Posts Tagged ‘Atheismus’

Die Selbstsucht des Liberalen

15. April 2018

Der Konservative lebt (wenn auch mystisch verzerrt) aus seinem biologischen Kern heraus, der Liberale („Linke“) ist von diesem Kern getrennt und lebt ganz in der sozialen Fassade. Diese Trennung vom biologischen Kern geht einher mit einer Trennung von den Mitmenschen (Selbstsucht) und vom Kosmos („Atheismus“).

Beim Linken dreht sich alles um ihn selbst. Alles dreht sich um das ach so kostbare Ego. Für die Nation, die Familie, den religiösen Glauben, für Traditionen, etc. empfindet er nur Verachtung. Für Mutti war er ein Gott, entsprechend tritt er für den Sozialismus ein, der ihn vor aller Konkurrenz schützt. Wenn er sich opfert, dann nie für andere, sondern aus Protest, weil es nicht nach seinem Willen geht, oder um hinter seine hohlen „Ideale“ ein Ausrufungszeichen zu setzen. Man denke nur an die Selbstmorde der RAF-Mitglieder in Stammheim.

Der Konservative nimmt sich nicht so wichtig. Instinktive weiß er, daß er Teil einer Kette ist, die von der Vergangenheit in die Zukunft reicht, ein winziger Teil eines Ganzen, das für ihn auf ewig unüberschaubar bleibt. Deshalb glaubt er nicht an gesellschaftliche und ökonomische „Eingriffe“. Gleichzeitig ist sein Selbstgefühl und sein Selbstbewußtsein nicht so prekär wie das des Linken, denn der Konservative weiß, wo er steht, kennt seine Identität und kann sich wenn nötig durchsetzen. Sein „Ich“ hat sozusagen Substanz, so daß er sich niemals für eine bloße Idee wie den „Weltfrieden“ opfern würde, sondern allenfalls, wie im Tierreich üblich, für seine Gene. Der Linke haßt Kinder, ermordet sie („Schwangerschaftsunterbrechung“) auf dem Altar seiner „Selbstverwirklichung“ und zerstört die Zukunft der weniger Überlebenden. Für Reichs Konzept „Kinder der Zukunft“ hat er von jeher nur Verachtung übrig.

Es stimmt zwar, daß im Realsozialismus das Wort „Ich“ tabu war und bei den heutigen Linken das „Wir“ im Mittelpunkt steht, aber das ist alles hohl. Der Staat tat alles, um die Menschen zu einer homogenen Masse von lauter Einzelnen ohne Vergangenheit und ohne Verortung zu machen, die sich nicht autonom organisieren können. „Fraktionsbildung“ war die große Sünde. Und das rot-grüne „Wir“ gilt immer nur einer rein abstrakten Menschheit. Kaum sagt jemand auf eine inhaltlich substantielle Weise „wir“ (etwa „wir Deutschen“), wird er niedergeknüppelt. Auch im täglichen Umgang wird man kaum kältere und rücksichtslosere, ja gemeinere Menschen finden als Linke. Dieses Gesocks hat kein Vaterland, keine Vergangenheit und – keine Zukunft!

nachrichtenbrief70

15. September 2017

 

„Orgonomische“ Ideologie und funktionelles Denken

11. Juli 2017

Man kann aus Reichs Schriften herausziehen, was man will. Beinharten Atheismus oder christlichen Mystizismus, Rationalismus oder das New Age, Marxismus oder Kapitalismus, „Bernie Sanders“ oder „Donald Trump“. Das hat dann aber jeweils nichts mit Reich zu tun, sondern ist nur Ausdruck der Charakterstruktur des jeweiligen Reichianers. Gepanzerte Menschen können nicht mit dem Leben mitschwingen und reagieren deshalb starr wie Maschinen. Sind sie „Reichianische Körpertherapeuten“ haben sie eine vage Vorstellung, daß Sexualität etwas Gutes ist und wollen entsprechend die böse Beckenblockierung beseitigen. Sagt man ihnen, daß Orgonomen alles tun, damit sich etwa Schizophrene in den unteren Segmenten abpanzern, sehen sie nichts als Verrat an der Orgasmustheorie. Interessieren sie sich für gesellschaftspolitische Probleme, kämpfen sie gegen den „Faschismus“, den sie überall da sehen, wo auf Autorität beharrt wird. Erklärt man ihnen, daß diese nicht den „Faschismus“ verkörpert, sondern die Arbeitsdemokratie… Sie sind verwirrt, wenn man ihrer Schwärmerei von der „Wiederverzauberung der Welt“ entgegenhält, daß magisches Denken mindestens so kontaktlos ist wie das mechanistische Denken.

Ihre „Orgonomie“ ist pure Ideologie. Sie denken stets abstrakt und fragen nie, nach der konkreten Rolle, die Gegebenheiten jeweils im Zusammenhang spielen. Muskelverspannungen muß man stets von ihrer Funktion her betrachten. Beim Schizophrenen ist die Körperpanzerung ein Segen, wenn sie verhindert, daß das okulare Segment mit Erregung überflutet wird und es zur „Spaltung“ kommt. Panzerung ist ein Segen! Ideologien muß man von ihrer Funktion her betrachten. In islamischen Ländern ist es ein Segen, wenn die Völker zu ihrer vorislamischen Identität zurückfinden. „Faschistischer“ Nationalismus ist ein Segen! Wie Milos Djilas gesagt hat, waren die ersten 10 Jahre Kommunismus ein Segen für Jugoslawien, um in diesem Land endlich Ordnung und einigermaßen zivilisierte Zustände zu schaffen. „Rotfaschistischer“ Kommunismus ist ein Segen!

Es geht jeweils um die Zusammenhänge und die Folgen, d.h. um Funktionalismus – nicht um inhaltsleere Versatzstücke einer verschrobenen Lehre, die als „Orgonomie“ hinstellt wird, in Wirklichkeit aber das genaue Gegenteil ist.

Orgonmystik

20. September 2015

Gerade bin ich beim Surfen im Internet zufällig über einem Blog mit Photos von Sri Chinmoy gestolpert. Da er eine gewisse Bedeutung in meinem Leben hatte, bin ich hängen geblieben. Als ich dann nach ein paar Minuten mit meiner Schreibarbeit weiter machte, hatte ich ein intensives „Bewußtseinserlebnis“, wie es der Orgontherapie-Patient aus der Behandlung kennt. Ich bin überzeugt, daß Leute wie Sri Chinmoy genau so ihre lebenslangen Anhänger gewinnen: irgendwelche außergewöhnlichen Gefühle überzeugen diese, daß sie ein für allemal die Wahrheit gefunden haben. Das sind dann solche Typen, die sich auch in die nächstbeste Frau „unsterblich“ verlieben würden. Wie bewerkstelligen „religiöse Führer“ und ganz allgemein religiöse Systeme etwas, was sonst nur der Sexus vermag?

Wie Reich in Massenpsychologie des Faschismus ausgeführt hat, ist Religion nichts anderes als fehlgeleitete sexuelle Erregung. Diese wird auf „keusche“ Weise heraufbeschworen, indem jene Bewußtseinszustände erzeugt werden, die gemeinhin mit sexueller Erregung einhergehen. Das geschieht durch eine feierliche „übermannende“ Architektur, Riten und Musik die einen „orgastischen“ Spannungsbogen haben, eine „aufgeladene“ Atmosphäre, wie sie charakteristisch für orgonotische Erstrahlung ist, und durch eine „verzückte“ Erscheinung der „Erleuchteten“ mit selig „orgastisch“ weggetretenen Augen.

In der hinduistischen Religiosität wird diese sexuelle Komponente offen eingestanden. Beispielsweise haben in der klassischen indischen Musik die Liedtexte durchweg einen geradezu anzüglichen sexuellen Gehalt. Es sind schmachtende Liebeslieder. Alles dreht sich um „Bhakti“, die durchaus sexuelle Liebe zu Gott bzw. seiner Inkarnation auf Erden, dem Guru. Wobei der Gläubige stets die weibliche Rolle übernimmt, die ihren unerreichbaren Geliebten anschmachtet. Sexuelle Abstinenz im realen Leben soll das Seelenfeuer weiter anfachen.

Rationalistische Atheisten werden niemals die Religion besiegen oder auch nur eindämmen können. Es geht in der Religion nicht um bewußte „rationale“ Entscheidungen und Einsichten, sondern um Gefühle und „Bewußtseinszustände“, die einen spontan überkommen. Insbesondere sind jene betroffen, die „Lücken“ in ihrer Panzerung haben. Allenfalls vollkommen „zugepanzerte“ Menschen wären frei von religiösen Anwandlungen.

Derartige Anwandlungen sind auch vollkommen harmlos, solange sie nicht Anlaß für „feste religiöse Überzeugungen“ oder gar religiösen Fanatismus werden. Man kann beispielsweise von einem Weihnachtsoratorium, das man in einer Kirche hört, und der Verkündigung vollkommen ergriffen sein, daß das Licht in die Finsternis getreten ist und diese besiegt habe. Es handelt sich dabei um eine natürliche Erregung bzw. Erstrahlung der organismischen Orgonenergie. Es wird erst pathologisch, wenn man daran festhält, d.h. wenn man sich gegen das Weiterströmen der Orgonenergie sperrt. Je orgastisch impotenter man ist, desto fester klammert man sich an die vermeintlichen „Offenbarungen“: aus der Orgonenergie wird „Gott“.

Im Tantra wird die Sexualität, die stets mit „Bewußtseinszuständen“ jenseits des Alltagsbewußtseins einhergeht, für die „geistige Befreiung“ benutzt. Das mag auf den ersten Blick geradezu „sexualpositiv“ aussehen, entspricht jedoch ganz im Gegenteil der extremsten Form der orgastischen Impotenz, denn es wird auf die genital-orgastische Entladung verzichtet, „um keine spirituelle Kraft zu verschwenden“. Es entspricht in etwa dem, was Freud „Sublimation“ genannt hat.

Von Seiten der „Esoterik“ wird nun versucht, auch die Orgonenergie selbst, die durch die Erforschung der orgastischen Plasmazuckung entdeckt wurde (Orgasmusformel, bioelektrische Experimente, Bion-Experimente), für „spirituelle“ Zwecke zu instrumentalisieren. Demnach ist die Orgonenergie sozusagen eine vermittelnde Zwischenschicht zwischen dieser Welt und der „geistigen Welt“. Die Orgonenergie wird zu etwas rein Subjektivem, das weitgehend bar einer physikalisch meßbaren Realität ist. Etwas, was dem „Geist“ erlaubt, sich in der materiellen Welt zu manifestieren.

Die Orgonomie war von Anfang an mit derartigen Vorstellungen konfrontiert. Schon Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich mit vermeintlich „esoterischen“ Ansätzen in seinen Buchbesprechungen auseinander, die er für psychoanalytische Zeitschriften schrieb. In den 30er Jahren war Reichs Freund und Mitarbeiter Roger DuTeil ein Bergsonianer und „Spiritualist“. In seinem in der Originalausgabe Die Bione von 1938 veröffentlichten Aufsatz „Leben und Materie“, billigt er dem Leben eine metaphysische Sonderstellung zu. Reich selbst wollte diesen Aufsatz aus späteren Auflagen gestrichen wissen, was ja auch geschah, und im übrigen bestritt Reich schon damals ausdrücklich, daß „das Lebendige ein vom Nichtlebenden völlig abgetrenntes, eigens metaphysisch gegebenes Gebiet“ sei (ebd.). Sechs Jahre später sagt er in seinem Artikel „Orgonotic Pulsation“:

Wenn wir nicht vorsichtig vorgehen, könnten durchaus einige Generationen von Mystikern erstehen, die das Orgon metaphysisch, losgelöst von der nicht-lebenden Natur und nicht vom Standpunkt der Naturwissenschaft her verstehen. Und ich denke, wir haben bereits mehr als genug Mystizismus in dieser Welt. (Orgonomic Functionalism, No. 5, S. 44)

Der Artikel zeigt, wie sich Reich ganz von Zugeständnissen an sowohl den („dialektischen“) Materialismus als auch insbesondere den „Spiritualismus“ befreite. In „Orgonotic Pulsation“ strebt er danach, sich langsam von allen Begriffen, die irgendwelche Konnotationen mit materiellen oder „spirituellen“ Substanzen haben, zu befreien. Entsprechend spricht er von „orgonotischer Erregung von Isolatoren“ statt „Ladung“, und von „orgonotischer Anziehung und Abstoßung“ statt „Kontraktion und Expansion“. An anderer Stelle will er den Substanz-Begriff „vegetative Strömung“ durch die funktionelle „plasmatische Erregung“ ersetzt wissen (Der Krebs, Fischer TB, S. 347).

Was machen nun die ach so innovativen „Weiterentwickler“ der Orgonomie? Sie fallen noch hinter die provisorische, von Substanzbegriffen geprägte Orgonomie der Anfänge zurück, reden von irgendwelchen Seelensubstanzen und müssen metaphysische „Formgesetze“ erfinden, die ihr „chaotisches“ mechano-mystisches Universum ordnen. Wie Reich schreibt: „Mit Zwecken läßt sich leicht alles erklären“ (ebd., S. 77f). Man braucht nicht mehr die Natur unbekannter Funktionen mühsam ergründen, vielmehr wird einem alles fertig auf dem Tablett serviert: es ist „Gottes Wille“, es ist der „Geist“, das „Naturgesetz“, dem alles folgt. Für Blitze ist der Donnergott verantwortlich! – Nichts anderes verbirgt sich hinter inhaltsleeren Begriffen wie „Wirkstruktur“. Was ist für die Struktur der Bion-Präparate verantwortlich? Jenseitige Strukturen!

In die gleiche Kategorie gehören die „Lösungen“ für das Rätsel des menschlichen Bewußtseins. Was ist Bewußtsein? Das „metaphysische Heinzelmännchen“ wie Reich es nennt,

das angeblich im Hintergrunde der Lebensfunktionen wirkt, denkt, fühlt, empfindet, reagiert. Das führt nirgends hin. (ebd., S. 400)

Nach Reich ist Bewußtsein das Zusammenfließen der diversen Sinneseindrücke und Emotionen in eine funktionelle Einheit (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 63). Sinneseindrücke und Emotionen führt Reich ihrerseits bis „auf die Bewegungsformen der Weichtiere und Protisten“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 519) und letztendlich auf die „Reizempfindlichkeit des rein physikalischen Orgons“ zurück (Äther, Gott und Teufel, S. 91).

Diese Leute sprechen von einem „primordialen Bewußtsein“, das Erinnerungen etwa so speichert wie ein Magnetband. Dabei hat Reich in der Charakteranalyse lang und breit ausgeführt, daß das Ich die Summe aller vergangenen Erlebnisse ist. Da wird nichts mechanisch „abgespeichert“, sondern in der Vergangenheit wurden bestimmte Weichen für die Strukturierung des sich entwickelnden Organismus gestellt, weshalb „Erinnerungen“ nichts anderes sind als die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Wie sollte es auch anders sein? Imgrunde sagen die „Weiterentwickler“ der Orgonomie natürlich auch nichts anderes, nur daß sie die Welt überflüssigerweise verdoppeln.

Die „Orgonmystiker“ fallen der Panzerung zum Opfer. Das, was sie wahrnehmen, ist die durch die Panzerung „umgebogene“ und verzerrte Orgonenergie, die entsprechend etwas Krankhaftes, „Okkultes“ an sich hat und auf ein „Jenseits“ ihrer selbst verweist – d.h. auf jenseits der Panzerung. Die vermeintliche Wahrnehmung der Orgonenergie entspricht hier der krankhaften Transformation von Emotion in Sensation.

Tantra ist Antisexualität, nämlich orgastische Impotenz, genauso wie die „Orgonesoteriker“ Antiorgonenergie sind, d.h. Panzerung.

Die folgende Abbildung beschreibt in etwa was geschieht:

Reich und die moderne Biologie (Teil 2)

8. Dezember 2014

Die gegenwärtige Kulturdebatte in Amerika (teilweise aber auch im „aufgeklärten“ Europa) dreht sich vor allem um die Evolutionstheorie. Linke setzen Kritik an Darwin mit „Fundamentalismus“ gleich und dann ist nur noch ein Schritt und der Gegner wird mit den islamistischen Terroristen identifiziert. Rechte verbinden Darwin mit der Eugenik-Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts, Hitler und dem „Abtreibungs-Holocaust“.

[youtube:https://www.youtube.com/watch?v=cDWALTAh_Y0%5D

Expelled – Intelligenz streng verboten zeigt, auf was für wackeligen Beinen die biologische Orthodoxie steht – tatsächlich ist sie eine einzige Absurdität. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, daß „intelligent design“ kaum weniger absurd ist: die der Natur inhärente Logik wird kurzschlüssig mit einem göttlichen Logos „erklärt“.

Bezeichnend ist, mit welcher Verachtung, mit welchem Ekel, Vertreter des „intelligent design“ über das „niedere Leben in der Pfütze“, über das lebendige Protoplasma sprechen.

Eines der Kennzeichen der gleichzeitig mechanistischen und mystischen gegenwärtigen Wissenschaft ist das Ersetzen „Gottes“ durch mechanische Surrogate. Beispielsweise wird die erste genetische Information, die in die Welt kam, mit „Zufall“ erklärt. Es ist, als hätte es einen „Herrn Zufall“ gegeben, der alles gerichtet habe.

Auf geradezu tragikomische Weise versuchen „Wissenschaftler“ dieses Problem mit der sogenannten Panspermie-Hypothese zu umgehen, der zufolge nicht „Gott“, sondern Meteoriten die Grundbausteine des Lebens auf die Erde gebracht haben.

Beispielsweise will auf diese gleichzeitig mechanistische und mystische Weise der US-Forscher Ronald Breslow (Columbia-Universität) erklären, warum Aminosäuren in allen Lebewesen der Erde linksdrehend sind.

Zum Thema des ubiquitären Linksdralls verweise ich auf meinen Blogeintrag Links zwo drei vier.

Die mechanistische Herangehensweise, die alles mit „mechanischem Zufall“ erklären will und alle organischen Zusammenhänge negiert, wird in den fünf Wissenschaftsskandalen der letzten Zeit evident: 1. HIV-AIDS, 2. Globale Erwärmung, 3. Urknall-Theorie, 4. String-Theorie und 5. das Aussterben der Dinosaurier.

Eigentümlich frei hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht. (Obwohl der Autor die „menschengemachte Globale Erwärmung“ nicht leugnet.)

Was ist diesen Theorien gemein, daß es fast lebensgefährlich (sic!) ist, sie zu leugnen?

Die orthodoxen Theorien gehen nicht nur mit milliarden- (wenn nicht trilliarden-) schweren Wirtschaftsinteressen einher (und seien dies nur Forschungsgelder), sondern, was bedeutsamer ist, sie stehen jeweils für mechano-mystische Willkür.

AIDS hat dann nichts mit der Lebensweise der Erkrankten und komplizierten pleomorphistischen Vorgängen zu tun, sondern geht auf die zufällige Infektion mit einem Retrovirus zurück. Die „Klimaveränderung“ (der von Reich erstmals beschriebene globale DOR-Notstand) geht auf einen mechanischen „Treibhauseffekt“ zurück. Das gesamte Universum ist eine heiße chaotische Explosion, die langsam abkühlt. Die Probleme, die mit diesem ganzen schwachsinnigen Theoriegebäude einhergehen („Singularitäten“), sollen mit „String-Theorien“ überwunden werden, – die nur verwirrte, mystische Geister begeistern können. Und was das Aussterben der Dinosaurier betrifft: sie sollen einem zufälligen Asteroideneinschlag zum Ofer gefallen sein, aber auf keinem Fall der mehr oder weniger organischen Entwicklung des Planeten.

Die Geschichte mit dem Linksdrall ist nur ein kleines Beispiel dafür, daß sich das wissenschaftliche Zeitalter dem Ende nähert. Die Wissenschaft wird von der mechanistischen Lebensanschauung unterhöhlt und wird zusammenbrechen, wenn sie sich nicht endlich dem Orgonomischen Funktionalismus öffnet.

Traurigerweise entblöden sich viele „Reichianer“ nicht, den Mechanismus auf mystische Weise „überwinden“ zu wollen, indem sie auf kindische Weise das Phänomen Geist mit – dem Phänomen Geist erklären (Pneuma, „geistige Welt“), das Phänomen Gefühlsleben mit – dem Phänomen Gefühlsleben (Psyche, „emotionale Welt“), das Phänomen Leben mit – dem Phänomen Leben (Bios, „biologische Welt“) und das Phänomen unser physischen Existenz mit – unser physischen Existenz (Physis, „physische Welt“). Es ist eine flache, statische, tautologische und an die mittelalterliche Scholastik (mit ihren hierarchisch gegliederten Existenzbereichen) gemahnende vor- oder besser gesagt antiwissenschaftliche Weltsicht.

Der wohl verheerendste Triumph der mechanistischen Wissenschaft in der Lebensforschung war Francis Cricks Entdeckung der DNS-Doppelhelix 1953. Gegen Ende seines Lebens versuchte der 2004 verstorbene Nobelpreisträger sein Lebenswerk der vollkommenen Mechanisierung des Lebendigen zu vollenden. Im britischen Nature Neuroscience behauptete er 2003, die menschliche Seele endlich dingfest gemacht zu haben: sie sei eine unaufhörliche chemische Reaktion von Nervenzellen in der Großhirnrinde. Crick:

Seele – das sind biochemische Prozesse, die unser Bewußtsein steuern.

Bereits im 19. Jahrhundert meinte der Zoologe Carl Vogt,

daß all jene Fähigkeiten, die wir unter dem Namen der Seelentätigkeiten begreifen, nur Funktionen der Gehirnsubstanz sind; oder, um mich einigermaßen grob hier auszudrücken, daß die Gedanken in demselben Verhältnis etwa zum Gehirn stehen wie die Galle zu der Leber oder der Urin zu den Nieren.

1942 meinte Reich dazu, daß jeder Versuch einer Erfassung der Empfindungen und seelischen Erlebnisse seit Jahrhunderten tabuisiert werde, so daß dem Menschen das Seelische „noch heute nur nebelhafte, mystische Gegebenheit“ sei oder allenfalls eine Sekretion des Gehirns und damit „nicht mehr als der Kot, der ein Exkret des Darms ist“ (Massenpsychologie des Faschismus, Fischer TB, S. 299). Immer noch, sieben Jahrzehnte später, hart das Lebendige, „das Seelische“, der naturwissenschaftlichen Erforschung.

In England zürnten die Theologen und Ethiker über Crick wie zu Zeiten Darwins. Es ist bezeichnend, daß die gleichen Leute in hymnische Verzückung geraten, wenn es um die Quantenphysik geht. Man lese etwa den kurzen Text: Quantenphysiker entdecken die Seele (Das menschliche Bewußtsein könnte den Tod überdauern) auf einer theologischen Weltnetzseite.

Konkret geht es um die „Verschränkung“ auf der Ebene der Quanten: Teilchen, die einmal in Wechselwirkung getreten sind, bleiben über Raum und Zeit miteinander verbunden. Wenn man das mit dem angeblichen „Urknall“ verknüpft, als alles noch „eins“ war und sich dann getrennt hat… Mystischer kann man gar nicht denken als die extrem mechanistischen Physiker! Entsprechend argumentieren manche von ihnen, daß Geist und Seele den Körper überdauern könnten.

Nichts sagt mehr über den gegenwärtigen Zustand der Naturwissenschaft aus, als daß angebliche „Lebenswissenschaftler“ (Biologen) wie zur Zeit Richard Dawkins einen fundamentalistischen Atheismus auf der Grundlage eines extrem mechanistischen Weltbildes propagieren, während ausgerechnet die „Todeswissenschaftler“ (die Quantenphysiker, die schließlich die Atomwaffen entwickelt haben) sich bei ihren poetischen Ergüssen gar nicht mehr einkriegen. Der erwähnte theologische Artikel zitiert den amerikanische Physiker Jack Sarfatti:

Nichts geschieht im menschlichen Bewußtsein, ohne daß irgendetwas im Universum darauf reagiert. Mit jedem Gedanken, jeder Handlung beschreiben wir nicht nur unsere eigene kleine Festplatte (!), sondern speichern auch etwas im Quantenuniversum ab, das unser irdisches Leben überdauert.

Man lasse sich jedoch nicht täuschen. Beide Ansätze, der von Crick und Dawkins auf der einen und der von Sarfatti auf der anderen Seite, sind eng miteinander – verschränkt.

Anhand der grundsätzlich unterschiedlichen Orientierung von Reichs „sexualökonomischer Lebensforschung“ in den 1930er Jahren und der zeitgleichen Entwicklung der Mikrobiologie, die in der Entdeckung der DNS gipfelte, läßt sich besonders gut der Mechano-Mystizismus der gegenwärtigen Wissenschaft festmachen. Die Entdecker der Todesenergie (Radioaktivität) drangen in die Biologie ein und „mechanisierten“ sie, während andererseits der Entdecker der Lebensenergie (Orgon) von der Biologie her in die Physik eindrang und sie „funktionalisierte“. Die Kernspaltung hier, die kosmische Orgonenergie dort; die Gene hier, die organismische Orgonenergie dort.

Die Molekularbiologie seit Mitte der 1930er Jahre wurde von ehemaligen Physikern wie z.B. Max Delbrück geprägt, einem Schüler des bedeutenden Quantenphysikers Max Born. Leute wie Delbrück suchten nach neuen, damals der Physik noch unbekannten Gesetzen, trugen dabei jedoch das physikalisch-mechanistische Denken in die Biologie. Tatsächlich taten diese Physiker kaum mehr als das seit Aristoteles in der Biologie zumindest implizit vorherrschende teleologische Denken, d.h. das Denken vom Ziel und Zweck her („…, um zu …“) durch ein „teleonomisches“ Denken zu ersetzen.

Nach Ernst Mayr (Evolution und die Vielfalt des Lebens, Heidelberg 1979) können Vorgänge (Verhaltensweisen) deren Zielgerichtetheit durch ein Programm gesteuert ist, teleonomisch genannt werden. Das „Programm“ ist natürlich die DNS, die Delbrück mit Aristoteles‘ „Seele“ gleichgesetzt hat. Danach bietet dieses eidos (der „unbewegte Beweger“) „eine perfekte Beschreibung der DNS: sie handelt, schafft Form und Entwicklung und unterliegt doch selbst keinerlei Veränderung bei dem Vorgang.“

Das Neue, was Leute wie Delbrück brachten, war die Überwindung des „teleomatischen“ Prinzips, das bis dahin die Physik geprägt hatte. Mayr:

Vorgänge, die einen Endzustand erreichen, der durch Naturgesetze (z.B. die Schwerkraft, der erste [gemeint ist wohl der zweite, PN] Hauptsatz der Thermodynamik), nicht aber durch Programme diktiert ist, können wir mit dem Ausdruck teleomatisch bezeichnen.

Der „Endzustand“ ist natürlich die maximale Entropie, der Wärmetod des Universums. Denkt man jetzt mit dem orgonomischen Potential als Leitfaden das Problem zurück, erkennt man, wo die Antwort, die die Physiker in der Biologie suchten, zu finden ist:

Die Natur folgt orgonomischen Funktionsgesetzen und kennt weder „ideale Zwecke“ (Mystizismus) noch „Programmziele“ (Mechano-Mystizismus).

Für „Biologen“ sind Lebewesen komplizierte Roboter. Beispielsweise stellte eine Forschergruppe von der University of Oxford Mitte eine Forschungsarbeit vor, in der es ihnen gelang die Erinnerung von Fliegen auf ganze 12 Nervenzellen zurückzuführen. Durch deren Manipulation gelang den Forschern die Erzeugung „falscher Erinnerungen“. Es geht dabei beispielsweise um die Assoziation bestimmter Duftstoffe mit Gefahr. Einer dieser Wissenschaftler kommentiert seine Arbeit wie folgt:

Wir wählen bevorzugt anscheinend höhere psychologische Phänomene und reduzieren sie auf die Mechanik. Beispielsweise wie die Intelligenz, die benötigt wird, um sich an eine ändernde Umgebung anzupassen, auf materielle Wechselwirkungen zwischen Zellen und Molekülen reduziert werden kann. Die Frage ist: Wie gewinnt man Intelligenz aus Teilen, die selbst unintelligent sind?

Das klassische reduktionistische Programm des 19. Jahrhunderts.

Daß dieses mechanistische Weltbild für die Biologie letztendlich untauglich ist, haben Björn Brembs (Freie Universität Berlin) und Alexander Maye (Universität Hamburg) anhand von Fruchtfliegen gezeigt.

Sie ließen die fixierten Tiere in einer weißen vollkommen konturlosen Umgebung mit den Flügeln schlagen und unterzogen das „Flugverhalten“ einer aufwendigen mathematischen Analyse, die zeigte, daß das Verhalten der Fliegen nicht auf „Rauschen in den Nervenzellen“ zurückgeführt werden kann, sondern ihm ein spontanes Handeln zugrunde liegen muß, da eindeutige Strukturen im Flugverhalten evident wurden.

Zur Prüfung ließen die Wissenschaftler in immer komplexeren Computer-Modellen mögliche Zufalls-Flugbahnen berechnen – kamen aber nie auf ein Ergebnis, das der Realität ähnelte. Sie wiesen damit erstmals nach, daß Abweichungen im Verhalten von Drosophila melanogaster nicht zufällig sein können, sondern auf spontane Entscheidungen zurückgehen müssen. „Ich hätte niemals vermutet, daß einfache Fliegen, die in anderen Situationen immer wieder gegen das selbe Fenster knallen, die Fähigkeit zu nicht zufälliger Spontanität besitzen“, schreibt Maye (…).

Daraus schlossen die Forscher auf neuronale Schaltpläne, die spontanes Verhalten generieren können und die man vielleicht nachbauen und für Roboter nutzbar machen könnte…

Sie stoßen in Gestalt des „freien Willens“ auf die Orgonenergie, aber verheddern sich sofort wieder in mechanistischer Begrifflichkeit.

In den massefreien energetischen Funktionen, die hinter der „nicht zufälligen Spontanität“ auch primitivster Lebewesen stehen, ist sicherlich auch die Ursache für die ungeahnten Intelligenzleistungen vieler Tiere zu suchen. Siehe dazu meinen Blogeintrag Das übersehene, unterdrückte und verachtete Lebendige (Teil 2).

Daß etwas mit der mechanistischen Herangehensweise nicht stimmen kann, sieht man allein schon an der Entdeckung, daß man „höhere psychologische Phänomene“ auf gerade mal 12 Nervenzellen reduzieren kann. Sie erinnert mich an folgende Meldung aus dem Jahre 2003:

Dusko Ehrlich und seine Kollegen vom Institut National de Recherche Agronomique in Paris hatten die Gene des Bodenbakteriums Bacillus subtilis einzeln ausgeschaltet. Es gedieh immer noch, als nur ganze 271 seiner mehr als immerhin 4100 Gene funktionierten. Das sind nicht einmal 7 Prozent. Offenbar benötigen Bakterien bei guten Umweltbedingungen nur einen winzigen Teil ihrer genetischen Ausstattung. Die meisten Erbinformationen seien doppelt vorhanden oder für das Überleben bei schlechten Umweltbedingungen nötig.

Ist es nicht vielmehr so, daß die Funktionen des Lebendigen (auch die „höchsten“) deshalb von so wenig materieller Struktur (Nervenzellen und Genen) anhängig sind, weil es primär energetische, prä-materielle Funktionen sind?!

fliegen

Ich fühle mich in meinen religiösen Empfindungen verletzt und beleidigt!

7. Juni 2014

Bevor Mohammed auftrat, war es bei einigen Stämmen der arabischen Halbinsel noch üblich, daß eine Frau mehrere Männer gleichzeitig heiraten konnte. Die verheirateten Frauen blieben ein Leben lang bei ihren Müttern und Verwandten wohnen, wo sie von ihren Männern besucht wurden. Die Frauen waren versorgt, die Kinder hatten eine sichere Heimat und die Männer waren frei. Sexualität und Ökonomie waren weitgehend getrennt. Mohammed war selbst Profiteur dieser sexualökonomisch günstigen Bedingungen, wurde er doch groß als Angestellter seiner älteren Frau. Nun, er hat sich emanzipiert! Noch heute dreht sich im Islam alles darum, die arabische Frau auf ihren Platz als unmündiger Halbmensch zu verweisen und ihre Sexualität zu bändigen.

„Islam“ bedeutet bedingungslose Selbstaufgabe. Leider kann aus praktischen Gründen diesen Mördern des eigenen Selbst nicht geholfen werden, doch es sollte zumindest alles unternommen werden, um zukünftige Generationen vor ihrem Einfluß zu schützen. Deshalb ist es die ultimative Sauerei, ihnen das zu gewähren, was insbesondere sogenannte „Progessive“ am lautesten für ihre islamischen Schützlinge einfordern: „Toleranz“ und „Respekt“. „Dialog“ mit der Reaktion! Es ist der gleiche niederträchtige Verrat an der Aufklärung, den der damals noch dezidiert „linke“ Reich Anfang der 1930er Jahre voller Entsetzen konstatieren mußte.

Die gegenwärtige Auseinandersetzung mit dem Islam reicht aber weit tiefer als die Fragestellung, die Reich 1931 in Der Einbruch der Sexualmoral anschnitt.

Die islamische Welt steht Kopf, weil der Westen angeblich „Gott“ und seinen Botschafter auf Erden beleidigt hätte. Mit Hilfe der UN will die Organisation der islamischen Staaten dies weltweit gesetzlich verbieten lassen. Dieses Verbot soll den gleichen Stellenwert haben, wie die Erklärung der Menschenrechte!

Wie fast immer in solchen Fällen ist das genaue Gegenteil wahr: Mohammed, der Koran, die hysterischen Imam-Clowns und der enthemmte islamo-faschistische Mob sind eine Beleidigung Gottes, den Reich entdeckt und erstmals greifbar gemacht hat (siehe Äther, Gott und Teufel und Die kosmische Überlagerung). Es gilt, diesen Gott von sadistischen und perversen Mystikern zu befreien, auf daß die Kinder der Zukunft sich angstfrei in der Gewißheit entfalten können, daß das Universum kein kalter Ort voller nihilistischer Massenmörder ist, sondern von einer wohligen, lebensspendenden Präsenz durchwirkt wird.

In einem Editorial von Nervenheilkunde (2005, 24:451-546) wird gezeigt, daß das Gerede über „das Gott-Gen“ pseudowissenschaftlicher Unsinn ist. Was die statistisch belegten gesundheitlichen Vorteile einer aktiven Religionsausübung betrifft, wird darauf hingewiesen, daß die Erhebungen in erster Linie den Kirchgang messen. Es geht also bei der Religion weniger um die „genetische Steuerung“ von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin oder gar um die individuelle „Spiritualität“, sondern um das gesellschaftliche Zusammenleben: es geht um soziale Normen und Bindungen und die Stiftung von Identität. Man kann hinzufügen: es geht nicht um „höhere Welten“, sondern um unser Dasein als Herdentiere.

Der gemeinsame „Glaube“ fördert die Kohäsion der Horde von Homo sapiens (und damit das Wohlbefinden der einzelnen Menschentiere). Das Editorial fährt fort:

Eine Untersuchung von Roes und Raymond zu den Korrelationen geographischer Bedingungen der Existenz von Gesellschaften und religiösen Einstellungen scheint dies zu bestätigen: Wo wenig Wasser ist, muß man sparsam mit dieser Ressource umgehen, weswegen strengere Regeln gebraucht werden, die am besten durch strengere Götter implementiert werden. Je kärglicher das Wasser, desto strenger die Götter, lautet die Voraussage der Autoren, die sie anhand kulturvergleichender Daten zu belegen suchen.

Roes L., M. Raymond: „Belief in Moralizing Gods“, Evolution and Human Behavior, 2003, 24:126-35 – eine der zahllosen unabhängigen Belege für James DeMeos Saharasia-Theorie.

In einer Studie hat der Psychologe Brad Bushman zusammen mit seinen Kollegen von der University of Michigan gezeigt, daß Menschen desto aggressiver waren, je unverholener „Gott“ Gewalt in seinen „Offenbarungen“ sanktioniert. Untersucht wurden eine fast durchgehend „gläubige“ Studentengruppe in Utah und eine überwiegend „atheistische“ in Amsterdam. Den Teilnehmern wurde eine kaum bekannte gewalttätige Geschichte aus dem Alten Testament präsentiert, wobei der einen Hälfte erklärt wurde, dieser Abschnitt stamme aus der Bibel, der anderen Hälfte, er sei einer Schriftrolle entnommen, die von Archäologen ausgegraben wurde. Diese beiden Gruppen wurden wiederum zweigeteilt: bei einer Hälfte enthielt der Abschnitt einen Vers, in dem Gott zu Mord und Todschlag aufforderte. Die Teilnehmer spielten dann in Paaren ein Spiel, mit dem die Aggression gemessen werden konnte. Die amerikanischen Studenten waren aggressiver, wenn sie glaubten, die Geschichte stamme aus der Bibel und sie waren noch aggressiver, wenn der Vers enthalten war, in dem „Gott“ Gewalt ausdrücklich forderte. Bei den überwiegend „atheistischen“ Studenten aus den Niederlanden war der angebliche Ursprung der Passage nicht so wichtig, doch waren sie trotzdem aggressiver, wenn sie den besagten Vers enthielt.

„Gott“ ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als das „Über-Ich“, der psychische Aspekt unserer Panzerung, die unsere irrationale Gewalttätigkeit in Schach hält. Entsprechend haben auch Religionen durchaus eine rationale Funktion. Das verkehrt sich ins Gegenteil, wenn in den „Offenbarungen Gottes“ fast durchgängig zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen wird – wie es im Gegensatz zu allen anderen Heiligen Schriften im Koran geschieht. Aus orgonomischer Sicht hat der Islam kein Recht, für sich das „Grundrecht“ der „Religionsfreiheit“ in Anspruch zu nehmen.

Daß Gott wirklich nur Ausfluß der gesellschaftlichen Verhältnisse ist, zeigen Jordan Grafman (National Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesda, Maryland) et al.. Mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRI) konnte gezeigt werden, auf welche Hirnareale bestimmte religiöse Gedanken zurückgehen. Es erwies sich erneut, daß es keinen „God Spot“ gibt, also kein Hirnareal, das spezifisch für Religion zuständig ist. Vielmehr zeigen religiöse Überlegungen die gleichen Erregungsmuster wie ganz weltliche Gedanken. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Gedanke an Gott in nichts vom Gedanken an eine Romanfigur, eine historische Persönlichkeit oder etwa an einen Star, dem man nie begegnet ist.

„Gott im Gehirn“ wird durch das berühmte Fresko Michelangelos auf wunderbare Weise illustriert: Gott „ist im Gehirn“ umgeben von „Hirngespinsten“, Adam hat eine „Vision“.

Für Reich ist „Gott“ etwas anderes: das Gefühl der Erstrahlung im Bauch, das wir haben, wenn wir verliebt sind oder bei anderen Anlässen, in denen wir wirklich in Kontakt mit unserem Kern und dem uns umgebenden Orgonenergie-Ozean stehen.

Religion ist Ersatz für Orgontherapie

25. September 2013

Es gibt zwei Gruppen von Religionen, die von Bedeutung sind, also Hunderte von Millionen Menschen verblöden. Auf der einen Seite haben wir Christentum und Islam, auf der anderen Hinduismus und Buddhismus (plus den chinesischen Universalismus: Taoismus/Buddhismus/Konfuzianismus). Sie leben durchweg vom Erlösungsversprechen. Im Christentum ist es das Selbstopfer, im Islam das Opfern anderer, das unmittelbar ins Paradies führt. Für die lauen Mitläufer ist das Jüngste Gericht am Ende aller Zeiten, wo der entsprechende Lohn auf sie wartet. Bei den östlichen Religionen sieht es ähnlich aus: die wenigen karmisch Auserwählten finden durch Selbstkasteiung zur Befreiung noch im Diesseits, während die Masse darum ringt, in einem etwas angenehmeren Leben wiedergeboren zu werden und sich so langsam über die Äonen hinweg karmisch vorzuarbeiten.

Die Frage ist natürlich, von was sich die Menschen eigentlich „erlösen“ wollen! Etwas überspitzt kann man sagen, daß sich im Christentum und im chinesischen Universalismus („Lebenselixier“) die Menschen vom Tod befreien wollen („das ewige Leben“), während im Hinduismus und im Islam sie von der Bürde des Lebens befreit werden wollen („das Folterrad der ewigen Widergeburt“, „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod!“).

Allen gemeinsam ist, daß der Weg in die Erlösung durch die Unterdrückung der Sexualität geebnet werden soll. Entweder durch eine allgemeine Zügelung der Sexualität oder, wie im Islam, durch eine gezielte Unterdrückung der weiblichen Sexualität. Teilweise wird die Sexualität auch mißbraucht, insbesondere durch Coitus reservatus, wie im Tantra und im Taoismus.

Imgrunde dreht sich bei den Religionen immer alles um Sex. Hier scheint die „Ursünde“ verortet zu sein, von der sich die Menschen so krampfhaft befreien wollen. Was ihnen derartige Pein verursacht, ist unabgeführte (da wegen der Panzerung unabführbare!) und vor allem frustrierte Sexualenergie. Sie macht den Gedanken sowohl an den Tod als auch an das Leben unerträglich: an den Tod, weil man nie gelebt hat, und an das Leben, – weil man nie gelebt hat.

In der verkorksten Psyche des gepanzerten Menschen sind die Genitalien für die Stauung und das Toxischwerden der organismischen Energie (DOR) verantwortlich, denn ohne sie gäbe es die Malaise gar nicht. Nur der Kreuzzug gegen die Genitalien verspricht Erlösung, d.h. Befreiung vom DOR.

Die Religionen sind nichts anderes als ein fehlgeleiteter Ersatz für die Orgontherapie und werden deshalb in einer genitalen Welt restlos verschwinden. In der Orgontherapie werden systematisch jene Blockierungen beseitigt, die es der Energie im Körper verunmöglichen frei zu fließen. Am Ende der Therapie steht die orgastische Potenz, d.h. das Ende der Energiestauung und des Schalwerdens unserer Lebensenergie. Bioenergetischer Kontakt tritt an die Stelle des Ersatzkontaktes Religion. Weshalb es im übrigen auch falsch ist, in diesem Zusammenhang von „Atheismus“ zu sprechen: es geht nicht um Überwindung einer Illusion (Freud), sondern um Erfüllung eines Versprechens.

Orgastisch impotente Atheisten sind ohnehin ein Wiederspruch in sich selbst. Tatsächlich sind sie bei genauerem Hinsehen extrem gläubig. Ihr Glaube ist beispielsweise der Humanismus oder der „Antifaschismus“ oder irgendein anderer hirnrissiger Unsinn, der stets um das eine Thema kreist: die Überwindung des „egoistischen sexuellen Tiers“ im Menschen.

Natürlich gibt es auch theistische und atheistische „Satanisten“ (im weitesten Sinne), die mit all dem nichts zu tun haben wollen. Sie suhlen sich im DOR, Feiern die Frustration. Am Ende steht aber auch bei ihnen der gegen die Genitalien gerichtete Sadismus – a la de Sade. Sadeness:

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Leben nach dem Tod? (Teil 2)

8. Juli 2012

Daß, was Reich „DOR“ nannte, entspricht bei den Trobriandern dem „bwaulo“. Es bezeichnet, so Bronislaw Malinowski,

eine Art stofflicher Ausdünstung (…), die dem Körper des Toten entströmt und die Luft vergiftet. (…) dieser Ausdruck bezeichnet auch die Rauchwolke, die eine Siedlung besonders an dunstigen, stillen Tagen umgibt. Das todbringende bwaulo ist für gewöhnliche Augen unsichtbar, erscheint aber Hexen und Zauberern als eine schwarze, das Dorf umhüllende Wolke. (Das Geschlechtsleben der Wilden in Nordwest-Melanesien, Frankfurt 1983)

An anderer Stelle schreibt Malinowski:

Böse Hexen (mulukwausi) sollen einen exkrementähnlichen Geruch ausströmen, der sehr gefürchtet ist, besonders von Leuten auf hoher See – denn Hexen sind auf dem Wasser besonders gefährlich. Ganz im allgemeinen gilt der Geruch von Kot und verwesendem Zeug als gesundheitsschädlich. Nach dem Glauben der Eingeborenen entströmt dem Körper eines Toten ein besonderer Stoff, der zwar für das gewöhnliche Auge unsichtbar ist, aber von Zauberern wahrgenommen wird und ihnen etwa wie die Rauchwolke (bwaulo) über einem Dorf erscheint. (ebd.)

Der Hades der Griechen und die schattenhafte Totenwelt der altisraelitischen Religion sind solche DOR-Sphären. Sie sind m.E. das metaphysische Korrelat zur Trockenheit und Wüste, was sich im Christentum dann bis zur Gluthitze der Hölle steigerte. Im Alten Testament ist der Abgrund noch wertneutral der Aufenthaltsort der Toten, während im Neuen Testament daraus das Gefängnis des Teufels und der abtrünnigen Geister wird oder einfach die „Hölle“. Der Altphilologe Nietzsche sah im Hades die nochmalige Steigerung des Greisenalters, „auch mit der unwürdigen Gier nach Leben wie sie alte Leute haben“ (Studienausgabe, Bd. 9, S. 41). Aus dieser Ecke Europas kommt ja auch die Vorstellung von den „untoten“ Vampiren.

Im Vergleich fiel Malinowski bei den Trobriandern das vollständige Fehlen jeder Furcht vor Gespenstern auf. Danach kennen sie kaum

jene unheimlichen Empfindungen, mit denen wir der Vorstellung einer möglichen Rückkehr der Toten gegenüberstehen. Alle Ängste und aller Schrecken der Eingeborenen sind der schwarzen Magie, den fliegenden Hexen, boshaften und krankheitsbringenden Wesen, vor allem aber den Zauberern und Hexen vorbehalten. (Argonauten des westlichen Pazifik, Frankfurt 1984)

Hinter dem Spiritismus, der sich mit dem beschäftigt, was den Toten entströmt, verbirgt sich eine tiefsitzende Nekrophilie. Genauso wie der dröge Historiker das Leben in sich abtöten und den Tod nachahmen muß, um in das Reich der Toten eintreten zu können, muß erst recht auch der Spiritist sich abtöten, um in die andere Welt überzuwechseln. Man schaue sich nur die Spiritisten, Theosophen, Thanatologen und Leute an, die sich mit Geistererscheinungen beschäftigen: man bekommt das kalte Grausen. Nicht nur die Sache, auch die Menschen ekeln: sie haben stets etwas von Verwesung und „Mumie“ an sich. Erich Fromm hat dies in seiner Anatomie der menschlichen Destruktivität am Beispiel von C.G. Jung und anderen nekrophilen Spökenkiekern analysiert.

Heutzutage geriert sich diese Nekrophilie sogar als Aufklärung gegen unsere irrationale Verdrängung des Todes, wogegen man mit Nietzsche ausrufen möchte:

Es macht mich glücklich, zu sehen, daß die Menschen den Gedanken an den Tod durchaus nicht denken wollen! Ich möchte gern Etwas dazu tun, ihnen den Gedanken an das Leben noch hundertmal denkenswerter zu machen. (Fröhliche Wissenschaft, A 278)

Leben ist die Apotheose der kosmischen Orgonenergie und die Religionen des bewußten Lebens sollten nichts anderes als die Apotheose des Lebens sein. Religion hat die Funktion, Stimulanz des Lebens zu sein, die wie das Pinup Girl im Spind des Soldaten hilft, „den Traum vom Leben aufrechtzuerhalten“ (Christusmord, Freiburg 1978, S. 302). Reich hat zugegeben, geirrt zu haben, als er die Religion für das menschliche Elend verantwortlich machte. „Ich wußte nicht, daß der religiöse Irrtum ein Symptom und nicht die Ursache der menschlichen Biopathie ist“ (Äther, Gott und Teufel, S. 48). Und, wie dargelegt, sind wir zu Illusion, „Idealismus“ und Lüge verdammt und werden deshalb niemals in der Lage sein, vollkommen frei von Religion zu leben. Wobei natürlich nicht vergessen werden darf, daß im Glauben selbst die Seligkeit liegt, während sein Objekt an sich gleichgültig ist.

Religion entdeckt keine Realität, wie sie von sich selber behauptet, sondern sie produziert Realität. Es ist eine Fortführung der schöpferischen Funktion der kosmischen Orgonenergie. Der Glaube, z.B. an ein „Leben nach dem Tod“, ist möglicherweise in der Lage, ein entsprechendes „Feld“ (oder so) zu simulieren, das einer gewissen funktionellen Realität entspricht, die sogar meßbare Daten hervorrufen kann, z.B. auf Videobändern dokumentierte „Erscheinungen“ und Tonbandstimmen „aus dem Reich der Toten“.

Michael Shallis berichtet über ein parapsychologisches Experiment, bei dem ein Geist, dem man den Namen „Phillip“ gab, erschaffen wurde. Die Teilnehmer des Experiments erdachten zunächst seine Geschichte und seine Persönlichkeit und versuchten dann, diese rein fiktive Wesenheit in Séancen heraufzubeschwören. Nach einem Jahr erhielten sie die ersten Botschaften von Phillip und er war schließlich in der Lage, seine Anwesenheit auch durch physikalische Effekte zu zeigen. Shallis schreibt dazu, daß dies Experiment die Möglichkeit verdeutliche, jenseits bloßer Imagination, wenn auch aus Imagination, eine „höhere“ Wesenheit zu erschaffen. Einerseits könne man nun schlußfolgern, daß bei Séancen nur Gedanken und Gefühle externalisiert werden, also keine äußere Realität offenbar wird, andererseits könne der Fall Phillip aber auch der Idee Glaubwürdigkeit verleihen, daß man etwas durch bloße Willenskraft materialisieren kann (Elektroschock, Frankfurt 1992, S. 247). Und wenn eine Milliarde Menschen an den lebendigen Christus Jesus glaubt, erzeugt dieses Kraftfeld sicherlich eine entsprechende Realität, die sich vielleicht sogar autonom machen kann. Jesus lebt! Aber wenn sie an Donald Duck glauben würden, könnte auch Donald Duck leben!

So verfehlt die Frage, ob die Glaubensobjekte „wirklich“ existieren, vollkommen den Punkt. Und, was das betrifft, ist der „wissenschaftliche“ Atheismus, der vorgibt, über das absolute Wissen zu verfügen, zumindest so lächerlich wie der religiöse Glaube. Ein schönes Beispiel sind die professionellen „Skeptiker“, wenn sie ihre Heiligen Schriften hervorkramen. Wissenschaftliche „Wahrheit“ oder vielmehr „Wahrheitskrämerei“ ist nicht alles und ich will religiöse Konzepte nicht einfach rationalistisch wegerklären – denn man kann schlechtweg alles wegerklären. Auf der anderen Seite ist es jedoch absurd, die Religiösen allzu ernst zu nehmen, und vollkommen sinnlos mit diesen „Wirklichkeitskrämern“ zu diskutieren, da ihr Funktionsbereich (verglichen mit dem Bereich der Wissenschaft) so weit vom Gemeinsamen Funktionsprinzip (CFP) der Natur entfernt und auf diese Weise so vielgestaltig in seinen zahllosen Ausdrücken ist (all die Religionen und Weltanschauungen, während es nur eine Wissenschaft gibt), daß es uns nur noch weiter vom wirklichen Kontakt mit dem kosmischen Orgonenergie-Ozean wegführt – d.h. von Gott.

Das abgrundtief Böse an diesen „Wirklichkeitskrämern“ ist, daß sie für ihre krankhafte Ersatzbefriedigung Himmel und Hölle mobilisieren und so bereits unendliches Leid über die Welt gebracht haben. Prinzipiell sind sie Sozialschädlinge wie Heroinabhängige – nur daß ihre Beschaffungskriminalität diffiziler ist. Anstatt unser Leben zu bereichern, verwandeln die von ihnen propagierten höheren und oberflächlicheren Wirklichkeitsebenen das lebendige Leben in eine Hölle, indem sie wie bei Süchten ein parasitäres Eigenleben entwickeln und sich anmaßen in die tiefere Ebene des lebendigen Lebens einzugreifen. Der Geist wird zum Vampir, der vom Lebendigen lebt. Dergestalt nimmt der Mystizismus Rache am Leben. Ketzer wie Giordano Bruno werden verbrannt, die Seelen von Kindern mit lächerlichen Horrorgeschichten zerstört oder ihre Gefühle mit Ritualen und Meditation abgetötet.

So ist Religion zumeist alles andere als Apotheose des Lebens, sondern ganz im Gegenteil eine schwarze DOR-Wolke, die über dem Lebenden hängt. Insbesondere das Christentum ist mit einem dezenten Leichengeruch durchsättigt. Hinzu kommt diese pestilente Gehässigkeit, die z.B. auch den Buddhismus auszeichnet: „Der Zufall ist um seine Unschuld gebracht; das Unglück mit dem Begriff ‚Sünde‘ beschmutzt“ (Nietzsche Der Antichrist, A 25). Man kann sich einfach nichts Widerwärtigeres, Gemeineres vorstellen als diesen Schandfleck der Menschheitsgeschichte.

Wenn alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben?

29. Juni 2012

Das folgende ist eine Ergänzung zu Wenn sich die Natur gegen sich selbst richtet und geht auf eine Anfrage aus meiner schier unüberschaubar großen Leserschaft zurück.

Frager: In der Orgonomie wird Pathologie mit dem Verweis auf Panzerung erklärt. Diese behindere die natürlichen selbstregulatorischen Vorgänge, sei also etwas „widernatürliches“. Wenn aber alles Natur ist, wie kann es dann Widernatur geben?

Peter: Selbstverständlich kann nichts „der Natur“ fremd gegenüberstehen, aber hier verwenden wir einen philosophischen, allumfassenden Naturbegriff, der jede mögliche Erfahrung übersteigt. Reich hingegen folgt einem ganz pragmatischen Gebrauch dieser Begriffe, der unmittelbar mit bioenergetischem Kontakt verbunden ist.

Die Position, daß es in der Natur keine Widernatur geben könne, ist allein schon deshalb – widersinnig, weil man sich mit der Behauptung, daß grundsätzlich alles zur allumfassenden Natur gehört, selbst außerhalb dieser allumfassenden Natur stellt, so als würde man nicht dazugehören, über der Natur stehen und könnte sie deshalb überblicken. Doch diese Illusion des „draußen vor“ geht auf die biophysische Struktur der Proponenten derartiger Anschauungen zurück.

Reich hatte von Anfang an darauf bestanden, daß es sinnlos ist, derartig hochabstrakt und abgehoben zu philosophieren. Von Anfang an hat er solche Bemerkungen von der Art „Das Unbewußte kann es nicht geben, weil dieser Begriff philosophisch gesehen ein Widerspruch in sich selbst ist!“ beiseite geschoben und als das abgetan, was sie in Wirklichkeit sind: pathologische Zwangsgrübelei. – Oder anders ausgedrückt: die Behauptung, daß alles Natur ist, ist zutiefst – widernatürlich. Es ist abstraktes, philosophisches Denken, das von einer haltlosen Scheinlogik bestimmt wird. Das, was Reich als „bloße formale Logik“ bezeichnet hat, im Gegensatz zur funktionellen Logik.

Das ganze erinnert an eine Einsicht, die dem Leben von C.S. Lewis die alles endscheidende Wende gab. Der große Apologet des Christentums erinnerte sich an seine Zeit als Atheist:

Mein Einwand gegen Gott war, daß das Universum so brutal und ungerecht zu sein schien. Aber woher nahm ich diese Vorstellung von Recht und Unrecht? Jemand bezeichnet eine Linie nicht als krumm, wenn er keine annähernde Vorstellung von einer geraden Linie hat. Mit was habe ich das Universum verglichen, als ich es als ungerecht bezeichnete? (Mere Christianity)

Lewis hatte Gott, etwas „Überweltliches“, für sich entdeckt, wobei die Gleichsetzung von Sittlichkeit und Geometrie („eine gerade Linie“) kein Zufall ist, sondern natürlich auf Kant („der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“) und von dort weiter zurück auf die antike Philosophie verweist.

Für Reich ging ein solches „Denken“ auf die Loslösung der Wahrnehmung von der bioenergetischen Erregung zurück, was zu einer Aufspaltung des Welterlebens in „Welt“ hier und „Jenseits“ dort führt:

Der jenseitige Gott legt dann an die Welt die Elle der Moral an. Auf diese Weise wird aus einer pathologischen Störung (okulare Panzerung) ein ganzes Gedankengebäude, das das Leben von Milliarden Menschen bestimmt.

Was in uns gegen die Ungerechtigkeit und Brutalität rebelliert, etwa wenn der Wind einen Baum fällt, der ein glücklich spielendes Kind erschlägt, ist zwar tatsächlich „das Göttliche“ in uns, doch das steht nicht außerhalb der Natur. Dies ist eine grundsätzlich andere Weltsicht als die von Lewis und Konsorten. Ich habe versucht sie in Warum ich kein Christ bin zum Ausdruck zu bringen, mehr schlecht als recht. Sie hat etwas mit Geometrie („dem gestirnten Himmel“) und unserem Mitgefühl zu tun, aber nichts mit dem psychopathologischen Alptraum des Mystizismus. Die Widernatur ist unser Feind. Egal wie sie zum Ausdruck kommt, ob in „logischen“ Widerlegungen der Orgonomie oder in irgendwelchen Vorstellungen von „Gott“. Oder mit anderen Worten: unterschiedslos alle Philosophien und Religionen beruhen auf einem psychischen Defekt und sollten nicht allzu ernst genommen werden, selbst wenn sie scheinbar die „Logik“ auf ihrer Seite haben.

Die bioenergetische Grundlage des Atheismus

2. Mai 2012

Will Gervais und Ara Norenzayan (University of British Columbia, Vancouver) konnten anhand von 650 Probanden im psychologischen Labor nachweisen, daß analytisches, faktenorientiertes Denken und religiöse Überzeugungen funktionelle Gegensätze sind.

Psychologische Tests zeigten, daß analytisch und faktenbezogen orientierte Menschen im Durchschnitt weniger religiös sind als intuitive und gefühlsorientierte Menschen. Die erstere Einstellung konnte durch die Bank bei allen Versuchsteilnehmern verstärkt werden, indem das logische Denken angesprochen wurde. Die beiden kanadischen Forscher konnten sogar zeigen, daß allein schon die bloße Einstimmung auf Analytik ausreichte um diesen Effekt herbeizuführen, etwa der Anblick der bekannten Rodin-Skulptur „Der Denker“ oder Wortspiele, in denen Wörter wie „denken“ oder „wissen“ vorkamen.

Das zeigt, daß es hier um bioenergetische Vorgänge geht, d.h. welche Bereiche im Körper ein höheres Erregungsniveau haben: das Gehirn und das „faktenorientierte“ senso-motorische System oder der Solar plexus und das autonome Nervensystem, in dem unsere Emotionen angesiedelt sind.

Religion ist nichts anderes als der durch die Panzerung verzerrte Kontakt mit unserem bioenergetischen Kern. Klassische Musik, Naturerleben, Rituale, die Atmosphäre in Kirchen, etc. stimmt uns darauf ein und wir werden „religiös“. Gervais und Norenzayan haben den umgekehrten Prozeß nachweisen können: