdessen das vasovegetative System innerviert und für periphere Vasokonstriktion, arteriellen Hochdruck, Herzbeschwerden (Asystolie, Tachykardie, Arrhythmien, Extrasystolen, etc.), Mydriasis, Versiegen der Speichelsekretion, kalte Schweißausbrüche, Hitze- und Kälteempfindungen, Erschlaffung der Muskulatur mit Tremor, Schwindel, Diarrhöen, etc. verantwortlich ist (siehe Die Funktion des Orgasmus, 1927, S. 63 und Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 39).

Bei der sexuellen Erregung unterscheidet Reich folgende Phasen:

1) Spannungslose Speicherung der Sexualenergie im vegetativen System.
2) Spontane oder willkürliche Konzentration der Libido auf den Genitalapparat (sexuelle Spannung und vasomotorische Erscheinungen).
3) Fortschreitende Überleitung ins sensorische System (Vorlust (…)).
4) Überleitung ins motorische System (Aufstieg zur Akme – Endlust (…)).
5) Rückströmen ins vegetative System, Zustand wie bei 1: Das Genitale und der übrige sensorische Apparat sind entlastet, die Muskulatur ist entspannt. (Die Funktion des Orgasmus, 1927, S. 70)

Wird nun dieser Erregungsablauf, etwa durch Coitus interruptus, unterbrochen und die vegetative Erregung nicht motorisch entladen, kommt es zu den oben erwähnten vasomotorischen Störungen, die sich über kurz oder lang in regelrechte organische Schädigungen verwandeln können.

Reich konnte in den 1920er Jahren bei seinen Patienten unmittelbar den Wechsel von Angst mit kardialer Erregung und Lust mit genitaler Erregung verfolgen (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 35). Schon 1924 hatte Reich zwei Frauen mit Herzangstneurose therapiert, bei denen die Herzangst nach genitaler Erregung nachließ. Dabei konnte Reich den Sitz der Angstempfindungen in der Herz- und Zwerchfellgegend lokalisieren (Die Funktion des Orgasmus, S. 102), wodurch zum ersten Mal Freuds ursprüngliche Angsttheorie, daß unverarbeitete Libido sich „irgendwie“ in Angst umwandelt klinisch greifbar wurde:

Es liegt keine „Verwandlung“ von Sexualerregung vor. Dieselbe Erregung, die am Genitale als Lustempfindung zum Vorschein kommt, meldet sich, wenn sie das Herzsystem erfaßt als Angst, mithin als das genaue Gegenteil der Lust. (ebd., S. 102)

Bei einer Asthma-Patientin, die Reich 1925 therapierte, konnte er ein „Oszillieren der sexuellen Erregung zwischen Luftröhre-Rachen auf der einen und Becken auf der anderen Seite“ beobachten.

Das Asthma verschwand mit jedem Fortschritt der Vaginalerregung und kam wieder mit jedem Rückschritt der Erregung auf die Atemorgane. (ebd., S. 123)

Diesen Gegensatz zwischen Becken (Lust) und Brustkorb (Angst) erweiterte Reich im folgenden zum Konzept der ganzkörperlichen Pulsation: Expansion mit Erregung der Peripherie (Lust) und Kontraktion mit Erregung des Zentrums (Angst). Eine Pulsation, die er schon beim Einzeller konstatierte:

Plasmaströmungen, von denen die eine in der Richtung Zentrum → Peripherie, die andere in der Richtung Peripherie → Zentrum abläuft. (Charakteranalyse, Fischer TB, S. 290)

Allein schon im Wechsel von Exspiration (parasympathische Expansion, Körper streckt sich) und Inspiration (sympathische Kontraktion, Körper zieht sich zusammen) zeigt sich eine Pulsation, wie man sie auch bei Einzellern findet: der Wechsel von Kugeltendenz (Kontraktion) und Streckung (Expansion).

Dabei ist entscheidend wie Reich biochemisch-pharmakologische Einzelerscheinungen in ein funktionelles Ganzes einbinden konnte. Er betrachtete die biologische Funktion, nicht die pure Biochemie. Das gleiche gilt für Reichs Beiträge zu einer umfassenden neurologischen Theorie.

Die gegensätzlichen körperlichen Symptome von Angstzustand und sexueller Erregung konnte Reich lückenlos mit dem antagonistischen Funktionieren des Sympathikus und Parasympathikus verbinden. Auch wenn man nicht im einzelnen nachweisen kann, daß der Sympathikus stets kontraktil, der Parasympathikus stets expansiv wirkt. Betrachtet man das antagonistische Funktionieren des autonomen Nervensystems jedoch von der Warte des Gesamtorganismus, machen vorgebliche Inkonsistenzen sehr wohl Sinn. Der Parasympathikus ist dann identisch mit einer allgemeinen Expansion hin zur Welt. Er weitet die Gefäße an der Peripherie des Organismus und das Herz kann ruhig und langsam arbeiten. Genau umgekehrt ist es beim Sypathikus.

Die sympathische Angstfunktion ist einheitlich sinnvoll, wenn derselbe Nerv, der die Speicheldrüse hemmt, die Adrenalinausschüttung, also die Angst, fördert. Dasselbe ist an der Harnblase der Fall, wo das Angstnervensystem den Muskel erregt, der den Abfluß des Harns behindert, den Muskel dagegen, der den Harn aus der Blase entleert, zum Erschlaffen bringt oder hemmt; der Vagus wirkt umgekehrt. Es ist ebenso, aufs Ganze bezogen, sinnvoll, daß in der lustvollen Spannung die Pupille (…) vagisch verengt, die Sehschärfe steigert, sie in der angstvollen Lähmung dagegen durch Erweiterung herabsetzt. (Die Funktion des Orgasmus, S. 223)

Es ist offensichtlich, daß sich daraus unmittelbar ein Gesundheitskriterium ergibt, da man ein verläßliches Schema hat, wie der Organismus in einer gegebenen lust- bzw. unlustvollen Situation natürlicherweise biologisch reagieren muß. Irgendwelche Diskrepanzen zeigen, daß die Pulsation des Organismus gestört ist (man denke an Personen, die ständig geweitete Pupillen haben oder unter fettiger Haut leiden, „Angstschweiß“):

Die chronische Sympathikotonie des Organismus – ein genereller Schockzustand – ist der somatische Ausdruck der Orgasmusangst. Wie wir gesehen haben, beruhen alle Biopathien auf der angstvollen „Atemsperre“, die aber nur der Grundmechanismus dieser viel umfassenderen allgemeinen Kontraktion des gesamten Organismus ist. In Die Funktion des Orgasmus (S. 272-277) zählt Reich eine ganze Reihe von Krankheitsbildern auf, die alle Folge dieser Sympathikotonie sind, wie z.B. Hypertonie des Gefäßsystems, Muskelrheumatismus, Asthma, Magengeschwüre und Krebs. So gelang es Reich praktisch alle Krankheiten, die nicht auf Ansteckung, Erbschäden oder Unfällen beruhten über die Sympathikotonie und die Atemsperre auf die orgastische Impotenz zurückzuführen.

Hier ist nun ein offensichtlicher Widerspruch in der Darstellung aufzulösen, denn Krankheiten wie Asthma (und tatsächlich die meisten somatischen Biopathien), die Reich auf Sympathikotonie zurückgeführt hat, beruhen ja eindeutig auf vagotoner Innervation. Reich selbst hat lange mit diesem Widerspruch gerungen, der sein ganzes Konzept hätte sprengen können. Dazu zitiere ich die folgenden Erinnerungen des Orgonomen Ellsworth F. Baker aus dem Jahre 1947:

Bei einer anderen Sitzung des inneren Kreises besprach Reich Asthma. Er sagte, daß er Asthma nicht verstehen könne, eine Biopathie die auf einer parasympathetischen Erregung beruht. Parasympathetisch ist gleichbedeutend mit einer expansiven Reaktion. Ich stellte in den Raum, die parasympathetische Erregung entspräche nur dem Versuch, die zu Grunde liegende Angst zu überwinden, und daß sympathetische Erregung vorliege, wie in allen anderen Biopathien auch. Reich fand, daß dies etwas für sich habe und weiter studiert werden sollte. (Baker: „My Eleven Years with Wilhelm Reich”, The Journal of Orgonomy, 10(2), November 1976)

Baker hebt in seinem 20 Jahre später erschienen Buch ausdrücklich hervor, daß alle Biopathien (letztendlich) auf Sympathikotonie beruhen (Der Mensch in der Falle).

Die Atemsperre (Teil 1)

4. Februar 2015

Die Gesundheit, d.h. orgastische Potenz eines Menschen kann man unmittelbar aus seiner Atmung ersehen. Bewegt sich der Brustkorb mit der Atmung? Wölbt sich der Bauch bei der Einatmung nach außen? Oder bei der Ausatmung („paradoxe Atmung“)? Liegt letzteres vor, sieht man unmittelbar wie beim Kranken sich Kontraktion und Expansion wechselseitig behindern („Panzerung“), während sich beim Gesunden Kontraktion und Expansion harmonisch abwechseln. Der Kliniker hat also mit der Art der Atmung ein durchgängiges Kriterium für Gesundheit vor sich, an dem er unmittelbar ersehen kann, ob der Proband gesund ist, d.h. ob seine Pulsationsfunktion gestört ist oder nicht.

Gleichzeitig kann er an dieser Beobachtung ansetzen, um die Gesundheit, d.h. die Pulsation wiederherzustellen. Aus Alexander Lowens Beschreibung seiner ersten Therapiesitzung bei Reich, wird deutlich was gemeint ist:

Ich legte mich mit meiner Badehose bekleidet auf das Bett. (…) Er befahl mir, die Knie anzuziehen, mich zu entspannen und mit offenem Mund und entkrampften Kinnbacken durchzuatmen. Ich befolgte die Anweisungen und wartete ab, was passieren würde. Nach einer ganzen Weile sagte Reich: „Lowen, Sie atmen ja gar nicht.“ Ich behauptete: „Selbstverständlich atme ich, sonst wäre ich doch schon tot.“ Darauf er: „Ihre Brust bewegt sich aber nicht. Fühlen Sie dagegen meine Brust!“ Ich legte eine Hand auf seinen Brustkorb und stellte fest, daß er sich bei jedem Atemzug merklich hob und senkte. Meiner tat es eindeutig nicht. (Bioenergetik, rororo, S. 10)

So geht es praktisch allen Menschen in dieser Gesellschaft, da die natürliche Atmung das erste Opfer des Urkonflikts zwischen Bedürfnis und versagender Außenwelt und der daraus resultierenden Existenzangst des Kindes ist. Die Störung der organismischen Pulsation zeigt sich in der flachen Atmung bzw. der „Atemsperre“, wie Reich sie in Die Funktion des Orgasmus beschreibt. Der Organismus panzert sich zunächst in seinem Zentrum ab, d.h. im Zwerchfell und dessen Umgebung, dem Brustkorb und dem abdominalen Bereich.

Generell ist bei den Neurotikern die Atemsperre mit einer chronischen Inspirationshaltung identisch. Von Kindesbeinen an ist diese hochgezogene Brust und das Atemanhalten unsere Abwehr gegen Angstgefühle (Morton Herskowitz: „Human Armoring: An Introduction to Psychiatric Orgone Therapy“, Annals of the Institute of Orgonomic Science, Vol. 4, September 1987, S. 79): Brust raus, Bauch rein (vgl. Die Funktion des Orgasmus, Fischer TB, S. 270). Es tritt eine unnatürliche Pause zwischen der Ein- und Ausatmung auf und der Brustkorb gibt nicht nach, wenn man auf ihn drückt (Charles Konia: „Orgone Therapy“, Journal of Orgonomy, Vol. 21, May 1987, S. 100).

Daneben kann es aber auch Patienten geben, bei denen die Ausatmung blockiert ist. Bei ihnen gibt es eine Verlängerung der natürlichen Pause zwischen der Aus- und Einatmung und die Brust gibt nach, wenn man auf sie drückt. Diese schlaffe, eingefallene Brust weist auf Resignation hin und tritt bei zu Depressionen neigenden auf (ebd., S. 99f). Umgekehrt signalisiert die hochgestellte Brust eher eine reaktive Trotzhaltung (Elsworth F. Baker: „Orgone Therapy“,p Journal of Orgonomy, Vol. 12, November 1978, S. 202).

Bei der Krebsbiopathie wird die Energiebilanz zunehmend negativer. Der Organismus „veratmet“ regelrecht in letzter Resignation. Es ist auffallend, wie wenig Angst doch Krebspatienten vor dem Tod haben, verglichen mit dem Wechsel von Angst und Aggression bei kardiovaskulären Patienten.

Insbesondere auch bei Schizophrenen findet sich eine eingefallene vollkommen bewegungslose Brust. Wegen dieser Unbeweglichkeit und extrem reduzierten Atemtätigkeit ist die chronische Exspirationshaltung generell nicht so offensichtlich wie es im Vergleich die chronische Inspirationshaltung ist. Erst nach Aktivierung der Atmung wird die chronische Exspirationshaltung sichtbar (Robert A. Dew: „The Biopathic Diathesis: Introduction to the Pulmonary Biopathies“, Journal of Orgonomy, Vol. 6, May 1972, S. 41).

Die Mobilisierung der Brust am Anfang der Orgontherapie lädt den Körper nicht nur mit Energie auf, sondern konfrontiert den Patienten auch sogleich, vielleicht das erste Mal in seinem Leben, mit seinen unterdrückten und aus dem Bewußtsein verdrängten Emotionen. Zur Illustration möchte ich das obige Zitat aus Lowens Beschreibung seiner ersten Therapiesitzung bei Reich fortsetzen. – Er sah also, daß Reich frei atmete.

Ich legte mich wieder zurück und atmete erneut tief ein und aus; diesmal bewegte sich mein Brustkorb auf und ab. Nach einiger Zeit befahl Reich: „Lowen, lassen Sie den Kopf nach hinten fallen, und machen Sie die Augen weit auf!“ Ich tat es, und … mußte plötzlich laut aufschreien. (…) forderte Reich mich auf, den Kopf wieder zu heben – und sogleich erstarb der Schrei. Ich fuhr fort, tief durchzuatmen. Seltsamerweise hatte mich der Schrei nicht beunruhigt. Ich hatte keine emotionale Beziehung zu ihm. Ich fühlte keine Furcht. Nachdem ich abermals eine Weile geatmet hatte, bat mich Reich, den Vorgang zu wiederholen. Ich ließ den Kopf nach hinten fallen und machte die Augen weit auf. Der Schrei „kam“ abermals. Ich möchte nicht sagen, daß ich schrie, denn ich hatte nicht den Eindruck, daß ich es tat. Der Schrei „passierte“ mir einfach. Ich hatte auch diesmal eigentlich gar nichts mit ihm zu tun. Als die Sitzung beendet war und ich Reich verließ, hatte ich das Gefühl, daß mit mir doch nicht alles so in Ordnung war, wie ich gedacht hatte. Es gab „Dinge“ – Bilder, Emotionen – in meiner Persönlichkeit, die meinem Bewußtsein verborgen waren, und damals begriff ich, daß sie herauskommen mußten. (Bioenergetik, S. 11)

Das Brustsegment spielt demnach nicht nur als „Antriebsmotor“ des Organismus eine Rolle, sondern auch bei der Freisetzung unserer Emotionen, denn es nimmt an jeder emotionalen Äußerung teil:

Neben ihrer Funktion als Energiehemmung dient die Panzerung der Brust spezifisch dazu, die stärksten Ausdrücke von Liebe, Wut, Schwermut und Verlangen, als auch Angst, einzudämmen. (…) Der vollständige Ausdruck jedes tiefen Gefühls wird begleitet von einer Weitung der Brust. Die Brust wogt mit tiefem Verlangen. Sie keucht vor Wut und bebt beim Schluchzen. Umgekehrt wird sie so starr wie möglich gehalten, wenn diese Gefühle unterdrückt werden müssen. (Herskowitz: „Human Armoring: An Introduction to Psychiatric Orgone Therapy“, Annals of the Institute of Orgonomic Science, Vol. 4, September 1987, S. 79f)

Die festgesetzte Inspirationshaltung beruht auf der Angst sich hinzugeben, letztendlich also auf der Orgasmusangst. Bei der unwillkürlichen Phase der genitalen Vereinigung fällt jede Ausatmung mit einer tiefen Penetration des Penis zusammen (Elsworth F. Baker: „Sexual Theories of Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, Vol. 20, November 1986, S. 191). Im Alltag spürt der Gesunde bei jeder Ausatmung eine angenehme Sensation in seinem Genital (Der Krebs, Fischer TB, S. 298). Reich behauptete dies von sich selbst (Baker: „My Eleven Years with Wilhelm Reich“, Journal of Orgonomy, Vol. 10, November 1976).

Atembremsung und orgastische Potenz bedingen sich wechselseitig (Reich: „On the Historical Developement of Orgonomic Functionalism“, Orgone Energy Bulletin, Vol. 2, April 1950, S. 54-62). Deshalb ist die Atemsperre der somatische Grundmechanismus der Neurose, an dem die Orgontherapie ansetzt.

Wie bereits angedeutet gehört zur Atemsperre zentral ein Zwerchfellspasmus. Das Zwerchfell bleibt ständig gesenkt, so daß es nie zu einer vollständigen Ausatmung kommt. Bei der orgontherapeutischen Befreiung des Zwerchfells beginnt sich, vorausgesetzt die über ihm liegenden Segmente sind bereits entpanzert, der Orgasmusreflex herauszuschälen, wenn auch in verzerrter Weise, da das Becken noch unbeweglich bleibt und am Reflex nicht teilhat, während sich der Oberkörper bereits mit jeder Exspiration nach vorn bewegt (Max M. Hughes: „Loosening of the Diaphragmatic Segment“, Journal of Orgonomy, Vol. 2, November 1968, S. 182).

Neben dem chronisch vor Angst kontrahierten Zwerchfell, das sich ausnahmslos bei allen Neurotikern in diesem Zustand befindet, ist auch die Bauchmuskulatur chronisch zusammengezogen (Herskowitz: „Human Armoring: An Introduction to Psychiatric Orgone Therapy“, Annals of the Institute of Orgonomic Science, Vol. 4, September 1987, S. 85f).

In den 1930er Jahren konnten sowohl Reich als auch der Neuroanatom Harold Saxton Burr das bioenergetische Feld des Menschen nachweisen. Dieses Feld wird vom Solar Plexus, dem bio-energetischen Zentrum des Organismus generiert. Entsprechend läßt sich die organismische Energie nicht auf die Verbrennung von Sauerstoff reduzieren.

Reich beschreibt den „Energiegenerator“ in seinem Buch über die bio-elektrischen Experimente. Leider ist Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst gegenwärtig vergriffen

Bei diesen Versuchen stellte er fest, daß das bio-elektrische Potential absinkt, wenn man auf den oberen Bauch drückt, wo sich der Solar Plexus befindet.

Das gleiche ist der Fall, wenn man den Patienten wie zum Stuhl pressen oder ganz tief einatmen läßt. (…) Atmet die Versuchsperson aus, so steigt das Potential langsam wieder auf die ursprüngliche Höhe. (…) Bei der Einatmung wird das Zwerchfell gesenkt und drückt auf die unterhalb gelegenen Organe. Die Bauchhöhle verengt sich, während sich der Brustraum erweitert. Bei der Ausatmung geht umgekehrt mit der Verengung des Brustraums eine Erweiterung des Bauchraums einher. Eine zweite Erscheinung weist in die gleiche Richtung. Atmet man tief ein, dann vergeht jede etwa vorhandene vegetative Strömungsempfindung im Bauchraum. Hingegen stellt sich bei tiefem Ausatmen im Oberbauch und im unteren Teil der Brust ein der Angst bzw. der Lust ähnliches Empfinden ein. (Die bio-elektrische Untersuchung von Sexualität und Angst, S. 122f)

Später konnte Reich zeigen, daß sich Gummistücke, die man auf den Bauch und andere Körperteile einer Versuchsperson legt, elektrostatisch desto besser aufladen, je freier die Atmung ist.

Läßt man Versuchspersonen, die schlecht reagieren, gut durchatmen, dann gelingt gelegentlich die Reaktion. Versuchspersonen mit starker vegetativer Erregbarkeit geben Reaktionen rasch und stark. (Drei Versuche mit Gummi am statischen Elektroskop, Oslo 1939)