Freud, Rank, Jung, Adler und Reich

Reich hat nie bestritten, daß es „Komplexe“ gibt, so etwas wie Freudsche perverse Triebe, Ranksche Geburtstraumata, Jungsche „Archetypen“ und einen Adlerschen „Willen zur Macht“. Es ist nur so, daß durch die Orgasmusfunktion diesen seelischen Gegebenheiten die Energie entzogen wird. So hat die Orgasmustheorie einen grundsätzlich anderen Charakter als „andere“ monokausale Theorien. Der Reichsche Gesundheitsbegriff beinhaltet nicht, daß einer keine perversen Triebe hat, sondern daß diesen Trieben die Energie entzogen wird. Wenn man einen harmlos tropfenden Wasserhahn mit dem Daumen zudrückt, spritzt er nach einiger Zeit gefährlich.

Beispielsweise ist der Rassismus biologisch vorgegeben. Menschen „fremdeln“. Wie sollte es anders sein? Durch den neurotischen Energiestau aufgrund orgastischer Impotenz bricht dieses potenziert aus. Die Kultur versucht das zu beherrschen, indem entweder jede Menge zusätzlicher Dämme und Kanäle gebaut werden, um die hervorsprudelnde Irrationalität zu beherrschen, oder es wird versucht sozusagen den Wasserhahn ganz abzudrehen, wie etwa im Buddhismus. Als Illustration möge der Unterschied in den Philosophien Hegels (vernunftgemäße Kanalisierung der Dynamiken) und Schopenhauers (Verneinung des „Willens“) dienen.

Die Grundfrage ist, ob die natürliche „Triebausstattung“ jenseits der Frage, ob diese Triebe „gut“ oder „böse“ sind, grundsätzlich mit genitalorgastischer Selbstregulation vereinbar sind oder nicht. Freud, für den der Mensch ein „sadomasochistisches Tier“ war, verneinte dies, während Reich der inhärenten Rationalität der Natur vertraute.

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..