Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 145)

[Diese Reihe soll zur Auseinandersetzung mit Bernd A. Laskas LSR-Projekt animieren.]

1929 hat Reich in seiner Schrift Psychoanalyse und Dialektischer Materialismus Marx als Verkörperung der Bewußtwerdung der ökonomischen Gesetze, bzw. der ökonomischen Ausbeutung, gedeutet und parallel dazu Freud im Bereich des Sexuellen die gleiche Stellung zugewiesen (die Lebensreform- und Mentalhygiene-Bewegung seit der Zeit des Jugendstils). Alles im Sinne des Historischen Materialismus, dem sich Reich kurz zuvor verschrieben hatte. Später, mit Verstreichen der 1930er Jahre, hat er das dann zunehmend im Sinne einer „objektiven Logik“ gesehen, der Logik der Entfaltung der „vegetativen Energie“ und sich selbst als bloßes Werkzeug dieser Logik. Es ist nur konsequent Stirner an die Stelle von Marx zu setzen und Reich selbst an die Stelle von Freud. Und das dann auf LaMettrie auszudehnen, der an die Stelle von Kant und Rousseau tritt.

Apropos „Wellen“: Kann man Schopenhauers und Nietzsches Einfluß auf die Deutschen unterschätzen? Aber die beiden sind auch nicht vom Himmel gefallen, sondern wurzeln in der romantischen Strömung. Es ist immer die Frage nach dem Huhn und dem Ei. War zuerst die gesellschaftliche Strömung da, die in Deutschland zweifellos bis auf die Bauernkriege und dann den 30jährigen Krieg zurückgeht, dann der Pietismus, etc. also „das Huhn“ – oder war es „das Ei“, irgendein Denker. Kann man etwa Luthers Einfluß überhaupt unterschätzen? Was ist die „Ideengeschichte“ neben der „materiellen Geschichte“? Man nehme etwa die Rolle der „ideelen“ Jugendmusik (d.h. Negermusik) und der „materiellen“ Pille in den letzten 60 Jahren!

Nach Reich war etwa Hitler vollkommen unbedeutend, ein echter Fliegenschiß in der Geschichte. Bedeutsam wurde er nur, weil seine Charakterstruktur so paßgenau zu der des durchschnittlichen Deutschen gepaßt hat. Aber wo wären wir heute ohne Hitlers nicht weiter reduzierbaren persönlichen Idiosynkrasien? Ein mehr maritim orientierter Mensch hätte den Krieg gewonnen: die ansonsten ziemlich nutzlose deutsche Marine überfällt Leningrad, Gibraltar, ohne das das Britische Empire nicht lebensfähig ist, wird von einem mit deutschen Konzessionen überschütteten Spanien heim geholt und eine weitaus größere U-Boot-Flotte sperrt den Atlantik. Das hätten weder Rußland noch England überlebt und Italien hätte keinen Schaden mehr anrichten können.

Es gab zwei alles entscheidende Umbrüche in der Menschheitsgeschichte: etwa 4000 Jahre vor Christi die Entstehung der Panzerung („der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“) und etwa 1960 der (Anfang des) Zusammenbruch(s) eben dieser Panzerung („die sexuelle Revolution“). Das ist der Wechsel von der autoritären zur antiautoritären Gesellschaft und die Umstrukturierung des Menschen von der Muskel- zur Augenpanzerung. In Begriffen des Über-Ichs der Wechsel von einem mehr oder weniger in die psychische Struktur gut integrierten Über-Ich zu einem „isolierten Über-Ich“, wie Reich es bereits 1925 in seiner Beschreibung von „Lumpenproletariern“ und „Perversen“ beschrieben hat (Der triebhafte Charakter). Dieses „isolierte Über-Ich“ agiert wie eine unkontrollierbare autodestruktive Triebregung und führt zu Drogenmißbrauch, Selbstverstümmelung und all dem, was heute die „woke“ antiautoritäre Gesellschaft und ihr ausgeklügeltes Selbstmordprogramm auszeichnet.

Die philosophischen Strömungen mit „gesellschaftlicher Relevanz“ sind all die, die den besagten welthistorischen Umbruch entweder getreulich widerspiegeln (insbesondere die „Dekonstruktion“ a la Derrida) oder sich ihm explizit entgegenstellen (all die sich politisch verdächtig machenden Philosophen, beispielsweise, keine Ahnung, Sloterdijk?) bzw. über ihn hinausweisen (Laska).

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7 Antworten to “Reflektionen über Max Stirner von konservativer Warte (Teil 145)”

  1. Avatar von Robert (Berlin) Robert (Berlin) Says:

    „Ein mehr maritim orientierter Mensch hätte den Krieg gewonnen“

    Zweifelhaft. Die Alliierten hatten doch viel mehr Ressourcen etc. Und wäre das überhaupt erstrebenswert gewesen?

    „Es gab zwei alles entscheidende Umbrüche in der Menschheitsgeschichte: etwa 4000 Jahre vor Christi die Entstehung der Panzerung („der Einbruch der sexuellen Zwangsmoral“) und etwa 1960 der (Anfang des) Zusammenbruch(s) eben dieser Panzerung („die sexuelle Revolution“).“

    Kann man beide Wechsel in der Quantität und Qualität generell gleichsetzen? Außerdem trifft die letztgenannte Umsetzung fast nur auf den Westen und Verbündete zu.

    • Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

      Nehmen wir als Beispiel den Westfeldzug: Frankreichs Armee war weitaus stärker als die Deutschlands…

      Erstrebenswert? Das ist eine ganz andere Kategorie.

      Der Umbruch in der übrigen Welt ist vielleicht noch stärker als im Westen. wir erleben das unmittelbar anhand der Bereicherung als diesen Gefilden.

      Ob die beiden Menschheitszensuren vergleichbar sind? „1960“ war globaler, schneller sich ausbreitend und fundamentaler. Fundamentaler, weil man mit Panzerung gut leben kann, während der Wegfall der Panzerung immer chaotisch ist. Das macht ja auch die Orgontherapie so schwierig.

  2. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    Die Weltverschwörung spring dir ins Gesicht! Und: laß dir nichts, nichts und nochmals NICHTS gefallen! Und schon garnicht von diesem Ungeziefer!

  3. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:
  4. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:
  5. Avatar von Peter Nasselstein Peter Nasselstein Says:

    DER Grund, warum ich die Grünen abgrundtief HASSE:

    https://youtu.be/_kuyP0QWlMg

  6. Avatar von Ed Malek Ed Malek Says:

    „There were two crucial upheavals in human history: around 4000 years before Christ the emergence of armor („the onset of compulsory sexual morality“) and around 1960 the (beginning of the) collapse of this armor („the sexual revolution“).“

    A great summary of what ails mankind (English: in a nutshell) for anybody versed in Orgonomy, for others, it is wholly incomprehensible.

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