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Der verdrängte Christus: 20. Sebastian Franck

18. August 2018

Ein neuer Artikel auf http://www.orgonomie.net:

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS:

20. Sebastian Franck

The Journal of Orgonomy (Vol. 32, No. 1, Spring/Summer 1998)

23. August 2012

Der „Charakter“ einer Gesellschaft und der Charakter der Menschen, die in dieser Gesellschaft leben, bedingen einander. Zur alten autoritären Gesellschaft gehörte entsprechend der „triebgehemmte Charakter“, zur neuen antiautoritären der triebhafte.

Wo immer man hinschaut, scheinen die westlichen Gesellschaften in den Selbstzerstörungsmodus übergegangen zu sein: Überschuldung, die nur in einer Hyperinflation enden kann, ein kultureller Zerfall, der unaufhaltsam die Grundlagen unserer Gesellschaft untergräbt, eine auf allen Ebenen verantwortungslose Politik, die so agiert, als gäbe es kein Morgen. In welchem Ausmaß diese Gesellschaft antiautoritär ist, sieht man daran, daß jede Verunglimpfung der alten Traditionen, insbesondere des Christentums, nicht nur toleriert, sondern gefeiert wird, während gleichzeitig der mittelalterliche Islam im Namen des „Antikolonialismus“ hofiert und „in unsere Mitte geladen“ wird.

Neulich habe ich, vielleicht das erste Mal in diesem Jahrtausend, mir Samstagabend einen ganzen Werbeblock bei RTL angeschaut: ein Kulturschock! Derartig dumm, geschmacklos, hohl, infantil und widerlich… Ich war wirklich entsetzt, denn im Vergleich von vor vielleicht 15 Jahren hat der Kulturzerfall rapide zugenommen. Leute, die diesen Scheiß alltäglich sehen, bekommen das gar nicht mit.

Die autoritäre Gesellschaft, die „gesellschaftliche Panzerung“ ist seit 50 Jahren am Zusammenbrechen, was aber nicht zu mehr Freiheit führt, sondern zu einer neuen Art von Panzerung. Die nun freiwerdende, vorher im Körperpanzer gebundene Angst, wird von einer desorganisierten Panzerung aufgefangen, die vor allem von einer starken Augenblockade und der damit einhergehenden Kontaktlosigkeit geprägt ist und ständig zwischen Triebhaftigkeit („Freiheit“) und sadistischer Triebunterdrückung schwankt. Man denke nur an die Permissivität und dem gleichzeitigen extremen Moralismus der Political Correctness.

Diesen Zustand finden wir sehr gut in dem Film Rocky Horror Picture Show verkörpert, der wirklich nichts anderes beschreibt als die Ablösung der autoritären durch die antiautoritäre Gesellschaft: an die Stelle von berechenbaren Spießern treten unberechenbare Freaks.

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Die Menschen werden nervöser und unglücklicher als sie es jemals waren. Die Spannung, die Anspannung, steigt, während gleichzeitig die Kapazität sinkt, diese Spannung zu ertragen: Spannungsbögen werden nicht mehr ertragen. Liebe wird nicht mehr ertragen, sondern nur Sentimentalität und der perverse Thrill. Arbeit wird nicht ertragen, sondern nur noch Chillen und Fun. Wissen zu erwerben, ist zu mühsam, aber man ist um so Meinungsfreudiger.

Das Piercing ist unmittelbarer Ausdruck dieser bioenergetischen Zusammenhänge. Charles Konia sieht im Piercing bei den „normaleren” Individuen Aufmüpfigkeit gegen die gesellschaftliche Norm, narzißtisches Verhalten und Identitätssuche am Werk. Man möchte in einer zerfallenden Gesellschaft zumindest zu einem „Stamm“ gehören („tribal“). Bei den Pathologischeren kommt ein masochistisches Moment hinzu: der Versuch, die innere Spannung, den „Druck“ zu lösen. Schließlich tritt bei manchen Formen der Schizophrenie der Drang zur Selbstverstümmelung zutage („Questions and Answers“, S. 112f).

Dazu Konias eigene klinische Beobachtungen: ein jugendlicher paranoid Schizophrener hatte seit geraumer Zeit Zigaretten auf seinem Arm ausgedrückt. Konnte damit aber aufhören, nachdem er seinen Unterarm piercen ließ und dort Ringe in der Haut trug. Offensichtlich reduzierten die Ringe die Gefühle und die „Spannung“ in seinem Arm. Auf der anderen Seite antwortete ein Jugendlicher, warum er in seinen Brustwarzen Ringe trage: „Um etwas zu fühlen!“

Einerseits werden die erogenen Zonen gepierct, um dort das Empfinden (die „Spannung“) zu reduzieren. Andererseits werden die gleichen Piercings benutzt, um Gefühle zu verstärken und verminderten Empfindungen und Gefühlen des Abgestorbenseins entgegenzuwirken. Siehe dazu auch meinen Blogeintrag Fuck me!.

Konia verweist auf eine Studie, daß Gepiercte in psychiatrischen Kliniken (immer im Vergleich zu vergleichbaren ungepiercten Patienten) signifikant mehr Angstsymptome hatten, sich auch anderen Selbstverstümmelungen hingaben und dissoziales Verhalten zeigten. Irrerweise hatten sie auch auffällig oft Interesse an Russisch Roulette (sic!): als Zuschauer oder sogar als Teilnehmer.

Man denke in diesem Zusammenhang an die selbstmörderischen Stunts, etwa „S-Bahn-Surfing“, dem so viele Jugendliche frönen.

Ein derartiges Verhalten bestimmt, wie bereits gesagt, die gesamte Gesellschaft. Der nackte Irrsinn ist allgegenwärtig. Wenn man beispielsweise das Verhalten der Politiker betrachtet, die für jeden denkenden Menschen sichtbar das Land gegen die Wand fahren, sollte man weniger auf die Ideologie oder auf „Sachzwänge“ blicken, sondern darauf, daß es die Charakterstruktur der Durchschnittsmenschen karikaturhaft überzeichnet, sozusagen rekapituliert.

Da sind zunächst einmal die Politiker, die der zunehmenden Infantilität und Verantwortungslosigkeit der Massen entgegenkommen und sich gleichzeitig gegenüber „höheren Ebenen“ genauso verhalten: die Wähler wenden sich dem „Sozialstaat“ zu und die Politiker „Europa“. Niemand will mehr Verantwortung auf seiner Ebene tragen.

Am Ende steht dann der Politiker, der aufgrund seiner vollendet triebhaften Struktur dem „Kleinen Mann“ Führung bieten kann. Diese Art von Politiker beschreibt Konia wie folgt („Neither Left Nor Right (Part II continued): The Consequences Of Political Illusion“, S. 92-111):

Der soziopathische Politiker habe, so Konia, eine glatte aber gut entwickelte Fassade, die sich jedem äußeren Widerstand anpaßt. Es gelinge ihm ausgezeichnet Menschen zu bezaubern. In seiner Umgebung rufe er ein wohliges Gefühl der Entspannung hervor, womit er Vertrauen und öffentliche Unterstützung gewinne. Sein Lächeln solle die Ahnungslosen entwaffnen und ihr Vertrauen gewinnen. Seine Überzeugungen und Beziehungen seien jedoch bloße Funktion seines Verlangens nach narzißtischer Befriedigung und persönlichem Gewinn. Er empfinde nur Verachtung für die Regeln des Anstandes und für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Das Lügen falle ihm bemerkenswert leicht. Gewissensbisse seien ihm fremd. Anderen werde die Schuld in die Schuhe geschoben. Selbst wenn seine Verbrechen öffentlich werden, bleibe er entspannt und zeige keine Angst. Sein Charme und Mangel an Schuldgefühl veranlasse die Öffentlichkeit an seine Unschuld zu glauben. Er bleibe so lange loyal, als es seinen Zwecken und Interessen diene, obwohl er umgekehrt anderen unverbrüchliche Treue abverlange (S. 101).

Die Nähe zum, wie Reich ihn nannte, „Generalpsychopathen“ (Hitler) ist evident. Eine Massenpsychologie des Faschismus in der antiautoritären Gesellschaft ist ein Desiderat.

Der zerstörerische Kult der Orgonomie (Teil 2)

2. Dezember 2011

Gegenwärtig haben wir gesellschaftlich vor allem mit drei Faktoren zu ringen: (1.) dem Zusammenbruch der gesellschaftlichen Struktur im allgemeinen und (2.) dem Ende des Christentums im besonderen, bei (3.) einem eher zunehmenden Hang zur Mystifizierung. Das Christentum paßt nicht mehr zu einer antiautoritären Gesellschaft. Da alle Strukturen wegbrechen, erhöht sich der Angstpegel und entsprechend der Hang zum Mystizismus.

Charles Konia führt dazu aus:

Wegen dieser Faktoren ist es möglich, daß Reichs Ideen sich eines Tages in einer verzerrten, mystischen Form in der Struktur der gepanzerten Gesellschaft verankern und für gesellschaftliche Stabilität sorgen könnten, ganz ähnlich wie das Christentum vor über 16 Jahrhunderten in der zerfallenden Sozialstruktur des antiken Roms Wurzeln schlug. Um dies zu verhindern, muß zunächst anerkannt werden, daß es bei jedem, der „an die Orgonomie glaubt“, einen gewissen Grad von Mystizismus gibt und daß er unfähig ist nach den funktionellen Prinzipien zu leben und zu arbeiten, die das Leben bestimmen. Der Tendenz zu einer solchen Mystifikation kann am besten entgegengetreten werden, indem in einer ausreichenden Anzahl von Menschen für die Befähigung gesorgt wird, im alltäglichen Leben das zu verwirklichen, was Reich entdeckt hat. Es wäre das erste Mal in der Geschichte der menschlichen Rasse, wenn so etwas sichergestellt würde. Wenn das erreicht ist, wird es zeigen, daß die gepanzerte Menschheit aus vergangenen Fehlern gelernt hat und sich so die Geschichte nicht auf tragische Weise selbst wiederholt hat und daß die gepanzerte Menschheit in der Lage war, neue und gesündere Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu entwickeln. (Editor’s Page, The Journal of Orgonomy, 31(2), Fall/Winter 1997)

Die Orgonomie hat nur eine Zukunft, wenn sie im alltäglichen Leben praktisch zum Ausdruck kommt: in einem erfüllten Liebesleben, im arbeitsdemokratischen Umgang mit anderen und in einem Denken und Tun, das funktionell ist, d.h. in Übereinstimmung mit der Natur abläuft. Liebe, Arbeit und Wissen sind die Quellen unseres Lebens, sie sollten unser Leben auch bestimmen!

Ohne das ist die Orgonomie nur eine hohle Phrase. Es wäre in keinester Weise zu begrüßen, wenn sich die Orgonomie als bloße Ideologie, als „Lebensanschauung“, gar als eine Art „Religion“ ausbreiten würde.

Gegenwärtig hat die Orgonomie aber wohl eher mit Enthusiasten der Praxis zu ringen, die beispielsweise ihre „Praxis“ darin sehen, „Patienten“ zu behandeln, obwohl es ihnen an der notwendigen Ausbildung mangelt, Leute, die „mit dem Cloudbuster arbeiten“, etc. Nicht zuletzt auch solche, die durch ihre diversen „Weiterentwicklungen des Reichschen Ansatzes“ ein derartiges Durcheinander anrichten, daß von der Orgonomie nichts bleibt als – Kopfeschmerzen. Sie hinterlassen ein heilloses Chaos in ihren „Patienten“, in der Atmosphäre und in den Köpfen ihrer Mitmenschen.