Posts Tagged ‘Atheismus’

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 5. Orgonomie und Religion (Teil 2)

22. Juni 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 5. Orgonomie und Religion (Teil 2)

Orgonomie und Metaphysik (Teil 56)

2. Mai 2022

In einem Editorial von Nervenheilkunde wurde 2005 gezeigt, daß das Gerede über das „Gott-Gen“ pseudowissenschaftlicher Unsinn ist (Spitzer: Das Gott-Gen. Nervenheilkunde 24(6):457-462). Was die statistisch belegten gesundheitlichen Vorteile einer aktiven Religionsausübung betrifft, wird darauf hingewiesen, daß die Erhebungen in erster Linie den Kirchgang messen. Es geht also bei der Religion weniger um die „genetische Steuerung“ von Dopamin, Serotonin und Noradrenalin oder gar um die individuelle „Spiritualität“, sondern um das gesellschaftliche Zusammenleben: es geht um soziale Normen und Bindungen und die Stiftung von Identität. Man kann hinzufügen: es geht nicht um „höhere Welten“, sondern um unser Dasein als Herdentiere.

Der gemeinsame „Glaube“ fördert die Kohäsion der Horde von Homo sapiens (und damit das Wohlbefinden der einzelnen Menschentiere). Das Editorial fährt fort:

Eine Untersuchung von Roes und Raymond zu den Korrelationen geographischer Bedingungen der Existenz von Gesellschaften und religiösen Einstellungen scheint dies zu bestätigen: Wo wenig Wasser ist, muß man sparsam mit dieser Ressource umgehen, weswegen strengere Regeln gebraucht werden, die am besten durch strengere Götter implementiert werden. Je kärglicher das Wasser, desto strenger die Götter, lautet die Voraussage der Autoren, die sie anhand kulturvergleichender Daten zu belegen suchen.

Roes L., M. Raymond: „Belief in Moralizing Gods“, Evolution and Human Behavior, 2003, 24:126-35 – eine der zahllosen unabhängigen Belege für James DeMeos Saharasia-Theorie.

In einer Studie aus dem Jahre 2007 hat der Psychologe Brad Bushman zusammen mit seinen Kollegen von der University of Michigan gezeigt, daß Menschen desto aggressiver waren, je unverholener „Gott“ Gewalt in seinen „Offenbarungen“ sanktioniert (Experiment: Macht Bibellesen aggressiv? https://www.pro-medienmagazin.de/experiment-macht-bibellesen-aggressiv/). Untersucht wurden eine fast durchgehend „gläubige“ Studentengruppe in Utah und eine überwiegend „atheistische“ in Amsterdam. Den Teilnehmern wurde eine kaum bekannte gewalttätige Geschichte aus dem Alten Testament präsentiert, wobei der einen Hälfte erklärt wurde, dieser Abschnitt stamme aus der Bibel, der anderen Hälfte, er sei einer Schriftrolle entnommen, die von Archäologen ausgegraben wurde. Diese beiden Gruppen wurden wiederum zweigeteilt: bei einer Hälfte enthielt der Abschnitt einen Vers, in dem Gott zu Mord und Todschlag aufforderte. Die Teilnehmer spielten dann in Paaren ein Spiel, mit dem die Aggression gemessen werden konnte. Die amerikanischen Studenten waren aggressiver, wenn sie glaubten, die Geschichte stamme aus der Bibel und sie waren noch aggressiver, wenn der Vers enthalten war, in dem „Gott“ Gewalt ausdrücklich forderte. Bei den überwiegend „atheistischen“ Studenten aus den Niederlanden war der angebliche Ursprung der Passage nicht so wichtig, doch waren sie trotzdem aggressiver, wenn sie den besagten Vers enthielt.

„Gott“ ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als das „Über-Ich“, der psychische Aspekt unserer Panzerung, die unsere irrationale Gewalttätigkeit in Schach hält. Entsprechend haben auch Religionen durchaus eine rationale Funktion. Das verkehrt sich ins Gegenteil, wenn in den „Offenbarungen Gottes“ fast durchgängig zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen wird – wie es im Gegensatz zu allen anderen Heiligen Schriften im Koran geschieht. Aus rationaler Sicht hat der Islam kein Recht, für sich das „Grundrecht“ der „Religionsfreiheit“ in Anspruch zu nehmen.

Daß Gott wirklich nur Ausfluß der gesellschaftlichen Verhältnisse ist, zeigen Jordan Grafman (National Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesda, Maryland) et al. Mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRI) konnte gezeigt werden, auf welche Hirnareale bestimmte religiöse Gedanken zurückgehen. Es erwies sich erneut, daß es keinen „God Spot“ gibt, also kein Hirnareal, das spezifisch für Religion zuständig ist. Vielmehr zeigen religiöse Überlegungen die gleichen Erregungsmuster wie ganz weltliche Gedanken. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Gedanke an Gott in nichts vom Gedanken an eine Romanfigur, eine historische Persönlichkeit oder etwa an einen Star, dem man nie begegnet ist (Hsu: Scientists See God on the Brain. https://www.livescience.com/3366-scientists-god-brain.html).

„Gott im Gehirn“ wird durch das berühmte Fresko Michelangelos auf wunderbare Weise illustriert: Gott „ist im Gehirn“ umgeben von „Hirngespinsten“, Adam hat eine „Vision“.

Für Reich ist „Gott“ etwas anderes: das Gefühl der Erstrahlung im Bauch, das wir haben, wenn wir verliebt sind oder bei anderen Anlässen, in denen wir wirklich in Kontakt mit unserem Kern und dem uns umgebenden Orgonenergie-Ozean stehen.

Der Monotheismus konnte sich nur im Zentrum Saharasias entwickeln, wo mit der wachsenden Ver-Wüstung die atmosphärische Selbstregulation zusammenbrach und es entsprechende überwältigende atmosphärische Phänomene gab. In der übrigen Welt, etwa in Griechenland, herrschte weiterhin der Polytheismus vor, der nichts anderes ist als eine Projektion des Gefühlslebens des Menschen. Die Götter des Olymp sind im Unterschied zu Jahwe keine moralischen Instanzen, sondern ganz im Gegenteil, wieder psychoanalytisch ausgedrückt, die widerstreitenden Strebungen des „Es“. Der Altphilologe Robert Hübner schreibt zu dieser Glaubenswelt:

Oft hat man den Eindruck, daß die Unsterblichen nichts anderes sind als personifizierte Kräfte, Gefühle, Handlungsmöglichkeiten oder Eigenschaften des Menschen; wenn diese in ihrer stärksten Ausprägung – von intensivem Erleben begleitet – auftreten, werden sie als göttlich empfunden. (…) Diese Ausprägung des Göttlichen wird mit Ehrfurcht betrachtet: man besitzt in jenen Zeiten die Bescheidenheit, erstaunliche Energieausbrüche nicht ohne weiteres der eigenen Kraft zuzuschreiben. Es ist klar, daß diese Götter keines „Glaubens“ bedürfen: jeder erfährt sie an sich selbst ganz unmittelbar. (…) Niemand kann aber je alle inneren und äußeren Kräfte überschauen und beherrschen. Daher gibt es auch Furcht vor den Göttern. Dann werden sie als vom Menschen nicht lenkbare Wesen empfunden. Der Einzelne bleibt im Rahmen dieser Götterwelt im Grunde auf sich selbst gestellt. Das erfüllt ihn mit Stolz – aber auch mit Gefühlen der Unsicherheit und Verlassenheit. (Hübner: Elemente einer Selbstbiographie, Berlin: Edition Marco/Verlag Arno Nickel, 2015, S. 68)

Hier dreht sich alles, man möchte sagen „animalisch“, um die eigenen orgonotischen Impulse und entsprechend um das eigene Fortkommen, die eigene Familie, das eigene Volk. Universalistische Gedanken, eine allumfassende Feindesliebe und Fanatismus in „Glaubensdingen“, wie sie dem Judentum eigen sind, sind polytheistischen Völkern, wie den antiken Griechen, den Indern, Chinesen und Japanern wesensfremd.

Der Sikh und der Moslem stehen jeweils am Ende einer langen Entwicklung dieser beiden Traditionsstränge. Beispielsweise hat der Islam den Anspruch den Universalismus des Judentums zu vollenden, indem er dezidiert „nichtvölkisch“ ist. Kurioserweise hat er aber das altertümliche Stammesdenken weiter verschärft, indem er das Heil an die Mitgliedschaft in der „Umma“ (der Glaubensgemeinschaft, die idealerweise auch eine staatspolitische Gemeinschaft ist) bindet, während im Judentum jeder (auch Nichtjuden!) des Heils sicher ist, solange er ein gottgefälliges Leben führt. Nur Masochisten können überflüssigerweise zum Judentum übertreten und sich all den priesterlichen Regeln unterwerfen! Beim Islam ist es ebenfalls so, daß nicht alle Menschen zum Islam übertreten müssen – aber mit einer grundlegend anderen Implikation: Hauptsache, die Scharia gilt uneingeschränkt; die Ungläubigen sollen gar nicht alle bekehrt werden, sondern eine gewisse Anzahl hat den Moslems als weitgehend rechtlose Sklaven zu dienen.

Der Islam hat auch den Anspruch den „Polytheismus“ des Christentums (doppelte Natur Jesu, Dreieinigkeit, Maria und die Heiligen) zu überwinden und wird dadurch zu einer patriarchalen Gesetzesreligion, in der keinerlei Platz mehr für Selbststeuerung ist. Er übernimmt also das Schlechteste der beiden Traditionen: die Rücksichtslosigkeit und Amoral der Polytheisten, die nur das Eigene kennen, daß gegen das Fremde durchgesetzt werden muß, und die patriarchale Außensteuerung der Monotheisten. Die Abpanzerung ist total.

Der Mohammedanismus lastet wie ein furchtbarer Fluch auf seinen Verehrern! Nebst dem fanatischen Wahnsinn, der in einem Menschen so gefährlich ist, wie Wasserscheue in einem Hund, diese beängstigende fatalistische Gleichgültigkeit. Die Auswirkungen sind in vielen Ländern offensichtlich: leichtsinnige und sorglose Angewohnheiten, schlampige Ackerbaumethoden, schwerfälliges Wirtschaften und Unsicherheit des Eigentums herrschen überall da, wo die Nachfolger des Propheten regieren oder leben. Eine erniedrigende Sinnlichkeit beraubt das Leben seiner Würde und Größe, nebst seiner Ehre und Unantastbarkeit. Die Tatsache, daß nach mohammedanischem Gesetz jede Frau einem Mann als dessen absoluter Besitz eigen sein muß, sei es als Kind, als Ehefrau oder als Geliebte, schiebt die endgültige Ausrottung der Sklaverei zwingend solange hinaus bis der islamische Glaube aufgehört hat, bei den Menschen eine bestimmende Macht zu sein. Einzelne Moslems mögen großartige Qualitäten aufweisen, aber der Einfluß der Religion lähmt die gesellschaftliche Entwicklung derer, die ihr nachfolgen. Es gibt keine rückschrittlichere Kraft in der Welt. (Winston Churchill: The River War, 1899)

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Wenn alles Natur ist, wie kann es dann Wiedernatur geben?

21. März 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 1. Die Apokalypse / Wenn alles Natur ist, wie kann es dann Wiedernatur geben?

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: 1. Die Apokalypse / Die Synagoge Satans

18. März 2022

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DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / 1. Die Apokalypse / Die Synagoge Satans

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Das Glaubensbekenntnis des Autors

4. Februar 2022

DER VERDRÄNGTE CHRISTUS / Band 2: Das orgonomische Testament / Das Glaubensbekenntnis des Autors

Orgonomie und Metaphysik (Teil 3)

26. Oktober 2021

Reich 1950:

Materielle Organismen sind Werkzeuge der Orgonenergie und nicht umgekehrt. An dieser Stelle ist es wichtig, sich vor dem Mystiker zu schützen. (…) Die Seele des Mystikers ist nichts anderes als die Orgonität der Orgon-Biophysik. In beiden Fällen sind der Körper, die Form, die Materie nur die Werkzeuge des Geistes. Der Mystiker mißversteht uns. Wir haben es mit greifbaren, meßbaren und sichtbaren Manifestationen von Energie zu tun. Ein „Geist“ ist weder greifbar, noch meßbar, noch sichtbar. Es liegt in der Tat im Charakter eines mystischen Geistes, daß er unerkennbar, unkontrollierbar bleibt. Der Geist des Mystikers hat nichts mit der Orgonenergie zu tun, außer dieser einen Verbindung: Was wir im praktischen Sinne zu verstehen vermögen, lebt und erlebt der Mystiker als Spiegelbild. Natürlich hat auch ein Mystiker manchmal recht. Leider weiß er nicht, wo: Der mystische Geist ist das Spiegelbild unserer Orgonenergie, unverständlich, surreal, nutzlos und unmeßbar. („The Orgone Biophysical Meaning of Bions“ Orgonomic Functionalism No. 8, Spring 2021, S. 123)

Das Fatale dabei ist, daß der Mystiker dieses Ungreifbare wie einen fixen Gegenstand behandelt. Der Geist ist sozusagen die „greifbare Wirklichkeit“, während die materielle Welt nur eine Schimäre, „Maya“, ist.

Erhellend in einem negativen Sinne fand ich Seite 99 von Jürgen Fischers Buch Orgon und DOR (Berlin 1995), wo er sich kurz mit Energiefeldern beschäftigt, die die Grundlage der materiellen Erscheinungen seien. Schön und gut, aber in seiner Beschreibung sind diese Energiefelder etwas Statisches, sozusagen eine fixe Blaupause, nach der sich dann die materiellen Strukturen richten. Wenn man dies mit bestimmten Gedankgängen bei Heiko Lassek und Arnim Bechmann ebenfalls von ca. 1995 vergleicht, dann sieht man, daß hier ein Einfallstor steckt, durch das der Mystizismus in die Orgonomie eindringt. Diese Leute können als Vertreter der Orgonomie auftreten, sogar als „orthodoxe“ Vertreter der Orgonomie, denn für sie ist ja das Orgon das Primäre, auf das alles andere beruht. Für Reich war es nur so, daß die Orgonenergie das Bewegende war, während die Materie dieser Bewegung Grenzen zog (z.B. die organismische Orgonenergie vs. die sie umhüllende Membran; oder die Überlagerung zweier vorher freier Orgonenergie-Ströme, die nun einander eine „materielle“ Grenze sind): aus diesem dialektischen Gegensatz geht die Form hervor. Bei den mystischen (vermeintlichen) Vertretern der Orgonomie ist diese Dialektik verschwunden und eine starre, undialektische Naturphilosophie an ihre Stelle getreten, bei der geistige Formprinzipien sich zunächst in „feinstofflichen“ und dann in materiellen Seinsebenen äußern.

Von Seiten der „Esoterik“ wird versucht, die Orgonenergie selbst, die durch die Erforschung der orgastischen Plasmazuckung entdeckt wurde (Orgasmusformel, bioelektrische Experimente, Bion-Experimente), für „spirituelle“ Zwecke zu instrumentalisieren. Demnach ist die Orgonenergie sozusagen eine vermittelnde Zwischenschicht zwischen dieser Welt und der „geistigen Welt“. Die Orgonenergie wird zu etwas rein Subjektivem, das weitgehend bar einer physikalisch meßbaren Realität ist. Etwas, was dem „Geist“ erlaubt, sich in der materiellen Welt zu manifestieren.

Die Orgonomie war von Anfang an mit derartigen Vorstellungen konfrontiert. Schon Anfang der 1920er Jahre setzte sich Reich mit vermeintlich „esoterischen“ Ansätzen in seinen Buchbesprechungen auseinander, die er für psychoanalytische Zeitschriften schrieb. In den 1930er Jahren war Reichs Freund und Mitarbeiter Roger DuTeil ein Bergsonianer und „Spiritualist“. In seinem in der Originalausgabe Die Bione von 1938 veröffentlichten Aufsatz „Leben und Materie“, billigt er dem Leben eine metaphysische Sonderstellung zu. Reich selbst wollte diesen Aufsatz aus späteren Auflagen gestrichen wissen, was ja auch geschah, und im übrigen bestritt Reich schon damals ausdrücklich, daß „das Lebendige ein vom Nichtlebenden völlig abgetrenntes, eigens metaphysisch gegebenes Gebiet“ sei (ebd.). Sechs Jahre später sagt er in seinem Artikel „Orgonotic Pulsation“:

Wenn wir nicht vorsichtig vorgehen, könnten durchaus einige Generationen von Mystikern erstehen, die das Orgon metaphysisch, losgelöst von der nicht-lebenden Natur und nicht vom Standpunkt der Naturwissenschaft her verstehen. Und ich denke, wir haben bereits mehr als genug Mystizismus in dieser Welt. (Orgonomic Functionalism, No. 5, S. 44)

Der Artikel zeigt, wie sich Reich ganz von Zugeständnissen an sowohl den („dialektischen“) Materialismus als auch insbesondere den „Spiritualismus“ befreite. In „Orgonotic Pulsation“ strebt er danach, sich langsam von allen Begriffen, die irgendwelche Konnotationen mit materiellen oder „spirituellen“ Substanzen haben, zu befreien. Entsprechend spricht er von „orgonotischer Erregung von Isolatoren“ statt „Ladung“, und von „orgonotischer Anziehung und Abstoßung“ statt „Kontraktion und Expansion“. An anderer Stelle will er den Substanz-Begriff „vegetative Strömung“ durch die funktionelle „plasmatische Erregung“ ersetzt wissen (Der Krebs, Fischer TB, S. 347).

Was machen nun die ach so innovativen „Weiterentwickler“ der Orgonomie? Sie fallen noch hinter die provisorische, von Substanzbegriffen geprägte Orgonomie der Anfänge zurück, reden von irgendwelchen Seelensubstanzen und müssen metaphysische „Formgesetze“ erfinden, die ihr „chaotisches“ mechano-mystisches Universum ordnen. Wie Reich schreibt: „Mit Zwecken läßt sich leicht alles erklären“ (ebd., S. 77f). Man braucht nicht mehr die Natur unbekannter Funktionen mühsam ergründen, vielmehr wird einem alles fertig auf dem Tablett serviert: es ist „Gottes Wille“, es ist der „Geist“, das „Naturgesetz“, dem alles folgt. Für Blitze ist der Donnergott verantwortlich! – Nichts anderes verbirgt sich hinter inhaltsleeren Begriffen wie „Wirkstruktur“. Was ist für die Struktur der Bion-Präparate verantwortlich? Jenseitige Strukturen!

In die gleiche Kategorie gehören die „Lösungen“ für das Rätsel des menschlichen Bewußtseins. Was ist Bewußtsein? Das „metaphysische Heinzelmännchen“ wie Reich es nennt,

das angeblich im Hintergrunde der Lebensfunktionen wirkt, denkt, fühlt, empfindet, reagiert. Das führt nirgends hin. (ebd., S. 400)

Nach Reich ist Bewußtsein das Zusammenfließen der diversen Sinneseindrücke und Emotionen in eine funktionelle Einheit (Äther, Gott und Teufel, Frankfurt 1983, S. 63). Sinneseindrücke und Emotionen führt Reich ihrerseits bis „auf die Bewegungsformen der Weichtiere und Protisten“ (Charakteranalyse, KiWi, S. 519) und letztendlich auf die „Reizempfindlichkeit des rein physikalischen Orgons“ zurück (Äther, Gott und Teufel, S. 91). Das bedeutet nicht, daß Bewußtsein Tiefe hätte und bis „ins Orgon“ zurückreicht! Vielmehr tritt etwas ins Bewußtsein, wenn ein Impuls an die Oberfläche durchdringt. Bewußtsein ist demnach ein Oberflächenphänomen.

Vom Mystizismus infizierte Leute sprechen von einem „primordialen Bewußtsein“, das Erinnerungen etwa so speichert wie ein Magnetband. Dabei hat Reich in der Charakteranalyse lang und breit ausgeführt, daß das Ich die Summe aller vergangenen Erlebnisse ist. Da wird nichts mechanisch „abgespeichert“, sondern in der Vergangenheit wurden bestimmte Weichen für die Strukturierung des sich entwickelnden Organismus gestellt, weshalb „Erinnerungen“ nichts anderes sind als die Wahrnehmung der aktuellen biophysischen Struktur des Organismus. Wie sollte es auch anders sein? Imgrunde sagen die „Weiterentwickler“ der Orgonomie natürlich auch nichts anderes, nur daß sie die Welt überflüssigerweise verdoppeln.

Die „Orgonmystiker“ fallen der Panzerung zum Opfer. Das, was sie wahrnehmen, ist die durch die Panzerung „umgebogene“ und verzerrte Orgonenergie, die entsprechend etwas Krankhaftes, „Okkultes“ an sich hat und auf ein „Jenseits“ ihrer selbst verweist – d.h. auf jenseits der Panzerung. Die vermeintliche Wahrnehmung der Orgonenergie entspricht hier der krankhaften Transformation von Emotion in Sensation.

Wenn etwa Tantra Antisexualität ist, nämlich orgastische Impotenz, sind entsprechend „Orgonesoteriker“ Antiorgonenergie, d.h. Panzerung.

Die folgende Abbildung beschreibt in etwa was geschieht:

David Holbrook, M.D.: SOLSCHENIZYN, DOSTOJEWSKI, GOTT UND DER KOMMUNISMUS / ÜBERLEGUNGEN ZU POLITIK, POLARISIERUNG UND DER FRAGE NACH DEM „GEIST“

20. April 2021

DAVID HOLBROOK, M.D.:

Solschenizyn, Dostojewski, Gott und der Kommunismus

Überlegungen zu Politik, Polarisierung und der Frage nach dem „Geist“

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Geist und DOR

4. Dezember 2020

 

EIN QUERSCHNITT DURCH DAS SCHAFFEN JEROME EDENs: Geist und DOR

nachrichtenbrief170

13. September 2020

Orgonometrie (Teil 3): Kapitel 62

7. Mai 2020

orgonometrieteil12

62. Die Falle „Konsistenz“

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