West gegen Ost, Liberale gegen Konservative: Die Theologie des Ukraine-Krieges

Das Grundcharakteristikum gepanzerten Denkens ist das Zerstückeln der funktionellen Einheit in unversöhnliche Gegensätze, die dann notdürftig in willkürlichen zusammengezimmerten Konstrukten wieder zusammengeführt werden. Nehmen wir die Bibel; das Buch, das die Geschichte der Menschheit beschreibt.

Am Anfang stehen zwei Bäume. Der eine Baum schenkt das ewige Leben, d.h. man ist eins mit allem. Der zweite ist der „Baum der Erkenntnis“, d.h. diese Eintracht wird analytisch auseinandergenommen, das angeblich Gute vom angeblich Schlechten geschieden – die Einheit zerfällt und mit der Zwietracht zieht der Tod in die Welt ein.

Der kleine Finger meiner rechten Hand lebt verhältnismäßig „ewig“. Schlag ich ihn aber mit einem Hackebeil ab, löse ich ihn aus der Einheit des Körpers, wird er schnell verrotten. Entsprechend hatten sich Adam und Eva von Gott gelöst, als sie sich seinem Gebot widersetzten und vom Erkenntnisbaum aßen. Die Frucht ihrer Sünde war der Tod.

Gott kehrte in Gestalt Christi zu seinen Geschöpfen zurück, um die Nachkommen von Adam und Eva zu erlösen. Was und wie das geschah, läßt sich auf zweierlei Art und Weise beschreiben und erklären, d.h. gemäß dem Schisma des Christentums in West- und Ostkirche; einer Zwietracht, in der sich die Urtragödie der Menschheit wiederholt.

In der Westkirche mußte die Menschheit das Paradies verlassen, weil es sich Gottes „Einheitsgebot“ (d.h. nicht von der entzweienden Frucht zu essen) widersetzte. Diese Ursünde, die Urrebellion, war erblich und konnte nur aufgehoben werden, indem das unschuldig geborene himmlische „Christkind“ auf die Erde kommt und am Kreuz stellvertretend die Sühne für all die schuldbeladen geborenen Erdenkinder übernimmt und durch seinen Martertod ungeschehen macht. Du bist erlöst, wenn du dich zu Christus bekennst und auf diese Weise mit ihm eins wirst und dergestalt an der Sündenvergebung teilhast.

In der Ostkirche hingegen erbten die Kinder von Adam und Eva nicht etwa deren Sünde, litten also nicht an der „Erbsünde“, sondern sie erbten so etwas wie einen „Gendefekt“: daß man sterben muß, den Tod. Der Herrscher des Garten Edens erschien schließlich erneut auf Erden, um an den „Baum des Lebens“ geschlagen zu werden. Wer in der Eucharistie von der Frucht dieses Baumes ißt (dem Fleisch und Blut Christi), wird vom besagt Defekt geheilt und dergestalt vom Tod befreit.

Im Osten ist also von Schuld und Sühne gar keine Rede, was dabei aber verlorengeht. ist das „Christkind“. Es ist schlichtweg undenkbar, daß in der orthodoxen Ikonographie Christus als schwaches, ahnungsloses, hilfsbedürftiges Menschenbaby dargestellt wird, so wie es der Westen tut, um Christi alles entscheidende Unschuld möglichst sinnfällig zu unterstreichen. Allein schon damit entfällt in der orthodoxen Welt die Möglichkeit ein Buch wie Reichs Christusmord zu formulieren!

Andererseits zeichnet die römisch-katholische und protestantische Interpretation der Bibel ein derartig kleinkariertes, legalistisches und rachsüchtiges Gottesbild, daß in ihr Atheismus und Nihilismus von vornherein angelegt sind.

Nur so wurde überhaupt die Aufklärung möglich, aber unter welchem Preis! Der Preis war die Fixierung des westlichen Geistes auf die Frage der Schuld und auf das Schuldgefühl. Wirklich alles dreht sich um das Schuldgefühl, d.h. die in der Muskulatur blockierte Aggression (die besagte Rebellion gegen Gottvater)!

Für den konservativen westlichen Christen wurde das immerhin durch den immer wieder beschworenen Opfertod Christi gemildert. Das Schuldgefühl wurde weitgehend erledigt und der Konservative konnte sich deshalb mit anderem beschäftigen und einigermaßen rational handeln.

Beim vermeintlich „aufgeklärten“ nur oberflächlich vom Christentum emanzipierten Liberalen hingegen löste sich wegen seiner strukturellen Unfähigkeit zum „Glauben“ (Vertrauen aufgrund von Kernkontakt) dieser Knoten keinesfalls und bestimmte ungebrochen sein Leben. Das erklärt die dauernden Versuche des Liberalen mit immer neuen gutmenschlichen Aktionen, Sozialprogrammen, Masseneinwanderung, Unterwerfungsgesten und immer neuen Schuldbekenntnissen, irgendwie mit der nagenden Schuld umzugehen. Imgrunde beschäftigt ihn nichts anderes! Es ist ein Irrsinn jenseits jeder Psychose!

Das erklärt auch den instinktiven Haß des Liberalen auf das „durch und durch gewissenlose“ orthodoxe Rußland, der anfänglich sogar den Marxismus beseelte und seit 1989 erneut beseelt. Entsprechend ist auch die fanatische Kriegsbegeisterung AUSGERECHNET des Liberalen angesichts des Ukrainekriegs erklärlich. Umgekehrt steht der Osten dem Emanzipatorischem, dem Individuum und der individuellen Verantwortung beim Westmenschen unverständig gegenüber.

In gewisser Weise sehen wir, West und Ost, im jeweils anderen förmlich den leibhaftigen Teufel. Das ist so, weil der gepanzerte Mensch weder das Proto-Evangelium (die Geschichte vom Garten Eden) noch das Evangelium (die Geschichte vom Christusmord) verstehen kann. Er sieht nur immer Bruchstücke, die er jeweils zu einseitigen bizarren Kollagen zusammenfügt. Die wahre Geschichte des Christentums wurde erst 1953 erzählt.

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4 Antworten to “West gegen Ost, Liberale gegen Konservative: Die Theologie des Ukraine-Krieges”

  1. Avatar von David Mörike David Mörike Says:

    … ein derartig kleinkariertes, legalistisches und rachsüchtiges Gottesbild, daß in ihr Atheismus und Nihilismus von vornherein angelegt sind.

    Nur so wurde überhaupt die Aufklärung möglich…

    Demzufolge ist diese „Aufklärung“ auch – wie mir scheint – eine kaputte, korrupte Aufklärung – ab Dreißigjähriger Krieg ungefähr nahm das Wissen in Artillerie und anderen Kriegskünsten enorm zu, infolge dessen entwickelte sich auch die höhere Mathematik und die entsprechende Naturwissenschaft.

    Während durch die gleichzeitig stattfindenden Hexenjagden viel Wissen über die Frau, deren Körperfunktionen und Gefühle, sowie das Unbewusste und das Gefühls- und Seelenleben aller Menschen, auch der Männer, und über die universelle Lebensenergie verloren ging und, unter anderem von Wilhelm Reich, neu erforscht werden musste.

    Diese einseitig logisch – mechanistische „Aufklärung“ fliegt uns jetzt – mit vierhundert Jahren Verzögerung – um die Ohren durch Ereignisse wie Tschernobyl und die Corona-Krise. Aber das habe ich glaube ich schon gesagt.

  2. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    https://www.bitchute.com/video/P6bzOYCr6OMr/

  3. Avatar von Ralf Borgardt Ralf Borgardt Says:

    Nein, Herr Nasselstein, ich hasse die Russen nicht! In meiner Physiotherapie-Praxis arbeitet sowohl eine Russin als auch eine Ukrainerin! Jedoch ist es WIEDER ein „Kleiner Mann“ und seine Helferhelfer, die sich „Großes“ an ihre Fassade angeheftet haben, um viele andere Menschen sowohl der ukrainischen als auch der russischen bzw. russisch-föderalen Bevölkerung ins furchtbare Unglück zu stürzen; nur, um einer idiotischen und ideologischen und selbstverständlich emotionell pestigen Vorstellung eines russischen Großreiches zu folgen. Und ihre aktuellen Handlungen mit narzistischem Betrug, Lüge und Mord seit Jahrzehnten vorbereitet haben. Wenn ein Amokläufer, und nichts anderes ist es im Kern, Menschen bedroht und umbringt, dann ist Notwehr ein natürliches Recht und ich würde ihn – den Amokläufer – notfalls umbringen, wenn ich es könnte! Sie, Herr Nasselstein, würden es gewiss auch tun! Putin und seine Helfer könnten den KRIEG sofort beenden, wollen es aber nicht! Also bleibt nur, militärisch betrachtet, dass man sie besiegt! Das hat mit Kriegsbegeisterung nichts zu tun!

    • Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

      1. habe ich diese Ansicht bis nicht vor allzulanger Zeit weitgehend selbst HIER vertreten – aber selbst ich werde irgendwann erwachsen…; 2. man kann Rußland nicht besiegen. Wenn alles zusammenbricht, wird es seine Atomraketen losschicken, da, so Putin, eine Welt ohne Rußland eh nicht lebenswert wäre. Mal abgesehen davon, daß ich gerne überleben möchte – mein persönlicher TODFEIND ist die Nation, die für die Sprengung der Östseepipeline verantwortlich ist. Deutschland zuerst! Die eigenen Interessen gehen immer vor.

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